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Dow Jones Prognose Dow Jones: Eine „Flucht nach vorne“ mit Erfolgschance?

News: Aktuelle Analyse des Dow Jones Index

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Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Vorherige Analysen des Dow Jones Index

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 11.01.2026 um 13:45 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Ein Prozent fehlt noch, dann hätte das US-Index-Flaggschiff Dow Jones mit der 50.000 eine Marke mit unglaublicher Symbolkraft erreicht. Aber diese runde Marke ist nicht nur psychologisch relevant, hier finden sich auch charttechnische Hürden.

Irgendwie ist das schon bemerkenswert: Im Januar 2018 war Donald Trump knapp ein Jahr im Amt, als der Dow Jones erstmals die 25.000 Punkte-Marke überbot. Heute sitzt er in seiner zweiten Amtszeit erneut knapp ein Jahr im Weißen Haus … und der Dow Jones steuert auf eine Verdoppelung und damit auf eine Marke zu, die noch deutlich mehr Symbolkraft hat. 50.000 Punkte … das klingt gewaltig. Und ist es auch, wenn man sich ansieht, dass der Index damals, Anfang 2018, ein Kurs-/Gewinn-Verhältnis von 22,4 auswies und jetzt eines von 25,5. Nicht nur der Dow Jones notiert hoch, auch seine Bewertung ist es.

Was indes kein zwingendes Hindernis für weitere Kurssteigerungen sein muss, solange genug Marktteilnehmer davon überzeugt sind, dass starkes Gewinnwachstum im neuen Jahr diese Bewertung schon drücken wird. Und auch, wenn erfahrene Investoren wissen, dass Leitzinssenkungen dahingehend kein Allheilmittel sind und ein von der US-Notenbank zuletzt prognostiziertes Wirtschaftswachstum von 2,3 Prozent für 2026 zumindest nicht gerade üppig wäre: Solange die vielen Anleger, die wenig bis gar kein Basiswissen mitbringen, durch sukzessiv neue Rekorde am Aktienmarkt bei Laune gehalten werden, könnte die Hausse weitergehen, an und über die 50.000 hinaus. Vorausgesetzt …

Expertenmeinung: … dass weiterhin so viel frisches Sparer-Kapital zufließt, dass auch große Adressen, auch und gerade die Hedgefonds, keine sinnvolle Basis sehen, Warnsignale, die sie registrieren, tatsächlich in größere Verkäufe oder gar in einen Switch auf die Short-Seite umzusetzen. Denn solche Warnsignale gibt es, über die Bewertung und das eher instabile wirtschaftliche Umfeld mit einem wackligen Arbeitsmarkt und einer düsteren Verbraucherstimmung hinaus, auch im Chartbild. Denn die 50.000 könnte man nicht nur rein von ihrer Dimension her als Ziel und damit als Ausstiegslevel einordnen, sondern auch seitens der Charttechnik.

Dow Jones: Tages-Chart vom 09.01.2026, Kurs 49.504,07 Punkte, Kürzel: INDU | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Dow Jones: Tages-Chart vom 09.01.2026, Kurs 49.504,07 Punkte, Kürzel: INDU | Quelle: TWS

Wir sehen im Chart auf Tagesbasis, dass der Dow Jones nahe der oberen Begrenzungslinie eines im Mai etablierten Aufwärtstrendkanals angekommen ist. Diese Linie kreuzt die 50.000 im Verlauf dieser Woche. Würde er deutlicher darüber hinauslaufen, wäre das ein „Overshooting“, welches das Rückschlagrisiko erhöhen würde, zumal das dann auch mit einem überkauften Level der Markttechnik einhergehen dürfte. Darüber hinaus hat der Index auch die obere Begrenzungslinie des mittelfristigen, im Herbst 2022 etablierten Aufwärtstrendkanals erreicht bzw. leicht überboten; eine Linie, an der er im Oktober und November abgedreht hatte.

Aber all das sind Aspekte, die den Dow nur bremsen, wenn genug Akteure sie sehen und wirklich ernst nehmen würden. Zuletzt hat das Gros der Marktteilnehmer immer wieder Warnsignale ignoriert, daher wäre es zumindest keine allzu große Überraschung, wenn man diese zusätzliche Relevanz der 50.000er-Marke großenteils gar nicht wahrnehmen und somit auch nicht darauf reagieren würde.

Runde Marken wie diese werden oft eher zäh überwunden. Es könnte, wenn es läuft wie in früheren Jahren, durchaus ein paar Wochen dauern, bis der Index die 50.000 deutlicher unter sich lässt … immer vorausgesetzt, dass nichts passiert, das die derzeitige Sorglosigkeit in Angst verwandeln würde. Aber dass diese „magische Marke“ erreicht und überboten würde, wäre realistisch. Wichtig wäre nur eines: Gegen den Trend zu agieren ist nie eine gute Idee … Aber in einem solchen, nahezu als „überreif“ einzustufenden Trend ohne konsequente Absicherung auf der Unterseite mitzulaufen, wäre kaum weniger riskant. Konsequente, sukzessiv nachgezogene Stoppkurse wären hier jetzt zwingend!

Dow Jones: Wochen-Chart vom 09.01.2026, Kurs 49.504,07 Punkte, Kürzel: INDU | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Dow Jones: Wochen-Chart vom 09.01.2026, Kurs 49.504,07 Punkte, Kürzel: INDU | Quelle: TWS
Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 13.12.2025 um 13:12 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Im Mai 2024 überbot der Dow Jones erstmals die 40.000-Punkte-Marke. Jetzt klopfen die Trader bereits an die magische Marke von 50.000. Bis auf 2,3 Prozent war der Index am Freitag an die Linie herangekommen. Das müsste doch bis zum Jahresultimo ein Klacks sein?

Solange der Ausbruch über das November-Hoch (48.432 Punkte) nicht zur Bullenfalle wird, was dann der Fall wäre, wenn das US-Index-Flaggschiff umgehend deutlich weiter abrutscht, wäre das tatsächlich denkbar.

Dow Jones: Tages-Chart vom 12.12.2025, Kurs 48.458,05 Punkte, Kürzel: INDU | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Dow Jones: Tages-Chart vom 12.12.2025, Kurs 48.458,05 Punkte, Kürzel: INDU | Quelle: TWS

Denn wenn Anleger erst einmal von der psychologischen Sogwirkung einer derart plakativ wirkenden, runden Marke wie der 50.000 erfasst wurden, überlagert dieses Gefühl des Gipfelsturms gerne mal andere, weniger positive Aspekte. Das Problem könnte in diesem Fall indes sein:

Es sind ziemlich viele weniger positive Aspekte. Und das fängt schon bei der Charttechnik an. Denn ja, der Ausbruch über das November-Hoch ist erfolgt und wurde mit dem Minus des Freitags bislang nur konsolidiert. Zieht der Dow Jones umgehend wieder an, wäre das ein den Ausbruch bestätigender Pullback.

Dow Jones: Wochen-Chart vom 12.12.2025, Kurs 48.458,05 Punkte, Kürzel: INDU | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Dow Jones: Wochen-Chart vom 12.12.2025, Kurs 48.458,05 Punkte, Kürzel: INDU | Quelle: TWS

Doch schaut man hinüber zum Chart auf Wochenbasis, fällt auf, dass der Index mit diesem neuen Hoch leicht über die obere Begrenzung des 2022er-Aufwärtstrendkanals lief und mit dem Freitags-Closing dann an, aber nicht über dieser Begrenzungslinie geschlossen hat. Und der erste Versuch, sich da nach oben hinaus abzusetzen, der im November erfolgte, der ging schief. Nichts, worüber man sich Sorgen machen müsste, wäre das Umfeld bullisch. Aber das ist es ja – womöglich – nicht.

Expertenmeinung: Das Wort „womöglich“ taucht deswegen da auf, wo es normalerweise keinen Platz hätte, weil man nüchtern betrachtet nicht weiß, wie es um die US-Konjunktur bestellt ist. Solange keine Nachrichten als gute Nachrichten angesehen werden, kann man sogar eine im Vorfeld erwartete und nicht einmal einstimmig erfolgte Zinssenkung der US-Notenbank feiern, als wäre die ein Durchbruch hin zu noch besseren Zeiten. Aber die Zeit ohne Konjunkturdaten endet.

In Kürze sollen immerhin die US-Arbeitsmarktdaten für November kommen. Wie es mit den vorherigen Zahlen aussieht, ist nicht ganz sicher, vermutlich werden zumindest die Oktober-Daten nie kommen. Auch in Sachen Inflation fehlt zu viel, um sich ein klares Bild machen zu können. Aber dass die US-Notenbank letzten Mittwoch als Eigenprojektion nur eine kleine 0,25-Prozent-Senkung für 2026 sieht, sollte klar machen: Die Gemengelage ist knifflig. Und dazu kommen Entscheidungen, die, wenn sie erst einmal auf dem Tisch liegen, Risiken bergen:

Zwar mögen einige darauf setzen, dass Donald Trumps Wahl als Nachfolger für „Fed“-Chef Powell umgehend massiv die Leitzinsen senkt und damit die Zeit des billigen Geldes zurückbringt – beide von ihm genannten Kandidaten würden ihm da wahrscheinlich folgen. Aber Aussagen, nach denen Trump wünscht, dass sich der zukünftige Notenbankchef vor Entscheidungen mit ihm abstimmt, sollten eigentlich eine gelinde Panik auslösen: Das hieße das Ende der Unabhängigkeit der US-Notenbank. Zumal damit klar würde: Die Verschuldung, ob bei Regierung, Kommunen, Unternehmen oder Privathaushalten, würde noch mehr aus dem Ruder laufen, als es jetzt schon der Fall ist. Kurzfristig für Aktien womöglich bullisch, nur: Genau genommen hat man das ja jetzt schon vorweg eingepreist.

Der Gipfelsturm des Dow Jones an und ggf. sogar über die „magische“ 50.000-Punkte-Marke ist daher einer, der womöglich auf einer Leiter vonstattengeht, die keine Sprossen hat. Dass man das schlicht nicht weiß, weil über den wichtigsten Daten der Nebel der Shutdown-Folgen liegt, macht die Sache nicht besser, denn der wird sich zwangsläufig in den kommenden Wochen lichten.

Das muss den weiterhin intakten Aufwärtstrend nicht brechen, keine Frage. Aber man täte gut daran, immer im Hinterkopf zu haben, dass diese so ungewöhnlich hohe Unsicherheit über die Lage das jederzeit bewirken könnte – ob unter, an oder über der 50.000er-Marke, würde dann keine Rolle spielen. Fazit: Der Dow ist bullisch, weist aber ein ungewöhnlich hohes Risiko für plötzliche Abwärtsimpulse auf.

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 11.11.2025 um 23:17 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Obwohl „runde Marken“ bei Indizes faktisch keine Bedeutung haben können, weil ganz andere Aspekte über Wohl und Wehe eines Trends entscheiden sollten, werden sie immer wieder zum Ankerpunkt kurzfristiger Hopp-oder-Topp-Aktionen. Auch und gerade beim Dow Jones.

Der langfristige Chart des Dow Jones ist logarithmisch skaliert, so dass die Bewegungen prozentual immer optisch vergleichbar bleiben. Was sofort deutlich macht: Der seit April laufende Aufwärtstrendimpuls gehört zu einer übergeordneten Hausse, die nicht nur bereits seit 2009 läuft, sondern von der Reichweite her schon ganz andere Aufwärtsbewegungen gesehen hat.

Grundsätzlich, rein vom Blick auf die Vergangenheit, wäre ein Run an (und aus Sicht der Bullen natürlich idealerweise über) die runde Marke von 50.000 Punkten denkbar.

Dow Jones: Monats-Chart vom 11.11.2025, Kurs 47.927,96 Punkte, Kürzel: INDU | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Dow Jones: Monats-Chart vom 11.11.2025, Kurs 47.927,96 Punkte, Kürzel: INDU | Quelle: TWS

Zwar gäbe es eine ganze Liste von Argumenten dafür, dass der Dow-Jones-Index bereits jetzt höher steht, als er rational betrachtet stehen dürfte. Aber eine rationale, emotionslose Einschätzung der Lage ist an der so sehr von Emotionen dominierten Börse eben die Ausnahme. Das bullische Lager bohrt durchaus kein dünnes Brett, wenn es sich sagt:
Solange es uns gelingt, den Aufwärtstrend aufrechtzuerhalten, werden die normalen Anleger einfach immer weiter kaufen. Selbst, wenn dort das Geld knapp wird, ließe sich durch eine Verlagerung in höher gehebelte Derivate noch allerhand nach oben erreichen. Und gelingt es, neue, runde Marken zu überwinden, taucht das US-Index-Flaggschiff sofort in den Schlagzeilen auf, was üblicherweise kurstreibend wirkt. Aber das Spiel folgt gewissen Regeln:

Expertenmeinung: Um diese runden Marken muss erst einmal ein bisschen Gewese veranstaltet werden. Der Langfrist-Chart zeigt beispielsweise, dass der Dow an der 30.000er- ebenso wie an der 40.000er-Marke erst einmal stoppte, um sie später, wenn die Gewinnmitnahmen abgearbeitet sind und der überkaufte Level der Markttechnik abgebaut ist, nachhaltig zu überwinden. Dass dieses „Stoppen“ vor der 30.000 deutlich heftiger ausfiel als gedacht, lag an Corona. Trotzdem, am Ende hielt die Bullen auch das nicht auf. Und dass der Dow Jones im April die im Monatschart dick blau hervorgehobene 1.000-Tage-Linie testete und wieder einmal verteidigte, ist ein gutes Fundament: Das hatte schon in früheren Jahren neuen Schwung gebracht, wie der Chart zeigt.

Aber jede 1.000er-Marke will eigens „erklommen“ sein. Bei 47.000 Punkten zuckte der Index Anfang Oktober erst einmal zurück, Ende Oktober lief es bei der 48.000 genauso. Bis 48.041 Punkte ging es, dann kam ein kleiner Rücksetzer … und jetzt wäre der Index wieder dran, sprungbereit, diese Marke mit Ziel 50.000 im Sturm zu nehmen. Im zweiten Anlauf eine runde Marke zu nehmen, generiert den Eindruck von Stabilität. Es wirkt, als würde man die Sache mit Bedacht und langsam angehen. Zumindest für diejenigen, die sich um die zu geringe Marktbreite der Hausse und die untypisch hohe Bewertung nicht scheren, entweder, weil es ihnen egal ist oder weil sie davon nichts wissen.

Was es auch braucht, ist einen Anlass. Den soll das Ende des Shutdowns liefern. Dass die Rückkehr zum Status quo eigentlich kein Argument für neue Hochs am Aktienmarkt ist, vor allem, weil man nicht behaupten könnte, dass der rekordlange Shutdown in irgendeiner Weise vorher den Markt gedrückt hätte: Sei’s drum, das irritiert die Wenigsten. Nur schiefgehen darf das eben nicht. Hopp oder Topp ist immer, auch wenn es meistens zugunsten der Bullen ausgeht, ein gewagtes Spiel. Und dies hier, das ist gewagt.

Denn noch ist, Stand Dienstagabend, nicht absolut sicher, dass der Shutdown noch diese Woche endet. Und vor allem ist völlig offen, was wir dann an Konjunkturdaten zu sehen bekommen. Das bullische Lager mag die internen Berechnungen von Goldman Sachs ignorieren, die zu dem Schluss kamen, dass der US-Arbeitsmarkt im Oktober womöglich um die 50.000 Arbeitsstellen verloren hat, was die übelste Entwicklung seit 2020 wäre. Aber die ausstehenden Zahlen des US-Arbeitsministeriums für September und Oktober werden kommen, zudem die erste Berechnung des US-Bruttoinlandsprodukts im dritten Quartal. Derzeit tradet man auf Basis der Arbeitsmarktdaten von August und der Wachstumszahlen per Ende Juni.

Es muss daher klar sein, dass auch ein zunächst perfektes Gelingen dieses üblichen „Runde-Marken-Spiels“ mit einem Ausbruch über 48.000 und einem sofortigen Test der 50.000 am Ende schiefgehen kann, falls die dann nachgelieferten Konjunkturdaten übel ausfallen. Ob sich dann ausreichend viele Anleger mit einem „macht nichts, jetzt läuft ja wieder alles“ abspeisen lassen, ist eher fraglich.

Wer hier Long ist, sollte vor allem auf das Tagestief des vergangenen Freitags bei 46.495 Punkten achten. Sollte diese Marke fallen, wäre das bereits ein ziemlich kritisches Signal.

Dow Jones: Tages-Chart vom 11.11.2025, Kurs 47.927,96 Punkte, Kürzel: INDU | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Dow Jones: Tages-Chart vom 11.11.2025, Kurs 47.927,96 Punkte, Kürzel: INDU | Quelle: TWS
Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 29.10.2025 um 22:48 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Die US-Notenbank senkte den Leitzins wie erwartet, aber die Aussagen des Notenbankchefs fielen nicht so aus, wie viele sich das wohl vorgestellt hatten. Microsoft, Meta und Alphabet kamen mit Zahlen, die Reaktion war gemischt. Aber was wirklich zählt, kommt erst jetzt.

Man ist auf dem Höhepunkt der „Earnings Season“, der Phase der Quartalsbilanzen. Dass nachbörslich die Zahlen von Alphabet mit Käufen und von Meta mit Abgaben quittiert wurden, ist nicht das Problem des Dow Jones – beide sind da nicht notiert. Anders sieht das mit Microsoft aus, die eine Stunde nach der Vorlage der Ergebnisse gut zweieinhalb Prozent im Minus notierte. Vor Handelsbeginn waren bereits Zahlen von Caterpillar mit kräftigem Kaufinteresse und von Boeing mit Verkäufen honoriert worden. Eine richtige Richtung, in die die Reaktionen auf die Bilanzen gehen würden, hat sich da noch nicht etabliert.

Was auch für die Frage gilt, was man in Bezug auf die Notenbank denken und tun soll. Wie erwartet hatte die „Fed“ den Leitzins erneut um 0,25 Prozent gesenkt. Die Abwägung der Chancen und Risiken brachte US-Notenbankchef Powell aber dazu, davor zu warnen, eine weitere, unmittelbar im Dezember folgende Zinssenkung als ausgemachte Sache anzusehen. Das sorgte dafür, dass eine Rallye, wie man sie oft nach Notenbanksitzungen sieht, ausblieb. Aber ein echter Selloff kam eben auch nicht – immerhin hatte er einen weiteren Zinsschritt ja auch nicht ausgeschlossen.

Trotz all dieser Daten und Informationen, die grundsätzlich immense Kursbewegungen hätten auslösen können, ging das US-Index-Flaggschiff mit einem moderaten Minus von 0,16 Prozent aus dem Handel. Hatten sich die „News“ also gegenseitig neutralisiert?

Expertenmeinung: Das kann zwar so sein, ist aber nicht entscheidend. Denn dass man relativ moderat reagierte, ist allein deswegen noch keine Wertung der Gesamtsituation bzw. der unmittelbaren Perspektiven, weil ein weitaus wichtigerer Termin, der Notenbankpolitik und Unternehmensgewinne gleichermaßen in neue Richtungen lenken kann, erst heute ansteht: das Zusammentreffen von Xi Jinping und Donald Trump.

Da man in Südkorea, wo das Treffen stattfinden soll, Europa acht Stunden voraus ist und das Treffen gegen 3 Uhr nachts unserer Zeit beginnen soll, können Statements bereits vorliegen oder zumindest kurz bevorstehen, wenn der Handel hier in Europa beginnt. Für die US-Trader gilt: Wenn sie in den Donnerstagshandel starten, wird klar sein, was dieses Gespräch gebracht hat. Und nur, wenn auch diese offene Frage so beantwortet würde, dass man mit einer deutlichen Beruhigung im Handelskonflikt rechnen darf, wäre erreichbar, wovon vermutlich alle bullischen Trader als Geschenk unter dem Weihnachtsbaum träumen: ein Dow-Jones-Index an bzw. über der „magischen“ Marke von 50.000 Punkten.

Weit ist es bis dorthin nicht mehr. Aber alles, was der Dow Jones seit dem April-Tief zugelegt hat, basiert auf der Erwartung, dass die US-Wirtschaft allen Widrigkeiten zum Trotz stur und zügig weiterwächst und das Thema der Zölle zügig und für die USA vorteilhaft gelöst wird. Jetzt reden die „Bosse“ miteinander … da könnte im Idealfall binnen Stunden viel vereinbart werden, woran die Verhandler zuvor über Monate gescheitert sind. Aber es könnte eben auch darauf hinauslaufen, dass da außer blumigen Sprüchen und dem festen Willen, sich in Bälde erneut zu treffen, nichts herauskommt. Und das wäre für eine Rallye, die bereits so weit geführt hat und der man angesichts der beiden Dojis am Dienstag und Mittwoch ansieht, dass sie frischen Wind bräuchte, gefährlich.

Dow Jones: Tages-Chart vom 29.10.2025, Kurs 47.632,0 Punkte, Kürzel: INDU | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Dow Jones: Tages-Chart vom 29.10.2025, Kurs 47.632,0 Punkte, Kürzel: INDU | Quelle: TWS

Die 50.000 sind denkbar, keine Frage. Aber achten Sie auf die 50-Tage-Linie, im Chart auf Tagesbasis blau markiert. Sie ist seit dem Frühjahr der Leitstrahl der Bullen. Zweimal wurde sie bereits getestet, im August und zuletzt Mitte Oktober. Wenn diese Linie einem erneuten Test nicht standhalten sollte, wäre das ein Signal, das stark genug sein könnte, um auf der Long-Seite die Beine in die Hand zu nehmen.

Dow Jones: Wochen-Chart vom 29.10.2025, Kurs 47.632,0 Punkte, Kürzel: INDU | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Dow Jones: Wochen-Chart vom 29.10.2025, Kurs 47.632,0 Punkte, Kürzel: INDU | Quelle: TWS
Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
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Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Im Frühjahr ließen sich viele durch die angebliche Gewissheit beruhigen, dass das Theater um die US-Zölle in der zweiten Jahreshälfte keine Rolle mehr spielen werde. Wir sehen: Doch, das tut es. Und dass damit viele nicht rechneten, bedeutet für den Dow Jones erhöhtes Risiko.

Irgendwie hatten sich viele wohl einfach daran gewöhnt, dass die US-Regierung zwar den Rest der Welt in Sachen Zölle „erledigt“ hat, mit China aber weiterverhandelt. Das nahm man kaum noch wahr, nicht zuletzt, weil man seitens der US-Unterhändler dauernd zu hören bekam, wie produktiv und zielführend die Gespräche laufen. Dass es verdächtig viele Gespräche gab, ohne dass es bislang irgendeine fixe Vereinbarung gäbe, hätte zu denken geben können. Aber solange der Aktienmarkt haussierte, konnte man sich sagen: Es wird schon passen, sonst würden der Dow Jones und die anderen Indizes schließlich nicht steigen. Dass sie auch deswegen stiegen, weil fast alle so dachten, fällt in solchen Situationen nur den wenigsten auf. Jetzt aber steht die Frage im Raum, ob man in Bezug auf die Kurse des US-Index-Flaggschiffs „stiegen“ oder doch noch „steigen“ schreiben müsste.

Das Risiko, dass ab jetzt die Vergangenheitsform bei der Beschreibung der Hausse benutzt werden muss, ist zumindest nicht gerade winzig. Denn jetzt haben wir statt einem „Alles läuft rund“ und dem geplanten Treffen von Donald Trump und Xi Jinping mit der allgemeinen Erwartung, dass die beiden sich zusammenraufen werden, das Gegenteil: Eskalation und eisiges Klima. Grund:
China hielt bislang konsequent dagegen. Wo andere Länder aus Sorge vor der übermächtigen Wirtschaftsmacht USA einknickten, die unter der jetzigen Regierung auch kein Problem damit hat, alle Hebel dieser Macht einzusetzen, agiert China nach dem Motto „Auge um Auge“ und hält das bislang durch. Ein Widerstand, der einen Donald Trump zur Weißglut bringen dürfte … und tut, wie man am Freitagnachmittag kurz vor 17 Uhr unserer Zeit auf seiner eigenen Media-Plattform lesen konnte.

Man sei bereits dabei, drastisch höhere Zölle für China-Importe zu berechnen, hieß es da, zudem scheine es für ein persönliches Treffen mit Chinas Präsident Xi jetzt keinen Grund mehr zu geben. Und auf einmal wurden die Anleger daran erinnert, dass dieses Zoll-Drama eben nicht vorbei ist, mit China der wichtigste Importeur in den Infight geht und die US-Regierung dabei ist, den Graben, der vor einer Einigung liegt, noch einmal tiefer zu graben. Die Reaktion:

Expertenmeinung: Fallende Kurse. Am härtesten traf es den Nasdaq 100. Der hatte aber seit Jahresanfang auch weit mehr zugelegt als der Dow Jones und dadurch auch charttechnisch noch mehr „Speck auf den Rippen“. Da kann es, wenn es weiter abwärts geht, kritisch werden. Beim Dow Jones ist das schon jetzt der Fall.

Die 20-Tage-Linie ist für kurzfristige Trends eine wichtige Leitlinie. Den Dow Jones führte sie seit Mitte August zuverlässig höher, immer wieder wurde diese Linie getestet und hielt. Am Freitag ging der Index dort durch wie ein heißes Messer durch die Butter.

Dow Jones Index: Tageschart vom 10.10.2025, Kurs 45.479,60 Punkte, Kürzel: INDU | Online Broker LYNX
Dow Jones Index: Tageschart vom 10.10.2025, Kurs 45.479,60 Punkte, Kürzel: INDU | Quelle: TWS

Zwar ist die mittelfristig entscheidende Zone noch nicht erreicht, das wäre der Bereich der Hochs vom Dezember 2024 sowie vom Januar und Juli 2025 im Bereich 45.000/45.100 Punkte. Aber vom gerade erst am 3. Oktober erreichten Verlaufshoch bei 47.050 bis hinunter an die 45.000 hat der Index binnen weniger Tage schon drei Viertel der Distanz zurückgelegt. Diese Zone ist nahe … und sie ist immens wichtig, auch aus psychologischer Sicht. Da wieder darunter zu fallen, wo man so lange vergebens angerannt und dann endlich durchgekommen ist, wäre ein äußerst ernüchterndes Signal.

Dow Jones Index: Monatschart vom 10.10.2025, Kurs 45.479,60 Punkte, Kürzel: INDU | Online Broker LYNX
Dow Jones Index: Monatschart vom 10.10.2025, Kurs 45.479,60 Punkte, Kürzel: INDU | Quelle: TWS

Und es ist bereits in Schlagdistanz. Denn am Freitagabend, ca. 50 Minuten nach dem offiziellen US-Handelsende, verkündete Donald Trump, dass man plane, als Reaktion auf das feindselige Verhalten Chinas ab dem 1. November 100 Prozent Zoll auf die bestehenden Zölle obendrauf zu schlagen. Und zudem strenge Exportkontrollen für „kritische Software“ nach China durchzuführen. Da der nachbörsliche Handel da noch zehn Minuten lief, reagierte der Dow Jones über den Future und rutschte über die im regulären Handel verlorenen 879 Punkte weiter ab.

Jetzt muss sich zeigen, ob die Marktteilnehmer heute darauf wetten, dass die verbleibende Zeit bis zu diesem 1. November Gespräche und Deeskalation bringen wird oder das Gegenteil passiert. Aber egal, wie man das dann auslegt: Jetzt sollte man lieber zweimal nachdenken und im Zweifel eher wegbleiben, bevor man etwas tut!

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.