Dow Jones aktuell Dow Jones: Der Wochenschluss wirkte bullisch. Ist er es auch?

News: Aktuelle Analyse des Dow Jones Index

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Dow Jones
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Zum Dow Jones

Am Donnerstag sah es so aus, als würde die vergangene Handelswoche für die Bullen zur Pleite. Doch am Freitag stieg der Dow Jones massiv an. Statt einer Verlustwoche steht jetzt ein Schluss auf wochenhoch zu Buche. Das wirkt äußerst bullisch. Aber ist es das wirklich?

Wem es ideal in die Karten spielt, dass die Kurse steigen und Rücksetzer sofort aufgeholt werden, wird eher nicht auf den Gedanken kommen, dass dieses Kursverhalten der vergangenen Wochen einen genauen Blick verdient. Denn man bekommt ja, was man sich wünscht: einen Aufwärtstrend, der vor wem auch immer sorgsam aufrechterhalten wird. Seit April ist das beim Dow Jones zwar eher eine Seitwärtsbewegung. Aber eine mit der Chance, jederzeit nach oben auszubrechen. Dass der Dow am Freitag aus einer zunächst sehr wackligen Woche doch noch mit einem Plus herausging, bestätigt diese Erwartung. Und ja, er könnte in der Tat nach oben ausbrechen. Die Frage ist aber, ob das dann nachhaltig wäre.

Dow Jones: Wochen-Chart vom 09.07.2021, Kurs 34.870,16 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX

Sicher ist das deshalb nicht zu beantworten, weil die Motivation der Käufe des Freitags ebenso wie die des Mittwochs, als schon einmal ein schwacher Tag aufgekauft wurde, nicht definitiv feststellbar ist. Es könnte zwar sein, dass Investoren den kleinsten Rücksetzer bereits als ideale Einstiegschance sehen. Aber das wäre, nachdem man den Index zwei Wochen zuvor noch 1.000 Punkte billiger bekommen konnte, nicht unbedingt logisch. Dass seitens der Sparer zu Monatsbeginn frisch in Richtung Fonds und ETFs zugeflossenes Kapital so lange zurückgehalten wurde, auch nicht. Und weder am Mittwoch noch am Freitag gab es Nachrichten, die eine solche Aufwärtswende in gerade abrutschende Kurse hinein hätten auslösen müssen.

Den aktuellen Kurs und Chart des Dow Jones sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Der Gedanke, dass bullische, große Adressen die Gefahr einer Korrektur gezielt „weggekauft“ haben, ist daher zumindest zulässig. Das ist zwar nicht beweisbar, aber ungewöhnlich wäre es nicht. Und diese Möglichkeit hätte deswegen etwas für sich, weil damit zwei Effekte erzielt werden:

Zum einen bleiben kurzfristig bärische Signale aus, die Anschlussverkäufe auslösen könnten. Im Juni gelang es sogar, den knappen Ausbruch aus der Handelsspanne nach unten sofort am Folgetag zur Bärenfalle zu machen. Jetzt wirkt es, als würde man bereits Ansätze zur Wiederholung eines solchen Rücksetzers an das untere Ende der Range aktiv angehen. Solange die großen Adressen nicht auf eine Korrektur eingestellt sind, weil sie zu große Long-Expositionen aufweisen, die der Markt von der Nachfrage her nicht aufnehmen könnte, so man sie denn loswerden wollte, ist das schnelle Aufkaufen schwacher Tage das übliche Gegenmittel.

Zum anderen werden unerfahrene Anleger dadurch sukzessiv „konditioniert“, indem der Eindruck entsteht, dass man bei schwachen Tagen nicht reagieren muss, weil der Dow Jones sowieso sofort wieder zulegt. Es wirkt zudem, als wären enge Stoppkurse ein Fehler, weil man ein ums andere Mal unglücklich ausgestoppt würde und dann teurer zurückkaufen muss. Und es wirkt, als wolle der Markt nach oben hinaus, so dass es klug wäre, bereits vor dem Überwinden eines Widerstands zu kaufen. Kurz: Dieses Kursverhalten verleitet wenig erfahrene Akteure dazu, gegen alle Regeln des Investierens zu verstoßen.

Dow Jones: Tages-Chart vom 09.07.2021, Kurs 34.870,16 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX

Wenn man sich indes ansieht, dass neue Hochs leicht in die Falle führen können, so z.B. im Februar und im Mai, wo Ausbrüche nach oben, kaum dass sie vollzogen waren, wieder komplett eliminiert wurden, sollte man hinter dieses Signal, welches die Rallye des Freitags sendet, ein Fragezeichen setzen. Ohne neue Argumente und pünktlich zum Wochenschluss entstanden, ist dadurch auf Wochenbasis ein sogenannter „Hanging Man“ im Candlestick-Chart entstanden: Ein Doji mit langem, unteren Docht. Was nach einer Abwärtsbewegung als „Hammer“ oder „Dragonfly Doji“ bezeichnet wird und bullisch ist, ist am Ende einer Aufwärtsbewegung ein Warnsignal, weil es die Angst der Bullen vor einer Korrektur ausdrückt. Man sagt, dass, wer auf einen „Hanging Man“ hin kauft, sich auch gleich aufhängen kann. Ein ziemlich spröder Spruch, zumal keineswegs alle „Hanging Men“ zu einer bösen Überraschung führen, beim Nasdaq 100 haben wir davon in den letzten Monaten einige gesehen, ohne dass der Trend deswegen gebrochen wäre. Aber: Sich nicht zu sicher zu sein, dass der Weg des Dow Jones immer nur nach oben führt, ist angebracht. Sollte er aus der Handelsspanne nach oben ausbrechen (Schlusskurse über 35.092 Punkte) und schnell wieder in diese Range zurückfallen, wäre äußerste Vorsicht angebracht!

 

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Vorherige Analysen des Dow Jones Index

Der Versuch, den Dow Jones zu stabilisieren und die US-Notenbankentscheidung dadurch wie einen Non-Event aussehen zu lassen, ging schief. Dass der Index ausgerechnet vor einem Terminbörsen-Abrechnungstermin wegsackte, ist dabei besonders kritisch.

Wenn man schon versucht so zu tun, als wäre nichts angebrannt und die verdeckte Ankündigung von Inflations-Bekämpfungsmaßnahmen durch die „Fed“ unproblematisch (siehe dazu auch die heutige Analyse der Euro/US-Dollar-Relation), muss es auch gelingen, den Index am „dreifachen Hexensabbat“ stabil zu halten. Denn auf diese Abrechnung von Optionen und Futures mit Juni-Laufzeit war der Versuch großer Akteure am Markt, die US-Aktienindizes stabil zu halten, ja ausgerichtet.

Im Vorfeld war klar zu erkennen, dass das Ziel, wie in Aufwärtstrends am Gesamtmarkt üblich, lautete, den Dow Jones ebenso wie die anderen großen US-Indizes auf maximal hohem Kursniveau in die Abrechnung zu bringen. Ein deutliches Abrutschen der Kurse als Reaktion auf die US-Notenbank so knapp vor einem solchen Termin hätte dazu führen können, dass große Adressen sich gegen ein unerwartetes Verlustrisiko bei den zur Abrechnung anstehenden Derivaten absichern (hedgen), dadurch den Abgabedruck noch erhöhen und eine Verkaufslawine entsteht.

Am Donnerstagabend sah es noch so aus, als würde der Plan einigermaßen aufgehen. Aber am Freitag sackte der Dow Jones-Future bereits vor Handelsbeginn deutlich durch. Der Handel startete mit einem „Gap Down“ … und von bullischer Gegenwehr war den gesamten Handel über nichts zu sehen. Wer jetzt noch im bullischen Lager sitzt, dürfte dadurch langsam nervös werden, denn:

Expertenmeinung: Dieses kräftige Minus an einem Abrechnungstermin der Terminbörse macht deutlich, dass der Druck bereits so stark ist, dass selbst die großen Akteure am Terminmarkt mit ihrer immensen Kapitalkraft nicht imstande sind, den Markt zu halten. Wer dann? Und vor allem: Aus welchem Grund? Das Zugpferd „Hexensabbat“ ist ab heute ausgeschirrt. Und dass die US-Notenbank handeln wird, damit aber womöglich so lange zaudert, dass so starke Leitzinserhöhungen nötig werden, dass das Wachstum dann eben doch abgewürgt wird und womöglich die Schuldenblase platzt, ist keine Perspektive, beim Dow Jones beherzt auf der Long-Seite zuzulangen. Zumal das US-Index-Flaggschiff ja noch keineswegs weit von seinem Rekordhoch entfernt notiert. Hinzu kommt die Charttechnik:

Bereits am Tag der US-Notenbankentscheidung brach der doppelte Leitstrahl der Ende Oktober begonnenen Aufwärtsbewegung in Form der Oktober-Aufwärtstrendlinie und der 50-Tage-Linie. Das war schon mal problematisch. Der Versuch, den Markt am Donnerstag zu stabilisieren, gelang zwar bei der Nasdaq gut, nicht aber beim Dow Jones, wie man im Chartbild sehen kann. Und im Zuge des Abrechnungstermins fiel dann auch noch die Nackenlinie eines bis dahin nur potenziellen, jetzt aber vollendeten Doppeltopps bei 33.473 Punkten. Das Bullenlager scheint unter massiver Fahnenflucht zu leiden.

Und sollte es nicht gleich heute zu einer ebenso entschlossenen wie erfolgreichen Gegenreaktion kommen, welche den Dow Jones wieder zurück über diese Linie von 33.473 Zählern trägt, kann es sehr gut sein, dass das US-Index-Flaggschiff die nächsten Kursziele auf der Unterseite zügig abarbeitet. Die da wären: die Unterstützungslinie um 32.000 Punkte, die 200-Tage-Linie bei 31.100 Punkten und, sollten die nächsten Inflationsdaten erneut übel ausfallen, womöglich sogar die Unterstützungszone 29.750/29.950 Punkte.

Dow Jones: Chart vom 18.06.2021, Kurs 33.290,08 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX

Seit ein neues Rekordhoch am 10. Mai in einem „Shooting Star“ endete, ist der Schwung aus dem US-Index-Flaggschiff Dow Jones gewichen. Die kommende Woche wird die Weichen stellen, ob die Bullen noch einmal entschlossen antreten – oder der Trend bricht.

Übermorgen wird die US-Notenbank bekanntgeben, ob sie jetzt doch Maßnahmen gegen die mittlerweile auf fünf Prozent gestiegene Inflation ergreifen wird oder man sich weiterhin darauf versteift, dass diese Teuerung, die bis auf eine sehr kurze Phase im Sommer 2008 seit 30 Jahren ihresgleichen sucht, von alleine verschwinden wird. Viele Trader wetten darauf, dass die „Fed“ erneut nichts tun wird. Nicht, weil sie davon überzeugt wäre, dass ihre Einschätzung zutrifft. Die Warnungen renommierter Fachleute sind zahlreich … und auch bei der US-Notenbank wissen die meisten, was sie tun. Es geht in Wahrheit um die Furcht davor, dass selbst der kleinste Griff zum Geldhahn dazu führen könnte, dass das Wachstum der US-Wirtschaft nicht gebremst, sondern abgewürgt wird, weil es – ebenso wie in Europa – derzeit nur von dem extrem billigen Geld und niedrigsten Zinsen befeuert wird.

Das ist der Grund, weshalb viele glauben, dass die US-Notenbank es darauf ankommen lassen wird. Das Problem dabei ist: Wenn man sich da verzockt, bedeutet das, dass man mittelfristig gegen die Wand fährt, denn um eine Inflation unter Kontrolle zu bringen, die noch auf sechs, sieben oder mehr Prozent läuft, bräuchte man weit mehr als Leitzinsen von ein oder zwei Prozent. Und wie man beim Research der Deutschen Bank kürzlich richtig anführte: Bislang ist es der US-Notenbank in ihrer Geschichte noch nie gelungen, die Inflation wieder einzufangen, ohne dadurch eine Rezession auszulösen. Es ist also ein heißes Spiel, das die Bullen am US-Aktienmarkt da spielen, wenn sie sich darauf verlassen, dass die Notenbank mehr auf einen kurzfristig glücklichen Aktienmarkt als auf ein mittelfristig gesundes Wirtschaftsklima achtet.

Was diese Notenbankentscheidung am Mittwoch zusätzlich spannend macht, ist deren Nähre zum „dreifachen Hexensabbat“, d.h. zur Abrechnung der Optionen und Futures an der Terminbörse. Denn die folgt am Freitag. Zwischen einer für viele wegweisenden Entscheidung und einer Derivate-Abrechnung, bei der es um gewaltige Summen geht, die verdient, ggf. aber eben auch verloren werden können, liegen somit gerade einmal knapp 48 Stunden. Was bedeutet: Ab Mittwochabend um 20 Uhr unserer Zeit, wenn die „Fed“ ihr Statement vorlegt und dem Handelsende des Freitags geht es beim Dow Jones zur Sache.

Chart vom 11.06.2021, Kurs 34.479,60 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX

Dass der „Shooting Star“ des 10. Mai, der bislang das Verlaufshoch des Dow Jones markiert hat (35.091,60 Punkte), nur eine Mini-Korrektur nach sich zog, die auch noch perfekt auf Höhe der 50-Tage-Linie und der mittelfristigen Aufwärtstrendlinie aufgefangen wurde, hätte normalerweise neuen Schwung und neue Rekordhochs nach sich ziehen müssen, wäre diese Hausse noch in einem vertrauenerweckenden Zustand. So aber kriecht der Index seitwärts, traut sich an das Verlaufshoch nicht heran … und die beiden Leitstrahlen der Bewegung, d.h. die 50-Tage-Linie und die mittelfristige Aufwärtstrendlinie, kommen dadurch immer näher.

Das macht klar, dass immer mehr Investoren erkennen, auf welch dünnem Eis die Notenbank einerseits und das bullische Lager am US-Aktienmarkt andererseits wandeln. Und das macht diese Woche zu einer entscheidenden Phase.

Wenn die US-Notenbank weiterhin passiv bleibt, steht die Chance, dass das bisherige Verlaufshoch blitzschnell attackiert und im Idealfall überboten wird, gut, weil der nahe Terminbörsen-Abrechnungstermin zusätzlichen Treibstoff für eine Rallye bieten würde. Wenn diese Wette auf eine untätige „Fed“ aber schiefgeht, wäre nach unten nichts unmöglich, sofern es dem bullischen Lager nicht gelingt, den derzeit direkt auf gleicher Höhe um 34.150 Punkte verlaufenden, doppelten Leitstrahl aus 50-Tage-Linie und Oktober-Aufwärtstrend zu verteidigen. Dann könnten unter diesem Bereich greifende Stop Loss-Verkäufe und Hedging-Operationen großer, mit Blick auf die Terminmarkt-Abrechnung schief liegender Adressen den Abverkauf beschleunigen.

Und so mancher Trader dürfte dann auch einen Blick auf das langfristige Bild werfen und feststellen, was wir hier im Chart auf Monatsbasis zeigen, der, um die Größe der Trendimpulse vergleichbar zu machen, logarithmisch skaliert ist: Das, was wir bislang seit März 2020 gesehen haben, ähnelt sehr dem Aufwärtsimpuls ab März 2009. Damals kam es nach etwas über einem Jahr Rallye zu einer mehrmonatigen Korrekturphase, die recht heftig begann. Sollten sich die Bullen hinsichtlich der US-Notenbank vertun, könnte es diesmal durchaus ähnlich kommen.

Chart vom 11.06.2021, Kurs 34.479,60 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX

Einen solchen Kursanstieg binnen gut eines Jahres gab es seit 2009 nicht mehr. Aber angenommen, es würde auch weiterhin so laufen wie damals, wofür durchaus einiges spricht … müssten sich die Bullen dann nicht warm anziehen?

Die Abwärtsbewegung, die der markanten Aufwärtswende im März 2009 vorausging, dauerte zwar länger als der Corona-Crash, aber es gibt trotzdem eine ganze Reihe an vergleichbaren Elementen. Die Wirtschaft war 2008 ebenso wie 2020 sehr schnell und weitreichend in die Knie gegangen und wurde in beiden Fällen mit einer Flut aus dem Hut gezauberten Geldes wiederbelebt. Damals wie heute wusste man nicht so recht, ob das reichen würde, um die Lage nachhaltig zu stabilisieren, weil viele US-Haushalte große Schuldenprobleme hatten. Und vor allem: Im März 2009 erfolgte die Wende auf derselben Basis wie diesmal.

Zuerst kamen die Eindeckungen der Short-Seller, dann die Käufe spekulativer, charttechnisch orientierter Trader und danach die Käufe auf Basis der Hoffnung auf die Wende. Zuerst stiegen die Kurse am US-Aktienmarkt, dann mussten die Rahmenbedingungen diesen Vorgriff nachträglich unterfüttern. Damals gelang das nicht problemlos, diesmal wird es nicht anders sein. Denn die Kombination aus einem zumindest derzeit wieder nachlassenden Wachstumstempo mit einer Fahrt aufnehmenden Inflation wäre ein Fallstrick, über den die konjunkturelle Wende allemal stolpern könnte. Aber:

Nur, wenn es wirklich so käme, würde diese Super-Hausse Gefahr laufen, in sich zusammen zu fallen. Gelingt es, die Inflation im Rahmen zu halten, gelingt es zudem, das Wachstum zu verstetigen und den Arbeitsmarkt ebenso, kann ein stetiges Konsumwachstum zu weiter steigenden Unternehmensgewinnen als Basis eines erneuten Hausse-Schubes beim US-Index-Flaggschiff führen. Vergleichen wir einmal die damalige Situation mit der heutigen:

Dow Jones: Monats-Chart vom 24.05.2021, Kurs 34.393,98 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX

Der langfristige Chart des Dow Jones auf Monatsbasis ist logarithmisch skaliert, so dass ein prozentualer gleich großer Anstieg auch immer die gleiche Größe ausweist. Sie sehen, dass der erste Aufwärtsschub des Dow zwischen März 2009 und März 2010 in etwa der Größenordnung dessen entspricht, was der Dow zwischen März 2020 und heute zugelegt hat. Damals fielen die Kurse im Mai 2010 kräftig, auch der Juni 2010 war schwach, bevor danach ein zweiter Aufwärtsimpuls startete, der bis April 2011 andauerte. Und heute?

Eine Korrektur, die ihren Namen verdienen würde, gab es bislang nicht, aber die vorgenannte Kombination aus verflachendem Wachstum und Inflation könnte die jederzeit auslösen. Und dann kommt es darauf an: Gelingt es, die Lage zu stabilisieren, können wir eine zweite Hausse-Welle wie damals durchaus sehen, allerdings darf da wirklich nicht allzu viel schiefgehen, denn die Bewertung des Marktes ist heute deutlich höher als im Frühjahr 2010.

Damals gestaltete sich die Lage der Unternehmensgewinne anders. 2008 waren diese weit heftiger eingebrochen als diesmal. Dadurch schoss der Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) des Dow Jones damals zeitweise zwar auf über 140, aber als die Gewinne sich erholten, lag das durchschnittliche KGV der Dow Jones-Aktien im April 2010 wieder bei moderaten 23. Ende Mai 2010, also zu einem mit dem aktuellen Punkt vergleichbaren Zeitpunkt, sogar nur bei 18. Heute liegt es bei 30. Und das Potenzial, die Gewinne um 50 oder mehr Prozent im laufenden Jahr zu steigern, um zu einer „normalen“ Bewertung zurück zu finden, ist eher nicht gegeben, denn man kommt heute eben von einer weit höheren Basis. Kurz: der Dow Jones ist weit teurer als zur Zeit der potenziellen Blaupause vor elf Jahren.

Ob den Bullen das zum Verhängnis wird? Es wäre möglich, darauf wetten sollte man indes besser nicht. Sollten die charttechnischen Deiche brechen, sollte man zwar im Hinterkopf haben, dass es dann schnell und relativ weit abwärts gehen kann, wie wir das auch damals gesehen hatten, als der Dow im Mai in der Spitze gut elf Prozent abgab. Aber solange der Trend noch intakt ist und es dadurch gelingt, die Sorgen vor einer aus dem Ruder laufenden Inflation auszublenden, hat man auf der Short-Seite noch wenig zu gewinnen. Wo läge dieser Deich derzeit, der nicht brechen darf?

Dow Jones: Tages-Chart vom 24.05.2021, Kurs 34.393,98 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX

Den Beginn einer Korrektur würde wohl bereits ein Schlusskurs unter 33.450 Punkten einläuten, der dadurch unter dem Vorwochen-Verlaufstief, der in den USA wichtigen, im Tageschart blau eingezeichneten 100-Tage-Linie und der Ende Oktober etablierten, mittelfristigen Aufwärtstrendlinie läge. Aber erst, wenn auch die Zone 29.750/29.950 Punkte brechen würde und damit auch die darüber verlaufende 200-Tage-Linie signifikant unterboten wäre, wäre mittelfristig etwas angebrannt. Das wäre indes nur dann denkbar, wenn der oben erwähnte Worst Case eintreten sollte, d.h. wenn das Wachstum versickern, die Inflation aber hoch bleiben würde.

Je länger ein Index um Korrekturen herumkommt, je länger die Serie immer neuer Rekorde wird, desto mehr Marktteilnehmer glauben, der Börsenhimmel hinge voller Geigen. Aber in Wahrheit sind die Bullen auf einer gefährlichen Flucht nach vorne.

Eigentlich ist nichts so, wie es für eine Nonstop-Rekordfahrt des US-Index-Flaggschiffes sein sollte. Die Renditen am US-Anleihemarkt liegen zwar unter den Hochs vom März, kommen aber nicht wirklich deutlich zurück, denn die Sorge, dass die US-Notenbank bei der Inflation zu spät eingreift aus Angst, das auf extrem billigem Geld fußende, wieder anlaufende Wachstum abzuwürgen, bleibt allgegenwärtig.

Zugleich sorgt man sich, dass der Wachstumsschub, der durch die jüngsten Konjunkturprogramme einschließlich der drei in den letzten zwölf Monaten an die Bürger verteilten Barschecks ausgelöst wurde, verpuffen könnte. Die am Freitag veröffentlichten US-Arbeitsmarktdaten blieben mit 266.000 neugeschaffenen Arbeitsplätzen meilenweit hinter der durchschnittlichen Analystenprognose (978.000 Stellen) zurück. Zugleich wurden die Daten für den März von 916.000 auf 770.000 nach unten korrigiert, die Arbeitslosenrate stieg von 6,0 auf 6,1 Prozent, statt, wie seitens der Experten erwartet, auf 5,8 Prozent zu fallen.

Die Bewertung des Dow Jones als Durchschnitt der Kurs/Gewinn-Verhältnisse (KGV) der 30 im Dow Jones gelisteten Unternehmen liegt derzeit bei 30. Und das, obwohl die Gewinne des ersten Quartals gut ausfielen und das KGV dadurch von zuvor über 36 nach unten kam. Ein KGV von 30 wäre nur dann gerechtfertigt, wenn die 30 Dow Jones-Unternehmen auch noch 2022 starke Gewinnzuwächse vermelden können. Was zwar erhofft, von vielen sogar einfach als sicher vorausgesetzt wird … aber nicht sicher ist.

In einem solchen Umfeld wie auf Schienen immer höher zu laufen, erfordert einen steten Zufluss frischen Kapitals seitens der Anleger. Der Zustrom neuer Anleger seit dem Corona-Crash, die Barschecks, die mit den Kursen parallel steigende Zuversicht, all das sorgt bislang genau dafür. Aber die großen Adressen wissen, dass jede Hausse mal endet. Und sie wissen zudem, dass das Risiko zunimmt, je voller das Boot der Bullen ist und je weiter sich diese von der Realität entfernen. Denn wer auf Wolke Sieben schwebt und wegen der scheinbar ewigen Hausse alle Risiken einfach ausblendet, reagiert gemeinhin hektisch und überzogen, wenn der Index auch nur ein wenig mehr als sonst zurückkommt. Was also tut man?

Dow Jones: Tages-Chart vom 07.05.2021, Kurs 34.777,76 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX

Man treibt die Kurse gezielt höher, vor allem dann, wenn es „bad news“ wie die gestrigen US-Arbeitsmarktdaten gibt, die die Bullen wankend machen könnten. Zwar argumentierte man da, dass die schwachen Zahlen bedeuten, dass die Inflationsgefahr sinkt und die US-Notenbank deshalb vorerst nicht eingreifen muss. Aber zum einen würde sie das derzeit aus o.g. Gründen ohnehin nicht tun, zum anderen teilte man am US-Anleihemarkt diese Erleichterung nicht. Dort kamen die Renditen der US-T-Bonds zwar direkt nach den Konjunkturdaten deutlich zurück, am Ende des Tages aber notierten sie dort, wo sie am Donnerstag geschlossen hatten.

Diese Flucht nach vorne, das gezielte „Wegkaufen“ von problematischen Situationen, die die Sorglosigkeit der Akteure noch fördern soll, ist ein gefährliches Spiel, denn es erfordert immer höhere Hebel und Investitionsquoten. Und das man auch gezielt die am Donnerstagabend im Zuge des „Financial Stability Report“ geäußerten Warnungen der US-Notenbank in Richtung Aktienmarkt auf diese Weise „wegkaufte“, macht deutlich, weiß heiß die Nadel ist, mit denen die großen Akteure an der Wall Street die Hausse stricken.

Dow Jones: Monats-Chart vom 07.05.2021, Kurs 34.777,76 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX

Deswegen einfach mal auf Verdacht Short zu gehen, wäre indes mehr als verwegen, denn diese Nadel ist seit Wochen und Monaten heiß, trotzdem ging es bislang gut. Es könnte also auch noch Wochen, womöglich Monate weiter gut gehen. Daher kann man eigentlich nur eines tun: Man muss sich des Risikos gewärtig sein, dass es hier jederzeit und ansatzlos massiv abwärts gehen könnte, um imstande und bereit zu sein, dann auch zügig zu reagieren. Darüber hinaus bliebe nur, dem Trend zu folgen, dies aber unbedingt mit einer konsequenten Absicherung zu tun. Was für aggressive Long-Trades derzeit hieße, sich das Platzieren eines Stop Loss knapp unter der 20-Tage-Linie zu überlegen, die seit März zweimal getestet wurde, hielt und damit das Rückgrat der Hausse auf kurzfristiger Ebene ist. Mittelfristige Long-Positionen könnte man unterhalb der November-Aufwärtstrendlinie mit einem Stoppkurs versehen, die derzeit bei 32.950 Punkten verläuft.

Die Inflationsangst geht um … prompt versuchen einzelne Mitglieder der US-Notenbank, den Aktienmarkt verbal zu stützen, indem sie die Gefahr kleinreden. Das funktionierte. Aber auch auf Dauer?

Unmittelbar vor der Abrechnung der Optionen und Futures an der Terminbörse sauste der Dow Jones erstmals über die runde Marke von 33.000 Punkten – und fiel sofort wieder zurück. Vom Verlaufsrekord am vergangenen Donnerstag bis gestern korrigierte der Index in der Spitze um 1.200 Punkte. Was nach viel klingt, prozentual gesehen auf diesem Kursniveau aber nicht viel ist. Und das ist den Bullen ebenso klar wie all denen, die jetzt absolut keine unruhige Börse gebrauchen können. In letzterer Gruppe steht die US-Notenbank in der ersten Reihe.

Die Sorge, dass das bei der „Fed“-Sitzung vergangene Woche für 2021 projizierte Wachstum von 6,5 Prozent die Inflation aus dem Ruder laufen und damit das Szenario der schnellen Rückkehr zu stabilem Wachstum platzen lassen könnte, ist in letzter Zeit groß. Würde die US-Notenbank genötigt, gegen zu schnell steigende Preise vorzugehen, würde das Wachstum womöglich abgewürgt. Täte sie nichts und die Inflation zieht immer weiter an, wäre es der daraus resultierende Kaufkraftverlust und eine Lohn/Preis-Spirale, die dem Wachstum den Garaus machen würde. Und offenbar sehen das derzeit nicht gerade wenige Akteure so.

Denn neben der zunehmenden Volatilität am Aktienmarkt insgesamt und weiterhin im Bereich von Zwölf-Monats-Hochs rangierenden Renditen bei längeren Anleihe-Laufzeiten legt jetzt auch noch der US-Dollar zu. Auch das ist ein Zeichen, dass man am Markt mit einer Verschärfung der Geldpolitik rechnet. Ein starker US-Dollar klingt aber nur gut, de facto bräuchten die USA aber eine schwache Währung, um sich das Wachstum auch über Exportvorteile, vor allem gegenüber der Eurozone, zu sichern. Da sahen diverse Mitglieder des FOMC, des Offenmarktausschusses, der das Entscheidungsgremium der US-Notenbank darstellt, offenbar Handlungsbedarf.

Fed-Chef Powell selbst, aber auch die FOMC-Mitglieder Williams, Daly, Barkin, Bostic und Evans gaben sich am Mittwoch und Donnerstag quasi die Mikrofone in die Hand und  erklärten gebetsmühlenartig, dass das Wachstum stark, die Inflation aber kein Problem sein werde.

Tageshart vom 25.03.2021, Kurs 32.619,48 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX

Das funktionierte am Donnerstag tadellos, das bullische Lager reagierte wie auf Knopfdruck und drehte den Dow Jones auf Höhe der ersten bullischen Verteidigungslinie in Form des alten Februar-Rekordhochs um 32.000 Punkte und der 20-Tage-Linie kräftig nach oben. Ist eine größere Korrektur damit vom Tisch? Wurde gestern mit diesem Aufwärts-Turnaround sogar der Grundstein für neue Rekordhochs gelegt?

Möglich ist es, zumal jetzt nicht mehr genug Handelstage im März übrig bleiben dürften, um den Ausbruch über die Hausse-Begrenzungslinie, die über die Jahreshochs 2018 und 2020 zu konstruieren ist (siehe der Chart auf Monatsbasis) noch abzufangen. Im Januar und Februar blieb der Index dort hängen, jetzt wäre er durch. Das könnte die Rallye sogar noch beschleunigen. Aber das Wort „könnte“ sollte man nicht zu klein schreiben.

Denn der Anleihemarkt reagierte nicht allzu überzeugt. Die Renditen der US-Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit waren zwar in den letzten Tagen etwas von den Zwölf-Monats-Hochs vom letzten Freitag zurückgekommen, aber eine Entwarnung sieht anders aus. Dort bleibt man skeptisch, daher ist zu vermuten, dass so manche große Adresse am Aktienmarkt ebenfalls eher auf der Verkaufsseite stünde. Vor allem, wenn man unverhofft wieder nahe an das bisherige Rekordhoch gespült wird und damit unerwartet gute Verkaufspreise bekäme. Denn eines wissen erfahrene Investoren natürlich: Die Notenbanker können erzählen, was sie wollen, aber sie können nun einmal nicht wirklich vorhersagen, wie sich die Inflation in den kommenden Monaten entwickeln wird.

Und es bleibt offen, was das bärische Lager, die aktiv die Kurse drückenden Akteure, tun werden. In den Tagen vor diesem fulminanten Turnaround, sogar noch am Donnerstag vor Handelsbeginn über die Futures, wurde erkennbar, dass der Dow Jones nicht nur reinen Gewinnmitnahmen ausgesetzt war. Da gab es durchaus erste, gezielte Short-Attacken. Doch wenn dann so etwas gelingt wie gestern, ein Aufwärts-Turnaround an einer Supportzone, gehen die Bären natürlich sofort in Deckung. Warum sollte man sich einer solchen Kaufwelle von mit neuem Mut erfüllten Käufern entgegenstellen? So lange der Kaufdruck hoch ist, hat es überhaupt keinen Sinn, den bremsen zu wollen. Erfahrene Short-Seller warten ab, bis die Käufe abebben, der Schwung nachlässt. Dann haben Short-Verkäufe eine größere Wirkung, der Kapitaleinsatz rentiert sich.

Fazit: Dieser gestrige Turnaround könnte die Basis für einen neuen Rallye-Impuls sein, muss es aber nicht. Daher wäre es in jedem Fall zu überlegen, sich auf der Long-Seite konsequent und eng abzusichern. Dass der Dow Jones gestern auf Höhe der Februar-Hochs und der 20-Tage-Linie drehte, ermöglicht es, Stoppkurse knapp unter diesen Level anzusiedeln. Denn sollte das US-Index-Flaggschiff in nächster Zeit doch noch klar unter 32.000 Punkten schließen, wäre der Versuch, die Gefahr kleinzureden, gescheitert und der Weg nach unten aus charttechnischer Sicht erst einmal frei.

Wochenchart vom 25.03.2021, Kurs 32.619,48 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX