Dow Jones aktuell Dow Jones: Panik verkauft … aber Angst kauft!

News: Aktuelle Analyse des Dow Jones Index

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Dow Jones
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Zum Dow Jones

Das FBI meldete etwa zweieinhalb Stunden vor US-Handelsende, dass offenbar vor jedem einzelnen der 50 Parlamentssitze der US-Bundesstaaten in dieser Woche bewaffnete Demonstrationen geplant seien. Die Sorge, dass Donald Trump die Büchse der Pandora weit geöffnet hat und keinerlei Interesse daran hat, deren Deckel wieder zu schließen, wächst. Und jeder Investor weiß sehr wohl, dass eine solche Situation, in der Szenen wie die der vergangenen Woche immer öfter auftauchen, unmöglich an der Börse vorbeigehen können.

Dass die ganz großen börsennotierten Unternehmen, die Giganten aus dem Dow Jones, im Fall einer Verstetigung von Unruhen nicht sofort Gewinneinbrüche erleiden, mag schon sein. Aber wenn neben der Sorge hinsichtlich der wirtschaftlichen Perspektive, der Angst vor der zuletzt seitens des Weißen Hauses ignorierten Pandemie auch noch die stete Angst um Haus und Hof und die eigene Unversehrtheit hinzukommt, wird der Konsum das sofort zu spüren bekommen. Und von ihm ausgehend wird diese Situation die Lieferkette entlang kriechen, bis hin zu denen, die Teile und Maschinen für die Zulieferer der großen Unternehmen bereitstellen, seien es Sportartikelhersteller wie Nike, Technologieunternehmen wie Apple oder Einzelhändler wie Walmart. Aber der Dow Jones steigt. Wie kann das angehen?

Dow Jones: Tages-Chart vom 11.01.2021, Kurs 31.008,69 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX

Gerade die immense Dimension der Risiken löst diese Käufe aus. Sie ist so groß, dass man sie nicht mehr einordnen kann und deswegen einfach auszublenden versucht. Das haben wir schon x-mal erlebt, im Zuge der Dot.Com-Blase, der Subprime-Blase, der sogenannten „Alles-Blase“ vor dem Corona-Crash … und jetzt erneut. Natürlich klappt das Ausblenden nicht mehr, wenn die Lawine erst einmal abgegangen ist. Aber das ist sie noch nicht. Auch deshalb, weil die großen Adressen wie üblich versuchen, die Akteure zu beruhigen, indem sie aktiv kaufen, die Kurse stabil halten und, im Idealfall höher ziehen. Sehen sich Sparer mit vollen, rein Long ausgerichteten Depots zwischen den zwei Stühlen zunehmender Risiken auf der einen und weiter steigenden Kursen auf der anderen Seite, neigen die meisten dazu, sich auf die Entscheidung zu reduzieren: „Ich kann immer noch verkaufen, wenn die anderen verkaufen.“

Den aktuellen Kurs und Chart des Dow Jones sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Die Angst davor, dass jetzt alles in sich zusammenfallen könnte, ausgelöst durch erneute, womöglich deutlich weiter reichende Unruhen, führt dazu, dass die einen, die „Großen“, aus der Angst geboren die Flucht nach vorne antreten und kaufen … und die anderen, die „Kleinen“, den Kopf in den Sand stecken. Und ja, das könnte auch gutgehen. Vorausgesetzt, es gelingt, erneute Gewaltaktionen einzugrenzen und im Idealfall großenteils zu verhindern. Aber ob das gelingt, weiß niemand. Das Risiko, dass die kommenden Tage erneut fatale Bilder bringen, ist alles andere als klein. Und damit auch das Risiko, dass der Dow Jones, der so auffällig mit aller Macht auf Rekordniveau gehalten wird, wie ein defekter Fahrstuhl in die Tiefe saust.

Wie unruhig die Kurse auf diesem Niveau sind, machen die beiden Dojis deutlich, die der Index am Freitag und Montag produziert hat. Viel Volatilität und doch kaum Raumgewinn … für beide Seiten. Und dass das US-Index-Flaggschiff zum Wochenstart das Gros vorbörslicher Verluste wieder aufholte, weil es direkt zu Beginn des regulären Handels um 15:30 Uhr zu einer Kaufwelle kam, die prompt endete, als die Kurse aus dem Gröbsten heraus waren, unterstreicht: Hier kauft die Angst. Die Angst vor bärischen Signalen, die die Lawine lostreten könnten.

Die Sache wird zusätzlich knifflig, weil da einiges an Spielraum vorhanden wäre, den der Index nach unten ausloten könnte. Selbst bis zur Generierung eines mittelfristig relevanten Short-Signals wären um die 2.200 Punkte Spielraum. Er müsste unter die Hochs der Monate September und Oktober bei 28.958/29.200 Punkten rutschen. Und mit einem Seitenblick auf die Verbindungslinie zwischen dem alten Februar 2020-Rekordhoch, den vorgenannten Zwischenhochs und der oberen Begrenzung des riesigen Gaps von Anfang November (im Chart auf Wochenbasis) müsste dieser Bruch deutlich ausfallen. Das hieße: Oberhalb von 28.800 Zählern wäre der Dow noch nicht wirklich bärisch. Auf einem Level von derzeit um die 31.000 Punkte ist das ein Wort.

Daher wäre es für Akteure, die aggressivere, kurzfristigere Long-Positionen halten, zu überlegen, sich an der einigen einigermaßen tauglichen, nahe liegenden Supportlinie in Form der 20-Tage-Linie zu orientieren, wenn es um eine Stop Loss-Absicherung geht. Sie sehen im Chart auf Tagesbasis, dass diese Linie in den vergangenen drei Wochen zweimal kurz unterboten wurde und die Bullen den Index beide Male zum Handelsende wieder auf sicheres Terrain, sprich über diese Linie, gezogen haben. Wenn das schiefgeht und der Dow Jones mindestens 200 Punkte unter dieser aktuell bei 30.380 Punkten verlaufende Linie schließt, wäre das ein erhebliches Warnsignal. Dann hätten die Bullen für alle sichtbar verloren, das kann schon reichen, um in einer Situation so sorgsam unterdrückter Angst die nächste Stufe zu zünden. Die hieße dann Panik. Und dann verkaufen auch die, die derzeit versuchen, die Deiche am Brechen zu hindern!

Dow Jones: Wochen-Chart vom 11.01.2021, Kurs 31.008,69 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX
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Ronald Gehrt, Chart- & Fundamentalanalyst | LYNX Börsenexperten
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Vorherige Analysen des Dow Jones Index

Er war der letzte der drei großen US-Indizes Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq 100, der Ende 2020 neue Rekordhochs erreichte. Aber am Ende wurde es auch für das US-Index-Flaggschiff ein perfektes Jahr: Mit 30.606,48 Punkten schaffte der Dow Jones aktuell in der Bilanz des Jahres 2020 ein Plus von 8,58 Prozent und beendete das Jahr an Silvester mit einem neuen Schlusskurs-Rekord. Damit läuft der vor Wochen skizzierte Fahrplan der Bullen weiter wie geschmiert:

Erst eine Abrechnung der Futures und Optionen im Zuge des „dreifachen Hexensabbats“ des Dezembers auf Rekordhoch. Passt. Dann das die Kurse höher ziehende „Window Dressing“ der institutionellen Investoren zu Jahresultimo. Passt nunmehr auch. Und jetzt setzt man darauf, dass der Umstand, dass ein von den Rahmenbedingungen her extrem negatives Jahr trotzdem zu Indizes in der Gewinnzone führte, die Anleger animiert hat, zur Jahreswende kräftig frisches Geld an die Fonds, ETFs, Hedgefonds, Versicherungen und Pensionskassen zu überweisen. Und die sollten diesen Kapitalfluss idealerweise umgehend zum Jahresstart in den Markt investieren. So soll ein „Kick Off“ entstehen, ein dynamischer, bullischer Start ins neue Jahr, der die Zweifler weiterhin in die Ecke drängen würde. Kommt es so?

Dow Jones: Tages-Chart vom 31.12.2020, Kurs 30.606,48 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX

Was die ersten Handelstage des Jahres 2021 angeht, steht die Chance dafür in der Tat gut. Wenn die Kurse steigen, ist das für die Anleger wichtiger als die Rahmenbedingungen. Solange es rund läuft, schaut man einfach weg, was kritische Aspekte angeht. Und da die Mär, dass die ersten zehn Tage des neuen Jahres ein Omen für das Gesamtjahr sind, nicht ausstirbt (zumal es 2020 auch funktioniert hat), wären weitere Kursgewinne zu Jahresbeginn realistisch.

Aber da sprechen wir über die kurzfristige Zeitebene. Was passiert, wenn der erste Schwung dahin ist, das frische Geld der Sparer investiert wurde? Spätestens dann, irgendwann im Bereich Mitte Januar, kommt es zum Schwur. Bis dahin reicht der bullische Fahrplan nicht, da endet die Strickleiter aus potenziell die Kurse ziehenden Terminen. Und dann, Mitte Januar, nahen die ersten Bilanzen des vierten Quartals. Des Quartals also, das die Bullen als stark gelaufen voraussetzen. Aber das müssten die Bilanzen erst einmal beweisen. Und dass das eigentlich alles andere als sicher ist, wissen auch die Bullen. Und das ist noch nicht alles.

Dass die Republikaner die Verkündung des offiziellen Wahlergebnisses blockieren wollen macht deutlich, dass die Regierung Biden einen extrem schweren Stand haben wird. Vieles dessen, was längst im Markt eingepreist ist, z.B. ein weiteres Konjunkturpaket und das unter Donald Trump nicht realisierte, riesige Infrastrukturprogramm, steht in den Sternen. Und der Kompromiss, auf den man sich an Weihnachten mit Monaten Verspätung geeinigt hatte, wird nicht ausreichen, um das Wachstum wiederzubeleben, das die bullische Seite mit ihrem Sturmlauf auf neue Rekorde eskomptiert hat. Fazit:

Der „Kick Off“ ins Jahr 2021 könnte klappen, danach wird es eng. Auch aus charttechnischer Sicht, denn der Index hat, wie der Dow Jones-Chart auf Monatsbasis zeigt, die Parallele zur langfristigen, 2009 etablierten Aufwärtstrendlinie erreicht. Gut möglich, dass er im Verlauf des Januars darüber hinaus läuft. Aber um bullisch zu bleiben, müsste der Index diese jetzt minimal überbotene Linie auch per Ende Januar überboten haben. Auf mittelfristiger Ebene würde der Dow Jones zwar erst bärisch, wenn er mit Schlusskursen unter 28.957 Punkten durch die im Tageschart grün markierte Supportzone fallen würde. Aber was kurzfristige, aggressive Long-trades angeht, will man natürlich nicht so weit nach unten mitlaufen müssen. Hier sollte man ein Auge auf die 20-Tage-Linie (per 31.12. bei 30.113 Punkten) haben, die momentan den Leitstrahl der Bullen darstellt. Sollte diese Linie auf Schlusskursbasis um mindestens 100 Punkte unterboten werden, kann das bereits der Startschuss für größere Gewinnmintahmen sein.

Dow Jones: Monats-Chart vom 31.12.2020, Kurs 30.606,48 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX

Der Schlusskurs des Dow Jones am Donnerstag wäre eine ideale Telefonnummer, weil leicht zu merken: 30.303,30. In erster Linie ist das aber der höchste je erreichte Schlusskurs des Index. Ein Beleg, dass der Dow die 30.000 nachhaltig überwunden hat und jetzt nach den Sternen greifen wird, ist es jedoch noch nicht. Denn diesen Level hatte der Index auch schon am vergangenen Mittwoch und am Montag erreicht. Geschlossen hatte er in diesem Bereich über 30.300 Punkten zwar vorher nicht. Aber um den Anstieg über die „magische Marke“ von 30.000 Punkten signifikant zu machen, müsste der Index jetzt noch weiter steigen.

Die Chance dazu hat er. Die Bullen dürfen es nur nicht vermasseln. Sie finden sich in der Rolle eines Trapezartisten wieder: Gelingt der Sprung, ist ein bullischer Jahreswechsel hoch wahrscheinlich. Greifen sie aber ins Leere, könnten sie tief fallen. Und es ist offen, wie die Sache ausgeht, denn es hängt nicht alleine von der grundsätzlichen Kaufbereitschaft ab. Die wäre durchaus da. Sie braucht aber auch eine Grundlage, die über den heutigen „dreifachen Hexensabbat“, die Abrechnung der Optionen und Futures mit Laufzeit Dezember an der Terminbörse, hinausgeht.

Dow Jones: Tages-Chart vom 17.12.2020, Kurs 30.303,30 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX

Das kann bzw. muss das US-Stimulus-Paket sein, über welches sich der US-Senat angeblich jeden Moment einigen könnte. Am Donnerstag kamen stetig Statements einzelner Senatsmitglieder, die andeuteten, dass dieses längst überfällige und dadurch für die US-Wirtschaft zwingend erforderliche Konjunkturpaket eventuell heute schon kommen könnte, aber auf jeden Fall vor Weihnachten wahrscheinlich ist. Ermutigend, aber:

Das Risiko liegt nicht nur darin, dass diese Verhandlungen, so weit sie auch fortgeschritten sein mögen, noch platzen können. Dass das denkbar wäre, wissen wir ja spätestens seit den Verhandlungen im Handelskrieg: Die letzten offenen zehn Prozent sind nun einmal die schwierigste Hürde. Es kann eben auch sein, dass die Erwartung der Investoren enttäuscht wird, d.h. dass dieses Paket womöglich nicht groß und zielgerichtet genug ist, um aus der Gefahr, dass die USA in die Rezession zurückfallen, herauszukommen und die Rückkehr zum Wachstum zu zementieren.

Würde dieses Paket geschnürt und seitens der Mehrheit der Investoren für gut befunden, wäre der Weg hin zu einer Jahresendrallye mit einem starken Start ins neue Jahr geebnet. Unser Chart auf Monatsbasis zeigt, dass der Index bis Ende Dezember Spielraum bis 30.700 Punkte hätte, dort würde die ab Anfang 2018 zu konstruierende Hausse-Begrenzungslinie warten. Die indes auch überboten werden könnte.

Aber wenn nicht, kann dieses Paket oder die Meldung, dass die Verhandlungen wieder einmal im letzten Moment gescheitert sind, wie eine Falltür wirken, in die das bullische Lager fällt: abrupt und tief. Denn man darf unterstellen, dass ein Gutteil einer Einigung inklusive eines umfassenden, zufriedenstellenden Pakets bereits in den Kursen eingepreist ist. Käme es also zu einer Enttäuschung, ist nach unten nichts unmöglich. Der schwache Philadelphia Fed-Index und die wider Erwarten erneut angestiegenen Zahlen der Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe, beide am Donnerstag gemeldet, machen sehr deutlich, wie sehr es mit einem starken Stimulus eilt. Und da die US-Notenbank am Mittwochabend nichts Neues zu bieten hatte außer dem Hinweis, dass die Leitzinsen wohl noch lange auf dem Nahe-Null-Level bleiben werden, kommt es entscheidend auf dieses Paket aus Washington an. Greifen die Bullen am Trapez daneben, wäre ein Bruch der breiten Supportzone zwischen dem Oktober-Verlaufshoch bei 28.958 Punkten und dem alten Rekordhoch vom Februar bei 29.568 Zählern ein Signal, um sich auf der Long-Seite eilig zurückzuziehen.

Dow Jones: Monats-Chart vom 17.12.2020, Kurs 30.303,30 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX

Am 24. November hat das US-Index-Flaggschiff Dow Jones erstmals über der magischen Marke von 30.000 Punkten geschlossen. Dadurch wurde auch endlich das alte Rekordhoch vom Februar (29.568 Punkte) signifikant überboten. Man hätte vermuten dürfen, dass dieser Break über die runde Marke zusammen mit dem Rückenwind eines anstehenden Politikwechsels und den Nachrichten über bald beginnende Impfungen gegen COVID19 zu kräftigen Anschlusskäufen führen würde. Aber die blieben aus. Und damit müsste man das, was der Dow da präsentiert, eher als „halbstark“ bezeichnen. Um über jeden Zweifel in Sachen unangenehm heftiger Rückschläge erhaben zu sein, hätte der Index mehr zeigen müssen.

Zwar hat der Dow Jones nach dem ersten, kurzen Ausflug über 30.000 Punkte das alte Rekordhoch auf Schlusskursbasis im Zuge einer leichten Konsolidierung verteidigt. Mit den Mini-Rücksetzern in den Wochen davor hat sich dadurch eine zwischen 28.950 und 29.570 Punkten gelegene, durch die 20-Tage-Linie verstärkte Supportzone gebildet, die robust wirkt. Doch Gewinnmitnahmen auffangen zu können und auf der Oberseite wirklich nennenswert etwas zu erreichen, das sind zwei Paar Schuhe. Aber hat sich dieses Problem nicht am Freitag erledigt, indem der Dow Jones endlich deutlicher über 30.000 schloss?

Expertenmeinung: Der Eindruck entsteht auch deswegen, weil die am Freitag veröffentlichten US-Arbeitsmarktdaten für den November äußerst enttäuschend ausfielen und der US-Aktienmarkt dennoch zulegte. Das wirkt wie ein Beleg immenser Stärke. Aber wie kommt es, dass der Dow zuvor tagelang, auch bei besseren Konjunkturdaten, vor sich hin mäanderte und das Eis dann ausgerechnet an einem Tag mit „bad news“ gebrochen wurde?

Das deutet an, dass dieser erste Tag mit einem Schlusskurs deutlicher über 30.000 Punkten nicht trotz, sondern eher wegen dieser schwachen Arbeitsmarktdaten zustande kam. Was dann nachvollziehbar ist, wenn man sich daran erinnert, dass da ein längst überfälliges Konjunkturpaket kurz vor der Vollendung stehen könnte, wenn man den Andeutungen der Parteiführungen der Republikaner und der Demokraten glauben will. Es ist keineswegs selten, dass die Akteure so denken, d.h. dass sie „bad news“ in „good news“ uminterpretieren. Die Argumentation wäre diesmal wie folgt: Die schwachen Arbeitsmarktdaten erhöhen den Druck auf die Politik, deshalb wird man dort schneller zu einer Verabschiedung dieses Stimulus kommen. Und diese Erwartung wird schon einmal in Käufe umgesetzt. Riskant. Und daher wirkt der Dow Jones auch nicht wirklich „stark“.

Zum Handelsende am Freitag war in Sachen Konjunkturpaket noch nichts passiert. Sollten diejenigen, die auf entscheidende Fortschritte in unmittelbar nächster Zeit setzen, Recht bekommen und dieses Stimulus-Paket zudem so strukturiert und groß ausfallen, dass die Investoren es als tauglich für die Rückkehr zu nachhaltigem Wachstum einstufen, hätten diejenigen, die am Freitag eingestiegen sind, alles richtig gemacht. Sollte es indes zu Enttäuschungen kommen, kann dieser erneute Ausflug des Dow Jones über die 30.000 erneut von kurzer Dauer sein. Solange der Index dann nicht durch die oben genannte Supportzone 28.950/29.570 Punkte fällt, wäre zwar nichts angebrannt. Käme es indes dazu, was man nicht ausschließen sollte, wäre das Ziehen der Reißleine unbedingt zu überlegen.

Chart vom 04.12.2020, Kurs 30.218,26 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX

Natürlich erwarten die Bullen, dass der Dow Jones seine „magische Marke“ von 30.000 Punkten nicht nur signifikant überwindet, sondern daraufhin zügig davonzieht. Aber bislang tut man sich schwer damit, diese Hürde eindeutig zu nehmen. Zu viele scheinen der Ansicht zu sein, dass diese 30.000er-Marke eher das Ende der Fahnenstange als ein Sprungbrett ist und nehmen daher in diesem Bereich Gewinne mit. Durch diese Verkaufsorders müssen sich die Bullen erst einmal hindurch arbeiten. Und das ist gar nicht so leicht, denn auch die Optimisten wissen:

So falsch liegen die Skeptiker ja nicht, wenn sie betonen, dass all das, was man zuletzt durch den Ausgang der US-Wahl und die Meldungen über bald zur Verfügung stehende Impfstoffe in die Kurse eingepreist hat, eine Hypothek auf eine rosige Zukunft ist. Eine Zukunft, die, wenn es dumm kommt, auch ganz anders aussehen könnte. Aber ist das Risiko, dass sich große Erwartungen nicht erfüllen, ein zwingender Hinderungsgrund für die Fortsetzung der Hausse?

Wäre es so, hätte es diesen gewaltigen Anstieg seit März, diese Rückkehr an und jetzt auch den Sprung über die vorherigen Rekordhochs ja gar nicht erst gegeben. Und noch ist ja nichts schiefgegangen. Noch könnte es ab Januar zu politischem Rückenwind kommen, die Pandemie im Frühjahr schon überwunden sein und ein Wachstum gelingen, das stärker ist als vor dem „Corona-Crash“. Es braucht nur immer wieder kleiner, positiver Impulse, die den Bullen die Zweifel austreiben. Einer dieser positiven Aspekte findet sich im Dow Jones Transportation Index (Kürzel DTX), den wir Ihnen heute neben dem US-Index-Flaggschiff, dem Dow Jones Industrial Average (Kürzel INDU), als zweiten Chart abgebildet haben.

Chart vom 27.11.2020, Kurs 29.910,37 Punkte, Kürzel INDU / DTX | Online Broker LYNX

Charles Dow, einer der beiden Schöpfer der Dow Jones-Indizes, hatte in der Frühphase der Indizes versucht, einige grundsätzliche Regeln und Richtlinien zu erstellen, die helfen sollten, das Verhalten der Märkte besser zu verstehen. Eine Regel dieser sogenannten „Dow-Theorie“ misst dem Dow Jones Transportation-Index eine richtungweisende Funktion hinsichtlich des Trends des Dow Jones Industrials Index zu. Der Transportation-Index besteht aus 20 dem Logistikbereich zuzuordnenden Aktien; hier finden sich Eisenbahn-, Schiffs- und Fluggesellschaften ebenso wie Paketdienstleister und Speditionen. Eine der Grundideen dabei ist, dass der Dow Jones Industrial Average gute Chancen hat weiter zu steigen, wenn der Transport-Index neue Hochs markiert. Denn die in Letzterem enthaltenen Aktien sind besonders konjunkturabhängig und laufen dann besonders gut, wenn die Investoren starkes Wachstum sehen bzw. damit rechnen, dass das Wirtschaftswachstum Fahrt aufnehmen wird.

Sie sehen im Chart des Dow Jones Transportation-Index, dass dieser im Gegensatz zum Dow Jones Industrial Average schon im Oktober sein September-Hoch überwunden hat und den gesamten November über weiter auf neue Rekorde anzog, während sich der Dow Jones Industrial Average zwischen dem alten Rekordhoch vom Februar und der 20.0000 Punkte-Marke festgefahren hat. Ginge es also nach der Dow-Theorie, hätte der Dow Jones Industrial Average gute Chancen, nach oben auszubrechen. Das ist zwar alles, nur nicht zwingend. Aber da viele Anleger auch heute noch um diese Regeln wissen, bietet dieses Vorauslaufen des Transport-Index eine gute Basis, um den Optimismus aufrechtzuerhalten … und mit ihm die Kaufbereitschaft.

Chart vom 27.11.2020, Kurs 29.910,37 Punkte, Kürzel INDU / DTX | Online Broker LYNX

Am Montag war der Dow Jones der „magischen“ 30.000 Punkte-Marke bis auf 36 Punkte nahegekommen. Am Mittwochabend schloss er gut 560 Punkte darunter. Kann es wirklich sein, dass diese so nahe liegende Linie wirklich nicht erreicht und überboten wird? Möglich wäre es tatsächlich. Darauf wetten sollte man aber besser nicht. Zumindest noch nicht.

Anders wäre es, sollte das US-Index-Flaggschiff unter 28.900 Punkten schließen. Dann wäre, aus Sicht der Bullen, wirklich einiges angebrannt. Denn dann wäre das Verlaufstief der Vorwoche unterschritten. Das eigentlich nur den Tiefpunkt eines Mini-Rücksetzers markiert, aber dadurch wären dann auch die Zwischenhochs vom September und Oktober gebrochen und der Index würde sich daran machen, das gewaltige Gap, diese am vorvergangenen Montag als Reaktion auf die BioNTech/Pfizer-Impfstoff-Meldung entstandene Kurslücke, zu schließen. Die zwar auch nur bis 28.323 Punkte reicht, wo dann zusätzlich die 20-Tage-Linie als Support warten würde. Aber in einer Situation wie dieser dürfte so mancher alter Börsenhase mit hochgezogener Augenbraue konstatieren: Wehret den Anfängen!

Expertenmeinung: Grundsätzlich ist es eher die Regel als die Ausnahme, dass der Dow Jones knapp unterhalb wichtiger Widerstände eine Zeitlang seitwärts tändelt. In diesen Tagen werden die Gewinnmitnahmen derer, die den Widerstand nicht als Etappe zu neuen Hochs, sondern als Kursziel ansehen, abgearbeitet. Wenn diese Abgaben enden, haben die Bullen weniger Gegenwehr zu erwarten und setzen zum Sprung an. Wobei dann gerne die Hürde zum Ende eines Handelstages genau angelaufen wird und dann versucht wird, über die Futures außerhalb der regulären Handelszeit vorzukaufen und dadurch ein Eröffnungs-Gap zu generieren, das die anderen Trader vor die vollendete Tatsache gleich zum Handelsstart erreichter, neuer Hochs stellt. Es könnte auch diesmal so laufen, noch ist diese 30.000 ja nicht außer Reichweite. Aber:

Die Sache gestaltet sich immer dann kniffliger, wenn direkt vor einer solchen Marke ein weiterer, wichtiger Widerstand liegt. Was hier der Fall ist. Und der ist nicht von Pappe, denn es geht da um das alte Rekordhoch vom Februar bei 29.568 Punkten. Der Dow Jones war ja, anders als S&P 500 und Nasdaq 100, an den Februar-Hochs noch nicht vorbei gekommen. Und mit dem Schlusskurs des Mittwochs liegt er jetzt erst einmal wieder darunter. Das Problem in solchen Fällen ist, wir hatten das auch im Sommer beim Nasdaq 100 gesehen, wo das Februar-Rekordhoch und die 10.000er-Marke nahe beieinander lagen, dass beide Marken als Kursziel gesehen werden könnten. Passt die Marktstimmung, würde die Mehrheit keine Gewinne mitnehmen und solche Doppel-Marken als Sprungbrett, nicht als Ziel ansehen. Doch passt die Marktstimmung denn? Das dringend erwartete Konjunkturpaket bleibt weiter aus. Die Pandemie ist außer Kontrolle und die Regierung ignoriert diesen Aspekt entgegen anderslautenden Versprechungen vom Mai. Und die Gefahr wächst, dass die neue Regierung im Januar ohne eine korrekte Amtsübergabe starten muss und dadurch immens viel Zeit verliert. Zeit, die die US-Wirtschaft nicht hat. So gesehen: Schließt der Dow Jones ein, zweihundert Punkte über der 30.000, wäre der Knoten geplatzt. Aber bevor das nicht der Fall ist, kann die Stimmung und mit ihr der Dow Jones kippen, Argumente dafür gäbe es aktuell genug. Schlusskurse unter 28.900 Punkten wären dahingehend ein markantes Warnsignal!

Dow Jones: Chart vom 18.11.2020, Kurs 29.438,42 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX