Dow Jones Prognose Dow Jones: Bullisch? Ja. Überzeugend? Nein.

News: Aktuelle Analyse des Dow Jones Index

von |
In diesem Artikel

Dow Jones
ISIN: US2605661048
|
Ticker: INDU --- %

---
---% (1D)
1 W ---
1 M ---
1 J ---
Zur Dow Jones
Lassen Sie sich den Artikel vorlesen:

Es läuft beim Dow Jones. Im Dezember stieg er ziemlich mühelos über das alte 2022er-Rekordhoch, konsolidierte eine Zeit lang und steigt jetzt einfach weiter. Die 40.000er-Marke naht – und trotzdem wirkt diese Aufwärtsbewegung nicht recht überzeugend. Wo klemmt es?

Der Kursanstieg wirkt, auch, wenn er relativ stetig daherkommt, zögerlich. Das allerdings ist nicht per se negativ, kann sogar stabilisierend wirken. Denn man sagt zu Recht, dass Euphorie der Tod jeder Hausse sei. Eine Übertreibung provoziert Gewinnmitnahmen und die arten halt schnell auch mal in einen größeren Abstieg aus. Bei diesem eher behutsam wirkenden Anstieg scheint es, als könne dahingehend nicht viel anbrennen. Das Problem in diesem Fall ist aber, dass diese Zögerlichkeit womöglich weniger auf Vorsicht basiert, sondern darauf, dass die Hausse eigentlich auf einem Fundament aus Treibsand steht.

Den aktuellen Kurs und Chart des Dow Jones sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Expertenmeinung: Zum einen, weil das US-Index-Flaggschiff schon ungewöhnlich teuer bewertet ist. Nimmt man den Schnitt der Kurs/Gewinn-Verhältnisse aller im Index gelisteten 30 Aktien auf Basis der in den vergangenen zwölf Monaten gemeldeten Gewinne, kommt man momentan auf 25,75. Genau ein Jahr zuvor lag dieses KGV noch bei 22,46. Das wäre dann kein Problem, wenn es gute Gründe gäbe anzunehmen, dass die Gewinne dieser 30 Unternehmen insgesamt 2024 deutlich steigen würden. Aber dazu passt das Umfeld nicht.

Die bereits seit Herbst fleißig in die Kurse „eingepreisten“ Zinssenkungen der US-Notenbank, im März beginnend und dann mit fünf bis sechs 0,25 Prozent-Schritten bis Jahresende, kommen später und werden deutlich weniger sein. Falls sich die Inflation überhaupt in nächster Zeit so präsentiert, dass die „Fed“ es riskieren kann, mehr zu machen als ein, zwei kosmetische Schritte. Die unerwartet starken Arbeitsmarktdaten für Januar und die nicht minder unerwartet hohen Steigerungen der Verbraucher- und Erzeugerpreise lassen das zumindest offen scheinen. Und das ist nur ein Faktor.

Dow Jones: Wochen-Chart vom 16.02.2024, Kurs 38.627,99 Punkte, Kürzel: INDU | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Dow Jones: Wochenchart vom 16.02.2024, Kurs 38.627,99 Punkte, Kürzel: INDU | Quelle: TWS | Online Broker LYNX

Der andere findet sich in der Chart- und Markttechnik. Wir sehen im Chart auf Wochenbasis, dass der Dow an die obere Begrenzung eines im Herbst 2022 etablierten Aufwärtstrendkanals gestoßen ist, und das bei einem auf Wochenebene überkauften RSI-Indikator. Und auch, wenn der RSI auf Tagesbasis nicht überkauft ist: Dort zeigt er eine auffallend lang anhaltende negative Divergenz, d.h. neue Index-Hochs werden nicht durch neue Hochs im Indikator bestätigt.

Fundamental teuer mit unsicherer konjunktureller Perspektive, chart- und markttechnisch langsam heiß gelaufen … in diesem Fall dürfte diese unstete, unentschlossen wirkende Aufwärtsbewegung weniger ein Spiegel der Vorsicht sein als das Fehlen eines stabilen Unterbaus, daher:

Dow Jones: Wochen-Chart vom 16.02.2024, Kurs 38.627,99 Punkte, Kürzel: INDU | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Dow Jones: Wochenchart vom 16.02.2024, Kurs 38.627,99 Punkte, Kürzel: INDU | Quelle: TWS | Online Broker LYNX

Solange die Aufwärtsbewegung intakt bleibt, könnte man mit der Welle mitschwimmen. Aber spätestens dann, wenn der Dow Jones wieder unter das alte Rekordhoch von 36.953 Punkten rutschen sollte, würde sich damit auch Spielraum in Richtung der unteren Begrenzung des 2022er-Aufwärtstrendkanls auftun. Und wenn man sich ansieht, wo die derzeit verläuft (ca. bei 33.450 Punkten) wir klar, dass man wohl kaum etwas falsch machen würde, wenn man Long-Trades mit konsequenten Stoppkursen absichert.

Top Flop Aktien – Übersicht der Gewinner und Verlierer

Welche Aktien in den wichtigen Indizes sind in letzter Zeit am meisten gestiegen oder gefallen? Was sind die Top-Aktien 2024? Welche Aktien haben die beste Performance über die letzten 5 Jahre und welche Aktien sind stark gefallen? Hier finden Sie es heraus: DAX Top FlopMDAX Top FlopEuro Stoxx Top FlopDow Jones Top FlopNasdaq 100 Top Flop

Wie hilfreich fanden Sie den Artikel?
Wenig hilfreichSehr hilfreich

--- ---

--- (---%)
Mkt Cap
Vol
T-Hoch
T-Tief
---
---
---
---

Displaying the --- chart

Heutigen Chart anzeigen

Loading ...
Alle Börsenblick-Artikel

Nachricht schicken an Ronald Gehrt
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.

Vorherige Analysen des Dow Jones Index

Vor einem Monat hatte das US-Index-Flaggschiff Dow Jones das im Januar 2022 markierte Rekordhoch bei 36.953 Punkten bezwungen. Aktuell liegt er gerade einmal gut 1,7 Prozent darüber. Das könnte man als „Atempause“ ansehen. Aber es kann auch zum Problem werden.

Ungewöhnlich ist es nicht, dass der Dow Jones eine wichtige Charthürde nimmt und dann erst einmal recht wenig passiert. Der altehrwürdige Dow ist nicht unbedingt ein Ausbund an Dynamik, gezockt wird eher an der Nasdaq. Wenn man sich aber frühere Beispiele ansieht, in denen neue Hochs erreicht wurden und der Index danach erst einmal seitwärts lief, löste sich das keineswegs immer in einen neuen Rallye-Impuls auf. Wie kann es diesmal laufen?

Dow Jones: Wochenchart vom 12.01.2024, Kurs 37.592,98 Punkte, Kürzel: INDU | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Dow Jones: Wochenchart vom 12.01.2024, Kurs 37.592,98 Punkte, Kürzel: INDU | Quelle: TWS

Zumindest wäre ein Test dieses alten Hochs denkbar … eventuell auch ein leichtes Unterschreiten. In dieser Region, also um 37.000 Punkte und knapp darunter, würde sich zeigen, ob die Käufer nur auf einen kleinen Rücksetzer gewartet hatten, um einen Tick günstiger in den Markt zu kommen und/oder das aktuell aktive bullische Lager imstande ist, den Index vor einer Bullenfalle zu bewahren. In einem bullischen Umfeld würde man ein solches Szenario, in dem der Index eine Zeitlang seitwärts konsolidiert, dann den neuen Boden testet und von dort aus zu neuen Rekorden davonzieht, als die eindeutig wahrscheinlichere Variante einstufen. Das Problem im aktuellen Fall ist indes:

Wir haben kein allzu bullisches Umfeld, das wollen nur viele, die seit Ende Oktober eingestiegen sind, so sehen. Die Frage ist, ob das diejenigen, die in einen Rücksetzer hinein kaufen müssten, auch so sehen und die Käufe dann stark genug wären, um den Druck der Bären aufzufangen, denen eine Bullenfalle natürlich perfekt in den Plan passen würde.

Expertenmeinung: Dass die drei US-Banken, die am Freitag als „First Mover“ ihre Ergebnisse des vierten Quartals vorlegten, trotz grundsätzlich guter Zahlen ebenso verkauft wurden wie die im Dow Jones gelistete UnitedHealth-Aktie deutet an, dass viele Marktteilnehmer überzogene Erwartungen zu Lage und Perspektive hegen könnten. Dass die äußerst vorsichtigen Aussagen von Mitgliedern der US-Notenbank ignoriert werden und viele weiter mit einem Beginn der Leitzinssenkungen im März rechnen, ist eine weitere Quelle für böse Überraschungen. Und die könnte der Dow Jones bzw. die US-Finanzmärkte nicht ohne weiteres verdauen, denn:

Hier ebenso wie am US-Anleihemarkt hat man den Sieg über die Inflation, mehrere Zinssenkungen und daraufhin steigende Unternehmensgewinne bereits vorweggenommen. Nach Berechnungen des „Wall Street Journal“ liegt das Kurs/Gewinn-Verhältnis des Dow Jones als Ergebnis des Schnitts der in ihm gelisteten 20 Aktien aktuell bei 26,73. Vor genau einem Jahr lag es noch bei 22,04, d.h. der Index ist jetzt über 20 Prozent teurer, auf Basis der Vorwegnahme eines optimalen Umfelds, das in der Realität weitaus weniger optimal daherkommen dürfte. So hoch liegt das Kurs/Gewinn-Verhältnis außerhalb von dem Bild verzerrenden Rezessionsphasen selten und wäre nur gerechtfertigt, wenn die Unternehmensgewinne stetig und dynamisch weiter zulegen.

Wenn der Kreis derer, die sich der Fragilität des Dow Jones auf Rekordniveau bewusst sind und die dies gezielt ausnutzen wollen, groß ist, kann das dazu führen, dass diese wochenlange Seitwärtsbewegung als Bullenfalle endet. Zumal der Index seinen markttechnisch überkauften Zustand auf Tagesbasis nur wenig abgebaut hat und auf Wochenbasis immer noch überkauft ist. Aber:

Was all diejenigen planen und tun werden, die sich momentan bedeckt halten, weiß man ja nie vorher. Womöglich ist das Lager potenzieller Käufer, die weiter an einem sogenannten „Goldilocks-Szenario“, in dem alles perfekt zu Gunsten der Bullen läuft, größer und die Bären bleiben in ihrer Deckung.

Erst, wenn der Dow Jones diese entscheidende Unterstützung in Form des alten Rekordhochs bei 36.952,70 Punkten nicht nur leicht, sondern für mehrere Tage und um mehr als ein Prozent unterboten hat, ohne dass die Käufer sich rühren, dann ist höchstwahrscheinlich wirklich etwas angebrannt. Ein Szenario, das so nicht kommen muss. Aber es ist denkbar genug, um hier mit einem offenen Auge zu schlafen.

Dow Jones: Tageschart vom 12.01.2024, Kurs 37.592,98 Punkte, Kürzel: INDU | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Dow Jones: Tageschart vom 12.01.2024, Kurs 37.592,98 Punkte, Kürzel: INDU | Quelle: TWS

Der Dow Jones überbot gestern nach der US-Notenbankentscheidung das bisherige Rekordhoch vom 5. Januar 2022. Aber das Erreichen dieses von den Bullen anvisierten Ziels wirft neue Fragen auf: Wird das Ziel zur Etappe auf dem Weg zu neuen Hochs – oder nicht?

Noch vor sechs Wochen hätte wohl kaum jemand damit gerechnet, dass die Anfang 2022 erreichte Höchstmarke des Dow Jones bei 36.952,65 Punkten noch in diesem Jahr erreicht und überboten würde. Und manch einer dürfte das sogar für 2024 bezweifelt haben. Jetzt ist diese Marke sogar überboten worden. Und nicht zufällig war die US-Notenbankentscheidung sowie die darauffolgende „Fed“-Pressekonferenz das Vehikel der Bullen. Denn die neuen Projektionen der Entscheidungsträger klangen äußerst bullisch:

Für 2024 erwartet die „Fed“ jetzt eine Kerninflation bei 2,4 Prozent, im September lag die Erwartung noch bei 2,6 Prozent. Zwar rechnet man nicht mit starkem Wachstum, nahm die 2024er-Prognose sogar leicht von 1,5 auf 1,4 Prozent zurück. Aber für viele steht vor neuem, starkem Wachstum erst einmal eine Serie weitreichender Zinssenkungen. Und mit einer Leitzins-Projektion von 4,4 bis 4,9 Prozent für Ende 2024 offeriert die US-Notenbank jetzt genau diesen Pfad. Denn damit werden, ausgehend von der aktuellen Leitzins-Range von 5,25 bis 5,50 Prozent drei, eventuell sogar vier Zinssenkungen um je ein Viertelprozent avisiert.

Dass die Kurse daraufhin massiv zulegten, lässt den Eindruck entstehen, dass die US-Notenbank damit ein grandios bullisches Szenario präsentiert und dadurch den Weg der Aktienmärkte nach oben komplett freigegeben hat. Dass das US-Index-Flaggschiff in einem Zug sogar an der alten Bestmarke vorbeizog, wirkt, als wäre jetzt nur noch der Himmel das Limit. Aber ist das wirklich so?

Expertenmeinung: Kurz nach der Entscheidung sagte einer der Teilnehmer der Gesprächsrunde des Börsensenders CNBC, dass er mit Blick auf den Umstand, dass sinkende Zinsen das Wachstum erst einmal ausbremsen, weil die Verbraucher dann auf noch niedrigere Zinsen und niedrigere Preise warten, ein wenig unruhig sei, weil der Markt diesen Aspekt derzeit komplett ignoriert.

Und ja, das ist eben der Punkt. Das und der Umstand, dass bis zu vier Zinssenkungen zwar nach viel klingen. Aber davon mal abgesehen, dass ein US-Leitzins bei 4,4 bis 4,9 Prozent in Relation zum derzeitigen Level und dem einstigen Ausgangspunkt von 0,00 bis 0,25 Prozent nahezu gar nichts ist und die Verbraucher wohl noch nicht in die Konsumtempel bringen würde, ist das Problem:

Dow Jones: Tageschart vom 13.12.2023, Kurs 37.090,24 Punkte, Kürzel: INDU | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Dow Jones: Tageschart vom 13.12.2023, Kurs 37.090,24 Punkte, Kürzel: INDU | Quelle: TWS

Eigentlich bekamen die bullischen Trader damit nur das, was sie zuvor im Zuge in dieser Super-Rallye seit Ende Oktober bereits eingepreist hatten, ohne die vorgenannte Schattenseite einer beginnenden Zinssenkungsphase zu beachten. Warum also war die Reaktion auf die Entscheidung der „Fed“, die Leitzinsen vielleicht kommendes Jahr bis zu viermal nach unten zu nehmen, derart intensiv?

Da dürfte die morgen anstehende, große Abrechnung an der Terminbörse eine große und womöglich sogar entscheidende Rolle gespielt haben. Denn starke Trends, wie wir das in den letzten Wochen ja gesehen haben, pflegen sich unmittelbar vor und an einer solchen Abrechnung sehr oft noch zu intensivieren. Aber ebenso, wie der US-Anleihemarkt jetzt die Rendite für US-Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit vom Hoch bei knapp fünf Prozent am Mittwochabend auf vier Prozent drückte und das ganze, aus aktueller Sicht maximale Zinssenkungspotenzial des kommenden Jahres bereits eingepreist hat, bevor die erste Senkung auch nur avisiert wurde, hat man jetzt ein Wachstum der US-Unternehmensgewinne im Aktienmarkt eingepreist. Und das eben ohne zu berücksichtigen, dass die US-Notenbank selbst mit ihrer eher mageren Wachstumsprognose von 1,4 Prozent für 2024 klar macht: Bei sinkenden Zinsen geht es erst einmal nur langsam voran.

Können oder wollen die Trader das nicht realisieren? Das ist eine Frage, die die gestrige Rallye eben wegen dieses Sonderfaktors der morgen anstehenden Terminmarkt-Abrechnung nicht beantwortet hat. Erfahrene Trader konnten eine solche Bewegung erahnen und wissen genau: Sich einer solchen Rallye massiv entgegenzustellen, bevor die Abrechnung über die Bühne ist, ist sinnlos. Aber kommende Woche ist dieses zusätzliche Zugpferd ausgespannt.

Ob die Bullen den Karren dann noch voran bekommen oder doch deutlich mehr Anleger das Erreichen der alten Rekordmarke als Ziel und nicht als Etappe sehen, als dies am Mittwoch den Anschein hatte, wird sich erst dann entscheiden. Es wäre daher äußerst ratsam, den Blick in dieser luftigen Höhe auch nach unten zu richten, zumal der Dow Jones auf Basis des RSI-Indikators auf Tagesbasis das letzte Mal vor knapp fünf Jahren derart überkauft war. Was hieße: Jetzt über Gewinnmitnahmen Long nachzudenken und Stop Loss-Absicherungen enger zu ziehen, dürfte kein Fehler sein!

Dow Jones: Wochenchart vom 13.12.2023, Kurs 37.090,24 Punkte, Kürzel: INDU | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Dow Jones: Wochenchart vom 13.12.2023, Kurs 37.090,24 Punkte, Kürzel: INDU | Quelle: TWS

Es ist die gewaltigste Rallye des Jahres, die den Dow Jones jetzt auf ein neues Jahreshoch getragen hat. Es fehlen nur noch knapp zwei Prozent bis zum Rekordhoch von 36.952,65 Punkten. Die Bullen sind wie im Rausch – und genau das macht die Sache recht riskant.

Gerade erst am Freitag hielt US-Notenbankchef Powell eine Rede im Rahmen einer Diskussionsrunde, von der man sich das klare Signal erwartete, dass die „Fed“ die Zinsen fortan nach unten schrauben wird … und das schon bald. Der Anleihemarkt nimmt dieses Szenario längst vorweg, der Aktienmarkt kauft schon mal vor, in Erwartung, dass sinkende Zinsen das Wachstum massiv und umgehend befeuern werden. Doch die Sache hat nicht nur einen Haken, sondern gleich mehrere.

Zum einen sagte Powell nichts, was darauf hindeuten würde, dass die Aktienmarkt-Bullen bekommen, was sie bereits einpreisen. Im Gegenteil erklärte der Notenbankchef, dass es verfrüht sei zu unterstellen, dass bereits eine ausreichend restriktive Haltung erreicht sei und auch, darüber zu spekulieren, wann die Geldpolitik möglicherweise gelockert werden könnte. Dass der Dow Jones ebenso wie die anderen US-Indizes daraufhin nur kurz und wenig „zurückzuckten“ und dann einfach weiter zulegten, macht klar: Man glaubt, es besser zu wissen. Und man glaubt damit ebenso, die eherne Trader-Regel „never fight the Fed“, sich also nie gegen die Geldpolitik der Notenbank zu positionieren, ignorieren zu können. Das alleine ist gewagt.

Aber das ist nicht der einzige Risikofaktor. Denn zum anderen müsste man einkalkulieren (tut es aber nicht), dass der Beginn von Zinssenkungen auf Basis einer wieder in den Zielbereich gedrückten Inflation normalerweise dazu führt, dass Unternehmen mit ihren Investitionen und Verbraucher mit ihren Anschaffungen abwarten, bis die Zinsen und Preise noch billiger, idealerweise am Tief sind. Was hieße, dass der unterstellte Anstieg von Wachstum und Unternehmensgewinnen eine unbestimmte Zeit auf sich warten lassen dürfte. Aber auch damit sind die Risiken dieser Rallye noch nicht „durch“, denn:

Expertenmeinung: Davon mal abgesehen, dass bislang nur sehr wenige Mitglieder des US-Notenbank-Entscheidungsgremiums FOMC laut über eine baldige Lockerung der Geldpolitik auch nur nachdenken, hätte man ein „taubenhaftes“ Szenario der „Fed“ ja angesichts dieses immensen Anstiegs des US-Flaggschiff-Index ja bereits eingepreist. Und die im Zuge der Inflations- und Zinsanhebungsphase ja bei vielen Blue Chips gar nicht gedrückten Gewinne ebenso. Das aktuelle Kurs/Gewinn-Verhältnis der Dow Jones-Aktien liegt bei 26. Und das ist im historischen Kontext hoch, vor einem Jahr lag es noch bei 21,4, vor zehn Jahren bei 15,2.

Wäre die Rallye noch „jung“, könnte das die Bullen vermutlich nicht aufhalten. Aber wenn wir uns in den Charts ansehen, dass der ansonsten ja nicht umwerfend volatile Index seit Ende Oktober um gut 12 Prozent gestiegen ist, auf Tagesbasis extrem überkauft und auf Wochenbasis seitens des RSI-Indikators so hoch steht wie seit zwei Jahren nicht, wird klar:

Dow Jones: Tageschart vom 01.12.2023, Kurs 36.245,50 Punkte, Kürzel: INDU | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Dow Jones: Tageschart vom 01.12.2023, Kurs 36.245,50 Punkte, Kürzel: INDU | Quelle: TWS

Auf dem derzeitigen Level ist das Eis äußerst dünn. Es wäre gut vorstellbar, dass der Dow Jones das bisherige Rekordhoch zügig ansteuert und auch leicht übertrifft. Aber da zweifellos nicht alle Marktteilnehmer gerade im Kaufrausch weder nach links noch nach rechts sehen, könnte das dann der Moment sein, in dem, ggf. über eine Bullenfalle, die Rückkehr einer deutlich weniger rosigen Realität beginnt.

Dow Jones: Wochenchart vom 01.12.2023, Kurs 36.245,50 Punkte, Kürzel: INDU | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Dow Jones: Wochenchart vom 01.12.2023, Kurs 36.245,50 Punkte, Kürzel: INDU | Quelle: TWS

Quellenangaben: Kurs/Gewinn-Verhältnisse (p/e-ratio) US-Indizes: https://www.wsj.com/market-data/stocks/peyields

Mit dem gestrigen Plus von immerhin 222 Punkten gelang dem Dow Jones zwar ein weiterer Schritt aus einer am vergangenen Freitag noch zementiert wirkenden, charttechnischen Bredouille. Aber ob das die Grundlage einer großen Rallye ist, ist zumindest sehr fraglich.

Der gestrige Handelsverlauf des Dow Jones, aber auch des US-Aktienmarkts an sich, war eher keiner, der zweifelnde Trader in überzeugte Bullen verwandeln könnte. Im Vorfeld der gestrigen US-Notenbankentscheidung hatte der Index schon mal kräftig zugelegt. Aber unmittelbar vor der Zinsentscheidung um 19 Uhr unserer Zeit (in den USA gilt noch bis zum Wochenende Sommerzeit) lag das US-Flaggschiff dann fast wieder auf der Nulllinie zum Vortag, wankte und schwankte sich dann knapp im Plus durch die Pressekonferenz von „Fed“-Chef Jerome Powell und drehte erst kurz vor Beginn der letzten Handelsstunde richtig auf. Das wirkte bemüht. Und das war es auch, alleine deshalb, weil das, was die Notenbank entschied und kommunizierte, keine Argumente für eine neue Sicht auf die Lage barg.

Dass die „Fed“ die Leitzinsen nicht verändern würde, war erwartet worden. Und das Statement zur Entscheidung ebenso wie die Pressekonferenz von Jerome Powell waren geprägt vom Bemühen, sich vorsichtig auszudrücken, um keine extremen Reaktionen an den Börsen auszulösen. Einerseits, so hieß es, zeige sich die Konjunktur stärker als erwartet. Andererseits sei die Geldpolitik jetzt schon restriktiv. Wiederum andererseits habe die Reduzierung der Inflation auf den Ziellevel noch einen weiten Weg vor sich. Aber ob die Leitzinsen noch angehoben werden oder nicht, werde man von Sitzung zu Sitzung neu prüfen. Nur über Zinssenkungen habe man nicht gesprochen.

Nichts anderes als solche vorsichtigen Statements konnte man erwarten. Damit war diese Notenbanksitzung kein Grund, sondern bestenfalls ein Aufhänger, um die Kurse der Aktienindizes in Marsch zu setzen. Die Motivation dahinter fand sich auch im Anleihemarkt, wo man ebenfalls bemüht war, etwas nicht Aufrüttelndes positiv aussehen zu lassen. Dort kamen die Renditen der US-Staatsanleihen zurück, das motivierte die Aktienmärkte, was wiederum die Renditen drückte. Man schaute hin und her … und das, was die US-Notenbank zu sagen hatte, spielte dabei eine Nebenrolle. Aber warum waren die Bullen so bemüht, einen Fuß in die Tür zu stellen?

Expertenmeinung: Die Antwort findet sich im Chartbild des Dow Jones. Hier sehen wir, dass der Index am vergangenen Freitag durch die Supportzone 32.500/32.600 Punkte gerutscht war, nachdem er Mitte Oktober beim Versuch scheiterte, die 200-Tage-Linie zurückzuerobern. Dadurch tat sich aus charttechnischer Sicht weiteres Abwärtspotenzial bis an das im März markierte Jahres-Verlaufstief bei 31,430 Punkte auf. Um das zu verhindern, waren die Bullen am Montag umgehend angetreten, zogen den Index sofort zurück über die Zone 32.500/32.600 Punkte, holten zeitweise fallende Kurse am Dienstag auf und mussten, um das Momentum und die daraus resultierende Sogwirkung auf die Akteure aufrechtzuerhalten, gestern zwingend weiter Boden gutmachen. Ihr Vorteil dabei:

So gelang es auch schon, das Anfang Oktober bei 32.847 Punkten ausgebildete Zwischentief zurückzuerobern und, wichtiger noch: Dadurch hat sich eine positive Divergenz beim RSI ausgebildet. Das heißt, dass der Index zuletzt zwar ein neues Tief ausbildete, der im Chart unten mit eingeblendete RSI-Indikator aber nicht. Das ist ein positives Signal, das nicht unbemerkt bleiben dürfte. Aber wie weit kann das den Dow nach oben befördern?

Die Rallye kann zwar bis in die Zone zwischen der 200-Tage-Linie (33.815 Punkte) und der August-Abwärtstrendlinie (34.250 Punkte) führen … muss es aber nicht. Und dass es dort dann nach oben hinausgeht, ist zumindest aus aktueller Sicht sehr zu bezweifeln.

Denn selten gab es in den vergangenen Jahren so viele „missed expectations“ bei den Quartalsbilanzen wie derzeit. Obwohl die Analysten normalerweise schon so schätzen, dass ihre Erwartungen übertroffen werden. Und auch Unternehmen, die diese Prognosen übertreffen, müssen nicht gut dastehen. So hatte z.B. Qualcomm gestern Abend die Analystenprognose von im Schnitt 1,91 US-Dollar Gewinn pro Aktie mit 2,06 US-Dollar überboten. Aber im Vorjahresquartal hatte Qualcomm 3,13 US-Dollar pro Aktie verdient … und der Kurs notiert kaum höher als vor einem Jahr.

Die Probleme, die aus Inflation und hohen Zinsen entstehen, sind bei sehr vielen Unternehmen jetzt angekommen. Und so etwas ist kein Nährboden für eine nachhaltige Aufwärtswende, so gesehen bleibt der Anstieg des Dow Jones seit Montag eine Hoffnungsrallye, die, wie alle Vertreter dieser Art, ein gutes Stück nach oben führen könnte, aber dennoch immer eine auf Abruf ist.

Quellenangaben: Statement der US-Notenbank zur Entscheidung des 01.11.2023:

Dow Jones Index: Chart vom 01.11.2023, Kurs 33.274,58 Punkte, Kürzel: INDU | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Dow Jones Index: Chart vom 01.11.2023, Kurs 33.274,58 Punkte, Kürzel: INDU | Quelle: TWS

Quellenangaben: Statement der US-Notenbank zur Entscheidung des 01.11.2023: https://www.federalreserve.gov/monetarypolicy/files/monetary20231101a1.pdf

Der Dow Jones hatte die 200-Tage-Linie am Montag getestet und recht eindrucksvoll verteidigt. Eine Steilvorlage für bullische Trader … die sie indes nicht umsetzen konnten: Am Dienstag wurde dieser wichtige gleitende Durchschnitt umso deutlicher unterboten.

Es wird langsam ernst. Am vergangenen Donnerstag durchschlug das US-Index-Flaggschiff die Kreuzunterstützung aus den Aufwärtstrendlinien vom Oktober 2022 und März 2023. Am gestrigen Dienstag dann fiel die 200-Tage-Linie. Was umso herber auf das bullische Lager wirken dürfte, als man diese Linie noch am Montag verteidigt und dabei ein zeitweise recht deutliches Minus aufgeholt hatte. Da die Linie bei mittel- und langfristigen Anlegern den Status einer Scheide-Marke zwischen „bullisch“ und „bärisch hat und letztmalig im Bankenkrise-März nennenswert unterboten wurde, wäre das genau der Moment gewesen, in dem das bullische Lager einen eindrucksvollen Gegenangriff hätten starten müssen, um die Short-Seller zurückzudrängen. Aber das passierte nicht, sondern das Gegenteil:

Der Dienstag startete aufgrund schwacher Vorgaben aus Europa und den mit den Eurozone-Indizes mit abgerutschten US-Index-Futures mit einem „Gap Down“. Oft ist das die Basis für die Kurse nach oben ziehende Eindeckungen von Short-Positionen … diesmal aber nicht. Der Dow rutschte nahezu widerstandslos immer weiter ab, das Unterschreiten der am Vortag noch aktiv und erfolgreich verteidigten 200-Tage-Linie bei 33.821 Zählern erfolgte ohne Gegenwehr bereits nach gut einer halben Handelsstunde. Was lässt sich daraus ableiten?

Expertenmeinung: Es entsteht der Eindruck, als würde sich das bullische Lager langsam auflösen und mancher, der am Montag noch kaufte, jetzt zusehen, dass er seine Bestände reduziert, statt dagegenzuhalten. Beim Nasdaq 100 und beim S&P 500 war es dasselbe Bild. Aber wieso jetzt? Kann es wirklich sein, dass das immer noch die Nachwehen der bereits eine Woche zurück liegenden US-Notenbanksitzung sind?

Normalerweise reagiert der Markt auf solche „Events“ nur kurz. Aber in diesem Fall könnte es tatsächlich anders sein. Denn erst die neuen Projektionen für Wachstum, Inflation und vor allem für die Leitzinsen dürften vielen Akteuren die Augen geöffnet haben, in was für ein Umfeld man 2024 steuert.

Es war eine weit verbreitete Erwartung, dass das Erreichen einer gewissen Nähe zur Inflations-Zielzone von zwei Prozent dazu führen würde, dass die US-Notenbank die Zinszügel schon einmal lockert, weil der Rest des Weges von alleine begangen würde bzw. eine ein bisschen zu hohe Teuerung nicht weiter schlimm ist. Man unterstellte, dass dadurch gar nicht erst Druck auf die Gewinne der großen, marktdominanten Unternehmen entstehen würde, sprich man den Flieger hochziehen werde, bevor der auf der Landebahn aufschlägt.

Indem sie zwar mehr Wachstum als noch im Juni prognostizierte, ohne zugleich die Inflationserwartungen anzuheben, aber trotzdem in der Inflationsprognose einen halben Prozent an Zinssenkungen im kommenden Jahr auspreiste, hat die „Fed“ den Tradern diesen Zahn jetzt gezogen. Hinzu kam, dass man nicht explizit erklärte, dass der Leitzins jetzt nicht noch einmal angehoben würde.

Ein Umfeld von längere Zeit hohen Leitzinsen, also ein „Zins-Hochplateau“, das ist für eine Volkswirtschaft, in der zu viele Verbraucher und Unternehmen zu viele Schulden haben … der Staat mal sowieso … fatal. Dazu kommen die kritischen Gehaltsforderungen in der US-Automobilindustrie und das Gezänk um den Staatshaushalt. Das drückt auf den Konsum, auf die Unternehmensgewinne und auf die Marktstimmung.

Zwar weiß man eigentlich, dass Prognosen oft nicht eintreffen, dass am Ende alles ganz anders kommen könnte. Aber für den Moment geht am US-Aktienmarkt die Angst um, die US-Notenbank könnte die Sache so hart angehen, dass das die Wirtschaft so massiv ausbremst, dass es nicht die Leitzins-, sondern die Wachstumsprognose für 2024 sein könnte, die man dann nach unten korrigieren muss.

Wenn man auf ein ganz anderes Szenario zusteuert, als es viele auf dem Zettel haben, sickert das oft nur zäh in das Bewusstsein der Akteure. Daher ist es in der Tat gut denkbar, dass die US-Notenbanksitzung nicht nur noch gestern nachwirkte, sondern das auch noch eine Zeitlang weiter tun wird. Zumal:

Dow Jones: Chart vom 26.09.2023, Kurs 33.618,88 Punkte, Kürzel: INDU | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Dow Jones: Chart vom 26.09.2023, Kurs 33.618,88 Punkte, Kürzel: INDU | Quelle: TWS

Jetzt liegt das Kind eben auch charttechnisch im Brunnen, denn mit dem Bruch der 200-Tage-Linie wäre der Weg aus rein charttechnischer Sicht erst einmal nach unten frei, die nächste Supportzone von Belang würde erst im Bereich 32.500/32.600 Punkte warten. Das Bullen-Lager hat damit eine wichtige Chance liegen lassen, die Wogen zu glätten.

Natürlich ist es jederzeit denkbar, dass man sich doch noch aufrafft und den Index wieder deutlich über diese 200-Tage-Linie zieht. Aber je mehr wichtige Supportlinien jetzt als Widerstand fungieren, desto schwieriger wird es, das hinzubekommen. Das US-Index-Flaggschiff hat Schlagseite bekommen … das Abwärtsrisiko wird größer.