MDAX aktuell MDAX: Das sieht hier langsam kritisch aus!

News: Aktuelle Analyse des MDAX Index

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MDAX
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Zum MDAX

29.438,03 Punkte, das war der bisherige Verlaufsrekord des MDAX, markiert am 20. Februar dieses Jahres. Im Gegensatz zu DAX und TecDAX läuft hier bereits der Kampf um diese letzte charttechnische Hürde. Aber bislang haben die Bullen dabei Probleme. Der MDAX lief nicht einfach mit Schwung über diese Linie, sondern hängt seit zwei Tagen an ihr fest. Damit sind die Marktteilnehmer im bullischen Lager jetzt gefordert. Denn sollte der Index noch ein, zwei Tage festsitzen, würde aus dem Warnsignal, welches sich daraus bislang ergibt, ein negatives Signal, das deutlich machen würde, dass die Zahl derer, die diesen Level als Kursziel und nicht als Zwischenstopp auf dem Weg an und über die 30.000 sehen, eindeutig überwiegt.

Würden die Käufer daraufhin ihre Orders streichen, die bestehenden Verkaufsorders auf diesem Level aber noch nicht abgearbeitet sein, würde ein kleiner Schub an weiteren Verkaufsorders oder gar gezielten Leerverkäufen der Bären ausreichen, um den Index weit zurückzudrängen. Und dass die Bären sich das gerade ganz genau und mit einer gewissen Vorfreude ansehen, dürfte unstrittig sein. Zweimal lief der MDAX über den alten Verlaufsrekord und schloss zweimal darunter. Und nicht nur das:

Den aktuellen Kurs und Chart des MDAX sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Expertenmeinung: Am Montag entstand daraus ein sogenannter „Gravestone Doji“, ein Doji nahezu ohne Kerzenkörper und mit einem langen oberen Docht, der deutlich macht, dass der gesamte Anstieg des Tages verloren ging. Was immerhin um die 400 Punkte war. Und psychologisch noch ungünstiger für die Bullen ist, dass man es am Dienstag zwar unverdrossen gleich noch einmal versuchte, dabei aber einen „Shooting Star“ produzierte, der kaum weniger potenziell bärisch ist als ein „Gravestone Doji“. Zugleich ist der MDAX nach dem Sturmlauf des Novembers auf Basis markttechnischer Indikatoren überkauft. Sie sehen im Chart unten den RSI-Indikator eingeblendet: Der Indikator ist in der überkauften Zone angekommen, was oft, wenngleich nicht immer, ein Vorbote für Abgabedruck ist.

Chart vom 01.12.2020, Kurs 29.352,27 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Das Problem des bullischen Lagers ist, dass sie ja nicht nur gegen kurzfristige Warnsignale im Candlestick-Chart und gegen überkaufte Indikatoren antreten müssen, sondern auch gegen die Rahmenbedingungen. Denn die Bullen dürften mehrheitlich sehr wohl wissen, dass die Gesamtsituation eine solche Hausse bislang nicht unterfüttert. Dass beispielsweise die gestern veröffentlichte Absenkung der 2021er und 2022er Wachstumsprognose Deutschlands und der Eurozone seitens der OECD nicht allzu viel negative Reaktionen zeitigte, liegt vor allem daran, dass der Schwung der November-Rallye noch groß genug ist, um mehr Anleger von Gewinnmitnahmen abzuhalten. Jetzt aber sieht das Bild für den MDAX schon weniger dynamisch aus. Sollte er noch ein, zwei Tage auf der Stelle treten oder gar nach unten abdrehen, würde die Zahl der Verkaufswilligen wohl sehr zügig zunehmen. Spätestens, wenn der Index unter 28.000 Punkte und damit in die vorherige Handelsspanne zurück fallen würde, wäre hier Alarm angesagt.

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Ronald Gehrt, Chart- & Fundamentalanalyst | LYNX Börsenexperten
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Vorherige Analysen des MDAX Index

Wieder einmal hatte die wichtige 200-Tage-Linie gehalten, das war Ende Oktober. Und diesmal sprang mehr dabei heraus, als am vorherigen Zwischenhoch abzuprallen. Oder es knapp zu überbieten und dann doch wieder abzudrehen. Der MDAX ist auf ein neues Hoch seit der abrupten Aufwärtswende vom März gelaufen. Das bisherige Rekord-Verlaufshoch vom Februar bei 29.438 Punkten ist jetzt keine drei Prozent mehr entfernt. Und die „magische“ Marke von 30.000 wäre ebenfalls in Reichweite. Bis zu dieser Linie würden den Bullen noch 4,4 Prozent fehlen. Und wer weiß, was möglich wäre, wenn diese Marke bezwungen würde …

Wenn man sich überlegt, dass der MDAX seit dem 30. Oktober in der Spitze 13,1 Prozent nach oben geschossen ist, erscheinen diese 4,4 Prozent wie ein Katzensprung. Nur noch eine letzte Anstrengung, ein paar „good news“, und es wäre geschafft. Doch ein Selbstläufer wird das nicht. Soll das gelingen, wäre wirklich eine „Anstrengung“ nötig. Nicht zuletzt wegen der derzeitigen chart- und markttechnischen Konstellation:

MDAX: Tages-Chart vom 16.11.2020, Kurs 28.732,11 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Sie sehen im Chart auf Tagesbasis, dass der Index gestern die obere Begrenzung eines im Sommer etablierten Aufwärtstrendkanals erreichte und dort erst einmal leichte Gewinnmitnahmen sah. Hinzu kommt, dass der Relative Stärke Indikator RSI, im Chart auf Tagesbasis unten mit eingeblendet, die Grenze der überkauften Zone (70 Prozent) erreicht hat. Anfang Juni lief der Indikator einige Zeit in diese Zone hinein, danach aber war mehrfach an dieser Grenze von 70 Schluss mit der Dynamik. Das allein wäre kein Hinderungsgrund, grundsätzlich könnte der MDAX trotzdem weiter zulegen, das alte Hoch bezwingen, die runde 30.000 Punkte-Marke anlaufen und überwinden, aber das wäre auch aus einem anderen Grund nur „möglich“:

Die gestern aufgelaufene Meldung über einen zweiten nahe vor dem Zulassungsantrag stehenden COVID 19-Impfstoff hat erneut Käufe bei Aktien ausgelöst, die monatelang wegen der Pandemie und deren wirtschaftlichen Folgen massiv gedrückt wurden. Und da war so manches MDAX-Schwergewicht dabei, so Fraport, die Lufthansa, Airbus oder Banken wie Aareal Bank und Commerzbank. Zwar tummeln sich im MDAX auch viele Aktien, die zuvor als „Corona-Gewinner“ galten und gestern ebenso wie eine Woche zuvor, als die Meldung über den BioNTech/Pfizer-Impfstoff kam, wie sauer Bier verkauft wurden, z.B. TeamViewer, HelloFresh, VARTA, Scout24. Nur sind die im Index weniger hoch gewichtet, so dass unter dem Strich ein Kursgewinn zu Buche stand.

Aber die Marktteilnehmer dürften mehrheitlich sehr wohl erkennen, dass der Weg mehrerer Impfstoffe in die Zulassung zum einen dem im Frühjahr/Sommer entworfenen Zeitplan eher hinterherhinkt. Und dass es zum anderen viele Monate dauern wird, bis man seitens des Corona-Virus keinen zusätzlichen Druck mehr fürchten muss und sich in Sachen Konjunktur ans effektive Aufräumen machen kann, statt wie bislang immer nur Löcher zu stopfen.

So gesehen wäre es zwar in der Tat möglich, dass der MDAX weiter läuft. Dass die massiv belebte Hoffnung die Käufe aufrechterhält und diese „magische“ 30.000 nicht nur erreicht, sondern überboten wird statt, auch das sollte man nicht außer Acht lassen, zum Auslöser für Gewinnmitnahmen zu werden. Aber es ist eben nichts, wovon man einfach ausgehen sollte.

Im Gegenteil, es wäre unbedingt ratsam, bei diesem Aufstieg immer mit einem Auge nach unten zu sehen, sprich sich abzusichern, wobei für kurzfristige, spekulative Long-Trades sogar zu überlegen wäre, einen Stop Loss knapp unter die nächstgelegene Supportlinie, die Hochs der Monate September und Oktober im Bereich 28.150/28.200 Punkte, zu legen.

MDAX: Wochen-Chart vom 16.11.2020, Kurs 28.732,11 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Der DAX ist mit Schwung durch die 200-Tage-Linie gefallen, der TecDAX ebenfalls. Nur der MDAX, der „Index der zweiten Reihe“ mit seinen 60 Aktien, kämpft noch. Hat der MDAX eine Chance, im letzten Moment nach oben zu drehen und damit eine mittelfristig relevante Abwärtswende zu verhindern, obwohl die Bullen bei den vorgenannten anderen Indizes bereits aufgeben mussten? Finden sich da wirklich noch genug Trader, die hier aktiv Defensivarbeit leisten, deren Erfolgschance momentan wirkt, als würde man gegen Windmühlen antreten?

Allzu gut sind die Erfolgsaussichten der Käufer zwar nicht, aber eine Chance haben sie eben dennoch. Was das bullische Lager braucht, ist eine spürbare Verbesserung in zumindest einem der Bereiche, die in der vergangenen Woche auf die Kurse gedrückt haben. Es bräuchte starke Quartalsbilanzen mit entsprechend positiven Reaktionen der Anleger. Oder positive Signale dahingehend, dass die deutsche Wirtschaft diesen „Lockdown Light“ ohne vergleichbare Probleme wie im Frühjahr übersteht. Oder aber es bräuchte eine überzeugende Rallye an der Wall Street, basierend auf einem klaren Wahlergebnis. Wobei die meisten wohl im Fall eines Sieges von Trump ein Gesicht machen würden, als hätten sie auf eine Zitrone gebissen. Aber würden Dow Jones & Co. danach anziehen, weil das Ergebnis immerhin klar wäre UND die Republikaner im Senat die Mehrheit behalten (sonst wäre sein Sieg nichts wert), würden die deutschen Indizes wohl trotzdem mitziehen. Das Problem der Bullen ist dabei:

Expertenmeinung: Viel Zeit bleibt nicht, um eine Entscheidung zu erreichen. Zwar kann ein Index in Ausnahmefällen auch mal ein, zwei Wochen um diese wichtige 200-Tage-Linie pendeln, wie wir das beim MDAX im Juni gesehen hatten. Aber in einem derart emotionalen Umfeld wie jetzt ist das wenig wahrscheinlich. Und da die Quartalszahlen noch einige Zeit hereintröpfeln werden und das Thema Pandemie/Lockdown nicht binnen weniger Tage eine ganz neue Gemengelage liefern dürfte, bleibt nur die US-Wahl als Zünglein an der Waage. Und damit wird klar:

Eine Prognose treffen zu wollen, ob der MDAX deutlich durch diese aktuell bei 25.772 Punkten verlaufende, am Freitag hauchdünn und damit noch nicht signifikant unterbotene Linie fällt und Richtung Juni-Tief bei 24.792 Punkten als erstes Kursziel trudelt oder nicht, wäre Unfug. Denn auch, wenn Biden in den Umfragen führt: Die Führung ist nicht groß genug, um daraus einen klaren Sieg ableiten zu wollen: Die Wahl ist offen. Es gilt somit zu schauen, wie sich die Lage übermorgen zu Handelsbeginn in Europa darstellt. Sollte da bereits klar sein, in welche Richtung das Pendel in den USA ausschlägt, wird der MDAX reagieren.

Nach oben müsste er es mindestens wieder über 26.500 Punkte und damit zurück in den blau eingezeichneten, leicht aufwärts weisenden Trendkanal schaffen, damit die Kuh für die Bullen vom Eis ist. Sollte er jedoch dieses Ringen um die 200-Tage-Linie verlieren, womöglich schnell unter das Juni-Tief bei 24.792 Punkten fallen, wäre nach unten nichts unmöglich!

Chart vom 30.10.2020, Kurs 25.721,00 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Wer im MDAX tradet, tut sich dabei bisweilen schwer, weil zwei Faktoren dazu führen, dass sich dieser deutsche „Index der zweiten Reihe“ weniger präzise an charttechnischen Ankerpunkten orientiert als der DAX.

Der eine Grund liegt darin, dass der MDAX auf 60 Aktien aufgestockt wurde. Dies in Kombination mit dem Umstand, dass der Index im Derivate-Bereich weniger aktiv gehandelt wird, macht seine Bewegungen oft recht „unscharf“. Das sieht man gut im langfristigen Chart auf Monatsbasis. Eigentlich wäre die aus dem Jahr 2018 stammende Widerstandszone 27.365/27.525 Punkte eine markante Hürde, eine Scheidemarke, an der es entweder ein klares Abdrehen nach unten oder einen klaren Ausbruch nach oben mit Kursziel an das bisherige Rekordhoch bei 29.438 Punkten geben könnte. Aber diese Zone wird derzeit einfach ignoriert, der Index läuft mal darüber, mal darunter, ohne dass das größere Impulse auslöst. Viele Marktteilnehmer agieren lieber in den einzelnen Aktien des MDAX. Und da die aus zahlreichen und grundverschiedenen Branchen stammen, wirkt der Verlauf des Index selbst bisweilen unstrukturiert. Aber wäre das ein Grund, MDAX-Positionen zu meiden?

Chart auf Monatsbasis vom 13.10.2020, Kurs 27.876,04 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Durchaus nicht, nur wäre es ratsam, sich nicht auf zu kurzfristiges Trading zu verlegen, sondern den Index eher mittelfristig anzugehen. Dafür zählen dann vor allem die „großen“ charttechnischen Ankerpunkte. Und die werden auch von denen, die „nur“ einzelne Aktien des Index traden, beachtet.

Das heißt, dass jemand, der mehrere MDAX-Aktien im Portfolio hält, auch den Index selbst in seine Entscheidungen mit einbeziehen dürfte, wenn solche entscheidenden Chartmarken über- oder unterboten werden bzw. der Index an ihnen abprallt und in die Gegenrichtung dreht. Derzeit sind es genau zwei Punkte, auf die es da ankommt:

Zum einen geht es um die im Chart auf Tagebasis dick schwarz hervorgehobene 200-Tage-Linie. Seit der MDAX im Juni in eine moderat aufwärts weisende Handelsspanne eingetreten ist, wurde dieser wichtige gleitende Durchschnitt mehrfach getestet und gehalten. Der Umstand, dass es danach umgehend und meist deutlich wieder aufwärts ging, macht klar, dass diese Linie als entscheidender Support wahrgenommen wird. Sollte diese momentan bei 25.870 Punkten verlaufende Linie signifikant gebrochen werden, dürften nicht wenige Anleger, die einzelne MDAX-Aktien halten, das als allgemeingültiges Alarmsignal auffassen und aussteigen. Ein erfolgreicher Test dieser Linie kann daher als Kaufsignal gesehen werden, ihr Bruch hingegen wäre eine gute Basis, über einen Short-Trade mit einem Stop Loss von zwei, drei Prozent über der Linie nachzudenken.

Chart auf Tagesbasis vom 13.10.2020, Kurs 27.876,04 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Auf der Oberseite hat sich zwar das Zwischentief von Anfang Februar bei 27.941 Zählern, das aktuell erneut angegangen wird, als Widerstand erwiesen. Aber das Ringen um die Linie wirkt aktuell ebenso wie im August und September eher schwammig. Daher wäre ein Break über diesen Level eher kein verlässlich bullisches Signal. Die Mehrheit der Akteure dürfte auf den einzigen, darüber liegenden Widerstand blicken: auf den Verlaufsrekord von 29.438 Punkten, dessen signifikantes Überwinden dann auch die Chance böte, die „magische“ 30.000 zu bezwingen. Gelänge das, könnte die heute noch dominierende, berechtigte Skepsis im Markt in Zuversicht umschlagen und die Trader allein durch die wieder gewonnene Dynamik weiter zugreifen. Für mittelfristige Investments sind diese beiden Marken entscheidend … alles, was dazwischen liegt, kommt „Rauschen“ gleich, das irritiert, aber nicht entscheidend ist.

Kommt der MDAX jetzt endlich nach oben in Fahrt oder sehen wir gerade schon wieder den Beginn einer Bullenfalle? Am Freitag notierte der 60 Aktien umfassende MidCap-Index letztlich dort, wo er am Hoch Anfang Juni auch schon stand. Die vergangenen zwei Monate waren geprägt von kurzen, dynamischen Phasen über wenige Tage und ansonsten von viel Wassertreten. Und wirklich überraschend ist das ja auch nicht.

Denn man hatte zwischen Mitte März und Anfang Juni in Windeseile den Großteil des „Corona-Crashs“ wieder aufgeholt, wobei den meisten Akteuren natürlich klar war, dass sie damit eine gewagte Wette auf eine Zukunft eingingen, in welcher die Pandemie schnell überwunden und die Wirtschaft schnell wieder auf vorherigem Niveau sein würde. Beides ist bislang nicht eingetreten. Und so schwebt der MDAX seit zwei Monaten im luftleeren Raum. Unterstützt von der Hoffnung, dass die eingepreiste Wende rechtzeitig kommt, bevor die ersten Marktteilnehmer das Geld wieder vom Tisch nehmen … und zugleich gebremst dadurch, dass aus der Hoffnung bislang einfach keine Fakten werden wollen.   

Chart vom 14.08.2020, Kurs 27.313,16 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Die nötige Belebung der Konjunktur wird sich nicht in den kommenden Wochen einstellen, bislang spricht nichts dafür. Mit der Geduld ist das daher so eine Sache. Werden zu viele Marktteilnehmer nervös, kann sie schlagartig bei allen dahin sein. Denn gerade in Phasen wie diesen belauert man sich gegenseitig. Niemand mag zu früh handeln, man könnte ja auf dem falschen Fuß erwischt werden. Andererseits will niemand zu spät reagieren. Das ist ein typischer Nährboden für Kauf- oder Verkaufslawinen. Sobald sich die ersten in Bewegung setzen, reagieren die meisten anderen sofort und ziehen mit.

Dabei ist die Oberseite zwar der steinigere Weg angesichts dieser großen Schere zwischen Kursniveau und Realität. Aber ein Aspekt dürfte den Akteuren als Argument bislang genügen, die Stellung noch zu halten: Diese Schere gibt es seit Monaten und sie schließt sich nicht, warum also sollte sie nicht noch ein wenig weiter auseinander klaffen können? Aber kann sich der MDAX in dieser Konstellation überhaupt noch nennenswert bewegen? Das könnte er. Denn solange keine klaren Fingerzeige von den Rahmenbedingungen kommen, dünnen die Umsätze sukzessiv aus. Mittel- und langfristige Akteure warten ab … und der Anteil an kurzfristigen Trades steigt dadurch. Und die Kurzfrist-Trader agieren vor allem auf charttechnischer Ebene und scheren sich wenig um die fundamentalen Aspekte.

Eine solche Verlagerung auf die Trading-Ebene bringt zwar eher keine großen Trendimpulse hervor, es sei denn, es kämen Nachrichten, die einen technisch induzierten Impuls faktisch unterstützen und so dazu führen, dass mittel- und langfristige Akteure in einen laufenden Trader-Impuls hinein aktiv werden und diesen dadurch intensivieren und verlängern. Aber auch ein Trading-Impuls kann reichen, um lukratives Gewinnpotenzial für agile Trader zu eröffnen. Nur müsste er eben auch wirklich kommen. Das, was wir in den vergangenen Tagen zu sehen bekamen, war keiner.

Schon im Juli wurde ein grundsätzlich bullisches Signal in Form von Schlusskursen über dem markanten Juni-Hoch zum Rohrkrepierer. Der Index setzte umgehend wieder zurück und testete die im Tageschart dick schwarz markierte 200-Tage-Linie. Im Verlauf der vergangenen Woche gelang der Ausbruch nach oben erneut … und wieder ging nicht wirklich etwas voran: Diesmal blieb er zuvor am Zwischentief von Ende Januar hängen und setzte am Freitag in den Bereich des Juni-Hochs und der 20-Tage-Linie zurück.. Noch ist dadurch nichts angebrannt, aber:

Chart vom 14.08.2020, Kurs 27.313,16 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Der Chart auf Monatsbasis zeigt deutlicher, dass der MDAX jedes Mal auf Abgabedruck trifft, wenn er sich dem ins Jahr 2018 zurückreichenden Widerstandsbereich um 27.500 Punkte nähert. Gut möglich also, dass wir hier die nächste Bullenfalle sehen. Um das zu verhindern, müssten die Trader umgehend klare Zeichen nach oben setzen und den Widerstand bei 27.940 Punkten auf Schlusskursbasis klar überwinden. Passiert da nichts, könnte die 200-Tage-Linie ihren nächsten Test sehen. Und auch den Bullen dürfte klar sein: Je öfter man irgendwo anklopft, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass einem geöffnet wird.

Wenn man sich den Chart des MDAX auf Monatsbasis ansieht, beschleicht einen der Eindruck, die Anleger hätten die Themen Pandemie und Rezession bereits wieder „ausgepreist“. Gut über drei Viertel des Corona-Crashs ist aufgeholt, das Kursniveau vom vergangenen Herbst wieder erreicht. Jetzt fehlt nicht mehr viel bis zum im Februar bei 29.438 Punkten markierten Allzeithoch. Aber die letzten Schritte bis zum Gipfel sind oft die gefährlichsten. Auch, weil jetzt, da der MDAX an Schwung verliert, die hypnotische Wirkung der Super-Rallye nachlässt, immer mehr Marktteilnehmer auch einmal nach unten schauen und erkennen: Man ist ohne Sicherungsseil unterwegs. Denn nüchtern betrachtet hat diese Rallye schon jetzt eine gewaltige Hypothek auf die Zukunft aufgenommen. Alleine wenn man sich erinnert, dass das, was über den in der Vorwoche im Hoch erreichten Level hinausgehen würde, im Januar/Februar vor allem im Kielwasser des USA/China-Teilabkommens im Handelsstreit erreicht wurde, müsste man nachdenklich werden. Denn dessen Umsetzung ist derzeit mehr als fraglich, ein Profitieren europäischer Unternehmen von der damals erwarteten Wachstumsbelebung ohnehin. Und die Rückkehr der „Prä Corona“-Wirtschaftsleistung mag möglich sein, nur wird sich das, darauf deutet die aktuelle Entwicklung hin, nicht in dem Tempo abspielen, das man in der heißen Phase der Kaufwelle im Mai und Juni erwartet hatte. Im Gegenteil, es ist gut denkbar, dass der MDAX momentan ein Niveau erreicht hat, das erst in zwei oder drei Jahren wieder von entsprechenden Gewinnen der im Index notierten Unternehmen unterfüttert wäre. Der Eindruck, dass der Index nach oben ausgereizt ist, verstärkt sich dadurch. Zuerst hatte man in der völlig undurchsichtigen Phase im Februar und März nach unten überzogen, dann aber aufgrund der psychologisch nachvollziehbaren, immensen Hoffnung, der Spuk sei schnell vorbei, nach oben übertrieben. Irgendwann muss der Markt jetzt in die Schiene der Realität zurückkehren, sich dorthin zurückziehen, wo er nicht überbewertet ist, wo die potenziellen Short-Seller keinen Anlass mehr sehen würden, Druck zu machen und andererseits wieder Spielraum für Reaktionen auf positive Nachrichten wäre. Die Mitte zwischen dem vorherigen Rekordhoch und dem Crash-Tief, das wäre eine logische Größenordnung dafür, das wäre der Bereich um die 23.500 Punkte. Kommt es so? Der Haken bei solchen Überlegungen ist das Wort „logisch“. Die Marktteilnehmer reagieren eher selten und schon gar nicht mehrheitlich logisch. Auszuschließen ist daher keineswegs, dass sich ein erneuter Abwärtsimpuls, basierend auf dem Platzen zuvor zu hoch gehängter Erwartungen, auch deutlich ausgeprägter darstellt. Was vor allem dann denkbar wäre, wenn zu der Pandemie-Problematik eine Eskalation des Zwists zwischen den USA und China hinzukäme. Ob es so kommt, ist nicht absehbar, für die unmittelbaren Entscheidungen eines Traders ist ein Blick in die Glaskugel aber ohnehin weder nötig noch förderlich. MDAX Chart auf Monatsbasis vom 24.07.2020, Kurs 26.650,24 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX Fakt ist aus charttechnischer Sicht, dass der MDAX in eine Widerstandszone hineingelaufen war, die sich nicht nur aus eher kurzfristigen Hürden zusammensetzt, sondern, das zeigt der Chart auf Wochenbasis, bis ins Jahr 2018 zurückreicht. Um diese zu überwinden, braucht es Argumente. Dabei könnten überraschend starke Quartalsergebnisse bei MDAX-Unternehmen den nötigen Schwung liefern. Aber in den letzten Tagen hat man, ob hierzulande oder an der Wall Street, oft gesehen, dass die Erwartungen der Anleger deutlich höher waren als die oft bewusst zu tief angesetzten Analystenerwartungen und scheinbar gute Zahlen daher abverkauft wurden. Es wird also eng für die Bullen. Dass der „doppelte Leitstrahl“ der Aufwärtsbewegung in Form der April-Aufwärtstrendlinie und der 20-Tage-Linie (26.760/26.800 Punkte) am Freitag auf Schlusskursbasis gebrochen wurde, ist kein gutes Zeichen. Noch ist dieser Bruch aber nicht signifikant. Erst, wenn die momentan bei 25.800 Punkten notierende, zuvor wochenlang umkämpfte 200-Tage-Linie deutlich (mehr als ein Prozent) gebrochen würde und für mindestens zwei weitere Tage unterboten bliebe, wäre klar, dass das bullische Lager nicht mehr die Kraft hat, einer Rückkehr auf den Boden der Realität zu widerstehen. Dann indes wäre das Potenzial nach unten durchaus nicht zu unterschätzen. MDAX Chart auf Tagesbasis vom 24.07.2020, Kurs 26.650,24 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX