MDAX: Kampf um die 200-Tage-Linie … Matchball für die Bullen!

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Seit fünf Tagen versucht man sich beim MDAX an einer Stabilisierung auf Höhe der wichtigen 200-Tage-Linie, die zudem mitten in einer mittelfristig relevanten Supportzone liegt. Das wäre eine perfekte Basis für eine Rallye – aber wehe, wenn das schiefgeht. Und noch ist alles offen!

Nach dem Ende September erfolgten Bruch der mittelfristigen, im März 2020 etablierten Aufwärtstrendlinie hielten sich die Käufer unübersehbar zurück. Das änderte sich in dem Moment, als der MDAX die nächste wichtige Unterstützungszone erreichte: Die Zone zwischen 33.160 und 33.650 Punkten, bestehend aus den Hochs der Monate Februar und April, dem Juni-Tief und, am wichtigsten von allen Linien, aus der 200-Tage-Linie.

Hier geht es seit mittlerweile fünf Handelstagen hin und her. An jedem dieser Tage stand die 200-Tage-Linie im Feuer, gestern gelang es erstmals, sie etwas mehr als ein halbes Prozent unter dem Schlusskurs zu lassen. Grundsätzlich ist das eine perfekte Basis für eine Rallye, nicht zuletzt mit Blick auf den RSI-Indikator, der auf Tagesbasis die überverkaufte Zone erreicht hatte. Und man sieht an den Tiefs der letzten Tage, die präzise auf der unteren Begrenzung dieser Auffangzone liegen, dass die Trader diesen Bereich klar als Entscheidungszone erkennen. Aber mit dem gestrigen Schlusskurs ist die obere Begrenzung dieser Unterstützungszone nur erreicht, nicht bereits überboten worden. Und damit ist der Dienstag zwar ein Matchball für die Bullen, aber der muss eben erst einmal verwandelt werden.

The current price and chart of the MDAX as well as price information and all stocks in the index can be found here.

Expertenmeinung: Und dafür reicht es nicht, sich aus der Zone 33.160/33.650 Punkte knapp heraus zu kämpfen. Die Mindestanforderung dafür, den MDAX wieder als bullisch einstufen zu können, ist ein Schlusskurs über 34.510 Punkten. Dort lag das Tief vom 20. September, als der Index die mittelfristigen Aufwärtstrendlinie zunächst noch hatte verteidigen können. Schlusskurse über diesem Zwischentief würden zugleich einen Schlusskurs über der für kurzfristige Trader wichtigen 20-Tage-Linie bedeuten. Erst dann ließe sich unterstellen, dass die aktuellen Bemühungen erfolgreich waren und so das Fundament für eine Rallye Richtung Jahresende geschaffen wurde.

Chart vom 12.10.2021, Kurs 33.624,67 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Ein entscheidender Grund, momentan lieber ein bisschen zu vorsichtig als zu wagemutig zu sein und einen Beleg für eine Aufwärtswende einzufordern, liegt in den Rahmenbedingungen. Materialknappheit, massiv steigende Produktionskosten, Transportprobleme: Diese Symptome des „Flaschenhalses“ treffen vor allem exportlastige Unternehmen und Zulieferer. Und von denen wimmelt es im MDAX. Dass sich Umsatz- und Gewinnwarnungen bislang in Grenzen halten, sollte dabei nicht dazu führen, die MDAX-Unternehmen als nicht betroffen zu wähnen. Denn im jetzt beendeten, dritten Quartal hatten diese Schwierigkeiten erst ihren Anfang genommen. Wichtiger als der Blick zurück im Rahmen der in den kommenden Wochen beginnenden Flut der Quartalsbilanzen ist daher der Blick nach vorne, sind die Perspektiven, die die Unternehmen für das angelaufene vierte Quartal und das Gesamtjahr vorlegen werden.

Nicht wenige im bullischen Lager dürften ahnen, dass da Ungemach ansteht … die Bären nicht minder. Besser wäre es daher abzuwarten, ob die Verteidigung der Auffangzone 33.160/33.650 Punkte nicht nur gelingt, sondern ob auch Anschlusskäufe kommen, die die nächsten Hürden zu nehmen imstande sind!

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Monatelang gelang es, schnelle, scharfe Rücksetzer sofort zu drehen und neue Allzeithochs zu erreichen. Doch jetzt sieht das Chartbild des MDAX kritisch aus. So schwer haben sich die Bullen in diesem Jahr noch nicht getan, die Sache zu drehen – diesmal könnten sie scheitern.

Das Chartbild sieht kritisch aus. Die Situation erinnerte bisher an die April/Mai-Korrektur. Es ging damals einige Wochen lang eher moderat abwärts, doch als die Abgaben dynamischer wurden, bliesen die Bullen zum Gegenangriff, drehten den MDAX und schafften es binnen weniger Wochen, das vorherige Rekordhoch zu überwinden. Das Drehen des Index lief damals recht schnell und reibungslos ab, das galt auch für die Rücksetzer davor und danach. Diesmal läuft es anders.

Der Chart auf Tagesbasis zeigt, dass man zwar am Mittwoch nach dem am Vortag erfolgten Bruch der mittelfristigen Aufwärtstrendlinie versuchte, das Ruder herum zu reißen.

MDAX: Tages-Chart vom 30.09.2021, Kurs 34.369,69 Euro, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Aber dieser Versuch wurde abverkauft. Dass die Wende nicht im ersten Anlauf gelingt, ist indes keine Seltenheit, daher griffen die Käufer am gestrigen Donnerstag unbeeindruckt erneut zu. Doch auch dieser Versuch, den Index zu stabilisieren und schnell wieder über die Trendlinie zu heben, ging schief. Und das ist ungewöhnlich. Was ist jetzt anders als in den Monaten zuvor?

Expertenmeinung: Ist es langsam zu viel geworden, was man an Risiken beiseiteschieben muss, um in fallende Kurse hinein ein ums andere Mal beherzt zuzugreifen? Ist es die Angst davor, dass der wankende chinesische Immobilienmarkt entgegen der Beteuerung vieler doch Stoßwellen aussenden könnte, die das ohnehin wacklige deutsche Wachstum, von Inflation und „Flaschenhals“ gebeutelt, ins Gegenteil verkehren? Möglich ist es.

Aber vielleicht braucht es das Damoklesschwert China nicht einmal mehr. Immerhin hatten viele bei den MDAX-Aktien zugegriffen, weil sie sicher waren, dass die durch Corona freigesetzte Geldflut für rasant steigende Unternehmensgewinne sorgen würde, befeuert durch ein starkes und zugleich stabiles Wachstum auf Basis eines kräftig anziehenden Konsums. Aber je älter das Jahr 2021 wird, desto deutlicher wird, dass es so nicht laufen wird. Und wenn man sich die Charts ansieht, stellt man fest: Der MDAX ist gegenüber Ende 2020 trotzdem noch weit in der Gewinnzone. Es kann also allemal sein, dass diese schon verdächtig lange Schwächephase dazu führt, dass sich mehr und mehr Akteure sagen: Wer zuerst verkauft, bekommt noch die besten Kurse.

Sollte der Index sich nicht heute glaubwürdig fangen, sondern im Gegenteil noch weiter nachgeben, besteht die Gefahr, dass sich die Verkäufe deutlich intensivieren. Nachdem der MDAX das Vorwochentief (im Gegensatz zum DAX) bereits unterboten hat, könnten viele Akteure nach einem schwachen September auf die wichtige, durch die 200-Tage-Linie verstärkte Supportzone 33.160/33.650 Punkte starren und diese als potenziellen Einstiegspunkt definieren. Das wäre, immer vorausgesetzt, die Bullen bekämen heute erneut nichts zuwege, das nächste Kursziel. Und würde es erreicht, ginge es sofort um die mittelfristige Tendenz, d.h. dann wird es hier erst richtig spannend!

MDAX: Monats-Chart vom 30.09.2021, Kurs 34.369,69 Euro, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Wäre durch die Erweiterung des DAX auf 40 Aktien ein Ruck durch Aktienmarkt gegangen, hätte sich das im MDAX niederschlagen müssen, denn bis kommenden Montag sind die zehn DAX-Neulinge ja noch dort notiert. Aber es tut sich nichts. Worauf warten die Bullen?

Der MDAX ist aktuell so spannend wie ein Glas Leitungswasser. Dabei hätte man wirklich darauf hoffen können, dass die Benennung der zehn zukünftigen DAX-Mitglieder irgendetwas wachrütteln würde. Sei es der Beginn von Gewinnmitnahmen bei diesen zehn Noch-MDAX-Schwergewichten durch all diejenigen, die seit Monaten in der Erwartung eines großen Sprungs vorgekauft hatten, sobald die Kandidaten feststehen. Oder kräftige Käufe bei den verbleibenden 50 MDAX-Titeln, weil man bei MDAX-Fonds und –ETFs durch den Verkauf der zehn DAX-Aufsteiger frei werdendes Kapital auf die verbleibenden Aktien verteilen muss.

MDAX: Monats-Chart vom 10.09.2021, Kurs 36.092,12 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Aber nein, man wünscht sich ja glatt das seichte Aufwärts-Schleichen der vorangegangenen drei Monate zurück. Besser das als das Nichts, das wir jetzt sehen. Worauf warten die Käufer? Was braucht es, um wieder Dynamik in den MDAX zu bekommen?

Expertenmeinung: So banal es klingt, die meisten warten darauf, dass irgendjemand anderes etwas tut, damit man eine Vorlage hat. Die Argumente, die den MDAX in den vergangenen Monaten von einem Rekordhoch zum nächsten getragen hatten, sind verbraucht. Daraufhin ist längst eingestiegen, wer einsteigen wollte. Und jetzt zeichnet sich ab, dass man mit seinem Optimismus zu Jahresbeginn womöglich zu hoch gegriffen hatte. Der „Flaschenhals“ bremst die Produktion in vielen Branchen, Corona ist immer noch ein Thema und die Verbraucher agieren nicht so beherzt, wie man sich das mit dem Ende des letzten Lockdowns noch vorgestellt hatte. Damit dürften viele, die im MDAX hoch investiert sind, auf gepackten Koffern sitzen. Aber es geht eben auch nicht nach unten, denn dem Ausstieg steht ein „aber“ entgegen.

Noch ist der Geldhahn weit offen. Noch kann man darauf hoffen, dass der Umstand, dass eine über kosmetische Aktionen hinaus weiter untätige EZB den Effekt hat, dass sukzessiv weiteres Kapital in den Aktienmarkt wandert, weil es an Alternativen fehlt. Also warten die meisten Akteure darauf, dass sich eine Richtung durchsetzt. Wenn zu viele so denken, kann man da natürlich lange warten. Aber eine derart schmale Seitwärts-Spanne, wie wir sie seit drei Wochen sehen, wird auf Dauer nicht durchgehalten. Denkbar wäre, dass der am Freitag anstehende Abrechnungstermin für Futures und Optionen den Index noch in dieser Spanne hält, sofern genug große Adressen am Terminmarkt das Ziel einer Abrechnung nahe Rekordniveau haben, zugleich aber genug Call-Optionen verkauft haben, um einen Ausbruch nach oben nicht zu wollen. Aber spätestens nach dieser Abrechnung am 17. September sollte hier wieder Bewegung in den Markt kommen.

Achten Sie dabei unbedingt auf das Momentum. Sollte die im August etablierte, kurzfristige Abwärtstendenz des Indikators auf Tagesbasis durchbrochen werden, wäre es möglich, dass der MDAX einen Anlauf an die obere Begrenzung des mittelfristigen Aufwärtstrendkanals nimmt, die derzeit immerhin Spielraum bis 37.000 Punkte bieten würde. Sollte das Momentum jedoch so deutlich in negatives Terrain abgleiten, dass das Zwischentief vom Juli unterschritten wird, ist hier etwas angebrannt, dann müsste man zumindest mit einem Test der im vergangenen Herbst etablierten Aufwärtstrendlinie bei aktuell 34.700 Punkten rechnen.

MDAX: Tages-Chart vom 10.09.2021, Kurs 36.092,12 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Vergleicht man die Rallye des MDAX seit März 2020 mit der Hausse, die im Frühjahr 2009 begann, nimmt sich der aktuelle Anstieg klein aus. Und die hohe Bewertung und die überkaufte Markttechnik? Sie können die Hausse zu Fall bringen, das muss aber nicht so kommen.

Das hätte leicht eine Toppbildung werden könnten, was sich da beim MDAX, dem „Index der zweiten Reihe“, zwischen Februar und Mai abgespielt hat. Irgendwie war die Luft raus, es ging volatil seitwärts, wichtige Unterstützungen hätten da leicht fallen und dadurch die zuvor so positive Stimmung kippen können. Aber dann bekam der MDAX ab Mitte Mai die zweite Luft. Und die hält bis heute vor. Bis auf einen kurzen Schwächeanfall Mitte Juni, der aber zügig wieder „repariert“ wurde, steigt der Index wie auf Schienen. Und wenn es nach denen geht, die hier hoch investiert sind, wird sich daran auch so schnell nichts ändern. Die Frage ist:

MDAX: Tages-Chart vom 17.08.2021, Kurs 35.732,96 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Geht es nach den Bullen? Was ist mit dem auch nach den jetzt für das zweite Quartal eingelaufenen Bilanzen noch relativ hohen Bewertungsniveau? Was ist mit all denen, die schon seit Monaten dabei sind und so hohe Gewinne eingefahren haben, dass ihnen Verkäufe leicht von der Hand gehen würden? Was ist mit den markttechnischen Indikatoren, die nicht nur auf Tagesbasis, sondern auf Wochen- und sogar auf Monatsbasis indizieren, dass der MDAX jetzt langsam heiß gelaufen ist? Muss sich das nicht über kurz oder lang auswirken?

Expertenmeinung: Das muss es und das wird es, aber offen ist nun einmal, ob es „über kurz“ oder „über lang“ sein wird. Denn überkaufte markttechnische Indikatoren können sich lange in diesen Überhitzungszonen halten, wenn nur das Momentum des Trends noch positiv ist – was derzeit der Fall wäre. Und ein hohes Bewertungsniveau pflegt die meisten Trader erst dann zu interessieren, wenn der entsprechende Index bereits ins Wanken geraten ist und zu kippen droht. Was noch nicht der Fall ist. Und die vielen, die jetzt ihren Gewinn mitnehmen könnten?

Denen stellt sich die Frage: Wenn man verkauft, wohin dann mit dem Geld? Liegen lassen und dann billiger einsteigen, sicher, das klingt nach einem guten Plan. Aber was, wenn es eben doch nicht weit nach unten geht, man womöglich sogar später zu höheren Kursen wieder einsteigen müsste, weil einem der Markt davongelaufen ist? Dass so mancher hoch investierte Anleger seit einiger Zeit grundsätzlich auf gepackten Koffern sitzt, mag zwar sein. Aber solange die Akteure nicht sehen, dass nicht mehr funktioniert, was sie zuletzt fast als normal ansahen, nämlich, dass Rücksetzer sofort aufgekauft werden und in erneute Rekordhochs münden, werden sie nicht abreisen.

MDAX: Monats-Chart vom 17.08.2021, Kurs 35.732,96 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Genau das wäre es, wonach man, wenn man hier dem Trend folgend Long ist, Ausschau halten sollte: Nach einem Bruch dieser „Tradition“, das schwache Tage sofort in erneute Käufe münden. Wenn ein Rücksetzer auf einmal nicht sofort „weggekauft“ wird, eine Gegenbewegung nach oben scheitert und umgehend in erneute Verkäufe mündet, ist etwas faul. Das charttechnisch in Zahlen zu pressen, ist kaum möglich. Aber spätestens, wenn die wichtige Auffangzone 33.150/33.800 fallen sollte, ist es Zeit, hier lieber nicht in fallende Kurse weiter zu kaufen, denn dann kann der MDAX blitzschnell zu einem fallenden Messer werden.

Der MDAX wird heute den neunten Monat in Folge einen Monats-Schlussrekord verbuchen. Blickt man auf die große Aufwärtswende 2009 zurück, stellt man fest: Damals ging es über zwei Jahre fast am Stück aufwärts. Doch die Rahmenbedingungen sind nicht die gleichen!

Charttechnisch passt alles, keine Frage. Der „Index der zweiten Reihe“ hat in den vergangenen sechs Wochen mehrfach kurze, scharfe Rücksetzer souverän wieder ausgebügelt und jeweils oberhalb der alten Rekordlevels vom Februar und April wieder nach oben gedreht, wodurch diese Zone 33.160/33.410 Punkte zu einer soliden Unterstützungszone wurde, die aktuell noch durch die Ende Oktober etablierte, mittelfristige Aufwärtstrendlinie verstärkt wird. Dass die markttechnischen Indikatoren ebenso auf Tages- wie auf Wochenbasis in der überkauften Zone rangieren, ist zwar richtig, aber der Blick auf den Chart macht klar: Da können sie sich, solange das Momentum des Trends hoch bleibt, ziemlich lange aufhalten. Allein deswegen jetzt sukzessive Positionen abzubauen, erscheint daher verfrüht.

Einen anderen Aspekt sollte man aber besser nicht außer Acht lassen: die Bewertung. Man kann es drehen und wenden wie man will, der MDAX ist ungewöhnlich teuer. Auf Basis der für 2021 geschätzten Gewinne der 60 im Index gelisteten Unternehmen käme man derzeit auf ein Kurs/Gewinn-Verhältnis von knapp 40. Das wäre nicht wirklich etwas, bei dem eine Augenbraue nach oben gehen müsste, wenn die Gemengelage der aus dem Jahr 2009 gleichen würde. Das tut sie aber nur bedingt.

MDAX: Monatschart vom 29.07.2021, Kurs 35.272,92 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Das Chartbild ähnelt der aktuellen Phase durchaus, wie Sie im langfristigen, logarithmisch skalierten Monatschart sehen können: Es ging massiv abwärts, dann kam es im März 2009 zu einer vergleichbar abrupten und dynamischen Aufwärtswende wie im März 2020. Und damals ging es über zwei Jahre ohne nennenswerte Korrekturen aufwärts: bis Juni 2011. Aber die Rahmenbedingungen sind nicht dieselben, denn:

Damals waren die Gewinne der Unternehmen wirklich massiv unter Druck geraten, immerhin ging es da über anderthalb Jahre mit der Konjunktur bergab. Die Basis war fast bei null. 2020 jedoch hat die Corona-Problematik insgesamt bei den Unternehmensgewinnen nur einen überschaubaren Schaden hinterlassen. Einige Unternehmen gingen dramatisch in die Knie, so z.B. die Lufthansa und Airbus. Andere hingegen wie HelloFresh oder Medizintechnik-Unternehmen wie Carl Zeiss und Sartorius konnten 2020 sogar steigende Gewinne verbuchen. Die „Gewinndelle“ ist also diesmal weit kleiner und die Bewertung über das Kurs/Gewinn-Verhältnis dadurch schon jetzt ungewöhnlich hoch. Und:

Die Erholung damals lief zwar auch auf dem Rücken „billigen Geldes“ seitens Regierungen und Notenbanken, wurde jedoch nicht von einem vergleichbaren Inflationsproblem begleitet. Damals stiegen die Preise zwar ebenfalls mit. Aber im Vorfeld der Eurokrise, die den MDAX dann 2011 wieder drückte, hatte die deutsche Inflation gerade einmal 2,6 Prozent erreicht. Da konnte die EZB relativ gelassen bleiben und den für die Aktien-Hausse so wichtigen Geldhahn offenlassen. Aktuell sieht das hingegen anders aus: Gestern kamen die Juli-Inflationsdaten für Deutschland mit +3,8 Prozent zum Vorjahresmonat und +0,5 Prozent zum Vormonat herein. Seit Dezember sehen wir hier jeden Monat deutlich anziehende Preise zum Vormonat.

Der MDAX wurde zwar, so wie die anderen großen Indizes weltweit ebenfalls, durch eine große Zahl neu hinzugekommener Anleger massiv höher getragen. Aber der Zustrom neuer Anleger und frischen Geldes ist, vor allem, da die Löhne nicht parallel zu den Preisen steigen, endlich. Wann er endet, wann die hohe Bewertung den MDAX kippt und/oder wann die EZB klein beigeben und doch am Geldhahn drehen muss, lässt sich nicht vorhersagen. Aber klar wird dadurch:

Dass diese Hausse zu einer exakten Kopie der Phase zwischen März 2009 und Juni 2011 wird und demnach noch fast ein Jahr weitergeht, ist fraglich. Es wäre unbedingt zu überlegen, sich für den Fall des „Unerwarteten“ in Form einer Abwärtswende zu wappnen, indem man seine Positionen auf den Index knapp unterhalb der jetzt entscheidenden Unterstützungszone 33.160/33.410 Punkte mit Stoppkursen absichert. Denn die alten Hasen wissen: Das Unerwartete ist an der Börse quasi zu Hause!

MDAX: Tageschart vom 29.07.2021, Kurs 35.272,92 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

In den letzten Monaten läuft der MDAX so, wie man es von einem tadellosen Aufwärtstrend erwarten darf, ohne dabei aber so steil davonzuziehen, dass dies Gewinnmitnahmen provozieren würde. Das darf gerne so weitergehen, sagen die Bullen. Wird es das?

Das wird vor allem auf zwei Dinge ankommen. Zum einen müsste die „Trenddisziplin“ erhalten bleiben: Neue Hochs werden immer wieder korrigiert, dabei entstehen sukzessiv höhere Zwischentiefs, die dann erneut zu neuen Hochs führen. Und das, ohne dass man von einer Kaufpanik sprechen könnte, weil der MDAX moderat, in ruhigen Bahnen zulegt. Bleibt das so, würde das Risiko, dass die Long-Seite zu „zockerhaltig“ würde und dies einen Selloff provoziert, überschaubar bleiben.

Zum anderen muss auf den Tisch kommen, was die Käuferseite erwartet: überzeugende Quartalsbilanzen nebst ebenso tadellosen Ausblicken auf den Rest des Jahres. Da darf es nicht allzu viele Enttäuschungen geben. Denn schon die Reaktionen auf die Ergebnisse des ersten Quartals unterstreichen, dass die Erwartungshaltung sehr hoch ist.

MDAX: Tages-Chart vom 02.07.2021, Kurs 34.462,97 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Und „billig“ ist der MDAX durchaus nicht, obgleich das bullische Lager gerne darauf verweist, dass die Gewinndynamik hier bei vielen Unternehmen höher ist als bei den Blue Chips des DAX. Was zwar stimmt, aber das gilt eben in beide Richtungen. Wenn das Wachstum nicht so dynamisch läuft und vor allem weitergeht, wie das momentan eingepreist ist, kann der Fahrstuhl auch schnell nach unten sausen. Denn schaut man sich das durchschnittliche Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) des MDAX auf Basis der geschätzten 2021er-Gewinne an (die ja erst einmal eingefahren werden müssten), liegt dieses KGV bei sagenhaften 39,6. Und dabei wurden die acht Unternehmen, die derzeit gar keinen Gewinn erzielen, nicht mitgerechnet.

Momentan liest man in einigen Börsenmedien, dass die Nebenwerte Nachholpotenzial hätten, weil sie deutlich weniger gelaufen seien als der DAX. Das stimmt … aber nur, wenn man sich einen Startzeitpunkt aussucht, für den diese Berechnung passt, nämlich entweder das Zwischentief von Ende November oder den letzten Kurs 2020. Dann läge der MDAX in der Tat hinter der Performance des DAX zurück. Allerdings nur zwei Prozent. Und misst man von Corona Crash-Tief im März 2020, läge der MDAX vorne. Daraus abzuleiten, dass jetzt aber mal die Aktien der „zweiten Reihe“ dran seien, ist ein wenig verwegen. Wer ohnehin bullisch ist, dürfte bei solchen Aussagen nicht so genau hinter den Vorhang schauen, nur:

Das sollte man besser tun, denn angesichts der offenen Frage, wie ein nachlassendes Wachstumstempo, noch skeptische Verbraucher und eine nicht angegangene Inflation auf die Unternehmen wirken, ist es zumindest fraglich, ob man auch in drei oder sechs Monaten vom MDAX sagen kann, er sei „der, der immer steigt“.

MDAX: Wochen-Chart vom 02.07.2021, Kurs 34.462,97 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Sich gegen den Fall, dass zu große Erwartungen in Enttäuschung und Abgabedruck umschlagen, mit konsequenten Stoppkursen abzusichern, wäre unbedingt zu überlegen. Bei 32.750 Punkten verläuft die übergeordnete, im März 2020 etablierte Aufwärtstrendlinie. Würde sie fallen, wären auch die Zwischenhochs vom Februar und April unterboten und das Chartbild auf einmal kritisch, daher würde sich zur Absicherung ein Level knapp darunter anbieten.