MDAX aktuell MDAX: Bearish Long Upper Shadow – jetzt ist Vorsicht angesagt

News: Aktuelle Analyse des MDAX Index

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Zum MDAX

Würde man sich die Sache einfach machen, könnte man konstatieren, dass das Plus des MDAX in Höhe eines halben Prozents am ersten Handelstag 2021 ein Beleg dafür sei, dass die Käufer weiter auf dem Posten sind und Anstieg somit weitergehen dürfte. Nur würde man sich die Sache damit deutlich zu einfach machen und in der MDAX-Analyse ein Warnsignal einfach ignorieren.

Und mit Ignorieren könnte es diesmal nicht getan sein, denn die Verkäufer, die aktiv dazu beitrugen, dass der MDAX am Montag einen „Bearish Long Upper Shadow“ ausbildete, werden ihre Verkäufe nicht beenden, nur, weil die Käufer heute einfach in alter Stärke und Zuversicht wieder antreten. Im Gegenteil, genau das hat ja diejenigen, die daran „Schuld“ sind, dass der Index deutlich unter dem im Tagesverlauf erreichten, neuen Verlaufsrekord von 31.280,75 Punkten schloss, dazu bewogen, Gewinne mitzunehmen: Eine ausreichende Nachfrage auf Rekordniveau, die es ermöglicht, auch größere Positionen loszuschlagen, ohne dadurch die Kurse massiv unter Druck zu setzen.

MDAX: Tages-Chart vom 04.01.2021, Kurs 30.950,60 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Dieser „Bearish Long Upper Shadow“ ist gekennzeichnet durch einen kleinen, idealerweise roten Kerzenkörper (wie hier der Fall, d.h. der Schlusskurs liegt unter dem Eröffnungskurs) und einen langen oberen Docht, der anzeigt, dass neue Hochs auf Verkaufsdruck trafen. Daraus lässt sich ablesen, dass entweder die Zahl der Verkäufer zunimmt oder dem Markt im Gegenteil die Käufer ausgehen. Wundern würde es nicht, angesichts des immensen Grades an Hoffnung, der in den Kursen steckt. Aber ein solcher „Bearish Long Upper Shadow“ ist ein Warnsignal, nicht mehr. Er könnte weitere Trader locken, ebenfalls den Gewinn zu sichern, bevor er dahin ist. Aber es ist auch eine Kerze, die die Bullen schnell egalisieren könnten, es gälte nur, den gestrigen Verlaufsrekord von 31.280,75 Punkten schnell zu überbieten.

Den aktuellen Kurs und Chart des MDAX sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Das Wort „schnell“ dürfte dabei aber entscheidend sein. Immerhin ist der MDAX binnen zwei Monaten um gut 20 Prozent nach oben gelaufen, ist dabei sogar auf Monatsbasis markttechnisch nahe der überkauften Zone und weist auf Tagesbasis ein zusätzliches Warnsignal durch den unten mit eingeblendetem RSI-Indikator auf. Der zeigt nämlich eine sogenannten „negative Divergenz“, das heißt, dass zwar der Index ein neues Hoch erreicht hat, das Hoch des Indikators aber unterhalb des vorherigen liegt. Dass sich diese Divergenz im RSI auch noch in dessen überkaufter Zone abspielt, ist etwas, das Bullen mit Unruhe und Bären mit Vorfreude zur Kenntnis nehmen dürften.

Den Bullen bliebe also nur die eilige Flucht nach vorne, um zu verhindern, dass so mancher vorher sorgloser Trader auch mal nach unten schaut und erkennt, dass die Leiter, auf der die Kurse immer höher klettern, hinsichtlich der Fundamentals gar keine Sprossen hat. Die müssen erst „nachwachsen“, d.h. das Wachstum, das die Trader unterstellen, müsste auch Realität werden. Was sich in dem momentanen Umfeld als zu hohe Erwartung herausstellen könnte. Kritisch würde es für die Bullen aber erst, wenn zwei Unterstützungen fallen sollten: Zum einen die im Tageschart hellblau markierte 20-Tage-Linie, die derzeit als Leitstrahl der Bullen dient, zum anderen das alte Rekordhoch vom Februar bei 29.438 Punkten, das am 21. Dezember noch perfekt verteidigt wurde. Noch ist also nichts angebrannt, aber dieser „Bearish Long Upper Shadow“ sollte diejenigen, sie derzeit noch ohne Stop Loss auf der Long-Seite agieren, dazu animieren, sich eine solche Absicherung zuzulegen.

MDAX: Monats-Chart vom 04.01.2021, Kurs 30.950,60 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX
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Ronald Gehrt, Chart- & Fundamentalanalyst | LYNX Börsenexperten
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Vorherige Analysen des MDAX Index

dass eine solche Hausse auch jederzeit vorbei sein könnte. Nicht bei diesem Momentum. Nicht bei neuen Rekorden. Und erst recht nicht, wenn nach dem Break über eine „magische Marke“ keine Gewinnmitnahmen, sondern Anschlusskäufe auftauchen. Und genauso präsentiert sich der MDAX:

Anfang des Monats ging er als erster der großen deutschen Aktienindizes über sein vorheriges Rekordhoch aus dem Februar (29.438 Punkte). Am Donnerstag schloss er dann auch noch über der runden Marke von 30.000 Punkten und zog am Freitag dynamisch davon. Mit einer Distanz von über einem Prozent zu dieser „magischen Marke“ ließe sich dieser Ausbruch aus charttechnischer Sicht als signifikant einstufen. Was sollte den Bullen da schon passieren?

Die Abrechnung der Futures und Optionen am Terminmarkt ist jetzt über die Bühne. Es sind nur noch wenige Handelstage bis zum Jahresultimo, der MDAX gegenüber dem Jahresanfang im Plus und damit ein Kandidat für Window Dressing. D.h. für Käufe institutioneller Investoren wie Fonds, die mit der gezielten Reduzierung ihrer Barreserve versuchen, noch ein wenig werbewirksame Performance zum Jahresende heraus zu kitzeln. Und was wäre zum Start ins neue Jahr dann anderes zu erwarten als eine kräftige Kaufwelle ermutigter Anleger, nachdem sie sahen, dass dieser Index ein Jahr mit einem Plus beendete, auf das im Frühjahr niemand noch einen Euro hätte wetten mögen? Denn da mag sich mancher überlegen: Wie muss der MDAX erst davonziehen, wenn das Thema Corona vom Tisch ist?

Ja, so könnte es kommen. Aber es wäre leichtsinnig, ein derart super-bullisches Bild der Zukunft einfach als vorprogrammiert vorauszusetzen. Denn so grandios das Chartbild des Index auch aussieht, in Wahrheit laufen die Bullen durch ein Minenfeld.

Chart vom 18.12.2020, Kurs 30.405,62 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Und das beschränkt sich nicht alleine darauf, dass die Trader die Wiederbelebung eines Wachstums vorwegnehmen, das in dieser Ausprägung lange dauern dürfte, bis es erreicht ist. Es ist auch nicht nur das US-Konjunkturpaket, das zwar wahrscheinlich vor Weihnachten kommt (zum Redaktionsschluss am Freitagabend tat sich da noch nichts), bei dem aber völlig offen ist, ob die Marktteilnehmer dessen Umfang und Zusammensetzung auch positiv aufnehmen. Auch das Thema Großbritannien, zuletzt erfolgreich ignoriert, hat große Auswirkung auf Wohl und Wehe vieler MDAX-Unternehmen … und ein negativer Ausgang dieses Dramas ist wohl kaum in diese Rekordkurse eingepreist.

Das alleine wäre schon Grund genug, vorsichtig zu werden. Aber es kommt auch noch die Struktur der Rallye hinzu. Was zuletzt lief, läuft einfach weiter, z.B. Aixtron, Dürr, Evonik, Evotec, HelloFresh, Lanxess, Metro, Rheinmetall, thyssenkrupp oder Wacker Chemie. Ob diese Aktien längst überzogen haben, scheint niemanden zu kümmern, die Trader folgen dem Momentum, kaufen das, was am besten läuft. Das deutet eine spekulative Phase an, in der zu viele Akteure gierig und dadurch unvorsichtig werden. Und zugleich ist der MDAX markttechnisch heiß gelaufen. Sehen Sie sich da einmal den RSI-Indikator an, der im Chart auf Tagesbasis unten mit eingeblendet ist: Der ist sehr weit in die überkaufte Zone gelaufen, so etwas hält sich meist nicht sehr lange, bevor es zu einer Korrektur kommt oder die Notierungen zumindest stagnieren.

Tageschart vom 18.12.2020, Kurs 30.405,62 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Der MDAX bräuchte somit bessere Rahmenbedingungen, zumindest ein überzeugendes US-Konjunkturpaket, Und es braucht einen Switch der Käufe weg von den überhitzten o.g. „Dauerläufern“ hin zu denjenigen MDAX-Titeln, die zuletzt zurückgeblieben sind, um die überkaufte Situation des Index vorerst abzufedern. Kommt weder noch, können die bullischen Träume schlagartig platzen. Sollte der MDAX die Kreuzunterstützung aus dem alten Rekordhoch vom Februar bei 29.438 Punkten und der in diesen Bereich nachgelaufenen 20-Tage-Linie mit Schlusskursen unter 29.200 Punkten hinreichend deutlich durchbrechen, wäre das per Freitag noch perfekte Szenario dahin. Ein Stoppkurs in dieser Region wäre, für diesen Fall der Fälle, unbedingt ratsam.

Derzeit ist er der Stärkste im Revier: Während der TecDAX seit Monaten seine Richtung sucht und der DAX unterhalb seines Sommer-Hochs seitwärts läuft, hat der MDAX, der „Index der zweiten Reihe“, nicht nur sein Hoch vom Sommer überboten, sondern auch das im Februar bei 29.438 Punkten ausgebildete, bisherige Rekordhoch bezwungen.

Basis dieser relativen Stärke ist der hohe Anteil an Unternehmen klassischer Branchen, denen man jetzt im Licht eines erhofften, baldigen Endes des Corona-Dramas wieder starkes Wachstum zutraut und beherzt zugreift. Zwar listet auch der MDAX unter seinen 60 Titeln ehemalige „Corona-Gewinner“, die aufgrund dieses Schwerpunktwechsels der Akteure nicht mehr ins Laufen kommen – aber der Anteil der „Klassiker“ ist eben höher.

Dabei fällt auf, dass der Index seit dem auch im DAX zu sehenden, doppelten Kurssprung nach der US-Wahl und den Meldungen über nahende Impfstoffe in der ersten Novemberhälfte deutlich langsamer steigt. Aber nennenswerte Rücksetzer blieben bislang aus, die Akteure kaufen stur weiter. Das führte in den vergangenen Tagen zu einem Anstieg über das vormalige Allzeithoch vom Februar. Ist es ein schlechtes Omen, dass es daraufhin nicht zu einem kräftigen Aufwärtsimpuls kam, ausgelöst durch Trader, die auf Basis dieses charttechnischen Kaufsignals kräftig zugreifen? Im Gegenteil.

Der Umstand, dass der MDAX durch das vorherige Rekordhoch eher hindurch diffundiert ist, statt ein Kursfeuerwerk zu zeigen, lässt vermuten, dass es eben nicht rein charttechnisch und oft kurzfristig agierende Trader waren, die den Index über den Terminmarkt auf neue Hochs trugen. Es waren Investoren, die sich auf die einzelnen Aktien selbst konzentrierten. Dadurch, dass der MDAX aufgrund der 60 verschiedenen in ihm gelisteten Aktien weniger scharf konturiert verläuft, wenn der Terminmarkt nicht das Zepter schwingt, ist dieser Anstieg auf neue Rekorde somit eher „zufällig“ entstanden, basierend auf Käufen in Einzelwerten. Das verleiht diesem Ausbruch eine größere Chance, von Dauer zu sein.

Tageschart vom 10.12.2020, Kurs 29.689,13 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Daher ist es gut möglich, dass auch die „magische“ 30.000 nicht gezielt angesteuert und in der Hoffnung überboten wird, dass dann ihre Short-Trades eindeckende Bären und dem Signal folgende Daytrader den Ausbruch intensivieren, sondern eher „nebenbei“ fällt.

Das Aufwärtspotenzial des MDAX wird eher auf den Rahmenbedingungen fußen als z.B. beim vom Terminmarkt stark mit beeinflussten DAX. Es wird darauf ankommen, ob die Konjunktur stabil bleibt, die Akteure weiterhin mit guten Bilanzen für das vierte Quartal rechnen können, die Pandemie in Europa in den Griff kommt und die Exportperspektiven Hoffnung zulassen. Solange die Mehrheit der Marktteilnehmer darauf baut, dass es relativ bald zu einem solchen, positiven Umfeld kommt, muss auch die 30.000er-Marke kein Hindernis sein. Wichtig wäre nur im Hinterkopf zu behalten, dass all diese Hoffnungen bislang eben nicht mehr sind als das:

Hoffnungen. Und die können allemal auch platzen. So langsam dieser Steigflug des MDAX auch vonstattengeht, angesichts dessen sollte man auch hier nicht ohne Fallschirm auf der Long-Seite mitfliegen. Zu früh sollte man aber nicht an der Reißleine ziehen, denn erst, wenn der Index mit Schlusskursen unter 28.000 Punkten unter die Monatshochs von September und Oktober zurück fallen würde, würde sich hier mehr zeigen als ein grundsätzlich normaler Pullback an den Ausbruchslevel.

Wochenchart vom 10.12.2020, Kurs 29.689,13 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

29.438,03 Punkte, das war der bisherige Verlaufsrekord des MDAX, markiert am 20. Februar dieses Jahres. Im Gegensatz zu DAX und TecDAX läuft hier bereits der Kampf um diese letzte charttechnische Hürde. Aber bislang haben die Bullen dabei Probleme. Der MDAX lief nicht einfach mit Schwung über diese Linie, sondern hängt seit zwei Tagen an ihr fest. Damit sind die Marktteilnehmer im bullischen Lager jetzt gefordert. Denn sollte der Index noch ein, zwei Tage festsitzen, würde aus dem Warnsignal, welches sich daraus bislang ergibt, ein negatives Signal, das deutlich machen würde, dass die Zahl derer, die diesen Level als Kursziel und nicht als Zwischenstopp auf dem Weg an und über die 30.000 sehen, eindeutig überwiegt.

Würden die Käufer daraufhin ihre Orders streichen, die bestehenden Verkaufsorders auf diesem Level aber noch nicht abgearbeitet sein, würde ein kleiner Schub an weiteren Verkaufsorders oder gar gezielten Leerverkäufen der Bären ausreichen, um den Index weit zurückzudrängen. Und dass die Bären sich das gerade ganz genau und mit einer gewissen Vorfreude ansehen, dürfte unstrittig sein. Zweimal lief der MDAX über den alten Verlaufsrekord und schloss zweimal darunter. Und nicht nur das:

Expertenmeinung: Am Montag entstand daraus ein sogenannter „Gravestone Doji“, ein Doji nahezu ohne Kerzenkörper und mit einem langen oberen Docht, der deutlich macht, dass der gesamte Anstieg des Tages verloren ging. Was immerhin um die 400 Punkte war. Und psychologisch noch ungünstiger für die Bullen ist, dass man es am Dienstag zwar unverdrossen gleich noch einmal versuchte, dabei aber einen „Shooting Star“ produzierte, der kaum weniger potenziell bärisch ist als ein „Gravestone Doji“. Zugleich ist der MDAX nach dem Sturmlauf des Novembers auf Basis markttechnischer Indikatoren überkauft. Sie sehen im Chart unten den RSI-Indikator eingeblendet: Der Indikator ist in der überkauften Zone angekommen, was oft, wenngleich nicht immer, ein Vorbote für Abgabedruck ist.

Chart vom 01.12.2020, Kurs 29.352,27 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Das Problem des bullischen Lagers ist, dass sie ja nicht nur gegen kurzfristige Warnsignale im Candlestick-Chart und gegen überkaufte Indikatoren antreten müssen, sondern auch gegen die Rahmenbedingungen. Denn die Bullen dürften mehrheitlich sehr wohl wissen, dass die Gesamtsituation eine solche Hausse bislang nicht unterfüttert. Dass beispielsweise die gestern veröffentlichte Absenkung der 2021er und 2022er Wachstumsprognose Deutschlands und der Eurozone seitens der OECD nicht allzu viel negative Reaktionen zeitigte, liegt vor allem daran, dass der Schwung der November-Rallye noch groß genug ist, um mehr Anleger von Gewinnmitnahmen abzuhalten. Jetzt aber sieht das Bild für den MDAX schon weniger dynamisch aus. Sollte er noch ein, zwei Tage auf der Stelle treten oder gar nach unten abdrehen, würde die Zahl der Verkaufswilligen wohl sehr zügig zunehmen. Spätestens, wenn der Index unter 28.000 Punkte und damit in die vorherige Handelsspanne zurück fallen würde, wäre hier Alarm angesagt.

Wieder einmal hatte die wichtige 200-Tage-Linie gehalten, das war Ende Oktober. Und diesmal sprang mehr dabei heraus, als am vorherigen Zwischenhoch abzuprallen. Oder es knapp zu überbieten und dann doch wieder abzudrehen. Der MDAX ist auf ein neues Hoch seit der abrupten Aufwärtswende vom März gelaufen. Das bisherige Rekord-Verlaufshoch vom Februar bei 29.438 Punkten ist jetzt keine drei Prozent mehr entfernt. Und die „magische“ Marke von 30.000 wäre ebenfalls in Reichweite. Bis zu dieser Linie würden den Bullen noch 4,4 Prozent fehlen. Und wer weiß, was möglich wäre, wenn diese Marke bezwungen würde …

Wenn man sich überlegt, dass der MDAX seit dem 30. Oktober in der Spitze 13,1 Prozent nach oben geschossen ist, erscheinen diese 4,4 Prozent wie ein Katzensprung. Nur noch eine letzte Anstrengung, ein paar „good news“, und es wäre geschafft. Doch ein Selbstläufer wird das nicht. Soll das gelingen, wäre wirklich eine „Anstrengung“ nötig. Nicht zuletzt wegen der derzeitigen chart- und markttechnischen Konstellation:

MDAX: Tages-Chart vom 16.11.2020, Kurs 28.732,11 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Sie sehen im Chart auf Tagesbasis, dass der Index gestern die obere Begrenzung eines im Sommer etablierten Aufwärtstrendkanals erreichte und dort erst einmal leichte Gewinnmitnahmen sah. Hinzu kommt, dass der Relative Stärke Indikator RSI, im Chart auf Tagesbasis unten mit eingeblendet, die Grenze der überkauften Zone (70 Prozent) erreicht hat. Anfang Juni lief der Indikator einige Zeit in diese Zone hinein, danach aber war mehrfach an dieser Grenze von 70 Schluss mit der Dynamik. Das allein wäre kein Hinderungsgrund, grundsätzlich könnte der MDAX trotzdem weiter zulegen, das alte Hoch bezwingen, die runde 30.000 Punkte-Marke anlaufen und überwinden, aber das wäre auch aus einem anderen Grund nur „möglich“:

Die gestern aufgelaufene Meldung über einen zweiten nahe vor dem Zulassungsantrag stehenden COVID 19-Impfstoff hat erneut Käufe bei Aktien ausgelöst, die monatelang wegen der Pandemie und deren wirtschaftlichen Folgen massiv gedrückt wurden. Und da war so manches MDAX-Schwergewicht dabei, so Fraport, die Lufthansa, Airbus oder Banken wie Aareal Bank und Commerzbank. Zwar tummeln sich im MDAX auch viele Aktien, die zuvor als „Corona-Gewinner“ galten und gestern ebenso wie eine Woche zuvor, als die Meldung über den BioNTech/Pfizer-Impfstoff kam, wie sauer Bier verkauft wurden, z.B. TeamViewer, HelloFresh, VARTA, Scout24. Nur sind die im Index weniger hoch gewichtet, so dass unter dem Strich ein Kursgewinn zu Buche stand.

Aber die Marktteilnehmer dürften mehrheitlich sehr wohl erkennen, dass der Weg mehrerer Impfstoffe in die Zulassung zum einen dem im Frühjahr/Sommer entworfenen Zeitplan eher hinterherhinkt. Und dass es zum anderen viele Monate dauern wird, bis man seitens des Corona-Virus keinen zusätzlichen Druck mehr fürchten muss und sich in Sachen Konjunktur ans effektive Aufräumen machen kann, statt wie bislang immer nur Löcher zu stopfen.

So gesehen wäre es zwar in der Tat möglich, dass der MDAX weiter läuft. Dass die massiv belebte Hoffnung die Käufe aufrechterhält und diese „magische“ 30.000 nicht nur erreicht, sondern überboten wird statt, auch das sollte man nicht außer Acht lassen, zum Auslöser für Gewinnmitnahmen zu werden. Aber es ist eben nichts, wovon man einfach ausgehen sollte.

Im Gegenteil, es wäre unbedingt ratsam, bei diesem Aufstieg immer mit einem Auge nach unten zu sehen, sprich sich abzusichern, wobei für kurzfristige, spekulative Long-Trades sogar zu überlegen wäre, einen Stop Loss knapp unter die nächstgelegene Supportlinie, die Hochs der Monate September und Oktober im Bereich 28.150/28.200 Punkte, zu legen.

MDAX: Wochen-Chart vom 16.11.2020, Kurs 28.732,11 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Der DAX ist mit Schwung durch die 200-Tage-Linie gefallen, der TecDAX ebenfalls. Nur der MDAX, der „Index der zweiten Reihe“ mit seinen 60 Aktien, kämpft noch. Hat der MDAX eine Chance, im letzten Moment nach oben zu drehen und damit eine mittelfristig relevante Abwärtswende zu verhindern, obwohl die Bullen bei den vorgenannten anderen Indizes bereits aufgeben mussten? Finden sich da wirklich noch genug Trader, die hier aktiv Defensivarbeit leisten, deren Erfolgschance momentan wirkt, als würde man gegen Windmühlen antreten?

Allzu gut sind die Erfolgsaussichten der Käufer zwar nicht, aber eine Chance haben sie eben dennoch. Was das bullische Lager braucht, ist eine spürbare Verbesserung in zumindest einem der Bereiche, die in der vergangenen Woche auf die Kurse gedrückt haben. Es bräuchte starke Quartalsbilanzen mit entsprechend positiven Reaktionen der Anleger. Oder positive Signale dahingehend, dass die deutsche Wirtschaft diesen „Lockdown Light“ ohne vergleichbare Probleme wie im Frühjahr übersteht. Oder aber es bräuchte eine überzeugende Rallye an der Wall Street, basierend auf einem klaren Wahlergebnis. Wobei die meisten wohl im Fall eines Sieges von Trump ein Gesicht machen würden, als hätten sie auf eine Zitrone gebissen. Aber würden Dow Jones & Co. danach anziehen, weil das Ergebnis immerhin klar wäre UND die Republikaner im Senat die Mehrheit behalten (sonst wäre sein Sieg nichts wert), würden die deutschen Indizes wohl trotzdem mitziehen. Das Problem der Bullen ist dabei:

Expertenmeinung: Viel Zeit bleibt nicht, um eine Entscheidung zu erreichen. Zwar kann ein Index in Ausnahmefällen auch mal ein, zwei Wochen um diese wichtige 200-Tage-Linie pendeln, wie wir das beim MDAX im Juni gesehen hatten. Aber in einem derart emotionalen Umfeld wie jetzt ist das wenig wahrscheinlich. Und da die Quartalszahlen noch einige Zeit hereintröpfeln werden und das Thema Pandemie/Lockdown nicht binnen weniger Tage eine ganz neue Gemengelage liefern dürfte, bleibt nur die US-Wahl als Zünglein an der Waage. Und damit wird klar:

Eine Prognose treffen zu wollen, ob der MDAX deutlich durch diese aktuell bei 25.772 Punkten verlaufende, am Freitag hauchdünn und damit noch nicht signifikant unterbotene Linie fällt und Richtung Juni-Tief bei 24.792 Punkten als erstes Kursziel trudelt oder nicht, wäre Unfug. Denn auch, wenn Biden in den Umfragen führt: Die Führung ist nicht groß genug, um daraus einen klaren Sieg ableiten zu wollen: Die Wahl ist offen. Es gilt somit zu schauen, wie sich die Lage übermorgen zu Handelsbeginn in Europa darstellt. Sollte da bereits klar sein, in welche Richtung das Pendel in den USA ausschlägt, wird der MDAX reagieren.

Nach oben müsste er es mindestens wieder über 26.500 Punkte und damit zurück in den blau eingezeichneten, leicht aufwärts weisenden Trendkanal schaffen, damit die Kuh für die Bullen vom Eis ist. Sollte er jedoch dieses Ringen um die 200-Tage-Linie verlieren, womöglich schnell unter das Juni-Tief bei 24.792 Punkten fallen, wäre nach unten nichts unmöglich!

Chart vom 30.10.2020, Kurs 25.721,00 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX