MDAX aktuell MDAX: Überreizen die Bullen gerade ihr Spiel?

News: Aktuelle Analyse des MDAX Index

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Zum MDAX

Oft reicht der Arm der Terminbörse nicht bis zu Indizes wie dem MDAX. Aber diesmal war der Einfluss der am Freitag absolvierten Terminmarkt-Abrechnung deutlich zu spüren. Jetzt werden die Karten neu gemischt: Wer bekommt die besseren?

Den meisten Investoren ist klar, dass die Hausse der Aktienmärkte eine mächtige Hypothek auf das bislang noch ausbleibende Durchstarten des Wachstums bedeutet. Aber nachdem man bereits so lange und eisern auf die Wende der Rahmenbedingungen gesetzt hat, bräuchte es schon neuer, negativer Argumente, um die Trader von ihrem bisherigen Kurs abzubringen.

Dabei spielen erneute Lockdowns oder neue Enttäuschungen beim Impf-Fortschritt eine weit geringere Rolle als die jetzt sukzessiv einlaufenden Unternehmensbilanzen und ggf. angepasste Ausblicke auf das Gesamtjahr. Denn natürlich wissen die Anleger, dass die Gesamtwirtschaft und die Entwicklung der einzelnen Unternehmen sehr unterschiedlich laufen können. Was vor allem auf zwei Faktoren basiert:

MDAX: Tages-Chart vom 16.04.2021, Kurs 33.263,21 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Zum einen sind viele der 60 im MDAX gelisteten Unternehmen sogenannte „Export-Weltmeister“, da ist es nicht unbedingt entscheidend, ob Deutschland gerade in Sachen Wachstumsdynamik innerhalb der Eurozone durchgereicht wird, wenn andere Regionen in Europa, Asien und die USA wieder in Fahrt kommen und diese Unternehmen einen starken Exportanteil in diese Regionen haben.

Den aktuellen Kurs und Chart des MDAX sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Zum anderen kommt es darauf an, wie schnell und effektiv sich die Unternehmen auf die komplexen Herausforderungen des Corona-Jahres 2020 eingestellt hatten und wie nachhaltig Restrukturierungen, Rationalisierungen und Investitionen wirken. So manches MDAX-Unternehmen hat da ganze Arbeit geleistet, so dass in der Tat die Chance besteht, dass viele MDAX-Aktien weiter bullische Perspektiven haben. Vorausgesetzt, die jetzt anstehenden Bilanzen bestätigen das.

Damit kommt den kommenden zwei bis drei Wochen besondere Bedeutung zu. Klar ist, bei einem Index auf Rekordhoch, dass in den Kursen ein „Best Case“-Szenario steckt, was bedeutet, dass selbst ein „wie erwartet“ bei zu vielen Bilanzen ausreichen kann, um eine Korrektur auszulösen. Hinzu kommt, dass man mit Händen greifen konnte, dass der Run des Index an und leicht über das vorherige, im Februar bei 33.159 Punkten markierte Rekordhoch zu großen Teilen auf die Aktivitäten großer Akteure am Terminmarkt mit Blick auf die am Freitag absolvierte Abrechnung der April-Optionen zurückging. Was bedeutet:

MDAX: Monats-Chart vom 16.04.2021, Kurs 33.263,21 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Die derzeit einlaufenden Vorab-Meldungen der Unternehmen zum ersten Quartal müssen die Marktteilnehmer motivieren, am Ball zu bleiben, idealerweise zuzukaufen, um zu verhindern, dass das neue Verlaufshoch, welches der MDAX am Freitag markierte, zur Bullenfalle wird. Allerdings sind die bislang eingelaufenen Vorab-Meldungen in der Tat vielversprechend: Gerade bei Publikumslieblingen wie z.B. Shop Apotheke, HelloFresh oder Sartorius gab es in den letzten Tagen und Wochen gute Nachrichten. Die Chance, dass das bullische Lager ab Montag, wenn das Thema Terminmarkt-Abrechnung vom Tisch ist und die Karten neu gemischt werden, erneut ein gutes Blatt in Händen hält, ist also da. Aber da unstrittig ist, dass man da hoch pokert, sollte in jedem Fall mit konsequenten Stoppkursen auf der Long-Seite agiert werden. Aktuell wäre die heute bei 32.230 Punkten ankommende 20-Tage-Linie eine sinnvolle Orientierung. Sobald es dem MDAX gelingen sollte, sich mindestens um ein Prozent über das Februar-Hoch von 33.159 Zählern nach oben abzusetzen, wäre es zu überlegen, den Stop Loss knapp unter dieses alte Hoch nachzuziehen.

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Ronald Gehrt, Chart- & Fundamentalanalyst | LYNX Börsenexperten
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Vorherige Analysen des MDAX Index

Zwischen Anfang November und Mitte Februar haussierte der MDAX um sagenhafte 30 Prozent. Seither ist der Wurm drin, vor allem die bisherigen Publikumslieblinge sind massiv unter Druck geraten. Doch langsam nähert sich der Index wichtigen charttechnischen Unterstützungen. Ist das Gröbste bereits überstanden?

Nach einem ersten Korrekturimpuls pendelte der MDAX knapp zwei Wochen hektisch in der Spanne zwischen 31.000 und 32.000 Punkten. Am Freitag wurde diese Handelsspanne, die zuvor dreimal gehalten wurde, dann doch nach unten durchbrochen. Grundsätzlich ein markant bärisches Signal, das keine unmittelbare Wende erwarten ließe. Zumal der RSI-Indikator auf Tagesbasis, der durch seine negativen Divergenzen das Ungemach im Vorfeld angedeutet hatte, noch nicht in den überverkauften Bereich vorgedrungen ist, von dem aus eine Stabilisierung zu erwarten wäre. Und auf Wochenbasis hat der Trendfolgeindikator MACD erst jetzt, mit dem Minus der vergangenen Handelswoche, ein neues Short-Signal generiert. Also keine Chance auf ein baldiges Ende der Abwärtsbewegung?

Nordex Aktie: Chart vom 05.03.2021, Kurs 19,47 Euro, Kürzel NDX1 | Online Broker LYNX

Doch, eine Chance wäre durchaus da. Die Charts zeigen drei potenzielle Unterstützungslinien, auf deren Höhe der MDAX drehen könnte. Der ersten möglichen Wendemarke ist der Index bereits recht nahe gekommen, das ist das Monats-Verlaufstief des Januars bei 30.534 Punkten. Darunter wäre die mittelfristige, allerdings bislang nur durch zwei Punkte definierte und damit unbestätigte mittelfristige Aufwärtstrendlinie bei aktuell 30.000 Punkten, die Sie im Chart auf Wochenbasis sehen, eine denkbare Wendemarke. Und sollte es dort hindurchgehen, könnten sich die Bullen auf Höhe des „Prä Corona“-Hochs vom Februar 2020 bei 29.438 Zählern zeigen.

Kann man sich darauf verlassen, dass eine dieser Unterstützungen halten wird? Das sollte man nie tun, weil die Entscheidung, bei einer dieser Marken wieder zuzugreifen und den Bären damit den Schneid abzukaufen, immer eine Entscheidung aus dem Moment heraus ist. Es kommt auf die Gesamtsituation an den Märkten an, ob die bullischen Trader an einer potenziellen Wendemarke aktiv werden oder sicherheitshalber wegbleiben, bis das Umfeld bessere Chancen bietet. Oft erlebt man, dass ein ungünstiges Umfeld dazu führt, dass viele Trader, die sich vorgenommen haben, auf Höhe einer bestimmten Unterstützung Long zu gehen, diese Orders im letzten Moment streichen und die Kurse weiter durchgereicht werden.

Ein Vorteil wäre, dass diejenigen MDAX-Aktien, die in den Wochen vor Korrekturbeginn besonders stark gelaufen waren, jetzt bereits kräftige Korrekturen absolviert haben. Wenn die Abgaben dort aufhören, kann das für die Bullen Signalwirkung haben. Aber es wäre dennoch nicht empfehlenswert, in der Hoffnung, direkt am Tief einzusteigen, in das bislang noch fallende Messer zu greifen. Der bessere Weg wäre, den Beleg abzuwarten, dass das bullische Lager wieder in der Offensive ist. Dafür ist die Verteidigung von Unterstützungen zwar ein Hinweis, aber deutlich günstiger stellt man sich, wenn man abwartet, ob die Käufer auch stark genug sind, um Widerstände zu bezwingen. Denn erst dort trifft man gemeinhin auf verstärkte Gegenwehr der Bären.

Aktuell ist der MDAX noch zu knapp aus der Spanne 31.000/32.000 Punkte herausgelaufen, um deren untere Begrenzung als Ankerpunkt für einen zurückeroberten Widerstand anzusehen. Noch wäre die Zone um 32.000 Punkte der Lackmustest für eine potenzielle Aufwärtswende, zumal diese Linie jetzt durch die 20-Tage-Linie verstärkt wird, die in Abwärtsbewegungen meist aktiv von bärischen Tradern verteidigt wird. Im Fall eines erfolgreichen Tests der nächsten Auffanglinie bei 30.534 Punkten würde dann die Linie von 31.000 Punkten als Trigger „nachrücken“: Die 30.534 würde wiederum der Ankerpunkt werden, wenn der MDAX die mittelfristige Aufwärtstrendlinie bei 30.000 Punkten testen und verteidigen würde und so weiter. Eine solche Trading-Disziplin aufzubringen, fällt meist nicht leicht. Aber angesichts der derzeit zahlreichen und abrupten Richtungswechsel der großen Aktienindizes könnte man ohne ein solch vorsichtiges Vorgehen äußerst heftig auf dem falschen Fuß erwischt werden.

Volkswagen Vz-Aktie: Chart vom 05.03.2021, Kurs 193,48 Euro, Kürzel VOW3 | Online Broker LYNX

Da war ein Hauch von Panik zu spüren, als der MDAX am Vormittag kurzzeitig an der 31.000 Punkte-Marke kratzte und damit über drei Prozent gegenüber dem Vortages-Closing verlor. Zum Handelsende wurde zwar einiges von den Verlusten wieder aufgeholt. Aber aus dem Schneider sind die Bullen damit nicht – das Gespenst einer großen Korrektur hängt im Raum.

Was vielen dabei besonders zu schaffen machen dürfte ist, dass es keinen unmittelbaren, zwingenden Grund für diesen steigenden Abgabedruck gibt, den man mit einem „ja, aber“ niederreden könnte. Es ist einfach die „Schwerkraft“, die jetzt auf die Kurse einwirkt.

MDAX: Tages-Chart vom 23.02.2021, Kurs 31.643,84 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Viele Aktien im MDAX sind seit Anfang November ungewöhnlich weit gestiegen und haben dabei markant wachsende Unternehmensgewinne vorweggenommen. Jetzt laufen erste Perspektiven der Unternehmen für 2021 ein, die deutlich verhaltener sind als das, was viele Anleger und Analysten sich zuvor vorgestellt hatten. Und das drückt, je mehr von solchen defensiven Prognosen einlaufen, eben nicht mehr nur die Aktien der betroffenen Unternehmen selbst. Man erkennt, dass man den Bogen überspannt hat und verkauft auch dort, wo solche subjektiv als „bad news“ gesehenen Prognosen nicht oder noch nicht auftauchen.

Es läuft also, was die Entwicklung der Wirtschaft angeht, nichts schief. Dass die Rückkehr zum Wachstum nicht rasant vonstattengeht, dass dieser Weg ein steiniger sein würde, hätte sich jeder ausrechnen können. Nur wollten das viele nicht sehen, weil diese Rallye sie glauben ließ, dass die Kurse auch dann einfach weiter steigen, wenn die Realität nicht hinterherkommt. Das funktioniert zwar – und oft auch lange – aber nie ewig. Jetzt ist offenbar in den Köpfen vieler Akteure ein Punkt erreicht, wo man nicht nur weiß, dass der Bogen eigentlich überspannt war, sondern zugleich realisiert, dass er zu brechen droht. Und da gilt nun einmal die Plattitüde: Wer zuerst verkauft, bekommt noch die besten Kurse.

Gesetzt den Fall, die Verkäufe würden unmittelbar weitergehen, wäre daher ein Test der 200-Tage-Linie, die sich im Sommer und Herbst 2020 dreimal als entscheidende Unterstützung bewährt hatte, eigentlich ganz normal. Dass der MDAX sich seit Anfang November untypisch weit von diesem gleitenden Durchschnitt entfernt hatte, ist dafür kein Hinderungsgrund. Immerhin würde ein Test dieser aktuell bei 28.130 Punkten verlaufenden Linie trotzdem nur etwa ein Drittel der Super-Hausse zwischen Ende März 2020 und Anfang Februar korrigieren. Zudem finden sich dort die markanten Zwischenhochs vom September und Oktober und bilden mit der 200-Tage-Linie eine Kreuzunterstützung, die sich ohne Zweifel so mancher potenzielle Short-Trader als mögliches Ziel ausgeguckt hat. Aber: Noch ist das nur ein denkbares, nicht aber das wahrscheinlichste Szenario. Dass der MDAX am Dienstag einiges seiner Verluste hat aufholen können zeigt, dass die Käuferseite bislang aktive und effektive Gegenwehr leistet. Die negative Divergenz des im Chart auf Tagesbasis mit eingeblendeten RSI-Indikators und der überkaufte Level des Stochastik-Oszillators auf Monatsbasis zeigt zwar, dass der Index heiß gelaufen und angeschlagen ist. Aber er ist auch relativ gut unterstützt. Erst, wenn die gestern zum Handelsende verteidigte kurzfristige Aufwärtstrendlinie klar fiele, indem der Index unter dem Dienstags-Verlaufstief von 31.017 Punkten schließt, würde die Lage kritisch. Dann läge als markantere Auffanglinie nur noch das „alte“ Rekordhoch vom Februar 2020 bei 29.438 Zählern zwischen dem Index und einem solchen Test der Zone um 28.000 Punkte. Dann, unter 31.017 Punkten, würde aus einen solchen „Worst Case“ eben doch ein Szenario, mit dem zu rechnen wäre.

MDAX: Monats-Chart vom 23.02.2021, Kurs 31.643,84 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Der MDAX-Kurs hat den DAX seit den Tiefs vom März 2020 klar geschlagen und liegt in der Performance seither etwa zehn Prozent vorne. Aber dieser „Index der zweiten Reihe“ ist knifflig zu traden. Wie kommt man einem solchen „Biest“, das zu dynamische, weitreichende Trends aufweist, um es links liegen zu lassen, bei?

Die Ursache dieser „Unschärfe“ ist schnell gefunden: Der Index beinhaltet 60 und damit doppelt so viele Aktien wie der DAX, die teilweise recht markteng sind und daher nicht so „fließen“ wie umsatzstarke Aktien. Hinzu kommt, dass hier der Umsatz im Derivatebereich weit niedriger ist als beim international als Flaggschiff dienenden DAX. Dieses Fehlen einer starken, zweiten Ebene als glättendes Element macht sich ebenfalls bemerkbar.

Grundsätzlich stützt man sich als Trader auf Trendlinien, auf horizontale Unterstützungen und Widerstände, auf gleitende Durchschnitte, Candlestick-Formationen und nicht zuletzt auf markttechnische Indikatoren. All diese Tools bieten Hinweise auf potenzielle Ein- und Ausstiegspunkte, egal, ob auf der Long- oder der Short-Seite. Was aber nur funktioniert, wenn sich auch genug andere Akteure an solchen Punkten orientieren. Bei einem Index wie dem MDAX, bei dem das Gros der Aktivität auf die 60 Einzelwerte und weniger auf den Index an sich ausgerichtet ist, ist das selten der Fall.

Sich hier auf fundamentale Analysen zu fokussieren, den Index insgesamt als günstig oder teuer einzuordnen und das als Entscheidungsbasis zu nehmen, bringt ebenso wenig. Denn auch hier gilt: Wenn es zu wenig andere Akteure interessiert, ob eine Aktie im MDAX eigentlich zu teuer oder zum Niederknien unterbewertet wäre, kommt man damit nicht weit, erst recht nicht, wenn man da 60 ganz unterschiedliche Aktien in einem Topf vereinen müsste. Und würde man sich den MDAX auf kurzfristigeren Zeitrastern als der hier gezeigten Tages- und Wochenbasis ansehen, würde man ebenfalls erkennen: Das sieht höchst unkoordiniert aus, da tradet es sich auch auf Stundenbasis schlecht. Also, was tun?

Ich würde bei solchen schwierigen, aber eben zugleich auch spannenden Problem-Indizes nach den Ankerpunkten suchen, die eben doch auffallend oft beachtet werden. Denn das dürfte dann vorerst auch so bleiben. Kurz: Man sollte nach dem suchen, was funktioniert und nicht auf etwas als Entscheidungsgrundlage bestehen, was funktionieren sollte, es aber nicht tut. Konkret:

Die 20-Tage-Linie ist zwar momentan eindeutig der Leitstrahl des seit November laufenden Rallye-Schubes, aber nach zwei erfolgreichen Tests der Linie kam es Ende Januar zu einer Bärenfalle. Will man diese Linie als Basis für einen Stopp Long beibehalten, wäre daher ein recht breiter Sicherheitspuffer von zwei Prozent auf Schlusskursbasis oder von drei Prozent im Fall einer Stop Loss-Verkaufsorder ratsam. Aber zwei weitere klassische Ankerpunkte haben sich hier in jedem Fall bewährt:

Zum einen das alte Rekordhoch vom Februar 2020 bei 29.438 Punkten, denn der Rücksetzer unmittelbar vor Weihnachten wurde genau dort gedreht. Das war kein Zufall … und damit werden sich viele Akteure diese Marke als wichtige Entscheidungsmarke notiert haben. Zum anderen die gute, alte 200-Tage-Linie. Sie sehen im Chart auf Wochenbasis, dass dieser wichtige gleitende Durchschnitt (dort als hellblaue Linie) seit Jahren immer wieder als Unterstützung funktioniert hat. Aber Sie sehen natürlich auch:

Tagesschart vom 06.02.2021, Kurs 32.256,89 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Letztere zwei „bewährte“ Orientierungspunkte liegen nicht gerade um die Ecke, der MDAX hat sich von beiden Marken weit entfernt. Aber ich denke, deswegen doch wieder auf nicht Bewährtes zurückzugreifen, um schneller Signale zum Long-Ausstieg oder für einen spekulativen Short-Trade zu erhalten, bringt eher Verdruss. In Fall des „Biest“ MDAX würde ich daher eher eine gezielt mittelfristige Ebene vorziehen und ein wenig Feinsteuerung über Gewinnmitnahmen und Zukäufe nach Rücksetzern versuchen. Wer es mit seinem Trading eiliger hätte, hätte dafür ja immer noch den DAX …

Monatschart vom 06.02.2021, Kurs 32.256,89 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Würde man sich die Sache einfach machen, könnte man konstatieren, dass das Plus des MDAX in Höhe eines halben Prozents am ersten Handelstag 2021 ein Beleg dafür sei, dass die Käufer weiter auf dem Posten sind und Anstieg somit weitergehen dürfte. Nur würde man sich die Sache damit deutlich zu einfach machen und in der MDAX-Analyse ein Warnsignal einfach ignorieren.

Und mit Ignorieren könnte es diesmal nicht getan sein, denn die Verkäufer, die aktiv dazu beitrugen, dass der MDAX am Montag einen „Bearish Long Upper Shadow“ ausbildete, werden ihre Verkäufe nicht beenden, nur, weil die Käufer heute einfach in alter Stärke und Zuversicht wieder antreten. Im Gegenteil, genau das hat ja diejenigen, die daran „Schuld“ sind, dass der Index deutlich unter dem im Tagesverlauf erreichten, neuen Verlaufsrekord von 31.280,75 Punkten schloss, dazu bewogen, Gewinne mitzunehmen: Eine ausreichende Nachfrage auf Rekordniveau, die es ermöglicht, auch größere Positionen loszuschlagen, ohne dadurch die Kurse massiv unter Druck zu setzen.

MDAX: Tages-Chart vom 04.01.2021, Kurs 30.950,60 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Dieser „Bearish Long Upper Shadow“ ist gekennzeichnet durch einen kleinen, idealerweise roten Kerzenkörper (wie hier der Fall, d.h. der Schlusskurs liegt unter dem Eröffnungskurs) und einen langen oberen Docht, der anzeigt, dass neue Hochs auf Verkaufsdruck trafen. Daraus lässt sich ablesen, dass entweder die Zahl der Verkäufer zunimmt oder dem Markt im Gegenteil die Käufer ausgehen. Wundern würde es nicht, angesichts des immensen Grades an Hoffnung, der in den Kursen steckt. Aber ein solcher „Bearish Long Upper Shadow“ ist ein Warnsignal, nicht mehr. Er könnte weitere Trader locken, ebenfalls den Gewinn zu sichern, bevor er dahin ist. Aber es ist auch eine Kerze, die die Bullen schnell egalisieren könnten, es gälte nur, den gestrigen Verlaufsrekord von 31.280,75 Punkten schnell zu überbieten.

Das Wort „schnell“ dürfte dabei aber entscheidend sein. Immerhin ist der MDAX binnen zwei Monaten um gut 20 Prozent nach oben gelaufen, ist dabei sogar auf Monatsbasis markttechnisch nahe der überkauften Zone und weist auf Tagesbasis ein zusätzliches Warnsignal durch den unten mit eingeblendetem RSI-Indikator auf. Der zeigt nämlich eine sogenannten „negative Divergenz“, das heißt, dass zwar der Index ein neues Hoch erreicht hat, das Hoch des Indikators aber unterhalb des vorherigen liegt. Dass sich diese Divergenz im RSI auch noch in dessen überkaufter Zone abspielt, ist etwas, das Bullen mit Unruhe und Bären mit Vorfreude zur Kenntnis nehmen dürften.

Den Bullen bliebe also nur die eilige Flucht nach vorne, um zu verhindern, dass so mancher vorher sorgloser Trader auch mal nach unten schaut und erkennt, dass die Leiter, auf der die Kurse immer höher klettern, hinsichtlich der Fundamentals gar keine Sprossen hat. Die müssen erst „nachwachsen“, d.h. das Wachstum, das die Trader unterstellen, müsste auch Realität werden. Was sich in dem momentanen Umfeld als zu hohe Erwartung herausstellen könnte. Kritisch würde es für die Bullen aber erst, wenn zwei Unterstützungen fallen sollten: Zum einen die im Tageschart hellblau markierte 20-Tage-Linie, die derzeit als Leitstrahl der Bullen dient, zum anderen das alte Rekordhoch vom Februar bei 29.438 Punkten, das am 21. Dezember noch perfekt verteidigt wurde. Noch ist also nichts angebrannt, aber dieser „Bearish Long Upper Shadow“ sollte diejenigen, sie derzeit noch ohne Stop Loss auf der Long-Seite agieren, dazu animieren, sich eine solche Absicherung zuzulegen.

MDAX: Monats-Chart vom 04.01.2021, Kurs 30.950,60 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

dass eine solche Hausse auch jederzeit vorbei sein könnte. Nicht bei diesem Momentum. Nicht bei neuen Rekorden. Und erst recht nicht, wenn nach dem Break über eine „magische Marke“ keine Gewinnmitnahmen, sondern Anschlusskäufe auftauchen. Und genauso präsentiert sich der MDAX:

Anfang des Monats ging er als erster der großen deutschen Aktienindizes über sein vorheriges Rekordhoch aus dem Februar (29.438 Punkte). Am Donnerstag schloss er dann auch noch über der runden Marke von 30.000 Punkten und zog am Freitag dynamisch davon. Mit einer Distanz von über einem Prozent zu dieser „magischen Marke“ ließe sich dieser Ausbruch aus charttechnischer Sicht als signifikant einstufen. Was sollte den Bullen da schon passieren?

Die Abrechnung der Futures und Optionen am Terminmarkt ist jetzt über die Bühne. Es sind nur noch wenige Handelstage bis zum Jahresultimo, der MDAX gegenüber dem Jahresanfang im Plus und damit ein Kandidat für Window Dressing. D.h. für Käufe institutioneller Investoren wie Fonds, die mit der gezielten Reduzierung ihrer Barreserve versuchen, noch ein wenig werbewirksame Performance zum Jahresende heraus zu kitzeln. Und was wäre zum Start ins neue Jahr dann anderes zu erwarten als eine kräftige Kaufwelle ermutigter Anleger, nachdem sie sahen, dass dieser Index ein Jahr mit einem Plus beendete, auf das im Frühjahr niemand noch einen Euro hätte wetten mögen? Denn da mag sich mancher überlegen: Wie muss der MDAX erst davonziehen, wenn das Thema Corona vom Tisch ist?

Ja, so könnte es kommen. Aber es wäre leichtsinnig, ein derart super-bullisches Bild der Zukunft einfach als vorprogrammiert vorauszusetzen. Denn so grandios das Chartbild des Index auch aussieht, in Wahrheit laufen die Bullen durch ein Minenfeld.

Chart vom 18.12.2020, Kurs 30.405,62 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Und das beschränkt sich nicht alleine darauf, dass die Trader die Wiederbelebung eines Wachstums vorwegnehmen, das in dieser Ausprägung lange dauern dürfte, bis es erreicht ist. Es ist auch nicht nur das US-Konjunkturpaket, das zwar wahrscheinlich vor Weihnachten kommt (zum Redaktionsschluss am Freitagabend tat sich da noch nichts), bei dem aber völlig offen ist, ob die Marktteilnehmer dessen Umfang und Zusammensetzung auch positiv aufnehmen. Auch das Thema Großbritannien, zuletzt erfolgreich ignoriert, hat große Auswirkung auf Wohl und Wehe vieler MDAX-Unternehmen … und ein negativer Ausgang dieses Dramas ist wohl kaum in diese Rekordkurse eingepreist.

Das alleine wäre schon Grund genug, vorsichtig zu werden. Aber es kommt auch noch die Struktur der Rallye hinzu. Was zuletzt lief, läuft einfach weiter, z.B. Aixtron, Dürr, Evonik, Evotec, HelloFresh, Lanxess, Metro, Rheinmetall, thyssenkrupp oder Wacker Chemie. Ob diese Aktien längst überzogen haben, scheint niemanden zu kümmern, die Trader folgen dem Momentum, kaufen das, was am besten läuft. Das deutet eine spekulative Phase an, in der zu viele Akteure gierig und dadurch unvorsichtig werden. Und zugleich ist der MDAX markttechnisch heiß gelaufen. Sehen Sie sich da einmal den RSI-Indikator an, der im Chart auf Tagesbasis unten mit eingeblendet ist: Der ist sehr weit in die überkaufte Zone gelaufen, so etwas hält sich meist nicht sehr lange, bevor es zu einer Korrektur kommt oder die Notierungen zumindest stagnieren.

Tageschart vom 18.12.2020, Kurs 30.405,62 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Der MDAX bräuchte somit bessere Rahmenbedingungen, zumindest ein überzeugendes US-Konjunkturpaket, Und es braucht einen Switch der Käufe weg von den überhitzten o.g. „Dauerläufern“ hin zu denjenigen MDAX-Titeln, die zuletzt zurückgeblieben sind, um die überkaufte Situation des Index vorerst abzufedern. Kommt weder noch, können die bullischen Träume schlagartig platzen. Sollte der MDAX die Kreuzunterstützung aus dem alten Rekordhoch vom Februar bei 29.438 Punkten und der in diesen Bereich nachgelaufenen 20-Tage-Linie mit Schlusskursen unter 29.200 Punkten hinreichend deutlich durchbrechen, wäre das per Freitag noch perfekte Szenario dahin. Ein Stoppkurs in dieser Region wäre, für diesen Fall der Fälle, unbedingt ratsam.