MDAX Prognose MDAX: Charttechnik kontra Rahmenbedingungen – was gewinnt?

News: Aktuelle Analyse des MDAX Index

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Wenn man sich den langfristigen Chart des MDAX ansieht, stellt man fest: Der Index drehte genau dort nach oben, wo er musste, um ein massives, langfristiges Shortsignal abzuwenden. Aber bedeutet das auch zugleich, dass der Weg nach oben offen ist … und bleibt?

Ein Blick auf das ganz langfristige Chartbild des MDAX auf Monatsbasis zeigt, dass eine Aufwärtstrendlinie, ausgehend vom Ende der Subprime-Baisse Anfang 2009 über das Corona Crash-Tief 2020, zusammen mit dem 2015 bis 2019 entstandenen Supportbereich 21.160/21.680 Punkte eine Kreuzunterstützung bildet. Dorthin war der MDAX zum Ende des dritten Quartals gefallen, dort drehte er mit immenser Dynamik nach oben:

Beide Anfang 2022 etablierten Abwärtstrendlinien wurden überboten, wie der Chart auf Tagesbasis zeigt. Und durch die Rallye im Anschluss an die US-Inflationsdaten vom vergangenen Donnerstag kam es sogar zu einem Überschießen über den Mitte Oktober entstandenen Aufwärtstrendkanal. Der damit keine “bärische Flagge” mehr werden kann. Ein perfektes Chartbild für die Bullen.

Zwar ist der Index auf Tagesbasis überkauft, wie wir anhand des RSI-Indikators sehen, der im Tageschart unten mit eingeblendet ist. Aber die nächste, massive Widerstandszone wartet erst bei 27.386 zu 27.640 Punkten.

MDAX: Tages-Chart vom 14.11.2022, Kurs 26.304,83 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Die wird derzeit durch die 200-Tage-Linie verstärkt, aber bis dahin wäre der Weg eben grundsätzlich noch frei. Vier, fünf Prozent könnten also noch drin sein. Da könnte man ja sogar noch zukaufen … oder?

Den aktuellen Kurs und Chart des MDAX sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Expertenmeinung: Es ist weniger der überkaufte Zustand des Index, der den Gedanken, bestehende Positionen nach einem solchen Run und ohne vorherige Korrektur auszubauen, riskant erscheinen lässt. Wäre die Inflation besiegt, wären wenn, dann nur noch wenige kleine Zinsanhebungen seitens der EZB zu erwarten, wäre das Rezessionsrisiko vom Tisch und 2023 kräftiges Wachstum zu erwarten, könnte man in der Tat sogar bei einem überkauften Markt erwägen, Positionen auszubauen und vor allem zu halten, was man hat, statt vorschnell kleine Gewinne mitzunehmen.

Aber nichts davon ist ja der Fall. Und selbst, wenn man so tun würde, als hätten die Notenbanker von US-Notenbank und EZB keine Ahnung, die seit Donnerstag davor warnen, solche (ohnehin nur in der trügerischen Jahresrate) erfreulich ausgefallenen Inflationsdaten überzubewerten, müsste man festhalten: Das sind US-Daten gewesen, nicht die unseren. Europa ist in einer, was die Inflation angeht, problematischeren Lage. Wegen der weit stärker gestiegenen Erzeugerpreise, die sich bislang viel weniger in der Kernrate der Teuerung zeigen als in den USA. Und wegen des trotz der momentanen Erholung insgesamt schwachen Euros, der die Inflation noch anheizt.

Solange das Umfeld bärisch ist, sind bullische Chartmuster immer welche auf Abruf. Eine Hoffnungs-Kaufwelle kann hartnäckig sein. Und dass am Freitag eine in einem solchen Umfeld die Kurse tendenziell ziehende Abrechnung am Terminmarkt ansteht, bietet den bullischen Tradern Rückenwind. Aber man sollte, solange die Rahmenbedingungen in die Gegenrichtung weisen, bei Long-Trades nicht auf mögliche Ziele schauen, sondern immer den Blick nach unten gerichtet lassen, um sofort die Reißleine ziehen zu können, wenn das Kartenhaus der Hoffnung beginnt, in sich zusammenzufallen.

In diesem Fall würde sich als Orientierung für eine Absicherung aggressiver Long-Trades der Bereich knapp unter 25.000 Punkte anbieten. Denn fiele der Index dorthin zurück, wäre er immerhin schon mal wieder unter die flachere der Abwärtstrendlinien zurückgefallen. Für mittelfristig ausrichtete Trades wäre als Basis eines Stoppkurses ein Level knapp unter 23.500 Punkten opportun. Dort liegt die Nackenlinie des im September/Oktober entstandenen Doppeltiefs, das Basis dieser bislang ungebrochenen und dynamischen Rallye wurde. Die, wie gesagt, weitergehen kann … aber eben nicht muss.

MDAX: Monats-Chart vom 14.11.2022, Kurs 26.304,83 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX
Top Flop Aktien – Übersicht der Gewinner und Verlierer

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Vorherige Analysen des MDAX Index

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Dass es am 13.10. gelang, den MDAX auf dem Weg zu neuen Jahrestiefs abzufangen, schuf die Basis für ein perfektes Doppeltief, das die Basis einer soliden Gegenbewegung nach oben werden könnte. Aber genau da, wo es darauf ankommt, machen sich die Käufer rar. Wieso?

Börse und Fußball haben zwar herzlich wenig miteinander gemein, aber in manchen Situationen passen die Vergleiche dann eben doch. Das, was wir gerade beim MDAX sehen ähnelt einem Elfmeter, der ein ganzes Turnier entscheiden würde. Geht das Ding an den Pfosten und erreichen die Gegenspieler den Ball, würde die Sache massiv nach hinten losgehen. Und niemand kann sich in einem solchen Abwärtstrend, der ja auch im Fall der Vollendung des Doppeltiefs intakt blieben würde und bei solchen Rahmenbedingungen sicher sein, dass Käufe, die den MDAX über die Nackenlinie dieses potenziellen, noch nicht vollendeten Doppeltiefs bei 23.513 Punkten tragen würden, nicht sofort abverkauft und zum Bumerang würden.

Also hofft man, dass irgendjemand anders sein Kapital dafür einsetzen und für die anderen die Kohlen aus dem Feuer holen wird. Was indes seit fünf Handelstagen nicht passiert.

Expertenmeinung: Das Problem ist: Die Rahmenbedingungen sind bärisch, das ist auch denen klar, die durchaus nichts gegen eine ordentliche Rallye mit 15 oder 20 Prozent Reichweite einzuwenden hätten. Und die nächste Widerstandszone oberhalb der Nackenlinie des Doppeltiefs würde bereits bei 24.367 zu 24.844 Punkten warten und wird auch noch durch die steilere der beiden mittelfristigen Abwärtstrendlinien verstärkt. Hinzu kommt:

Das Gros der MDAX-Unternehmen wird in den kommenden drei Wochen seine Quartalszahlen und einen aktualisierten Ausblick melden. Und selbst, wenn Ersteres noch manierlich ausfallen würde: Dass die Gesamtjahresprognosen bzw. Ausblicke Richtung 2023 nach oben korrigiert werden, dürfte eine Ausnahme sein. Und das ist nicht nur den Bären bewusst, sondern auch dem bullischen Lager. Wer wollte da vorangehen und auf eigenes Risiko versuchen, den Ball ins Tor zu befördern, wenn man doch darüber hinaus sieht, dass die anderen Käufer zögern und es der Gegenseite seit Tagen gelingt, den Index von dieser Nackenlinie fernzuhalten, obgleich der DAX als „großer Bruder“ zuletzt besser lief?

Sich gegen den übergeordneten Trend zu stellen ist fast nie eine gute Idee. Diese uralte und essentielle Börsenregel ist weithin akzeptiert, so lange man sich in einer Hausse bewegt und dieser Trend, dem man folgen sollte, nach oben weist. Aber à la Baisse spekulieren relativ wenige, weil das immer noch den Ruf hat, komplizierter und gefährlicher zu sein. Daher findet die Regel „folge dem Trend“ in einer Baisse auf einmal weit weniger Zustimmung. Aber wenn man sich das Chartbild des MDAX einmal emotionslos betrachtet, kommt man nicht umhin einzusehen:

Nach oben bliebe der Weg auch dann steinig, wenn es in den kommenden Tagen doch gelingt, dieses Doppeltief zu vollenden. Sich da gegen den übergeordneten Trend und die bislang eben noch klar bärischen Rahmenbedingungen zu stellen, wäre nur etwas für sehr erfahrene und konsequente Trader, die den Markt nonstop im Blick behalten können.

Chart vom 24.10.2022, Kurs 23.241,83 Punkte, Kürzel MDX | Online Broker LYNX
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Jetzt ist also auch das dritte Quartal mit einem Verlust zu Ende gegangen. Von Gegenwehr der Bullen war zuletzt nichts zu sehen. Nicht gut für die Käuferseite. Aber erst, wenn man den MDAX auf Monatsbasis betrachtet, sieht man, wie brenzlig die Sache jetzt wirklich ist.

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Natürlich sieht der MDAX-Chart auf Tagesbasis fatal aus. Die mittelfristigen Abwärtstrendlinien haben sich als solide Hürden erwiesen. Jedes neue Zwischenhoch von Belang lag in diesem Jahr unter dem vorherigen, die Chance auf einen Doppelboden ergab sich im Jahresverlauf gleich dreimal … und wurde dreimal von den Verkäufern und Short-Sellern eliminiert.

Tageschart vom 30.09.2022, Kurs 22.370,02 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Andererseits ist der MDAX zum Quartalsultimo derart weit von den beiden derzeit tonangebenden Abwärtstrendlinien entfernt und zugleich aus markttechnischer Sicht überverkauft, dass es doch zumindest zu einer erneuten Rallye an eben diese Linien kommen könnte, die derzeit bei 25.500 und 26.600 Punkten verlaufen? Im Idealfall fast 20 Prozent Luft nach oben, das wäre doch wenigstens etwas und für kurzfristige Trader genug, um sich mal wieder auf der Long-Seite zu versuchen. Aber lassen die Bären das zu?

Expertenmeinung: Es wäre überraschend, wenn die Bären jetzt einfach das Feld räumen, mit Beginn des neuen Quartals womöglich sogar ins Bullen-Lager überlaufen würden. Die Rahmenbedingungen sprechen für die Fortsetzung der Baisse. Ob schon genug „Krise“ in den Index eingepreist ist, weiß man nicht, weil derzeit in Bezug auf die Entwicklung der kommenden Monate „Sichtweite Null“ herrscht und bei der Bekämpfung der Inflation durch den Zins-Hammer viel schiefgehen kann.

Außerdem haben sie den MDAX jetzt in eine Position gebracht, die ihnen die Chance bietet, den Abverkauf kurzfristig noch deutlich zu intensivieren. Eine solche Chance lässt man vielleicht liegen und deckt seine Short-Trades ein, wenn man wittert, dass „good news“ um die Ecke warten. Aber jetzt stehen erst einmal die Bilanzen des dritten Quartals an. Und erste Gewinnwarnungen deuten an, dass die wohl großenteils den Short-Sellern in die Karten spielen werden. Worum geht es bei dieser vorgenannten Ausgangsposition?

Monatschart vom 30.09.2022, Kurs 22.370,02 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Das sieht man nur, wenn man sich den MDAX im ganz langfristigen Zeitfenster auf Monatsbasis ansieht. Da erkennt man, dass der Index in eine langfristig entscheidende Unterstützungszone hineingerutscht ist. Die besteht aus den Hochs der Jahre 2015 und 2016, den Tiefs der Jahre 2018 und 2019 und, weit wichtiger noch, aus der 2009 begonnen, langfristigen Aufwärtstrendlinie und einer flacheren Linie, die das 2009er-Tief mit dem Corona Crash-Tief verbindet. All das liegt zwischen 20.900 und 23.200 Punkten. Was bedeutet: Die untere Begrenzung dieser Zone ist jetzt weniger als sieben Prozent entfernt. Es wird also in den kommenden Wochen zu einer Entscheidung kommen müssen. Wer wird sich durchsetzen?

Es ist davon auszugehen, dass das bärische Lager den Durchbruch zumindest versuchen wird. Man hat die Rahmenbedingungen im Rücken und ist, das zeigt selbst ein flüchtiger Blick auf das Chartbild, derzeit stärker. Ob der Durchbruch aber auch gelingt, ist eine andere Frage. Denn diejenigen, die mit einer neuen Verkaufswelle viel zu verlieren hätten, vor allem große, institutionelle Investoren, dürften die Verteidigung dieser bereits deutlich angekratzten Zone natürlich zumindest versuchen.

Gelingt es ihnen, die Bären aufzuhalten, würden viele Short-Seller wohl schnell umdisponieren. Immerhin wäre der jetzt erreichte Bereich ideal, um Short-Gewinne mitzunehmen. Dann wäre die Rallye tatsächlich da, ein Run Richtung der Abwärtstrendlinien denkbar. Aber eben nur dann. Und solange nicht wenigstens der Widerstandsbereich 24.515/24.845 Punkte überwunden wurde, könnten die Bären kleine Gegenreaktionen problemlos einfach laufen lassen, dort zurückschlagen und sich dann erst daran machen, den langfristigen Aufwärtstrend zu brechen. Unterhalb dieser Zone 24.515/24.845 Punkte sollte man sich daher hüten, vorschnell die Seiten zu wechseln und Long zu gehen.

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Der MDAX sieht schon in einem Chart auf Tagesbasis äußerst bärisch aus, immerhin schloss er gestern auf einem neuen Jahrestief. Aber wenn man mal einen Schritt zurücktritt und sich das „Große Ganze“ auf Monatsbasis ansieht, wird es richtig brenzlig.

Denn der MDAX, der „Index der zweiten Reihe“, rutscht gerade auf die übergeordnete Aufwärtstrendlinie zu. Auf eine Linie, die beim DAX noch weit entfernt ist, beim MDAX aber bereits in Schlagdistanz geraten ist. Auf die Linie also, die den Index seit März 2009 begleitet und aktuell bei etwa 23.000 Punkten verläuft.

Es gäbe noch eine Art „Sprungtuch“ für die Bullen, das ist die Unterstützungszone zwischen 21.160 und 21.680 Punkten, die sich aus dem Jahreshoch 2015 und dem Tief des Jahres 2018 zusammensetzt. Aber so, wie der Index aktuell daherkommt, stellt sich schon die Frage: Würde diese letzte Verteidigungslinie der Bullen auch halten, falls sie getestet wird?

Expertenmeinung: Denn dafür müsste ja erst einmal jemand da sein, der auch verteidigen will. Bislang lassen sich die Käufer aber nicht blicken, obgleich die vergangenen Tage genau der rechte Moment gewesen wären, um den MDAX aufzufangen. Sie sehen es im Chart auf Tagesbasis:

MDAX: Tages-Chart vom 20.09.2022, Kurs 23.759,51 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Im Gegensatz zum DAX hatte der MDAX das März-Tief im Juli bereits deutlich unterschritten. Die darauffolgende Gegenbewegung blieb am oberen Ende des Abwärtstrendlinien-Fächers hängen und führte Anfang dieses Monats zu einem Test des Juli-Tiefs. Erneut kamen Käufe auf … aber die wurden diesmal bereits an der mittleren Linie des Abwärtstrendlinien-Fächers abgefangen. Der MDAX fiel erneut und aus Sicht der Bullen unerfreulich frühzeitig, denn das machte deutlich:

Die Verteidiger des Juli-Tiefs waren entweder nicht allzu zahlreich oder nicht allzu entschlossen. Die Folge war ein neues Tief am Freitag, zur Abrechnung der Derivate an der Terminbörse. Das hätte erneut eine Chance sein können, denn:

Es war erkennbar, dass man hier, beim MDAX, versuchte, die Abrechnung des Futures bzw. der MDAX-Optionen so tief wie möglich zu vollziehen, die Bären waren also dominant. Nur fiel deren Intention, diese Abrechnung der Derivate, ja ab Montag weg. Man hätte das Ruder also herumreißen können. Bzw. müssen, wären die Bullen hier noch einigermaßen nennenswert vertreten. Doch Sie sehen: Da passiert bislang nichts.

Sollte die heutige US-Notenbankentscheidung keine Rallye hervorbringen, von der sich der MDAX anstecken lassen könnte, wäre die Möglichkeit, dass er diese langfristige Trendlinie um 23.000 Punkte nicht nur testet, sondern zum Monatsende auch bricht, deutlich gestiegen. Und dann ginge es gleich um das oben genannte „Sprungtuch“. Das ist somit derzeit kein Index, bei dem man auf der Long-Seite etwas riskieren sollte!

MDAX: Monats-Chart vom 20.09.2022, Kurs 23.759,51 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX
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Im Jahressaldo hatte der MDAX zeitweise knapp über 30 Prozent verloren. Doch seit einigen Wochen greifen die Käufer wieder zu. Wie weit kann das führen? Das kommt auf eine Zone an, die genau jetzt umkämpft ist. Wird sie überboten, wäre nach oben noch einiges drin.

Die gestrigen US-Inflationsdaten lösten am deutschen Aktienmarkt eine kleine Erleichterungsrallye aus. Auch der MDAX war mit dabei, legte zwei Prozent zu und hielt damit die Tür für weitere Kursgewinne offen. Zumindest aus charttechnischer Sicht, denn dass die US-Teuerung im Juli gegenüber dem Vormonat unverändert blieb, hätte sich, wer einen Blick auf die Kursbewegungen des US-Rohöls geworfen hätte, eigentlich denken können. Eine Entwarnung bei der Inflation oder sogar die Wende ist damit noch nicht gegeben. Hinzu kommt, dass auch die anderen Rahmenbedingungen mehrheitlich bärisch sind und vorerst wohl noch bleiben werden. Beim Konsum, dem Rückgrat des Wachstums, klemmt es. Die Unternehmensdaten sind bestenfalls gemischt. Und der anstehende Wegfall der Steuerminderung auf Kraftstoffe sowie der baldige Beginn der Gaspreisumlage, beides wird die Inflation hierzulande daran hindern, kurzfristig zu sinken.

Kann der Index also wirklich noch nennenswert etwas nach oben zuwege bringen, nachdem er zuletzt immerhin schon gut 15 Prozent über das im Juli markierte, bisherige Jahrestief gestiegen ist?

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Expertenmeinung: Möglich ist es, sicher natürlich nicht. Aber das Besondere an Rallyes im Bärenmarkt ist, dass sie nicht nur verblüffend weit reichen, sondern auch gegen bärische Rahmenbedingungen laufen können, weil viele eher auf steigende Kurse als auf sich aufhellende Daten reagieren. Letzteres hat man immer im Blick, das andere weniger … und viele haben auch nicht die Fachkenntnis, Bilanzen und Konjunkturdaten lückenlos einschätzen zu können.

Die Stimmung macht die Kurse … und die Kurse wiederum die Stimmung. Das kann zu einem geschlossenen Kreislauf werden, der die Faktenlage aussperrt, das funktioniert bei Rallyes wie bei Selloff-Phasen gleichermaßen. Nicht auf Dauer, aber doch durchaus lange … vorausgesetzt, das Momentum der Aufwärtsbewegung bleibt intakt und wichtige Hürden werden nicht allzu intensiv von bärischen Tradern verteidigt. Und damit kommt es jetzt für den MDAX darauf an, denn solche wichtige Hürden hat er gerade angesteuert.

Ein Doppeltief in der ersten Juli-Hälfte hatte den MDAX in die aus den Tiefs vom März und Mai zusammengesetzte Widerstandszone 27.386/27.640 Punkte getragen. Die wurde vergangene Woche auch überboten, aber dann gingen den Käufern Geld, Zuversicht oder beides aus: der MDAX kam zurück. Dadurch entstand die dritte, flachere Abwärtstrendlinie seit Jahresbeginn. Wir sehen damit einen Trendlinien-Fächer, weil zweimal der Ausbruch über den Abwärtstrend kurz danach abgefangen wurde. Ein hartnäckiger Widerstandsbereich, wenn der Index dort hinein zurückkommt, aber eine umso massivere Supportzone, wenn es beim nächsten Anlauf gelingen würde, diesen Fächer diesmal deutlicher zu überbieten.

Aber um Stimmung und Momentum positiv zu halten, gälte es jetzt erst einmal, diese Zone, die durch den zuvor überwundenen Bereich 27.386/27.640 Punkte noch verstärkt wird, zu halten. Die gestrigen Käufe waren dazu ein erster, wichtiger Schritt. Denn der MDAX drehte genau auf Höhe der im Fächer verlaufenden, im Chart blau gehaltenen 20-Tage-Linie aufwärts – ein Hinweis, dass das bullische Lager bereit und willens ist, einen neuen Abwärtsschub abzuwehren. Ob Bereitschaft und Willen aber ausreichen, würde sich erst erweisen, wenn der Index durch diese Zone erneut nach oben durchbricht. Das Vorwochen-Zwischenhoch bei 28.350 Punkten und mit ihm dann auch die oberste Linie des Fächers müssten eindeutig und auf Schlusskursbasis bezwungen werden, dann könnte es weitergehen, dieses fragile und doch oft hartnäckige Wechselspiel, in dem die Kurse steigen und die Stimmung aufhellen, was daraufhin erneut zu steigenden Kursen führt.

MDAX: Monats-Chart vom 10.08.2022, Kurs 27.818,28 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Misslingt das indes, indem der MDAX mit Schlusskursen unter 26.000 Punkten signifikant nach unten aus dem Trendlinien-Fächer herausfällt, dürften die insgesamt weiter bärischen Rahmenbedingungen die Anleger rasch wieder einholen.

MDAX: Tages-Chart vom 10.08.2022, Kurs 27.818,28 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX
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Der MDAX drehte Ende letzter Woche noch oberhalb des Anfang des Monats markierten Jahrestiefs und hat das dazwischen liegende Hoch bereits überwunden. Das sieht nach einer vollendeten Wende aus. Aber bis jetzt sieht das eben nur so aus. Ist das eine Falle?

In den Medien war zu lesen, die Hoffnung habe die Anleger in den Markt zurückgebracht, weshalb u.a. der MDAX am Dienstag kräftig Boden gutmachte. Bei solchen Aussagen sollte man sich erst einmal ein paar Fragen stellen. Erstens: Kaufen Anleger denn sonst ohne Hoffnung? Tun sie nicht. So gesehen ist es normal, dass hoffnungsvolle Akteure kaufen.

Zweitens: Worauf genau hoffen sie denn? Darauf, dass dann andere auch kaufen und ihre eigenen Käufe so in den Gewinn ziehen? Auch das wäre normal und kein Grund, um diesen Käufen größere Chancen zuzubilligen als anderen Gegenbewegungen in übergeordneten Abwärtstrends. Hoffen sie darauf, dass die Rahmenbedingungen Grund für eine größere Rallye, womöglich gar für die Wende insgesamt geben werden? Dann sollte man vielleicht besser gleich konstatieren, dass da nicht allzu viel daraus wird, denn:

Expertenmeinung: Morgen ist die EZB-Entscheidung. Es wäre eher überraschend, würden die Akteure in einen wirklich nachhaltigen Jubel ausbrechen, wenn die EZB die Zinssätze dann nur um 0,25 Prozent anheben würde (was sie eigentlich so avisiert hatte), statt um 0,50 Prozent. Denn ob Letzteres nicht vernünftiger wäre? Darüber hinaus rollen jetzt die ersten Quartalsbilanzen an. Die zwar teilweise noch gut ausfallen könnten, aber es kommt ja auf den Ausblick an. Und da dürfte es bei der Mehrheit der Unternehmen wenig Argumente zum Einstieg geben, ausgenommen Aktien, die derart brutal zu Boden gegangen sind, dass selbst ein mieser Ausblick ein Grund wäre, in einen überverkauften Titel wieder einzusteigen. So viele, dass das den 50 Aktien umfassenden MDAX in eine echte Aufwärtswende tragen könnte, sind das aber nicht.

Tageschart vom 19.07.2022, Kurs 26.515,53 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Aber über die Skepsis gegenüber der Plattitüde „Hoffnung trieb die Kurse“ hinaus (denn die Käufer waren ja offenbar letzte Woche noch nicht hoffnungsfroh und seither ist nichts passiert, weswegen sie ihre Meinung hätten ändern müssen) wäre da noch die Charttechnik.

Ja, ein über dem letzten Tief liegendes Tief ist gut. Dass das Zwischenhoch leicht überboten wurde, auch. Das kann die Basis einer größeren Rallye werden. Aber was es bislang de facto ist, ist eine „bear flag“, eine Flaggenformation innerhalb eines intakten Abwärtstrends. Solche Flaggen sind Konsolidierungsformationen, das heißt: Nicht immer, aber in der Mehrzahl der Fälle wird eine solche Flagge nach unten verlassen und setzt damit den Abwärtstrend fort.

Und diese Flagge bewegt sich unterhalb allen mittelfristig relevanten Widerstandslinien. Daher wäre es ratsam, in Sachen Wende noch skeptisch zu bleiben, zumal der Index, das sehen wir im langfristigen Chart auf Monatsbasis, auch nicht auf irgendwelchen wichtigen Unterstützungslinien aufgesetzt hatte, die ihm Rückenwind liefern könnten. Der MDAX müsste wenigstens über die Widerstandszone 28.857 zu 27.640 Punkte hinaus, die Tiefs der Monate März und Mai, um ein echtes Signal zu generieren. Denn bei allem, was sich darunter abspielt, warten die großen Adressen unter den Short-Sellern ohnehin in aller Ruhe ab, bis die Bullen müde werden, bevor sie auch nur daran denken zu zeigen, dass sie noch da sind!

Wochenchart vom 19.07.2022, Kurs 26.515,53 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX