MDAX aktuell MDAX: Wird das etwa schon wieder eine Bullenfalle?

News: Aktuelle Analyse des MDAX Index

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MDAX
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Ticker: MDAX
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Kommt der MDAX jetzt endlich nach oben in Fahrt oder sehen wir gerade schon wieder den Beginn einer Bullenfalle? Am Freitag notierte der 60 Aktien umfassende MidCap-Index letztlich dort, wo er am Hoch Anfang Juni auch schon stand. Die vergangenen zwei Monate waren geprägt von kurzen, dynamischen Phasen über wenige Tage und ansonsten von viel Wassertreten. Und wirklich überraschend ist das ja auch nicht.

Denn man hatte zwischen Mitte März und Anfang Juni in Windeseile den Großteil des „Corona-Crashs“ wieder aufgeholt, wobei den meisten Akteuren natürlich klar war, dass sie damit eine gewagte Wette auf eine Zukunft eingingen, in welcher die Pandemie schnell überwunden und die Wirtschaft schnell wieder auf vorherigem Niveau sein würde. Beides ist bislang nicht eingetreten. Und so schwebt der MDAX seit zwei Monaten im luftleeren Raum. Unterstützt von der Hoffnung, dass die eingepreiste Wende rechtzeitig kommt, bevor die ersten Marktteilnehmer das Geld wieder vom Tisch nehmen … und zugleich gebremst dadurch, dass aus der Hoffnung bislang einfach keine Fakten werden wollen.   

Chart vom 14.08.2020, Kurs 27.313,16 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Die nötige Belebung der Konjunktur wird sich nicht in den kommenden Wochen einstellen, bislang spricht nichts dafür. Mit der Geduld ist das daher so eine Sache. Werden zu viele Marktteilnehmer nervös, kann sie schlagartig bei allen dahin sein. Denn gerade in Phasen wie diesen belauert man sich gegenseitig. Niemand mag zu früh handeln, man könnte ja auf dem falschen Fuß erwischt werden. Andererseits will niemand zu spät reagieren. Das ist ein typischer Nährboden für Kauf- oder Verkaufslawinen. Sobald sich die ersten in Bewegung setzen, reagieren die meisten anderen sofort und ziehen mit.

Dabei ist die Oberseite zwar der steinigere Weg angesichts dieser großen Schere zwischen Kursniveau und Realität. Aber ein Aspekt dürfte den Akteuren als Argument bislang genügen, die Stellung noch zu halten: Diese Schere gibt es seit Monaten und sie schließt sich nicht, warum also sollte sie nicht noch ein wenig weiter auseinander klaffen können? Aber kann sich der MDAX in dieser Konstellation überhaupt noch nennenswert bewegen? Das könnte er. Denn solange keine klaren Fingerzeige von den Rahmenbedingungen kommen, dünnen die Umsätze sukzessiv aus. Mittel- und langfristige Akteure warten ab … und der Anteil an kurzfristigen Trades steigt dadurch. Und die Kurzfrist-Trader agieren vor allem auf charttechnischer Ebene und scheren sich wenig um die fundamentalen Aspekte.

Eine solche Verlagerung auf die Trading-Ebene bringt zwar eher keine großen Trendimpulse hervor, es sei denn, es kämen Nachrichten, die einen technisch induzierten Impuls faktisch unterstützen und so dazu führen, dass mittel- und langfristige Akteure in einen laufenden Trader-Impuls hinein aktiv werden und diesen dadurch intensivieren und verlängern. Aber auch ein Trading-Impuls kann reichen, um lukratives Gewinnpotenzial für agile Trader zu eröffnen. Nur müsste er eben auch wirklich kommen. Das, was wir in den vergangenen Tagen zu sehen bekamen, war keiner.

Schon im Juli wurde ein grundsätzlich bullisches Signal in Form von Schlusskursen über dem markanten Juni-Hoch zum Rohrkrepierer. Der Index setzte umgehend wieder zurück und testete die im Tageschart dick schwarz markierte 200-Tage-Linie. Im Verlauf der vergangenen Woche gelang der Ausbruch nach oben erneut … und wieder ging nicht wirklich etwas voran: Diesmal blieb er zuvor am Zwischentief von Ende Januar hängen und setzte am Freitag in den Bereich des Juni-Hochs und der 20-Tage-Linie zurück.. Noch ist dadurch nichts angebrannt, aber:

Chart vom 14.08.2020, Kurs 27.313,16 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Der Chart auf Monatsbasis zeigt deutlicher, dass der MDAX jedes Mal auf Abgabedruck trifft, wenn er sich dem ins Jahr 2018 zurückreichenden Widerstandsbereich um 27.500 Punkte nähert. Gut möglich also, dass wir hier die nächste Bullenfalle sehen. Um das zu verhindern, müssten die Trader umgehend klare Zeichen nach oben setzen und den Widerstand bei 27.940 Punkten auf Schlusskursbasis klar überwinden. Passiert da nichts, könnte die 200-Tage-Linie ihren nächsten Test sehen. Und auch den Bullen dürfte klar sein: Je öfter man irgendwo anklopft, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass einem geöffnet wird.

Den aktuellen Kurs und Chart des MDAX sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

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Ronald Gehrt, Chart- & Fundamentalanalyst | LYNX Börsenexperten
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Vorherige Analysen des MDAX Index

Wenn man sich den Chart des MDAX auf Monatsbasis ansieht, beschleicht einen der Eindruck, die Anleger hätten die Themen Pandemie und Rezession bereits wieder „ausgepreist“. Gut über drei Viertel des Corona-Crashs ist aufgeholt, das Kursniveau vom vergangenen Herbst wieder erreicht. Jetzt fehlt nicht mehr viel bis zum im Februar bei 29.438 Punkten markierten Allzeithoch. Aber die letzten Schritte bis zum Gipfel sind oft die gefährlichsten. Auch, weil jetzt, da der MDAX an Schwung verliert, die hypnotische Wirkung der Super-Rallye nachlässt, immer mehr Marktteilnehmer auch einmal nach unten schauen und erkennen: Man ist ohne Sicherungsseil unterwegs. Denn nüchtern betrachtet hat diese Rallye schon jetzt eine gewaltige Hypothek auf die Zukunft aufgenommen.

Alleine wenn man sich erinnert, dass das, was über den in der Vorwoche im Hoch erreichten Level hinausgehen würde, im Januar/Februar vor allem im Kielwasser des USA/China-Teilabkommens im Handelsstreit erreicht wurde, müsste man nachdenklich werden. Denn dessen Umsetzung ist derzeit mehr als fraglich, ein Profitieren europäischer Unternehmen von der damals erwarteten Wachstumsbelebung ohnehin.

Und die Rückkehr der „Prä Corona“-Wirtschaftsleistung mag möglich sein, nur wird sich das, darauf deutet die aktuelle Entwicklung hin, nicht in dem Tempo abspielen, das man in der heißen Phase der Kaufwelle im Mai und Juni erwartet hatte. Im Gegenteil, es ist gut denkbar, dass der MDAX momentan ein Niveau erreicht hat, das erst in zwei oder drei Jahren wieder von entsprechenden Gewinnen der im Index notierten Unternehmen unterfüttert wäre. Der Eindruck, dass der Index nach oben ausgereizt ist, verstärkt sich dadurch.

Zuerst hatte man in der völlig undurchsichtigen Phase im Februar und März nach unten überzogen, dann aber aufgrund der psychologisch nachvollziehbaren, immensen Hoffnung, der Spuk sei schnell vorbei, nach oben übertrieben. Irgendwann muss der Markt jetzt in die Schiene der Realität zurückkehren, sich dorthin zurückziehen, wo er nicht überbewertet ist, wo die potenziellen Short-Seller keinen Anlass mehr sehen würden, Druck zu machen und andererseits wieder Spielraum für Reaktionen auf positive Nachrichten wäre. Die Mitte zwischen dem vorherigen Rekordhoch und dem Crash-Tief, das wäre eine logische Größenordnung dafür, das wäre der Bereich um die 23.500 Punkte. Kommt es so?

Der Haken bei solchen Überlegungen ist das Wort „logisch“. Die Marktteilnehmer reagieren eher selten und schon gar nicht mehrheitlich logisch. Auszuschließen ist daher keineswegs, dass sich ein erneuter Abwärtsimpuls, basierend auf dem Platzen zuvor zu hoch gehängter Erwartungen, auch deutlich ausgeprägter darstellt. Was vor allem dann denkbar wäre, wenn zu der Pandemie-Problematik eine Eskalation des Zwists zwischen den USA und China hinzukäme. Ob es so kommt, ist nicht absehbar, für die unmittelbaren Entscheidungen eines Traders ist ein Blick in die Glaskugel aber ohnehin weder nötig noch förderlich.

MDAX Chart auf Monatsbasis vom 24.07.2020, Kurs 26.650,24 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Fakt ist aus charttechnischer Sicht, dass der MDAX in eine Widerstandszone hineingelaufen war, die sich nicht nur aus eher kurzfristigen Hürden zusammensetzt, sondern, das zeigt der Chart auf Wochenbasis, bis ins Jahr 2018 zurückreicht. Um diese zu überwinden, braucht es Argumente. Dabei könnten überraschend starke Quartalsergebnisse bei MDAX-Unternehmen den nötigen Schwung liefern. Aber in den letzten Tagen hat man, ob hierzulande oder an der Wall Street, oft gesehen, dass die Erwartungen der Anleger deutlich höher waren als die oft bewusst zu tief angesetzten Analystenerwartungen und scheinbar gute Zahlen daher abverkauft wurden. Es wird also eng für die Bullen.

Dass der „doppelte Leitstrahl“ der Aufwärtsbewegung in Form der April-Aufwärtstrendlinie und der 20-Tage-Linie (26.760/26.800 Punkte) am Freitag auf Schlusskursbasis gebrochen wurde, ist kein gutes Zeichen. Noch ist dieser Bruch aber nicht signifikant. Erst, wenn die momentan bei 25.800 Punkten notierende, zuvor wochenlang umkämpfte 200-Tage-Linie deutlich (mehr als ein Prozent) gebrochen würde und für mindestens zwei weitere Tage unterboten bliebe, wäre klar, dass das bullische Lager nicht mehr die Kraft hat, einer Rückkehr auf den Boden der Realität zu widerstehen. Dann indes wäre das Potenzial nach unten durchaus nicht zu unterschätzen.

MDAX Chart auf Tagesbasis vom 24.07.2020, Kurs 26.650,24 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

 

 

Noch sind kaum Bilanzen zum zweiten Quartal eingelaufen. Aber man weiß, dass das, was da ansteht, bei den meisten der 60 im MDAX notierten Unternehmen sehr unerfreulich ausfallen wird. Trotzdem macht sich der „Index der zweiten Reihe“ auf, das Juni-Hoch zu überwinden, strebt damit ein neues Hoch in dieser bereits vier Monate anhaltenden Kaufwelle im Anschluss an den „Corona-Crash“ an. Wie ist das möglich, die Marktteilnehmer wissen doch um die fatale Lage?

Das tun sie zwar, aber man kapriziert sich im Lager der Bullen stur darauf, dass die Börse schließlich die Zukunft vorwegnimmt. Also ist das, was in den kommenden Wochen an Ergebnissen auf den Tisch kommt, bloße Vergangenheit und damit nicht entscheidend. Und selbst wenn viele Unternehmen auch das laufende dritte Quartal kritisch sehen würden, könnte man sich darauf verlegen, dass die Rückkehr zur vorherigen Wirtschaftsleistung eben im vierten Quartal beginnt. Dann halt umso dynamischer. Die Parole lautet also: Vergessen Sie die Bilanz-Saison und blicken Sie nach vorne.

Das klingt gut, solche Sprüche werden natürlich gerne auf- und angenommen. Schließlich haben viele, überrollt von der Ereignissen, im Februar und März mangels Stoppkursen nicht verkauft und hoffen inständig darauf, dass die Zukunft die Rückkehr an die alten Rekordleves bringen wird. Und, wenn es nicht zu viele Umstände macht, zügig neue Rekorde erreicht werden. Wer im Lauf der seit März andauernden Rallye Long ging, denkt natürlich ebenso. Und wer als Skeptiker dagegenhielt, auf der Short-Seite darauf wartete, dass die Schwerkraft der Realität diesen Gipfelsturm beenden und einen erneuten Baisseimpuls auslösen würde, ist mittlerweile niedergerungen und daher entweder nicht mehr imstande oder nicht mehr willens, den Kursanstieg abzubremsen.

Was also spräche dagegen, dass gelingt, was man vor drei Monaten sicherlich noch mit großer Mehrheit als unmöglich angesehen hätte: Die Rückkehr an das Rekordhoch vom Februar? Knapp 9.400 Punkte hat der MDAX von seinem März-Tief bereits gutgemacht, noch etwa 2.350 Punkte fehlen, bis die alte Bestmarke von 29.438 Zählern erreicht wäre. Ein Katzensprung. Falls diese aus Sicht der Bullen zweckdienliche Verlagerung der guten Nachrichten in eine nötigenfalls immer weiter auf der Zeitachse nach hinten rückende Zukunft auch weiter funktioniert. Was klappen kann. Aber nicht muss.

Die Achillesferse dieser „Strategie“ ist nämlich, dass diejenigen, die an sie glauben wollen, nahezu durch die Bank wissen, dass sie nur versuchen, ein äußerst riskantes Verhalten zu beschönigen. Wohl fast jedem Marktteilnehmer dürfte klar sein, dass gezielt tief angesetzte Schätzungen bei Bilanzen und Konjunkturdaten oder eine bewusst falsche Interpretation von Daten kein Fundament sind, das flexible, wache Trader davon abhalten könnte, nach einem derart immensen Kursanstieg auch mal Gewinne mitzunehmen. Und wenn dann nicht genug Käufer bereitstehen, um den daraus resultierenden Abgabedruck aufzufangen, geht das Spielchen schief.

Dann würde die künstliche Zuversicht mangels Substanz sofort zu Staub zerfallen und dasselbe gelten wie im Februar: Wer zuerst verkauft, bekommt noch die besten Kurse. Doch die Erfahrung der vergangenen Monate macht deutlich, dass man sich hüten sollte, einfach mal auf der Short-Seite dagegenzuhalten. Das Argument, dass eine Hausse, die auf heißer Luft und Wunschdenken basiert, nicht lange halten kann, hätte man auch schon im April oder im Mai zu Recht anbringen können. Dennoch gingen die Käufe weiter. Was heißt:

MDAX Chart auf Monatsbasis vom 15.07.2020, Kurs 27.078,72 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Noch ist die Long-Seite eben die richtige, auch aus charttechnischer Sicht. Ob man jetzt noch Long einsteigen könnte, ist natürlich diskutabel. Aber Positionen zu halten, bis klar wird, dass diese Rallye wirklich zu enden droht, ist in jedem Fall zu überlegen. Dabei geht es weniger darum, ob der MDAX tatsächlich dieses jetzt nahe gekommene Juni-Hoch (27.243 Punkte) überwindet. Käme es so, könnte er schon im Bereich der 2018er-Hochs um 27.500 oder im Bereich des Zwischentiefs von Anfang Februar bei knapp 28.000 Punkten hängenbleiben, das kann man nicht vorhersagen. Entscheidend für das Halten von Long-Trades ist, was sich unterhalb des aktuellen Kurslevels abspielt.

Derzeit ist es die 200-Tage-Linie, im Chart auf Tagesbasis dick schwarz markiert, auf die es ankommt. Sollte diese momentan bei 25.750 Punkten verlaufende Linie noch einmal deutlicher unterboten werden und dadurch dann auch die April-Aufwärtstrendlinie fallen, die beim kurzen Ausflug des MDAX unter die 200-Tage-Linie im Juni den Abstieg stoppte, wäre es unbedingt zu erwägen, seine Gewinne umgehend in Sicherheit zu bringen.

MDAX Chart auf Tagesbasis vom 15.07.2020, Kurs 27.078,72 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

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Um die 50 Prozent hat der MDAX mittlerweile, von seinem März-Tief aus gerechnet, zugelegt. Vom Schlusskurs des Montags aus fehlen nur noch neun Prozent bis zum bisherigen, im Februar erreichten Verlaufsrekord. Man wäre versucht zu sagen, dass es das jetzt einfach gewesen sein muss, immerhin ist der MDAX auch als der Index der Exporteure, der Maschinenbauer und Automobilindustrie-Zulieferer bekannt. Und wenn die schon so weit gelaufen sind, obwohl die Konjunktur noch gar nicht angesprungen ist, kann da nicht mehr viel Luft sein, es sei denn, nach unten. Richtig? Falsch.

Denn wenn man sich einmal anschaut, wer da von Ende Februar bis gestern im Plus liegt, sind das eben nicht diese vorgenannten Aktien, die man immer mit dem MDAX in Verbindung bringt. Was daran liegt, dass sich das Bild dieses Index in den letzten Jahren gewandelt hat. Dazu trug bei, dass viele Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor so groß wurden, dass sie eine höhere Marktkapitalisierung als viele alteingesessene Maschinenbauer hatten, wodurch letztere aus dem Index flogen. Hinzu kam, dass die letzte Indexreform eine Doppelnotierung erlaubte und seither zugleich 60 statt 50 Aktien im MDAX enthalten sind, dadurch kamen mehrere zugleich im TecDAX notierte Aktien hinzu.

Und diese Neulinge waren es vor allem, die seit dem Tief im März stark gelaufen sind. Gerechnet ab dem 20. Februar, als der MDAX mit 29.438 Punkten sein bisheriges Rekordhoch erreichte, sind es Aktien wie HelloFresh, TeamViewer und Zalando, die die Performanceliste anführen. Die „alte Garde“ des MDAX wie z.B. Hannover Rück, Hochtief, K+S, Rheinmetall oder Airbus, liegen noch weit im Minus. Wenn diese „Klassiker“ auch noch ins Laufen kämen, kann der MDAX dadurch sogar über sein altes Rekordhoch hinaus laufen. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die Akteure keine Rotation vornehmen, indem sie bei den Top-Performern der letzten Wochen den Gewinn mitnehmen und das Kapital dann in die zurückgebliebenen Titel stecken. Aber genau diese Tendenz sehen wir momentan, nicht nur beim MDAX, sondern am Gesamtmarkt.

Auf einmal ziehen die zuvor wochenlang nicht beachteten Aktien klassischer, meist konjunktursensibler Branchen an, während Aktien wie TeamViewer und Sartorius markanten Abgabedruck sehen. Wenn sich das verstetigen würde, würde die Sache zum Nullsummenspiel, weil das Kapital mehr oder weniger im Index bliebe und nur von den einen Aktien zu den anderen wandern würde. Aber …

… da würde man die Rechnung ohne den Wirt, sprich die Anleger machen, denn zuletzt floss wieder netto Geld in den Aktienmarkt. Der Eindruck, die Krise sei schon so gut wie erledigt, wird durch diese Rallye noch forciert und bringt auch frisches bzw. zuvor geparktes Geld an den Markt. Und wenn das noch ein paar Wochen so weitergeht, wäre es egal, welche Sektoren des Index diesen höher ziehen, solange man im MDAX an sich Long wäre.

MDAX Chart auf Monatsbasis vom 08.06.2020, Kurs 26.991,10 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Natürlich ist das Eis dünn, solange man eine Wende feiert, deren wirklicher Zeitpunkt und deren Tragweite völlig offen sind0. Aber bisher scheinen sich die Bullen auf diesem unsicheren Terrain wohl zu fühlen, die Charttechnik weist noch keine Schwächesignale aus. So sind, das sehen Sie im Chart auf Tagesbasis, die beiden größten im Verlauf des Kurseinbruchs entstandenen Kurslücken geschlossen, die 200-Tage-Linie zurückerobert. Der MDAX ist zwar nahe an eine Widerstandszone zwischen 27.366 und 27.535 Punkten herangelaufen. Aber die Stammt aus der Zeit Januar bis August 2018. Ob allzu viele Akteure diese Hürden noch als relevant ansehen, ist zumindest fraglich, daher:

Der Index hat seine Chance, das alte Hoch zu testen und zu bezwingen. Wichtig ist nur, nie ohne „Fallschirm“ zu agieren. Der Chart auf Tagesbasis zeigt die entscheidende Zone, deren Bruch das bullische Bild schlagartig ruinieren würde. Das ist der Bereich aus der 20-Tage- und der 200-Tage-Linie sowie der März-Aufwärtstrendlinie zwischen 25.060 und 25.670 Punkten. Würde diese Zone so signifikant gebrochen, dass auch das obere der beiden großen „Gaps“ aus der Phase des Kurseinbruchs wieder aufgerissen würde (das wäre bei Schlusskursen unter 24.750 Punkten der Fall), würde für die Bullen etwas ganz außerordentlich schieflaufen. Oberhalb dieser Zone aber bleiben die Chancen der Bären derzeit höchst überschaubar.

MDAX Chart auf Tagesbasis vom 08.06.2020, Kurs 26.991,10 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Der Start ins neue Quartal war zwar eine Enttäuschung. Aber das bullische Lager kann sich weiterhin an die Hoffnung klammern, dass es nicht zu einem erneuten Test des bisherigen Tiefs beim MDAX kommt, auch keine umfassende Bodenbildung erfolgt, sondern der Index mit einer V-Formation wieder durchstartet. Dass die Rahmenbedingungen das nicht hergeben, weil weder klar ist, wie groß die konjunkturellen Auswirkungen der Virus-Pandemie sein werden noch, wie lange es dauern wird, den Schaden zu reparieren, mindert diese Hoffnung zwar nicht. Aber sie stellt sie auf höchst dünnes Eis.

MDAX: Wochen-Chart vom 02.04.2020, Kurs 20.488,22 Punkte, Kürzel MDAX | LYNX Online Broker

Und der Chart zeigt, dass der MDAX am Hoch der Gegenbewegung bereits ein Drittel des Kurseinbruchs zuvor korrigiert hat. Damit stellt sich die Frage, ob eine größere Korrektur des Selloff von 50 oder mehr Prozent nicht bereits längst wieder eine Übertreibung nach oben wäre. Klar ist: Diese Frage stellen sich die Bullen nicht. Oft wird der Index einfach als „billig“ eingestuft, weil er derart schnell und weit gefallen ist. Dann wird der Blick ans vorherige Rekordhoch geheftet und errechnet, wie groß der Gewinn wäre, würde man heute einsteigen und der MDAX das Rekordhoch wieder erreichen. Das ist eine typische Denkweise nach solch starken Kurseinbrüchen, die indes meist, sei es in der Baisse 2000 bis 2003 oder in der von 2008/2009, daneben ging. Auch damals gab es vergleichbare Rallyes im Abwärtstrend, die aber immer wieder abverkauft wurden. Und was die Rahmenbedingungen angeht, sind die derzeit sicherlich nicht besser als damals. Aber:

Würde man rein charttechnisch agieren, wäre eine solche V-Formation, ob die nun eine Trendwende vor Dauer hervorbrächte oder nicht, jetzt vorhanden. Und zwar eine nach Lehrbuch, denn zu einer echten V-Formation gehört ein sogenannter „Sockel“, eine Seitwärtsbewegung nach einer ersten, scharfen Aufwärtsbewegung. Erst, wenn diese Seitwärtsspanne dann klar nach oben verlassen wurde, gilt die V-Formation als vollendet, Und diese Chance hätte der MDAX in der Tat.

Sie sehen im Chart, dass sich zwischen 20.029 und 21.426 Punkten eine solche, kurzfristige Seitwärtsrange etabliert hat. Würde die signifikant nach oben verlassen, wäre die Wende vollzogen. Aber zumindest per Donnerstagabend stehen die Chancen dafür nicht allzu gut, denn bislang ist der MDAX an der innerhalb dieser Spanne verlaufenden 20-Tage-Linie (im Chart blau) auf Schlusskursbasis nicht vorbei gekommen. Die kurzfristigen markttechnischen Indikatoren wie der hier abgebildete Stochastik-Oszillator sind schon fast wieder in überkauften Terrain angekommen. Und oberhalb des Sockels der V-Formation warten zahlreiche charttechnische Widerstände in Form der oberen und unteren Begrenzungen von Abwärts-Gaps (Kurslücken), die zwar Kursziele werden können, aber eben auch als Widerstand fungieren.

Der MDAX müsste zumindest die nächstliegende Hürde über dem Sockel, das Tageshoch des 13. März bei 21.721 Punkten, auf Schlusskursbasis überwinden, um diese Formation glaubwürdig zu vollenden. Das ist zwar nicht unmöglich, momentan aber nichts, das man getrost auf der Long-Seite vorwegnehmen sollte!

MDAX: Tages-Chart vom 02.04.2020, Kurs 20.488,22 Punkte, Kürzel MDAX | LYNX Online Broker

 

In den USA herrscht blanke Panik. Nicht die der Baisse, sondern die, die nicht selten mitten während einer Baisse aufkommt: Kaufpanik. Obwohl die Zahlen der bestätigten Erkrankungen dort explodiert und auch nur die getesteten Menschen erfasst, die Zahl der Opfer rapide steigt: Man will dem Präsidenten glauben und zudem, das Geld im Notfall alles repariert. Und wer in Panik unten ausgestiegen ist und plötzlich sieht, dass z.B. der Dow Jones binnen drei Tagen 25 Prozent höher steht (was der Performance von zwei guten JAHREN entspricht) ist das Entsetzen groß: Unten mit Riesen-Minus verkauft und jetzt diese Rallye, so dass man Tausende Dow-Punkte schon „verloren“ hat, das ist die Basis einer Kaufpanik. Und wenn die Emotion Panik erst mal da ist, denken nur wenige daran, dass das Ausmaß des Kurssprungs und die Lage nebst Perspektiven nicht zueinander passen wollen und es doch zumindest mal zu einem Rücksetzer kommen müsste. Es ist interessant, dass diese Panik zwar in Ansätzen auch am deutschen Aktienmarkt zu spüren ist, die Anleger hier aber entweder bessere Nerven haben oder einfach klarer erkennen, wie heftig die Probleme sein werden, diese jetzt noch in voller Fahrt befindliche Abwärtsbewegung der Wirtschaft zu reparieren.

Der MDAX stieg am Donnerstag am weitesten unter den großen deutschen Indizes … aber er blieb dennoch weit hinter dem zurück, was sich momentan an der Wall Street abspielt. Trotzdem sind sich viele sicher: Das war das Tief, die Wende ist so gut wie vollzogen. Denken sie das … oder wünschen sie es sich bloß? Denn natürlich hofft jeder, ob Privatanleger oder große Adresse, dass der Level, auf dem man kauft, nicht wieder unterboten wird, sondern es im Gegenteil ab sofort schnell und weit höher geht. Aber das müssten dann andere erledigen. Die, die noch nicht gekauft haben. Kommt es so?

Wären die Rahmenbedingungen dergestalt, dass man in wenigen Tagen mit positiven Nachrichten rechnen könnte, wäre das möglich. Aber das ist nicht besonders wahrscheinlich, das Gegenteil schon. Und da stellt sich die Frage, auch, wenn der MDAX nicht so schnell und weit gelaufen ist wie die US-Indizes: Warum sollte, wer relativ weit unten eingestiegen ist, in einem solchen Umfeld, nach so rasanten Gewinnen, diese nicht mitnehmen? Eigentlich müsste man daher mit Verkäufen statt mit weiteren Käufen rechnen. Jetzt ist da zwar der Faktor der computergesteuerten Handelsprogramme. Die kaufen oder verkaufen blind und konsequent entlang des kurzfristigen Trends, egal, in welche Richtung der läuft. Aber auf Dauer können sie nicht gegen die Rahmenbedingungen laufen, irgendwann werden sie ausgebremst. Immerhin geht es hier nicht um eine Delle durch den Handelskrieg oder ein nachlassendes Wachstum. Es geht um ein Szenario, das schwieriger in den Griff zu bekommen sein könnte als das 2008/2009. Und noch etwas übersehen die Käufer:

Was extrem schnell und weit fällt, kann auch extrem schnell und weit steigen. In der Relation zu diesem Kurseinbruch sehen wir, auch, wenn es wirkt, als würde der MDAX gerade explodieren, nur die Dimension einer normalen Gegenbewegung. Was man auch daran erkennt, dass der Index im Wochenchart zwar ziemlich stark daherkommt, mit einem „bullish engulfing pattern“ um den Doji der Vorwoche und knapp über der Widerstandslinie in Form des Tiefs von Ende 2018/Anfang 2019. Aber eben nur knapp darüber.

MDAX Chart auf Wochenbasis vom 26.03.2020, Kurs 21.426,13 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Und die Punkte, an denen man damit rechnen könnte, dass die Bären wieder aktiv werden und diese Linien verteidigen, sind noch gar nicht erreicht: Die 20-Tage-Linie, am Donnerstag bei 21.880 Punkten gelegen. Und das Gap, die Kurslücke, die am 12. März entstand und zwischen 21.600 und 22.640 Punkten liegt. Warum sollten die Leerverkäufer, die „Bären“ vorher dagegenhalten? In starken Kaufdruck Short zu gehen bewegt nichts. Wenn die Bullen müde werden, Gewinnmitnahmen einsetzen und der Rallye den Schwung nehmen, dann erst lohnt eine Attacke. Die US-Indizes sehen ähnlich aus. Jetzt sind es die Bären, die den Trend im Rücken haben und nicht nur die Argumente. Jetzt sind sie es, die sich gute Nerven leisten, die warten können. Man sollte daher nicht zu sicher sein, dass die von so vielen erhoffte Wende wirklich bereits jetzt abläuft.

MDAX Chart auf Tagesbasis vom 26.03.2020, Kurs 21.426,13 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX