EURO STOXX 50 aktuell Euro Stoxx 50: Die Bullen pokern hoch. Zu hoch?

News: Aktuelle Analyse des EURO STOXX 50 Index

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EURO STOXX 50
ISIN: EU0009658145
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Zum EURO STOXX 50

Ein mit einem Minus beendeter Januar war eine brenzlige Vorgabe in einem Umfeld, in dem die Rahmenbedingungen den Kursen so immens hinterherhinken. Man sann seitens der großen Adressen auf Abhilfe – und das funktionierte. Bis jetzt zumindest, denn wenn da nicht schnell nachgebessert wird, haben die Bullen zu hoch gepokert.

Die große Zahl an Sparern, die über Fonds, ETFs oder andere passive Investments am Aktienmarkt engagiert sind, liefert das Geld und bestimmt damit letzten Endes den Trend. Die Feinarbeit machen indes die, die dieses Geld verwalten. Da gibt es so manchen altbekannten Trick, um die Stimmung der Anlegerschaft hoch zu halten und auf diesem Weg sicherzustellen, dass der Storm des meist zur Monatswende zufließenden Sparer-Geldes nicht versiegt.

Euro Stoxx 50: Tages-Chart vom 10.02.2021, Kurs 3.648,37 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Der Februar startete furios. Dass schlagartig wieder Leben in einen zuvor müde konsolidierenden Index kam … und das nicht nur beim Euro Stoxx 50, sondern bei den meisten großen Indizes wie DAX oder Dow Jones genauso … zeigt, dass diese „großen Adressen“, die anderer Leute Geld verwalten, sehr bewusst das ihnen zum neuen Monat zugeflossene, frische Kapital in den Markt gegeben haben. Um das Momentum des Aufwärtstrends zu erhalten … und um die Anleger in Kauflaune zu halten.

Den aktuellen Kurs und Chart des EURO STOXX 50 sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Das klappte tadellos, doch die Vehemenz der Aufwärtsbewegung ließ einige Tage nach Monatsbeginn beim Euro Stoxx 50 ebenso wie bei den anderen Leitindizes nach. Das deutet an, dass das Gros des frischen Geldes bereits in den Markt gegeben wurde. Und allzu viel „Nachschlag“ können die institutionellen Investoren da nicht liefern, denn die Barreserven sind traditionell klein und bei ETFs naturgemäß sogar nahezu null. Also, wie weiter?

Es war auffällig, dass Dow, DAX und Euro Stoxx allesamt am vergangenen Freitag knapp unter dem letzten Verlaufshoch „geparkt“ wurden. Bei DAX und Dow Jones war das der Verlaufsrekord, beim Euro Stoxx 50 immerhin der höchste Stand seit dem „Corona-Crash“. Dieses Hoch, am 8. Januar bei 3.657,83 Punkten markiert, sollte am Montag mit Schwung genommen werden. Das Prozedere ist dabei fast immer gleich:

Der Index wird noch vor dem offiziellen Handelsbeginn über den Future über das alte Hoch gezogen. Das soll Anschlusskäufe bullischer Trader sowie Eindeckungen überrumpelter Bären auslösen und dadurch den Ausbruch zum Selbstläufer machen, der die eigene Barreserve schont. Aber Sie sehen es im Chart auf Tagesbasis: Es klappte nicht. Weder am Montag noch am Dienstag oder Mittwoch gelang es, den Euro Stoxx 50 von diesem Januar-Hoch nach oben zu lösen. Wie viel Zeit bleibt, um das noch hinzubekommen?

Wenig. Dass ein Index mehr als eine Woche an einem solchen neuralgischen Punkt stillhält, ist selten. Es heißt also für heute und morgen: hopp oder topp. Das Problem ist, dass es keine wirklich wichtige Unterstützung in der Nähe gibt, sie sich im Fall eines drohenden Fehlschlags als Sprungbrett für einen zweiten Anlauf nutzen ließe.

Die 20-Tage-Linie wurde zuletzt zu oft über- und unterkreuzt und läuft zudem seitwärts, was ihre Relevanz mindert. Damit käme, sollte der Index nach unten abdrehen, umgehend die Supportzone 3.400/3.451 Punkte, im besten Fall das knapp darüber liegende Januar-Tief bei 3.474 Punkten, in Spiel. Sprich:

Wenn diese Pokerpartie, die auf die Anschlusskäufe der Trader wettet, schiefgeht, könnte der Euro Stoxx 50 schnell wieder dorthin zurückfallen, von wo aus das frische Geld der Sparer ihn mit dem Zweck der Wiederbelebung des Momentums Anfang Februar in eine Rallye geführt hatte. Die bullische Seite ist also gefordert, umgehend „nachzuschieben“.

Euro Stoxx 50: Monats-Chart vom 10.02.2021, Kurs 3.648,37 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX
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Ronald Gehrt, Chart- & Fundamentalanalyst | LYNX Börsenexperten
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Vorherige Analysen des EURO STOXX 50 Index

Seit der November zum „Game Changer“ wurde, indem der europäische Leitindex als Reaktion auf die US-Wahl und die Meldungen über sukzessiv einsatzbereite Impfstoffe durchstartete, haben die Bullen nichts zugelassen, was die bullische Tendenz infrage stellen würde. Natürlich hat das Tempo der Aufwärtsbewegung nachgelassen, eine Super-Rallye, wie sie der Euro Stoxx 50 zwischen dem 2. und dem 11. November zeigte, kann man nicht einfach fortführen. Aber der Chart auf Tagesbasis zeigt:

Seither kam es nur zu einem nennenswerte Rücksetzer: am 21. Dezember. Und da drehte der Index genau da nach oben, wo er es musste, um klar bullisch zu bleiben und dadurch deutlich zu machen, dass das Bären-Lager nichts zu melden hat: in der Supportzone 3.395/3.451 Punkte. Damit ist der Index gut ins neue Jahr gekommen, der Euro Stoxx 50-Chart auf Monatsbasis zeigt, dass er auf dem Weg ist, die dritte grüne Monatskerze in Folge zu erreichen und damit weiterhin Kurs auf den Level zu halten, der jetzt das nächste, mittelfristig relevante Kursziel wäre: Das 2020er-Verlaufshoch, im Februar bei 3.867 Punkten markiert.

Euro Stoxx 50: Tages-Chart vom 12.01.2021, Kurs 3.612,13 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Das sieht also gut aus … aber bei den derzeitigen Rahmenbedingungen laufen die Bullen trotzdem wie auf rohen Eiern. Sie wissen natürlich genau, dass die in zwei, drei Wochen beginnende Saison der Quartalsbilanzen eine Wundertüte sein wird, angesichts der weiterhin massiven Verunsicherung der Verbraucher und der offenen Frage, wann sich das Thema Corona denn wohl abhaken ließe. Hinzu kommt die brenzlige Situation in den USA. In einem solchen Umfeld hätten sie gegen gezielte bärische Attacken wohl keine Chance, nur:

Die Bären zeigen sich bislang nicht. Noch erscheint den größeren Tradern die Dynamik der Aufwärtsbewegung zu stark zu sein, um aktiv dagegen zu halten. Denn das tut man vorzugsweise erst, wenn die Gegenseite schwächer wird, wenn die Umsätze Hand in Hand mit dem Momentum der Aufwärtsbewegung abnehmen. Denn dann muss man nicht unnötig viel Geld in die Hand nehmen, um die Rallye zu bremsen, sondern kann sie am Totpunkt mit moderatem, aber gezieltem Kapitaleinsatz „abschießen“. Wo könnte eine solche Situation entstehen, worauf sollte man als bullischer Akteur achten, um nicht überrollt zu werden, wenn die Bären dann eben doch unversehens zuschlagen?

Hierfür finden sich im Chart auf Tagesbasis zwei Schlüsselzonen. Die obere ist die Kreuzunterstützung aus der 20-Tage-Linie und der unteren Begrenzung der steilen Keilformation um 3.555 Punkte. Sollte dieser Bereich fallen, wäre das auf kurzfristiger Ebene bärisch und würde den Weg aus charttechnischer Sicht bis hinunter zur zweiten Schlüsselzone freigeben. Die liegt dort, wo der Euro Stoxx 50 am 21. Dezember so perfekt nach oben drehte:

In der Supportzone 3.395/3.451 Punkte. Würde der europäische Leitindex diesen Bereich durchbrechen, dürften sich vermehrt Short-Trades zeigen, zugleich das Volumen der Gewinnmitnahmen massiv zunehmen. Ein Bruch dieser Zone auf Schlusskursbasis wäre damit ein mittelfristig relevantes Short-Signal, dessen erstes Ziel die momentan bei 3.230 Punkten verlaufende 200-Tage-Linie wäre. Noch deutet nichts ein solches Ungemach an, wenn man sich alleine den Chart betrachtet. Aber immer dann, wenn sich Kurse und Rahmenbedingungen so deutlich auseinander bewegen wie seit Anfang November, kann es nicht schaden zu wissen, wo man besser die Reißleine ziehen sollte.

Euro Stoxx 50: Monats-Chart vom 12.01.2021, Kurs 3.612,13 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Scheinbar gelingt doch noch eine Einigung in allerletzter Minute in Sachen „Post BrExit“-Vertrag mit den Briten. Meldungen in dieser Hinsicht kamen an Heiligabend im Verlauf des Nachmittags. Das könnte den Euro Stoxx 50 heute zum Start in diese „Woche zwischen den Jahren“ antreiben … aber braucht es die Nachricht über diesen „Deal“ überhaupt, wenn sich die Bullen in den Tagen zuvor derart unverwundbar gegenüber bärischen Einflüssen gezeigt haben? Man könnte die Frage auch anders stellen:

Würde eine solche Einigung den europäischen Leitindex wirklich deutlich und nachhaltig höher ziehen, obwohl man im Chartbild nicht erkennen kann, dass sich Akteure zuvor aus Sorge, es käme zu einem Austritt der Briten ohne Vertrag, zurückgezogen haben? Und die nächste Frage, die sich über Weihnachten aber womöglich nur die Skeptiker stellten, lautet: Kann dieses Ignorieren negativer Nachrichten, wie dies in der Vorweihnachtswoche gelang, wirklich auf Dauer funktionieren? Immerhin ist die Liste der „bad news“ nicht unbedingt kurz und deren Wirkung auf die Rahmenbedingungen nicht zu unterschätzen:

Die Meldungen von Mutationen des SARS COV2-Virus häufen sich. Und dass veränderte Viren mittlerweile auch außerhalb Großbritanniens aufgetaucht sind, erhärtet die Befürchtung, dass nichts brachte, die Briten abzuschotten, um die Verbreitung zu verhindern. Davon mal abgesehen, dass man gar nicht sicher sein kann, dass die Mutationen dort entstanden sind, sie wurden dort nur erstmals erkannt und gemeldet.

Hinzu kommt, dass Mr. Trump am 24. Dezember immer noch unentschlossen war, ob er den im US-Kongress ausgehandelten Kompromiss über das US-Konjunkturpaket unterschreiben will oder aber sein Veto einlegt. Wobei er durchaus Recht hat, wenn er bemängelt, dass die Summe von 600 US-Dollar pro Kopf als einmalige Direktzahlung nichts viel bringt. Aber damit verzögert sich die Umsetzung, die, mit Blick auf das wider Erwarten für Dezember deutlich gefallene US-Verbrauchervertrauen, mehr als überfällig ist.

All das zeichnet ein Bild, das eine schnelle Rückkehr zum Wachstum auch in Europa immer unwahrscheinlicher macht. Damit steht die Frage im Raum, wie nachhaltig der fürs erste gerettete Aufwärtstrend des Index sein könnte.

Auffällig ist zum einen, dass der Euro Stoxx 50 im Saldo des Jahres 2020 schlechtere Karten hat als der DAX, denn bis hier ein Kurs erreicht wäre, der auf Jahressicht ein Plus bedeuten würde, müsste der Index noch um die fünf Prozent zulegen. Hier seitens der Fonds und anderer institutioneller Anleger gezielt Window Dressing zu betreiben, erscheint daher weniger wahrscheinlich als beim DAX, der am 23.12. mit einem Jahres-Plus in die Feiertage ging.

Monatschart vom 23.12.2020, Kurs 3.542,28 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Andererseits fällt auf, dass es offenbar charttechnische Aspekte waren, die den Schwenk des Index nach dem sehr schwachen Start in die Vorweihnachtswoche bewirkten. Sie sehen im Chart auf Tagesbasis, dass der Index genau dort wieder nach oben drehte, wo er drehen musste, um ein bärisches Signal zu verhindern: Auf Höhe der unteren Begrenzung der Unterstützungszone 3.400/3.451 Punkte. Damit blieb die Grundaussage bullisch. Und ein solcher Aufwärtsschwenk ist imstande, negative Aspekte seitens der Rahmenbedingungen in den Hintergrund zu drängen, technisch orientierte Trader zum Zukauf zu bewegen und zu verhindern, dass andere Akteure aussteigen.

Wie lange so etwas gutgeht, wenn sich die Nachrichtenlage nicht aufhellt, ist nie sicher absehbar. Solange die Vorlagen aus den USA nicht schwächer werden und womöglich ein „Post-BrExit-Deal“ unterzeichnet wird, könnte die Rettungsaktion der Bullen bis in den Januar hinein wirken. Aber das Eis ist eben dünn, solange die fundamentale Lage dem Kursanstieg nicht entspricht, daher muss man einen „sudden death“ des Aufwärtstrends immer als Risiko im Hinterkopf behalten. Long-Trades knapp unter dieser erneut als entscheidend bestätigten Supportzone 3.400/3.451 Punkte konsequent abzusichern, wäre dieser Gemengelage in jedem Fall angemessen.

Tageschart vom 23.12.2020, Kurs 3.542,28 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Es sind nicht gerade gute Nachrichten, die die Investoren derzeit zu hören bekommen. In Deutschland als der größten Volkswirtschaft der Eurozone kommt die Verschärfung des Lockdowns, die nach Meinung der Deutschen Bundesbank ausreichen wird, das Land wieder in die Rezession zurück zu werfen. Für wie lange und wie deutlich, ist nicht abschätzbar. Aber der Euro Stoxx 50 tut sich dadurch unübersehbar schwer, immerhin werden etwa ein Drittel der 50 Aktien des europäischen Leitindex durch DAX-Werte gestellt. Und der DAX lief schon seit Anfang November schwächer als der Euro Stoxx 50, verwandelte sich vom Zugpferd zum Klotz am Bein.

Nicht weniger problematisch ist das endlose Drama um die zukünftigen Regeln im Handel mit den Briten. Die mal wieder allerletzte Deadline lief am Sonntag ab. Natürlich verhandelt man trotzdem weiter. Aber die Frage, warum doch noch geregelt werden sollte, was bis jetzt offenbar unmöglich zu regeln war, ist berechtigt. Selbst, wenn Boris Johnson den von ihm selbst ohne gesetzliche Notwendigkeit auf Silvester gelegten Austrittstermin aus der EU-Zollunion verschieben wollte, es bleibt bei einer ungelösten Perspektive mit Blick auf einen sehr wichtigen Handelspartner. Das ist nichts, was Anleger optimistisch stimmen könnte.

Euro Stoxx 50: Tages-Chart vom 14.12.2020, Kurs 3.503,96 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Auch die Perspektive der USA ist derzeit problematisch. Die eher schwache Ausgangslage der neuen Regierung kann in Sachen Stützung der Wirtschaft und Pandemiebekämpfung dazu führen, dass die politische Gegenseite dringend nötige Maßnahmen lange blockiert. Und wie sähe die Situation für Europa aus, wenn die USA und Großbritannien als Bremsklötze statt als Stützen fungieren? Nicht gerade rosig.

Damit finden sich die Bullen jetzt in einer Defensiv-Rolle wieder. Die jüngste Welle der Hoffnungs-Käufe Anfang November hoben den Euro Stoxx 50 über die im Spätsommer vergebens belagerte Widerstandszone 3.400/3.452 Punkte. Doch kaum war dieser Ausbruch vollzogen, kam dem Aufwärtsimpuls das Momentum abhanden. Nach fünf Wochen mit einem Kursplus als Saldo ging es in der vergangenen Woche wieder abwärts. Dabei sticht in den Charts ins Auge, dass diese jetzt als Unterstützung fungierende Zone 3.400/3.452 Punkte auch als solche wahrgenommen und verteidigt wird.

Dass bullische Lager dürfte darauf setzen, dass der am Freitag anstehende „dreifache Hexensabbat“ den Index jetzt, da er auf dem höchsten Level seit dem Corona-Crash notiert, stützen wird, weil die großen Terminmarkt-Akteure mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Abrechnung der Optionen und Futures auf höchstmöglichem Kursniveau anstreben dürften. Und es könnte durchaus gelingen, die eher bärische Gemengelage außerhalb der Börsensäle „auszusitzen“, auch in der Hoffnung, dass nach der Terminmarkt-Abrechnung bald Käufe großer Adressen wie Fonds oder Hedgefonds einsetzen, um ihre Performance zum Jahresende werbewirksam zu optimieren (Window Dressing).

Es sind nicht gerade gute Nachrichten, die die Investoren derzeit zu hören bekommen. In Deutschland als der größten Volkswirtschaft der Eurozone kommt die Verschärfung des Lockdowns, die nach Meinung der Deutschen Bundesbank ausreichen wird, das Land wieder in die Rezession zurück zu werfen. Für wie lange und wie deutlich, ist nicht abschätzbar. Aber der Euro Stoxx 50 tut sich dadurch unübersehbar schwer, immerhin werden etwa ein Drittel der 50 Aktien des europäischen Leitindex durch DAX-Werte gestellt. Und der DAX lief schon seit Anfang November schwächer als der Euro Stoxx 50, verwandelte sich vom Zugpferd zum Klotz am Bein.

Nicht weniger problematisch ist das endlose Drama um die zukünftigen Regeln im Handel mit den Briten. Die mal wieder allerletzte Deadline lief am Sonntag ab. Natürlich verhandelt man trotzdem weiter. Aber die Frage, warum doch noch geregelt werden sollte, was bis jetzt offenbar unmöglich zu regeln war, ist berechtigt. Selbst, wenn Boris Johnson den von ihm selbst ohne gesetzliche Notwendigkeit auf Silvester gelegten Austrittstermin aus der EU-Zollunion verschieben wollte, es bleibt bei einer ungelösten Perspektive mit Blick auf einen sehr wichtigen Handelspartner. Das ist nichts, was Anleger optimistisch stimmen könnte.

Auch die Perspektive der USA ist derzeit problematisch. Die eher schwache Ausgangslage der neuen Regierung kann in Sachen Stützung der Wirtschaft und Pandemiebekämpfung dazu führen, dass die politische Gegenseite dringend nötige Maßnahmen lange blockiert. Und wie sähe die Situation für Europa aus, wenn die USA und Großbritannien als Bremsklötze statt als Stützen fungieren? Nicht gerade rosig.

Damit finden sich die Bullen jetzt in einer Defensiv-Rolle wieder. Die jüngste Welle der Hoffnungs-Käufe Anfang November hoben den Euro Stoxx 50 über die im Spätsommer vergebens belagerte Widerstandszone 3.400/3.452 Punkte. Doch kaum war dieser Ausbruch vollzogen, kam dem Aufwärtsimpuls das Momentum abhanden. Nach fünf Wochen mit einem Kursplus als Saldo ging es in der vergangenen Woche wieder abwärts. Dabei sticht in den Charts ins Auge, dass diese jetzt als Unterstützung fungierende Zone 3.400/3.452 Punkte auch als solche wahrgenommen und verteidigt wird.

Dass bullische Lager dürfte darauf setzen, dass der am Freitag anstehende „dreifache Hexensabbat“ den Index jetzt, da er auf dem höchsten Level seit dem Corona-Crash notiert, stützen wird, weil die großen Terminmarkt-Akteure mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Abrechnung der Optionen und Futures auf höchstmöglichem Kursniveau anstreben dürften. Und es könnte durchaus gelingen, die eher bärische Gemengelage außerhalb der Börsensäle „auszusitzen“, auch in der Hoffnung, dass nach der Terminmarkt-Abrechnung bald Käufe großer Adressen wie Fonds oder Hedgefonds einsetzen, um ihre Performance zum Jahresende werbewirksam zu optimieren (Window Dressing).

Aber der Bereich 3.400/3.452 Punkte ist die Achillesferse. Sie ist weiterhin in Schlagdistanz. Und solange das so bleibt, könnten bärische Akteure diese Zone gezielt attackieren und durchbrechen, wissend, dass all diese großen Akteure an der Terminbörse dann so knapp vor dem Abrechnungstermin genötigt wären, ihre Positionierung gegen fallende Kurse abzusichern … und das würde den Euro Stoxx 50 umso mehr unter Druck setzen. Ein Stop Loss Long knapp unterhalb dieser Supportzone wäre unbedingt sinnvoll.

Aber der Bereich 3.400/3.452 Punkte ist die Achillesferse. Sie ist weiterhin in Schlagdistanz. Und solange das so bleibt, könnten bärische Akteure diese Zone gezielt attackieren und durchbrechen, wissend, dass all diese großen Akteure an der Terminbörse dann so knapp vor dem Abrechnungstermin genötigt wären, ihre Positionierung gegen fallende Kurse abzusichern … und das würde den Euro Stoxx 50 umso mehr unter Druck setzen. Ein Stop Loss Long knapp unterhalb dieser Supportzone wäre unbedingt sinnvoll.

Euro Stoxx 50: Wochen-Chart vom 14.12.2020, Kurs 3.503,96 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Seit dem großen Kurssprung des 9. November hat die Aufwärtsbewegung des Euro Stoxx 50 zwar deutlich an Schwung verloren. Aber nach einem solchen Satz nach oben kann das nicht überraschen. Und wenn man sich im Chart ansieht, dass dieser vorgenannte Kurssprung auf einer bereits bestehenden Rallye aufbaute, diese den europäischen Leitindex jetzt in der Spitze etwa 20 Prozent höher getragen hat und trotzdem bisher kein nennenswerter Rücksetzer aufgetaucht ist, ist das außerordentlich beeindruckend. Es scheint, als würde das bullische Lager mit beiden Beinen felsenfest auf einem soliden Boden stehen.

Euro Stoxx 50: Tageschart vom 30.11.2020, Kurs 3.492,54 Punkte, Kürzel SX5E | Online Broker LYNX

Es wirkt zumindest so, wenn man ausschließlich die Charts betrachtet. Und das nicht nur im kurzfristigen Zeitfenster. Der Chart auf Monatsbasis macht deutlich, welch ein grandioser Start/Ziel-Sieg der November für die Bullen wurde. Eine immens lange, grüne Kerze belegt den größten Kursanstieg des Euro Stoxx 50 seit Jahren, der den Index endlich deutlich über die 200-Tage-Linie und damit über die Hochs der vergangenen Monate getragen hat. Aber werden die Käufe im Dezember weitergehen?

Dass sich das bullische Lager das genauso vorstellt, ist klar. Und mit dem am 18. Dezember anstehenden, großen Abrechnungstermin an der Terminbörse und dem danach anstehenden, in Aufwärtstrends gemeinhin die Kurse weiter nach oben ziehenden Window Dressing der institutionellen Investoren zum Jahresultimo hätte man einen perfekten Fahrplan, um die Rallye fortzusetzen. Das würde die „Goldgräberstimmung“ aufrechterhalten und die Chance bieten, dass die Anleger zum Start ins neue Jahr optimistisch bleiben und weiter einsteigen.

Doch wenn man den Blick von Charts und Terminkalender abwendet und die Rahmenbedingungen betrachtet, dürfte so manchem ein Wort in den Sinn kommen: Hoffnungsblase.

Wie sich die Gemengelage in den kommenden Monaten entwickeln wird, ist keineswegs klar absehbar. Der Optimismus, der nach der US-Wahl und den jetzt an Zahl zunehmenden Erfolgsmeldungen bei der Impfstoffentwicklung herrscht, bewegt sich mitnichten auf solidem Fundament, sondern auf dünnem Eis.

Selbst, wenn man der Wende zum Positiven fünf, sechs Monate Zeit geben wollte, man könnte enttäuscht werden. Ob die weitere politische Entwicklung in den USA für die Eurozone Grund zur Freude sein wird, ist zweifelhaft. Und es ist auffällig, dass viele zwar am Aktienmarkt darauf setzen, dass flächendeckende Impfungen den Klotz vom Bein der Konjunktur nehmen, sich selbst aber nicht oder vorerst nicht impfen lassen wollen. Fazit:

Einem grandiosen November kann ein starker Dezember folgen, aber von einem „Muss“ kann keine Rede sein. Es wäre daher unbedingt zu empfehlen, sich konsequent für den Fall abzusichern, dass diese Hoffnungsblase platzt. Ein Stop Loss Long im Bereich 3.380/3.390 Punkte wäre momentan aus charttechnischer Sicht sinnvoll. Denn sollte der Index darunter und damit in den vorherigen Seitwärtstrend zurück fallen, wäre der Weg nach unten in die Region 3.150/3.175 Punkte frei … und das möchte man auf der Long-Seite wohl keinesfalls mitmachen.

Euro Stoxx 50: Monatschart vom 30.11.2020, Kurs 3.492,54 Punkte, Kürzel SX5E | Online Broker LYNX

So beeindruckend die Rallye seit Anfang November auch war, noch hat der DAX die Hochs der vergangenen Monate nicht überboten, sondern hängt im Gegenteil knapp darunter derzeit fest. Anders sieht das beim Euro Stoxx 50 aus. Sie sehen es im Chart auf Tagesbasis: Hier hat der Schwung der US-Wahl/Impfstoff-Rallye ausgereicht, um den europäischen Leitindex über die Widerstandszone 3.395/3.451 Punkte hinaus zu katapultieren. Optimisten könnten daraus schließen, dass der DAX ihm nachfolgen wird, immerhin rekrutiert sich ein Drittel der im Euro Stoxx 50 gelisteten Aktien aus dem DAX. Doch nüchtern betrachtet ist das keineswegs eine beschlossene Sache.

Denn wo bleiben die Anschlusskäufe, nachdem diese wichtige Hürde im Euro Stoxx 50 genommen wurde? Er hält sich zwar bislang auf Schlusskursbasis über dieser jetzt als potenzielle Unterstützung fungierenden Zone 3.395/3.451 Punkte. Aber der Schwung ist dahin und darüber hinaus weisen markttechnische Indikatoren wie der im Tageschart mit eingeblendete Stochastik-Oszillator aus, dass der Index kurzfristig überkauft ist.

Euro Stoxx 50: Tages-Chart vom 19.11.2020, Kurs 3.451,97 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Der Chart auf Monatsbasis zeigt, dass der Euro Stoxx 50 auf dem Sprung wäre, denn Bann der vorangegangenen fünf Monate zu brechen. Fünf Monate, in denen zum Ende des jeweiligen Monats immer wieder Abgabedruck aufkam, der verhinderte, dass sich der Index nach oben absetzen konnte. Würde das im November anders, könnte er das derzeitige Niveau auch nur ein wenig ausbauen, wäre der Weg aus rein charttechnischer Sicht frei, um einen erneuten Anlauf zu wagen, sich aus dem langfristigen „Käfig“ zwischen 2.670 und 3.840 Punkten zu befreien, nachdem der erste Versuch im Februar durch den „Corona-Crash“ abgeschossen wurde. Die Bullen hätten also ein äußerst starkes Motiv, um am Ball zu bleiben. Allein, bislang ist noch nicht erkennbar, dass sie das aktiv angehen würden.

Was die Käufer derzeit zurückhaltend stimmt, dürfte sich auf zwei Ebenen abspielen. Zum einen ist der Index rasant gelaufen, ohne bislang auch einmal „auszuatmen“. Da fürchtet man zu Recht, direkt vor einem womöglich größeren Rücksetzer einzusteigen und hält die Füße still. Zum anderen sind die aktuellen Rahmenbedingungen weiterhin kritisch. Es ist allein die wieder aufgeflammte Hoffnung, dass sich das in wenigen Monaten deutlich zum Positiven verändert, die den Euro Stoxx 50 nach oben trieb. Und die Akteure wissen: Die Faktenlage wird „good news“ in den kommenden Wochen, wenn, dann nur begrenzt liefern können. Was auch bedeutet:

Ein Rücksetzer kann jederzeit auftreten und er könnte allemal auch größer ausfallen. Denn wanken die Kurse, wankt die Zuversicht sofort mit und die Bereitschaft, die in so kurzer Zeit aufgelaufenen Gewinne mitzunehmen, solange sie noch da sind, steigt dann schnell.

Sollte der Euro Stoxx 50 nicht nur in diese Supportzone 3.395/3.451 Punkte zurücksetzen, sondern durch sie hindurchrutschen, wäre das mögliche Zugpferd für den noch unter den vergleichbaren Hürden festhängenden DAX ausgeschirrt. Das muss nicht so kommen, es könnte jederzeit eine Attacke der Bullen kommen und mit einem erneuten Aufwärtsschub die Hoffnung hinreichend zementiert werden, um überwintern zu können. Aber es wäre riskant, ein Scheitern dieser Rallye einfach auszuschließen!

Euro Stoxx 50: Monats-Chart vom 19.11.2020, Kurs 3.451,97 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX