EURO STOXX 50 Prognose Euro Stoxx 50: Die Bullen haben eine offene Flanke

News: Aktuelle Analyse des EURO STOXX 50 Index

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EURO STOXX 50
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Der Euro Stoxx 50 hat in der Spitze über 60 Prozent des Abstiegs vom Hoch zu Jahresbeginn bis zum Tief Ende September wieder aufgeholt. Das wirkt, als sei die Krise vorbei. Aber das ist sie nicht, sie ist nur derzeit „ausgepreist“ … was für die Bullen eine offene Flanke bedeutet.

Es sind die Aktien der ganz großen Unternehmen der Eurozone, die im Euro Stoxx 50 gelistet sind. Und die meisten dieser Riesen-Konzerne hatten sich, was die Bilanzen unterstrichen, auch noch im dritten Quartal 2022 wacker geschlagen, Inflation und vorsichtiger werdenden Verbrauchern getrotzt. Und da man deren Umsatz und Gewinn bewertet und nicht die Lage der Gesamtwirtschaft, wenn es um diese Einzelwerte und ihren Index geht, wirkt es logisch, dass die Investoren wieder zugreifen. Aber ist es das auch … oder wirkt es nur so?

Euro Stoxx 50: Tages-Chart vom 21.11.2022, Kurs 3.909,28 Punkte, Kürzel SX5E | Online Broker LYNX

Der Gedankengang ist nachvollziehbar, riskant ist es trotzdem. Denn was derzeit die kleinen und mittleren Unternehmen drückt, die gestiegenen Herstellungskosten, der Druck der Abnehmer auf die Preise für die Zulieferindustrie, die Verbraucher, die entweder nicht mehr so konsumieren können oder wollen wie zuvor, all das erreicht die größten der Großen am Ende natürlich auch. Das sieht man bei einigen großen Konzernen an den im dritten Quartal schwächer gewordenen Margen, bei anderen am Auftragseingang. Und was bislang an Zahlen vorliegt, endet am 30.9. … wie es seither läuft, weiß man nicht genau. Was bedeutet:

Den aktuellen Kurs und Chart des EURO STOXX 50 sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Expertenmeinung: Die immense Kaufwelle, die den Euro Stoxx 50 in den vergangenen Wochen über 20 Prozent höher trug, wird nur dann weitergehen bzw. das erreichte Niveau nur dann wenigstens gehalten werden können, wenn sich die Rahmenbedingungen sehr zügig und glaubwürdig aufhellen. Und das in allen Bereichen: Bei den Preisen, beim Verbraucherverhalten, in Sachen Geopolitik und bezüglich des Kurses der EZB. Was zwar nicht ausgeschlossen werden kann … aber allzu wahrscheinlich ist ein derartiges, wieder rosiges Umfeld nicht. Und das heißt:

Das bullische Lager hat sich damit eine „offene Flanke“ eingehandelt. Nicht nur, dass der Euro Stoxx 50 jetzt auf dem höchsten Stand seit Ende März markant überkauft ist, es fehlt auch am nötigen Fundament, um diesen Level zu halten. Solange genug Trader daran glauben wollen, dass die Krise eigentlich schon vorbei ist, kann der Anstieg zwar weitergehen, aber:

Viel Luft nach oben dürfte da angesichts der überhitzten Indikatoren und des Wegfalls der die Kurse in solchen Situationen höher ziehenden Abrechnung am Terminmarkt (die letzten Freitag absolviert wurde), eher nicht sein. Daher sollte man eher daran denken, bei Long-Positionen den Gewinn mitzunehmen, anstatt diese noch aufzustocken. Und sollte der europäische Leitindex wieder unter die Hochs der Monate Juni und August bei 3.819/3.857 Punkten zurückfallen, wäre das ein Signal, um das Thema Long sicherheitshalber – zumindest vorerst – zu beenden.

Euro Stoxx 50: Wochen-Chart vom 21.11.2022, Kurs 3.909,28 Punkte, Kürzel SX5E | Online Broker LYNX
Top Flop Aktien – Übersicht der Gewinner und Verlierer

Welche Aktien in den wichtigen Indizes sind in letzter Zeit am meisten gestiegen oder gefallen? Was sind die Top-Aktien 2022? Welche Aktien haben die beste Performance über die letzten 5 Jahre und welche Aktien sind stark gefallen? Hier finden Sie es heraus: DAX Top FlopMDAX Top FlopEuro Stoxx Top FlopDow Jones Top FlopNasdaq 100 Top Flop

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Vorherige Analysen des EURO STOXX 50 Index

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Dass der Euro Stoxx 50 an einem wichtigen Kreuzwiderstand drehte, dass das mit einer negativen Reaktion auf die US-Notenbank einherging und die Bullen die Rahmenbedingungen gegen sich haben, wirkt, als wäre klar, wohin die Reise jetzt geht. Ist es aber (noch) nicht.

Die US-Notenbank hatte am Mittwochabend nichts entschieden oder kommuniziert, das hätte überraschen dürfen. Doch scheinbar hatten viele auf eine positive Überraschung in Form einer avisierten Pause bei den Zinserhöhungen gewettet … und andere einfach den Punkt erreicht, nach dem man dann den Gewinn des Rallye-Oktobers mitnehmen wollte.

Dass der Euro Stoxx 50 schon zuvor an dem wichtigen Kreuzwiderstand aus dem September-Hoch und der 200-Tage-Linie bei 3.683/3.689 Punkten auf Abgabedruck traf, kann durchaus dazu führen, dass jetzt weitere Trader ihre Long-Positionen glattstellen, solange sie damit noch Gewinn realisieren können. Und so mancher wird, mit Blick auf die unverändert trüben Rahmenbedingungen, die nach der US-Notenbanksitzung trübe bleiben, über einen Switch auf die Short-Seite nachdenken.

Für ein Umfeld wie dieses war der Kursanstieg des Vormonats immens. Und auf der kurzfristigen Tagesebene war der Index dadurch auch noch deutlich überkauft. Eine klare Sache? Nur, wenn der Euro Stoxx 50 nicht nur an Widerständen abprallt, sondern auch Unterstützungen von Bedeutung bricht. Nur das würde klar machen, dass das bullische Lager entweder nicht imstande oder nicht willens ist, solche Linien zu halten. Dann wäre es auch durchaus möglich, dass wir noch in diesem Jahr das bisherige Jahrestief bei 3.250 Punkten wiedersehen. Aber eben erst dann. Doch warum sollte man in Sachen Abwärtspotenzial so vorsichtig sein, wenn doch das Umfeld eine Art permanent gesenkter Daumen ist?

Expertenmeinung: Weil die Realität in Bewegung bleibt. Die negative Gemengelage kann sich noch weiter zuspitzen, das ist derzeit die wahrscheinlichere Variante. Aber „good news“ sind eben immer möglich. Und davon abgesehen, ob die wirklich auftauchen oder nicht, ist für das Wohl und Wehe eines Aktienindex weniger entscheidend, was die Trader beim Blick über den Tellerrand sehen müssten, sondern das, was sie sehen wollen. Bei Rallyes färbt sich die Faktenlage ganz schnell rosa ein. Und noch ist der Euro Stoxx 50 von den entscheidenden Widerständen nicht weit genug weg, als dass die Käuferseite sich geschlagen geben müsste.

Wir sehen das im Chart auf Tagesbasis anhand dieses vorgenannten Kreuzwiderstands. Mit dem gestrigen Schlusskurs liegt, der zwar jetzt fast drei Prozent entfernt, aber immerhin gelang es am Donnerstag, über den schwachen Eröffnungskurs hinausgehende Verluste wieder aufzuholen.

Euro Stoxx 50: Tages-Chart vom 03.11.2022, Kurs 3.593,18 Punkte, Kürzel SX5E | Online Broker LYNX

Und im Wochenchart sehen wir, dass der Index dann nur noch ein Stückchen weiter, über 3.715 Punkte, laufen müsste, um auch noch aus dem Ende März etablierten Abwärtstrendkanal hinauszukommen und damit einen markanten Befreiungsschlag zu vollziehen.

Das läge also alles noch in Reichweite. Erst, wenn der Euro Stoxx 50 mit Schlusskursen unter 3.484 Punkten wieder unter die Nackenlinie des im September/Oktober entstandenen Doppeltiefs rutschen und damit eine wichtige Auffanglinie brechen würde, wären die Bullen geschlagen, vorher nicht.

Euro Stoxx 50: Tages-Chart vom 03.11.2022, Kurs 3.593,18 Punkte, Kürzel SX5E | Online Broker LYNX
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Tageschart vom 21.10.2022, Kurs 3.476,63 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Mmonatschart vom 21.10.2022, Kurs 3.476,63 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Der Euro Stoxx 50 wäre jetzt deutlich näher an einem kurzfristigen Befreiungsschlag dran als an neuen Jahrestiefs. Dass es aus Sicht der Rahmenbedingungen keine Grundlage für eine Aufwärtswende gäbe, kann einen Ausbruch nach oben zwar stoppen … muss es aber nicht!

Wenn man die Bewegungen des europäischen Leitindex alleine mit der Nachrichtenlage verknüpft (was man besser lassen sollte), käme man zu dem Schluss, dass die US-Inflationsdaten äußerst erfreulich ausgefallen sein müssen, denn am Tag der Vorlage der US-Verbraucherpreise wurde das letzte Zwischentief des Index erreicht und kräftig gekauft. Und am Freitag wurden zeitweise deutliche Verluste großenteils wieder aufgeholt, weil, das glaubt zumindest das „Wall Street Journal“ zu wissen, einige US-Notenbanker mittlerweile ihre Meinung zu 0,75 Prozent-Leitzinserhöhungen geändert hätten und eher auf kleinere Schritte setzen wollen.

Das wäre natürlich eine bemerkenswerte Wendung, die man so interpretieren kann, dass die Inflation ihr Hoch gesehen hat, die Leitzinsen nur noch wenig und für kurze Zeit steigen und damit der Druck auf den Aktienmarkt nachlassen wird. Der Haken:

Dafür gibt es keine rationale Basis. Die US-Inflationsdaten zeigten klar weiter anziehende Preise. Und selbst, wenn die in den USA nicht mehr stark zulegen: In Europa sieht das anders aus. Und ob das „Wall Street Journal“ wirklich wissen kann, was die Mitglieder des Federal Open Market Committee, des Entscheidungsgremiums der US-Notenbank, so denken? Ich erlaube mir, da skeptisch zu sein. Aber heißt das, dass diese Aufwärtsbewegung des Euro Stoxx 50 in Kürze enden wird und man einen Ausbruch nach oben vergessen kann?

Expertenmeinung: Nicht zwingend. Richtig ist zwar, dass die eigentlichen Gründe für den Anstieg seit dem 13. Oktober vor allem woanders lagen. Zum einen, das sehen Sie besonders im Chart auf Tagesbasis, wurde an diesem 13.10. vor allem versucht, den Bruch des bisherigen Jahres-Verlaufstiefs vom September zu verhindern, diesen Support aktiv zu verteidigen.

Tageschart vom 21.10.2022, Kurs 3.476,63 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Und im Verlauf dieser Woche stand wie üblich vor einer Abrechnung die Terminbörse am Ruder. Dass diese Meldung des „Wall Street Journal“ am Freitag, dem Abrechnungstag, direkt vor US-Handelsbeginn herausgegeben wurde, befeuerte den Anstieg zwar. Aber das Thema Terminmarkt-Abrechnung ist jetzt eben vom Tisch, hierzulande ebenso wie in den USA. Und ob viele diese „Wall Street Journal“-Meldung wirklich glauben? Wir werden es ab heute sehen.

Trotzdem sollte man jetzt vorsichtig bleiben, wenn man auf der Short-Seite agiert. Denn wir wissen es ja: Die Kurse werden oft nicht von den nüchternen Fakten bewegt, sondern davon, was die gerade aktiv agierenden Marktteilnehmer glauben wollen. Wenn genug Akteure die eigentlichen Faktoren der Rallye ausblenden bzw. gar nicht erkennen und daher glauben, hier habe man den Beweis dafür, dass die Phase von Inflation und steigenden Leitzinsen bald endet und das bärische Lager nicht dagegenhält, kann der Euro Stoxx 50 auch einem eigentlich absurden Pfad folgen und weiterlaufen. Ein solcher Ausbruch würde dann zusätzlich befeuert durch Trader, die grundsätzlich dem kurzfristigen Trend folgen und sich um die Fakten nicht scheren. Man sollte also besser beide charttechnischen Schlüsselbereiche im Auge behalten. Die da wären?

Auf der Oberseite kommt es jetzt zunächst auf die August-Abwärtstrendlinie an, die heute bei 3.490 Punkten verlaufen wird. Würde die auf Schlusskursbasis überboten, läge der nächste Widerstandsbereich nahe, bei 3.537 zu 3.592 Punkten. Könnten die Käufer auch diesen Bereich überwinden, kann die Rallye, zumindest kurzfristig, erst einmal weitergehen … falls neue, negative Konjunkturdaten oder Quartalsbilanzen sie nicht humorlos abschießen.

Als vom Tisch ließe sich dieser momentane Anstieg erst dann ansehen, wenn der Index die Unterstützungszone 3.357 zu 3.387 Punkte wieder unterschreitet und damit klar wird, dass es binnen kurzer Zeit schon wieder zu einem Test des September-Tiefs kommen wird. Alleine die Erwartung eines solchen Tests dürfte denen, die jetzt von der nachhaltigen Aufwärtswende träumen, schon so sehr den Schneid abkaufen, dass der Euro Stoxx 50 dann allemal auch nach unten durchbrechen könnte. Aber wie gesagt: Noch ist die Sache offen, und da hilft einem der Spruch „Unverhofft kommt oft“ nicht weiter, da man nicht weiß, ob der diesmal für die Bullen oder für die Bären gelten würde.

Mmonatschart vom 21.10.2022, Kurs 3.476,63 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX
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Man kann die Unsicherheit am Markt dieser Tage mit Händen greifen. Wird der Euro Stoxx 50 weiter nachgeben oder ist jetzt genug an negativen Aspekten eingepreist? Und wenn er das letzte Tief halten und drehen sollte, wird das dann nur eine kurze Rallye oder doch die Wende?

An der Börse vorhersehen zu wollen, wie sich die Kurse in einem, in sechs oder gar in zwölf Monaten darstellen, ist nicht sinnvoll. Einfach, weil man es nicht kann. Man kann Behauptungen aufstellen und anderen die Schuld geben, wenn man damit daneben liegt. Man kann raten und am Ende nichts gewinnen, weil das Glück braucht. Und Glück ist einem Anleger nie lange hold. Oder man kann den Weg einfach mitgehen, den die Kurse beschreiten. Es ist ja nicht nötig, um vier Kurven sehen zu können, wenn man rechtzeitig die jeweils anstehende Kurve kriegt, weil man wach bleibt und schnell reagiert. Und um das zu können, sind feste Ansichten über das, was kommt, nicht nur unnütz. Sie sind hinderlich.

Was den Euro Stoxx 50 angeht, stellen sich momentan folgende Fragen: Wie werden die Bilanzen zum dritten Quartal bei den hier gelisteten, 50 großen Eurozone-Unternehmen ausfallen, wie ihre Prognosen für das angelaufene Herbstquartal? Was ist davon bereits von den Anlegern in die Kurse der Einzelwerte und damit in den Index eingepreist worden? Könnten die sich stetig verschlechternden Rahmenbedingungen die neuen Ausblicke der Unternehmen später wieder über den Haufen werfen? Werden sich die Kurs-bestimmenden Faktoren wie Inflation, Leitzinsen, Konsumverhalten, Öl- und Gaspreis, Euro-Kurs und Geopolitik in den kommenden Monaten verschlechtern oder wird Licht am Ende des Tunnels auftauchen? Sie sehen:

Expertenmeinung: Man täte besser daran, nicht zu versuchen, unbeantwortbare Fragen durch (immer subjektive) Annahmen zu ersetzen. Man folgt besser dem Trend der Kurse und reagiert, wenn es etwas zu reagieren gibt. Es kann und sollte also nur darum gehen zu prüfen, wo man im Fall des Euro Stoxx 50 Handlungsbedarf bekommen könnte. Und auch da sollte man immer unter dem Vorbehalt planen, dass Bullen- und Bärenfallen in einem derart nervösen Umfeld keine Seltenheit sind. Daher wäre die erste Maßnahme bei jedweden Aktionen, mit eher kleinem Kapitaleinsatz und moderaten Hebeln zu arbeiten, um nicht in Gefahr zu geraten, die Nerven zu verlieren, wenn mal wieder das Unerwartete durch die Börsen-Tore marschiert.

Darüber hinaus gäbe es derzeit zur Short-Seite noch keine Alternative. Außer natürlich Neutralität, wenn man sich mit einer Position unwohl fühlen sollte. Der Euro Stoxx 50 notiert unter sämtlichen relevanten gleitenden Durchschnitten, von der kurzfristigen 20-Tage-Linie bis hin zur langfristig wichtigen 1.000-Tage-Linie. Alle acht nennenswerten Zwischenhochs des Index im bisherigen Jahresverlauf lagen unter dem vorherigen. Mehr Baisse geht nicht. Die Frage wäre also nur, wo ein Punkt liegen könnte, an dem man Short-Trades glattstellen, womöglich sogar auf Long wechseln sollte.

Euro Stoxx 50: Monats-Chart vom 12.10.2022, Kurs 3.331,53 Punkte, Kürzel SX5E | Online Broker LYNX

Antworten darauf sind immer nur Momentaufnahmen, weil sich das Chartbild natürlich permanent verändert und, wichtiger noch, die Rahmenbedingungen. Momentan könnte man einen Schlusskurs, der mindestens ein Prozent und damit signifikant über der 200-Tage-Linie liegt (die momentan bei 3.747 Punkten verläuft), als einen solchen Punkt sehen. Alles, was sich darunter abspielt, wäre eine Rallye, die zwar zu einer Wende führen kann, aber nie muss.

Und erst, wenn ein Ausbruch über diese 200-Tage-Linie mit einer Verbesserung der Rahmenbedingungen einhergeht, würde man als Investor ein Signal bekommen, nicht nur Short-Trades aus dem Depot zu werfen, sondern zugleich zu beginnen, sich sukzessiv auf der Long-Seite einzukaufen. Aus aktueller Sicht kann man für den Euro Stoxx 50 also nur eines konstatieren: Rallyes können jederzeit kommen, können auch mal größer ausfallen, aber der Trend spricht eine klare Sprache: Stay Short!

Euro Stoxx 50: Tages-Chart vom 12.10.2022, Kurs 3.331,53 Punkte, Kürzel SX5E | Online Broker LYNX
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Der Euro Stoxx 50 hat ein neues Jahrestief markiert. Aber so knapp, dass es noch eine Bärenfalle werden könnte. Immerhin war er auch im Juli nur kurz und leicht unter das März-Tief gefallen. Überverkauft wäre er auch … ob man da nicht vielleicht jetzt Long gehen könnte?

Angesichts des Öls, das derzeit in den Ukraine-Konflikt gegossen wird, der sehr klaren Ansage der US-Notenbank in Richtung eines kompromisslosen Kurses, den Echos, die da aus Richtung der EZB kamen und der zahlreicher werdenden Gewinnwarnungen der Unternehmen wäre das ein „könnte“, dessen Eintrittswahrscheinlichkeit nicht ansatzweise abzuschätzen ist, aber eher nicht bei 50:50 liegt. Bei solchen Rahmenbedingungen ist der Euro Stoxx 50 ein fallendes Messer, sonst nichts.

Daher ist der Vergleich mit dem Doppeltief von Juli, das damals kurz unter das März-Tief bei 3.387 Punkten führte, auch einer, der eher hinkt. Denn im Sommer hatten Befürchtungen, die Leitzinsen könnten heftiger steigen als gedacht, die Inflation zähen Widerstand leisten und das alles irgendwann auf die Unternehmensgewinne drücken, den Index gedrückt, Heute jedoch weiß man, dass all das der Fall ist und momentan erst der Anfang vom Ende laufen könnte.

Expertenmeinung: Da man damit rechnen muss, dass die Inflation zumindest in Europa kurzfristig noch zulegt, bevor sie zurückkommt, dass die Gewinnwarnungen zunehmen werden und eine Rezession eigentlich schon da ist, ohne dass man einen Plan hätte, wie man da wieder herauskommt, muss man sich fragen:

Euro Stoxx 50: Monats-Chart vom 23.09.2022, Kurs 3.348,60 Punkte, Kürzel SX5E | Online Broker LYNX

Wer außer kurzfristigen Tradern und Bären, die Short-Gewinne eindecken wollen, könnte jetzt, mit anderthalb Beinen über dieser Klippe des vorherigen Jahrestiefs, kaufen? Viele Anleger erkennen jetzt, dass wir hier kein Korrektur-Szenario sehen, in das man getrost in fallende Kurse hinein kaufen könnte. Und sollte der Euro Stoxx 50 diese zusammen mit dem Juli-Tief auf 3.357 zu 3.387 Punkte zu verortende Zone auch nur ein bisschen deutlicher unterschreiten als am Freitag geschehen, dürften Stop Loss-Orders ausgelöst werden. Diese Orders könnten den Index schnell und deutlich unter das Tief drücken, so wie wir das am Freitagmittag beim DAX gesehen hatten, der daraufhin schnell über 200 Punkte unter das alte Tief rutschte. 

Es kann sein, dass der europäische Leitindex zum Wochenstart erst einmal durchstartet, weil genug bärische Trader leer verkaufte Aktien eindecken wollen, um ihren Gewinn zu sichern. Aber in einem Umfeld wie diesem muss man schon ein erfahrener Daytrader sein, um eine solche Rallye mitmachen zu können. Und für eine echte Wende, die das Freitags-Closing zu einem idealen Einstiegspunkt machen würde, passen derzeit weder das Chartbild auf kurz-, mittel- und langfristiger Ebene noch die Rahmenbedingungen. Daher wagt man, wenn man jetzt gegen den Trend traden will, leicht mal zu viel!

Euro Stoxx 50: Tages-Chart vom 23.09.2022, Kurs 3.348,60 Punkte, Kürzel SX5E | Online Broker LYNX
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Die EZB hat nicht nur einen für sie untypisch großen Zinsschritt vorgenommen. Sie hat auch klar kommuniziert, dass noch einiges an Zinsanhebungen nachkommt. Ein Umfeld, in dem das Bullen-Lager leicht aus der Kurve fliegen kann, zumal der dreifache Hexensabbat naht!

Heute in einer Woche werden nicht nur, wie an jedem dritten Freitag eines Monats, die Optionen auf Aktien und Indizes an der Terminbörse abgerechnet, sondern, wie in jedem dritten Monat eines Quartals, auch die Futures. Dieser „dreifacher Hexensabbat“ genannte Termin pflegt bereits etwa eine Woche vorher Positionskämpfe auszulösen, in denen bullische und bärische Akteure am Terminmarkt um den Level ringen, auf dem dann abgerechnet wird. Natürlich zieht das den Gesamtmarkt mit. Die Frage ist nur: in welche Richtung?

Der Euro Stoxx 50 konnte am Donnerstag mit einem Aufwärts-Turnaround glänzen. Nachdem der Index als Reaktion auf die äußerst konkreten Aussagen der EZB hinsichtlich weiterer Leitzinserhöhungen erst einmal kräftig in die Knie ging, kamen mit Beginn des US-Handels Käufe auf, stark genug, um den Index am Ende ins Plus zu ziehen.

Die Frage stellt sich indes, was diese Käufe motiviert hat. Denn dass die EZB sich jetzt deutlich konsequenter zeigt als noch vor wenigen Monaten, dass die Inflationsprognose der Zentralbank jetzt auch für 2023 weit über dem Ziel liegende Levels avisiert, die Wachstumserwartung für 2023 deutlich gesenkt wurde, all das ist bärisch für den Aktienmarkt. Und das Chartbild deutet auf ein anderes Motiv hin.

Expertenmeinung: Der Euro Stoxx 50 ist, nachdem er noch unterhalb der massiven, durch die 200-Tage-Linie verstärkten Widerstandszone zwischen 3.852 und 4.047 Punkten nach unten abdrehen musste, auch noch unter den Supportbereich 3.527/3.592 Punkte gefallen, was ihn wieder in die unmittelbare Gefahrenregion in Form der Tiefs vom März (3.387 Punkte) und Juli (3.358 Punkte) gebracht hat.

Euro Stoxx 50: Monats-Chart vom 08.09.2022, Kurs 3.512,38 Punkte, Kürzel SX5E | Online Broker LYNX

Man kann sich gut vorstellen, dass es da so manche große Adresse am Terminmarkt gibt, die große Probleme bekäme, wenn der europäische Leitindex so knapp vor der großen Abrechnung in einer Woche durch diesen Supportbereich auf neue Jahrestiefs abrutschen würde.

Alleine durch dann ausgelöste Stop Loss-Verkaufsorders und die Notwendigkeit des Hedgings seitens vieler auf höhere Abrechnungskurse spekulierende Akteure könnte das dann einen kräftigen Selloff bedeuten, der außerhalb der Planung so ziemlich aller Akteure an der Terminbörse läge.

Ein solches Szenario vermeiden zu wollen, kann allemal die Motivation gewesen sein, um den nach der EZB-Entscheidung wegrutschenden Index aufzufangen und mit einem Intraday-Turnaround einen Sicherheitspuffer zu diesen Tiefs vom März und Juli zu etablieren.

Aber ob das auch funktioniert? Und wenn ja, ob der Euro Stoxx 50 dann nicht kurz nach diesem Abrechnungstermin am 16. September nach unten ausbricht? Die Rahmenbedingungen sind bärisch genug, um bullische Trader, die jetzt zu viel wagen und auf eine erneute Rallye wie im Juli/August wetten, aus der Kurve zu werfen. Der Index müsste im Minimum mit Schlusskursen über 3.600 Punkten die nächstgelegene Widerstandszone zurückerobern und damit ein Signal abliefern, dass die Bullen noch genug Kraft haben, um über kurzfristige Long-Trades auch nur nachzudenken!

Euro Stoxx 50: Tages-Chart vom 08.09.2022, Kurs 3.512,38 Punkte, Kürzel SX5E | Online Broker LYNX