EURO STOXX 50 Prognose Euro Stoxx 50: Sekt oder Selters … Ausbruch oder Trendbruch?

News: Aktuelle Analyse des EURO STOXX 50 Index

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EURO STOXX 50
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Es sind noch gut zwei Wochen bis zur nächsten EZB-Sitzung und, aller Wahrscheinlichkeit nach, bis zur ersten Leitzinssenkung. Dem Chartbild des Euro Stoxx 50 sieht man an, dass so mancher da im Vorfeld schon mal kräftig vorgekauft hat. Aber bedeutet das nicht, dass …

… dann, wenn es soweit ist, bereits so viele Anleger und Trader gekauft hatten, dass dem Index schlicht die Käufer ausgehen? Dass die Sache womöglich sogar als Bumerang enden könnte, weil dann alle zugleich die Gewinne ihrer Vorkäufe kassieren wollen, aber zu wenige da sind, die kaufen wollen, sodass es wider Erwarten der Vorkäufer dann nicht auf-, sondern abwärts geht?

Euro Stoxx 50: Tages-Chart vom 21.05.2024, Kurs 5.046,99 Punkte, Kürzel: SX5E | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Euro Stoxx 50: Tageschart vom 21.05.2024, Kurs 5.046,99 Punkte, Kürzel: SX5E | Quelle: TWS

So könnte die Sache in der Tat ausgehen, es wäre nicht das erste Mal. Aber das muss es nicht. Entscheidend dafür, ob die Käufer ihre letzte Reserve mobilisieren und andere von Gewinnmitnahmen absehen oder nicht, ist, wie sich das Chartbild in diesem Moment dann präsentiert.

Stagnieren die Kurse, sieht man die ersten sogar schon im Vorfeld eines solchen „Tag X“ wie den der nächsten EZB Entscheidung morgen in zwei Wochen (6. Juni) in Deckung gehen, ist das Risiko groß, dass die erhoffte Jubelrallye ob der zu langen, zu weit führenden Hausse im Vorfeld zum Rohrkrepierer wird. Laufen die Kurse indes in einem auch kurzfristig völlig intakten, dynamischen Aufwärtstrend, könnten die potenziellen Aussteiger leicht zurückziehen und im Gegenteil noch zukaufen. Und da geht es bereits jetzt um die nötige Weichenstellung.

Die Bullen haben die Sache in der Hand. Ein Blick auf den kurzfristigen Chart auf Tagesbasis macht deutlich, worum es jetzt gehen muss:

Den aktuellen Kurs und Chart des EURO STOXX 50 sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Expertenmeinung: Der Euro Stoxx 50 hatte Anfang Mai die Ende Oktober entstandene, mittelfristige Aufwärtstrendlinie getestet und blitzsauber verteidigt. Damit wurde die Relevanz dieser Linie, die bis dahin ja nur aus zwei Punkten konstruiert und damit unbestätigt war, bestätigt. Das war die ideale Steilvorlage, um das vorherige, Anfang April bei 5.121,71 Punkten markierte Hoch als Widerstand herauszunehmen. Aber genau da klemmt es jetzt:

Der europäische Leitindex traf dort offenbar auf Abgabedruck, will heißen: Da wurden die Käufer zu knapp, um die Verkaufsorders derer abzuarbeiten, die diesen Level als tadelloses Ausstiegsniveau ansehen. Alleine aufgrund des näher rückenden „Tag X“ müssen die Bullen zusehen, dass sie das bis dahin, idealerweise mehrere Handelstage davor, erledigt bekommen. Denn nicht nur mit Blick auf die EZB-Entscheidung stehen „Selters“ und „Sekt“ jetzt im Raum und liegen nahe beieinander.

Euro Stoxx 50: Monats-Chart vom 21.05.2024, Kurs 5.046,99 Punkte, Kürzel: SX5E | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Euro Stoxx 50: Monatschart vom 21.05.2024, Kurs 5.046,99 Punkte, Kürzel: SX5E | Quelle: TWS

Durch die Verteidigung der Aufwärtstrendlinie hat man sich quasi selbst in eine Art „Bringschuld“ versetzt. Denn diese Defensivleistung wäre eben nur dann etwas wert, wenn der Ausbruch über das Jahreshoch gelingt. Bis dahin ist genau diese Verteidigung zugleich die Achillesferse des bullischen Lagers. Denn sollte diese aktuell bei 4.960 Punkten verlaufende Linie nun doch noch brechen, wäre die Signalwirkung nur umso größer. Somit steht diese Linie dem April-Hoch als unmittelbarer Widerpart gegenüber. Und die Spanne dazwischen ist schmal.

Der Vorteil des bullischen Lagers ist zwar, dass sie auf der Unterseite knapp unterhalb der Trendlinie mit den kleinen Zwischentiefs vom April und Mai bei 4.884/4.888 Punkten noch eine Art Sprungtuch haben, auf dem eine entschlossene Kaufwelle einen vorherigen Bruch der Trendlinie schnell „reparieren“ könnte. Aber die Bullen wissen, dass die Bären das auch wissen und somit sehr gezielt attackieren könnten. Das zu verhindern, muss jetzt zeitnah durch einen Ausbruch nach oben gelingen … die kommenden Tage werden also spannend!

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Vorherige Analysen des EURO STOXX 50 Index

Der Euro Stoxx 50 testete Ende letzter Woche die im Herbst etablierte Aufwärtstrendlinie und drehte genau dort zum Wochenstart nach oben. Das ist die Chance, das bisherige Jahreshoch anzusteuern und idealerweise zu überbieten – aber die Bullen müssten jetzt dranbleiben.

Euro Stoxx 50 Index: Tageschart vom 06.05.2024, Kurs 4.955,75 Punkte, Kürzel: SX5E | Online Broker LYNX
Euro Stoxx 50 Index: Tageschart vom 06.05.2024, Kurs 4.955,75 Punkte, Kürzel: SX5E | Quelle: TWS

Die jüngsten Daten hielten die Tür für Hoffnungen offen. Das Wirtschaftswachstum der Eurozone fiel laut den ersten Berechnungen nicht zu stark aus, um zwingend inflationsfördernd zu sein, blieb aber zugleich oberhalb der Nulllinie. Und die Inflationsdaten selbst bewegen sich weiterhin relativ nahe am Zwei-Prozent-Ziel. Nahe genug zumindest, um die Erwartung, dass die EZB Anfang Juni einen ersten Zinsschritt nach unten vornehmen wird, aufrechtzuerhalten.

Nachdem der April schwach war und einem dadurch beim Blick auf das langfristige Chartbild der Gedanke an einen umfassenden Pullback an die Supportzone 4.504/4.573 Punkte aus dem Jahr 2007 kommen konnte, könnte der Mai also im Sinne des bullischen Lagers wieder alles klar machen. Immerhin scheint es, als wollten die Käufer diese Chance, den mittelfristigen Aufwärtstrend durch einen dynamischen Aufwärtsschwenk an der Trendlinie zu erhalten, wahrnehmen.

Euro Stoxx 50 Index: Monatschart vom 06.05.2024, Kurs 4.955,75 Punkte, Kürzel: SX5E | Online Broker LYNX
Euro Stoxx 50 Index: Monatschart vom 06.05.2024, Kurs 4.955,75 Punkte, Kürzel: SX5E | Quelle: TWS

Allerdings ist der gestrige Montag nur die Basis, nicht der Beleg dafür, dass ihnen das auch gelingen wird. Der Euro Stoxx 50 müsste weiter laufen, die aktuell bei 5.005 Punkten verlaufende, kurzfristige Abwärtstrendlinie und danach das bei 5.032 Zählern gelegene Zwischenhoch von 24. April überwinden, erst dann wäre der Weg an das bisherige Jahres-Verlaufshoch bei 5.122 Zählern frei … und, wer weiß, auch darüber hinaus, in Richtung des im Jahr 2000 markierten Schlussrekords bei 5.464 Punkten. Wird es so kommen?

Expertenmeinung: Es kann so kommen, aber es muss nicht. Denn was wir am Montag sahen, sind die Aktivitäten derer, die genau das erreichen wollen: einen Aufwärtsschwenk auf dem dafür idealen Level der Trendlinie, dann den Anstieg an und über das vorherige Hoch. Was wir am Montag nicht sahen, sind die „anderen“. Diejenigen, die gerade nicht aktiv agieren und bei denen man nicht weiß, wie groß deren Zahl ist. Und von denen man nicht weiß, ob sie mehrheitlich nur zögern, auch einzusteigen oder der Mauszeiger schon über dem Verkaufen-Button schwebt. Denn auch, wenn die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, dass die EZB in einem Monat den Leitzins senkt:

Zum einen wird der Index von der Hoffnung einer besiegten Inflation und bald wieder sinkenden Zinsen schon seit Herbst 2022 getrieben und ist seither in der Spitze um 57 Prozent und über die „Prä-Inflations-Levels“ gestiegen.

Zum anderen sollte man lieber nicht davon ausgehen, dass einem ersten Zinsschritt automatisch eine Serie weiterer Senkungen folgen würde. Immerhin ist die Kerninflation noch bei 2,7 Prozent und würde nur dann mit hoher Wahrscheinlichkeit in die Zielzone rutschen und auch dort bleiben, wenn das Wachstum wegknickt, denn:

Wenn die Zinssenkungen erst einmal beginnen, werden viele Unternehmen und Verbraucher Investitionen und Käufe, die nicht unmittelbar zwingend sind und fremdfinanziert werden müssen, so lange aufschieben, bis die Zinsen ein wirklich spürbar niedrigeres Niveau erreicht haben. Damit kann der Beginn der Zinssenkungen einerseits doch noch eine rezessive Tendenz generieren, andererseits aber die Grundlage für das stabile Erreichen der Zwei-Prozent-Zielzone der EZB werden.

Die Frage ist, ob diejenigen, die sich gestern nicht an der Aktion „rettet den Trend“ beim Euro Stoxx 50 beteiligt hatten, das wissen. Und ob sie es positiv sehen und die Geduld hätten, jetzt einzusteigen und dann auf ein Wachstum zu warten, das durch sinkende Zinsen in einer nicht abschätzbaren Dimension auf der Zeitachse verschoben würde, danach aber umso stabiler wäre. Das kann, wie geschrieben, so sein, muss es aber eben nicht, daher:

Sollte der Index den Kreuzsupport, bestehend aus den letzten beiden Zwischentiefs und dieser mittelfristigen Aufwärtstrendlinie im Bereich 4.880 zu 4.900 Punkte, auf Schlusskursbasis unterbieten, wäre die Chance auf einen unmittelbaren, neuen Rallyeimpuls vertan. Das ist mit dem Montags-Schlusskurs noch denkbar genug, um dem oben genannten Befreiungsschlag über 5.032 Zähler besser nicht vorzugreifen, wenn es um das Thema Neueinstieg Long oder um Zukäufe Long geht.

Das zweite Quartal fing aus dem Stand heraus schlecht an, aber kaum war letzten Freitag die Abrechnung an der Terminbörse über die Bühne, kamen die Käufer zurück. Die Frage ist: Bleiben sie auch – oder sehen wir bloß eine Gegenreaktion vor dem nächsten Abwärtsimpuls?

Das war ja für den Euro Stoxx 50 immer noch kein Allzeithoch, dieses am 2. April markierte, bisherige Jahreshoch von 5.121,71 Punkten. 5.464,43 Punkte, das ist die historische Höchstmarke (auf Schlusskursbasis), erreicht vor gut 24 Jahren, im März 2000. Aber er war immerhin auf gutem Weg, könnte man sagen, viel fehlte ja nicht mehr bis zu dieser „letzten Grenze“. Bis die Verkäufe einsetzten.

Euro Stoxx 50: Tages-Chart vom 24.04.2024, Kurs 4.989,88 Punkte, Kürzel: SX5E | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Euro Stoxx 50: Tageschart vom 24.04.2024, Kurs 4.989,88 Punkte, Kürzel: SX5E | Quelle: TWS

Die erste Frage, die man sich stellen sollte, wenn es darum geht, ob die Bullen dauerhaft zurückkommen sind: Warum wurde auf einmal verkauft, nachdem der europäische Leitindex zuvor wochenlang wie auf Schienen gestiegen war? Einfach nur, weil die ersten mit Gewinnmitnahmen angefangen hatten und sich so etwas, wie üblich, als ansteckend erwies?

Das würde sich normalerweise relativ bald erledigen, die Käufer kommen meist schnell zurück, sobald eine überkaufte Markttechnik wieder auf Normalniveau und der Index selbst im Bereich von Unterstützungen angekommen ist. Anders wäre es, wenn verkauft wurde, weil sich die Lage geändert hat. Ist das der Fall?

Expertenmeinung: Die Lage hat sich seit Ende März zwar nicht verändert: Aber da die insgesamt ungünstigen Rahmenbedingungen und diese Super-Hausse von vornherein eine Divergenz darstellten, an der man schon gezielt vorbeisehen musste, um trotzdem massiv bullisch zu sein, besteht das Risiko, dass sich die Sicht auf die Lage geändert haben könnte.

Das würde besonders schwer wiegen, wenn es dabei um große Adressen wie Fonds ginge. Und möglich wäre das deswegen, weil auffällt, dass der Euro Stoxx 50, aber auch die anderen großen Aktienindizes in Europa und den USA, ausgerechnet direkt zum Quartalswechsel die Richtung geändert haben. Dass das rein zufällig durch vornehmlich private Trader passiert, ist unwahrscheinlich. Da Fonds, Pensionsfonds und andere aktiv agierende Geldverwalter aber ihre Strategien quartalsweise hinterfragen und ggf. neu ausrichten, weist die Spur in genau diese Richtung.

Aber das bedeutet nicht zwingend, dass der Index jetzt ein ganzes Quartal lang auf dem absteigenden Ast bleiben müsste. Eine Neuausrichtung raus aus bestimmten Branchen kann auch steigende Kurse in anderen, als lukrativer eingeschätzten Bereichen nach sich ziehen. Problematisch würde es aber, wenn Anleger Geld abziehen, die Barreserve angehoben würde oder große Adressen massiver in Richtung Anleihen umschichten. Was sagen die Charts?

Euro Stoxx 50: Wochen-Chart vom 24.04.2024, Kurs 4.989,88 Punkte, Kürzel: SX5E | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Euro Stoxx 50: Wochenchart vom 24.04.2024, Kurs 4.989,88 Punkte, Kürzel: SX5E | Quelle: TWS

Noch ist da offen, ob die Käufe der vergangenen Tage imstande sind, das Ruder wieder in Richtung der Bullen herumzureißen. Denn diese Käufe kamen zwar recht dynamisch daher, das Problem ist aber a) dass der Index noch oberhalb der nächsten Supportmarke in Form der Oktober-Aufwärtstrendlinie drehte, so dass man in beiden Lagern nicht einschätzen kann, ob diese Linie denn halten würde, sollte der Euro Stoxx 50 doch noch dort aufsetzen. Und b) dass mittelfristig relevantere Supportlinien erst ziemlich weit unter dem derzeitigen Kurslevel warten, wie wir im Chart auf Wochenbasis sehen. Grund: Die Rallye bis Ende März lief so extrem ab, dass es keine Korrekturen gab, die potenzielle Auffanglinien kreieren konnten.

Dadurch wissen die Bullen nicht, wie solide der Boden ist, auf dem sie gerade wieder angetreten sind. Wenn sie sich halten wollen, müssen sie so schnell wie irgend möglich dort vorbei, wo sie gestern zunächst hängen geblieben sind:

An der 20-Tage-Linie. Denn sie ist die einzige Chartmarke unterhalb des Jahreshochs und zugleich eine Linie, an der sich kurzfristige Trader oft engmaschig orientieren. Sollte der Index hier abdrehen und das Vorwochen-Verlaufstief von 4.884,12 Punkten unterbieten, wäre die Oktober-Aufwärtstrendlinie bei aktuell 4.840 Punkten ein sehr wahrscheinliches Ziel. Und dass die dann hält, wäre zumindest offen genug, um darauf vor einem entsprechenden Beweis ihrer Tragfähigkeit nicht allzu viel wetten zu wollen.

Bislang ist das, was wir beim Euro Stoxx 50 sehen, eine normale Konsolidierung nach einem Hausse-Schub, vergleichbar mit der des Januars. Allerdings kann daraus durchaus mehr werden. Und Argumente für die Bären, jetzt nachzulegen, gäbe es reichlich, auch im Chartbild.

Anfang April blieb der europäische Leitindex an der oberen Begrenzung des Ende Oktober etablierten Aufwärtstrendkanals hängen und drehte erst einmal ab. Da der Index markttechnisch satt überkauft war, kam das nicht wirklich überraschend. Und bislang hat man nicht den Eindruck, dass das bärische Lager hier aggressiv attackiert. Vielmehr wirkt das wie eine Mischung aus Käufer-Zurückhaltung und Gewinnmitnahmen, was wir da sehen.

Harmlos also, zumal meist in Schwäche hinein Käufe auftreten, wenngleich die noch nicht imstande sind, den Euro Stoxx 50 nach oben zu drehen. Das könnte aber anders werden, wenn er den Support in Form der bei aktuell 4.780 Punkten verlaufenden, zügig steigenden unteren Begrenzung des Trendkanals erreicht, zumal er dann auch markttechnisch „auskorrigiert“ wäre.

Kein Grund zur Vorsicht oder gar zu Sorge für die Bullen also. Zumindest, wenn man sich bei der Chartanalyse auf das kurzfristige Bild reduziert und die Rahmenbedingungen einfach außen vor lässt. Beachtet man indes beides, wird man sehr schnell äußerst vorsichtig, denn dann wirkt das alles keineswegs mehr harmlos. Sehen wir hin:

Expertenmeinung: Die obere Begrenzungslinie des Aufwärtstrendkanals vom letzten Herbst ist nicht die einzige, an welcher der Euro Stoxx 50 jetzt abgedreht hatte. Dasselbe gilt für die obere Linie eines im Herbst 2022 entstandenen Trendkanals. Und viel Luft zu der oberen Linie des im März 2020 etablierten Trendkanals war da auch nicht mehr, die lag, als der Index Anfang April die Konsolidierung begann, nur noch etwa dreieinhalb Prozent entfernt. Alleine das wäre eine Motivation, um es auch mal auf der Short-Seite zu versuchen. Vor allem, weil auch die Markttechnik dazu einlädt, denn auf Wochenbasis war der RSI-Indikator des Index, wie wir im entsprechenden Chart sehen, zu Beginn letzter Woche so überkauft wie seit Ende 1999 nicht mehr.

Euro Stoxx 50: Wochen-Chart vom 11.04.2024, Kurs 4.966,68 Punkte, Kürzel: SX5E | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Euro Stoxx 50: Wochenchart vom 11.04.2024, Kurs 4.966,68 Punkte, Kürzel: SX5E | Quelle: TWS

Was die Rahmenbedingungen angeht, könnte man ebenfalls den Gedanken hegen, dass im Euro Stoxx 50 eine Menge Luft wäre, die jederzeit entweichen könnte. Immerhin ist nach der gestrigen EZB-Sitzung nicht einmal sicher, dass es im Juni zu einem ersten Zinsschritt nach unten kommen wird, nachdem die Rallye Ende Oktober 2023 in der scheinbar sicheren Gewissheit losgetreten wurde, die Zinsen würden bereits ab März und dann schnell und weit sinken. Hinzu kommt, dass zwei, drei Senkungen um 0,25 Prozent das jetzt teure Geld natürlich nicht „billig“ machen würden. Wer zuletzt dem Goldfieber der Rallye erlegen ist, mag das nicht erkennen. Das bärische Lager ist sich dessen aber zweifellos bewusst.

Trotzdem halten sich die Verkäufer und die aktiv auf fallende Kurse setzenden Bären offenbar ja auffallend zurück, bislang zumindest. Ist das ein Beweis dafür, dass das auch so bleibt, weil die Zahl der aktiv dagegen haltenden Skeptiker viel zu klein ist, um neue Rallye-Hochs, z.B. in Form eines Anlaufs an die obere Begrenzung des 2020er-Trendkanals, zu verhindern?

Nein. Das kann so laufen, aber darauf kann man sich grundsätzlich nie verlassen, daher ist jetzt auf der Long-Seite Vorsicht angezeigt, zumal der uralte Spruch schon seine Berechtigung hat: Die Stimmung ist am Hochpunkt bekanntlich am besten. Will heißen: Wenn das Hoch erreicht ist, merkt man das nicht. Klar wird das immer erst im Nachhinein, wenn aus einer Konsolidierung eine Korrektur und aus der wiederum eine Abwärtswende geworden ist, weil die Verkäufe wider Erwarten nicht aufhören und die Käufer, ebenso wider Erwarten, nicht zurückkommen. Und sie wissen ja, an der Börse gilt: Unverhofft kommt oft.

Euro Stoxx 50: Tages-Chart vom 11.04.2024, Kurs 4.966,68 Punkte, Kürzel: SX5E | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Euro Stoxx 50: Tageschart vom 11.04.2024, Kurs 4.966,68 Punkte, Kürzel: SX5E | Quelle: TWS

Während viele Indizes aktuell im „uncharted territory“ unterwegs sind, hätten die Bullen beim Euro Stoxx 50 noch Ziele. Konkret das in 2000 erreichte Rekordhoch bei 5.464,43 Punkten. Was indes noch ein gutes Stück entfernt ist. Und da wäre noch eine Linie, die bremsen könnte.

Sieht man sich den europäischen Leitindex im langfristigen Chartbild auf Monatsbasis an, ist die Dynamik, mit der er den Widerstandsbereich der Jahreshochs 2007, 2008, 2021 und 2023 nach oben verlassen hat, beeindruckend. Dabei ist er zwar markttechnisch sogar auf Monatsbasis nahe am überkauften Level, was außerordentlich selten vorkommt.

Euro Stoxx 50: Monats-Chart vom 21.03.2024, Kurs 5.053,36 Punkte, Kürzel: SX5E | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Euro Stoxx 50: Monatschart vom 21.03.2024, Kurs 5.053,36 Punkte, Kürzel: SX5E | Quelle: TWS

Aber solange der Schwung, d.h. das Momentum, stark bleibt, muss ihn das nicht stoppen. Und immerhin: Das bisherige Allzeithoch lag am Donnerstag noch acht Prozent entfernt. Eine Distanz, die zwar einerseits ziemlich groß ist, die andererseits aber auch verlockend ist.

Dass die Bullen nicht einmal mehr auf dünnem Eis unterwegs sind, sondern eher versuchen, über Wasser zu laufen, ist zwar nüchtern denkenden Investoren völlig klar. Aber solange es denen, die derzeit weiter kaufen, eben nicht klar ist, spielt die Realität nur die zweite Geige. Die Frage ist aber, was diejenigen tun werden, die sich völlig darüber im Klaren sind, dass sich diese Schere zwischen Rahmenbedingungen und Hausse irgendwann eben doch schließen wird. Und die könnten eine kleine Linie im Auge haben, die der Euro Stoxx 50 durch sein neues Jahreshoch gestern mal wieder touchiert, aber noch nicht überwunden hat.

Expertenmeinung: Es geht um die obere Begrenzung des im Herbst etablierten Aufwärtstrendkanals, an welcher sich der Index bereits seit Anfang des Monats entlang hangelt. Bisher hat der Kaufdruck also immer nachgelassen, wenn diese Linie erreicht wurde. Was mit dem neuen Jahreshoch erneut so ist. Aber muss das überhaupt ein Problem sein? Immerhin ginge es ja auch innerhalb des Trendkanals sukzessiv höher, nur nicht so rasant.

Grundsätzlich ist das richtig. Und das dürfte mit ein Grund sein, wieso an dieser Linie zwar die Käufe nachlassen, die Verkäufer sich aber trotzdem bedeckt halten. Aber auch, wenn sich markttechnische Indikationen bei ausreichend hohem Momentum des Kurses durchaus lange in Extremzonen aufhalten können, dürfte den meisten Marktteilnehmer doch nicht entgangen sein, wie lange der RSI-Indikator beim Euro Stoxx 50 bereits um die 70 Prozent-Linie, die Grenze zum Überhitzungsbereich, herum pendelt. Selbst ohne dass die dieser Hausse nicht entsprechende Realität die Trader auf den Boden der Tatsachen zurückholt, wäre also eine Korrektur jederzeit möglich. Und was wäre, wenn der Index überschießt, also aus diesem Kanal nach oben ausbricht?

Euro Stoxx 50: Tages-Chart vom 21.03.2024, Kurs 5.053,36 Punkte, Kürzel: SX5E | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Euro Stoxx 50: Tageschart vom 21.03.2024, Kurs 5.053,36 Punkte, Kürzel: SX5E | Quelle: TWS

Es ist fraglich, ob man damit einer Korrektur effektiv entkommen würde. Es wäre durchaus drin, dass das dazu führen würde, dass die Gewinnmitnahmen, die bislang ausblieben, gerade wegen eines so extremen Kursverhaltens wie dem eines „Overshootings“ einsetzen würden. Und das wissen nicht nur die potenziellen Verkäufer, das dürfte auch den erfahreneren Bullen klar sein. Achten Sie daher darauf, wie sich der Euro Stoxx 50 an dieser Linie weiter verhält. Sollte er stärker zurücksetzen, indem er die momentan bei gut 4.950 Punkten verlaufende und schnell steigende 20-Tage-Linie unterbietet, könnte es das Signal sein, auch einmal die untere Begrenzung des Trendkanals einem Test zu unterziehen.

Im Gegensatz zum DAX haben die Bullen beim Euro Stoxx 50 noch ein großes Ziel vor Augen: Das alte, im Jahr 2000 bei 5.464 Punkten markierte Rekordhoch. Erst die „magische“ 5.000, dann das Allzeithoch, so könnte der Plan laufen. Aber schaut man da auch mal nach unten?

Der Euro Stoxx 50 wird üblicherweise als Kursindex veröffentlicht, der Dividenden nicht wie Kursgewinne rechnet, d.h. für seine Berechnung zählen nur die reinen Kursveränderungen der Aktien. Das bremst im Vergleich zum DAX, der in der Regel als Performanceindex zu sehen ist und bei dem die Dividenden umso mehr „pushen“, je länger der Berechnungszeitraum ist. Aber auch der DAX Kursindex hat zuletzt sein altes Rekordhoch überboten, das zudem nur auf das Jahr 2021 zurückgeht. Da wäre also im langfristigen Vergleich noch einiges aufzuholen. Und das bullische Lager hat sich auf den Weg gemacht, das zu „erledigen“.

Euro Stoxx 50: Monats-Chart vom 04.03.2024, Kurs 4911,47 Punkte, Kürzel: SX5E | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Euro Stoxx 50: Monatschart vom 04.03.2024, Kurs 4911,47 Punkte, Kürzel: SX5E | Quelle: TWS

Wir sehen im langfristigen Chart auf Monatsbasis, dass jetzt ein immens wichtiger Schritt getan wurde. Per Ende Januar gelang es bereits, eine Monatskerze über der oberen Begrenzung des 2009 etablierten Aufwärtstrendkanals zu beenden. Damit lag sie auch über den Hochs des Jahres 2007, der einzigen, nennenswerten Charthürde vor diesem alten Hoch bei 5.464 Zählern aus dem Frühjahr 2000. Mit dem dynamischen Zugewinn des Februars wurde Ende Januar dieser noch knappe Ausbruch bestätigt. Und noch ist der europäische Leitindex auf Monatsbasis nicht markttechnisch überkauft. Allerdings …  

Expertenmeinung: … wäre ein RSI in der überkauften Zone auf Monatsbasis auch eine Seltenheit, wie Sie im Chart sehen. Und auf Wochen- und Tagesbasis ist der Euro Stoxx 50 markttechnisch längst heiß gelaufen. Eine Korrektur wäre da jederzeit möglich, zumal die Rahmenbedingungen mit der Perspektive eines höchst mageren Wachstums in der Eurozone nicht ideal sind. Gut möglich, dass das bullische Lager auch auf die EZB hofft, nur:

Euro Stoxx 50: Tages-Chart vom 04.03.2024, Kurs 4911,47 Punkte, Kürzel: SX5E | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Euro Stoxx 50: Tageschart vom 04.03.2024, Kurs 4911,47 Punkte, Kürzel: SX5E | Quelle: TWS

Ob man sich da viel ausrechnen kann, ist fraglich. Momentan rechnet man dies- wie jenseits des Atlantiks nur mit drei kleinen Senkungs-Schritten, das wäre in Relation zum vorherigen Anstieg bei weitem zu wenig, um stagnierendes Wachstum in dynamisches zu verwandeln.

Fazit: Charttechnisch ist der Euro Stoxx 50 äußerst bullisch, auf langfristiger ebenso wie auf kurzfristiger Ebene, auf der er noch im März imstande wäre, die runde 5.000er-Marke innerhalb des Oktober-Aufwärtstrendkanals zu erreichen. Markttechnisch ist er an der Grenze, erheblich heiß zu laufen. Und das fundamentale Umfeld passt ganz und gar nicht.

Aber Letzteres lässt sich leicht ausblenden, zumal Daytrader und Handelsprogramme vermutlich so lange weiter kaufen werden, bis ihnen a) das Geld ausgeht und/oder b) die Markttechnik auch noch auf Monatsebene überkauft wäre, wie das zuletzt im Frühjahr 2015 vor dem damaligen Abstieg der Fall war.

Erinnert man sich, dass man 2015 im Vorfeld der Abwärtswende massiv auf die Wirkung von intensivierten Anleihekäufen der EZB als Motor für ein wieder anspringendes Wachstum wettete und die Bullen dann erkannten, dass daraus nichts wird, erinnert das schon an die heutige Situation, in der man von der EZB schon wieder Wunder erwartet.

So gesehen ist es schon beinahe zwingend, nicht nur in Richtung der 5.000 und dem danach lockenden, alten Rekordhoch zu schauen, sondern regelmäßig zu prüfen, ob der Boden, auf dem man bergan steigt, noch stabil ist. Was konkret hieße: Ohne konsequente Stoppkurse wäre jede Long-Position hoch riskant. Und spätestens dann, wenn der Index die jetzt als Kreuzunterstützung fungierende Zone 4.415/4.573 unterbieten sollte, wird klar, dass da kein Boden mehr ist, sondern Treibsand.