NASDAQ 100 Prognose Nasdaq 100: Viel Rauch um (noch) nichts?

News: Aktuelle Analyse des NASDAQ 100 Index

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NASDAQ 100
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Auf den ersten, stärkeren Verlusttag nach Erreichen eines neuen Rekordhochs im Nasdaq 100 folgten drei Handelstage mit einem sehr blutleer wirkenden Stabilisierungsversuch und gestern dann der nächste Schuss vor den Bug der Bullen. Aber wie muss man das werten?

Als Erstes könnte man sich fragen, wieso man auf einmal so aufgeregt wegen zwei schwächeren Tagen binnen fünf Handelstagen reagiert. Bei einem Index, der vorher in zwölf Wochen in der Spitze um fast 22 Prozent und von einem neuen Rekord zum nächsten gestiegen war. Schließlich beträgt der Abschlag von dem am letzten Mittwoch bei 20.691 Punkten markierten Verlaufsrekord jetzt gerade einmal 4,3 Prozent. Also, so what?

Und dass da dann diejenigen Aktien unter den Hammer kommen, die diese Hausse vorher fast im Alleingang bestritten haben und dabei in der selben Zeit seit dem Zwischentief des 19. April um über 40 Prozent wie im Fall Apple oder gar um über 75 Prozent wie Nvidia gestiegen sind, ist ebenso normal. Da, wo „Speck dran“ ist, werden Gewinne mitgenommen, nicht dort, wo man nur auf ein paar magere Prozent Gewinn blicken kann. Erneut also die Frage: Wo ist das Problem?

Richtig ist zwar, dass die Eröffnung am Mittwoch mit einer Abwärtskurslücke erfolgte und der Nasdaq 100 dadurch die beiden nächstliegenden Supportlinien in Form der 20-Tage-Linie und des April-Hochs bei 19.980 Punkten unterbot. Und damit auch die runde Marke von 20.000, was aus psychologischer Sicht wie eine Niederlage wirken könnte, die größer scheint, als sie eben in Wirklichkeit ist. Aber womöglich ist man dennoch nicht ganz ohne Grund nervös, denn:

Expertenmeinung: Diese Nasdaq-Hausse mit ihren brenzlig wenigen Zugpferden hatte, was diese Dauer-Rallye der großen Mega-Caps, der „Magnificent Seven“ angeht, schon seit einiger Zeit die Bodenhaftung verloren. Und das dürfte sogar vielen weniger erfahrenen Anlegern bewusst sein. Nur war man sich sicher, dass man mit seinen Zweifeln womöglich alleine steht, denn die Kurse stiegen ja trotzdem immer weiter. Und dass man schon noch rechtzeitig aussteigen könne, wenn die anderen anfangen zu verkaufen. Bis dahin folgte man dem Trend, der indes nicht nur chart- und markttechnisch, sondern eben auch in Bezug auf den fundamentalen Unterbau immer problematischer wurde. Und jetzt sieht es auf einmal so aus, als könnten die Zweifel doch sinnvoll gewesen sein.

Dass der Nasdaq 100 am vergangenen Donnerstag so ohne jeden zwingenden Anlass ins Rutschen geriet, überraschte viele. Dabei ist das eher der Normalfall. Irgendwann fallen Gewinnmitnahmen deutlich größer aus als das, was der Markt in diesem Moment gerade über Kauforders aufnehmen kann … das passiert einfach mal. Aber es schürt Unruhe, wenn man unterschwellig weiß, dass das Eis bei den am extremsten gestiegenen Aktien nicht mehr dünn, sondern gar nicht mehr da ist, denn KI-Hype hin oder her: Irgendwann pflegt ein vorauseilender Markt eben auch mal zurückzulaufen und auf Belege für die großen Erwartungen zu warten.

Aber heißt das, der richtige Druck kommt erst noch? Dahingehend ist es entscheidend, ob das Gros derer, die aktuell massiv aktiv sind, gezielt agiert oder nur nervös auf die auf einmal rutschenden Kurse reagiert.

Ein Indiz gäbe es, das andeutet, dass da viele ganz genau wissen, was sie tun. Denn während gestern wieder einmal die „Dauerläufer“ der letzten Monate die Verliererliste anführten, fanden sich bei den wenigen Tagesgewinnern im Nasdaq 100 viele Aktien, die in der bisherigen Jahresperformance die stärksten Verlierer waren. Aktien wie Xcel Energy, KraftHeinz, Global Foundries oder Warner Bros. Zufall? Höchstwahrscheinlich nicht.

Es sieht so aus, als würden einige vermutlich große Akteure jetzt gezielt Risiko herausnehmen, indem sie bei stark gelaufenen Long-Trades den Gewinn kassieren und bei stark gelaufenen Short-Trades ebenso. Denn ob die Kurse der bisherigen Jahres-Verlierer stiegen, weil man auf einmal glaubt, dort wäre jetzt der dicke Gewinn zu holen oder ob da einfach nur von den Bären zuvor leer verkaufte Aktien zurückgekauft werden, um die Short-Positionen zu schließen und so den Gewinn zu sichern, kann man im Chart nicht unterscheiden.

Nasdaq 100: Tages-Chart vom 17.07.2024, Kurs 19.799,14 Punkte, Kürzel: NDX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Nasdaq 100: Tageschart vom 17.07.2024, Kurs 19.799,14 Punkte, Kürzel: NDX | Quelle: TWS

Es kann also sehr gut sein, dass hier von denen, die besonnen agieren, sehr gezielt Risiko reduziert wird. Dann wäre der Abstieg des Nasdaq 100 an sich ein kontrollierter und könnte unter Kontrolle bleiben, die ganze Phalanx potenzieller Auffanglinien, die wir im Chart auf Tagesbasis sehen, insgesamt halten. Diese Überlegung hat allerdings eine Unbekannte, die es in sich haben könnte:

Und das sind die vielen wenig erfahrenen Anleger, die jetzt „ihre“ Aktien wegsacken sehen und nicht wissen, wie sie das einordnen und was sie tun sollen. Wenn die nicht die Ruhe bewahren … und dieses Risiko besteht bei unerfahrenen Anlegern nun einmal … kann die Sache dennoch aus dem Ruder laufen. Zumal wir im Chart auf Wochenbasis sehen können, dass die Entwicklung auf dieser mittelfristigen Zeitebene schon weit weniger harmlos aussieht.

Nasdaq 100: Wochen-Chart vom 17.07.2024, Kurs 19.799,14 Punkte, Kürzel: NDX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Nasdaq 100: Wochenchart vom 17.07.2024, Kurs 19.799,14 Punkte, Kürzel: NDX | Quelle: TWS

Denn da würde, sollte der Index sich nicht heute und/oder morgen wieder fangen, ein bärischer Abendstern im Chart entstehen, der den Nasdaq 100 zu allem Überfluss auch noch in den vor zwei Wochen nach oben verlassenen Aufwärtstrendkanal zurückdrücken und so aus dem Overshooting eine Bullenfalle machen würde.

Bislang ist noch nichts wirklich angebrannt. Aber wenn zu viele glauben, dass es eben doch lichterloh brennt und in Panik geraten, wird aus einem etwas sportlicher verlaufenden Rücksetzer ganz schnell mehr. Es ist ein Nervenspiel, das jetzt läuft. Und wir wissen: Wenn es emotional wird, ist nichts unmöglich, daher kann man nur jedem, der hier aktiv ist, raten, sich in Ruhe und rechtzeitig zu überlegen, was man wann und unter welchen Umständen zu tun gedenkt.

Top Flop Aktien – Übersicht der Gewinner und Verlierer

Welche Aktien in den wichtigen Indizes sind in letzter Zeit am meisten gestiegen oder gefallen? Was sind die Top-Aktien 2024? Welche Aktien haben die beste Performance über die letzten 5 Jahre und welche Aktien sind stark gefallen? Hier finden Sie es heraus: DAX Top FlopMDAX Top FlopEuro Stoxx Top FlopDow Jones Top FlopNasdaq 100 Top Flop

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Vorherige Analysen des NASDAQ 100 Index

Im Future hatte der Nasdaq 100 außerhalb der regulären Handelszeit schon Kurse über 20.000 gesehen, im Index selbst wurden sie aber erst am Freitag erreicht. Ein perfekter, werbewirksamer Abschluss des Quartals … wäre das neue Hoch nicht abverkauft worden!

Wenn diejenigen, die Geld mit unserem Geld verdienen, dadurch zugleich das nötige Kapital haben, um Trends zu „machen“, tun sie es auch, wenn es ihnen sinnvoll erscheint. Das ist weder manipulativ noch falsch, sondern liegt in der Natur der Sache. Und immer dann, wenn es daran geht, eine möglichst überzeugende Performance vorzuweisen und zugleich ein Bild zu präsentieren, das die Anleger einlädt, mehr oder neu zu investieren, stehen solche Aktivitäten an. Man nennt das „Window Dressing“, das Dekorieren des Schaufensters.

Ein Quartals- und Halbjahresende ist ein solcher Moment. Und das Optimieren der Portfolios bei institutionellen Investoren wie Fonds führt dazu, dass ein Trend normalerweise zum Stichtag eines Quartalsultimos intensiviert wird, weil stark gelaufene Aktien dann tendenziell übergewichtet, schwache hingegen reduziert werden. Wenn ein Index so stark gelaufen ist wie der Nasdaq 100, dann sind, normalerweise, im Index mehr Aktien deutlich gestiegen als gefallen und der Index legt zum Quartalsende zu.

Wenn es dann noch darum geht, eine „magische Marke“ zu überwinden, ist das besonders wichtig, weil gut für die Marktstimmung. Denn je besser die Stimmung, desto lockerer sitzt vielen Anlegern das Geld für weitere Käufe in der Tasche. Doch diesmal ging dieses Window Dressing schief. Nicht dramatisch, aber doch auffällig genug, um eine Augenbraue zu heben.

Expertenmeinung: Der Nasdaq 100 hatte zwar im Future schon mal kurz diese magische 20.000er-Marke überboten, nicht aber in der regulären Handelszeit. Da hatte er kurz davor … und kurz vor der Abrechnung an der Terminbörse … abgedreht. Diesmal aber klappte es: Der Tech-Index erreichte kurz nach dem Handelsstart 20.017,71 Zähler. Es war also alles für ein grandioses Quartalsende angerichtet: perfekte Performance, neue Rekorde, eine runde Marke überboten. Doch diese runde Marke hielt eben nicht.

Schon nach wenigen Minuten war die 20.000 wieder unterboten. Und, und das ist gerade für einen Quartalsultimo, einen neuen Rekord und die psychologische Relevanz der 20.000 bedeutsam: Es gab keinen weitere Versuche, die Linie zu überbieten. Die Verkäufe weiteten sich sogar so weit aus, dass der Nasdaq 100 nach einem Plus von zeitweise 1,15 Prozent ein gutes halbes Prozent im Minus schloss, nur wenig über dem Tagestief.

Damit ist der Versuch, die Anleger mit einem vergoldeten Quartalsultimo „heiß“ zu machen, zum Bumerang geworden. So wirkt dieser letzte Handelstag des ersten Halbjahres eher abschreckend, als sei jetzt ein Ziel erreicht worden, nicht eine Etappe zu Höherem.

Zumal es ja allemal genug Argumente gäbe, mal langsam sein Geld vom Tisch zu nehmen. Vor allem, wenn man sich ansieht, dass hier eben keineswegs überzeugend mehr Aktien gestiegen als gefallen sind. Nur 60 der 100 Aktien des Index sind im ersten Halbjahr überhaupt gestiegen – angesichts der Performance des Index verblüffend. Und nur 22 der 100 Nasdaq 100-Werte liefen stärker als der Index selbst, ein massives Warnsignal fehlender Marktbreite, zumal das Gros der „Besser-Läufer“ Teil des KI-Hypes ist.

Dass die großen Adressen normalerweise imstande gewesen wären, einen Nasdaq 100 über 20.000 trotzdem zum Ultimo durchzuboxen, davon aber Abstand nahmen, ist auffällig. Es kann bedeuten, dass auch einige große Investoren diese 20.000 als Ziel der Hausse ansehen.

Nasdaq 100: Tages-Chart vom 28.06.2024, Kurs 19.682,87 Punkte, Kürzel: NDX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Nasdaq 100: Tageschart vom 28.06.2024, Kurs 19.682,87 Punkte, Kürzel: NDX | Quelle: TWS

Und warum auch nicht, wenn man sich die Charts ansieht. Zwar hätte der Nasdaq 100 zur oberen Begrenzung des Ende Oktober etablierten Aufwärtstrendkanals, den wir im Chart auf Tagesbasis sehen, noch ein bisschen Luft. Aber in der Wochenbasis sehen wird, dass die obere Begrenzung des übergeordneten, Anfang 2023 etablierten Trendkanals bei überkaufter Markttechnik erreicht wurde … und genau das die Abgaben einsetzten.

Nasdaq 100: Monatschart vom 28.06.2024, Kurs 19.682,87 Punkte, Kürzel: NDX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Nasdaq 100: Monatschart vom 28.06.2024, Kurs 19.682,87 Punkte, Kürzel: NDX | Quelle: TWS

Wäre es so, würden einige „Große“, vor allem Hedgefonds, das Ziel als erreicht einstufen. Und man müsste sich für das neue Quartal warm anziehen, nicht zuletzt mit Blick auf das hohe Kurs/Gewinn-Verhältnis von 34 als Schnitt der Gewinne der im Index enthaltenen Unternehmen aus den letzten vier Quartalen.

Achten Sie auf das Zwischentief der Vorwoche bei 19.472 Zählern. Sollte das auf Schlusskursbasis brechen, schaltet diese Ampel zumindest schon mal auf Gelb!

Trendbetrachtung auf Basis 6 Monate: Bereits im gestrigen Live-Stream von LYNX Live habe ich auf die überhitzte Situation bei den US-Indizes hingewiesen. Diese präsentieren sich seit Tagen überkauft und dementsprechend war und ist eine Korrektur mehr als wahrscheinlich. Wenig später begannen diese auch im Ansatz mit einer kleinen Zwischenkorrektur.

Der Abstand des Nasdaq 100 von der 50-Tage-Linie ist enorm und übersteigt die bisherigen Spannen im laufenden Kalenderjahr. Gerade in solchen Situationen kommt es gerne zu Pullbacks, welche teils drastisch ausfallen können.

Expertenmeinung: Die aktuelle Lage ist recht einfach zusammenzufassen: Die Euphorie der Marktteilnehmer ist enorm und in den letzten Wochen ist alles, was mit dem Themenbereich Künstliche Intelligenz (KI) zu tun hatte, wie wild nach oben geschossen. Nun scheint aber der Zeitpunkt gekommen zu sein, um ein paar Gewinne ins Trockene zu bringen.

Ich gehe zwar davon aus, dass die aktuelle Rallye noch ein Stück weit laufen dürfte, aber kurzfristig könnte ein Pullback Richtung 19.000 bis 19.250 wahrlich nicht schaden. Dies könnte in den kommenden Tagen wieder bessere Kaufmöglichkeiten ergeben.

Aussicht: BULLISCH

Nasdaq 100 Index: Chart vom 20.06.2024, Kurs: 19.752,30, Kürzel: NDX | Online Broker LYNX
Nasdaq 100 Index: Chart vom 20.06.2024, Kurs: 19.752,30, Kürzel: NDX | Quelle: TWS

Nachdem der Nasdaq 100 die 19.000 erobert hat, wäre die 20.000 nicht mehr weit. Und sieht man sich Chart und Terminkalender an, liegt der Gedanke nahe, dass die Bullen diese Marke gern zur Terminmarkt-Abrechnung am 21.6. sehen würden. Die Frage ist: Was kommt dann?

Fünf Prozent bis zur „magischen“ 20.000 … für einen so volatilen Index wie den Nasdaq 100 ist das im Prinzip ein Katzensprung. Und ein lohnender womöglich dazu, denn würde diese Marke zum „dreifachen Hexensabbat“ am 21. Juni erreicht, sprich zur Abrechnung von Optionen und Futures mit Laufzeit Juni an der Terminbörse, könnten dadurch sehr viele Akteure überrumpelt werden. Zum Vorteil derer, die das Unerwartete schaffen, indem sie diesen Index an oder sogar leicht über 20.000 Punkte hieven.

Nasdaq 100: Tages-Chart vom 07.06.2024, Kurs 19.000,95 Punkte, Kürzel: NDX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Nasdaq 100: Tageschart vom 07.06.2024, Kurs 19.000,95 Punkte, Kürzel: NDX | Quelle: TWS

Sieht man sich den Index im Chart auf Tages- und Wochenbasis an, wäre das sogar charttechnisch drin. Zwar würde die obere Begrenzung des Anfang 2023 etablierten Trendkanals bis in knapp zwei Wochen leicht unter 20.000 verlaufen, die obere Begrenzung des jüngsten, im letzten Herbst entstandenen Trendkanals läge aber darüber. Warum also nicht?

Nasdaq 100: Wochen-Chart vom 07.06.2024, Kurs 19.000,95 Punkte, Kürzel: NDX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Nasdaq 100: Wochenchart vom 07.06.2024, Kurs 19.000,95 Punkte, Kürzel: NDX | Quelle: TWS

Zumal es wirkt, als würden die „Pacemaker“, die Mega-Caps wie Nvidia, Microsoft, Alphabet, Amazon und Apple von alleine steigen, dazu kommen die im Kielwasser von Nvidia laufenden Tech-Titel wie Micron Technology oder Broadcom. Zur Terminmarkt-Abrechnung diese „big figure“ zu erreichen, erscheint dadurch nicht nur machbar. Es wirkt leicht.

Expertenmeinung: Ob es auch gelingt, wird sich weisen. Aber dass einige genau diesen Gedanken im Kopf haben, deutet sich auch dadurch an, dass momentan alles, was den Nasdaq 100 an „bad news“ kurzfristig drückt … beispielsweise die zu stark gestiegenen Löhne im Rahmen der US-Arbeitsmarktdaten … beflissen aufgekauft wird. Bloß keine Schwäche zeigen, immer das Momentum hochhalten, damit da nichts anbrennt. Die Frage stellt sich indes: Was passiert, wenn die Abrechnung vorbei ist, egal, ob die 20.000 dann erreicht wurde oder nicht?

Denn keinem Profi entgeht, dass der Nasdaq 100 basierend auf dem Durchschnitt des Gewinns der in ihm gelisteten Unternehmen derzeit ein Kurs/Gewinn-Verhältnis von 31,4 aufweist, was sehr hoch ist. Jede große Adresse weiß, dass gerade der Technologiesektor wegen des hohen Anteils an Fremdfinanzierung unter den hohen Zinsen leidet, die eben nicht schnell und weit sinken dürften. Eine Hoffnung, auf der diese Hausse eigentlich aufgebaut hatte. Und wer sich auskennt weiß ebenso, dass die Marktbreite nicht passt, dass zu wenige Aktien den Index ziehen und dadurch gefährlich hohe Bewertungen erreicht haben.

Und den erfahrenen Tradern entgeht natürlich auch nicht, dass das Erreichen der oberen Begrenzung von Aufwärtstrendkanälen auch bedeutet, dass ein Index erst einmal „oben“ ist. Es sei denn, es gäbe gute Gründe, warum mehr Trader dann trotzdem weiter kaufen als aussteigen wollen. Die vorgenannten Rahmenbedingungen liefern diese Gründe nicht, die auf Tages- ebenso wie auf Wochenbasis fast überkaufte Markttechnik auch nicht. Es ist daher möglich genug, dass ein Run an die „magische 20.000“ zugleich auch die vorerst letzte große Attacke der Bullen würde, um jetzt seine Stop Loss Long genauestens abzuklopfen und ggf. nachzuziehen.

Es war ein Moment, an dem alle den Atem anhielten: Nvidia als ein Super-Schwergewicht im Nasdaq 100 und Flaggschiff des KI-Hypes meldete Quartalszahlen. Die waren stark, Nvidia stieg am Donnerstag auf neue Rekorde … und der Nasdaq 100 drehte nach unten ab!

Nvidia ist schon lange keine Aktie mehr unter vielen. Seit sie den KI-Hype vor einem Jahr lostrat, achtet man auf ihren Kursverlauf und die Ergebnisse des Unternehmens noch mehr als auf die von Microsoft oder Apple. Und am vergangenen Mittwoch lieferte eben diese Nvidia überzeugende Ergebnisse. Das Wachstum ist so stark wie erhofft, die Gewinnmargen beeindruckend, die Perspektiven rosig. Entsprechend fiel die Reaktion bei der Aktie aus:

Nasdaq 100: Tages-Chart vom 24.05.2024, Kurs 18.808,35 Punkte, Kürzel: NDX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Nasdaq 100: Tageschart vom 24.05.2024, Kurs 18.808,35 Punkte, Kürzel: NDX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX

Sie startete mit einer Aufwärts-Kurslücke bereits über der „magischen“ 1.000 US-Dollar-Marke … und minimale Gewinnmitnahmen am Donnerstag wurden am Freitag umgehend durch erneute Käufe beantwortet. Klar, dass dieses Symbol der Hausse des Technologiesektors den gesamten Hightech-Markt und seinen Index, den Nasdaq 100, nach oben zieht. Dachte man zumindest. Denn es kam anders.

Expertenmeinung: Der Nasdaq 100-Index startete zwar erwartungsgemäß im Plus und damit auf einem neuen Verlaufsrekord. Aber er blieb nicht dort. Und die Abgaben setzten nicht irgendwann gegen Sitzungsende ein, sondern sofort mit dem Beginn des regulären Handels. Am Ende war nicht nur der Gewinn weg, sondern ein Minus da. Nvidia blieb in der Gewinnzone, aber fast alle anderen Schwergewichte sahen dasselbe Bild wie der Index auch:

Vom Plus ins Minus, also einen bärischen Intraday-Turnaround, der beim Nasdaq 100 zu einem sogenannten „bearish engulfing pattern“ führte. D. h. zu einer roten Kerze, deren Kerzenkörper den Kerzenkörper des Vortags komplett umhüllt. Aussage nach einer stärkeren Aufwärtsbewegung: Die Bullen verlieren die Kontrolle. Aber ein „bearish engulfing pattern“ braucht eine Bestätigung, idealerweise fällt der Kurs direkt am Folgetag weiter. Gelingt es aber umgehend, das Minus aufzuholen oder doch wenigstens zu reduzieren, kann die Formation auch ein Ausrutscher ohne Spätfolgen sein. Und genau das passierte: Am Freitag wurde umgehend gekauft.

Aber es wäre ratsam, die Sache damit nicht einfach als erledigt abzuhaken, sondern wachsam zu bleiben. Denn was könne die Motivation für den Abwärts-Turnaround am Donnerstag – ausgerechnet an einem Tag nach starken Nvidia-Zahlen – gewesen sein und was die Motivation für die Käufe am Folgetag?

Es gibt eher keine wirklich logische Erklärung für diese Abgaben außer dem alten Spruch „sell on good news“, der ja nicht impliziert, dass man grundsätzlich bei guten Nachrichten aussteigen sollte, was ja absurd wäre. Damit wird ausgesagt, man sollte dann aussteigen, wenn man erwarten kann, dass die letzten guten Nachrichten einer Folge von mit Spannung erwarteten News auf dem Tisch liegen. Daher hat vermutlich jetzt gekauft, wer kaufen wollte und dem Markt deshalb ab jetzt jederzeit Käufer und Kaufargumente zugleich knapp werden können. Und da Nvidia wegen seines um einen Monat nach hinten verschobenen Geschäftsjahrs ein Nachzügler der Bilanzsaison war und die Konjunkturdaten langsam schlechter werden. Aber zeitgleich die Notenbank klarmacht, dass die ersten Zinssenkungen sich noch hinziehen werden, wäre ein solcher Punkt grundsätzlich erreicht.

Und wenn man dieses Motiv unterstellt, bliebe als Erklärung für die sofortigen Käufe am Folgetag nur entweder, dass viele die Lage gar nicht verstehen oder verstehen wollen und immer blind kaufen, wenn es nur ein wenig nach unten ging. Was brandgefährlich wäre. Oder aber, dass die bullische Seite dadurch versucht hat, das negative Signal des „bearish engulfing pattern“ zu entschärfen, weil man ja weiß, dass steigende Kurse am Folgetag verhindern, dass die Formation „gültig“ wird. Was dann aber keine Käufe aus Überzeugung, sondern aus Angst vor Anschlussverkäufen wären, also eine Defensiv- und keine Offensivaktion.

Nasdaq 100: Wochen-Chart vom 24.05.2024, Kurs 18.808,35 Punkte, Kürzel: NDX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Nasdaq 100: Wochenchart vom 24.05.2024, Kurs 18.808,35 Punkte, Kürzel: NDX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX

Fazit: Es kann zwar sein, dass dieses Dagegenhalten am Freitag die Lage erst einmal bereinigt. Aber der vermutliche Auslöser des Abwärts-Schwenks vom vergangenen Donnerstag, nämlich, dass vorerst nicht mehr allzu viele bullische „News“ anstehen, während der Nasdaq 100 extrem hoch gelaufen und latent überkauft ist, der steht eben trotzdem weiter im Raum.

Damit kommt es jetzt darauf an, ob sich diejenigen, die ebenso an den Ausstieg gedacht, ihn aber noch nicht vollzogen haben, sich von der Gegenwehr der Bullen am Freitag beeindrucken lassen oder nicht. Da würde ich keine Wette drauf eingehen … man sollte vor allem die nächstliegende Supportlinie, das März-Hoch bei 18.465 Punkten, im Auge behalten. Fällt es signifikant, würde das „bearish engulfing pattern“ doch noch zu einer verspäteten Geltung kommen.

Mit +1,99 Prozent am Freitag hat der Nasdaq 100 eine wacklige Phase zu Gunsten der Bullen abgeschlossen. Zumindest scheint es so. Aber zum einen ist die Sache charttechnisch noch nicht in trockenen Tüchern, zum anderen sind die Argumente der Bullen eher wacklig.

Als Reaktion auf die am Freitag kurz vor Handelsbeginn präsentierten US-Arbeitsmarktdaten des Aprils startete der Nasdaq 100 mit einem großen Gap Up in den Tag und hielt diese Gewinne bis zum Schluss. Das war schon mal gut, aus Sicht der Bullen.

Nasdaq 100 Index: Wochenchart vom 03.05.2024, Kurs 17.890,79 Punkte, Kürzel: NDX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX

Darüber hinaus gelang so der Sprung zurück über die bei 17.765 Punkten gelegene Nackenlinie der Toppbildung von Ende Februar bis Mitte April. Und der Index drehte dadurch komfortabel oberhalb der 200-Tage-Linie und dem alten Rekordhoch von Ende 2021 nach oben, wie man im Chart auf Wochenbasis sieht. Und trotzdem ist diese Messe noch nicht gelesen. Und das nicht nur, aber auch aus charttechnischer Sicht, denn:

Erfahrene Trader, die auf der Short-Seite agieren, versuchen eher selten, in einen Kurssprung hinein dagegenzuhalten, das kostet zu viel Kapital und bringt zu wenig Effekt, solange die Käufer noch in großer Zahl aktiv sind. Sie pflegen zu warten, bis sich die Käufe erschöpft haben. Daher hat es nicht unbedingt viel zu sagen, dass am Freitag kein Abgabedruck aufkam. Im Gegenzug sehen wir im Tageschart, dass der Nasdaq 100 auch nicht allzu viel über dem Eröffnungskurs schloss. Das sieht nicht nach einem echten Start-Ziel-Sieg der Bullen aus, da müssten sie nachlegen, zumal:

Der Index lief dadurch zwar von unten an, aber nicht über die 50-Tage-Linie, die Anfang April noch als Support fungierte. Dass die Bären erst an dieser Linie wieder aktiv werden (wenn sie es denn werden), wäre schlüssig, zumal genau dort auch die obere Begrenzung eines ganz kurzfristigen Aufwärtstrendkanals liegt. Und solange der nicht klar überboten wurde, könnte man diesen Mini-Trendkanal noch als „Bear Flag“, als eine kurzzeitige Gegenbewegung in einem Abwärtstrend, sehen. Die Käufer müssten also in dieser Woche nachlegen und dabei eventuelle Gegenwehr überzeugend niederringen. Was aber nicht zwingend so kommen muss, denn nicht nur die Charttechnik ist derzeit nicht recht überzeugend.

Expertenmeinung: Gerade die stark wachsenden Unternehmen in Technologiebranchen, die den Nasdaq 100 dominieren, sind stark fremdfinanziert und spüren bei hohen Kredit- und Anleihezinsen Druck auf den Gewinn. Daher war die Zinssenkungsphantasie die entscheidende, treibende Kraft der Super-Hausse des Index seit Herbst 2023. Doch jetzt ist diese Phantasie dahin, die Futures auf die US-Leitzinsen preisten im Wochenverlauf nur noch eine „Fed“-Zinssenkung um 0,25 Prozent im laufenden Jahr ein. Zur Jahreswende lag man schon mal bei sechs.

Dass aus dieser Phantasie über kurz oder lang die Luft herausgelassen würde, war daher folgerichtig, aber war es der Kurssprung des Freitags auch? Da bekam man zuvor die US-Arbeitsmarktdaten serviert, bei denen die Zahl der neuen Stellen ebenso niedriger ausfiel wie der Anstieg des durchschnittlichen Stundenlohns. Das interpretierte man als klare Abschwächung des zuvor die Inflation begünstigenden, weil zu starken Arbeitsmarkts. Dies wiederum konnte man dann als Signal für die Notenbank auslegen, die Zinsen doch früher und öfter zu senken, als man das erst am vergangenen Mittwochabend kommuniziert hatte. Aber liegt man damit richtig?

Ein einziger Monat mit schwächeren Arbeitsmarktdaten und Lohnsteigerungen, die zum Vormonat bei 0,2 statt wie erwartet 0,3 Prozent lagen, erscheint nüchtern betrachtet ein dünnes Brett, auf dem die Bullen da balancieren wollen. Und ob ihnen das bewusst ist oder nicht: Dem bärischen Lager dürfte das sehr wohl klar sein. Fazit:

Noch ist diese Sache nicht in trockenen Tüchern. Die Bullen müssten so entschieden nachlegen und „Bear Flag“ nebst 50-Tage-Linie aus dem Weg räumen, dass den Bären der Gedanke daran, dagegenzuhalten, vergällt wird. Gelingt das nicht zügig, könnte dieser Kurssprung als Eintagsfliege enden.

Nasdaq 100 Index: Tageschart vom 03.05.2024, Kurs 17.890,79 Punkte, Kürzel: NDX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX