Nasdaq 100: Das wird jetzt richtig gefährlich hier

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NASDAQ 100
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Zur NASDAQ 100

Wenn ein Index zeitweise knapp zwei Prozent im Plus liegt, dann aber 1,34 Prozent im Minus schließt, ist das ganz und gar nicht gut. Aber es ist noch kritischer, wenn dadurch nicht nur eine runde Marke, sondern auch noch die 200-Tage-Linie fällt. Es ist Alarm beim Nasdaq 100!

Ich gehöre nicht zu den Leuten, die in Abwärtsbewegungen verbissen Long bleiben oder sogar ins fallende Messer greifen. Aber ich bin lange genug Trader, um nachempfinden zu können, was diejenigen, die gestern hoffnungsvoll auf die Rückeroberung einer charttechnisch entscheidenden Zone im Nasdaq 100 setzten, empfunden haben müssen, als zu Beginn der zweiten Hälfte der Handelssitzung auf einmal alles schief ging. Das dürfte mitnichten Unbehagen gewesen sein, sondern blankes Entsetzen.

Eine Tages-Handelsspanne von über 500 Punkten im Nasdaq 100 ist ohnehin nichts für schwache Nerven. Aber hier ging es, wie Sie im Chart auf Tagesbasis sehen, um nicht gerade wenig.

Nasdaq 100: Tages-Chart vom 20.01.2022, Kurs 14.846,45 Punkte, Kürzel NDX | Online Broker LYNX

Konkret sollten die Käufe zum Handelsstart erreichen, dass der Index wieder in den aus dem November 2020 stammenden Aufwärtstrendkanal hineinläuft und dadurch zugleich die Nackenlinie der am Dienstag vollendeten Toppformation zurückerobert. Das wäre mit 15.500 Punkten erledigt gewesen. Bis knapp 15.350 Punkte kamen die Bullen, dann ging es nicht mehr weiter. Hätte es aber unbedingt müssen, denn:

Der Nasdaq 100 hatte ja sowieso schon einen fatalen Start ins Jahr, da ist das bullische Lager ebenso dezimiert wie nervös. Und nach dem Bruch des Trendkanals und der Vollendung des Topps gab es eine Linie, auf die es ankam: die 200-Tage-Linie.

Die verläuft aktuell bei genau 15.000 Punkten und war am Mittwochabend schon fast erreicht worden, nachdem ein anfänglicher Versuch, den Index ins Plus zu ziehen, scheiterte. Am Donnerstag ging es also um viel. Das bullische Lager hatte viel zu verlieren, nicht zuletzt mit Blick auf die heute anstehende Abrechnung der Index- und Aktienoptionen an der Terminbörse. Dass neben der 200-Tage-Linie auch noch die runde Marke von 15.000 Punkten fallen würde, wenn diese Rettungskäufe schiefgehen, musste man schon fast als Fußnote ansehen.

Den aktuellen Kurs und Chart des NASDAQ 100 sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Expertenmeinung: Es ging also um immens viel. Und es ging schief. Und das ist es, was besonders kritisch ist. Denn die Bullen pflegen in solchen Situationen normalerweise nicht zu versagen. Jetzt ist der Nasdaq unterhalb der Schlüssel-Hürde bei 15.500 abgewiesen worden, hat die 15.000er-Marke ebenso gebrochen wie die 200-Tage-Linie und wurde nur von der Schlussglocke vor noch größeren Verlusten gerettet. Was war da passiert?

Ich könnte nicht einschätzen, ob da Angst oder gezielte, bärische Attacken den Selloff angeschoben haben. Das Hoch des Index wurde anderthalb Stunden nach Handelsbeginn erreicht, danach ging knapp zwei Stunden lang nichts mehr voran. Und dann begann ein Abstieg, der vor allem ab 20 Uhr unserer Zeit immer mehr an Fahrt aufnahm und den Nasdaq 100 auf Tagestief aus dem Handel entließ. Gegenwehr: keine.

Und auch nachbörslich ging es weiter abwärts. Eine Stunde nach US-Handelsende lag der Index noch weiter im Minus. Und Netflix, die nach Handelsende ihre Quartalsbilanz meldeten, wurden mit -19 Prozent per 23 Uhr förmlich zerfleischt, obwohl der Gewinn pro Aktie weit über den Prognosen lag und der Umsatz die Analystenerwartungen genau traf.

Dass ein solcher Wirkungstreffer gegen das ohnehin massiv angezählte bullische Lager heute ausgerechnet auf einen Terminbörsen-Abrechnung trifft, ist eine gefährliche Konstellation. Ob sich genug große Adressen finden werden, um das Ruder mit letzter Kraft doch noch herumzureißen? Oder ob viele der „Großen“ sich entscheiden, lieber schnell die Portfolios zu verkleinern, bevor es noch schlimmer wird?

Es ist schlicht nicht vorhersehbar, denn jetzt geht es, mehr noch als sonst, um Emotionen. Die kann man nicht in Schemata pressen, da hilft auch keine langjährige Erfahrung. Daher kann man nur eines raten: Riskieren Sie jetzt nicht zu viel, Tage wie diese sind nicht zu unterschätzen!

Nasdaq 100: Wochen-Chart vom 20.01.2022, Kurs 14.846,45 Punkte, Kürzel NDX | Online Broker LYNX
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Einige wenige Aktien halten den ganzen Markt zusammen. Ewig wird das nicht so weitergehen. Kommt es jetzt zur entscheidenden Wende bei Apple, Microsoft, Google & Co. ?

Unkaputtbar

Dass die Bewertungen an der Börse im historischen Vergleich sehr hoch sind, ist keine Neuigkeit.
Ebenso wenig, dass die Märkte eine geradezu beispiellos lange Aufwärtsbewegung ohne nennenswerte Rücksetzer hinter sich haben.

Selbst die stark gestiegene Inflation und der Umstand, dass die Notenbanken langsam die Zügel straffen wollen, konnte die Hausse nicht stoppen.

In einem „normalen“ Umfeld hätten die letzten beiden Faktoren bereits ausgereicht, um eine Korrektur, die ihren Namen verdient, auszulösen. Wir sprechen nicht über einen Crash, sondern eine Korrektur von beispielsweise 10%.

Zocken auf Pump

Dazu ist es bisher aber nicht gekommen. Der Markt erschien unkaputtbar und viele Anleger haben sich inzwischen so positioniert, als wäre er das wirklich.
Es wird in einem Ausmaß auf Pump gezockt wie nie zuvor.

Mein geschätzter Kollege Ronald Gehrt hatte es kürzlich in einem Artikel illustriert:
(Der IOS-Skandal: Warum die Lehren von damals auch heute noch wichtig sind)

Börse aktuell: Entwicklung des Kreditvolumens zur Finanzierung der Margins im Derivate-Trading in den USA von 1985 bis 2021 | Online Broker LYNX

Das ist ein echtes Problem. Solange immer mehr Geld an die Börse fließt und die Kurse steigen, werden Anleger für das Zocken auf Pump belohnt. Daher gehen sie mit der Zeit immer größere Risiken ein.
Sobald es aber zu einer nennenswerten Korrektur kommt, müssen die gehebelten Positionen zwangsweise aufgelöst werden.

Diesen Faktor sollte man nicht unterschätzen. So wie sich zuvor die Rallye selbst befeuert hat, befeuert sich dann die Baisse.
Was viele vergessen: Ein Bärenmarkt kann sich lange ziehen. Ein Crash ist nur eine Variante.

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt

Die Überbewertung der Dot-Com-Blase mündete auch nicht in einem Crash, sondern in einer zähen und mehrjährigen Baisse.
Ein ähnliches Szenario könnte uns auch jetzt blühen.

Erfahrungsgemäß passiert an der Börse immer das, womit keiner rechnet. Als der Markt 2020 ins Bodenlose zu stürzen schien, gab es quasi niemand, der eine V-Erholung der Aktienmärkte prognostizierte.
Die meisten Stimmen, die ich damals vernahm, sprachen von einem W. Die meisten wollten kaufen, nachdem der Markt eine erste Erholung und zweite Crashphase vollzogen hatte. Dazu kam es nie.

Heute scheint sich die Börsenwelt in zwei Lager zu spalten. Diejenigen die bereits seit Monaten den Kursen hinterherschauen und auf einen Crash warten und diejenigen die scheinbar unverblümt auf Pump zocken.

Doch wie gesagt, erfahrungsgemäß passiert an der Börse immer das, womit keiner rechnet.
Die Börse beschreitet in der Regel den Weg des „maximalen Schmerzes“.

Droht uns das wieder?

Wie sähe der aktuell aus? Vermutlich ein kurzer Abverkauf von 8-10%. Das schwemmt in einer ersten Runde viele zittrige Hände aus dem Markt.
Anschließend eine ausbleibende Erholung mit langsam und unter geringer Schwankung fallenden Kursen.

Dafür spricht zum Beispiel auch, dass seit dem 2020-Crash außerordentlich große Summen in ETFs geflossen sind. Wer hier ungehebelt engagiert ist, wird durch eine kurze Korrektur nicht gleich aus dem Markt gekegelt.
Wenn die Kurse allerdings lange genug stagnieren oder langsam und stetig fallen, geben jeden Tag Anleger auf und kehren der Börse wieder den Rücken.
In diesem Szenario würde stetig Kapital abfließen…

Muss es so einem derartigen Bärenmarkt kommen? Keineswegs, aber statistisch kommt das in etwa alle zwanzig Jahre vor und die Struktur des Gesamtmarktes würde es hergeben.

Ebenso gut könnte die Überbewertung auch sehr viel schneller abgebaut werden, eben doch durch einen Crash.
Dafür spricht, wie empfindlich die Märkte auf die steigenden Renditen von Anleihen reagiert haben, das Zocken auf Pump und der Umstand, dass wenige Aktien den Markt zusammenhalten.

Optimismus

Ich hatte es bereits mehrfach thematisiert, aber im Endeffekt werden die Indizes von einem halben Dutzend an Schwergewichten zusammengehalten.
Der breite Markt befindet sich bereits seit langem in einer handfesten Korrektur, teilweise haben wir es mit einem Crash zu tun.

Derzeit notieren 70,4% aller US-Aktien unter ihrem 50-Tagesschnitt und 64,1% sogar unter dem SMA200.
Das geht schon seit etlichen Wochen so, doch bisher konnten die Schwergewichte wie Apple, Microsoft, Google, Amazon, Tesla und Facebook immer wieder retten.

Mehrfach standen die Aktien vor charttechnischen Problemen, konnten den Bären aber von der Schippe springen. Womöglich gelingt es auch dieses Mal wieder, Optimismus verbreiten die Charts aber sicherlich nicht.

Chart vom 19.01.2022 Kurs: 170,12 Kürzel: AAPL - Tageskerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 19.01.2022 Kurs: 170,12 Kürzel: AAPL – Tageskerzen

Fällt Apple beispielsweise unter 168 USD, kommt es zu einem Verkaufssignal mit möglichen Kurszielen bei 157 oder 150-152 USD.

Chart vom 19.01.2022 Kurs: 303,25 Kürzel: MSFT - Tageskerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 19.01.2022 Kurs: 303,25 Kürzel: MSFT – Tageskerzen

Bei Microsoft sieht es ebenfalls zunehmend kopflastig aus. Der mehrmonatige Aufwärtstrend wurde bereits durchbrochen und mit Unterschreiten der Unterstützung bei 305 USD wurde ein Verkaufssignal ausgelöst.

Aus Sicht der Bullen muss die Aktie möglichst schnell wieder über diese Marke zurückkehren, sonst drohen Verluste in Richtung 290 und 282 USD.
Unter 280 USD wäre sogar der Weg in Richtung 262 USD frei.

Chart vom 19.01.2022 Kurs: 2725 Kürzel: GOOG - Tageskerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 19.01.2022 Kurs: 2725 Kürzel: GOOG – Tageskerzen

Google hat den mehrmonatigen Aufwärtstrend ebenfalls hinter sich gelassen und ist auf der Oberseite mehrfach zwischen 2.900 und 3.000 USD gescheitert.
Fällt die Aktie jetzt unter 2.700 USD, kommt es zu einem Verkaufssignal mit möglichen Kurszielen bei 2.550 und 2.440 USD.

Der Nasdaq 100 kam in der ersten Handelswoche 2022 massiv unter die Räder. Und getroffen hat es da vor allem die Schwergewichte des Index, die sogenannten „Mega-Caps“. Wieso wird auf einmal massiv verkauft, was zuvor noch alle haben wollten?

Alphabet, Netflix, Adobe, Microsoft, Intuit, AMD, … all diese Top-Performer 2021 gingen mit Kursverlusten über fünf Prozent aus der ersten Handelswoche, Drei Viertel der Nasdaq 100-Aktien beendeten die Woche mit einem Minus. Und keiner der Wochengewinner gehörte zur ersten Garde dessen, was die Trader im Vorjahr im Depot haben wollten. Was ist da los? Wie kann eine Jahreswende das Bild derart auf den Kopf stellen? Und vor allem: Geht das womöglich so weiter?

Expertenmeinung: Die Verkäufe dürften vier Ursachen auf einmal haben. Und weil alle jetzt zusammenkommen, fallen die Abgaben so heftig aus. Und könnten in der Tat weitergehen, falls der Nasdaq 100 die jetzt erreichte Unterstützungszone brechen sollte. Was sich aber erst einmal herausstellen muss.

Der erste Grund liegt darin, dass die jetzt massiv verkauften Aktien immens stark gelaufen sind. Da sitzen immense Gewinne drauf – und die nimmt man eben auch mal mit, wenn das Umfeld dies nahelegt. Und zugleich geht man davon aus, dass das Gewinnwachstum 2022 allgemein eher moderat ausfallen wird.

Nasdaq 100: Tages-Chart vom 07.01.2022, Kurs 15.592,19 Punkte, Kürzel NDX | Online Broker LYNX

Da fällt ein Ausstieg leichter, das ist der zweite Grund. Hinzu kommt, dass viele institutionelle Investoren die Top-Performer im Zuge des „Window Dressing“, d.h. der Performance-Optimierung zum Jahresende, gezielt übergewichtet hatten. Da ist jetzt einiges an Beständen übrig … und es kann gut sein, dass die Neuausrichtung der Anlagestrategie bei vielen Fonds oder Hedgefonds dazu geführt hat, dass diese vorherigen Top-Performer für 2022 nicht mehr auf ihrer „Top Pick“-Liste stehen, wegen der vorgenannten, ersten zwei Gründe. Aber es gibt noch einen anderen Faktor, den vierten Grund:

Je stärker eine Aktie läuft, desto mehr zieht sie „Zocker“ an, die Aktien auf Kredit kaufen, weil sie sicher sind, dass deren Hausse eine Einbahnstraße ist, ihnen also nicht passieren kann. Aber Trading auf Kredit bedeutet, dass man nur einen winzigen Sicherheitspuffer hat. Da können Verluste von fünf oder zehn Prozent schon reichen, um die Sicherheitsleistungen aufzuzehren, so dass man zwangsläufig aussteigen muss. Das dürfte bei mancher der Nasdaq 100-Aktien schon in der abgelaufenen Woche passiert sein.

Und wenn der Index die in den Charts deutlich zu sehende, entscheidende Supportzone 15.400/15.500 Punkte brechen sollte, die aus der unteren Begrenzung des mittelfristigen Aufwärtstrendkanals und der Nackenlinie eines potenziellen, multiplen Topps besteht, das sich seit November ausgebildet hat, wird es für noch mehr auf Kredit agierende Trader ungemütlich. Möglich wäre das allemal, denn:

Die Erwartung, dass die US-Notenbank die Leitzinsen schon in wenigen Monaten anhebt, macht vor allem den Bullen an der Nasdaq sorgen, weil man weiß, dass hier sehr viel auf Kredit spekuliert wird und höhere Kreditkosten dazu führen können, dass diese Trader aus ihren Positionen herausgepresst werden. Mit dieser Problematik im Genick dürften sich viele schwertun, diese Zone von 15.400/15.500 Punkten aktiv und mit viel Kapitalaufwand zu verteidigen. Sicher ist es zwar keinesfalls, dass dieser Bereich fällt und der Nasdaq 100 dann durch eine Kettenreaktion aus immer neuen, ausgelösten Stop Loss-Verkäufen weiter nachgibt. Aber diese Möglichkeit auszuschließen, wäre leichtsinnig.

Nasdaq 100: Wochen-Chart vom 07.01.2022, Kurs 15.592,19 Punkte, Kürzel NDX | Online Broker LYNX

Aus Corona-Angst wurde Anfang letzter Woche Corona-Hoffnung. Der Nasdaq 100 machte am Dienstag einen Riesensatz nach oben. Doch bislang bleiben taugliche Anschlusskäufe aus. Das macht die Sache knifflig, denn es könnte zu einem „Island Reversal“ kommen.

Das markant bärische Signal eines „Island Reversal“ wäre gegeben, wenn ein Kurs durch eine Aufwärts-Kurslücke auf eine höhere Ebene katapultiert wird, wie dies beim Nasdaq 100 am Dienstag der Fall war, dann aber nicht weiter vorankommt und einige Tage später mit einer erneuten Kurslücke, diesmal nach unten, in die vorherige, tiefere Spanne zurückfällt.

Nasdaq 100: Tages-Chart vom 10.12.2021, Kurs 16.331,98 Punkte, Kürzel NDX | Online Broker LYNX

Normalerweise könnte man erwarten, dass es nicht zu einem solchen Reversal kommt, wenn die Mehrheit der Trader bullisch ist und ein intakter Aufwärtstrend vorliegt. Letzteres ist der Fall, der US-Technologieindex bewegt sich seit Herbst 2020 in einem Aufwärtstrendkanal, dessen untere Begrenzungslinie von der 100-Tage- und der 200-Tage-Linie flankiert wird. Und es gelang, die jüngste Korrektur noch oberhalb der 100-Tage-Linie, der obersten dieser drei potenziellen Unterstützungen, zu drehen. Aber ist die Mehrheit der Trader wirklich so bullisch, dass man nicht nur vorerst investiert bleibt, sondern auch aktiv weiter kauft?

Expertenmeinung: Dessen sollte man sich zumindest nicht zu sicher sein. Immerhin war der Nasdaq 100 am 22. November genau auf Höhe der oberen Begrenzung des seit gut einem Jahr geltenden Aufwärtstrendkanals abgewiesen worden, das hatte die Korrektur ja erst eingeleitet. Und wären genug Akteure bereit, nach dem Aufwärts-Schwenk Anfang vergangener Woche zuzugreifen, müsste der Index nach der Aufwärts-Kurslücke eigentlich weiter zulegen, immerhin wäre der Weg aus charttechnischer Sicht jetzt ja bis an das Rekordhoch des 22. Novembers bei 16.765 Punkten frei. Aber der Nasdaq 100 tritt eben seit vier Tagen auf der Stelle.

Dieses Risiko eines Island Reversals wäre umgehend vom Tisch, wenn der Nasdaq 100 diese kurzfristige Seitwärtsrange mit Schlusskursen klar über 16.413 Punkten eindeutig nach oben verlassen würde. Der am Freitag anstehende „dreifache Hexensabbat“, d.h. die Abrechnung der Futures und Optionen an der Terminbörse, könnte die nötige Sogwirkung entwickeln, um die Kuh vom Eis zu bekommen, aber: Diese Woche hat es in sich.

Die am Freitag vorgelegten, mit mittlerweile 6,8 Prozent zum Vorjahr äußerst problematischen Inflationsdaten des Novembers waren da nur die Ouvertüre. Wir bekommen morgen die US-Erzeugerpreise, am Mittwoch die Import- und Exportpreise auf den Tisch. Ebenfalls am Mittwoch steht das Statement der US-Notenbank an. Da ist offen, wie die neuen Fed-Projektionen zu Wachstum und Inflation aussehen und ob man beschließt, das Tempo der Anleihekauf-Reduzierung zu intensivieren. Und bevor es dann am Freitag in den „dreifachen Hexensabbat“ geht, kommt am Donnerstag auch noch die Entscheidung der EZB. So sicher kann man sich daher nicht sein, dass das bullische Lager nicht nur groß, sondern auch entschlossen genug ist und bleibt, um den Nasdaq 100 in eine Jahresendrallye zu tragen. Sollte es zu einem solchen Island Reversal kommen, wäre das für aggressiv Long agierende Trader bereits ein markantes Warnsignal. Und wenn der Index mit Schlusskursen unter 15.500 Punkten das letzte Zwischentief und auch noch die 100-Tage-Linie brechen sollte, wäre es unbedingt zu überlegen, hier den Gewinn vom Tisch zu nehmen.

Nasdaq 100: Wochen-Chart vom 10.12.2021, Kurs 16.331,98 Punkte, Kürzel NDX | Online Broker LYNX

Ein Abrechnungstermin an der Terminbörse macht vieles möglich. Das Aufholen knapp vor der Abrechnung aus dem Zielkorridor rutschender Kurse ist da keine Seltenheit. Genau das gelang beim Nasdaq 100-Index. Aber die Probleme der Bullen sind damit nicht vom Tisch.

Wenn man weiß, wie dünn das Eis ist, auf dem vor allem die US-Wirtschaft seit Jahren balanciert … wenn man weiß, dass dieses Eis durch die Flutung der Wirtschaft und, als Nebeneffekt, der Aktienmärkte mit neuen Krediten und „Gratisgeld“ noch dünner geworden ist … dann versteht man, wieso die Anleger auf diese eine Zeile im Protokoll der letzten US-Notenbanksitzung so erschrocken reagierten. Extrem niedrige Zinsen sind die Basis, um zu verhindern, dass das Wachstum schlagartig wegbricht, die Schuldenblase platzt und dieses Kartenhaus aus über Jahrzehnte immer höher angestiegenen Schulden, errichtet, um schwindendes organisches Wachstum durch künstliches zu ersetzen, in sich zusammenfällt.

Das Problem ist: Hält man diese Tür offen, durch die sich nicht nur der Staat, sondern auch Unternehmen und Privathaushalte refinanzieren, indem sie auslaufende Kredite durch immer neue ersetzen, wird die Inflation nicht gestoppt. Die Erzeugerpreise lagen im Juli 7,8 Prozent über dem Vorjahr, die Verbraucherpreise, zuletzt bei +5,4 Prozent, werden wohl nachziehen. Das würgt die Kaufkraft ab und drückt auf Wachstum und Unternehmensgewinne. Und steigert man die Löhne, um die Inflation auszugleichen, drückt eben das auf die Gewinne der Unternehmen und eine Lohn-/Preis-Spirale entsteht. Hinzu kommt, dass die US-Notenbank ebenso wenig wie andere Notenbanken imstande ist, die Spekulation im Bereich der Rohstoffe einzudämmen, die an diesem Problem entscheidenden Anteil hat. Aus dieser Zwickmühle kommt man nicht heraus. Aber bislang schien es, als hätten die Anleger kein Problem damit.

Was aber nur gilt, solange die US-Notenbank so tut, als wäre nichts. Denn man setzt darauf, dass dann zwar die Inflation zum Problem wird. Aber das würde sich auf der Zeitachse später auswirken als zeitnahe Maßnahmen in Form des Rückbaus der Stützungskäufe am US-Anleihemarkt und danach erster Anhebungen der Leitzinsen. Man spielt auf Zeit … und noch scheint man diese Zeile im Notenbankprotokoll nicht ernst zu nehmen und dieses Spiel weiterzuspielen, denn der Nasdaq 100 war ja blitzschnell wieder über der runden 15.000 Punkte-Marke.

Zumindest scheint es so. Denn mit hoher Wahrscheinlichkeit war es keine neue Welle der Ignoranz gegenüber den Risiken, die über dem Markt schweben, die den Index umgehend wieder hat anziehen lassen. Es waren die großen Akteure an der Terminbörse.

Expertenmeinung: Es war seit Ende der Vorwoche abzusehen, dass die Zielzone für die großen Trader an der Terminbörse, die vor allem als Options-Anbieter (Stillhalter) agieren, ein Abrechnungsniveau von 15.000 Punkten oder ggf. leicht darüber war. Es ist eher die Regel als die Ausnahme, dass man diese Zone bereits mehrere Tage vor der Abrechnung der in den USA immens bedeutsamen Index-Optionen ansteuert und dann konsequent verteidigt.

Rutschen die Kurse aus einer solchen Zone hinaus, haben diese Akteure zwei Möglichkeiten. Entweder, sie gehen, wenn es um eine Abrechnung am oberen Ende der Handelsspanne geht, Short und hedgen sich so gegen weiter abrutschen Kurse. Was indes die Abwärtsbewegung intensiviert und deswegen zu einem Dominoeffekt führen kann. Oder aber man treibt die Kurse über den Hebel der Futures gezielt wieder in die Zielzone zurück. Was zwar ggf. viel Kapital erfordern kann. Aber meist kann man sich sicher sein, dass die anderen „Großen“ am selben Strang ziehen, zugleich werden die Kurse bei solchen abrupten Turnarounds nach oben auch von den vielen Tradern mit nach oben gezogen, die sicher sind, dass man wieder einmal einen Rücksetzer vor sich hat, der die perfekte Kaufgelegenheit darstellt. Daher muss man den Karren meist nur anschieben, laufen wird er dann von allein. Wenn wir uns den Chart des Nasdaq 100 auf Stundenbasis ansehen: Genauso ist es gelaufen. Aber ist das jetzt die Initialzündung, um den Index auf neue Rekorde davonziehen zu sehen?

Das ist zumindest fraglich. Denn, ob im Stundenchart seit Monatsbeginn oder im Chart auf Tagesbasis: Es ist unübersehbar, dass den Bullen der Schwung abhandengekommen ist. Seit Wochen schiebt sich der Nasdaq 100 nur noch seitwärts. Und es ist keinem Anleger entgangen, dass die Quartalsbilanzen der Technologieunternehmen die Dynamik nicht zurückzubringen vermochten. Zudem weiß man um die Zwickmühle der „Fed“, die für den Aktienmarkt ja ebenso eine ist: Das Wachstum wird ausgebremst … entweder schnell durch die Notenbank oder etwas später durch die Inflation. Und Marktteilnehmer, die wissen, wie dünn das Eis ist, reagieren schnell, wenn sie fürchten, dass es gerade bricht.

Nasdaq 100: Stunden-Chart vom 20.08.2021, Kurs 15.092,57 Punkte, Kürzel NDX | Online Broker LYNX

Trotzdem kann man nie sicher sein, wann es dazu kommt. Der Nasdaq 100 könnte durchaus die bisherigen Hochs angehen und überbieten, auch, wenn da jetzt nicht mehr allzu viel Spielraum nach oben zu erwarten wäre. Daher wäre es äußerst riskant, auf Verdacht auszusteigen und sogar auf die Short-Seite zu wechseln, bevor das Chartbild das nicht indiziert. Wo läge ein solcher „Punkt X“?

Nasdaq 100: Tages-Chart vom 20.08.2021, Kurs 15.092,57 Punkte, Kürzel NDX | Online Broker LYNX

Auf kurzfristiger Ebene ließe sich vermuten, dass es sofort kritisch wird, wenn dieses Wochentief bei 14.773 Punkten, das am Donnerstagmorgen zum Sprungbrett für die Rallye zur Terminbörsen-Abrechnung wurde, unterboten wird. Würde diese kurzfristige Supportmarke fallen, kann das bereits reichen, den Nasdaq 100 an das Juli-Verlaufstief bei 14.455 Punkten zu drücken und darüber hinaus dann an die mittelfristige Auffangzone 13.880/14.073 Punkte. Aber erst unter dieser Zone wäre mehr zu unterstellen als ein kräftiger Rücksetzer. Wer nicht gezielt risikofreudig und kurzfristig agiert, sollte mit Short-Trades also zunächst noch vorsichtig sein.

Die Quartalsbilanzen der großen Nasdaq-Schwergewichte sorgten nicht für neuen Schwung, in den vergangenen drei Wochen trat der Nasdaq 100 nahezu auf der Stelle. Aber der Trend weist trotzdem weiter nach oben. Und gerade an der Nasdaq gilt: Totgesagte leben länger!

Es war zwar nicht sicher, aber überraschen durfte es nicht, dass die „Earnings Season“, die Phase, in der die Quartalsbilanzen auf den Tisch kommen, nicht für eine wilde Kaufwelle sorgte. Denn mit den derart weit und lange gestiegenen Kursen und diesem permanenten, umgehenden Aufholen jedweder, kurzer Abverkäufe stiegen nicht nur das Selbstvertrauen der Bullen, sondern auch ihre Erwartungshaltung. Es wirkt wie ein Spiegelbild des Lebens, zumindest bei manchen: Ist man erst einmal auf der Erfolgsspur, ist gut auf einmal nicht mehr gut genug. Wobei die häufig trotz guter Zahlen ausbleibenden Käufe auch „hausgemachte“ Gründe hatten.

Denn die Kurse sind im Vorfeld stark gelaufen, viele haben, wie das in Aufwärtstrends typisch ist, guten Ergebnissen vorgegriffen. Das limitiert die Zahl derer, die wirklich erst kaufen, wenn die Zahlen schwarz auf weiß auf dem Tisch liegen, während viele dann ihren Gewinn kassieren wollen. Dieses Phänomen hatte in der vorangegangenen „Earnings Season“ Ende April bis Mitte Mai zu einer kräftigen Korrektur geführt. Dass sich der Nasdaq 100 diesmal, zumindest bislang, gut gegen die Gewinnmitnahmen der „Vorkäufer“ behaupten kann, ist also gar nicht mal so übel. Ob der Index deshalb aber um eine Korrektur herumkommt, ist fraglich, denn:

Diese Hausse hat seit ihrem Beginn im März 2020 schon sehr weit geführt. Die Bewertungen nicht weniger Aktien im Index ist hoch und die Rahmenbedingungen zumindest wacklig. Vor allem, weil man sehr starke Konjunkturdaten wie die am Freitag vorgelegten US-Arbeitsmarktdaten für Juli auch negativ interpretieren kann, weil ein deutlicher Anstieg der Beschäftigung und die damit verbundenen, kräftigen Lohnsteigerungen (+4,0 Prozent zum Vorjahresmonat) indizieren, dass das Inflationsproblem sich verstetigen könnte. Die Frage ist indes, ob es den Ausstieg lohnt, wenn die derzeit spürbar erlahmende Hausse die nächste Auszeit nehmen würde?

Wochenchart vom 06.08.2021, Kurs 15.109,35 Punkte, Kürzel NDX | Online Broker LYNX

Das kommt darauf an, wie kurzfristig und aggressiv man auf der Long-Seite agiert. Durch das schwindende Momentum der Bewegung sind die ganz kurzfristigen Ankerpunkte jetzt nahe, da geht es um die Mai-Aufwärtstrendlinie und die aktuell auf gleicher Höhe verlaufende 20-Tage-Linie, die am Freitag bei 14.940 Zählern verliefen. Fällt dieser Bereich, kann das eine Korrektur einleiten. Wer kurzfristig agiert, könnte daher schon den Bruch dieser nahe gelegenen, gerade erst letzte Woche getesteten und gehaltenen Zone zum Anlass nehmen, erst einmal auszusteigen. Aber erst, wenn sich das dann ergebende Kursziel fallen würde, wäre auch aus mittelfristiger Sicht etwas angebrannt.

Dieses Kursziel wäre der Supportbereich 13.800 bis 14.073 Punkte, bestehend aus der mittelfristigen Aufwärtstrendlinie und den Hochs vom Februar und April. Falls der Nasdaq 100 diese Zone verteidigt, wäre das eine gute Basis für die nächste Welle an „Vorkäufen“ mit Blick auf die Bilanzen des laufenden, dritten Quartals. Nur, wenn diese Zone durchschlagen würde, müsste man unterstellen, dass die Zeit der Bullen womöglich auch für längere Zeit abgelaufen wäre und die bislang so erfolgreich verdrängten Risikofaktorenbeginnen, sich auszuwirken.

Tageschart vom 06.08.2021, Kurs 15.109,35 Punkte, Kürzel NDX | Online Broker LYNX