NASDAQ 100 aktuell Nasdaq 100: Sie wissen es … und tun es trotzdem

News: Aktuelle Analyse des NASDAQ 100 Index

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NASDAQ 100
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Zum NASDAQ 100

Heute findet an den US-Börsen feiertagsbedingt kein Handel statt. Es hat schon fast Tradition, in solchen Fällen mit einem Plus aus der Vorwoche zu gehen. Das, wie es sich für den Nasdaq 100 als Outperformer unter den US-Indizes gehört, natürlich ein neues Allzeithoch wurde.

Das wirkt alles so leichtfüßig dort. Sicher, alle paar Wochen wird ein bisschen Luft aus den Kursen gelassen, aber wenige Tage später ist das vorherige Hoch schon überboten. Das geht jetzt schon seit Anfang November so. Wobei, wenn man es genau nimmt und sich einmal den ganz langfristigen Chart ansieht: eigentlich geht das seit elf Jahren so. Und diejenigen, die da immer wieder kaufen, sehen keinen Grund, damit aufzuhören. Weil?

Weil es ja immer wieder gutgeht. Und gerade weil es stapelweise Argumente gäbe, dass der Technologieindex irgendwann einmal dramatisch korrigieren müsste, das aber ein ums andere Mal nicht passiert, kaufen die Trader weiter. Sie wissen beispielsweise um das ungewöhnlich hohe Kurs/Gewinn-Verhältnis des Index von 33,50 (durchschnittliches KGV der 100 gelisteten Aktien auf Basis der gemeldeten Zahlen, nicht der Prognosen).

Nasdaq 100: Monats-Chart vom 12.02.2021, Kurs 13.807,69 Punkte, Kürzel NDX | Online Broker LYNX

Sie wissen, dass die Rahmenbedingungen schwierig sind, das Wachstum für Jahre instabil bleiben wird und das am Ende auch bei den Technologiewerten ankommen dürfte. Sie wissen, dass das Risiko gestiegen ist, seit der Nasdaq 100 ausgerechnet im Sommer 2020, mitten in der Corona-Krise, den „ewigen Aufwärtstrend“ auch noch nach oben verlassen hat, d.h. eine Phase des „Overshootings“ begonnen hat. Sie kaufen trotzdem weiter.

Den aktuellen Kurs und Chart des NASDAQ 100 sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Und warum auch nicht? Es geht ja immer wieder gut. Wer hier alleine aufgrund der Tatsache, dass der Nasdaq 100 eigentlich ein gutes Stück tiefer notieren müsste, eher 10.000 bis 12.000 Punkten angemessen wären als die am Freitagabend erreichte, neue Bestmarke von 13.807,69 Punkten, auf Verdacht Short ging, wurde niedergemacht. Und so profan es klingt: Wenn „runter“ die falsche Richtung ist, muss „rauf“ eben die richtige sein. Nur eines sollte man hier besser nicht werden: unaufmerksam.

Denn viele Akteure ziehen daraus, dass sie bislang nicht auf dem Bauch gelandet sind, den Schluss, dass das auch nicht mehr passieren wird. Aber die Börse ist keine Einbahnstraße, selbst wenn der Nasdaq 100 so wirkt, als würde er die Ausnahme von dieser Regel sein.

Dass der Index den langfristigen Trendkanal nach oben verlassen hat, ist keineswegs normal. Das langfristige Chartbild ist logarithmisch skaliert, so dass die prozentuale Veränderung über die Jahre vergleichbar bleibt. Sie sehen, dass dieser Anstieg von seiner Intensität her nur mit dem nach der Baisse 2009 vergleichbar wäre. Doch damals hatte sich der Kurs des Nasdaq 100 im Vorfeld halbiert, diesmal nicht. Damals setzte man auf die Rückkehr zuvor dramatisch gefallener Unternehmensgewinne, diesmal kamen die meisten Nasdaq 100-Unternehmen ohne Gewinneinbußen davon. Somit ist der Index in der Tat teuer, auch teurer als damals.

Auffällig ist auch ein Aspekt auf kurzfristiger Ebene. Der im November etablierte Aufwärtstrendkanal sieht auf den ersten Blick völlig normal aus. Doch wenn man genau hinsieht erkennt man, dass die beiden Ankerpunkte auf der Unterseite erst nach denen auf der Oberseite entstanden. Das sollte andersherum sein, daher ist in diesem Fall die obere Linie des Kanals die Ankerlinie und könnte wie eine Hausse-Begrenzung funktionieren.

Aber allen Argumenten zum Trotz: Der Index läuft von einem Rekord zum anderen und wer sich dem entgegenstellt, hat nicht gerade viel Spaß. Wichtig ist nur, konsequent das Geld vom Tisch zu nehmen, wenn es doch mal mehr würde als ein kurzer Rücksetzer. Die Kombination aus dieser unteren Trendlinie des November-Kanals bei aktuell 13.120 nebst der 20-Tage-Linie bei momentan 13.400 Punkten ließe sich da momentan als Orientierungsbasis nehmen.

Sollte der Nasdaq 100 diese Zone auf Schlusskursbasis um mindestens ein Prozent unterschreiten, könnte es doch mal ernst werden. Denn gerade weil die meisten Trader wissen, dass sie hier nur den Trend selbst als Stütze haben, könnte es gut sein, dass, wenn eben diese Stütze wegfällt, alle auf einmal aus dem Markt wollen.

Nasdaq 100: Monats-Chart vom 12.02.2021, Kurs 13.807,69 Punkte, Kürzel NDX | Online Broker LYNX

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Ronald Gehrt, Chart- & Fundamentalanalyst | LYNX Börsenexperten
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Vorherige Analysen des NASDAQ 100 Index

Zu Beginn der Woche, am ersten Handelstag des neuen Jahres, startete der Nasdaq 100 zwar auf einem neuen Verlaufsrekord, sackte dann aber sofort weg. Wäre das nach der Stichwahl um die letzten offenen Sitze im US-Senat am Dienstag passiert, hätte man argumentieren können, dass die Anleger sich deshalb aus den großen Hightech-Aktien verabschieden, weil sie fürchten, dass die gebrochene Dominanz der Republikaner im Senat dazu führen werde, dass die Demokraten die Marktmacht der großen „Datenkraken“ effektiver ausbremsen. Dadurch könnten Unternehmen wie Alphabet, Facebook oder auch Amazon Probleme bekommen. Aber dieser Abgabedruck tauchte auf, als noch offen war, wie die Stichwahl in Georgia ausgehen würde. Und danach war das Gros der Abgaben bereits vorbei. Auch der Sturm des Kapitols am Mittwoch ließ die Akteure scheinbar relativ kalt. Was also hat diesen Druck erzeugt … und könnte sich das wiederholen, womöglich beim zweiten Mal nachhaltiger wirken?

Dass diese Abgaben gleich am ersten Handelstag des Jahres auftraten, deutet an, dass es sich um das Ergebnis der üblichen Strategie-Überprüfungen großer Investoren zu Beginn eines neuen Quartals handeln könnte. Und wenn dort einige entschieden haben, ihre Exposition bei den Schwergewichten des Technologiesektors zu verringern, kann das Stichwort „Schwerkraft“ eine entscheidende Rolle gespielt haben. Denn nichts steigt ewig. Und die Nasdaq ist bereits so hoch gestiegen, dass ihr Fall tief sein könnte.

Nasdaq 100: Tages-Chart vom 07.01.2021, Kurs 12.939,57 Punkte, Kürzel NDX | Online Broker LYNX

Gerechnet vom März-Tief 2020 hat der Nasdaq 100 in der Spitze 91 Prozent zugelegt. Für einen Index unglaublich, erst recht, wenn zugleich die Wirtschaft in den USA ebenso wie weltweit in einer kritischen Verfassung ist. Richtig ist zwar, dass die Schwergewichte im Index, die großen Hightech-Konzerne, ihren Umsatz und Gewinn trotz der Krise mehrheitlich steigern konnten. Aber die Kurse sind deutlich schneller gestiegen als die Gewinne. Zum Vergleich:

Das durchschnittliche Kurs/Gewinn-Verhältnis der 100 im Nasdaq gelisteten Aktien liegt momentan auf Basis der tatsächlichen Gewinne (berechnet werden dann die letzten vier Quartale und nicht irgendwelche Prognosen für kommende Jahre) bei 39,45. Vor einem Jahr, als man von Corona noch nichts ahnte und guter Dinge war, dass ein nahender „Deal“ mit China das zuvor wankende Wachstum neu beleben werde, lag dieses Kurs/Gewinn-Verhältnis bei 27,55! In einem optimistischen, positiven Umfeld also. Was müsste passieren, damit dieser Level von 27,55, der in normalen Zeiten angemessen wäre, wieder erreicht wird?

Entweder müssten die Gewinne der Nasdaq 100-Unternehmen im Schnitt um ca. 43 Prozent steigen, ohne dass der Nasdaq 100 zugleich weiter steigt. Oder die Gewinne bleiben gleich, dafür fällt der Index aber um 30 Prozent in die Region um 9.000 Punkte. Würden die Unternehmensgewinne 2021 um 20 Prozent steigen, bräuchte es „nur“ eine Korrektur um knapp 15 Prozent im Index. Gut, das sind nur Rechenexempel und am Aktienmarkt agieren viele sehr emotional. Wenn der Trend „brummt“, wischen viele solche Aspekte vom Tisch und finden hundert Gründe, warum diesmal gerechtfertigt wäre, was zuvor oft zu einem Kursrutsch geführt hat. Aber große Adressen agieren eben nicht emotional wie ein Zocker, wenn sie ihre Strategie überprüfen. Und sie sind es, die die entscheidende Kapitalmacht haben, Trends am Leben erhalten oder sie beenden können. Wird es also langsam eng?

Das wird es. Was nicht heißt, dass wir gerade die letzten Punkte dieser Super-Hausse seit März sehen müssen, immerhin setzten sich die Bullen gestern umgehend zur Wehr … trotz der angeblichen Sorge über die Pläne der neuen Regierung Biden. Aber es wäre jetzt jederzeit möglich, dass der Nasdaq 100 abdreht. Und wenn nach einer solchen Hausse erst einmal die ersten anfangen, die Reißleine zu ziehen, kann es kurz darauf von Fallschirmen nur so wimmeln. Vor allem, weil nicht nur die Bullen, sondern auch potenzielle Short-Seller nicht übersehen dürften, was Sie in unserem Chart auf Wochenbasis sehen:

Der Nasdaq 100 hat es im Zuge dieser Rallye sogar geschafft, die große „Trompeten-Formation“, die 2018 ihren Anfang nahm, nach oben zu durchbrechen. Deren obere Begrenzung verläuft aktuell im Bereich der 200-Tage-Linie und dem letzten markanten Zwischentief von Ende Oktober. Diese Region im Bereich 10.800 bis 11.000 Punkte wäre ein sich aufdrängendes Ziel einer Korrektur. Und sollte der Nasdaq 100 erst einmal ins Rutschen kommen, indem die zuletzt sauber verteidigte Supportzone 12.205/12.440 Punkte bricht, kann eine derart markante charttechnische Kreuzunterstützung wie ein Magnet wirken. Einer, der die Bullen zum Ausstieg und die Bären zum Angriff motiviert. Sich konsequent knapp unter der vorgenannten Unterstützungszone 12.205/12.440 Punkte abzusichern, dürfte daher wirklich nicht schaden.

Nasdaq 100: Wochen-Chart vom 07.01.2021, Kurs 12.939,57 Punkte, Kürzel NDX | Online Broker LYNX

Dass die großen Akteure an der Terminbörse das Ziel hatten, den „dreifachen Hexensabbat“, diese am Freitag absolvierte Abrechnung der Futures und Optionen, auf höchstmöglichem Niveau ablaufen zu lassen und die Kurse dafür kräftig anschoben, war bereits in den Tagen vor dem Abrechnungstermin erkennbar – und das Ziel wurde erreicht. Der technologielastige Nasdaq 100-Index erreichte am vergangenen Freitag mit 12.793,47 Punkten einen neuen Verlaufsrekord. Doch wie weiter?

Danach mussten die Bullen ohne dieses Zugpferd auskommen. Angesichts der Rahmenbedingungen konnte man sich keineswegs sicher sein, dass der Index nach der Abrechnung nicht nach unten abdrehen würde, denn:

Dass das Konjunkturpaket der US-Regierung jetzt doch noch als Kompromiss kommen würde, wusste man bereits in den Tagen davor. Aber das, was da am Sonntag entschieden wurde, reicht nicht allzu weit. Diese ca. 900 Milliarden US-Dollar werden schnell verbraucht sein. Und da die Republikaner auch bei einem Patt im Senat, das im Prinzip durch die Vizepräsidentin zu Gunsten der Demokraten kippen würde, Mittel und Wege haben, die neue Regierung zu behindern, ist es fraglich, ob monetärer „Nachschub“ so ohne weiteres kommen würde.

Zugleich kippt die US-Konjunktur erneut, der gestern veröffentlichte Index des US-Verbrauchervertrauens fiel deutlich und mehr als erwartet. Und bis ab dem 20. Januar zielgerichtete Maßnahmen dazu beitragen könnten, die Pandemie einzudämmen, wird die Lage erst einmal täglich schlimmer. Kein ideales Umfeld, um eine derartige Hausse bis Silvester zu verlängern. Eigentlich.

Expertenmeinung: Doch wenn man sich den Chart des Index ansieht, geben sich die Bullen auch in den bislang zwei Tagen nach diesem „Hexensabbat“ keine Blöße. Im Vorfeld der Abrechnung hatten die Käufer einen Rücksetzer blitzsauber auf Höhe der Unterstützung in Form der Oktober- und November-Hochs aufgefangen, die in diesem Moment durch die 20-Tage-Linie verstärkt wurden.

Chart vom 22.12.2020, Kurs 12.717,56 Punkte, Kürzel NDX | Online Broker LYNX

Diese 20-Tage-Linie stellt jetzt den Leitstrahl des Trends dar, nachdem zeitweise markante Abgaben am Montag erneut genau auf Höhe dieses gleitenden Durchschnitts abgefangen wurden, der zu diesem Zeitpunkt erneut eine Kreuzunterstützung mit einer wichtigen Wendemarke bildete: mit dem alten Rekordhoch vom September bei 12.439 Punkten. Solange dieses September-Hoch und die 20-Tage-Linie verteidigt werden können, bleibt der Weg zu neuen Rekorden zum Jahresultimo offen. Denn wenn es weiterhin gelingt, negative Rahmenbedingungen einfach „wegzukaufen“, werden es die Kurse und ihr steter Anstieg sein, nicht die negativen Nachrichten, die das Handeln der Akteure beeinflussen.

Doch spätestens, wenn das Oktober-Hoch, das dem Rücksetzer des 9./10. Dezember standhielt, fallen sollte, wäre es vorbei mit dem Momentum der Hausse. Dann würden diese „bad news“ wieder durchschlagen … ein Stop Loss Long knapp unter diesem Level wäre daher eine Überlegung wert!

Er scheint nicht umzuwerfen zu sein, der Nasdaq 100. Anfang Dezember gelang es, das vorherige, Anfang September ausgebildete Rekordhoch zu überwinden. Der Rücksetzer des Mittwochs unterbot dieses alte Hoch zwar wieder. Aber der Index drehte genau dort, wo er drehen musste, um deutlich zu machen: Die Bullen gedenken nicht, hier etwas anbrennen zu lassen. Nur … noch ist die Sache nicht entschieden.

Der Chart zeigt, dass der Nasdaq 100 genau in der Supportzone in Form der Hochs vom Oktober und November im Bereich 12.205/12.269 Punkten, die in diesem Moment durch die 20-Tage-Linie als agilstem unter den wichtigen gleitenden Durchschnitten verstärkt wurde, nach oben drehte. Das ist perfekt, keine Frage. Aber erst, wenn dieses September-Hoch, dieser „Hanging Man“, der damals den Haussedrang des Index abrupt beendete, mit Schlusskursen über 12.439 Punkten erneut überwunden wurde, idealerweise auch das neue Rekordhoch vom vergangenen Dienstag bei 12.651 Zählern bezwungen ist, haben die Bullen diese Mini-Korrektur wirklich beendet. Das kann gelingen. Aber es muss nicht, denn:

Expertenmeinung: Dieser Hausse fehlt der Unterbau. Derzeit geht das bullische Lager davon aus, dass weder die von Washington mehrheitlich ignorierte, unkontrollierte Pandemie noch das Abflauen der konjunkturellen Erholung und das Ausbleiben des überfälligen Stimulus-Pakets den Technologie-Schwergewichten im Index etwas anhaben wird und die Gewinne des vierten Quartals erneut grandios sein werden. Das ist zwar zumindest fraglich, aber die Käuferseite hat einen Vorteil: Die Quartalsergebnisse stehen erst ab Ende Januar an, bis dahin hätte man den Vorteil, dass dieser Optimismus nicht widerlegt werden kann. Die Frage ist jedoch, ob die Bullen auch stark und entschlossen genug wären, eine gezielte Attacke der Gegenseite abzuwehren. Denn die Bären wissen um das fehlende Fundament der Dauer-Hausse. Und nicht nur das:

Durch die Verteidigung der Supportzone 12.205/12.269 Punkte ist der „Punkt X“ definiert, der nicht fallen darf. Denn gesetzt den Fall, die Attacke an das letzte Hoch bliebe aus, der Nasdaq 100 fiele zurück, dann wäre diese Zone die Klippe, über die aktiv angreifende Bären den Index schubsen müssten … und ihre Chance, damit einiges zu verdienen, wäre gar nicht schlecht.

Zum einen, weil Bullen, die nicht auf fundamentale Argumente zurückgreifen können, eher schreckhaft reagieren, wenn ihnen die Kontrolle abhandenkommt, indem Unterstützungen fallen, die nicht fallen dürfen. Zum anderen, weil sich direkt unterhalb dieser Unterstützungszone bis hinunter zur Juli-Aufwärtstrendlinie keine zwingenden Unterstützungen anbieten würden. Und bis dort hinunter wären es immerhin um die 1.000 Punkte. Sollte es anders kommen, als sich die bullischen Akteure das vorstellen und der Nasdaq 100 klar unter 12.200 Punkten schließen, wäre daher bei aggressiven, kurzfristigen Long-Trades unbedingt zu überlegen, zügig die Reißleine zu ziehen.

Nasdaq 100: Chart vom 11.12.2020, Kurs 12.375,41 Punkte, Kürzel NDX | Online Broker LYNX

Dass zuletzt der marktbreite S&P 500 und danach der Dow Jones neue Allzeithochs markierten und nicht der Nasdaq 100, der sonst normalerweise den Frontrunner markiert, ist nicht überraschend, wenn man überlegt, was diese jüngsten Rekorde im November ausgelöst hat.

Denn es war nicht die Flucht in scheinbar vor Pandemie und Rezession gefeite Unternehmen, die man in den USA vor allem unter Onlinehändlern und Softwareunternehmen zu finden glaubte. Diesmal zogen die Aktien derjenigen Unternehmen an, die vorher keiner haben wollte. Die Erwartung, dass mit einer neuen Regierung der monatelange Stillstand beendet wird und in Kürze die Impfungen gegen COVID19 beginnen, sorgte dafür, dass klassische Branchen anzogen, die zuvor monatelang am Boden lagen. Zugleich wurden nicht wenige der vorherigen Gewinner umgehend verkauft. Und dass der Nasdaq 100 in den Monaten zuvor weitaus stärker gelaufen war, basierte darauf, dass diese Gewinner vor allem dort zuhause sind.

Das klingt nach einem Favoritenwechsel, der diesen zuvor scheinbar unaufhaltsamen Index ins zweite Glied drängt, aber so ist es nicht: Der Nasdaq 100 hielt sich beeindruckend gut. Im September ebenso wie im Oktober überstand der Index zwei Korrekturen, ohne die 100-Tage-Linie zu brechen (im Chart auf Tagesbasis schwarz), die zusammen mit der 50-Tage-Linie (blau) zu den am US-Aktienmarkt wichtigsten gleitenden Durchschnitten gehört. Und als die Nachricht über die ersten in die Zulassungsphase gehenden Impfstoffe direkt nach der US-wahl Indizes wie unseren TecDAX durch die Gewinnmitnahmen bei den vorherigen „Corona-Gewinnern“ zu Boden schickte, beschränkte sich der Flurschaden beim Nasdaq 100 auf zwei schwache Tage und die erfolgreiche Verteidigung der 50-Tage-Linie.

Monatschart vom 25.11.2020, Kurs 12.152,21 Punkte, Kürzel NDX | Online Broker LYNX

Und jetzt ist er schon wieder dran an den Oktober und November-Hochs um 12.200 Punkte, der letzten charttechnischen Hürde vor dem Anfang September markierten Verlaufsrekord von 12.439 Punkten. Einige Index-Titel sind zwar zurückgefallen, andere dafür aber angesprungen. Durch diese „Rotation“ bleibt das Kaufinteresse insgesamt erhalten. Zwar sollte man auf keinen Fall glauben, hier auf solidem Fundament zu stehen, denn die Trader preisen derzeit ein „Best Case“-Szenario ein, das keineswegs eintreten muss. Und böse Überraschungen auf politischer und konjunktureller Ebene könnten jederzeit auftauchen. Aber zumindest bis jetzt haben die Bullen die Lage im Griff.

Das sieht man besonders gut am ganz langfristigen Chartbild auf Monatsbasis. Der September stoppte den Aufwärtsdrang. Nicht gut, aber der Oktober endete noch schlimmer. Denn dessen rote Monatskerze mit langem oberen Docht macht deutlich, dass man zwar versucht hatte, die Kurse wieder an und über das bisherige Verlaufshoch zu tragen, damit aber klar scheiterte. Dass der November diese so negative Vorlage einfach überrennt, die Bullen unmittelbar davor stehen, den Monat mit einem Start/Ziel-Sieg zu beenden, ist aller Ehren wert. Die Chance, dass der Nasdaq 100 zunächst diesen Bereich um 12.200 Punkte nimmt und dann das Rekordhoch von Anfang September überbietet, ist damit gut. Aber …

… eine gute Chance und eine Garantie auf einen bullischen Triumph sind zwei Paar Schuhe. Böse Überraschungen, Entwicklungen, die alles auf den Kopf stellen könnten, darf man auf keinen Fall einfach ausschließen. Daher wäre es unbedingt zu überlegen, Long-Trades mit einem Stoppkurs knapp unter 11.400 Punkten zu versehen, wo mit der März-Aufwärtstrendlinie und der 100-Tage-Linie das Rückgrat dieses Aufwärtstrends verläuft.

Monatschart vom 25.11.2020, Kurs 12.152,21 Punkte, Kürzel NDX | Online Broker LYNX

Das sah gar nicht gut aus Anfang September. Der Nasdaq 100 hatte zwar zuvor ein Warnsignal im Candlestick-Chart nach dem anderen weggesteckt. Aber dass der letzte „Hanging Man“, der am Tag des bisherigen Verlaufsrekords bei 12.440 Punkten entstand, war dann eben doch ein Warnsignal zu viel. Der Index sackte rasant ab … aber die mittelfristige Wende blieb trotzdem aus.

Ende September fing sich der Nasdaq 100, drehte nach oben und schaffte es fast bis an das vorherige Rekordhoch. Dieses „fast“ hätte den Bullen natürlich leicht doch noch den Garaus machen können, wären genug Trader auf die Short-Seite übergelaufen und hätten gezielt darauf hingewirkt, dass der Nasdaq 100 mit Schlusskursen unter 10.677 Punkten ein Doppeltopp vollendet. Aber es kam anders – und das bietet ein mögliches Fundament dafür, dass der nächste Anlauf an die bisherigen Hochs erfolgreich sein könnte.

Nasdaq 100: Tages-Chart vom 06.11.2020, Kurs 12.091,35 Punkte, Kürzel NDX | Online Broker LYNX

Sie sehen im Chart auf Tagesbasis, dass der Index zur Monatswende präzise auf Höhe der Aufwärtstrendlinie drehte, die sich unter die Zwischentiefs vom Juli und September ziehen lässt. Von dort aus schossen die Notierungen im Wochenverlauf nach oben, wobei auffällig ist, dass selbst die moderaten Gewinnmitnahmen des Freitags zum Handelsende aufgekauft wurden. Am Tageshoch fehlten gerade noch 2,67 Prozent, um das bisherige Rekordhoch von 12.440 Punkten zu erreichen. Und sollte sich die politische Gemengelage, die sich am Freitagabend zum Handelsende abzeichnete, in die neue Woche übertragen, stünde die Chance gut, dieses Ziel auch zu erreichen – und zu überwinden.

Denn man kam schnell zu der Ansicht, dass ein Präsident Biden in Kombination mit der „Fußangel“ eines republikanischen Senats für die großen Technologieunternehmen ideal wäre. Basis der Annahme ist, dass es so weniger wahrscheinlich wäre, dass die Politik die großen „Datenkraken“ an die Kandare nehmen würde, Steuererhöhungen zur Refinanzierung der Covid-Krise eher nicht durchsetzbar sind und Biden zugleich berechenbarer sein wird als Trump und nicht wie dieser einige der großen Tech-Unternehmen wie Amazon oder Facebook auf dem Kieker hat.

Ob diese Annahmen sich tatsächlich so bestätigen werden, sei dahingestellt. Aber bis die Realität diese positive Sicht der Lage widerlegen kann, wird es dauern. Erst einmal müsste diese neue Konstellation im Januar tatsächlich in Amt und Würden kommen, danach wird es Wochen dauern, bis man sich „sortiert“ hat. Bis dahin könnte das bullische Lager diesen Optimismus allein deshalb aufrechterhalten, weil er nicht widerlegt werden kann. Wichtig wäre indes, dass es gelingt, die über die Hochs vom September und Oktober zu konstruierende Abwärtstrendlinie zügig zu nehmen. An der hatte der Nasdaq 100 am Donnerstag gestoppt. Dass das zeitweilige Minus des Freitags aufgekauft wurde und der Index dadurch Tuchfühlung zu dieser Linie hielt, ist zwar gut. Aber um die bullischen Ambitionen am Kochen zu halten, wäre ein zeitnahes Überwinden dieser Linie jetzt entscheidend, denn geht erst einmal der Schwung verloren, bröckelt die Zuversicht oft sehr schnell ab.

Nasdaq 100: Wochen-Chart vom 06.11.2020, Kurs 12.091,35 Punkte, Kürzel NDX | Online Broker LYNX