NASDAQ 100 Prognose Nasdaq 100, „Index der Wenigen“? Das macht die Hausse riskant.

News: Aktuelle Analyse des NASDAQ 100 Index

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Der von den großen US-Technologietiteln dominierte Nasdaq 100 blieb auch in der vergangenen Woche auf Rekordfahrt. Dass die Mega-Caps des Hightech-Sektors die Hausse vorantreiben, ist derzeit ein Vorteil. Aber es ist zugleich auch eine Achillesferse.

Es gibt einige Aspekte, die in Bezug auf die Chart- und Markttechnik beim Nasdaq 100 zumindest eine hochgezogene Augenbraue rechtfertigen würden. Da wäre der Umstand, dass der Index vor der Nvidia-Bilanz gerade durch seine Oktober-Aufwärtstrendlinie gerutscht war. Und nur dadurch, dass man diese Bilanz positiv interpretierte, dass der KI-Hype dadurch aufgewärmt wurde und dies einige andere Aktien mit nach oben riss, wieder in den Trend hinein kam.

Da ist der auffällige Aspekt, dass der Nasdaq 100 am Freitag zwar mit 18.091 Punkten das vorherige Verlaufshoch überbot, dann aber doch im Minus schloss. Und die negative Divergenz des RSI-Indikators auf Tagesbasis zum Kursverlauf ist ebenso ein Grund, auf der Hut zu sein und zu bleiben wie der Umstand, dass dieser RSI auf Wochenbasis in der überkauften Zone angekommen ist, was nicht allzu oft vorkommt. Aber:

Nasdaq 100: Wochen-Chart vom 23.02.2024, Kurs 17.937,61 Punkte, Kürzel: NDX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Nasdaq 100: Wochenchart vom 23.02.2024, Kurs 17.937,61 Punkte, Kürzel: NDX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX

Grundsätzlich ist der Aufwärtstrend intakt und der Weg nach oben der offenbar leichtere. Und auch, wenn die Stimmung angesichts der immensen Kursgewinne von allem, was mit KI zu tun hat, ebenso wie die zunehmende Volatilität der Einzelwerte an die Phase vor dem Platzen der „Dot.Com“-Blase im Jahr 2000 erinnert:

Damals dauerte diese Phase mit Warnsignalen verblüffend lange. Erst, als sogar die vorherigen Skeptiker dachten, dass das Wegkaufen aller Risiken ein Beleg dafür sei, dass nichts die Hausse würde aufhalten können und dem Markt genau deswegen die Käufer ausgingen, war es vorbei. Das im Voraus genau in Bezug auf Kursniveau und Zeitpunkt vorhersagen zu wollen, ist vergebliche Liebesmüh. Aber man sollte sich dennoch der besonderen Risiken gewärtig sein, die dieser so stark und unerschütterlich bullisch wirkende Index in sich trägt … und zwar aufgrund der Gewichtung einzelner Aktien.

Den aktuellen Kurs und Chart des NASDAQ 100 sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Expertenmeinung: Eine Aktie, die im Kurs zulegt, steigert ihre Marktkapitalisierung und diese wiederum ihre Gewichtung im Index, sofern nicht alle 100 im Index gelisteten Unternehmen prozentual gleich steigen würden. Wer also am schnellsten steigt, legt auch in der Gewichtung und damit in der Relevanz für die Indexberechnung stärker zu als die anderen. Und das hat, nicht zuletzt noch massiv durch den KI-Hype befeuert, zu einem Zustand geführt, den man durchaus als Pulverfass bezeichnen könnte.

Der Nasdaq 100 hat derzeit eine Marktkapitalisierung von um die 32 Billionen US-Dollar. Und davon liegt ein knappes Drittel bei den Top 5, also nur bei fünf Prozent der im Index gelisteten Aktien: Microsoft, Apple, Nvidia, Amazon und Meta Platforms!

Und sie alle sind mit dem Thema KI verbunden, Nvidia und Meta ganz besonders, die anderen aber ebenfalls. Und das ist ein Aspekt, der riskant ist, denn wie üblich bei einem Hype sehen diejenigen, die hier kaufen, vor allem oder sogar nur die Chancen, ohne die zu hinterfragen. Beispielsweise mit der Frage, wie lange es dauert und was es die großen “Motoren” im Bereich KI an gewinnschmälernden Investitionen kostet, bis die Sache die großen Gewinne einfährt, die man jetzt bereits vorweggenommen hat. Oder welches der Unternehmen am Ende wirklich entscheidende Vorteile durch und mit KI haben wird und wer da scheitern könnte.

Da man Gewinne einpreist, die irgendwann oder sogar gar nicht kommen werden, ist der Index sogar dafür, dass er üblicherweise höhere Kurs/Gewinn-Verhältnisse zeigt als der US-Gesamtmarkt, jetzt mit einem Kurs/Gewinn-Verhältnis um 32,5 auf Basis der gemeldeten Gewinne der letzten zwölf Monate sehr teuer bewertet. Vor einem Jahr lag dieses Kurs/Gewinn-Verhältnis noch bei 25.

Dies und diese hohe Konzentration der Index-Gewichtung auf nur fünf Aktien, die allesamt mit einem Hype zu tun haben, so dass aus dem Nasdaq 100 trotz seiner 100 Mitglieder eigentlich ein „Index der Wenigen“ geworden ist, ist ein erhebliches Risiko.

Wer sich dessen nicht bewusst ist, lebt gefährlich. Wer das aber erkennt, sollte nicht gleich in fliegender Hast alles verkaufen, denn wie gesagt: Solche Hypes bzw. Blasen können lange gut gehen. Wichtig ist nur, alle Positionen konsequent mit einem Stoppkurs (besser noch mit einer automatisch greifenden Stop Loss-Verkaufsorder) unter relevanten charttechnischen Ankerpunkten auszurüsten. Damit im Fall eines abrupten Wegbrechens der Kurse, wie man das an der Nasdaq im März 2000 erlebt hat, konsequent ausgestiegen statt hin und her überlegt und gezaudert wird.

BASF Aktie: Chart vom 23.02.2024, Kurs 46,60 Euro, Kürzel: BAS | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
BASF Aktie: Chart vom 23.02.2024, Kurs 46,60 Euro, Kürzel: BAS | Quelle: TWS
Top Flop Aktien – Übersicht der Gewinner und Verlierer

Welche Aktien in den wichtigen Indizes sind in letzter Zeit am meisten gestiegen oder gefallen? Was sind die Top-Aktien 2024? Welche Aktien haben die beste Performance über die letzten 5 Jahre und welche Aktien sind stark gefallen? Hier finden Sie es heraus: DAX Top FlopMDAX Top FlopEuro Stoxx Top FlopDow Jones Top FlopNasdaq 100 Top Flop

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Vorherige Analysen des NASDAQ 100 Index

Erst reagierten die Anleger negativ auf die Big Tech-Bilanzen des Dienstags, dann zeigte sich die US-Notenbank restriktiver, als das Bullen-Lager dachte. Die Folge war ein Nasdaq 100 unter starkem Abgabedruck. Hat jetzt verkauft, wer verkaufen wollte – oder fängt es erst an?

Wie üblich war der technologielastige Nasdaq 100 dem eher gemächlichen Dow Jones im Januar davongelaufen. Aber jetzt, zum Monatsultimo, ist der Performance-Vorsprung spürbar geringer geworden, denn in den vergangenen Tagen präsentierte sich der Dow Jones deutlich stärker als der Nasdaq 100. Denn der begann, nach Erreichen eines neuen Verlaufshochs von 17.665 Punkten am 24. Januar volatiler zu werden, um am gestrigen Mittwoch dann satte 1,94 Prozent nachzugeben.

Besonders unschön für die bullische Seite ist dabei, dass man das als eine Art „Mini-Island Reversal“ sehen könnte. Denn durch die Aufwärts-Kurslücke am 24.1. und die Abwärts-Kurslücke des gestrigen Mittwochs entstand eine isolierte Zone von fünf Handelstagen – eine Insel, die nun wieder nach unten verlassen wurde. Allerdings ist damit grundsätzlich noch nicht so viel angebrannt, als dass man das seitens der Käufer nicht schnell wieder reparieren könnte, denn eine kurzfristig entscheidende Kreuzunterstützung ist noch nicht erreicht.

Nasdaq 100: Tageschart vom 31.01.2024, Kurs 17.137,24 Punkte, Kürzel: NDX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Nasdaq 100: Tageschart vom 31.01.2024, Kurs 17.137,24 Punkte, Kürzel: NDX | Quelle: TWS

Sie sehen es im Chart auf Tagesbasis: Es geht um die Oktober-Aufwärtstrendlinie, die 20-Tage-Linie und das Dezember-Verlaufshoch, die sich im Bereich um 17.000 Punkte befinden. Zudem wäre mittelfristig erst dann ein problematisches Signal entstanden, wenn der Nasdaq 100, wie im Chart auf Wochenbasis zu sehen, unter den Supportbereich aus den beiden „alten“ Rekordhochs von Ende 2021 fallen sollte, diese Zone wartet bei 16.607/16.765 Punkten. Allerdings: So unbändig viel Luft ist bis dorthin nicht mehr. Und das bullische Lager hat das Problem, dass dieses Abreißen der Käufe nicht durch reine Gewinnmitnahmen ausgelöst wurde, sondern durch den Umstand, dass die Realität offenkundig weniger rosig ist als gedacht.

Expertenmeinung: Zuerst fielen vor allem die Ausblicke auf das laufende Quartal bei den „Big Tech“-Aktien, die am Dienstagabend nach Handelsende ihre Zahlen vorstellten, nicht so positiv aus wie erhofft. Microsoft, Alphabet und AMD gingen daraufhin am Mittwoch in die Knie. Und dann kam auch noch die US-Notenbank und ließ die Erwartung platzen, dass die erste Zinssenkung quasi um die Ecke wartet und ihr dann eine lange Folge an weiteren Senkungen in jeder der nächsten Sitzungen folgen würde.

Konkret war im Statement der „Fed“ zu lesen, dass man alle Arten von Zinsanpassungen in Betracht ziehen und entsprechend der kommenden Datenlage entscheiden werde. Damit schloss man, auch, wenn das nichtsdestotrotz äußerst unwahrscheinlich ist, nicht einmal eine weitere Zinserhöhung aus. Und „Fed“-Chef Powell war unübersehbar bemüht, den Tradern zu große Erwartungen auszutreiben:

Im Zuge der Pressekonferenz hielt er unter anderem fest, dass nahezu jedes Mitglied im FOMC, dem Entscheidungsgremium der Notenbank, grundsätzlich die Leitzinsen senken wolle, man aber nicht davon ausgehe, dass eine Zinssenkung angemessen wäre, bevor eine größere Zuversicht als derzeit besteht, dass sich die Inflation nachhaltig in Richtung der Zielzone um zwei Prozent bewegt. Eine zu frühe Umkehr bei der Zinspolitik würde das Risiko bergen, die erreichten Fortschritte bei der Inflation wieder umzukehren. Er selbst glaube nicht, so Powell, dass es im März eine Zinssenkung geben werde.

Damit wackelt die Grundlage der Ende Oktober losgetretenen Kaufwelle. Jetzt müssten es heute Abend die Bilanzen und Ausblicke von Apple und Amazon herausreißen, die aber wohl sehr überzeugend sein müssten um zu verhindern, dass die Schwerkraft diese vorherige Super-Rallye einholt. Wo genau der „Boden der Realität“ sein wird, ist natürlich im Vorfeld kaum absehbar. Aber dass er noch ein gutes Stück tiefer liegen und härter sein wird als viele jetzt noch hoffen, wäre dann wahrscheinlich, wenn diese vorgenannte Kreuzunterstützung um 17.000 Punkte und nach ihr auch noch der Support aus den 2021er-Hochs bei 16.607/16.765 Punkten brechen sollte. Und allzu viel Puffer bis dorthin hat der Nasdaq 100 jetzt nicht mehr.

Nasdaq 100: Wochenchart vom 31.01.2024, Kurs 17.137,24 Punkte, Kürzel: NDX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Nasdaq 100: Wochenchart vom 31.01.2024, Kurs 17.137,24 Punkte, Kürzel: NDX | Quelle: TWS

Bis zu 0,85 Prozent notierte der Nasdaq 100 am Freitag im Minus, holte aber einen Teil der Abgaben zum Handelsende auf. Völlig normal eigentlich – aber nicht für den letzten Handelstag des Jahres, nachdem am Vortag ein Allzeithoch erreicht wurde. Da sollte man genau hinsehen.

16.765 Punkte, das war die bisherige, im Herbst 2021 erreichte Höchstmarke des Nasdaq 100. In den letzten Handelstagen des Jahres gelang es, diese Marke zu überwinden. Doch wer auf einen fulminanten Jahresendspurt durch massive Anschlusskäufe nach diesem eigentlich ja markant bullischen Signal wartete, wartete vergebens. 16.969 Punkte waren das neue Rekordhoch, das am Donnerstag erreicht wurde. Doch dort, nur 1,25 Prozent über dem alten Hoch und marginal unter der runden 17.000, war erst einmal Schluss.

Das war zu wenig, um den Anstieg über das 2021er-Rekordhoch als signifikant anzusehen, zumal der Index den Handel am Donnerstag fast genau am Tages- und Rekordhoch startete, das Plus dann aber zum Handelsende wieder abgab. Dass das am Freitag weitere Gewinnmitnahmen nach sich zog, wäre an einem normalen Handelstag keine hochgezogene Augenbraue wert gewesen. Am letzten Handelstag des Jahres aber schon.

Expertenmeinung: Denn normalerweise versuchen die großen Adressen, die von der Begeisterung und der Hoffnung der Sparer auf Kursgewinne leben, indem diese weiter regelmäßig Geld investieren, die Performance eines Aushängeschilds wie dem Nasdaq 100 so stark wie möglich zu gestalten. Gewinnmitnahmen spart man sich für das neue Jahr auf … und wartet damit auch üblicherweise, bis eine eventuelle Kaufwelle zum Jahresstart vorbei ist, um auf ideal hohem Kursniveau Bestände zu reduzieren. Diesmal aber mochten einige offenbar nicht warten. Und auch, wenn wir hier nicht von einem nennenswerten Minus sprechen, auffällig war das schon.

Das muss zwar nicht, kann aber allemal eine Warnung für das jetzt startende, neue Börsenjahr sein. Denn es gäbe ja gleich mehrere Argumente, weshalb größere Akteure daran interessiert sein könnten, eine im Zuge der Rallye der letzten zwei Monate deutlich reduzierte Barreserve wieder hochzufahren:

Nasdaq 100 Index: Tageschart vom 29.12.2023, Kurs 16.825,93 Punkte, Kürzel: NDX | Online Broker LYNX
Nasdaq 100 Index: Tageschart vom 29.12.2023, Kurs 16.825,93 Punkte, Kürzel: NDX | Quelle: TWS

Zum einen sehen wir im Chart auf Tagesbasis, dass der Nasdaq 100 seit Ende Oktober in einem Aufwärtstrend läuft, der so steil ist, dass er auf Dauer nicht halten kann. Wir sehen zudem, dass der RSI-Indikator nicht nur auf Tages-, sondern auch auf Wochenbasis überkauft ist, wobei er auf Tagebasis dabei ist, eine negative Divergenz aufzubauen.

Nasdaq 100 Index: Wochenchart vom 29.12.2023, Kurs 16.825,93 Punkte, Kürzel: NDX | Online Broker LYNX
Nasdaq 100 Index: Wochenchart vom 29.12.2023, Kurs 16.825,93 Punkte, Kürzel: NDX | Quelle: TWS

Und die erfahrenen Akteure wissen sehr wohl, dass die Erwartung umgehend steigender Unternehmensgewinne bei Beginn einer vom Zeitpunkt ja noch offenen Zinssenkungsphase auf dünnem Eis steht … und dass der Index mit einem Kurs/Gewinn-Verhältnis von 30 (vor einem Jahr lag das bei 23,8) schon teuer bewertet ist, sprich diese wacklige Hoffnung schon eingepreist hat.

Auch, wenn man nie sicher sein kann, ob eine Jahresanfangs-Rallye kommt oder nicht: Es wäre möglich, dass sie diesmal entweder klein ausfällt oder gleich ansatzlos von Gewinnmitnahmen überrollt wird. Sollte der Nasdaq 100 durch diese alte, bislang eben noch nicht signifikant bezwungene Zone aus dem Jahr 2021 bei 16.607/16.765 Punkten zurückfallen, wäre das bereits ein ernst zu nehmendes Warnsignal für das bullische Lager.

Bis zum vor zwei Jahren markierten Allzeithoch bei 16.765 Punkten fehlen dem Nasdaq 100 derzeit gerade einmal knapp fünf Prozent. Zwischen damals und heute liegen geopolitische Spannungen, Inflation und stark gestiegene Zinsen. Aber das hält die Bullen offenbar nicht ab.

Der größte Teil des schwachen Jahres 2022 ist aufgeholt. Der Nasdaq 100, im Vergleich zu den meisten anderen großen Indizes, die bereits im Oktober 2022 nach oben drehten, mit seinem Tief zur Jahreswende ein Spätzünder, hatte mit dem Break über das Juli-Hoch (15.932 Punkte) sogar ein neues Jahreshoch markiert. Und getragen wird er dabei vor allem vor sieben Aktien: Vom Apple, amazon.com, Alphabet, Meta, Microsoft, Nvidia und Tesla, genannt „The Magnificent Seven“, entlehnt vom berühmten, gleichnamigen Western aus dem Jahr 1960.

Nasdaq 100 Index: Chart vom 23.11.2023, Kurs 16.001.39 Punkte, Kürzel: NDX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX

Grund: Die Gewichtung der im Nasdaq Composite ebenso wie im Nasdaq 100 gelisteten Aktien wird von deren Marktkapitalisierung bestimmt. Was heißt: Je teurer eine Aktie wird, desto höher wird ihr Gewicht im Index. Und da wir bei diesen „Glorreichen Sieben“ ohnehin von riesigen Unternehmen mit immenser Marktkapitalisierung reden, hat das dazu geführt, dass diese sieben Aktien knapp 50 Prozent des Gewichts des Nasdaq 100 bestreiten. Mit ihnen geht also alles, ohne sie geht nichts. Gut für die Bullen, wenn die meisten dieser sieben Aktien stark laufen. Gar nicht gut, wenn zu viele von ihnen abdrehen. Daher lohnt es, darüber nachzudenken, ob es da nicht womöglich eine Achillesferse geben könnte. Immerhin ging es in dem alten Western für die „Magnificent Seven“ unter dem Strich auch nicht so gut aus. Und ja, die gibt es.

Expertenmeinung: Dabei ist es nur ein Problem von zweien, dass der Index durch die Abhängigkeit von so wenigen Aktien fragil wird, weil es umso schwerer wiegt, wenn diese Aktien kippen. Derzeit konzentrieren sich immer mehr Akteure auf diese wenigen Aktien. Die dadurch zwar, solange weiter gekauft wird, steigen und den Nasdaq 100 am Gängelband mitziehen. Aber sie werden auch von der Bewertung her auch immer teurer, weil die Gewinne dieser Unternehmen mit deren Kursrallye mithalten müssten. Und das tun sie tendenziell nicht, zumal wir beobachten konnten, dass Alphabet, Tesla und Meta zwar erst einmal negativ auf die jüngsten Bilanzdaten reagierten, dann aber nach einer ausreichend lang wirkenden Phase, in der sich die Käufer bedeckt hielten, einfach wieder gekauft wurden. Die Bewertung scheint viele momentan gar nicht zu interessieren. Was aber auf Dauer noch nicht gutging.

Das andere Problem ist der Grund, warum der Nasdaq 100 im vierten Quartal letzten Jahres schwach blieb, während die meisten anderen großen Indizes eine Aufwärtswende vollzogen. Man sagte sich nämlich zu Recht, dass die höheren Refinanzierungskosten als Folge des Leitzinsanstiegs besonders die schnell wachsenden Technologieunternehmen treffen, weil die für ihre Expansion viel Fremdkapital benötigen. Das jetzt viel teurer ist und damit auf den Gewinn drückt. Aber das scheint ja jetzt nicht mehr so zu sein … oder?

Viele wollen glauben, dass sich dieses Problem quasi erledigt hat, weil auf der einen Seite die besiegte Inflation baldige, weitreichende Zinssenkungen nach sich ziehen wird und zugleich das erhalten gebliebene Wachstum dann umgehend noch stärker wird und ein Konsumboom die Gewinne der „Magnificent Seven“ durch die Decke tragen wird. Aber:

Das ist Wunschdenken. Und zwar in jedem Bereich dieses Gedankenkonstrukts. Zwar werden sich bärische Trader ebenso wenig gegen den Trend stellen, wie andere Akteure größere Bestände verkaufen werden, solange das Momentum der großen Aktien und des Nasdaq 100 selbst noch hoch ist. Aber man sollte sich auf jeden Fall, wenn man hier Long ist oder das plant, darüber im Klaren sein, dass der Index eigentlich eine Leiter ohne Sprossen immer höher klettert. Und dass zwar die, die derzeit unbesorgt immer weiter kaufen, glauben, dass alles im Lot ist, man sich aber lieber nicht zu sicher sein sollte, dass all die anderen, die sich das momentan von der Seitenlinie aus ansehen, genauso denken.

Nasdaq 100 Index: Tageschart vom 23.11.2023, Kurs 16.001.39 Punkte, Kürzel: NDX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX

Seit etwa vier Monaten bildet der technologielastige Nasdaq 100 eine Art „hängendes Topp“ aus … und steht jetzt kurz davor, es zu vollenden. Die Hoffnung, die „Mega Caps“ würden es mit ihren Quartalszahlen schon richten, hat sich bislang nicht erfüllt. Es wird langsam brenzlig!

Die US-Wirtschaft zeigt sich so robust, als wären Leitzinsen, Hypotheken- und Kreditzinsen so niedrig wie früher und die Inflation kein Thema. Aber den meisten Investoren ist klar, dass das keineswegs so bleiben muss. Nicht nur, weil der Druck teurer Kredite auf alle Bereiche wirkt, auf Staat, Unternehmen und Verbraucher gleichermaßen, das aber ein langsamer Prozess ist, der Druck also zunehmen dürfte. Auch, weil Europa und China in Sachen Exporte mehr Gegen- als Rückenwind liefern. Hinzu kommt das flaue Gefühl, dass das momentane Politchaos mit der Wahl eines neuen Speakers im Repräsentantenhaus noch lange nicht vorüber ist und ein Shutdown wegen leerer Kassen ab Mitte November kein utopisches Szenario ist. Und es wäre eines, das die Konjunktur insgesamt unter Druck setzen würde.

Aber all das wäre für den Nasdaq 100 kein Problem, wenn die „Mega Caps“ des Index, die Giganten unter den US-Unternehmen, starke Quartalszahlen abliefern würden, die belegen: An diesen den Index wegen ihrer hohen Gewichtung dominierenden Unternehmen geht der Druck auf das Wachstum einfach vorbei. Aber bislang zündet dieser Booster nicht, die bisherigen Ergebnisse der Mega Caps waren bestenfalls „gemischt“.

Expertenmeinung: Tesla hatte bereits vergangene Woche einen kräftigen Rücksetzer als Reaktion auf seine Bilanz gesehen. Am Dienstagabend konnte zwar Microsoft überzeugen, die Aktie stieg aber weit weniger als Alphabet fiel, deren Bilanz die Anleger ganz und gar nicht mochten. Gestern Abend kam dann Meta mit einem deutlich über den Prognosen liegenden Gewinn pro Aktie. Das führte im nachbörslichen US-Handel zwar zu soliden Gewinnen bei der Aktie selbst, der Nasdaq 100 Future legte aber eher mäßig zu. Das Problem:

Mit leichten Gewinnen ist da jetzt eher nichts mehr zu kitten: Der Index müsste schnell und deutlich davonziehen, ansonsten dürften die Verkäufe weitergehen. Sehen wir uns das Chartbild an: Dieses „hängende Topp“, das mit etwas gutem Willen auch noch als abwärts gerichteter Keil durchginge, steht kurz davor, mit nächstem Halt 200-Tage-Linie (aktuell bei 13.900 Punkten) nach unten verlassen zu werden.

Nasdaq 100 Index: Chart vom 25.10.2023, Kurs 14.381,64 Punkte, Kürzel: NDX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Nasdaq 100 Index: Chart vom 25.10.2023, Kurs 14.381,64 Punkte, Kürzel: NDX | Quelle: TWS

Und gerade das gestrige, kräftige Minus des Nasdaq 100 von 2,47 Prozent, am Tag nach den Zahlen von Microsoft und Alphabet, ist ein Warnsignal. Denn am Montag hatte der Index auf Höhe der leicht abwärts geneigten Nackenlinie des Topps nach oben gedreht, die Bullen dürften die Hoffnung gehegt haben, dass der Weg nach oben nach Absolvieren des Abrechnungstermins am Terminmarkt am vergangenen Freitag wieder frei wäre. Jetzt ist der Nasdaq 100 sang- und klanglos wieder auf der Linie gelandet: kritisch.

Solche Rückschläge machen die verbliebenen Bullen fraglos noch nervöser. Jetzt müssten es diejenigen Mega Caps richten, die in Sachen Quartalsergebnisse noch in der Pipeline sind: Heute Abend nach Handelsende kommt amazon.com, nächste Woche dann Apple. Nvidia kann hier nicht helfen, denn da deren Geschäftsquartale einen Monat hinter den Kalenderquartalen liegen, kommen diese Ergebnisse erst Ende November.

Ein schwacher Tag würde jetzt also reichen, um das Topp zu vollenden. Zwar läge die 200-Tage-Linie als nächstes Kursziel nicht allzu weit entfernt. Aber wenn die Stimmung erst einmal so negativ ist, sollte man nicht zu viel darauf wetten, dass diese Linie dann auch hält.

Die allseits mit großen Hoffnungen erwartete Nvidia-Bilanz fiel grandios aus. In Jackson Hole war von den wichtigsten Notenbankern genau das zu hören, was man erwarten konnte. Es gab also keine negativen Überraschungen … außer beim Nasdaq 100-Index selbst. 

Nvidia ist mittlerweile das nach Marktkapitalisierung viertgrößte Unternehmen im Nasdaq 100. Und Nvidias Bilanz im Mai löste den KI-Hype aus. Dementsprechend fieberte man auf die neuesten Quartalsergebnisse hin. Und selbst, wer mehr erwartete als den Konsens der Analysten, wurde positiv überrascht. Doch die Aktie stieg nur moderat. Und schlimmer noch: Die starken Zahlen zogen den Gesamtmarkt nicht mit. Chiphersteller beendeten den Tag nach der am Mittwochabend vorgelegten Nvidia-Bilanz im Minus, potenzielle KI-Profiteure wie Alphabet, Meta oder Microsoft ebenso. Das Ergebnis im Nasdaq 100:

Der Index hatte am Donnerstag im Plus eröffnet und im Minus geschlossen. Es entstand also eine lange, rote Kerze, die die des Vortags komplett einhüllte: Ein „bearish engulfing pattern“ war entstanden, ein potenziell bärisches Signal, das indes, idealerweise gleich am Folgetag, einer Bestätigung durch eine weitere rote Kerze bedarf. Die kam nicht, der Nasdaq 100 beendete den Freitag im Plus. Aber das wirkte sehr bemüht … und wenn man sich das Chartbild ansieht, so erkennt man auch, dass die Bullen keine andere Wahl hatten, als das Loch im Deich umgehend zu stopfen, denn:

Expertenmeinung: Dieses „bearish engulfing pattern“ des Donnerstags hat dazu geführt, dass sich ein kleines Zwischenhoch ausgebildet hat. Ein kleines Hoch, das man als rechte Schulter einer Schulter-Kopf-Schulter-Formation ansehen kann. Einer Abwärtstrendwende-Formation, deren leicht hängende Nackenlinie derzeit um 14.530 Punkte verläuft. Was nah an der aktuell um 14.350 Punkte verlaufenden, zu Jahresbeginn etablierten Aufwärtstrendlinie ist, dem Leitstrahl der erst im Januar begonnenen Aufholjagd des Nasdaq 100.

Dass sich all das in einer Widerstandszone abspielt, die die letzte Barriere vor einem Run an das bisherige Rekordhoch darstellt … einer Zone, die schon überboten war und unter die der Index zuletzt doch wieder zurückfiel, wie wir im Chart auf Wochenbasis sehen können … ist nicht gut. Aber es ist nicht das eigentliche Problem der Bullen.

Nasdaq 100: Wochen-Chart vom 25.08.2023, Kurs 14.941,83 Punkte, Kürzel: NDX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Nasdaq 100: Wochen-Chart vom 25.08.2023, Kurs 14.941,83 Punkte, Kürzel: NDX | Quelle: TWS

Problem Nummer 1 ist, dass die Nvidia-Zahlen eine Kaufwelle hätten auslösen können, dafür waren sie stark genug, es aber nicht taten. Das wirkt, als sei der Markt vollgesogen, als sei längst investiert, wer investiert sein wollte. Aber ein Nasdaq 100, dessen Anstieg derzeit auf ungewöhnlich wenigen Aktien basiert, dem die Käufer ausgehen, wäre ein unerfreulicher Gedanke.

Problem Nummer 2 ist eher noch größer: die Leitzinsen. Dass der Nasdaq 100 im Herbst 2022 nicht mitzog, als DAX, Euro Stoxx 50 und Dow Jones im Oktober durchstarteten, lag nicht zuletzt daran, dass hohe Leitzinsen für die Hightech-Branchen weit negativer sind als für Branchen der „Old Economy“. Einfach, weil sie meist weit mehr Kapital aufgenommen haben und sich mehr über Kredite refinanzieren müssen. Es war die Hoffnung, dass die Leitzinsen nicht allzu weit steigen und bald wieder sinken werden, welche die Trader dann doch ab Jahresanfang in den Hightech-Bereich lockte. Doch nicht erst seit den Reden von US-Notenbankchef Powell und EZB-Chefin Lagarde im Zuge des gerade gelaufenen Notenbanker-Treffens in Jackson Hole wird deutlich, dass die Hoffnung auf baldige Entlastung der Tech-Unternehmen auf der Zinsseite kein Fundament hat.

Daher kann es sehr gut sein, dass dieses „bearish engulfing pattern“ im Nasdaq 100, wo die Mehrheit zweifellos mit einer Super-Rallye rechnete und nur die Bestätigung des „Zinsproblems“ durch das Meeting in Jackson Hole bekam, so manchen Trader über das Wochenende unruhig gemacht hat. Es ist also in der Tat gut denkbar, dass da gerade etwas anbrennt. Und sollten die Bemühungen des Freitags, den Nasdaq 100 zu stabilisieren, in dieser neuen Woche keine Früchte tragen und der Index die Aufwärtstrendlinie bei 14.350 Punkten brechen, so wäre ein relativ zügiger Test der momentan bei 13.140 Zählern verlaufenden 200-Tage-Linie keine große Überraschung.

Nasdaq 100: Tages-Chart vom 25.08.2023, Kurs 14.941,83 Punkte, Kürzel: NDX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Nasdaq 100: Tages-Chart vom 25.08.2023, Kurs 14.941,83 Punkte, Kürzel: NDX | Quelle: TWS