DAX aktuell DAX: Acht Tage Wassertreten – was ist hier los?

News: Aktuelle Analyse des DAX Index

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Erst war der DAX-Index auf seiner Rekordfahrt nicht zu bremsen, jetzt tritt er seit acht Handelstagen auf der Stelle. Ist das ein Warnsignal? Das schon, aber ein Verkaufssignal ist es noch nicht. Wir schauen genauer hin.

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Seit acht Handelstagen und damit seit der Osterpause bewegt sich der deutsche Leitindex einerseits zwar auf dem Niveau neuer Rekordhochs, andererseits aber nur in einer Handelsspanne von gerade einmal 1,1 Prozent. Normalerweise dürfte man erwarten, dass eine Rallye, wie sie hier Anfang März begonnen hatte, entweder weitergeht oder aber, durch Gewinnmitnahmen ausgelöst, eine Korrektur einsetzt. Aber weder noch? Der DAX wirkt, als wäre er festgenagelt. Und das könnte tatsächlich nahe an der Wahrheit sein.

Denn heute ist der Abrechnungstermin für die Optionen auf Aktien und Aktienindizes mit der Laufzeit April. Und es ist gut möglich, dass dieser Bereich des DAX für die großen Akteure am Terminmarkt, für die es da um gewaltige Summen geht, ideal ist, einen optimalen Gewinn bedeuten würde. Manchen Investoren mag es ausgeschlossen scheinen, dass die „Big Player“ der Terminbörse imstande sein könnten, bei Indizes gezielt bestimmte Kurslevels anzusteuern und dann zu verteidigen, aber:

Den aktuellen Kurs und Chart des DAX sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Es geht da um komplexe, über verschiedene Derivateklassen verteilte Positionierungen, die mit hohem Kapitaleinsatz und hohen Hebeln gefahren werden. Da vor allem der DAX-Future über die Arbitrage ein ideales Tool ist, um den DAX mit hohem Hebel indirekt zu bewegen, ist er auch geeignet, eine bestimmte Zone durch große Kauf- und Verkaufsorders an den Grenzen einer Handelsspanne zu „verriegeln“. Wenn die Trader sehen, dass diese Orders bei normalen Umsätzen kaum zu überwinden sind, erkennen sie schnell, dass es nicht lohnt, dagegen anzugehen … zumal die Dauer dieser seit Jahren immer mal wieder auftretenden Sperrriegel auf die Abrechnung am Terminmarkt limitiert ist.

Dass die Terminbörse ihre Hände im Spiel hat, ist beim DAX weniger deutlich auszumachen als in anderen Indizes. Denn oft werden die Kurse gezielt an runde Marken und damit an auffällige „Strike Prices“ am Optionsmarkt gelenkt. Das ist beim DAX nicht so auffällig, anders indes beim Euro Stoxx 50 (4.000 Punkte), beim MDAX (33.000 Punkte) oder beim Nasdaq (14.000) und beim Dow Jones (34.000).

Das mag erklären, warum der DAX, der offenbar frühzeitig dieses ideale Abrechnungsniveau erreicht hatte, wie festgezurrt wirkt: er ist es auch. Aber wie geht es danach weiter? Denn eines weiß man ja, auch, wenn man die Terminbörse als „Täter“ identifizieren kann, dennoch nicht: Bremst der Terminmarkt den Anstieg? Oder stützt dieser Sperrriegel den DAX im Gegenteil?

Das ist, bevor die heutige Abrechnung ab Montag keine Rolle mehr spielt, nicht abschätzbar. Klar ist aber: Während es in den USA derzeit starke Konjunkturdaten hagelt, sind die hierzulande keineswegs stark. Und das permanente Hin und Her um Lockdowns bei zugleich frustrierend schleppenden Impf-Fortschritten macht klar, dass mit einem nachhaltigen Durchstarten der Konjunktur weiterhin nicht zu rechnen ist. Kein ideales Umfeld für einen Index auf Rekordniveau, der zugleich auch noch auf Tages- ebenso wie auf Wochenbasis markttechnisch überkauft ist. Andererseits weiß man schon lange um diese negativen Aspekte und kauft trotzdem immer weiter. Einfach darauf zu wetten, dass es nach dieser Terminbörsen-Abrechnung vorbei ist mit der Herrlichkeit, wäre daher unklug.

DAX: Wochen-Chart vom 15.04.2021, Kurs 15.255,33 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Aber der Chart macht deutlich, dass das auch nicht nötig wäre, denn die kurzfristig entscheidende Schlüsselzone, deren Bruch indizieren würde, dass die Rallye erst einmal vorbei ist, liegt recht nahe, zwischen 14.700 und 14.950 Punkten.

Im Chart auf Tagesbasis sehen Sie den oberen Bereich dieser Zone zwischen 14.830 und 14.950 Punkten, bestehend aus der oberen Begrenzung des Dezember-Trendkanals, der unteren Begrenzung des ganz kurzfristigen Aufwärtstrendkanals und der 20-Tage-Linie. Sollte der DAX da durchrutschen, wäre das schon mal problematisch.

DAX: Tages-Chart vom 15.04.2021, Kurs 15.255,33 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Aber erst, wenn er mit Schlusskursen unter 14.700 Zählern wieder in die große Keilformation zurück fiele, die man im Chart auf Wochenbasis sieht, wäre nennenswert Spielraum nach unten. Ein Abwärtsspielraum, der in der unteren Begrenzungslinie dieser Keilformation bei derzeit 13.900 Punkten ein erstes Kursziel finden würde.

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Ronald Gehrt, Chart- & Fundamentalanalyst | LYNX Börsenexperten
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Vorherige Analysen des DAX Index

Es scheint, als könnte nichts den DAX aufhalten. Am Markt herrscht Champagnerlaune … aber heißt es nicht, die Stimmung ist am Hoch am besten? Was könnte jetzt eine Korrektur auslösen?

Das bullische Lager argumentiert, dass der Weg alleine deshalb weiter nach oben weisen müsse, weil der DAX Inflationssorgen und steigende Renditen an den Anleihemärkten ebenso weggesteckt hat wie den Umstand, dass das erwartete Durchstarten des Wachstums auf der Zeitachse ein ums andere Mal verschoben werden muss. Wenn diese negativen Einflüsse die Hausse nicht bremsen können, was dann?

Das Argument hat etwas für sich. Ebenso wie der Verweis auf die dramatisch negativen Realzinsen (durchschnittliche deutsche Anleiherendite abzüglich der Inflationsrate), die die Sparer zwangsläufig weiter in den Aktienmarkt drängen, selbst diejenigen, die das normalerweise eher nicht tun würden. Wenn die Zahl der Aktien nicht steigt, dafür aber die Zahl der Sparer bzw. das Volumen des im Aktienmarkt investierten Kapitals, dann können die Kurse ja nur steigen. Das klingt logisch, ist es aber nur bedingt.

Denn wir haben auch in Phasen negativer Zinsen immer wieder scharfe Korrekturen erlebt. Das passiert z.B. dann, wenn sich die Lage auch nach einiger Zeit des Ausharrens nicht wie von den meisten erhofft entwickelt. Oder wenn im Vorfeld bereits zu viele auf eine positive Entwicklung gesetzt haben wie z.B. zwischen Frühjahr 2015 und Frühjahr 2016. Oder aber, wenn eine neue Krise die Hoffnungen auf die große Wende torpediert, wie das durch die Eurokrise 2011 geschah. Wobei es sich dabei um die mittelfristige Ebene dreht.

Auf der kurzfristigen Ebene ist die Sache simpler, da reicht es, wenn dem Markt kurzzeitig die Käufer ausgehen, während Trader, die sich der überkauften Situation gewärtig sind, den Gewinn mitnehmen, weil sie damit rechnen, nach einer sukzessiv wahrscheinlicher werdenden Korrektur deutlich tiefer wieder Long gehen zu können.

Solche „Wetten“ auf eine Korrektur gehen bisweilen auch schief. Und wenn sie schiefgehen, beschleunigt das den Anstieg sogar, weil dann nicht nur die normalen, weiter einsteigenden Akteure die Kurse treiben, sondern auch diejenigen, die vorher ausgestiegen sind, schnell wieder in den Markt wollen. Haben wir gerade eine solche Situation? Dafür spricht einiges.

Erst heute reagiert der DAX auf die jüngsten US-Arbeitsmarktdaten, die einen Stellenzuwachs von über 900.000 Jobs im März vermeldeten. Das führte zwar dazu, dass die US-Anleiherenditen ihre Gegenbewegung abbrachen und wieder stiegen, aber am US-Aktienmarkt wurde das am Montag ignoriert. In dessen Kielwasser dürfte der deutsche Leitindex heute erneut auf Rekordniveau starten. Und dann wird es langsam interessant:

Sie sehen im Chart auf Tagesbasis, dass der RSI-Indikator deutlich in die überkaufte Zone gelaufen ist. Das passiert selten und ist oft der Vorbote einer Korrektur. Im Chart auf Monatsbasis sieht der DAX zwar stark aus, wie er stärker nicht sein könnte, aber selbst dort hat die Markttechnik (dort abgebildet der Stochastik-Oszillator) die Überhitzungszone erreicht.

DAX: Monats-Chart vom 01.04.2021, Kurs 15.107,17 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Überkaufte Levels können sich zwar auch mal längere Zeit halten. Aber wir haben jetzt die vorerst letzte Station des zuletzt schon genannten, bullischen Fahrplans erreicht. Nach dem „dreifachen Hexensabbat“ an der Terminbörse und dem „Window Dressing“ zum Quartalsultimo sahen wir am Gründonnerstag das Investieren des seitens der Sparer neu zugeflossenen Kapitals durch die institutionellen Anleger. Das wird heute weitergehen, kann (muss nicht) noch ein paar Tage anhalten … aber wie geht es dann weiter? Die dann langsam anrollende Saison der Quartalsbilanzen wird in den USA wohl manche positive Überraschung bringen. Aber in Europa läuft es eben bislang nicht ansatzweise so gut. Also, lieber den Gewinn mitnehmen, solange die Stimmung noch gut ist?

Es wäre zu überlegen, aber aus aktueller Sicht wäre es nicht zwingend, das sofort komplett zu tun. Man könnte jetzt Teilverkäufe bei aggressiven und kurzfristig ausgerichteten Long-Positionen erwägen, aber um eine komplette Trading-Position aufzulösen, hätte man aktuell eine so nahe liegende Supportzone, deren Bruch das Startsignal eines größeren Rücksetzers sein könnte, dass man die Segel nicht unmittelbar komplett streichen sollte.

Sie sehen im Chart auf Tagesbasis, dass der DAX aus dem im Dezember etablierten Aufwärtstrendkanal nach oben ausgebrochen ist und einen im Chart grün markierten, noch steileren Trendkanal ausgebildet hat. Dessen untere Begrenzung, die 20-Tage-Linie und die obere Begrenzungslinie des nach oben verlassenen Trendkanals bilden zwischen 14.600 und 14.780 Punkten eine kurzfristig entscheidende Auffangzone.

DAX: Tages-Chart vom 01.04.2021, Kurs 15.107,17 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Solange die hält, ist der Weg nach unten zugestellt. Bricht sie aber, wäre ein Test der unteren Begrenzung des im Chart schwarz gehaltenen Dezember-Trendkanals bei aktuell 13.800 Punkten ein realistisches Ziel einer Korrektur; dann wäre die Chance, im Fall eines kompletten Ausstiegs aus Long-Trades auf lohnend tieferem Niveau neu einsteigen zu können, besser.

Immer mehr Experten senken ihre 2021er-Wachtumsprognose für Deutschland. Der DAX klammert sich trotzdem an seine Rekordhochs, aber ist eine Korrektur überhaupt zu verhindern?

Das Hin und Her in Sachen Lockdown und Impfungen wäre ein erheiterndes Possenspiel, würde es nicht einen immer größeren Schaden in der deutschen Wirtschaft anrichten. Und vor allem die mittel- und langfristigen Folgen werden gravierend sein. Viele der Volkswirte, die in den letzten Tagen ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr nach unten korrigierten, haben den Wachstumsschub einfach auf 2022 vertagt. Aber das Ende der Corona-Problematik bedeutet nicht automatisch das Ende der daraus entstandenen Probleme. Und vielen Anlegern ist das durchaus bewusst. Es wird also nicht allzu einfach, den DAX in einem solchen Umfeld einfach immer höher zu schrauben, zumal:

Die Schwergewichte des Index sind zuletzt allesamt stark gelaufen. Und gerade die so massiv gestiegenen Automobiltitel sind jetzt, was „good news“ angeht, erst einmal durch, da setzen bereits Gewinnmitnahmen ein. Andere Titel aus dem Bereich der Top Ten der Index-Schwergewichte, die den DAX „ziehen“ könnten, sind aber auch zuletzt stark gestiegen: Siemens, BASF, Allianz, die Telekom, die Post oder Linde.

Wochenchart vom 24.03.2021, Kurs 14.610,39 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Hinzu kommt die überkaufte Situation auf chart- und markttechnischer Ebene. Der DAX war zwar kurzzeitig über seine große, mittelfristige Keilformation hinaus gelaufen, die Sie im Chart auf Wochenbasis sehen. Dort stieß er aber auf Gewinnmitnahmen, die auch daraus resultieren dürften, dass nicht nur die obere Begrenzung dieses Keils, sondern auch die des im Dezember etablierten Aufwärtstrendkanals erreicht wurde.

Dies in Kombination mit diesen sukzessiv trüber werdenden, kurz- und mittelfristigen Wachstumsperspektiven bedeutet, dass das bullische Lager mit zunehmendem Gegenwind zu kämpfen hat. Im Chart auf Tagesbasis sehen Sie anhand der seit dem Befreiungsschlag des 8. März dominierenden grünen Kerzen, dass die Käufer eisern bei der Stange bleiben, der DAX schließt selbst dann meist über seinem Eröffnungskurs, wenn er im Minus startet. Aber auch, wenn das im Fall einer positiven Wall Street-Vorlage die Chance bietet, doch noch einmal neue Rekordhochs auszuloten, womöglich an und knapp über die 15.000 zu laufen:

Tageschart vom 24.03.2021, Kurs 14.610,39 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Über kurz oder lang – und eher über kurz – kommt der Index um eine Korrektur nicht herum. Zurückzusetzen, die Verkaufswilligen „abschütteln“, dann auf Höhe relevanter Unterstützungen drehen und mit neuem Schwung nach oben ausbrechen, das wäre das weitaus „gesündere“ Szenario für die kommenden Wochen. Der Bereich der Monatshochs vom Januar und Februar im Bereich 14.130/14.170 Punkte könnte da schon ausreichen. Wobei eine etwas umfassendere Korrektur, die mit der unteren Linie der Keilformation zugleich auch das 2020er-Hoch bei 13.795 Punkten bestätigen würde, noch besser wäre.

Dort Stoppkurse anzusiedeln, wäre momentan sinnvoll. Denn je länger sich die Bullen einem Rücksetzer verweigern, desto größer wird das Risiko, dass solche Unterstützungen dann nicht halten, sondern nur zur Etappe einer größeren Korrektur werden. Noch ist die Long-Seite beim DAX folgerichtig, aber es wäre gewagt, sich darauf zu verlassen, dass das so bleiben muss.

Mit dem gestrigen Kurssprung ist der DAX aus mehreren Trendkanälen nach oben hinausgelaufen. Ein mittelfristiges Hoch dürfte nahe sein!

Einerseits bewegt sich der DAX im Sog des Dow Jones, der zuletzt wie auf Schienen nach oben lief. Andererseits haben wir hier ganz andere Rahmenbedingungen. Keine Super-Konjunkturprogramme, keine Barschecks und auch kein großes Infrastrukturprogramm, welches das mit Billionen angeschobene Wachstum verstetigen soll. Das einzige, was wir von der US-Wirtschaft mitnehmen könnten, wäre ein bisschen Rückenwind durch mehr Exporte in die USA … und die Inflation, die dort droht. Dass die Renditen der US-Bonds nach der US-Notenbanksitzung weiter steigen, macht deutlich, dass man dieses Risiko sehr wohl sieht.

Das ist ein Umfeld, das viel Luft nach unten bieten würde. Wann die ausgelotet wird, ist nie sicher vorhersagbar, denn das alte Börsen-Sprichwort hat schon seine Berechtigung: „Zum Ausstieg wird nicht geklingelt“. Aber der Zeitpunkt, an dem die Luft zu dünn wird, um sich auf diesem Level halten zu können, dürfte nahe sein. Denn davon abgesehen, dass die Rahmenbedingungen nicht zu diesem Rekordlevel passen, das bereits jetzt, im März, über dem liegt, was die Analysten dem DAX für 2021 im Schnitt zugetraut haben, kommen von der Chart- und Markttechnik Warnsignale.

Normalerweise kann ein neues Rekordhoch kein Warnsignal sein, schließlich kann es keine horizontale Widerstandslinien und gleitende Durchschnitte geben, die dem Anstieg im Weg stehen. Möglich sind da nur obere Begrenzungen von Trendkanälen. Und wiederum eigentlich müsste man es positiv werten, dass der DAX sogar diese jetzt überboten hat. Sie sehen im Chart auf Wochenbasis, dass der deutsche Leitindex die große Keilformation der vergangenen Monate deutlich überwunden hat. Und im kurzfristigen Zeitraster gelang der Ausbruch aus einem Ende vergangenen Jahres etablierten Trendkanal. Aber:

DAX: Tages-Chart vom 18.03.2021, Kurs 14.775,52 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Ein solches „Überschießen“ kann den Anstieg zwar kurzfristig beschleunigen, ist jedoch zugleich ein Signal für einen überhitzenden Markt. Und das spiegelt sich auch in den markttechnischen Indikatoren wider. Auf Wochenbasis rangiert der Stochastik-Oszillator in der überkauften Zone (auf Monatsebene ebenfalls). Und im Tageschart sehen Sie, dass der RSI-Indikator jetzt die überkaufte Zone touchiert hat, was seit dem Ende der Relief-Rallye Anfang Juni 2020 nicht mehr vorgekommen ist. All das muss den DAX nicht kippen, aber:

DAX: Wochen-Chart vom 18.03.2021, Kurs 14.775,52 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Die Risiken nehmen definitiv zu. Und selbst ein Test der 20-Tage-Linie, dem typischen Leitstrahl kurzfristiger Aufwärtstrends, würde derzeit einen Rücksetzer bis unter 14.200 Punkte bedeuten. Eine sinnvolle Absicherungsbasis für Long-Trades auf kurzfristiger Zeitebene wäre die untere Begrenzung des gerade überbotenen Trendkanals, derzeit bei 13.680 Punkten. Das ist nicht dramatisch weit weg … und zudem könnte der DAX grundsätzlich noch ein paar hundert Punkte draufpacken, bevor er kippt, allein getragen durch sein eigenes Momentum.

Aber es gibt da noch einen anderen Börsenspruch: Die letzten paar Punkte, die man noch mitnehmen wollte, kommen meist teuer zu stehen. In einem überhitzten Umfeld wie diesem zumindest einen Teil des Gewinns auf dem Konto zu sichern und für die Restposition einen gezielt engen Stop Loss anzusetzen, wäre aus aktueller Sicht unbedingt zu überlegen.

Am Montag überwand der DAX die Seitwärtsspanne der vergangenen Wochen und schloss auf neuem Rekordhoch. Am Dienstag folgten Anschlusskäufe. Es sieht aus, als wäre das bullische Szenario perfekt. Aber erfahrene Bullen sehen immer genauer hin. Und das sollte man jetzt auch.

Auf den ersten Blick gibt es an diesem Ausbruch nach oben nichts zu mäkeln. Der Sprung auf neue Rekorde war nicht knapp, sondern deutlich. Und statt Gewinnmitnahmen sahen wir am Dienstag Anschlusskäufe, die das Risiko einer Bullenfalle verringern. Die markttechnischen Indikatoren auf Tagesbasis sind noch nicht überkauft, hätten also noch Luft nach oben. Und letztlich wirkt dieser Befreiungsschlag wie der Lohn für die Stabilität, die den DAX in den vergangenen Wochen auszeichnete, als MDAX und TecDAX kräftig korrigiert hatten.

DAX: Tages-Chart vom 09.03.2021, Kurs 14.437,94 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Außerdem stehen in den USA die nächsten Barschecks für die Bevölkerung zur Überwindung der Corona-Krise kurz bevor. Ein Teil der Bürger braucht jetzt jeden Cent, um Schulden zu bedienen. Ein anderer Teil aber hätte dieses pro Kopf ausgezahlte Geld gar nicht nötig. Schon zuvor hatte man beobachtet, dass ein Teil solcher Gelder in Aktien wanderte. Warum also diesmal nicht? Und bei einem Pro-Kopf-Scheck von satten 1.400 US-Dollar, der jetzt ansteht, könnte ja auch etwas in Richtung Europa und in den DAX fließen.

Aus Sicht des kurzfristigen Chartbildes und in Sachen potenzieller Liquidität könnte der Index also allemal weiterlaufen. Aber alte Hasen wissen, dass es immer auch Risiken gibt, die umso brisanter werden, je weniger Akteure sie erkennen. Daher wäre es trotz dieses scheinbar so eindeutigen Ausbruchs nach oben dringend geboten, die Bewegung nicht einfach mit dem Lineal in die Zukunft fortzuschreiben, sondern vor allem nach unten zu schauen und sich konsequent über Stoppkurse abzusichern. Grund dafür gäbe es durchaus.

Ein potenzielles Risiko findet sich im Chart auf Wochenbasis. Hier sieht man, dass der DAX an eine Hausse-Begrenzungslinie gelaufen ist, die die obere Linie einer Keilformation darstellt. Die muss den DAX nicht ausbremsen, das kommt sehr darauf an, wie viele Marktteilnehmer diese Formation überhaupt wahrnehmen, da sie auf einer kurzfristigen Zeitebene nicht ins Auge fällt. Beobachten sollte man diesen Keil aber auf jeden Fall. Sollte der DAX diese Formation auf Wochenbasis klar überwunden haben, wäre sie als potenzielle Bremse vom Tisch. Aber eben erst dann.

DAX: Wochen-Chart vom 09.03.2021, Kurs 14.437,94 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Bedeutsamer ist die fehlende Marktbreite der Aufwärtsbewegung. Man sollte ja vermuten, dass eine ganze Reihe von DAX-Aktien ebenfalls neue Rekorde erreicht, wenn ihr Index auf Allzeithoch schließt. Aber das ist nicht so. Es ist schon verblüffend genug, dass von den 30 DAX-Aktien 10 nicht einmal über ihrer 200-Tage-Linie notieren. Aber wenn man die Zahl neuer Rekordhochs unter den 30-DAX-Aktien zusammenrechnet, kommt man derzeit auf … eines. Nämlich die Deutsche Post. Mit etwas gutem Willen ließe sich noch Siemens dazu nehmen, die knapp unter ihrem im Februar erreichten Hoch schlossen. Aber das war es dann. Wie ist das möglich?

Das ist möglich, weil der DAX so, wie ihn die meisten kennen, ein Performanceindex ist, bei dem ausgezahlte Dividenden wie Kursgewinne gerechnet werden, die zudem auch noch gleich rechnerisch reinvestiert werden. Schaut man sich den DAX als Kursindex an, bei dem nur die reinen Kursveränderungen gerechnet werden, wie das z.B. auch beim Dow Jones oder dem Euro Stoxx 50 der Fall ist, stellt man fest, dass der zwar auch nach oben ausgebrochen ist. Aber nur über das „Prä Corona“-Hoch vom Februar 2020. Den markanten Widerstand aus den Hochs 2017/2018 hätte der DAX in dieser Berechnung noch vor sich, während er diese Hürden als Performanceindex dank der Dividenden-Aufrechnung längst hinter sich hat. Durch diese Berechnung als Performanceindex wirkt der DAX stärker, als es seine einzelnen Komponenten sind.

DAX-Kursindex: Wochen-Chart vom 09.03.2021, Kurs 14.437,94 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Und diese fehlende Marktbreite zeigt, dass die seit knapp einem Jahr laufende Hausse keineswegs so unverwundbar ist, wie es scheint. Daher sollte man immer auch nach unten sehen, sich konsequent absichern, wobei im Fall kurzfristiger, aggressiver Long-Trades durchaus auch ein Stop Loss zu erwägen wäre, der mit knapp unter 14.000 Punkten nur geringfügig unter dem Ausbruchslevel liegt. Einfach, um schnell aus dem Markt zu sein, wenn es wider Erwarten der meisten Akteure doch noch zu einer Bullenfalle käme.

Nachdem der Januar wider Erwarten vieler im Minus endete, muss der DAX diesen Monat Zeichen setzen. Und ja, man sieht, dass das bullische Lager Druck macht, das bisherige Rekordhoch überwinden will. Aber was ist mit der Gegenseite, den Bären? Halten die still?

14.169,49 Punkte müsste der DAX überbieten, idealerweise auf Schlusskursbasis und am besten bis morgen zum Handelsende. Dann hätte der Februar den enttäuschenden Januar „geheilt“. Dann könnte man darauf hoffen, dass die Goldgräberstimmung, die durch diese Super-Hausse der letzten elf Monate entstanden ist, zur Monatswende frisches Geld der Sparer in die Kassen der institutionellen Investoren wie Fonds oder ETFs spült und die Rallye durch diesen Kapitalzufluss weitergeht.

Rein von den Fundamentals her ist das zwar ein kniffliger Weg, den die Bullen da gehen würden. Denn der DAX würde einem Wachstum vorgreifen das, zumindest was die Gesamtwirtschaft angeht, durch diesen monatelangen Lockdown massiv behindert wird und womöglich viel später nachhaltig und stark würde, als viele es aktuell denken. Allerdings hätte man auch Gegenargumente. Denn der DAX repräsentiert eben nicht die deutsche Wirtschaft insgesamt, sondern 30 große, grundsätzlich starke Unternehmen, die großenteils 2020 bewiesen haben, dass sie gut durch solche Krisen kommen. So manches DAX-Unternehmen hat 2020 mehr verdient als 2019.

Und die Bären? Wäre denn nicht das Risiko da, dass ein Ausbruch über das bisherige Verlaufshoch im Kielwasser des Dow Jones, der am Mittwochabend neue Verlaufsrekorde aufs Parkett legte, keine oder zu geringe Anschlusskäufe sieht, weil schon zu viele zu hoch investiert sind? Dass dies dann dazu führt, dass Anleger den Rekordlevel nutzen, um doch lieber Kasse zu machen … und das wiederum die Bären anlockt, d.h. im Fall einer Bullenfalle noch mehr Druck aufkommt, als das in den vergangenen Tagen der Fall war?

Ja, das Risiko besteht. Aber das besteht ja grundsätzlich immer. So etwas war nach dem 8. Februar passiert, als der DAX das vorherige Verlaufs-Rekordhoch des 8. Januar kurz überbot, dort aber auf Verkaufsdruck traf und seither knapp unter diesem Hoch seitwärts läuft. Aber gerade dieser Fall zeigt: Um die Bären muss man sich in diesem Stadium noch keine Gedanken machen.

Denn erfahrene und große Short-Trader – und nur auf die kommt es an – stemmen sich nicht sinnlos gegen einen noch intakten Aufwärtstrend. Es bringt nichts, viel Kapital einzusetzen und am Ende doch zu scheitern, weil die Leerverkäufe in Aktien und Short-Trades im Future von einer weiterhin bestehenden, soliden Nachfrage aufgesaugt und dadurch egalisiert werden. Daher warten diese Akteure erst einmal ab, ob es zu einem Ausbruch kommt, ob dann Anschlusskäufe auftauchen oder eine erneute Bullenfalle entsteht und diese dann durch zu umfassende Verkäufe zu einem Abwärtsimpuls wird. Erst dann würde der Druck durch gezielte, bärische Attacken intensiviert.

Das wäre aus aktueller Sicht beim DAX erst zu erwarten, wenn die im Januar verteidigte Auffangzone 13.314/13.460 Punkte bei einem erneuten Anlauf bricht. Und in noch größerem Ausmaß im Fall eines Bruchs der 13.000er-Linie und der sich dieser Linie aktuell nähernden 200-Tage-Linie (momentan bei 12.937 Punkten). Beides ist derzeit noch weit weg.

Für den Moment kommt es nur auf zwei Aspekte an: Wird der Dow Jones, in dessen Kielwasser die Käufer am Mittwoch wieder Zuversicht schöpften, seinen Aufwärtsimpuls halten können? Und gelingt es, den DAX auf Schlusskursbasis über das DAX-Verlaufshoch von 14.169 Punkten zu tragen? Wenn beides mit „Ja“ beantwortet würde, würden sich die Bären nicht zeigen. Erst, wenn beides nicht gelänge, wird es spannend. Dann kommt es darauf an, wie stark der DAX durch Gewinnmitnahmen unter Druck kommt. Erst, wenn die Bären ihn dann wirklich als „waidwund“ einstufen würden, wären die besseren Trading-Chancen auf der Short-Seite zu finden. So kann es kommen. Aber solange das nur eine Möglichkeit ist, sollte man mit Short-Trades im DAX vorsichtig bleiben!

DAX: Monats-Chart vom 24.02.2021, Kurs 13.976,00 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX