DAX aktuell DAX: Die Bullen gehen in Vorleistung … jetzt darf die Wall Street nicht patzen

News: Aktuelle Analyse des DAX Index

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Die Zeitspanne, über die man beim DAX gültige Aufwärtstrendlinien platzieren kann, wird zwar immer kürzer und deren Steigungswinkel sukzessiv geringer. Aber noch liegen die Zwischentiefs jeweils höher als die vorangegangenen, noch ist der Aufwärtstrend des DAX damit intakt. Allerdings wird die Sache für die Bullen zusehends schwieriger durchzuhalten, wenn es nicht gelingt, zügig den Weg nach oben freizumachen. Schon das Zwischenhoch vom Juli erwies sich als ein „Island Reversal“ und damit als Bullenfalle. Und der Versuch, dieses Juli-Hoch zu bezwingen, wurde vergangene Woche erst einmal abgewiesen. Grundsätzlich nicht gut, aber noch ist das Kind damit nicht in den Brunnen gefallen.

Aus psychologischer Sicht ist für die Bullen von Vorteil, dass dieser Abverkauf am Donnerstag nicht hausgemacht ist, sondern der DAX durch die plötzlich markant nachgebenden US-Indizes ausgelöst wurde. Dadurch kann man zum einen darauf hoffen, dass die US-Akteure sich wieder fangen und den Rücksetzer aufkaufen, zumal vor allem beim Nasdaq 100, der Basis des Abgabedrucks, am Freitag eine wichtige Unterstützung hielt. Zum anderen konnte man versuchen, die feiertagsbedingte Abwesenheit der US-Investoren am Montag zu nutzen, um bullische Vorgaben zu generieren. Das wurde mit dem beeindruckenden Plus zum Wochenstart unübersehbar versucht … aber gelingt das auch?

DAX: Tages-Chart vom 07.09.2020, Kurs 13.100,28 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Das wird der heutige Handelstag wohl schon zeigen. Auffällig war, dass die auch am US-Feiertag gehandelten US-Index-Futures die starken Kursgewinne der europäischen Aktienmärkte nur äußerst verhalten bis gar nicht nachvollzogen. Der Dow Jones-Future zog leicht an, der Nasdaq 100-Future blieb zum europäischen Handelsende sogar markant in der Verlustzone. Was bedeutet das für heute?

Den aktuellen Kurs und Chart des DAX sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Es bedeutet, dass das bullische Lager durch die kräftigen Käufe beim DAX ebenso wie beim Euro Stoxx 50 und anderen Euro-Indizes in Vorleistung gegangen ist ohne sicher sein zu können, dass sich ihre Mühen auszahlen. Dass die US-Futures nicht mitzogen, ist nicht unbedingt üblich. Große US-Adressen besetzen die Trading-Desks auch an Feiertagen, wenn auch nur mit wenig Leuten … und die computergesteuerten Systeme agieren ohnehin wie immer. Und das Fehlen eines Teils der Umsätze in Sachen US-Futures ist kein Grund, warum die nicht mitgelaufen sind, denn gemeinhin machen Bullen nicht frei, während die Bären einen Feiertag auslassen.

Auch, wenn das Minus des Nasdaq 100-Future einen klar identifizierbaren Grund hat, nämlich den, dass man erwartet, dass Tesla am Dienstag erneut wegbricht, weil der Aktie die sicher geglaubte Aufnahme in den S&P 500 verweigert wurde und völlig offen ist, ob das allein den US-Gesamtmarkt wirklich drücken wird: Diese instabilen US-Futures machen die umfassenden Käufe hierzulande riskant. Da sollte zum heutigen US-Handelsstart tunlichst kein erneuter Abverkauf auftauchen … oder aber dieser schnell aufgeholt werden. Dass der DAX die Juni-Aufwärtstrendlinie halten konnte, ist zwar positiv. Aber trotz der Käufe des Montags ist diese heute etwa bei 12.800 Punkten verlaufende Linie per Montagabend noch näher als das Verlaufshoch des vergangenen Donnerstags bei 13.460 Punkten. Und erst, wenn der DAX über diesem Hoch schließen würde, wäre die Kuh für die Bullen vorerst vom Eis. Vorsicht bleibt damit geboten, denn sollte der deutsche Leitindex die zum Wochenschluss verteidigte Trendlinie doch noch brechen und dieser gestrige Kraftakt damit vergebens gewesen sein, kann die Zuversicht, die sich aus diesen gestrigen Käufen herauslesen lässt, schnell und vor allem nachhaltig wegbrechen. Dann wäre ein erneuter Test der aktuell bei 12.200 Punkten verlaufenden 200-Tage-Linie womöglich nur eine Etappe auf dem Weg in tiefere Gefilde. Der heutige Tag kann somit Weichen stellen, aber „liefern“ müssen dafür vor allem die US-Börse und dort vor allem die Nasdaq!

DAX: Monats-Chart vom 07.09.2020, Kurs 13.100,28 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

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Ronald Gehrt, Chart- & Fundamentalanalyst | LYNX Börsenexperten
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Vorherige Analysen des DAX Index

Der DAX ist auf dem Sprung. Mit einem Tag Verspätung kam zu Beginn des neuen Handelsmonats frisches Geld in den Markt. Genug, um den DAX 270 Punkte höher zu tragen. Und im nachbörslichen Handel legte er, gezogen durch den mit den US-Börsen höher laufenden DAX Future, weiter zu. Würde der deutsche Leitindex das abendliche Plus in den heutigen Handel mitnehmen, würde er dann auch auf diesem Level schließen, es würde reichen, um das letzte Zwischenhoch vom Juli (13.313 Punkte) zu überwinden. Und dann wären der Weg an das bisherige Rekordhoch von 13.795 Punkten frei und der ewig scheinende Seitwärtstrend der vergangenen drei Monate ausgestanden. Und dann?

Monatschart vom 02.09.2020, Kurs 13.243,43 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Würde der DAX mitten in einer Rezession, bei einem für die Exporteure unerfreulich starken Euro und Indizien, die auf ein Abflauen der wirtschaftlichen Erholung hinweisen, einfach weiter steigen? Wer sich dessen sicher ist, sollte sich erinnern, dass das Juli-Hoch schon zur Bullenfalle wurde, indem das vorherige Hoch vom Juni nur kurz und geringfügig überboten wurde und der DAX dann erst einmal kräftig nachgab. Man sollte auch nicht vergessen, dass dieses Rekordhoch vom Februar eine Bullenfalle war, denn das 2018 erreichte Hoch des DAX bei knapp 13.600 Punkten wurde nur kurz überboten. Aber das bedeutet nur, dass sich der Index mit jedem Prozent, das er kurzfristig steigt, auf dünneres Eis begibt. Es bedeutet nicht, dass dieses Eis zwingend umgehend brechen müsste. Es könnte auch zu einem Szenario kommen, in dem der DAX wie eine Rakete durchstartet.

Tageschart vom 02.09.2020, Kurs 13.243,43 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Was passiert, wenn eine dreimonatige Seitwärts-Spanne nach oben durchbrochen wird? Wer bislang skeptisch war, müsste kaufen, sonst wird er zu einem verzweifelten, weil bei einem bullischen Signal nicht investierten Skeptiker. Wer bis dahin Short war, müsste diese Positionen schnell eindecken, viele würden dann sogar von Short direkt auf Long drehen. Das hieße: Es käme nicht nur zu Käufen, um Short-Positionen im DAX zu neutralisieren, sondern es käme zum doppelten Kaufvolumen, um danach netto Long zu sein. Das kann den DAX, wenn dieser Ausbruch gelingen sollte, rasant steigen lassen. Es kann, wohlgemerkt. Sicher kann man da nie sein, sicher weiß man so etwas immer erst danach.

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Es kann dann durchaus sein, dass viele Trader dann nur ein Ziel haben: Das Rekordhoch testen und überwinden. Kurzfristig kann das dazu ganz und gar nicht passende Umfeld komplett in den Hintergrund treten. Rasant steigende Kurse ziehen viele völlig in den Bann, so sehr, dass sie alle Vorsicht fahren lassen. Aber eine solche „Kaufpanik“ sollte man sich aus bullischer Sicht besser nicht wünschen. Eine Fahnenstange im DAX, rasant und weit steigende Kurse, mit denen unser DAX es dann Nasdaq 100 und S&P 500 in den USA nachtun würde, bergen die Gefahr eines „sudden death“, von ohne Vorwarnung wegbrechenden Kursen. Denn eine solche starke Rallye als Reaktion auf einen Anstieg über das Juli-Hoch hieße, dass so ziemlich alle Bären kapitulieren. Wer kauft danach noch, wenn gefühlt „alle“ investiert sind?

Da reicht es dann, wenn nur ein paar größere Akteure zu viel ihren Gewinn in einem zu engen Zeitraum mitnehmen wollten, um einen solchen „sudden death“ auszulösen. Gerade in einem solchen Umfeld, denn natürlich agieren viele da wie auf rohen Eiern, weil man die nicht mithaltenden Rahmenbedingungen zwar kurzfristig verdrängen kann. Aber im Hinterkopf ist dieser Aspekt immer präsent. Wenn es zu einem solchen Ausbruch des DAX kommen sollte, täte man daher wohl gut daran, die Stoppkurse für Long-Trades zeitnah zumindest knapp unter die nächste Supportzone unterhalb der Ausbruchszone, d.h. unter den Bereich 12.886/12.973 Punkte, nachzuziehen.

Seit zweieinhalb Monaten mäandert der DAX schon um die 13.000 Punkte-Zone herum. Ausbruchsversuche nach unten wurden zwar bislang immer wieder abgefangen, aber nach oben hinaus geht offenbar auch nichts. Das einzige Mal, dass dem DAX die Flucht nach vorne gelang, war im Juli. Und das endete mit einem „Island Reversal“ und damit in einer Bullenfalle. Wieso ist dieser Bereich um 13.000 Punkte eine derart hartnäckige Hürde?

Dieser Bereich ist zum einen ein markanter charttechnischer Widerstand, der, wie Sie in den Charts auf Tages- und Wochenbasis sehen, bis in den Dezember 2019 zurückreicht. Und je öfter der Index in diesem Bereich abdreht, desto mehr Akteure neigen dazu, diesen Bereich als Zielzone zu sehen, Gewinne mitzunehmen und ggf. sogar Short zu gehen. Je länger ein solcher Widerstandsbereich existiert, desto massiver wird er dadurch.

Chart vom 21.08.2020, Kurs 12.764,80 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Allerdings bedeutet das im Umkehrschluss, dass ein von starken Umsätzen begleiteter, entschlossener Ausbruch nach oben dann auch umso mehr Zugkraft entwickeln kann. Denn dann würden viele, die in dieser Zone Gewinne mitgenommen haben, wohl wieder einsteigen. Und Short-Positionen, die um 13.000 eingegangen wurden, dürften Stop Loss knapp über diesem Bereich haben. Deren Auslösung würde bedeuten, dass diese Short-Trades durch Long-Positionen neutralisiert werden, was den Ausbruch noch intensivieren würde. Aber wenn das so ist, warum wurde das nicht versucht, beispielsweise zum vergangenen Freitag, an dem die Abrechnung der Aktien- und Index-Optionen dafür eine gute Grundlage hätte bieten können?

Weil immer mehr Marktteilnehmer den Eindruck gewinnen, dass man in Sachen Erholungs-Rallye nahe am Ende der Fahnenstange angelangt ist. Die Datenlage ist nicht dergestalt, dass man fest darauf bauen könnte, dass die Konjunktur in Kürze wird einlösen können, was der Aktienmarkt bereits eingepreist hat. Warum dann also einen Ausbruch nach oben riskieren, der dann womöglich auch nicht mehr zuwege bringt als das „Island Reversal“ vom Juli? Einige dürften sich auch denken:

Wenn man an diesem wackligen Kartenhaus rüttelt, könnte es leicht ganz zusammenbrechen, sich die Schere zwischen Kursen und Fakten zu Ungunsten der Kurse schließen. Dass die Umsätze in der vergangenen Woche, trotz des Terminmarkt-Abrechnungstermins am Freitag, noch unter denen desselben Zeitraums im Vorjahr lagen, zeigt das Dilemma: Kaum jemand will sich zu weit aus dem Fenster lehnen.

Chart vom 21.08.2020, Kurs 12.764,80 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Aber könnte das dann nicht ewig so weitergehen? Theoretisch natürlich, praktisch wohl kaum. Märkte, die auf der Stelle treten, bieten keine Gewinnperspektive. Das werden vor allem die kurzfristigen Trader nicht ewig mitmachen. Irgendeine Nachricht wird kommen, die den Knoten platzen lässt. Dabei muss man zwar immer damit rechnen, dass es zu Scheinausbrüchen, sprich zu Bullen- oder Bärenfallen kommt. Aber grundsätzlich dürfte der DAX nicht mehr allzu lange in seinem Käfig zwischen der 200-Tage-Linie (aktuell bei 12.206 Punkten) und dem Juli-Verlaufshoch bei 13.314 Zählern verharren. Innerhalb dieser Range jedoch kann es erst einmal weiter ziellos hin und her gehen, daher: Wer nicht gerade Daytrading betreiben will, sollte besser zuwarten, bis hier charttechnische Fakten geschaffen wurden!

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So solide das DAX-Plus von gut zwei Prozent auch wirken mag, was es wert ist, wird erst heute bzw. in den kommenden Tagen entschieden. Denn der DAX konnte sich zwar zum Teil aus der Seitwärtsspanne befreien, in welcher er in den vergangenen Tagen gefangen war … aber eben nicht ganz. Sie sehen im Chart, dass der deutsche Leitindex zwischen der 200-Tage-Linie auf der Unterseite und der 20-Tage-Linie auf der Oberseite festhing. Letztere vermochte er am Dienstag zwar zu überwinden. Aber damit lief er nur erneut in die Widerstandszone 12.886/12.973 Punkte hinein. In die Zone also, in welcher er Anfang Juni nach unten abdrehte. Und in dieselbe Widerstandszone, die er im Juli zwar kurz überbot, daraus dann aber ein „Island Reversal“ wurde und damit eine Bullenfalle.

Die Frage stellt sich, warum es der DAX diesmal schaffen sollte, nachhaltig über diese Zone und damit dann wieder in Reichweite des bisherigen, im Februar bei 13.795 Punkten markierten Rekordhochs zu laufen. Es sei der stark ausgefallene ZEW-Index gewesen, hieß es, der die Anleger beflügelt habe. Ist das so? Und kann das für weitere Käufe sorgen?

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Expertenmeinung: Das wird davon abhängen, ob genug Marktteilnehmer gezielt an der Realität vorbei sehen wollen oder nicht. Denn der ZEW-Index war keineswegs gut, wenn man richtig hinschaute. Richtig ist zwar, dass der ZEW-Index der Konjunkturerwartungen deutlich zulegte und damit besser als erwartet ausfiel. Aber das spiegelt keine verbesserte, aktuelle Lage wider, sondern, wie der Name des Index auch klar macht, die gestiegene Erwartung einer Lage-Verbesserung in den kommenden Monaten. Und die ist deswegen stärker ausgeprägt als im Vormonat, weil die zweite, von vielen einfach ignorierte Komponente der ZEW-Umfragen äußerst ernüchternd ausfiel. Diese zweite Komponente ist der ZEW-Index der Beurteilung der aktuellen Lage. Und der stieg eben nicht, sondern fiel, ganz im Gegensatz zu den Analystenprognosen, gegenüber Juli wieder zurück und bleibt damit nahe der Tiefs vom Frühjahr. Und es ist keine Überraschung, wenn mehr der für die Indizes befragten Finanzmarktexperten von einer Verbesserung ausgehen, wenn die aktuelle Lage unerwartet schlechter ist als gedacht. Aber:

Solche Fakten kann man allemal auch einfach ignorieren. Die vergangenen Jahre haben ja belegt, dass man es am Aktienmarkt zu einer wahren Meisterschaft im Ausblenden unerwünschter Fakten gebracht hat. Vor allem an der Wall Street, aber auch in Europa. So gesehen sollte man nicht einfach unterstellen, dass die Akteure, die gestern kauften, heute plötzlich anders denken und handeln. Aber der DAX muss durch diesen jetzt erst angegangenen Widerstandsbereich 12.886/12.973 Punkte eindeutig hindurch und sich danach auch mehrere Tage souverän über 13.000 Punkten behaupten, damit das Risiko sinkt, dass man da erneut in eine Bullenfalle laufen würde. Solange das nicht gelungen ist, bliebe die Möglichkeit greifbar, dass der Index abdreht und erneut die aktuell bei 12.207 Punkten verlaufende 200-Tage-Linie angeht. Bärisch würde der DAX zwar erst, wenn er diese 200-Tage-Linie eindeutig durchbrechen sollte. Und das ist ein Szenario, das derzeit weit entfernt scheint. Aber es ist eines, das man dennoch besser noch nicht aus den Augen lassen sollte.

Chart vom 11.08.2020, Kurs 12.946,89 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Ob diejenigen, die derzeit versuchen, auf der Käuferseite den Bruch wichtiger charttechnischer Unterstützungen zu verhindern darauf bauen, dass die US-Notenbank heute Abend irgendetwas beschließen oder avisieren wird, das angetan ist, die Dynamik in die Wall Street und in deren Schlepptau in den DAX zurückzubringen?

Wäre das der Fall, wäre das ein gewagtes Spiel, das leicht verloren gehen könnte. Denn schließlich reagieren die Aktienindizes auch auf das zwangsläufig in Kürze durchgehende, erneute Billionen-Hilfspaket nicht mehr, um das man derzeit im US-Kongress ringt. Auch auf den ersten Blick hervorragende Quartalsbilanzen und über den Prognosen ausfallende Konjunkturdaten bringen momentan die alte Goldgräberstimmung nicht zurück. Und eine alte Börsenregel weiß.

Wenn gute Nachrichten nicht mehr zu steigenden Kursen führen, ist der Wurm drin, sind dem Markt womöglich die Käufer ausgegangen. Dann sitzen alle mit randvollen Depots da und setzen darauf, dass irgendwelche „anderen“ für sie weiterkaufen, um ihre eigenen Positionen tiefer in den Gewinn zu heben, können oder wollen selbst aber nichts mehr tun. Es ist angesichts einer über vier Monate währenden Rallye, die auf bislang ausbleibende, klare Signale einer v-förmigen Rückkehr zur alten Wirtschaftsleistung setzt, gut möglich, dass wir einen solchen Punkt erreicht haben. Aber:

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Expertenmeinung: Gerade die insgesamt so unsichere Lage führt dazu, dass sehr viele auch große Adressen spontan und emotional entscheiden, was sie am Markt tun. Selbst wenn man imstande wäre, all diesen Akteuren in die Köpfe zu schauen, würde man da also nichts finden, da die meisten selbst nicht wissen, ob sie morgen Long oder Short gehen werden. Letztlich ist man also mit einer nüchternen charttechnischen Analyse besser bedient als mit dem Versuch, die Stimmung der Anleger psychologisch zu greifen. Zumal: Die meisten kurzfristigen Trader orientieren sich konsequent an der Chart- und Markttechnik. Und je mehr andere Investoren derzeit ratlos sind, was es zu tun gilt, desto größer ist der Anteil dieser technisch orientierten Akteure am Kursgeschehen. Damit kann es also für den Moment nur um die Antwort auf die Fragen gehen: Was muss halten … und was könnte passieren, wenn es nicht hält?

Der DAX-Chart zeigt, dass es momentan um die markante Unterstützungszone aus der März-Aufwärtstrendlinie (12.840 Punkte), der 20-Tage-Linie (12.775 Punkte) sowie der kurzzeitig schon überbotenen Zone 12.886/12.974 Punkte geht. Die zwar seit nunmehr drei Tagen hält, aber wenn sich der DAX nicht schnell nach oben lösen kann, ist die Gefahr groß, dass zu viele, die jetzt noch die Hand aufhalten, diese wegziehen und der DAX schnell und womöglich weit nach unten abrutscht. Eine erste Zielzone wäre die 200-Tage-Linie bei aktuell 12.206 Punkten. Aber abhängig davon, in welchem Umfang die Angst dann an den Markt zurückkehrt, muss auch diese Linie dann nicht halten. Es wäre also für das bullische Lager dringend nötig, diesen momentan täglich dünner werdenden seidenen Faden zu nutzen, um wieder etwas Wasser unter den Kiel zu bekommen.

DAX Chart vom 28.07.2020, Kurs 12.835,28 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Wer nach klassischer Manier investiert, indem er/sie die Rahmenbedingungen abwägt, sich die Bilanzen und Bewertungen der Aktien genau anschaut und zudem überkaufte Situationen meidet, ist derzeit in Not. Dabei sind es nicht nur diejenigen, die gegen die Regel, dass man nie gegen den Trend spekulieren sollte, Short gegangen sind, die derzeit ratlos sind. Es sind viele erfahrene Anleger, die nach den Regeln „spielen“, die jetzt der Verzweiflung nahe sind.

Denn der Aktienmarkt steigt. Der DAX ist mit dem Break über die Widerstandszone um 13.000 Punkte nur noch einen Katzensprung von seinem bisherigen Verlaufsrekord entfernt (17. Februar, 13.795 Punkte) entfernt. Und wer nicht stur dem kurzfristigen Trend folgte, sondern über den Tellerrand hinausschaute und vorsichtig blieb, weil er/sie die wachsende, gefährliche Schere zwischen Kursen und Realität erkannte, ist unterinvestiert der sogar gar nicht dabei.

Was tun? Wer die Ruhe weg hat, könnte sich sagen: Das macht nichts, die wirklichen Kaufkurse kommen ohnehin erst, wenn diese zweite Blase, die Blase der Hoffnungen, platzt. Mag sein, nur hätte man dann eben trotzdem eine Super-Rallye verpasst, die man ja mit engen Stop Loss-Verkaufsorders hätte sukzessiv enger absichern können … hätte man vorher geahnt, was passieren würde. Das war indes nicht abzusehen, die Erkenntnis, dass der DAX immer weiter zulegt, kommt mit jedem Tag im Nachhinein. Gerade, weil er jeden Moment wegrechen könnte, es aber bislang einfach nicht tut. Und gerade weil diese Rallye gegen alle Vernunft läuft und immer höher führt, geraten diejenigen, die bislang vergebens entweder auf eine Besserung der Rahmenbedingungen oder aber auf eine satte Korrektur für den Einstieg warten, unter immer größeren, psychischen Druck. Man muss fürchten, dass, würde man jetzt kapitulieren und einsteigen, so nahe am alten Rekordhoch und so fern der vorherigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, unmittelbar vor einem Abriss der Rallye kaufen und dadurch gleich ein zweites Mal bestraft werden würde. Aber:

Irgendwann kann es soweit sein, dass der Druck nicht erzielter Gewinne (der für viele schlimmer ist als der, der durch Verluste entsteht) die Skeptiker zur Kapitulation zwingt, sie aufgeben und einfach trotzdem kaufen. Weil man dann irgendwann genau vor den Argumenten kapituliert, die man vorher infrage gestellt hat, allen voran diesem ewigen „diesmal ist alles doch ganz anders“. Wenn das passiert, wenn es zu einem solchen „Squeeze Out“ der Skeptiker kommt, äußert sich das gerne in einer Intensivierung von Momentum der Rallye und Umsatz gleichermaßen. Zuletzt haben wir das Anfang 2000 erlebt. Das ganze vierte Quartal 1999 stieg der DAX wider die Vernunft, aber gezogen von der verrückten Dot.Com-Hausse am Neuen Markt, wie ein Strich. Im Februar 2000 dann gaben die Skeptiker auf, sagten sich, dass es keinen Sinn hat, auf das Ende eines solchen, so noch nie erlebten Trends zu warten. Das äußerste sich in einer erneuten Intensivierung der Aufwärtsbewegung und deutlich steigenden Umsätzen. Kurz danach, im März 2000, war das Hoch erreicht und der DAX kippte.

DAX Chart auf Wochenbasis vom 21.07.2020, Kurs 13.171,83 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Es kann also wirklich so kommen, wie es die alte Börsenregel sagt: Erst, wenn der letzte Bär kapituliert, ist die Hausse vorbei. Weil dem Markt dann die Käufer ausgehen. Weil er dann so schnell so weit gestiegen ist, dass sogar unerfahrene Akteure ihre Gewinne sichern wollen … und die Käuferseite verwaist ist. Noch aber ist dieser Punkt nicht erreicht, zumindest wäre er nicht offensichtlich. Das heißt aber nicht, dass man auf der Long-Seite keinem Risiko ausgesetzt wäre. Solange Kurse und Rahmenbedingungen derart deutlich auseinander laufen, kann es jeden Tag, jede Stunde zu einem abrupten Selloff kommen. Aber, das haben die vergangenen vier Monate bewiesen: Jeder Tag bis zu diesem Augenblick ist ein guter Tag für die Bullen. Und eben das ist es, was diejenigen, die sich dieser unlogisch wirkenden Entwicklung verweigern, zermürbt. Aber noch einmal: was tun? Sollte man jetzt noch einsteigen? Das ist immer eine Frage der individuellen Risikobereitschaft und der Nerven, das muss jeder mit sich selbst ausmachen. Wobei, das ist eben das Knifflige an dieser Phase, vor allem der Nerven braucht, der konsequent außen vor bleibt. Aber eines ließe sich allgemeingültig formulieren:

Wer hier Long ist, muss sich konsequent nach unten absichern, idealerweise mit Stop Loss-Verkaufsorders, die sofort greifen, ohne dass man selbst noch aktiv eingreifen müsste, wenn es zu einem „sudden death“ der Rallye käme. Und diese Stop Loss sollte man in jedem Fall mit dem Fortschreiten der Aufwärtsbewegung nach oben anpassen.

Im Augenblick ist die charttechnische Konstellation für eine Absicherung gut erfassbar. Nachdem der DAX die Widerstandszone 12.886/12.974 Punkte deutlich überboten hat, ließe sich ein Stop Loss entweder knapp unterhalb dieser Zone ansiedeln oder, das würde noch einen gewissen Risikopuffer bedeuten, knapp unter die sukzessive nach oben mitlaufende Kreuzunterstützung aus der März-Aufwärtstrendlinie und der 20-Tage-Linie bei derzeit 12.590 Zählern.

DAX Chart auf Tagesbasis vom 21.07.2020, Kurs 13.171,83 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

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