DAX: Für die Bullen wird die Zeit jetzt knapp

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Nach den ersten zwei Handelswochen steht der DAX fast punktgenau dort, wo er das Jahr 2021 beendet hatte. Ein Unentschieden, das zwar eher den Bären nützt. Aber die werden den Vorteil nur umsetzen können, wenn Gegenwehr ausbleibt. Diese Woche wird entscheidend!

Wenn das so weitergeht, könnte der DAX den zehnten Monat in Folge beim Versuch scheitern, die obere Begrenzung des langfristigen, im Frühjahr 2009 etablierten Aufwärtstrendkanals zu bezwingen. Was manchen langfristig denkenden Investor beunruhigen dürfte … zu Recht. Denn wir sehen im Chart auf Monatsbasis, dass der deutsche Leitindex sogar auf dieser Zeitebene markttechnisch im überkauften Terrain rangiert.

Zwar würde niemand die Bullen daran hindern, im Fall eines am Ende doch nicht bullischen Januars im Februar gleich noch einmal mit Ausbruchsversuch Nummer 11 anzutreten. Aber das dürfte nur dann eine Option sein, solange der DAX nicht eindeutig an dieser derzeit bei knapp 16.100 Punkten verlaufenden oberen Begrenzung des Trendkanals abgewiesen würde.

DAX: Tages-Chart vom 14.01.2022, Kurs 15.883,24 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Das wäre zwar erst dann der Fall, wenn der DAX einen Monat unter 14.800 Punkten beenden und damit auf Monats-Schlusskursbasis aus der Handelsspanne der vergangenen zehn Monate nach unten herausrutschen würde. Aber so weit ist diese Zone ja nicht entfernt, um das gelassen ausschließen zu können, zumal:

Den aktuellen Kurs und Chart des DAX sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Expertenmeinung: Dass der Versuch, den deutschen Leitindex umgehend zu Jahresbeginn über das bisherige Rekordhoch bei 16.290 Punkten zu tragen, scheiterte und die Gegenreaktion auf den darauffolgenden, kräftigen Abwärtsschub bislang äußerst schmalbrüstig daherkommt, ist kein gutes Zeichen. Immerhin wird immer klarer, dass Corona die Wirtschaft nicht mehr lange bremsen wird. Und im Gegensatz zu der US-Notenbank will die EZB die Zinsschraube ja (bislang) nicht anziehen. Trotzdem geht wenig voran. Nicht gut.

Aber ein wichtiger Grund dafür ist zugleich auch eine Chance. Zum Start ins neue Jahr wurden zwar bestimmte Branchen kräftig gekauft, so die Automobilbranche, die Chemie und die Finanzwerte. Aber die Gewinner der letzten zwei Jahre kommen bislang massiv unter die Räder: Delivery Hero, HelloFresh, Merck, Sartorius und andere. Doch diese bisherigen, großen Verlierer des gerade begonnenen Jahres sind bereits derart verprügelt worden, dass sie massiv überverkauft sind.

Gelingt es, eine taugliche Gegenbewegung zu starten, während sich die bisherigen Jahresgewinner des DAX halten, wäre das genau das Szenario, das ausreichen würde, um den Index auf neue Hochs zu ziehen und damit das Risiko vom Tisch zu bringen, dass der DAX die Anfang letzter Woche noch gehaltene Unterstützungszone bei 15.800 Punkten bricht.

Denn dann wäre die bei knapp 15.600 Zählern schon sehr nahe gekommene 200-Tage-Linie womöglich nicht zu halten … und der Index könnte dann genau dorthin abrutschen, wohin er aus Sicht der Bullen auf gar keinen Fall hin rutschen darf: An diese mittelfristig so wichtige Supportzone bei 14.800 Punkten. Die Bullen haben es in der Hand … aber dazu müsste das Käufer-Lager idealerweise sofort aktiv werden: Denn die Wall Street wirkt immer wackliger und könnte bald einen Gegenwind erzeugen, gegen den man nicht mehr ankommt, wenn man nicht zuvor für vollendete, bullische Tatsachen gesorgt hat.

DAX: Monats-Chart vom 14.01.2022, Kurs 15.883,24 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX
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Der DAX hatte den Verlaufsrekord vom November gestern fast auf den Punkt genau erreicht. Ein Katzensprung trennt ihn von einem neuen Allzeithoch. Aber genau jetzt wird es erst richtig spannend. Denn würde der Ausbruch zur Bullenfalle, bestünde umgehend Handlungsbedarf!

Das ist schon ein ungewöhnliches Szenario, das sich uns da zu Jahresbeginn präsentiert. Nicht, wenn man den DAX isoliert betrachtet. Dass da zum Start in ein neues Jahr frisches Geld zufließt und von den institutionellen Investoren sofort in den Markt gegeben wird, ist eher die Regel als eine Ausnahme. Aber wenn man sich den Gesamtmarkt ansieht, geht sofort eine Augenbraue nach oben. Denn während der DAX steigt, fällt der TecDAX. Und dasselbe Bild sehen wir in den USA, wo der Dow Jones zwar zulegt, der Nasdaq 100 aber unter Druck steht. Was geht da vor sich?

Diese auffällige Divergenz basiert vor allem auf Umschichtungen. Man verkauft, ebenso wie in den USA, derzeit stark gelaufene Technologietitel, hält sich aber bislang von den Verlierern 2021 fern, gekauft werden momentan vor allem Aktien der Automobilbranche, Chemie/Pharma und alles, was mit Luftfahrt zu tun hat. Da die Tech-Aktien im DAX im Verhältnis zu den jetzt gesuchten Branchen schwächer gewichtet sind, läuft der DAX höher.

DAX: Tages-Chart vom 05.01.2022, Kurs 16.271,75 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Und mal angenommen, die Akteure würden sich jetzt auch noch den „Losern“ der letzten Monate, z.B. HelloFresh, Delivery Hero und Zalando, zuwenden, die jetzt laufenden Branchen aber weiter einsammeln, wäre der Ausbruch des DAX über sein bisheriges, gestern fast erreichtes Verlaufshoch von 16.290 Punkten leicht zu schaffen und Luft nach oben. Doch man sollte vorsichtig bleiben, denn die Sache hat einen Haken:

Expertenmeinung: Was wir hier sehen, ist eine Branchenrotation. Was aus Tech-Titeln herausfließt, wird nicht auf den Konten geparkt, wie es scheint, sondern einfach in andere Branchen umgeschichtet. Doch eigentlich könnte man ja wie oben erwähnt erwarten, dass netto frisches Geld zufließt. Mit dem Start in ein neues Jahr werden normalerweise kräftige Zuflüsse der Anleger verzeichnet, vor allem, wenn das Vorjahr gut gelaufen war. Ein neues Börsenjahr pflegt mit Zuversicht einherzugehen. Und Zuversicht wiederum damit, dass so mancher eher ein bisschen mehr in Fonds und ETFs investiert als zu normalen Monatswenden. So aber hat es bislang den Anschein, als würde das im Markt steckende Kapital nur im Kreis herumgeführt, aber wenig neues Geld zufließen.

Das könnte sich noch ändern, womöglich könnte ein DAX mit neuen Rekorden bislang zurück gehaltenes Kapital mobilisieren, den Ausbruch dadurch intensivieren. Aber ein solches Auseinanderlaufen von DAX und TecDAX, von Dow Jones und Nasdaq, das ist schon ein Warnsignal. Daher:

Schafft der DAX den Ausbruch und hält er sich dann über dem vorherigen Verlaufshoch vom November bei 16.290 Zählern, ist die Sache gutgegangen. Aber sollte er hier abdrehen oder aber, was psychologisch noch problematischer wäre, ausbrechen und dann eine Bullenfalle ausbilden, sollte man erwägen, Long-Gewinne eng abzusichern. Spätestens bei Schlusskursen unter 15.800 Punkten würde deutlich, dass hier für die Bullen etwas komplett schiefgeht, knapp darunter einen Stoppkurs Long einzuziehen, wäre unbedingt zu überlegen.

DAX: Monats-Chart vom 05.01.2022, Kurs 16.271,75 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Bullen stürmen voran und blicken nicht zurück, es zählt nur, was vor ihnen liegt. So sagt man. Aber wer nicht riskieren will, plötzlich ins nirgendwo oder gar über eine Klippe zu stürmen, sollte besser ab und an zurückblicken und sich fragen: Wo stehen wir beim DAX?

Zieht man jetzt, unmittelbar vor dem Jahresultimo, einmal vorläufig Bilanz, kommt da, wie üblich, ein „einerseits, andererseits“ heraus. Je nachdem, welchen Blickwinkel man einnimmt. Ich meine: Wer wirklich bewusst und besonnen agieren will, sollte sich besser in die Stiefel der Bullen und der Bären stellen, beide Seiten der Medaille betrachten. Immerhin gehen alle Chancen mit Risiken einher. Wer letztere ausblendet, landet, wenn man mal die Geschichtsbücher fragt, immer auf der Nase. Mal früher, mal später, aber unausweichlich.

2021 weist derzeit ein Plus von um die 15 Prozent im DAX auf. Das ist im Vergleich zu den letzten 40 Jahren ein gutes, aber kein herausragendes Jahr. Herausragend war, allerdings nach einem schwachen Jahr 2018, zuletzt das Jahr 2019 gewesen, da hatte der deutsche Leitindex 27 Prozent zugelegt. 2020 empfanden viele als hervorragend, aber das lag nur daran, dass es früh im Jahr im Zuge des Corona-Crashs senkrecht abwärts gegangen war. In der Jahresbilanz brachte es der DAX da nur auf gut 3,5 Prozent. Und nimmt man die letzten vier Jahre im Schnitt, kamen da gut 5,5 Prozent pro Jahr heraus. Das wiederum ist unterdurchschnittlich. Und doch ist es eine Leistung und hat das Gummiband zwischen DAX-Performance und Rahmenbedingungen ziemlich weit gespannt.

Chart mit Monatskerzen vom 27.12.2021, Kurs 15.835,25 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Denn was passierte denn in diesen letzten vier Jahren? 2018 wurde das Jahr bitterer Enttäuschungen. Das Wachstumstempo ließ erheblich nach. 2019 war es nicht viel besser, doch der DAX stieg, weil sich die Unternehmensgewinne der großen DAX-Konzerne einigermaßen gut vom Sog der schwachen Gesamtwirtschaft abkoppelten und man auf 2020 hoffte, darauf, dass der „Phase I-Deal“ USA/China die Weltwirtschaft beleben werde. Doch statt Belebung kam Corona. Und 2021, als man anfangs dachte, alles käme wieder ins Lot und würde starkes Wachstum zeigen, bekamen wir den „Flaschenhals“ in Form einer aus der Spur geratenen, weltweiten Logistik und Inflationsraten, wie wir sie seit Jahrzehnten nicht erlebt haben. Was indes nicht mit einem das Ganze heilenden, starken Wachstum einherging.

Dafür sind diese 15 Prozent, die der DAX jetzt, kurz vor dem Jahresultimo hingelegt hat, viel. Und es sind Vorschusslorbeeren, die, nachdem sie von 2021 jetzt an 2022 weitergereicht werden, schon ein wenig arg strapaziert daherkommen. Oder, um es anders zu formulieren: Das Gummiband zwischen Kursen und Realität ist ganz schön gespannt. Muss man daraus folgern, dass 2022 das Jahr der bösen Überraschungen wird?

Expertenmeinung: Nein, denn wir sehen ja, dass dieses Gummiband eine Menge aushält. Aber da wir aus Kindertagen wissen, dass ein Gummiband überraschend reißt, sollte man unbedingt im Hinterkopf haben, dass das zwar nicht passieren muss, aber jederzeit passieren kann.

Dass der DAX trotz dieses seitens der Rahmenbedingungen so völlig anders wie anfangs gedacht gelaufenen Jahres 2021 zulegte, ist auch dem immensen Zustrom derer zu verdanken, die zwar keine Erfahrung am Aktienmarkt haben, ihn aber angesichts der immer stärker werdenden Inflation als einzige Zuflucht sehen, um ihr Vermögen zu erhalten. Dieser Strom dürfte 2020/2021 insgesamt historische Ausmaße erreicht haben, was impliziert: Dieser Strom wird dünner … und dass der DAX in der zweiten Jahreshälfte vor allem mit Volatilität, nicht aber mit Aufwärtsdynamik glänzte, unterstreicht das.

Chart mit Tageskerzen vom 27.12.2021, Kurs 15.835,25 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Wer sich mit der Materie wenig oder gar nicht auskennt, weiß nicht, dass es etwas gäbe, wovor man sich hüten müsste, da haben sich die vielen „Neuanleger“ im Jahr 2021 als Vorteil erwiesen. Aber eine Hausse ohne frisches Geld gibt es eben nicht. Und was das Kapital angeht, das vor allem wegen des billigen Geldes in den Markt strömte: Das wird weniger werden … und damit alleine kommt der DAX nicht weit. Zumal das Geld der deutschen Anleger ja nicht in den heimischen Markt strömen muss. In den USA ist der Aktienmarkt vor allem in der zweiten Jahreshälfte besser gelaufen. Der marktbreite S&P 500 steuert auf eine 2021er-Performance von etwa 25 Prozent zu. Und der starke US-Dollar steuert denen, die „drüben“ investiert haben, auch noch Währungsgewinne bei.  

Wer zurückblickt und erkennt, wie sehr der DAX einen Kredit auf die Zukunft aufgenommen hat, weiß: Da könnte zwar auch noch mehr daraufgelegt werden, wenn schon „auf Pump“, dann richtig. Aber es muss nicht. Wenn die Realität nicht „liefert“, was man in sie hinein hofft, steigt das Risiko, dass dieser Kredit platzt, daher lautet das Fazit eines Blicks zurück auf das Jahr 2021: Sicherheitshalber immer mal vorsichtig nach unten schauen und bloß den Fallschirm in Form konsequenter Stoppkurse nicht vergessen!

Hätte der DAX am Montag ordentlich zugelegt, wären die Weichen für eine Jahresendrallye gestellt gewesen. Doch das Gegenteil passierte … und jetzt stehen die Bären kurz davor, den Sack zuzumachen. Aber eben erst kurz davor.

Neun Monate in Folge rannten die Bullen gegen die obere Begrenzung des ganz langfristigen Aufwärtstrendkanals an, den der DAX vor mittlerweile fast 13 Jahren etabliert hat. Und es sieht aktuell nicht so aus, als könnten die verbleibenden Handelstage des Dezembers doch noch den Befreiungsschlag bringen.

Unerfahrene Anleger könnten womöglich gar nicht wissen, dass der DAX seit einem dreiviertel Jahr gegen einen massiven Deckel anrennt. Aber wer diesen langfristigen Chart auf Monatsbasis sieht, dann das kurzfristige Chartbild auf Tagesbasis betrachtet und das mit den derzeitigen Rahmenbedingungen für die Aktienmärkte in Beziehung setzt, dürfte mindestens eine Augenbrauche heben … und im Extremfall ins Lager der Bären überlaufen.

Wobei diese zwar aus rein charttechnischer Sicht noch nicht gewonnen haben. Aber sie befinden sich derzeit in der besseren Ausgangssituation, nachdem das „Gap Down“, die markante Abwärts-Kurslücke des Montags, ein bullisches Island Reversal, das vor zwei Wochen entstand, komplett eliminierte, indem erneut ein „Island Reversal“ auftauchte, diesmal aber nach unten. Sehen wir uns das mal im Chart auf Tagesbasis an:

Expertenmeinung: Ein Island Reversal wird durch eine Kurslücke eingeleitet, bei der bullischen Variante nach unten, bei der bärischen nach oben. D.h. zuerst sieht es nach dem gegenteiligen Szenario aus, so, wie Ende November, als eine große Abwärts-Kurslücke den DAX kurzzeitig unter die 200-Tage-Linie drückte. Doch dann kam es am 7. Dezember zu einer zweiten Kurslücke, diesmal aber nach oben. Dadurch steht diese Phase des Ringens um die 200-Tage-Linie isoliert da, wie eine Insel. Ein sehr bullisches Bild, das deutlich macht, dass die Käuferseite wieder die Kontrolle übernommen hat. Doch man hat nicht genug aus dieser Chance gemacht. Und das rächt sich jetzt.

Tageschart vom 20.12.2021, Kurs 15.239,67 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Der DAX fuhr sich nach diesem Gap Up des 7.12. umgehend im Bereich der Widerstandszone um 15.800 Punkte fest, bröckelte sukzessiv ab und verwandelte die Handelsspanne der letzten zwei Wochen durch das Gap Down am gestrigen Montagmorgen erneut in eine „Insel“. Nur wurde durch den Abwärtsrutsch diesmal eben ein bärisches Island Reversal daraus, das zu allem Überfluss auch noch deutlich unter die vor wenigen Wochen so mühsam verteidigte 200-Tage-Linie führte. Matchball für die Bären?

Ja. Aber den kann man auch leicht in den Sand setzen. Damit wir beim DAX ein glaubwürdig bärisches Szenario bekommen, müsste es gelingen, neben der gestern zunächst gehaltenen Supportzone 15.015/15.047 Punkte auch noch durch die Zone 14.816/14.845 zu laufen. Dann allerdings wären Long-Positionen im DAX nichts, was ich unbedingt im Depot haben möchte!

Wochenchart vom 20.12.2021, Kurs 15.239,67 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Den Bullen unter den DAX-Tradern dürfte es am Montagabend eher unwohl gewesen sein. Der DAX war auf dem Sprung, ideal in die Woche der Terminbörsen-Abrechnung zu starten, doch dann wurde der anfängliche Gewinn abverkauft. Umgehend nachzulegen ist jetzt Pflicht!

Am Freitag steht der „dreifache Hexensabbat“ an, die Abrechnung der Futures und Optionen mit Dezember-Laufzeit am Aktienmarkt. In einem intakten Aufwärtstrend haben solche Termine normalerweise eine die Kurse höher ziehende Wirkung. Und das spielt sich normalerweise schon im Vorfeld ab. Schon gegen Ende der Woche vor einer solchen Abrechnung pflegen die Hexen, ihren Tanz zu beginnen, d.h. man muss damit rechnen, dass die großen Akteure am Terminmarkt dann bereits ausfechten, in welche Richtung es bis zur Abrechnung geht. Diesmal ist das jedoch nicht so klar.

DAX: Tages-Chart vom 13.12.2021, Kurs 15.621,72 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Denn vor dieser Abrechnung stehen noch die Entscheidungen der US-Notenbank am Mittwoch und die der EZB am Donnerstag. Und die Trader wissen: Das könnte turbulent werden. Wie reagiert der Markt, sollte die US-Notenbank die jüngsten Andeutungen umsetzen, die Reduzierung der Käufe am Anleihemarkt zu beschleunigen? Wie werden die neuen Projektionen zu Wachstum, Arbeitsmarkt und Inflation aussehen, was wird sich dann daraus hinsichtlich der Leitzins-Perspektive ergeben? Und könnte es nicht sein, dass die EZB dann am Donnerstag doch langsam dem Kurs der US-Notenbank folgen muss, um einen weiteren Wertverfall des Euro zu verhindern? Man ist nervöser als sonst. Und das zeigt sich im DAX-Chart.

Expertenmeinung: Der DAX hatte vergangene Woche einen fulminanten Kurssprung vollzogen, der jedoch nicht in einen Befreiungsschlag mündete. Denn dazu hätte er nicht nur die 200-Tage-Linie zurückerobern, sondern auch noch die Widerstandszone um 15.800 Punkte überwinden müssen. Und genau dort gingen dem Index entweder die Käufer aus, oder, für die Bullen noch kritischer, die Bären leisteten dort erfolgreichen Widerstand.

Mit dem starken Start in die Abrechnungswoche gestern hätten die Abgaben der vergangenen Tage umgehend egalisiert werden können. Und der DAX schaffte es auch bis fast an die 15.800 … doch dann gingen die Verkäufe erneut los. Am Ende war der zeitweise über ein Prozent ausmachende Kursgewinn auf null geschmolzen. Ein solcher gescheiterter Ausbruchsversuch so nahe an diesen wichtigen Notenbankentscheidungen, hinter denen unmittelbar dieser „Hexensabbat“ wartet, das ist natürlich eine Niederlage für das bullische Lager. Aber man sollte vorsichtig damit sein, die Bullen deshalb bereits abzuschreiben.

Denn diese Notenbankentscheidungen können die Basis für einen Überraschungsangriff werden. Es wäre nicht das erste Mal, dass so etwas passiert und wir dann einen Kurssprung vergleichbar dem des vergangenen Dienstags sehen. Nur eines sollte man besser nicht tun: sich blind darauf verlassen. Sollten die Bullen nicht zügig nachlegen, sollte im Gegenteil die am vergangenen Dienstag entstandene Kurslücke mit Schlusskursen klar unter 15.400 Punkten geschlossen werden und der Index von dort aus weiter abrutschen, wäre nicht nur die Terminbörsen-Abrechnung für das Bullen-Lager schiefgelaufen. Das könnte dann sogar die Chance auf eine Jahresendrallye nachhaltig zunichtemachen!

DAX: Monats-Chart vom 13.12.2021, Kurs 15.621,72 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Steigende Nervosität statt Weihnachtsrallye … so hatten sich das die meisten wohl nicht vorgestellt. Dabei sah es am Mittwoch noch so aus, als wäre es gelungen, den DAX mal wieder genau dort nach oben zu drehen, wo es drauf ankommt. Aber jetzt kippt die Bodenbildung.

Bis zum Frühherbst sah es noch so aus, als könne man das Thema Corona so langsam abhaken, was den Aktienmarkt angeht. Wie es jetzt aussieht, wissen wir. Und es scheint, als wäre genau diese Entwicklung der Tropfen, der das Fass zuvor so erfolgreich ignorierter Risiken zum Überlaufen bringt. Erst vor zweieinhalb Wochen hatte der DAX mit 16.290 Punkten einen neuen Verlaufsrekord erzielt. Seither aber ging alles schief – und das im D-Zug-Tempo.

Durch den Rutsch unter 16.000/16.030 Punkte wurde der Ausflug zu neuen Rekorden zur Bullenfalle. Schnell fiel auch der Support um 15.800 Zähler. Vorvergangenen Freitag sorgte die Meldung über die „Omikron“-Mutation für einen Kurseinbruch mit einem großen Gap Down. Der DAX durchschlug dadurch die 200-Tage-Linie und setzte in der Auffangzone 15.019/15.048 Punkte auf. Dann schien sich das Blatt zu wenden, die Käufer tauchten wie schon Anfang Oktober genau in dem Moment auf, in dem es dringlich wurde und generierten eine ideale Vorlage für eine Aufwärtswende mit anschließender Rallye:

DAX: Tages-Chart vom 03.12.2021, Kurs 15.169,98 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Die Kombination aus der roten Kerze des Montags, des Dojis vom Dienstag auf dem Support 15.019/15.048 Punkte und der langen grünen Kerze des Mittwochs, die zudem zur Rückeroberung der 200-Tage-Linie führte, bildete einen „Morning Star“. Eine potenziell bullische Formation und damit die perfekte Ausgangsbasis, um den DAX wieder über die Zone um 15.800 Zähler zu heben, das Gap Down zu schließen und die Gefahr einer mittelfristig relevanten Abwärtswende zu bereinigen. Doch ein „Morning Star“ braucht eine Bestätigung in Form von Anschlusskäufen am Folgetag. Und die blieben aus.

Expertenmeinung: Für das bullische Lager, das sich in den letzten Monaten daran gewöhnt hat, dass schon genug Akteure an entscheidenden Unterstützungen kaufen und so jede Gefahr bannen werden, ist eine Steilvorlage für die Bullen, die niemand annimmt, psychologisch wie ein heftiger Tritt in die Kniekehle. Der DAX startete am Donnerstag schon wieder klar unter dieser wichtigen 200-Tage-Linie. Und der Versuch des Freitags, das Ruder sofort zu Handelsstart herumzureißen, indem der DAX gleich am Morgen an der 200-Tage-Linie eröffnete, wurde am Ende zu einem Start-Ziel-Sieg … aber für die Bären.  

Damit stehen sofort wieder der Supportbereich 15.019/15.048 Punkte sowie die Zone 14.816/14.845 Punkte im Feuer. Der Abverkauf des Freitags entließ diejenigen, die sicher waren, dass sich dieser Abwärtsimpuls des DAX schon irgendwie von alleine erledigen würde, mit einem mulmigen Gefühl ins Wochenende. Die schwache Wall Street dürfte diese Nervosität noch gesteigert haben. Und wenn man sich im Chart auf Monatsbasis ansieht, dass der deutsche Leitindex schon den achten Monat in Folge daran gescheitert ist, über die obere Begrenzung des langfristigen Aufwärtstrendkanals hinaus zu gelangen, dürfte manchen langsam dämmern, dass für den DAX längst Alarmstufe dunkelorange gilt. Denn angenommen, er kann die Zone um 14.800 Punkte nicht halten, zeigt der Monatschart, wo die nächste Etappe liegen könnte: im Unterstützungsbereich 13.600/13.800 Punkte.

DAX: Monats-Chart vom 03.12.2021, Kurs 15.169,98 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX