DAX Prognose DAX: Die erste Nagelprobe für die Bullen läuft

News: Aktuelle Analyse des DAX Index

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Wenn sich Kurse auf Rekordniveau schnell aufwärts bewegen, haben die Bullen ein Problem: Es bilden sich bei einem solchen Sturmlauf keine charttechnischen Unterstützungen, so dass man wie auf einer Leiter ohne Sprossen unterwegs ist. Und auf den DAX trifft das derzeit zu.

Kaum musste man sich nicht mehr fragen, ob der DAX die runde 17.000 wohl nachhaltig würde überwinden können, war schon die 18.000 „eingetütet“ und der Index lief einfach immer weiter. Analysten-Kursziele für Ende 2024 wurden reihenweise überboten und binnen sechs Wochen ein Zugewinn von ca. 8,5 Prozent erzielt. Dabei lief die Rallye da schon lange, konkret seit Ende Oktober. Doch pünktlich zum Start ins zweite Quartal war auf einmal Schluss. Nur kurzfristig oder „bis auf Weiteres“?

DAX: Tages-Chart vom 09.04.2024, Kurs 18.077.69 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
DAX: Tageschart vom 09.04.2024, Kurs 18.077.69 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS

Diese Frage dürften sich momentan viele stellen, wenn nicht alle. Das Problem ist: Wenn diejenigen, die auf Käufe anderer mit eigenen Käufen reagierten und nur auf die steigenden Kurse, aber nicht auf das Umfeld schauten, erst einmal anfangen nachzudenken, wird es bei einer solchen Gemengelage leicht eng für die Bullen – aus zwei Gründen.

Den aktuellen Kurs und Chart des DAX sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Expertenmeinung: Erstens, weil diese Hausse des DAX nicht von positiven Rahmenbedingungen begleitet wurde. Die Ausblicke vieler DAX-Unternehmen konnte man bestenfalls als „so lala“ einordnen. Die Zinssenkungsphantasie löst sich immer mehr auf, die Konjunkturdaten wollen nicht nennenswert besser werden. Derweil läuft der „sichere Hafen“ Gold wie geschnitten Brot und der Ölpreis ist auf einem die Inflation stützenden und die Kaufkraft drückenden Niveau angekommen.

Zweitens, weil der deutsche Leitindex zum Quartalsultimo markttechnisch ungewöhnlich stark überkauft war und diesen überkauften Zustand auf Tagesbasis nur teilweise, auf Wochenbasis noch gar nicht abgebaut hat. Und weil zu dieser Überhitzung hinzu kam, dass sich über der Zone zwischen 16.963 und 17.050 Punkten, die bis Mitte Februar den „Deckel“ darstellte und jetzt als Support fungiert, keine nennenswerten Unterstützungen ausbilden konnten.

Nur zwei Linien würden jetzt nahe des aktuellen Niveaus mögliche Auffanglinien darstellen. Zum einen die 20-Tage-Linie bei 18.155 Zählern, die indes gestern zum Handelsende schon leicht unterboten wurde. Zum anderen die sehr steile Oktober-Aufwärtstrendlinie bei momentan 17.940 Punkten. Darunter wären dann fast 1.000 Punkte Luft bis zu der Zone um 17.000 Punkte, die indes, wenn man sich den DAX auf Wochenbasis ansieht, im übergeordneten Bild auch eher wie eine Art Drahtseil und nicht wie ein stabiler Sockel wirkt.

DAX: Wochen-Chart vom 09.04.2024, Kurs 18.077.69 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
DAX: Wochenchart vom 09.04.2024, Kurs 18.077.69 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX

Da so mancher DAX-Bulle erst jetzt auch mal nach unten sieht, hätten wir damit eine Gemengelage, in der es so manchem bisherigen Himmelsstürmer gerade schwindlig wird … was dem bärischen Lager nicht entgehen kann. Achten Sie also auf diese Aufwärtstrendlinie die, zum Leidwesen der Bullen, recht zügig ansteigt und die Käufer damit unter Zugzwangs setzt. Sollte der DAX diese Linie auf Schlusskursbasis um mindestens ein Prozent unterbieten und sie danach mindestens zwei Handelstage lang nicht zurückerobern, könnte es schnell ungemütlich werden, sofern man hier auf der Long-Seite unterwegs ist.

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Vorherige Analysen des DAX Index

Eine Hausse bei zugleich keineswegs bullischen Rahmenbedingungen ruft oft Erinnerungen an große Kurseinbrüche wie 1987 oder 2000 hervor. Zwar ist dergleichen in einem solchen Umfeld nie unmöglich. Aber mich erinnert der DAX heute eher an den vom Frühjahr 2015. 

Er steigt und steigt und steigt. Die meisten Fragen schon gar nicht mehr, warum. Man würde auch seine liebe Not haben, tragfähige Antworten zu finden. Aber im Zweifel sagen sich die Bullen: Die Hausse nährt die Hausse … und das ist im Prinzip ja auch richtig.

Der Haken ist indes, dass zuletzt einfach keine Gewinnmitnahmen kommen. Angesichts des Umstands, dass die nächstgelegene, sauber ausgeprägte Supportzone um 17.000 liegt und sogar die 20-Tage-Linie als kurzfristiger Leitstrahl der Bullen heute gerade erst bei 18.000 Punkten ankommt, ein wenig gewagt.

DAX: Tages-Chart vom 27.03.2024, Kurs 18.475,06 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
DAX: Tageschart vom 27.03.2024, Kurs 18.475,06 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS

Hinzu kommt, dass er markttechnisch noch überkaufter ist als am Peak der Dezember-Rallye. Ein RSI-Indikator auf Tagesbasis mit einem Wert von 86,67 (die überkaufte Zone beginnt bei 70), wie wir ihn gestern sahen, gab es zuletzt im Dezember 1999. Da ist die Ansicht, dass der Index ein wenig heiß gelaufen sein könnte, also nicht wirklich abwegig.

Da kommt der Gedanke auf, dass sich die Trader die Gewinnmitnahmen womöglich für die kommende Woche aufheben, weil sie davon ausgehen, dass das „Window Dressing“ der institutionellen Investoren zum heutigen Quartalsende mit dem Ziel einer werbewirksam optimierten Performance den DAX womöglich noch ein Stück weiterträgt. Dann kommt kommende Woche (so hofft man) das Geld derer, die sich von der Performance des ersten Quartals anstecken ließen, in den Markt … und dann könnte man mal Kasse machen. Was, wenn es zu viele auf einmal tun, heftig werden könnte. Aber das ist nicht das eigentliche Risiko für den DAX.

Expertenmeinung: Das Problem ist, dass die Rahmenbedingungen nicht passen. Dass das Frühjahrsgutachten der deutschen Wirtschaftsinstitute dem deutschen Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2024 nach zuvor +1,3 jetzt nur noch +0,1 Prozent Anstieg zutrauen, muss zwar nicht zwingend ein Problem der kapital- und margenstarken Blue Chips im DAX sein. Aber grandios fielen die bisher vorliegenden Ausblicke bei sehr vielen DAX-Unternehmen ja nicht gerade aus. Ein „Halten auf hohem Niveau“ ist da schon im oberen Bereich der Aussagen. Das bedeutet, dass man sich in luftleerem Raum nach oben bewegt, ohne dass viele es bemerken. Allerdings gäbe es noch ein Zauberwort, das dazu führen kann, dass ein Index wie der DAX verblüffend lange der Schwerkraft trotzen könnte:

Hoffnung. Aber genau da kommt bei mir die Erinnerung an 2015 auf. Kurzer Rückblick im Schnelldurchlauf: Damals hatte man die Eurokrise mit diversen Rettungsschirmen und viel, viel billigem Geld einigermaßen im Griff, wenngleich nicht sauber gelöst. Aber richtig wachsen wollte die Wirtschaft in Europa trotzdem nicht. Zwar waren die Jahre 2012 und 2013 von steigenden Kursen beim DAX geprägt. Aber die basierten auf der Hoffnung eines deutlich wiedererstarkten Wachstums. Als das nicht kam, begann der DAX 2014 zu stagnieren und zu wackeln. Und dann wurde die Hoffnung reaktiviert:

DAX: Monats-Chart vom 27.03.2024, Kurs 18.475,06 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
DAX: Monatschart vom 27.03.2024, Kurs 18.475,06 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX

Man wollte glauben, dass die massive Ausweitung der EZB-Anleihekäufe das Wachstum wundersam befeuern würde. Das zu erwarten war ebenso unlogisch wie es dann auch ausblieb. Aber der Glaube daran versetzte Berge: Der DAX, zuvor gerade dabei abzurutschen, sauste mehrere Monate höher, bis dann im Mai Gewinnmitnahmen einsetzten und man wenig später erkannte: Nein, das Wunder kommt nicht. Heute will man daran glauben, dass die Leitzinsen bald und weit fallen, obwohl die EZB das so nicht kommuniziert. Man ist sogar imstande zu ignorieren, dass fallende Leitzinsen erst dann das Wachstum befeuern, wenn sie nahe am Tiefpunkt sind und nicht zu Beginn der Senkungen. Und erneut sehen wir einen DAX, der aus einer Abwärtsbewegung im Oktober ohne eine Veränderung der Lage, aber mit dieser Hoffnung auf ein Wunder, monatelang steigt.

Damals stieg er viel weiter, als man das rational hätte erwarten können, heute auch. Damals war absolut offen, wo sein Hoch sein würde … und das ist auch heute der Fall. Auf Verdacht einfach mal Short zu sein, wäre daher heute ebenso verwegen wie 2015. Aber immens auf der Hut zu sein, war damals richtig … und wäre es heute nicht minder, denn das mit den Wundern ist halt, wie die Erfahrung lehrt, so eine Sache.

Dass eine runde Marke auf Rekordniveau auf viele Marktteilnehmer wie ein Magnet wirkt, ist nicht ungewöhnlich. Dass sie als Ausstiegsziel fungiert, schon. Aber kann man sich darauf verlassen, dass sie wieder frischen Schwung in den Wasser tretenden DAX bringen?

Normalerweise fungiert eine „big figure“, eine große, runde Zahl, bei einem Index in erster Linie als Magnet. Dort will man hin, denn eine solche Marke und mit ihr neue Allzeithochs zu erreichen wirkt wie ein Meilenstein. Man könnte das mit der oberen Begrenzung eines Aufwärtstrendkanals vergleichen, denn auch eine solche Linie zieht die bullischen Akteure an.

Aber dort ebenso wie bei den runden Marken neigt man dann dazu, auch mal nach unten zu sehen, wie bei der Erstbesteigung eines Berggipfels. Und wer dann feststellt, dass die Luft auf diesem Gipfel dünn ist und sich zugleich viel zu viele dort tummeln, als der einzige Weg nach unten aufnehmen könnte, wird zum Ausstiegskandidaten.

Dass ein Index oder eine Aktie durch runde Marken recht schnell durchmarschiert oder Aufwärtstrendkanäle im Zuge eines „Overshooting“ überboten werden, ist daher nicht selten. Denn die großen Trader unter den Bullen wissen ganz genau um das Problem mit dem Blick nach unten, der ebenso das Nachdenken wie Schwindelgefühle auslösen kann. Deshalb sorgen sie genau an solchen neuralgischen Punkten dafür, dass der Schwung, das Momentum, nicht verloren geht und kaufen gezielt weiter, um die bullische Schar bei der Stange zu halten und neue Käufe zu provozieren. Wenn sie es denn können … und wollen.

DAX: Tages-Chart vom 18.03.2024, Kurs 17.939,21 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
DAX: Tageschart vom 18.03.2024, Kurs 17.939,21 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS

Das kann, wenn wir uns den DAX im Tageschart ansehen, jederzeit noch kommen, immerhin hatte er die 18.000er-Marke erst in der Vorwoche erreicht und tritt seit vier Tagen auf der Stelle. Das ist nicht lange. Noch nicht zumindest. Aber allzu lange darf man mit dem „Anschieben“ der Kurse und damit dem Beruhigen der Zweifler nicht warten, sonst werden aus Zweifeln Verkäufe. Und rutscht der DAX erst einmal, ist es bedeutend schwerer, ihn wieder in die Hausse-Spur zu bekommen, als wenn er Wasser tritt wie momentan. Und auch, wenn es selten der Fall ist, dass ein Anstieg auf Rekordlevels an runden Marken endet:

Expertenmeinung: Just beim DAX ist das zuletzt eben doch passiert. Und da wir da vom Dezember/Januar sprechen, ist das noch präsent genug, um einer anderen, von vielen womöglich bereits als „ausgestorben“ angesehen Klientel das Eingreifen schmackhaft zu machen: den Bären.

Im Dezember hatte der deutsche Leitindex erstmals die runde 17.000 erreicht, stoppte dort und trat eine Zeitlang auf der Stelle. Beim zweiten Anlauf blieb er aber wieder hängen. Und da wurden die Abgaben schon ein wenig forscher. Der Vorteil der Bullen war nach diesem zweiten Test der runden Marke, dass eine massive Unterstützungszone in Form der drei Hochs vom Frühjahr und Sommer 2023, die damals alle selbst Rekordhochs waren, recht nahe lag und hielt. Sie hielt, weil man weiter starke Zinssenkungsphantasie hatte, auf markant höhere Unternehmensgewinne im neuen Jahr setzte und der Rücksetzer daher wie eine perfekte Einstiegschance wirkte. Heute aber sieht die Gemengelage anders aus.

DAX: Wochen-Chart vom 18.03.2024, Kurs 17.939,21 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
DAX: Wochenchart vom 18.03.2024, Kurs 17.939,21 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS

Die Zinssenkungsphantasie ist deutlich kleiner geworden, viele große Unternehmen haben eher magere Ausblicke vorgelegt und der DAX notiert zugleich 1.000 Punkte höher. Und nicht nur das: Jetzt ist eine massive Auffangzone eben nicht mehr so nahe wie im Januar, denn die wilde Hatz der Bullen, die einsetzte, nachdem der Index sich nach einigem Hin und Her doch noch von der 17.000 nach oben lösen konnte, verhinderte, dass sich ins Auge stechende Supportmarken herausbilden konnten. Bis auf die oft, aber nicht immer als Bullen-Leitstrahl funktionierende 20-Tage-Linie bei aktuell 17.670 Punkten wäre im Fall eines Rücksetzers sofort freie Bahn in den Bereich um 17.000 Punkte.

Wenn das Bullen-Lager verhindern will, dass die Gegenseite das ausnutzt und die Marktteilnehmer dadurch in einer solchen Phase des Innehaltens kalt erwischt, müssen sie sich also ranhalten. Die Entscheidung der US-Notenbank morgen Abend könnte da zum Zünglein an der Waage werden!

Die meisten Aktienindizes steigen derzeit wie auf Schienen. Und beim DAX erreicht diese Schiene jetzt mit 18.000 Punkten eine runde Marke, einen gefühlten Meilenstein. Was man aber nie vorher weiß: Für wie viele wäre diese Marke eine Etappe, für wie viele indes das Ziel?

16.529 Punkte, das war das 2023er-Hoch. Ein neuer Rekord zwar, aber nur unwesentlich über der vorherigen, auf 2022 zurückgehenden Bestmarke von 16.290 Zählern. Jetzt aber ist der deutsche Leitindex schon weit über das vorherige Hoch gelaufen. Das wirkt, als könnte der Hausse nichts etwas anhaben. Keine später als gedacht beginnenden Zinssenkungen, keine gesenkten Wachstumsprognosen, keine oft eher dünn ausfallenden Ausblicke bei den DAX-Unternehmen. Wenn all das die Hausse nicht bremst, was dann?

DAX Index: Monatschart vom 07.03.2024, Kurs 17.842,85 Euro, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
DAX Index: Monatschart vom 07.03.2024, Kurs 17.842,85 Euro, Kürzel: DAX | Quelle: TWS

So denken diejenigen, die auch jetzt noch weiter einsteigen. Und diese Klientel „mag“ runde Zahlen, denn sie wirken jeweils wie ein weiterer, bezwungener Gipfel, der neue Energie für den nächsten liefert. Und wer weiß, da die 18.000, die zu erreichen man heute vermutlich zumindest versuchen wird, schon so früh im Jahr erreicht wurden, vielleicht geht da 2024 sogar noch die „magische“ 20.000er-Marke?

Da Short-Seller in der Regel zu den erfahreneren Akteuren gehören, sind sie in Phasen wie diesen, in denen der Markt „unfallbar“ wirkt, selten sichtbar. Doch das heißt nicht, dass sie nicht da wären. Im bullischen Lager täte man gut daran, sich dessen zu erinnern. Was indes bei einem Sturmlauf wie diesem eher nicht passiert. Und genau das macht diese Situation gefährlicher, als sie auf den ersten Blick wirkt.

Expertenmeinung: Solche extremen Rallyes über Monate hinweg sind selten und laufen, wenn sie denn mal auftauchen, nie gleich ab. Sie sind also immer eine Art Premiere, für die es keine Blaupausen im Archiv gibt. Damit weiß man nie, was kommt. Derzeit scheint es, als würde der Chor in dieser Aufführung nur aus Bullen bestehen, denn sie sind aktiv, die Bären nicht. Aber sind sie deswegen „ausgestorben“ … oder eben nur passiv, bis eine Situation erreicht wird, die ihnen eine gute Basis für eine Attacke bietet? Letzteres wäre nicht nur denkbar, es wäre normal.

Das zu wissen bedeutet aber nicht, dass man abschätzen könnte, wann ein solcher Moment gekommen wäre. Man darf davon ausgehen, dass das auch diejenigen, die auf den richtigen Moment warten, hier und heute noch nicht absehen können. Denn wie gesagt: Diese Konstellation ist eine Premiere. Keiner weiß sicher, was im nächsten Akt passiert. Damit ist es möglich, dass die runde 18.000 für nicht wenige eine gefühlte Endstation ist, sie aber trotzdem überwunden wird, denn:

Normalerweise schauen sich die erfahrenen Trader, ob im bullischen oder im bärischen Lager, erst einmal an, wie sich der Index an einer solchen potenziellen Zielmarke verhält. Meist wird eine solche Marke ein Stück überboten, dann setzen leichte Abgaben ein. Der Index pendelt ein Weilchen um die runde Marke und erst dann entscheiden die größeren Akteure, ob sie weiter kaufen oder zum Halali auf die Bullenherde blasen.

DAX Index: Wochenchart vom 07.03.2024, Kurs 17.842,85 Euro, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
DAX Index: Wochenchart vom 07.03.2024, Kurs 17.842,85 Euro, Kürzel: DAX | Quelle: TWS

Der in einer Woche anstehende große Abrechnungstermin an der Terminbörse könnte da erst einmal stabilisierend wirken. Aber dass der DAX auf Tages- und Wochenbasis überkauft und auf Monatsbasis nahe dran ist, dürften bestenfalls unerfahrene Trader übersehen. Und dasselbe gilt für die auf normalem Kursniveau bestenfalls neutralen, auf diesem Kurslevel aber als Bleigewicht wirkenden Rahmenbedingungen. Der Weg nach oben muss deswegen nicht zugestellt sein, immerhin haben es die Käufer bis hierhin geschafft, obwohl die gegen weiter steigende Kurse sprechenden Aspekte nicht erst seit gestern da sind. Aber man sollte besser nicht glauben, dass derzeit in der Deckung wartende Verkäufer und Short-Seller nicht mehr existieren, nur, weil man sie gerade nicht sieht!

Neue Index-Rekorde auf Basis starker Zahlen einer Aktie, die im DAX gar nicht notiert ist? Dass das passieren würde, dürfte kaum einen erfahrenen Investor überrascht haben. Aber wer lang genug dabei ist, weiß auch: So sieht gerne mal die Endphase einer Hausse aus.

Zwar zog auch die Mercedes-Benz Group nach einem leidlich optimistisch stimmenden Ausblick an und zog viele Automobiltitel mit nach oben, die im DAX insgesamt ein hohes Gewicht haben. Aber der deutsche Leitindex hätte wohl kaum einen Satz um knapp 1,5 Prozent gemacht und mit 17.429,66 Punkten einen neuen Verlaufsrekord erzielt, wenn die Bilanz von Nvidia und die Reaktion darauf nicht gewesen wären. Doch das birgt zwei kritische Aspekte.

DAX Index: Tageschart vom 22.02.2024, Kurs 17.370,45 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX

Zum einen ist Nvidia nun einmal nicht im DAX notiert. Und außer SAP in erheblichen Grenzen gäbe es kein DAX-Unternehmen, dem man unterstellen könnte, dass dessen Gewinn durch eine Verbreitung von KI nennenswert auf die Sprünge geholfen würde. So gesehen haben wir hier nur eine Art „geliehene“ Euphorie. Es wurde gekauft, weil eben gerade alles steigt und es wirkt, als könne nichts und niemand die ewige Hausse mehr aufhalten.

Zum anderen ist es auffällig, dass am Donnerstag niemand von dem hawkishen US-Notenbankprotokoll sprach, das andeutete, dass man dort in Sachen Zinssenkungen – die ja immerhin der eigentliche Treibsatz der vor fast vier Monaten losgetretenen Kaufwelle waren – weniger beherzt zur Sache gehen würde als damals unterstellt. Und da die EZB mit großer Wahrscheinlichkeit keine andere Zinspolitik betreiben wird als die „Fed“, betrifft das, im Gegensatz zu Nvidias Gewinnen und Ausblick, den DAX sehr wohl.

Wer so etwas beobachtet, wird sehr an die Zeit vor genau 24 Jahren erinnert. Auch da wurde nur dorthin geschaut, wo es Erfreuliches gab, es wurde unterstellt dass negative Aspekte, so sie denn bis dahin nicht negativ gewirkt haben, auch nicht mehr negativ wirken würden. Und man war überzeugt davon, dass die neuen Rekorde an den Aktienmärkten nicht den Höhepunkt, sondern den Beginn der großen Party darstellen würden. Damals irrte man sich dramatisch. Und heute?

Expertenmeinung: Zwar ist das Eis angesichts von fiebrigen Käufern, die mehr Angst davor haben, Gewinne zu verpassen als von der Realität eingeholt zu werden, mehr als dünn. Aber nur, wer ab und an nach unten sieht, bemerkt das auch. Und nach unten sieht nur, wer weiß, wie gefährlich ein solches Hausse-Fieber für den Markt ist, weil in solchen Situationen so mancher elektrisierte Trader alle Vorsicht fahren lässt, in den Markt steckt, was an Geld da ist und sich sagt: Ich kann ja jederzeit verkaufen, wenn die anderen auch aussteigen.

Denn genau das sollte man sich nicht wünschen: Zu viele Verkaufswillige und niemand, der in einem heiß gelaufenen Markt, der durch Hoffnungen, aber ohne Rückenwind bullsicher Fakten zulegt, dann die Hand aufhält.

Aber richtig ist andererseits, trotz dieser Warnsignale, eines: Mit diesem neuen Hoch finden sich für den DAX keine „natürlichen“ Widerstände mehr, so dass rein trendorientierte Akteure durchaus immer weiter kaufen könnten, insbesondere die speziell auf Trendfolge und Momentum ausgelegten Handelsprogramme.

Wie eine fiebrige Hausse kippt, ist nicht in früheren Beispielen zu fixieren. Das sah 1987, 2000 und 2008 jeweils etwas anders aus. Und 1929 wiederum anders, soweit ich das anhand von Beschreibungen und groben Charts aus dieser Zeit festmachen konnte. Es gibt keine Schablone, die man über den Kursverlauf legen und sagen könnte: Übermorgen ist das Hoch erreicht. Also, was tun?

Vorsichtig agieren ist das einzig sinnvolle Mittel. Das gilt für bestehende Long-Trades ebenso wie für die Gedanken an Zukäufe. Und das gilt umso mehr für diejenigen, die bereits dagegen halten. Eine „fiebrige“ Börse wird volatiler und damit unberechenbarer. Darauf sollte man sich einstellen, zusehen, dass alle Positionen mit den nötigen Stoppkurs-Fallschirmen ausgestattet sind und umso mehr Trading-Disziplin bewahren, je mehr andere auf Basis des Glaubens, für den DAX gelte ab jetzt „the sky ist the limit“, jede Vorsicht fahren lassen.

DAX Index: Chart vom 22.02.2024, Kurs 17.370,45 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX

Erst die immens starken US-Arbeitsmarktdaten, gestern US-Inflationsdaten über den Erwartungen: Auch, wenn das die Zinshoffnungen der DAX-Bullen nur indirekt betrifft, die See wird zusehends rauer. Wo lägen die Chartmarken, die nicht fallen dürfen?

Würde man die Sache völlig emotionslos und rein von der Logik her betrachten, könnte man behaupten, dass das bullische Lager eigentlich keine Chance hat. Seit zweieinhalb Wochen rennt man gegen die 17.000er-Marke an, ohne sie nachhaltig überwinden zu können. Der RSI-Indikator hat auf Tagesbasis eine negative Divergenz zum Index ausgebildet. Und im ganz langfristigen Bild hat der deutsche Leitindex das obere Ende eines bereits 15 Jahre währenden Aufwärtstrendkanals erreicht.

DAX: Tageschart vom 13.02.2024, Kurs 16.880,83 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
DAX: Tageschart vom 13.02.2024, Kurs 16.880,83 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS

Und jetzt wird immer deutlicher, dass die Leitzinssenkungen, die ja als Argument für die Ende Oktober begonnene Rallye herhielten, vermutlich nicht nur in den USA, sondern auch in der Eurozone später beginnen und vermutlich auch nicht so weitreichend ausfallen werden wie gedacht. Hinzu kommt, dass mehr Unternehmen eher schwache Ausblicke für 2024 vorgelegt haben, als es den Bullen lieb sein kann, aber:

Wer so argumentiert, könnte die Rechnung ohne den Wirt machen. Immerhin ist nicht erst seit einigen Tagen klar, dass der Gegenwind stärker wird, trotzdem fahren die Bullen weiter mit vollen Segeln. Obwohl es an den US-Aktienmärkten nach den zu hoch ausgefallenen US-Preisdaten am Dienstag ungemütlich wurde, hielt sich die negative Reaktion beim DAX in eher engen Grenzen. Das Minus blieb mit -0,92 Prozent recht moderat, die kurzfristige Seitwärtsspanne hielt und mit ihr die für das bullische Lager oft als Leitstrahl dienende 20-Tage-Linie. Noch also ist die Irritation über das vermutlich ausbleibende „Best Case Szenario“ gering. Wie ist das möglich?

Expertenmeinung: Zum einen lassen sich viele Trader gerade in Phasen mit eher komplizierten Rahmenbedingungen rein vom Kurs selbst leiten. Man würde verkaufen, wenn die anderen verkaufen … was dazu führt, dass der DAX stabil bleibt, wenn alle so denken und somit so gut wie niemand aussteigt. Das erleichtert zugleich das Verteidigen wichtiger Supportlinien, deren Bruch eben diese Kettenreaktion an Verkäufen auslösen könnte. Zum anderen steht übermorgen wieder einmal eine Abrechnung an der Terminbörse an, bei der, zumindest darf man das vermuten, versucht wird, die DAX-Optionen am höchstmöglichen Punkt in die Abrechnung zu bringen.

Allerdings ist dieses Gerüst aus Terminmarkt-Bestrebungen und Ausblenden der Risiken nicht gerade solide. Und je mehr sich zwischen Kurs und Realität eine Schere auftut, desto heftiger kann die Reaktion ausfallen, wenn die dadurch bedingte, schwere See bei denen, die weiter stur mit vollen Segeln Long sind, einen Mastbruch auslöst. Was hieße: Ein abrupter, kräftiger Abverkauf, weil zu viele zur selben Zeit aussteigen, zugleich aber kaum jemand einsteigen will. Aber da man dazu wohl vor allem auf die Charts blickt, ließe sich auch erahnen, wo es zu einer solchen Reaktion kommen könnte.

DAX: Monatschart vom 13.02.2024, Kurs 16.880,83 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
DAX: Monatschart vom 13.02.2024, Kurs 16.880,83 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS

Ein Warnsignal wäre, wenn diese schmale Trading-Range zwischen 16.820 und 17.050 Punkten nach unten verlassen würde, die gestern noch hielt und der DAX so aus der unmittelbaren Reichweite des bisherigen Verlaufsrekords herausrutscht. Aber das wäre eben nur ein erster Riss im Mast. Ein „alle Mann von Bord“ würde hier erst dann zu erwarten sein, wenn die Zone fällt, die im Januar so perfekt verteidigt wurde: Die Hochs vom Mai, Juni und Juli 2023 im Bereich zwischen 16.332 und 16.529 Punkten.

Ob es so kommt, ist grundsätzlich zwar offen, aber der Wind wird stärker. Wer hier Long ist, sollte daher auf jeden Fall überlegen, sich konsequent mit Stoppkursen gegen den „Fall der Fälle“ abzusichern. Denn so ein Mastbruch kommt gerne auch mal, ohne dass es vorher vernehmlich und lange im Gebälk kracht.