DAX Prognose DAX: Eine Halbzeitbilanz

News: Aktuelle Analyse des DAX Index

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Ein Minus von 19,5 Prozent, das ist das Ergebnis des ersten Halbjahres 2022. Natürlich lautet die naheliegende Frage: Wird das zweite Halbjahr besser? Womöglich sogar die Wende bringen, weil der DAX schon so viel verloren hat?

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Das vorherzusagen ist alleine deshalb nicht möglich, weil man die Faktoren, die das beeinflussen könnten, nicht vorhersagen kann. Damit muss man … und kann man auch … leben, denn dass die Zukunft im Nebel liegt und man als Investor deshalb genötigt ist, die Lage regelmäßig neu zu bewerten und ggf. die Positionen umzustrukturieren, liegt in der Natur der Börse. Schließlich hatte auch niemand an Silvester 2021 geahnt, dass der DAX derart heftig unter die Räder kommen würde. Auf welche Faktoren wird es jetzt ankommen?

Vor allem auf drei. Zum einen darauf, wie sich die Energieversorgung Richtung Herbst darstellen wird. Würde das Gas oder sogar das Öl zu knapp oder zu teuer, wird es für viele Unternehmen und in der Folge für deren Aktien knifflig. Und dass hinter dem Vorhang einer bislang rund laufenden Versorgung bereits Probleme da sind, zeigt aktuell das Kassieren der Prognose beim Versorger Uniper.

Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob und wie die Maßnahmen der Notenbanken wirken, wobei der heimische Markt auch stark auf entsprechende Veränderungen in den USA reagieren wird. Wird die Inflation zurückgedrängt, aber zum Preis einer Rezession? Was, wenn die Rezession kommt, die Inflation aber trotzdem zu hoch bleibt? Und hätte man dann „Tools“, um den Karren wieder aus dem Dreck zu bekommen oder würden Regierungen und Notenbanken der Eurozone dem Abstieg der Wirtschaft machtlos gegenüberstehen, unter anderem, weil ein drastisches Senken der Zinsen mangels einem entsprechend vorher nach oben gebrachten Zinsniveau gar nicht möglich ist und/oder verpufft?

DAX: Tages-Chart vom 30.06.2022, Kurs 12.783,77 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Das dritte Element wäre meiner Ansicht nach die wirtschaftliche Entwicklung in China. China ist für viele Branchen, z.B. für die im DAX stark gewichtete Automobilbranche, der wichtigste Wachstumsmarkt. Sollte dort kein Weg gegen den Rückgang des Konsums gefunden werden, weil man den Bogen in Sachen Schuldenmachen bei Unternehmen und Privathaushalten überspannt hat … sollte der Immobilienmarkt, der immer noch extrem instabil ist, in sich zusammenfallen … würde das ein Beben auslösen, das hierzulande so manches Unternehmen von den Füßen holt.

Den aktuellen Kurs und Chart des DAX sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Expertenmeinung: Die Risiken bleiben also präsent. Wie viel davon bereits im DAX eingepreist ist, ob man da nicht womöglich schon überzogen hat mit den Abgaben, ist nicht messbar. Erstens, weil das Urteil, ob ein Index die Perspektiven „fair“ eingepreist hat, immer subjektiv ist. Zweitens weil man ja nicht weiß, in wie weit sich Risiken und Chancen im zweiten Halbjahr wirklich manifestieren werden.

Dass der DAX zum Halbjahresultimo ein dickes Minus hinlegte, anderseits aber dabei ein „Dragonfly Doji“ entstand, der, sollte heute zum Start ins zweite Halbjahr eine lange weiße Kerze entstehen, Basis einer Rallye werden kann, taugt als mittelfristiger Wegweiser wenig. Eine Rallye kann immer kommen. Und nachdem der DAX im Juni heftig Federn ließ, wäre sie auch keine Überraschung. Aber solange die Rahmenbedingungen bärisch bleiben, würde wohl kaum eine tragfähige Wende daraus. Zumal:

Der Blick auf den DAX auf Monatsbasis zeigt, dass er, nachdem es vier Monate lang zum Monatsende immer doch noch gutging, diesmal unter der wichtigen Unterstützungszone 13.597/13.795 Punkten und auch noch unter der im Monatschart blau gehaltenen 1.000-Tage-Linei schloss. Das ist mittelfristig klar bärisch und macht den Weg nach oben in Bezug auf alles, da über eine Rallye hinausgeht, noch steiniger.

DAX: Monats-Chart vom 30.06.2022, Kurs 12.783,77 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

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Vorherige Analysen des DAX Index

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Konjunktursorgen hätten die Anleger dazu gebracht, am Mittwoch wieder auszusteigen, hieß es in den üblichen Berichten des Tages zum DAX. Aber man muss kein Profi sein um zu erkennen, dass diese lapidare Erklärung zu kurz greift. Das „Opening Gap“ macht das deutlich.

Die Rahmenbedingungen ändern sich nicht kurzfristig wie das Wetter. Sie waren bärisch, als der DAX in der ersten Juni-Hälfte wie vom Blitz getroffen fiel. Und sie waren es auch, als man sich in den vergangenen Tagen an einer Gegenbewegung nach oben versuchte. Dass die am Mittwoch auf einmal abgebrochen wurde und der deutsche Leitindex mit einer großen Abwärts-Kurslücke in den Handel ging, kann also nicht daran gelegen haben, dass viele Marktteilnehmer zwischen dem Handelsende des Dienstags und der Eröffnung des Mittwochs auf einmal erkannten, dass die Lage für Aktien ja gar nicht bullisch ist.

Da es aber auch keine anderen Nachrichten gab, die hätten begründen können, wieso die US-Index-Futures im asiatischen Handel immer weiter nachgaben, sich der DAX vorbörslich anschloss und so dieses „Opening Gap“ entstand, ist es weitaus wahrscheinlicher, dass diese Kurslücke gezielt aufgerissen wurde. Und das vom bärischen Lager, also von denen, die direkt davon profitieren, wenn die Bullen überrumpelt werden, aussteigen und so neue, bärische Signale im Chart entstehen. Zwar könnte man entgegenhalten, dass der DAX weit über seinem Tagestief aus dem Handel ging und man diese Attacken der Short-Seller daher nicht ernst nehmen muss. Aber ob es wirklich so einfach ist?

Expertenmeinung: Sicher nicht. Denn dass man versuchen wird, den Bereich um 13.000 Punkte zu halten, der letzte Woche nach dem Bruch der vorgelagerten Supportzone 13.380/13.578 Punkte im Vorfeld der Abrechnung am Terminmarkt erreicht wurde, war zu erwarten. Immerhin wäre der Weg, würde auch diese runde Marke fallen, aus rein charttechnischer Sicht direkt bis an das bisherige Jahres-Verlaufstief vom März frei (12.438 Punkte). Dass das bullische Lager das nicht einfach zulässt, ist normal. Und man weiß sich des Rückenwinds aus Übersee sicher, denn auch an der Wall Street versucht man, sich von den jüngsten Tiefs zu lösen, um Schlimmeres abzuwenden. Tiefs allerdings, die anders als beim DAX bereits unter denen des März lagen. Doch bevor man sich daraufhin auf die Long-Seite schlägt, sollte man eines sehen:

DAX: Tages-Chart vom 22.06.2022, Kurs 13.144,28 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Die Rahmenbedingungen sprechen allesamt für das Bären-Lager, vor allem eine: Geld. Steigende Zinsen, ein wegbrechendes Wachstum und eine hohe Inflation, dazu auch noch … wenn auch bislang nur in den USA … ein „Quantitative Tightening“ am Anleihemarkt, das dazu führt, dass der Kapitalzufluss für den Aktienmarkt austrocknet, im Extremfall sogar umgekehrt wird. Während in früheren Krisen gezielt Geld in den Markt gepumpt wurde, passiert genau das jetzt nicht mehr. Damit ist die Chance, dass die Verteidiger mehr erreichen als den Abstieg eine Zeitlang aufzuhalten, nicht gerade üppig.

Der DAX müsste es zügig wieder über die jetzt als Widerstand fungierende Zone 13.380/13.578 Punkte schaffen, um die unmittelbare Gefahr eines Anlaufs an das bisherige Jahrestief vom Tisch zu bekommen. Das ist nicht ausgeschlossen, aber es ist bei Weitem nicht wahrscheinlich genug, um sich ohne ein taugliches, bullisches Signal im Chart auf der Long-Seite ins Getümmel zu stürzen. Und die Defensivarbeit der Bullen gestern war noch keines.

DAX: Wochen-Chart vom 22.06.2022, Kurs 13.144,28 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Der DAX hat binnen sieben Handelstagen gut zehn Prozent verloren. Damit ist er deutlich näher am bisherigen Jahrestief dran als am Vorwochenhoch. Ist das schon eine Übertreibung, befeuert durch die heutige Terminmarkt-Abrechnung – und damit eine Einstiegschance?

Im März hatte der DAX das Kunststück vollbracht, die langfristig wichtige 1.000 Tage-Linie, im Chart auf Monatsbasis als 48-Monats-Linie dargestellt, zu verteidigen und zum Monats- und Quartalsultimo wieder über der Supportzone 13.597/13.795 Punkte zu schließen. Der Juni und damit das zweite Quartal dauern noch fast zwei Wochen … könnte das diesmal nicht auch klappen? Käme es so, wäre der aktuelle Kurslevel eine Long-Chance. Aber wie stehen die Chancen dafür?

DAX: Monats-Chart vom 16.06.2022, Kurs 13.065,60 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Zumindest nicht allzu gut. Damals, im März, hoffte man noch, der Ukraine-Konflikt sei bald vorbei. Man hoffte, dass die EZB-Zinsanhebungen erst im Herbst beginnen und harmlos ausfallen. Man hoffte, dass die Konjunktur stabil und die Inflation im Rahmen bleibt. All diese Hoffnungen sind mittlerweile geplatzt.

Und im März kam es noch deutlich vor dem damaligen „dreifachen Hexensabbat“, der Abrechnung der Futures und Optionen, zu einer Rallye, die dazu führte, dass diese Abrechnung auf einem weit über dem vorherigen Tief liegenden Niveau stattfand und diejenigen, die zeitweise mit Long-Positionierungen am Terminmarkt dramatisch schief lagen, mit einem blauen Auge davonkamen. Diesmal ist da nichts mehr zu wollen, denn der Versuch, mit dem Vorwand der US-Notenbanksitzung noch eine Rallye vor der Abrechnung hinzubekommen, scheiterte. Am Mittwochabend erreichte der DAX Future im Hoch 13.621 Punkte … am Donnerstag fiel er sofort haltlos auf neue Verlaufstiefs dieser Abwärtsbewegung. Trotzdem könnte vom Terminmarkt eine Chance ausgehen.

Expertenmeinung: Dass der Rallye-Versuch am Mittwochabend scheiterte, dürfte eine ganze Reihe von Last Minute-Hedges ausgelöst haben. D.h. diejenigen, die erkannten, dass ihre schiefliegenden Positionen im Futures- und Optionsbereich zur heutigen Abrechnung doch nicht mehr ins Lot kommen, bauten Short-Positionen auf, um wenigstens sicherzustellen, dass die Verluste nicht noch größer werden. Diese „Hedges“ wären aber ab Montag nicht mehr zwingend nötig. Und dann wäre da auch noch diese obengenannte 1.000-Tage-Linie.

Die verläuft momentan bei 13.213 Punkten. Sie zum Monatsende zu verteidigen, wäre wichtig. Dass man den jetzt wieder als Widerstand fungierenden Bereich 13.597/13.795 Punkte zum Quartalsultimo womöglich nicht wieder erreicht, dürfte vielen Tradern zwar bewusst sein. Immerhin stünde da jetzt auch noch der Bereich 13.381/13.578 Punkte im Weg, den der DAX gestern als Unterstützung aufgeben musste. Aber eine Gegenbewegung nach oben wäre jetzt grundsätzlich jederzeit möglich, wenn diejenigen, die auf die heutige Abrechnung hin massiv Short waren, ihre „Beute“ eingefahren haben.

Doch „möglich“ und „sicher“ sind zweierlei Dinge. Die Perspektiven für den Aktienmarkt sind negativ, das haben jetzt so ziemlich alle Anleger erkannt. Und die damit wachsende Angst führt dazu, dass immer mehr Akteure emotional und damit oft irrational agieren. Auszuschließen, dass der DAX das bisherige Jahrestief bei 12.438 Punkten nicht testen wird, wäre daher unklug. Es müsste ja nicht einmal halten, immerhin haben die US-Börsen diese März-Tiefs mittlerweile unterboten.

Ein Long-Trade alleine auf Basis der Hoffnung, dass diese Kombination aus heute Abend dann überstandener Terminmarkt-Abrechnung und der Chance, die 1.000-Tage-Linie zu halten, den DAX schon drehen wird, ist mehr als verwegen. Aber ob man nur, weil die Chancen nach oben höchst wacklig sind, jetzt erst neue Short-Positionen aufbauen sollte? Das wiederum würde ich dann auch zunächst besser bleiben lassen!

DAX: Tages-Chart vom 16.06.2022, Kurs 13.065,60 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

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Um 13:45 Uhr entscheidet die EZB, wie es in Sachen Leitzinsen weitergeht, um 14:30 Uhr beginnt die Pressekonferenz dazu. Wie wird man beim DAX reagieren? Sind Zinserhöhungen bereits eingepreist, so dass die Chancen eher auf der Oberseite liegen … oder nicht?

Dass die EZB nach monatelangem Zaudern und Beschönigen um das Anheben der Leitzinsen jetzt nicht mehr herumkommt, weiß man am Markt. Aber wirklich viel mehr weiß man eben nicht. Wird heute angedeutet, wie viele Zinsanhebungen in den kommenden Monaten anstehen? Was ist mit den gewaltigen Anleihebeständen, die die Europäische Zentralbank im Zuge der jahrelangen Stützungskäufe am Anleihemarkt aufgehäuft hat? Wird man die in nächster Zeit nach und nach in den Markt geben, so, wie es die US-Notenbank tut? Und wie sehen die neuen Wachstums- und Inflationsprognosen aus? Da steht morgen viel auf der Liste der offenen Fragen. Und es wäre gut möglich, weil bei der EZB nichts Neues, dass einige davon am Ende offen bleiben.

DAX: Monats-Chart vom 08.06.2022, Kurs 14.445,99 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Die für die Trader nicht weniger wichtige und ebenfalls offene Frage ist indes: Was passiert denn danach mit dem DAX? Hat man bereits eine Art „Worst Case“-Szenario im Kurs drin, sprich mehrere Zinsanhebungen in den kommenden Monaten und ein „Absaugen“ des potenziellen Kapitalzuflusses durch eine Flutung des Anleihemarkts? Oder haben zu viele Marktteilnehmer bislang vor dieser Entwicklung die Augen verschlossen und gehofft, der DAX werde sich der Schwerkraft entziehen und trotz dieses doppelten Drucks durch hohe Inflation und steigende Zinsen wieder an das bisherige Rekordhoch laufen?

Expertenmeinung: Man kann es drehen und wenden, wie man will: Das wird erst erkennbar, wenn der heutige Handel vorbei ist. Selbst wenn man versucht, in die Tiefe zu gehen, die Orderbücher durchforstet, die Put/Call-Ratios am Optionsmarkt ansieht und die neuesten Sentiment-Daten auswertet, eines bleibt offen: Was diejenigen tun werden, die unter dem Eindruck der EZB-Aussagen und vor allem unter dem Eindruck dessen, was die anderen dann spontan tun, ebenfalls spontan entscheiden. Was auch heißt: Die Richtung, die der DAX dann einschlagen wird, kann logisch sein, sie muss es aber nicht. Es wäre nicht das erste Mal, wenn der Index nach einer EZB-Entscheidung einfach in die Richtung weiterläuft, in die ihn die ultra-kurzfristigen Trader im ersten Moment hintreiben.

Doch nicht vorhersagen zu können, wo der DAX heute schließt heißt nicht, der kommenden Entwicklung hilflos ausgeliefert zu sein. Denn sollten dabei charttechnisch relevante Marken überkreuzt werden und damit ein starker Impuls entstehen, werden wir womöglich wieder mit dem Phänomen konfrontiert, dass die Kurse die Nachrichten formen statt umgekehrt. Was bedeutet: Ein solcher Impuls kann sich dann verstetigen. Auf welche Chartmarken kommt es da an? Was muss für die Bullen heute klappen und was sollte tunlichst nicht passieren?

Ideal wäre, wenn es mit dem Schwung einer positiven Reaktion auf die EZB gelänge, den Index in die mittelfristig entscheidende Widerstandszone im Bereich 14.800/15.050 Punkte zu tragen, die auf der Oberseite durch die 200-Tage-Linie abgeschlossen wird. Klappt das, kann alleine die Chance, das insgesamt ja noch bärische Szenario zu sprengen, Anschlusskäufe auslösen. Aber was, wenn der Index kippt?

Dann käme es auf den doppelten Leitstrahl aus der ganz kurzfristigen Aufwärtstrendlinie und der 20-Tage-Linie bei aktuell 14.230 Punkten an. Sollte dieser Bereich auf Schlusskursbasis brechen, wäre der Weg nach unten erst einmal frei … und einen derart waidwunden DAX würden sich die Bären dann wohl kaum entgehen lassen!

DAX: Tages-Chart vom 08.06.2022, Kurs 14.445,99 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

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Wenn jetzt bis morgen Abend nicht noch eine Menge schiefgeht, hätte der DAX zum dritten Mal in Folge auf Monatsbasis eine bis ins Jahr 2018 zurückreichende, entscheidende Unterstützungszone verteidigt. Die Frage ist, wie weit dieses Signal den DAX tragen könnte?

Chart- und markttechnisch bullisch war das, was der deutsche Leitindex in der vergangenen Handelswoche aufs Parkett legte, ohne Zweifel. Der Wochenanstieg von 480 Zählern hob den Index über die in der Vorwoche noch vergebens angesteuerte Januar-Abwärtstrendlinie hinaus. Aber nur, wer grundsätzlich stur bullisch denkt, würde sich nicht die Frage stellen:

Wenn Anfang des Monats durch den schnell wieder zurückgenommenen Bruch des April-Tiefs eine Bärenfalle entstand … wieso sollte der DAX jetzt gegen eine Bullenfalle gefeit sein, zumal die Rahmenbedingungen ja in keinem Bereich wirklich besser wurden und so immer noch zu Gunsten der Bären sprechen?

Außerdem wirkt es ja mit Blick auf den langfristigen Chart auf Monatsbasis tatsächlich so, als wolle die Käuferseite unbedingt verhindern, dass der Index nach zweimaliger Verteidigung der immens wichtigen, langfristigen Supportzone 13.596/13.795 Punkte auf Monats-Schlusskursbasis im Mai doch noch unter diese Zone und womöglich sogar unter die derzeit bei 13.130 Zählern verlaufende 1.000-Tage-Linie fallen.

DAX: Monats-Chart vom 27.05.2022, Kurs 14.462,19 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Wer diesen Chart sieht, könnte den Gedanken hegen, dass die Seite, die in einem solchen Umfeld etwas vermeiden will, in der Defensive bleibt und der Druck im neuen Monat einfach erneut beginnen würde.

Expertenmeinung: Und mit diesem Gedanken hätte man keineswegs Unrecht. Doch eines sollte man nicht unterschätzen: Das Bullen-Lager mag dezimiert und verunsichert sein. Aber wer mit dem Rücken zur Wand steht, pflegt umso verbissener zu agieren. Und jetzt haben die Bullen die nötige Rückendeckung durch den Ausbruch über diese mittelfristige Abwärtstrendlinie. Gut, es bleibt dabei, dass die Charttechnik keinen Support von den Rahmenbedingungen bekommt. Aber immerhin. Daher kann es im Juni gleich wieder zu Abgabedruck kommen – aber sicher ist das eben nicht.

Möglich ist, dass die Bären es machen wie meistens: Sie wenden die „Torero-Taktik“ an, lassen die Bullen also einfach machen und gehen erst dann wieder an den Start, wenn der Kaufdruck ausläuft und man mit Short-Attacken und Leerverkäufen dann mehr Effekt erzielt, als müsste man sich gegen ein hohes Kaufvolumen stemmen. Möglich ist zudem, dass selbst im Bullen-Lager viele nur mit einem begrenzten Ziel agieren und beginnen, ihre Positionen wieder abzubauen, wenn die nächsten, wichtigen Charthürden erreicht sind. Die da wären?

Das wäre zunächst das April-Hoch um 14.600 Punkte als eher leichter Widerstand und dann, weit massiver, die Zone 14.800 bis 15.060 Punkte, die knapp darüber noch durch die 200-Tage-Linie bei 15.100 Punkten verstärkt wird. Wenn man bedenkt, dass der DAX jetzt näher am Rekordhoch als am März-Tief notiert, würde man dem Index noch mehr nach oben nicht zutrauen. Aber es wäre dennoch sicherer, erst dann wieder à la Baisse zu agieren, wenn der DAX mit Schlusskursen unter 13.900 Punkten wieder in den Januar-Abwärtstrend und unter die 20-Tage-Linie zurückfällt und damit belegt, dass die Bullen ihr Spiel verloren haben!

DAX: Tages-Chart vom 27.05.2022, Kurs 14.462,19 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Die Lage ist ernst und das wird sich kurzfristig auch nicht ändern. Trotzdem gelang es, das Unterschreiten des April-Tiefs im DAX in eine Bärenfalle zu verwandeln, nachdem in der zweiten Wochenhälfte kräftig gekauft wurde. Die Frage ist indes: Wie weit kommen die Käufer?

Wer gegen einen Abwärtstrend tradet, hat die Charttechnik gegen sich … die Trendlinien kommen sukzessiv näher, die gleitenden Durchschnitte ebenso. Widerstände gibt es viele, Unterstützungen nur wenige. So wie aktuell beim DAX. Das April-Tief bei 13.566 Punkten war die einzige Linie, die den deutschen Leitindex noch vom bisherigen, im März bei 12.439 Punkten markierten Jahrestief trennte. Es gelang zwar, den Index trotz des Bruchs dieser Linie in der zweiten Hälfe der vergangenen Woche wieder darüber zu hieven, den Ausbruch nach unten also zur Bärenfalle zu machen. Und seither hat er auch einiges an Boden gutgemacht. Aber kein Punkt der seither erzielten Kursgewinne ist charttechnisch bereits von Bedeutung.

Denn die entscheidenden Widerstandslinien kommen eben erst jetzt. Zunächst die Januar-Abwärtstrendlinie, an der der DAX Anfang des Monats so abrupt abdrehen musste und die jetzt bei 14.200 Punkten verläuft. Und dann wäre jedes der letzten Zwischenhochs ein potenzieller Widerstand. Die warten bei 14.315, 14.598 und 14.925 Zählern. Da hindurchzukommen, wird nicht leicht. Es sei denn, es gelänge schnell ein erster Schritt, also der Ausbruch über die Abwärtstrendlinie. Das würde rein charttechnisch orientierte Trader womöglich dazu bringen, auf den Zug aufzuspringen. Aber wäre dieser Gedanke realistisch … bei den rundum bärischen Rahmenbedingungen?

Expertenmeinung: Es ist nicht wahrscheinlich, dass der DAX wirklich sehr weit kommt. Nicht in diesem Umfeld, nicht, nachdem er im März und April ja bereits eine solche, große Gegenbewegung gezeigt hatte und die Anleger erkennen mussten, dass man negative Faktoren wie explodierende Erzeugerpreise, geopolitische Spannungen, reißende Lieferketten und die Erwartung steigender Zinsen nicht alle zusammen „wegkaufen“ kann. Aber:

„Nicht wahrscheinlich“ ist nicht dasselbe wie „unmöglich“. Sicher sein kann niemand, dass es nicht zu unerwartet positiven Meldungen käme, die, auch, wenn sie nicht die Gesamtheit der Belastungsfaktoren einfach egalisieren, die Käufer motivieren könnten. Denken wir an die Meldung über die ersten, einsatzbereiten Impfstoffe Anfang November 2020 und was der DAX daraufhin an Boden gutmachte, obgleich man realistisch gesehen nicht erwarten durfte, dass dadurch auf einmal wieder alles im Lot ist … oder auch nur zwingend überhaupt wieder ins Lot kommen würde. Sie sehen es im DAX-Chart auf Monatsbasis, wie das den Index, der bis Ende Oktober gerade auf dem Weg war, das alte „Corona Crash“-Tief vom März anzusteuern, massiv nach oben katapultierte und die erste, aufwärts gerichtete Reaktion in eine monatelange, vor allem von Hoffnung befeuerte Rallye überging.

DAX: Monats-Chart vom 16.05.2022, Kurs 13.964,38 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Aber das damalige Szenario als Blaupause zu nehmen und zu unterstellen, dass es diesmal genauso gelingt, wäre leichtsinnig. Davon abgesehen, dass man mutmaßen darf, dass die zunächst gelungene Verteidigung der März-Tiefs bei MDAX und TecDAX und die daraufhin folgenden Käufe den DAX mit nach oben gespült haben, sollte man die Käufe im DAX erst ernst nehmen, wenn er zumindest klar über 14.200 Punkten und damit über der mittelfristigen Abwärtstrendlinie geschlossen hat. Bis dahin gälte weiterhin: „the trend is your friend“!

DAX: Tages-Chart vom 16.05.2022, Kurs 13.964,38 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX