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Trading-Strategien: Swing Trading

„The trend is your friend“: Der Trend ist die Basis
von Ronald Gehrt
10.01.2019
Swing Trading ist eine Strategie, die auf der einen Seite trendfolgend agiert und damit tendenziell konservativ ist, auf der anderen Seite aber kurzfristige Impulse nutzt und damit als spekulativ einzuordnen ist. Man könnte Swing Trading als „risikofreudig im Rahmen der Vernunft“ bezeichnen, eine Strategie, die rational aufgebaut ist. Wie genau könnte man dabei vorgehen?

Inhalt

Swing Trader agieren immer in Richtung des übergeordneten Trends, nutzen dabei aber die sogenannten „Swings“, die Wellen, die die Kurse gemeinhin beschreiben. Nie geht es mit einem Kurs, egal, ob es sich um Aktien, Anleihen, Rohstoffe, Währungen oder andere Wertpapierklassen handelt, immer nur stur in eine Richtung. Es treten, wie der nachfolgende DAX-Chart zeigt, immer Gegenbewegungen auf. Und die zu nutzen ist die Basis des Swing Tradings. Die Logik dahinter ist folgende:

Ein Trend wird gemeinhin mehrfach getestet und bestätigt, aber brechen kann er nur einmal. Auf den Fortbestand eines Trends zu setzen, ist daher immer erfolgsversprechender als auf seinen Bruch zu wetten. Darüber hinaus hat man, wenn man mit dem Trend agiert, den Vorteil, dass sich die für den Bestand des Trends relevanten Chartpunkte, seien es untere Wendepunkte, eine Trendlinie oder ein gleitender Durchschnitt, immer entlang der eigenen Trading-Richtung bewegen und es so erlauben, die Stoppkurse sukzessiv enger zu ziehen.

Swing Trading: Trends vollziehen sich in Wellen | Online Broker LYNX
Trends vollziehen sich in Wellen | Quelle: marketmaker pp4

Basis des Swing Tradings ist, Gegenbewegungen in Trends zu nutzen, um Positionen in Trendrichtung zu traden. D.h., man versucht, in einer Korrektur innerhalb eines Aufwärtstrends Long zu gehen, um dann so hoch und so nahe wie möglich an der nächsten Korrektur mit Gewinn wieder auszusteigen und bei der nächsten Korrektur wiederum „billig“ Long zu gehen. Vice versa könnte der Swing Trader Gegenbewegungen nach oben im Abwärtstrend ausnutzen, um Short zu gehen, und dann, wenn sich der erhoffte, nächste Abwärtsimpuls eingestellt hat, einzudecken, sprich den Gewinn zu sichern. Das klingt einfach … aber so einfach ist es dann eben doch nicht. Was ein Swing Trader braucht, sind zwei Dinge:

Erfahrung und Disziplin – Die Grundvoraussetzungen für erfolgreiches Swing Trading

„Billig kaufen, teuer verkaufen“, das ist das Motto des Swing Traders. Das klingt aber einfacher, als es ist. Es erfordert zum einen das Fachwissen, zu erkennen, wo wirklich relevante potenzielle Wendepunkte liegen könnten und wo a) dann die Verlustbegrenzung platziert werden muss, die ohne Wenn und Aber einzuhalten ist, um der nächsten alten Börsenregel, „Gewinne laufen lassen, Verluste begrenzen“ gerecht zu werden. Und darüber hinaus, wo b) ein sinnvoller Punkt ist, Gewinne mitzunehmen.

Disziplin sowie chart- und markttechnische Kenntnisse sind somit Voraussetzung. Einfach mal auf Verdacht und aus dem Bauch heraus zu agieren ist, das zeigt der vorstehende DAX-Chart auch, auf Dauer zum Scheitern verurteilt, denn selten bewegen sich Trends wie auf Schienen, in klar eingrenzbaren Bahnen, in denen das Swing Trading zum Kinderspiel würde.

Anwendungsmöglichkeiten des Swing Tradings

Welche Ansatzpunkte gäbe es für diese Trading-Strategie? Durchaus eine ganze Reihe. Sehen wir uns einmal die wichtigsten an:

Swing Trading auf Basis Gleitender Durchschnitte

Entscheidend ist, sich an den Linien zu orientieren, die sich bereits als Basis, als Leitstrahl eines Trends bewährt haben. Neben den „normalen“, an Kurs-Wendemarken orientierten Trendlinien sind es sehr oft gleitende Durchschnitte, die einen Trend begleiten. Im folgenden Beispiel sehen wir die Aktie von Siemens Energy im Zuge eines Aufwärtstrends und rot eingeblendet die 200-Tage-Linie. Sie ist sehr oft eine zuverlässige Führungslinie bzw. Basis-Orientierung für die Trendrichtung. Wie ließe es sich da vorgehen?

Swing Trading: Swing Trading auf Basis gleitender Durchschnitte im Aufwärtstrend | Online Broker LYNX
Swing Trading auf Basis gleitender Durchschnitte im Aufwärtstrend | Quelle: marketmaker pp4

Eine sinnvolle Vorgehensweise könnte es sein, einen bewährt den übergeordneten Trend führenden gleitenden Durchschnitt als Basis für die grundsätzliche Richtung des Tradings zu wählen. Im Fall der hier beispielhaft gezeigten Aktie von Siemens Energy wäre die im Chart rot gezeichnete 200-Tage-Linie dafür sehr gut geeignet. Dann würde geprüft, welche Durchschnittslinie sich auf kurzfristiger Ebene als Support bewährt. Hier im Fall von Siemens Energy wird deutlich, dass es die im Chart blau markierte 100-Tage-Linie ist, die die kurzfristige Aufwärtsbewegung führt. Damit hätte man das Grundgerüst für das Swing-Trading in dieser Aktie bereits beisammen:

Solange die Aktie über ihrer 200-Tage-Linie notiert und sich damit grundsätzlich im Aufwärtstrend bewegt, agiert der Swing-Trader konsequent nur auf der Long-Seite. Sobald die 100-Tage-Linie erfolgreich getestet wurde, ist das die Basis entweder für einen Neueinstieg Long oder, wenn es zuvor kein Ausstiegssignal gab, für einen Zukauf in der bestehenden Position. Wird die 100-Tage-Linie aber auf Schlusskursbasis gebrochen, wird konsequent verkauft und darauf gewartet, ob es gelingt, erneut über dieser die Trades unmittelbar steuernden Linie zu schließen. Erst, wenn nicht nur die 100-Tage-Linie, sondern auch die 200-Tage-Linie klar unterboten wurde, würde der Swing-Trader auf die Short-Seite wechseln.

Trading-Strategien: Swing Trading: Swing Trading auf Basis gleitender Durchschnitte im Abwärtstrend | Online Broker LYNX
Swing Trading auf Basis gleitender Durchschnitte im Abwärtstrend | Quelle: marketmaker pp4

Dann würde man dieses Prinzip genauso auf der Short-Seite einsetzen, dazu als Beispiel der vorstehende Chart, der die Beiersdorf-Aktie zeigt. Wie oft zu beobachten, ist auch in diesem Fall ein „schnellerer“ gleitender Durchschnitt der Leitstrahl der Bewegung, da Abwärtstrends meist dynamischer ablaufen. Hier wären ein Test und Schwenk an der 50-Tage-Linie nach unten ein tauglicher „Trigger“ für Swing Trades.

Der Einwand, dass ein Test solcher gleitenden Durchschnitte nicht alle Tage vorkommt und man daher als Trader oft lange Wartezeiten hätte, würde ein echter Swing Trader nicht gelten lassen. Denn bei dieser Strategie fixiert man sich nicht nur auf ein Asset, sondern späht in allen Märkten, seien es Indizes, Aktien, Rohstoffe, Währungen, Futures etc., nach „Swings“, die sich für das Trading nutzen ließen.

Swing Trading in Trendkanälen

Eine günstige Basis für Swing Trades liegt auch dann vor, wenn sich neben einer Auf- oder Abwärtstrendlinie eine Parallele herausbildet, sodass sich ein Trendkanal ergibt. Beim nachfolgenden Beispiel präsentiert sich die im Dow Jones gelistete 3M-Aktie in einem solchen Aufwärtstrendkanal.

Am unteren Ende Long zu gehen, um am oberen Ende des Trendkanals die trendkonform erzielten Long-Gewinne einzudecken: So würde ein Swing Trader in diesem Umfeld vorgehen. Ein besonderer Vorteil ist es, wenn die führende Trendlinie, hier also die Aufwärtstrendlinie, noch durch einen parallel verlaufenden gleitenden Durchschnitt in ihrer Relevanz verstärkt wird. In einem Abwärtstrendkanal gilt all das präzise spiegelverkehrt.

Swing Trading: Swing Trading in Trendkanälen | Online Broker LYNX
Swing Trading in Trendkanälen | Quelle: marketmaker pp4

Swing Trading in Seitwärtstrends

Es muss nicht immer ein dynamischer Trend vorliegen, um erfolgreich Swing Trading betreiben zu können. Das ist ein großer Vorteil dieser Strategie, denn viele andere Handelsansätze landen in der Zwangspause, wenn der zugrundeliegende Markt beginnt, seitwärts zu laufen. Der Swing Trader jedoch hat an solchen Situationen seine Freude, denn da ist es in der Tat möglich, im Wechsel Long und Short zu gehen. Beispiel DAX:

Swing Trading: Swing Trading in Seitwärtstrends | Online Broker LYNX
Swing Trading in Seitwärtstrends | Quelle: marketmaker pp4

Der deutsche Leitindex hatte 2025 einen guten Jahresstart hingelegt, sich dann ab Mitte April hervorragend vom durch die US-Zölle ausgelösten Kurseinbruch erholt … aber seit Ende Mai ging dann nichts mehr voran, sondern nur noch auf und ab. Für Anleger, die mittel- und langfristig Long sind, brachen da gefühlt verlorene Monate an. Für Swing-Trader war diese Situation indes kein Problem.

Hier an deren unterem Ende mit einem Stop Loss knapp unter der unteren Begrenzung der Handelsspanne Long gehen, nahe an ihrem oberen Ende den Gewinn mitnehmen und auf Short drehen. So würden Swing Trader diese Situation nutzen. Wobei man immer darauf achten sollte, die Stop Loss ein wenig weiter vom potenziellen charttechnischen Wendepunkt anzusiedeln, denn da kann es immer mal wieder kurze Ausreißer geben.

Swing Trading als Strategie für Daytrader

Das Prinzip des Swing Tradings beschränkt sich nicht auf eine besondere Zeitebene. Je nach aktuell herrschender Volatilität kann die Tagesbasis für Swing-Trading besonders günstig sein, bei starken Schwankungen kann es aber auch mal auf Stunden- oder 15-Minuten-Basis hinuntergehen. Oder, wenn die Märkte nahezu „durchdrehen“, sogar auf die Eine-Minute-Basis im Chart, wie im folgenden Chart des Nasdaq 100. Aber:

Swing Trading: Swing Trading im kurzen Zeitraster | Online Broker LYNX
Swing-Trading im kurzen Zeitraster | Quelle: marketmaker pp4

Solche sehr kurzfristigen Zeitraster sind wirklich nur für erfahrene, immens disziplinierte und risikofreudige Daytrader reserviert. Hier innerhalb eines Handelstages die Swings nach oben und unten mitzunehmen, sieht mit Blick auf diese im Chart eingezeichneten Trendlinien einfach aus. Aber bedenken Sie:

Diese Linien lassen sich im Nachhinein leicht einzeichnen, während des Handels aber ist jederzeit ein abrupter Schwenk möglich, der dem Swing Trader einen Verlust einbringt. Die zu begrenzen, indem man niemals ohne konsequenten Stop Loss agiert, ist damit das oberste Gebot bei dieser Strategie!

Das sollten Sie als Trader wissen!

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Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

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