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Dass dem DAX am Freitag ein solides Plus gelang und damit der bisherige Verlaufsrekord in Reichweite kam, dürfte manchen Akteur angesichts der Ereignisse in den USA überrascht haben. Aber am Montag war er schon wieder da, der Deckel, der auf diesem Index liegt.
Was gab es am vergangenen Freitag eigentlich zu jubeln? Das oberste Bundesgericht hatte, und nur darum ging es ja, entschieden, dass Donald Trump die massiven, von ihm „reziprok“ genannten Zölle, die er Anfang April 2025 losgetreten hatte, nicht hätte verhängen dürfen, weil a) die Argumentation dafür nicht stichhaltig war und er b) damit seine Befugnisse überschritten hat. Aber der Gedanke, der einige im ersten Moment umgetrieben haben mag, nämlich, dass die Zölle damit verschwinden und das bisher geflossene Geld zurückgezahlt wird, erwies sich als – natürlich – Wunschdenken. Zumal der US Supreme Court ja nicht geurteilt hatte, dass solche Zölle an sich unzulässig wären, es ging nur um den Weg dorthin.
Zudem hatte US-Finanzminister Bessent bereits seit Wochen mehrfach betont, dass das Weiße Haus im Fall einer wie jetzt getroffenen Entscheidung des Gerichts längst alternative Gesetzesgrundlagen vorbereitet habe, mit denen sich diese Zölle weiter betreiben lassen. Und so kam es dann auch. Der Trump’sche Gegenschlag erfolgte zwar erst, als der offizielle Handel im DAX bereits beendet war. Aber auch nachbörslich tat man so, als sei nichts passiert. Das änderte sich am Montag allerdings. Wobei die Art und Weise, wie das ablief, bemerkenswert war, denn:
Expertenmeinung: Es kam zwar zu einem „Gap Down“, d.h. einer Abwärtskurslücke zur Eröffnung. Aber es gab erst einmal keine Anschlussverkäufe, der DAX pendelte mit einem eher moderaten Minus seitwärts … bis der reguläre US-Handel einsetzte. An den US-Märkten waren die Abschläge der Index-Futures ebenfalls zunächst moderat gewesen. Aber kaum begann der Präsenzhandel um 15:30 Uhr unserer Zeit, vergrößerte sich das Minus – und riss den DAX mit, am Ende wieder knapp unter die Marke von 25.000 Punkten. Sie sehen das gut im DAX-Chart, der ihn auf 15 Minuten-Basis über den Zeitraum von fünf Handelstagen zeigt.

Das deutet an, dass Trader zwar versuchten, das grundsätzlich bullische Bild aufrechtzuerhalten, um die Anleger davon abzuhalten, als Reaktion auf diese neue Runde im für alle Seiten hoch problematischen „Zolltheater“ auszusteigen, das aber offenbar nicht funktionierte. Es wirkt, als hätten viele Marktteilnehmer diese auffällige Diskrepanz zwischen den „Bad News“ in Form von Donald Trumps Reaktionen auf den Gerichtsentscheid und die so unbeteiligt daherkommenden Aktienmärkte mit Argusaugen beobachtet und beim ersten Anzeichen, dass diese scheinbare Stabilität keine ist, reagiert und verkauft.
Das war gestern immer noch nicht dramatisch, letztlich setzte der DAX damit ja nur in etwa auf den Schlusskurs des vergangenen Dienstags zurück und notiert weiter über der breiten Unterstützungszone 24.266 zu 24.771 Punkte, die wiederum wie ein massiv wirkendes Polster vor der aktuell bei 24.142 Punkten verlaufenden 200-Tage-Linie liegt. Erst, wenn Letztere unterboten wäre, würde der DAX ein mittelfristig relevantes, negative Signal aussenden, aber:

Dieser Wochenstart unterstreicht, dass der DAX auf der Oberseite argumentativ Probleme hat. Ohne taugliche, neue Argumente liegt da ein ziemlich schwergewichtiger Deckel drauf, zusammengesetzt aus weitgehend ausgereizt wirkenden Zugpferden des Vorjahres, potenziellen Aufwärtswende-Kandidaten, für die das Umfeld noch nicht passt, und den Rahmenbedingungen an sich, die von Druck aus den USA, weiter ausstehenden Reformen und Unsicherheit geprägt ist. Hier im blinden Vertrauen darauf, dass der DAX schon irgendwie imstande sein wird, seine Rekordserie fortzusetzen, weiter zuzukaufen, wirkt daher aktuell riskanter als im vergangenen Jahr.
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