In einer Zeit, in der Software als KI-Verlierer abgestempelt wird, kommen selbst Unternehmen wie Roper unter die Räder. Ist die Gefahr real?
Dezentralität trifft eiserne Kapitaldisziplin
Roper Technologies ist ein ungewöhnliches Unternehmen. Auf den ersten Blick handelt es sich um einen ganz gewöhnlichen Konzern. Wer jedoch genauer hinschaut, entdeckt einen dezentralen und disziplinierten Kapitalverwalter, der systematisch bedeutende Nischenplayer übernimmt.
Übernahmen sind kein Beiwerk, sie sind der Kern des Geschäftsmodells. Roper kauft gezielt Unternehmen, die drei Kriterien erfüllen: wiederkehrende Einnahmen, Führungsposition in einer Nische und attraktive Margen bei geringer Kapitalbindung.
Anschließend lässt man die Teams vor Ort weiterarbeiten und steuert von oben vor allem Kapital und Strategie. Diese Kombination aus Dezentralität und strenger Kapitalallokation ist das Herzstück des Geschäftsmodells.
Roper überlässt den Tochtergesellschaften viel Freiheit. Produktentwicklung, Vertrieb und Kundenkontakt bleiben lokal. Die Zentrale mischt sich bei operativen Feinheiten kaum ein, sondern erfüllt zwei Aufgaben: Kapital effizient verteilen und strategische Leitplanken setzen.
Die Sache erinnert bis zu einem gewissen Maß an Berkshire.
Aus finanzieller Sicht ist das Modell elegant. Die Geschäftsbereiche binden wenig Kapital. Software hat hohe Bruttomargen und generiert planbare und wiederkehrende Einnahmen.
Dadurch entsteht ein stetig steigender Cashflow, den Roper systematisch reinvestieren kann.
Warum Roper an Berkshire Hathaway erinnert
Die Struktur des Konzerns ist klar gegliedert. Roper berichtet seine Aktivitäten in den Bereichen Application Software, Network Software und Technology-Enabled Products. Application Software liefert vertikale, meist mission-kritische Softwarelösungen mit hohem SaaS- und Abonnementanteil.
Network Software betreibt Daten- und Transaktionsplattformen mit langfristigen Verträgen und Netzwerkeffekten.
Technology-Enabled Products umfasst spezialisierte, oft technisch komplexe Produkte wie Mess- oder Medizintechnik, die das Softwareportfolio sinnvoll ergänzen.
Der Wettbewerbsvorteil liegt weniger in Technikwundern als in Kundenbindung und Spezialisierung. Vertikale Software sitzt tief in Prozessen von Krankenhäusern, Versicherern oder Bauunternehmen. Die Umstellung auf ein neues System kostet Zeit und Geld.
Diese Burggräben schützen Roper.
Risiken existieren trotzdem. Das Geschäftsmodell ist stark abhängig von der Fähigkeit, passende Übernahmen zu finden und diese zu fairen Preisen zu übernehmen.
Da Software an den Kapitalmärkten jedoch auf das Abstellgleis verfrachtet wurde, dürften weitere Zukäufe aktuell kein Problem sein.
Warum das aktuelle Marktumfeld Roper in die Karten spielt
Im Software-Umfeld, egal ob an der Börse oder abseits davon, werden derzeit Bewertungen aufgerufen, die vor einigen Jahren noch unvorstellbar waren – und das spielt Roper in die Karten.
Roper selbst ist ein gutes Beispiel dafür. Die Geschäftszahlen der letzten Quartale und der Ausblick liegen auf ungefähr demselben Niveau wie seit vielen Jahren.
Im gerade abgeschlossenen Geschäftsjahr wurde ein Gewinnanstieg um 9 % auf ein Rekordergebnis von 20,00 USD je Aktie erzielt.
Im laufenden Geschäftsjahr wird ein Gewinnanstieg um 7 % auf 21,45 USD je Aktie erwartet.
Man könnte die aktuelle Lage mit Fug und Recht als „business as usual“ bezeichnen.
Was allerdings nicht gewöhnlich ist, ist die Bewertung von Roper. Derzeit wird das Unternehmen mit einer forward P/E von 16,3 bewertet.
Langfristig pendelt die P/E um einen Wert von 28,7. Selbst an den absoluten Tiefs von 2020 und 2022 lag die P/E noch bei über 20.
Warum Roper als KI-Verlierer gehandelt wird
Sicherlich werden Sie bereits ahnen, warum das der Fall ist. Roper wird als KI-Verlierer gehandelt, so wie etliche andere Software-Unternehmen auch.
Die Wahrscheinlichkeit, dass Roper durch KI disruptiert wird, ist aus meiner Sicht jedoch gering, jedenfalls deutlich niedriger als bei vielen anderen Software- oder Technologieunternehmen.
Die Angebote von Roper erstrecken sich vor allem auf kritische Workflows in engen Nischen. Das macht das Geschäftsmodell robuster gegenüber disruptiven Technologiesprüngen.
KI verändert Werkzeuge, aber sie ersetzt nicht automatisch tief eingebettete Prozesse, regulatorisches Know-how und jahrzehntelang gewachsene Kundenbeziehungen.
Auf die Trägheit ist Verlass
Der wichtigste Schutzschild dabei ist die vertikale Ausrichtung. Ropers Software sitzt oft mitten im operativen Herz der Kunden. Krankenhausabrechnung, Versicherungsverwaltung, Bauprojektsteuerung oder regulatorische Dokumentation sind keine Spielwiesen für Experimente. Kunden wechseln hier nicht wegen eines besseren Features, sondern nur, wenn der bestehende Anbieter fundamental versagt.
KI kann diese Software verbessern, aber sie macht sie nicht über Nacht obsolet. Ein neues KI-Startup müsste nicht nur ein besseres Produkt bauen, sondern auch regulatorische Zulassungen, Integrationen und Datenmigrationen meistern.
Doch vor allem müsste man eine Sache erreichen. Die neuen Systeme müssten so gut und so günstig sein, dass sich eine Umschulung all der Mitarbeiter, die bisher mit Ropers Systemen arbeiten, lohnen würde.
Und selbst wenn das aus Unternehmersicht der Fall wäre, ist mit Widerstand aus der Belegschaft zu rechnen.
Die wenigsten Menschen freuen sich über Veränderungen. Viel lieber behält man die alten Systeme, als sich mühsam in neue einzuarbeiten.
Könnte Roper sogar ein KI-Gewinner sein?
Darüber hinaus wird scheinbar vollkommen ignoriert, dass Roper ebenso gut ein KI-Gewinner sein könnte.
Die meisten Tochtergesellschaften können KI nutzen, um bestehende Produkte effizienter, genauer oder automatisierter zu machen. Beispiele sind bessere Prognosen, automatisierte Klassifikation, intelligentere Workflows oder reduzierte manuelle Arbeit. All das stärkt den Nutzen der Software und erhöht die Wechselkosten weiter.
Wo liegt dann das Risiko? Es liegt weniger in der Disruption bestehender Umsätze, sondern in der langfristigen Wettbewerbsdynamik. KI senkt in manchen Bereichen die Entwicklungskosten für Software. Das kann neue Wettbewerber hervorbringen, insbesondere in weniger regulierten Segmenten.
In Randbereichen von Ropers Portfolio könnten Preisdruck oder schnellere Innovationszyklen entstehen. Das betrifft vor allem Funktionen mit geringerer Prozesskritikalität oder dort, wo Datenstandardisierung hoch ist.
Doch bisher ist das nicht der Fall und es ist vollkommen unklar, welcher Faktor am Ende überwiegen wird: Der zunehmende Druck durch Wettbewerber oder die hauseigenen Effizienzsteigerungen durch KI?
Man sollte nicht vergessen, dass Roper tausende Entwickler beschäftigt, deren Produktivität dank KI maßgeblich steigen dürfte.
Zahlen lügen nicht
Bisher sind an den Zahlen jedenfalls keinerlei Probleme abzulesen. Der Gewinn von Roper lag im letzten Quartal mit 5,21 USD je Aktie über den Erwartungen von 5,14 USD. Mit einem Umsatz von 2,06 Mrd. USD wurden die Analystenschätzungen von 2,08 Mrd. USD leicht verfehlt.
Auf Jahressicht entspricht das einem Umsatzplus von 10 % und einem Gewinnanstieg um 8 %.
Zum Wachstum haben alle Geschäftssegmente beigetragen. Im Bereich Application Software konnte der Umsatz von 1,057 auf 1,159 Mrd. USD gesteigert werden.
Der Umsatz im Segment Network Software kletterte von 374 auf 426 Mio. USD und der Bereich Technology Enabled Products verzeichnete ein Umsatzplus von 447 auf 474 Mio. USD.

Dasselbe gilt auch für das gerade abgeschlossene Geschäftsjahr. Unterm Strich konnte der Umsatz um 12 % auf 7,90 Mrd. USD gesteigert werden. Das organische Wachstum lag bei 5 %, und 7 % waren auf Zukäufe zurückzuführen.
Der Gewinn konnte um 9 % auf 20,00 USD gesteigert werden.
Darüber hinaus wurden kürzlich Aktienrückkäufe mit einem Volumen von 3,0 Mrd. USD beschlossen. Im vierten Quartal hat das Unternehmen auf die Ankündigung Taten folgen lassen und für 500 Mio. USD eigene Aktien eingezogen.
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