Es kommt nicht häufig vor, doch bei Kraft Heinz zieht Berkshire jetzt die Reißleine. Zeichnet sich eine strategische Neuausrichtung ab, und was bedeutet das für Kraft Heinz?
Ein seltenes Signal aus Omaha
Ist das noch Buffetts Entscheidung, oder zeichnet sich nach seinem Abschied ein strategischer Wandel ab?
Auf diese Frage werden wir vermutlich keine Antwort erhalten, aber wer Warren Buffett über die Jahre oder Jahrzehnte verfolgt hat, dürfte wohl zu dem Schluss kommen, dass diese Entscheidung durch seine Nachfolger erfolgt ist – zumindest ist das meine Einschätzung der Lage.
Durch das gestrige Filing hat Berkshire öffentlich bekanntgegeben, dass man den Verkauf von bis zu 325,4 Millionen Aktien von Kraft Heinz plant – also der kompletten Beteiligung.
Für Berkshire selbst ist der geplante Ausstieg bedeutend, auch abseits davon, dass er eine strategische Neuausrichtung signalisieren könnte. Die Beteiligung an Kraft Heinz hat einen Wert von 8,5 Mrd. USD, was mehr als 3 % des Portfolios entspricht.
Für Berkshire wäre der Verkauf demnach eine vergleichsweise große Umschichtung.
Für Kraft Heinz ist das ein harter Schlag
Viel schwerer wiegt ein möglicher Ausstieg jedoch für Kraft Heinz. Der strauchelnde Lebensmittelkonzern kommt nur noch auf einen Börsenwert von 28,1 Mrd. USD. Berkshire könnte demnach mit einem Schlag mehr als ein Viertel aller ausstehenden Aktien auf den Markt werfen.
Zu welchem Preis Käufer gefunden werden, steht in den Sternen.
Theoretisch könnte Berkshire die Aktien jetzt auch scheibchenweise über die Börse abstoßen. Egal wie der Verkauf vonstattengeht, es dürfte den Kurs belasten. Einerseits durch ein erhöhtes Angebot von Kraft-Aktien und andererseits führt der Ausstieg auch zu psychologischem Druck.
Wenn Berkshire aussteigt, warum sollte man selbst noch investiert bleiben?
Auf der anderen Seite ändert sich für Kraft operativ nichts. Doch leider läuft es an dieser Front ohnehin schon schlecht.
Das Unternehmen befindet sich seit Jahren in einer Art Siechtum. Im Geschäftsjahr 2025 soll der Gewinn um 17 % auf 2,54 USD je Aktie sinken und auch 2026 wird kein Turnaround erwartet.
Dividende als Rettungsanker?
Im Gegenzug ist die Bewertung mit einer P/E von knapp über 9 niedrig und die Dividendenrendite mit 6,7 % hoch.
Tatsächlich ist die Dividende aus meiner Sicht das einzige echte Argument für die Aktie.
Selbst wenn der Gewinn im Geschäftsjahr 2025 wie erwartet auf 2,54 USD je Aktie einbricht und 2026 auf 2,46 USD sinkt, ist die Ausschüttung in Höhe von 1,60 USD je Aktie gut finanziert.
Es scheint daher wahrscheinlich, dass Kraft die Dividende in absehbarer Zeit weiterzahlen wird.
Darüber hinaus könnte sich durch die Aufspaltung des Konzerns eine Gelegenheit ergeben. Die Fusion der beiden Konzerne war alles andere als ein Erfolg – vielleicht ändert sich durch die Aufspaltung etwas daran.
Die Trennung soll voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2026 abgeschlossen werden.
Die beiden neuen Einheiten werden nach aktuellem Stand folgende Schwerpunkte setzen:
Global Taste Elevation Co. wird sich auf das internationale Geschäft sowie wachstumsstarke Kategorien wie Saucen und Brotaufstriche konzentrieren. Zu den Kernmarken gehören Heinz, Philadelphia und (international) Kraft Mac & Cheese.
North American Grocery Co. fokussiert sich auf das nordamerikanische Grundnahrungsmittelgeschäft. Marken wie Oscar Mayer, Lunchables und Kraft Singles werden hier angesiedelt sein.
Selbst wenn auch nur eins der beiden entstehenden Unternehmen erfolgreich sein wird, wäre das aus meiner Sicht ein klarer Mehrwert für die Aktionäre.

Die Neuigkeiten aus Omaha haben wie erwartet zu Abgabedruck geführt. Kraft Heinz notiert vorbörslich 3,70 % im Minus und hat bei 22,88 USD ein Mehrjahrestief markiert.
Die nächste erkennbare Unterstützung liegt bei 20 USD.
Aus Sicht der Bullen sollte die Aktie daher möglichst schnell über 24 USD steigen. Gelingt das, würde sich die Lage vorerst wieder entspannen.
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