Anleger, die von steigenden Kursen einer Aktie ausgehen, jedoch eine höhere Rendite im Vergleich zur einfachen Kursentwicklung der Aktie anstreben, nutzen mitunter Long Calls. Damit können sie überproportional (gehebelt und unbegrenzt) an Aufwärtsbewegungen der zugrundeliegenden Aktie partizipieren. Gleichzeitig ist das Verlustrisiko auf die gezahlte Optionsprämie begrenzt. Mit einem Long Call lassen sich zudem auch hochpreisige Aktien mit geringerem Kapitaleinsatz handeln.
Die Strategie ist jedoch mit spezifischen Risiken verbunden, die in diesem Artikel ebenfalls erläutert werden.
Inhalt
Aufbau des Long Calls
Die Strategie Long Call besteht aus dem Kauf einer Call-Option. Je nach strategischer Ausrichtung kann die Option „aus dem Geld“ (der Basispreis des Calls liegt über dem aktuellen Aktienkurs), „am Geld“ (der Basispreis des Calls liegt nahe am aktuellen Aktienkurs) oder „im Geld“ (der Basispreis des Calls liegt unter dem aktuellen Aktienkurs) gewählt werden.
Auch bei der Wahl der Laufzeit des Calls bestehen grundsätzlich verschiedene Möglichkeiten. In der Praxis werden häufig längere Laufzeiten von beispielsweise drei Monaten oder mehr in Betracht gezogen, wie im weiteren Verlauf dieses Artikels erläutert wird.
Performanceprofil eines Long Calls mit Basispreis (Strike) A

Prinzip des Long Calls
Wenn Sie einen Long Call eröffnen, haben Sie das Recht, aber nicht die Verpflichtung, den zugrundeliegenden Basiswert (z. B. eine Aktie oder einen Index) zu kaufen, falls Sie die Option ausüben. Je gehandeltem Kontrakt werden im Falle einer Ausübung in der Regel 100 Aktien in Ihrem Depot eingebucht. Der Kauf erfolgt dabei zu einem Kurs, der dem Basispreis A des Calls entspricht.
Der Vorteil dieses Rechts besteht darin, dass Sie eine Aktie zu einem niedrigeren Kurs erwerben können, als sie zum Zeitpunkt der Ausübung am Markt notiert. Verkaufen Sie die Aktie anschließend zu einem höheren Kurs, kann ein Gewinn realisiert werden. Je stärker die Aktie steigt, desto größer fällt der potenzielle Gewinn aus.
In der Praxis machen nur wenige Anleger von diesem Ausübungsrecht Gebrauch (Ausnahmen werden im Abschnitt „Ausübung der Option“ erläutert). Notiert der Long Call im Gewinn, wird er häufig vorzeitig glattgestellt, also verkauft, statt ausgeübt.
Anhand des Performanceprofils eines Long Calls lässt sich die Funktionsweise dieser Strategie gut nachvollziehen. Der für den Call gezahlte Betrag stellt den maximal möglichen Verlust dar und ist somit begrenzt. Auf der Oberseite besteht hingegen ein theoretisch unbegrenztes Gewinnpotenzial. Allerdings reicht es nicht aus, dass der Aktienkurs über den Basispreis A des Calls steigt, um zum Verfallsdatum einen Gewinn zu erzielen. Die Gewinnschwelle liegt aufgrund der gezahlten Optionsprämie für den Call entsprechend höher.
Während der Laufzeit kann sich ein Long Call positiv entwickeln, wenn sich die Aktie dynamisch aufwärts bewegt. In diesem Fall kann bereits eine Annäherung des Aktienkurses an den Basispreis A zu einem Buchgewinn führen – abhängig von Faktoren wie Volatilität und Restlaufzeit.
Achtung: Mit einem Long Call besteht kein Anspruch auf eventuelle Dividendenausschüttungen des Basiswertes.
Hinweise für den Handel von Long Calls
- Bei der Auswahl des Basispreises A wird bei Long Calls häufig ein Strike in der Nähe des aktuellen Kurses („am Geld“) in Betracht gezogen. Je weiter der Basispreis vom aktuellen Aktienkurs entfernt ist, desto geringer ist in der Regel die Gewinnwahrscheinlichkeit. Zwar kann mit größerer Entfernung die Hebelwirkung steigen, gleichzeitig sinkt jedoch typischerweise die Eintrittswahrscheinlichkeit eines profitablen Szenarios. Und was bring ein hoher Hebel, wenn z. B. nur eine 16%ige Chance besteht (was schätzungsweise der Wert für einen Call mit Delta 16 wäre), einen Gewinn mit dem Trade zu realisieren?
- Bei der Wahl der Laufzeit setzen viele Marktteilnehmer auf längere Laufzeiten, da Optionen in den letzten 90 Tagen vor dem Verfall meist schneller an Zeitwert verlieren. Dieser Zeitwertverlust wirkt sich für Käufer von Optionen grundsätzlich nachteilig aus. Häufig werden daher Laufzeiten von mindestens 6 Monaten in Betracht gezogen, um der Position mehr Zeit zur Entwicklung zu geben (siehe auch unseren Artikel zum Thema Zeitwertverfall).
- Häufig werden für Long Calls Aktien bevorzugt, die sich in einem übergeordneten Aufwärtstrend befinden und bei denen davon ausgegangen wird, dass sie sich schnell aufwärts bewegen werden.
- Aktien mit hoher impliziter Volatilität werden in der Regel von Optionshändlern für Long Calls nicht in Betracht gezogen. Denn ist diese hoch, können Optionsprämien entsprechend erhöht sein, was den Kapitaleinsatz verteuert.
Für wen ist der Long Call geeignet?
Die Strategie Long Call erfordert im Vergleich zu komplexeren Optionsstrategien grundsätzlich weniger Erfahrung im Optionshandel. Ein Long Call kann technisch relativ einfach eröffnet werden. Dennoch setzt er grundlegende Kenntnisse in folgenden Bereichen voraus:
- Einschätzung des Aufwärtspotenzials des zugrundeliegenden Basiswertes
- Auswahl eines geeigneten Einstiegszeitpunkts
Wann kann ein Long Call eingesetzt werden?
Ein Long Call wird typischerweise eingesetzt, wenn die Erwartung besteht, dass die zugrundeliegende Aktie deutlich an Wert gewinnt. Häufig wird ein Einstieg in Phasen erwogen, in denen die implizite Volatilität vergleichsweise niedrig ist, da Optionsprämien in solchen Situationen tendenziell günstiger sind. Steigt die implizite Volatilität nach dem Kauf der Option, würde der Long Call theoretisch davon profitieren. Allerdings nimmt die implizite Volatilität in der Regel zu, wenn der Basiswert fällt, was wiederum nachteilig für den Long Call wäre.
Ein Long Call kann zudem genutzt werden, um eine Aktie mit einem geringerem Kapitaleinsatz zu handeln, als dies beim direkten Kauf von 100 Aktien erforderlich wäre.
Beispiel
Betrachten wir als Beispiel eine Aktie, die bei 55 USD notiert. Ein Call mit einer Laufzeit von 130 Tagen und einem Basispreis bei 55 USD kostet im diesem Beispiel 245 USD. Bei einer Kontraktgröße von 100 wird er in der Handelsplattform zu 2,45 USD gehandelt und weist ein Delta von ungefähr 0,50 auf. Das bedeutet: Bewegt sich die Aktie um 1 USD, verändert sich der Optionspreis des Calls näherungsweise um etwa 0,50 USD.
Angenommen, die Aktie steigt innerhalb weniger Tage auf 58 USD. Der Aktienkäufer hätte für 100 Aktien ursprünglich 5.500 USD eingesetzt und würde einen Gewinn von 300 USD erzielen (entspricht eine Rendite von 5,45 %).
Der Call würde sich unter sonst gleichen Bedingungen schätzungsweise von 2,45 USD auf 3,95 USD (2,45 USD + 1,5 USD) verteuern. Der Optionskäufer könnte die Position somit zu 395 USD veräußern. Bezogen auf den ursprünglichen Einsatz von 245 USD entspräche dies einer Rendite von 61,2 %.
Entscheidet sich der Anleger stattdessen für die Ausübung des Calls, würde er die Aktie zu 55 USD erwerben und könnte sie zu 58 USD veräußern. Der rechnerische Gewinn von 300 USD würde jedoch um die zuvor gezahlte Optionsprämie von 245 USD reduziert, sodass ein Nettogewinn von 55 USD verbleibt. Dies ist ein Grund dafür, warum Long Calls während der Laufzeit häufig eher verkauft als vorzeitig ausgeübt werden.
Wo liegt Ihre Gewinnschwelle bei einem Long Call?
Die Gewinnschwelle („Break-even“) eines Long Calls ist erreicht, wenn der Aktienkurs beim Verfall über dem Basispreis A der Call-Option zuzüglich der gezahlten Optionsprämie liegt.
Gewinnschwelle = Basispreis des Calls + Kaufkurs des Calls
Was ist Ihr maximaler potenzieller Gewinn bei einem Long Call?
Der potenzielle maximale Gewinn eines Long Calls ist theoretisch unbegrenzt und ergibt sich am Ende der Laufzeit aus folgender Berechnung:
Gewinn = (Differenz zwischen Aktienkurs und Basispreis – Kaufkurs des Calls) x 100
Ein Long Call muss nicht bis zum Ende der Laufzeit der Option gehalten werden. Die Position kann auch vorzeitig glattgestellt werden, wodurch Gewinne oder Verluste realisiert werden.
Was ist Ihr maximaler potenzieller Verlust bei einem Long Call?
Der maximale potenzielle Verlust eines Long Calls ist auf den bei Eröffnung gezahlten Betrag (die Optionsprämie) begrenzt.
Im ungünstigsten Fall liegt der Aktienkurs zum Verfallsdatum unter dem Basispreis A. In diesem Fall verfällt der Call wertlos, und der Verlust entspricht der ursprünglich gezahlten Prämie für die Position.
Was sind die Margin Anforderungen bei einem Long Call?
Die Margin-Anforderung je Kontrakt entspricht beim Long Call in der Regel dem bei Eröffnung gezahlten Betrag (der Optionsprämie).
Wie wirkt sich die Zeit auf die Position bei einem Long Call aus?
Die Zeit wirkt sich bei einem Long Call grundsätzlich nachteilig auf die Position aus. Bei dieser Strategie wird darauf gesetzt, dass die Aktie innerhalb eines bestimmten Zeitraums ausreichend an Wert gewinnt. Der Long Call steht daher in gewisser Weise unter Zeitdruck.
Wird der Call bis zum Verfallsdatum gehalten und notiert die Aktie dann nicht über dem Basispreis A, verfällt die Option wertlos. In diesem Fall entspricht der Verlust der gezahlten Optionsprämie.
Was ist der Einfluss der impliziten Volatilität bei einem Long Call?
Der Einfluss der impliziten Volatilität sollte nicht unterschätzt werden. Nach Eröffnung der Position kann ein Anstieg der impliziten Volatilität den Wert eines Long Calls tendenziell erhöhen. Vor dem Einstieg wird häufig auf ein vergleichsweise niedriges Niveau der impliziten Volatilität geachtet, da Optionsprämien in solchen Phasen in der Regel günstiger sind.
Die Ausübung der Option bei einem Long Call
Bei Optionen amerikanischer Art haben Inhaber grundsätzlich jederzeit das Recht, eine vorzeitige Ausübung zu veranlassen. In der Praxis wird dies häufig nur in bestimmten Situationen in Betracht gezogen, etwa wenn eine Dividendenausschüttung der Aktie bevorsteht und der Aktienkurs nahe am Basispreis A liegt oder wenn der Call deutlich im Geld notiert.
Durch die Ausübung erwerben Sie in der Regel 100 Aktien je Kontrakt und können anschließend die Dividende erhalten. Ob sich eine vorzeitige Ausübung wirtschaftlich lohnt, hängt jedoch von verschiedenen Faktoren ab, insbesondere von der Höhe der Dividende im Verhältnis zum verbleibenden Zeitwert der Option. An dieser Stelle muss jeder Anleger den wirtschaftlichen Vorteil der Ausübung im Vergleich zum Halten oder zum einfachen Verkaufen des Calls abwägen.
Mehr zum Thema vorzeitige Ausübung von Optionen können Sie in unserem Artikel Vorzeitige Ausübung von Optionen – Hintergründe und Handlungsmöglichkeiten nachlesen.
Vor- und Nachteile des Long Calls
Vorteile:
- Long Calls können überproportionale Renditechancen im Vergleich zum direkten Aktienkauf bieten.
- Mit einem Long Call lässt sich eine Aktie mit geringerem Kapitaleinsatz handeln als beim direkten Kauf der Aktie.
- Das Verlustrisiko ist auf die gezahlte Optionsprämie begrenzt.
Nachteile:
- Die Profitwahrscheinlichkeit eines Long Calls liegt meist unter 50%, egal welche Laufzeit und egal welcher Basispreis gewählt wird.
- Der Zeit läuft gegen die Position: Die Aktie muss sich innerhalb eines bestimmten Zeitraums ausreichend nach oben bewegen, damit ein Gewinn möglich wird.
Hinweis: Calls tief im Geld mit langer Laufzeit zur Abbildung einer Aktie mit geringerem Kapitaleinsatz
Wird ein Long Call gewählt, der tief im Geld liegt (z. B. mit einem Delta von 0,90 oder höher) und eine längere Laufzeit aufweist, kann sich die Optionsposition in vielen Fällen ähnlich wie die zugrundeliegende Aktie entwickeln. Dadurch lässt sich mit vergleichsweise geringerem Kapitaleinsatz eine aktienähnliche Position aufbauen.
Bleiben wir bei unserer Aktie aus dem obigen Beispiel. Alle folgenden Werte sind nur Annahmen und reine Rechenbeispiele.
Ein Call mit einem Basispreis von 45 USD und einer Laufzeit von 372 Tagen weist ein Delta von rund 0,90 auf. Bewegt sich die Aktie um 1 USD, verändert sich der Call näherungsweise um etwa 0,90 USD. Dieser Call kostet ungefähr 1.025 USD und damit deutlich weniger als der Kauf von 100 Aktien (5.500 USD).
Aufgrund der langen Laufzeit und der Tatsache, dass der Call tief im Geld ist, ist die Auswirkung des Zeitwertverfalls geringer, bleibt jedoch weiterhin ein relevanter Faktor.
Notiert die Aktie am Ende der Laufzeit beispielsweise bei 65 USD, hätte der Call einen inneren Wert von rund 20 USD bzw. 2.000 USD je Kontrakt. Daraus ergäbe sich – unter Vernachlässigung von Gebühren und Steuern – ein rechnerischer Gewinn von etwa 975 USD bzw. rund 95 %. Die Aktie selbst hätte in diesem Szenario einen deutlich geringeren prozentualen Wertzuwachs (rund 18 %).
Zu beachten ist, dass mit einem Long Call kein Anspruch auf Dividendenzahlungen besteht. Dem steht jedoch ein geringerer Kapitaleinsatz im Vergleich zum direkten Aktienkauf gegenüber.
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