Ölpreise im Aufwind

Nach dem Corona-Einbruch befinden sich die Preise für die meisten Rohstoffe – darunter auch Erdöl – wieder stark im Aufwind. Da sich die Wirtschaft in vielen Ländern der Erde von den Folgen der grassierenden Corona-Pandemie erholt, steigen die Notierungen von Rohstoffen. Angetrieben durch billionenschwere Konjunkturspritzen von Staaten und Notenbanken findet derzeit ein wirtschaftlicher Aufschwung statt, der einzig durch Lieferengpässe und Knappheiten von Vorprodukten und Rohstoffen gebremst wird. Deshalb sind die Notierungen des Ölpreises zuletzt bis in den Bereich von 76 USD geklettert und damit auf den höchsten Stand seit etwa drei Jahren.

Frühjahr 2020: Historischer Ölpreiscrash führt zu negativen Ölpreisen und Schockwellen am Ölmarkt

Im Frühjahr 2020 sah die Lage am Ölmarkt noch ziemlich düster aus: Der Ölpreis fiel an den Terminmärkten erstmal in der Geschichte unter Null USD. Wer Öl der Marke WTI lieferbar im Mai 2020 loswerden wollte, musste Mitte April in der Spitze bis zu 40 USD drauflegen. Das sorgte für heftige Schockwellen am Ölmarkt, der durch die Coronavirus-Krise ohnehin bereits stark gebeutelt war. Denn bedingt durch weltweite Lockdowns standen viele Autos, Flugzeuge und Fabriken still und benötigten weit weniger Öl als zuvor. Durch den Preissturz sahen sich viele Ölunternehmen existenziell bedroht. In diesem Artikel sehen wir uns für Sie an, welche Öl-Aktien mittlerweile als Gewinner aus der Krise hervorgegangen sind.

Öl-ETFs verspekulieren sich

Schuld an dem fast surrealen Szenario negativer Preise waren vor allem Öl ETFs, mit denen immer mehr Privatanleger nach dem Corona-Einbruch auf steigende Ölpreise spekulierten. Offenbar hielten die börsennotierten Fonds kurz vor Fälligkeit noch zu viele Terminkontrakte des wenig gehandelten Mai-Kontrakts. Da ETFs sich das Öl nicht einfach liefern lassen können, mussten die Positionen durch Gegengeschäfte geschlossen werden – um jeden Preis. Da die Ölhändler allerdings offenbar nicht darauf vorbereitet waren, kurzfristig große Ölmengen aufzukaufen, fiel der Preis wie ein Stein ins Negative. Mehrere große ETFs wie beispielsweise der vor dem Einbruch kurzzeitig 5 Mrd. USD schwere marktführende United States Oil Fund ETF (Symbol USO) mussten vorübergehend schließen. ETFs, die einen prozentual zweistelligen Anteil am Terminmarkt für Öl einnehmen, waren in hohem Maße mitverantwortlich für die massiven Preisschwankungen und Turbulenzen. Wir raten an dieser Stelle ausdrücklich von Investments in Rohstoff ETFs oder ETCs ab, falls die Nachbildung synthetisch (nur auf dem Papier), das heißt über riskante Termin- oder Swap-Geschäfte, erfolgt.

Neuordnung des Ölmarktes: „Big Oil“ gewinnt

Die globale Ölindustrie erfuhr durch die Krise eine grundlegende Neuordnung. Während größere Firmen wie ConocoPhillips oder BP ihre Ölproduktion zurückfuhren, meldeten etliche kleinere und mittlere Ölproduzenten Insolvenz bzw. Chapter 11 an. Arge Probleme bekamen vor allem Unternehmen, die sich mit kostspieligen Verfahren wie Ölsand/Ölschieferförderung oder dem sogenannten Fracking beschäftigten, während gleichzeitig eine relativ hohe Schuldenlast drückte. Auch die relativ teure Ölproduktion in der Nordsee mittels Bohrplattformen wurde zwischenzeitlich deutlich zurückgefahren.

In Summe haben sich die Marktanteile wohl weiter in Richtung „Big Oil“ verschoben, also hin zu den Branchenriesen. Die großen Ölkonzerne verfügen meist über enorme Cash-Reserven und können viel einfacher Kredite aufnehmen, den Anleihenmarkt anzapfen oder neue Aktien ausgeben. Auch viele Ölförderprojekte, die später wieder interessant werden könnten und andere Assets konnten 2020 zu Schnäppchenpreisen von strauchelnden Konkurrenten eingekauft werden. Nach der starken Preiserholung generieren die großen Ölmultis dank der umfassenden Kosteneinsparungen und Investitionskürzungen längst wieder einen positiven freien Cashflow.

Aktuell wird Öl der Nordsee-Sorte Brent für 74 USD je Barrel gehandelt, während die US-Sorte WTI rund 71 USD je Barrel kostet.

Nachdem die Impfkampagnen gegen das Corona-Virus recht erfolgreich laufen und wirtschaftliche Einschränkungen wie Lockdowns weltweit nur noch in Ausnahmefällen verhängt werden, nimmt die Wirtschaft wieder Fahrt auf. Viele aufgeschobene Investitionen oder Konsumausgaben befeuern die Konjunktur. Die Inflationsrate, die getrieben von der starken Nachfrage deutlich anzog, unterstützte die Preisanstiege bei Öl und Gas.

Deshalb lohnt es sich einen Blick auf die Krisengewinner der Ölbranche zu werfen, auch wenn die Zeit der absoluten Schnäppchenkurse längst vorbei ist. Wir stellen Ihnen im Folgenden die aus unserer Sicht besten Öl-Investments 2021 vor.

Die besten Öl-Aktien 2021

Für Anleger gibt es mehrere Möglichkeiten, um von steigenden Preisen des schwarzen Rohstoffs zu profitieren: Öl-Fonds, Öl ETFs, Optionen & Optionsscheine, Futures oder Zertifikate. Am besten legen Sie sich jedoch zwei bis drei Ölaktien ins Depot, denn diese versprechen bei steigenden Ölpreisen einen attraktiven Gewinnhebel.

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Öl-Aktien Vergleich: Das sind die „Big Oil“ Aktien

Hier finden Sie eine Aktien-Liste von 10 großen, internationalen Ölmultis, unsere Öl-Aktien-Tabelle. Drei dieser Ölwerte stellen wir Ihnen im Anschluss vor. Diese Öl-Werte verfügen unserer Meinung nach über das größte Potential, bei weiterhin starken Ölpreisen zu den Gewinneraktien der Öl-Branche 2021 zu gehören.

Öl-Aktien-Liste:

AktieISINSymbolWährung
BPGB0007980591BPGBP
ChevronUS1667641005CVXUSD
CNOOCUS1261321095CEOUSD
ConocoPhillipsUS20825C1045COPUSD
ExxonMobilUS30231G1022XOMUSD
LukoilUS69343P1057LKODUSD
PetroChinaUS71646E1001PTRUSD
Petroleo BrasileiroUS71654V4086PBRUSD
Royal Dutch ShellGB00B03MLX29RDSAGBP
TotalFR0000120271FPEUR

Chevron: Niedrige Verschuldung und hohe Flexibilität bei Kostensenkungen

Chevron (Symbol: CVX – ISIN: US1667641005 – Währung: USD) zählt zu den weltgrößten Ölkonzernen. Hauptgeschäftsfelder sind die Erschließung, die Gewinnung und der Transport von Rohöl, sowie die chemische Aufbereitung zu vermarktbaren Produkten. Das Unternehmen deckt damit die komplette Wertschöpfungskette im Bereich Erdöl ab. Die Wurzeln von Chevron reichen bis zur Entdeckung eines Ölfelds nördlich von Los Angeles im Jahre 1879 zurück. Nach zahlreichen Fusionen, unter anderem mit Texaco im Jahr 2001, entstand einer der größten Ölkonzerne der Welt. Chevron ist in allen wichtigen Öl- und Gasregionen der Welt aktiv und arbeitet auch unter erschwerten Bedingungen, wie z.B. in der Tiefsee. Für den Öltransport betreibt Chevron eine eigene Schiffsflotte.

Niedrige Ölpreise: Investitionen werden zurückgefahren

Das Unternehmen fackelte nach dem Preiseinbruch im Frühjahr 2020 nicht lange: Die Investitionen im Jahr 2020 wurden um mehrere Mrd. USD zurückgefahren und auch bei den Kosten wurde massiv auf die Bremse getreten. Dadurch sicherte man die Dividendenfähigkeit und gab dem langfristigen Unternehmenswert Vorrang. Falls notwendig hätte sogar noch weiteres Senkungspotenzial bei den Investitionen bestanden, denn die Ölgewinnung aus permischem Schiefer in den USA beispielsweise lässt sich relativ einfach aussetzen. Doch das war gar nicht mehr notwendig, denn die Ölpreise zogen im Jahresverlauf 2020 wieder deutlich an.

Übernahme von Noble Energy stärkt Wettbewerbsposition

Vor der Corona-Krise, Ende 2019 hatte Chevron von den großen Ölkonzernen den niedrigsten Nettoverschuldungsgrad von nur 16 %. Laut Credit Suisse benötigt Chevron nur einen Ölpreis von etwa 42 USD, um einen positiven Kapitalfluss zu erzielen. Die komfortable finanzielle Lage erlaubte es – trotz Corona-Unsicherheit – den heimischen Konkurrenten Noble Energy im Juli 2020 für 5 Mrd. USD aufzukaufen. Rechnet man die Verschuldung des texanischen Wettbewerbers in Höhe von 8 Mrd. USD mit ein, so beläuft sich das Transaktionsvolumen sogar auf insgesamt 13 Mrd. USD. Durch den Zukauf des Fracking-Unternehmens will Chevron die Ölreserven im Permischen Becken ausbauen und jährliche Kosteneinsparungen von 300 Mio. USD erzielen.

Dividende seit 34 Jahren kontinuierlich erhöht: 5,6 % Dividendenrendite

Die niedrigen Ölpreise in Verbindung mit den konsequenten Sparmaßnahmen führten im Jahr 2020 zu einem gewaltigen Umsatzrückgang in Höhe von -32,5 % von 140 Mrd. USD auf 94,5 Mrd. USD, sowie einem um Einmaleffekte bereinigten Verlust von 368 Mio. USD oder -0,20 USD je Aktie. Positiv ist die beeindruckende Dividendenhistorie von Chevron. Seit mittlerweile 34 Jahren hat das Unternehmen seine Auszahlungen von Jahr zu Jahr gesteigert. In diesem Zeitraum gab es mehrere gewaltige Ölpreisschwankungen, die bewältigt werden konnten. Auch im Jahr 2020 wurde trotz Verlusten nicht an der Quartalsdividende in Höhe von 1,29 USD gerüttelt, so dass aufs Gesamtjahr gerechnet 5,16 USD je Aktie ausgeschüttet wurden (2019: 4,76 USD je Aktie). Mittlerweile wurde die Quartalsdividende auf 1,34 USD je Aktie erhöht, so dass sich auf dem aktuellen Kursniveau von 96 USD eine starke Dividendenrendite von 5,6 % errechnet.

Für das laufende Jahr 2021 erwarten Analysten einen enormen Umsatzanstieg von +58 % auf 149 Mrd. USD, sowie ein Ergebnis in Höhe von 6,72 USD je Aktie. Das ist weit mehr als die Experten zu Jahresbeginn erwartet hatten. Damals lagen die Umsatzerwartungen rund 28 Mrd. USD (!) tiefer und auch beim Ergebnis wurde nur rund halb so viel erwartet. Für das kommende Jahr 2022 erwarten die Analysten bei 156 Mrd. USD Umsatz immerhin 7,74 USD Gewinn je Aktie.

Chart Chevron Aktie

Die besten Öl-Aktien: Entwicklung der Chevron Aktie von September 2018 bis September 2021 | Online Broker LYNX

Fazit: Gestärkt aus der Krise

Die Chevron-Aktie ist gestärkt aus der Krise hervorgegangen und hat zahlreiche Pluspunkte vorzuweisen. Zum einen ist das Unternehmen sehr flexibel bei der Kürzung von Investitionen und kann notfalls stark auf die Kostenbremse treten. Zum anderen ist die bilanzielle Situation außergewöhnlich stark, die Verschuldung ist im Vergleich zu anderen Ölkonzernen auch nach der Übernahme von Noble Energy noch sehr gering. Die eigene Tankerflotte ist ein weiterer Pluspunkt, denn das Mieten von Tankern für Transport und Lagerung von Öl ist gerade dann sehr teuer, wenn die Schiffe von Marktteilnehmern als schwimmende Öllager benutzt werden. Auch die aktionärsfreundliche Dividendenpolitik des Unternehmens spricht für die Chevron Aktie. Der Aktienkurs hielt sich im Branchenvergleich sehr gut und kam deutlich weniger unter die Räder als bei anderen Ölwerten. Unterm Strich ist Chevron daher für uns erste Wahl bei den Ölinvestments. Warten Sie für Einstiege am besten einen Rücksetzer in den Bereich von 80 USD bis 85 USD ab.

ConocoPhillips: Zurück auf Wachstumskurs

Der drittgrößte US-Ölkonzern ConocoPhillips (Symbol: COP – ISIN: US20825C1045 – Währung: USD) mit Sitz in Houston, Texas ist seit der Aufspaltung im Jahr 2012 rein auf die Exploration und Produktion von Erdöl, das sogenannte Upstream-Geschäft fokussiert. Die ursprünglich zum Konzern gehörenden Raffinerien und Tankstellennetze (über 20.000 Tankstellen u.a. Jet) – das sogenannte Downstream-Geschäft – wurden über die Phillips 66 Company ausgegliedert und ebenfalls börsengelistet.

Ölpreiseinbruch brachte Geschäftsmodell schon einmal ins Wanken

Der Einsturz der Ölpreise ab dem Jahr 2014 bis ins Jahr 2016 machte ConocoPhillips stark zu schaffen, denn der Konzern hatte damals mit deutlich höheren Ölpreisen von ca. 90 USD geplant. Drastische Kostensenkungen, der Verkauf von Unternehmensteilen sowie Dividendenkürzungen waren die einzige Möglichkeit, um kurzfristig zu überleben. Die Sparmaßnahmen trugen Früchte, so dass die reinen Produktionskosten pro Barrel auf 35 USD gedrückt werden konnten. Der zwischenzeitlich gestiegene Ölpreis tat sein Übriges, um den Konzern wieder auf Kurs zu bringen. In der Corona-Krise war ConocoPhillips deutlich besser aufgestellt, um die Krise zu meistern. Die Nettoverschuldung lag zu Beginn der Krise mit 42 % im grünen Bereich, so dass es genügend Raum für weitere Kreditaufnahmen gab.

Mit umfangreichem Maßnahmenpaket durch die Krise

Umfangreiche Kostensenkungen und eine Drosselung der Ölförderung trugen dazu bei, dass 2020 mehrere Mrd. USD eingespart wurden. Auch das laufende Aktienrückkaufprogramm wurde ausgesetzt. Bei der Dividende hingegen wurde der Rotstift, wie bei Chevron nicht angesetzt, im Herbst 2020 wurde die quartalsmäßige Ausschüttung sogar um 1 Cent erhöht. Aktuell beträgt die Quartalsdividende 0,43 USD, so dass auf Jahressicht 1,72 USD ausgeschüttet werden. Damit liegt die Dividendenrendite bei einem Aktienkurs von 57 USD aktuell bei 3,1 %.

Übernahme von Concho Resources stärkt das Geschäft

Im letzten Jahr 2020 ging der Umsatz um satte -41 % von 32,6 Mrd. USD auf 19,3 Mrd. USD zurück. Dabei wurde ein negatives Ergebnis in Höhe von -0,97 USD je Aktie verbucht (2019: +3,59 USD). Für das laufende Geschäftsjahr 2021 soll laut Analystenkonsens jedoch ein Umsatzsprung um sage und schreibe +111 % auf 40,6 Mrd. USD erfolgen. Dazu wird ein Gewinn in Höhe von 4,75 USD je Aktie erwartet. Auch hier liegen die ursprünglichen Prognosen weit darunter. Im kommenden Jahr 2022 sollen bei 40,2 Mrd. USD Umsatz dann 5,23 USD Gewinn je Aktie anfallen. Neben dem gestiegenen Ölpreis soll vor allem die 10 Mrd. USD schwere Übernahme von Concho Resources zu den verbesserten Geschäftsaussichten beitragen. Der kleinere Wettbewerber, der sich auf den Bereich Ölschiefer fokussiert soll dem Unternehmen zu jährlichen Einsparungen in Höhe von mindestens 500 Mio. USD verhelfen. Durch die Übernahme steigt der Konzern zur Nummer drei im amerikanischen Shale-Geschäft auf.

Chart ConocoPhillips Aktie

Die besten Öl-Aktien: Entwicklung der ConocoPhillips Aktie von September 2018 bis September 2021 | Online Broker LYNX

Aktie mit langfristigem Kurspotenzial

Die harten Einschnitte des letzten Ölpreiseinbruchs im Jahr 2016 haben ConocoPhillips von einigem Kosten-Ballast befreit und wieder zu einem wettbewerbsfähigen Marktteilnehmer gemacht. Davon profitiert der Konzern nun in der Corona-Krise und zählt daher zu den Gewinnern. Der Wert ist trotz der bereits deutlich angestiegenen Kurse eine interessante Wette auf einen längerfristig stärkeren Ölpreis. Kurse im Bereich von 50 bis 55 USD könnten sich als längerfristige Einstiegsgelegenheit erweisen.

Royal Dutch Shell: Dividenden nach 75 Jahren erstmals gekürzt

Royal Dutch Shell (Symbol: RDSB – ISIN: GB00B03MM408 – Währung: EUR) zählt weltweit zu den größten Energieunternehmen im Bereich Mineralöl und Erdgas. Shell ist an Explorations- und Förderprojekten in mehr als 70 Ländern beteiligt und zählt zu den weltgrößten Vertreibern von Kraft- und Schmierstoffen. Im Jahr 2016 wurde der britische Gasproduzent BG Group für 47 Mrd. Pfund übernommen. Heute ist Royal Dutch Shell mit 13 großen Verflüssigungsanlagen und einer Flotte von 90 LNG-Tankern somit auch der weltgrößte Anbieter von Flüssiggas. Trotz der Dominanz im Öl- und Gasgeschäft will der Konzern langfristig zu einem führenden globalen Produzenten von sauberen Energien werden.

Der Ölpreisabsturz in der Corona-Krise bedeutete eine Zäsur für das Unternehmen. Denn erstmals seit dem zweiten Weltkrieg wurden die Ausschüttungen an die Aktionäre gesenkt.

Krise wirkt sich bilanziell negativ aus

Auch Shell zögerte nicht lange mit Maßnahmen zur Bewältigung der Corona-Krise, darunter milliardenschwere Kostensenkungen und Investitions-Kürzungen. Dazu kam wie bei den beiden anderen vorgestellten Ölmultis eine Einstellung des Aktienrückkaufprogramms. Zu Beginn der Krise war der Energieriese im Vergleich zu einigen Konkurrenten bilanziell recht stark aufgestellt: Das Eigenkapital lag zum 31.12.2019 bei 190,5 Mrd. USD, die Eigenkapitalquote damit bei immerhin 47 %. Trotz der getroffenen Sparmaßnahmen hinterließ die Krise in der Bilanz unschöne Spuren. Bedingt durch die enormen Belastungen der Krise ging die Eigenkapitalquote auf aktuell ca. 43 % zurück. Dies ist allerdings im Peergroup-Vergleich immer noch ein sehr ordentlicher Wert.

Ölpreis-Absturz bringt Umsatzhalbierung und Rekordverluste

Der Umsatz brach im Jahr 2020 auf Konzernebene um fast die Hälfte auf knapp 181 Mrd. USD ein. Unterm Strich stand dabei ein Rekord-Minus von knapp 22 Mrd. USD an. Ein Hauptgrund für das hohe Minus waren hohe Abschreibungen auf Unternehmensbeteiligungen, die in der Krise stark an Wert verloren. Für das laufende Jahr 2021 wird dank des gestiegenen Ölpreises seitens Marktexperten wieder mit einem Umsatz in Höhe von ca. 288 Mrd. USD und einem Gewinn je Aktie in Höhe von 4,20 USD gerechnet. Für 2022 werden 361 Mrd. USD Umsatz und etwa 4,89 USD Gewinn je Aktie in Aussicht gestellt.

Hohe Dividende empfindlich gekürzt

Europas größter Ölkonzern hatte die Dividende seit dem Jahre 1945, d.h. seit 75 Jahren (!), nicht mehr gesenkt – allen bisherigen Ölpreis-Krisen zum Trotz. Der britisch-niederländische Energieriese galt somit jahrzehntelang als einer der zuverlässigsten Dividendenzahler überhaupt. Doch die Ölpreisentwicklung zu Beginn des Jahres 2020 veranlasste den Konzern dazu, die bisherige Quartalsdividende in Höhe von 0,47 USD (umgerechnet rund 0,39 EUR) je Aktie auf 0,16 USD (0,13 EUR) zu dritteln. Aktuell werden pro Aktie 0,24 USD (0,20 EUR) ausbezahlt, was einer Jahresdividende in Höhe von 0,96 USD (0,80 EUR) entspricht. Bei einem aktuellen Kurs von 17,00 EUR je A-Aktie entspricht dies immerhin einer Dividendenrendite von 4,7 % p. a. Der extreme Absturz des Ölpreises sowie die Corona-Krise haben auch die Aktie von Royal Dutch Shell arg gebeutelt, so dass sich deren Wert zwischenzeitlich auf 10 EUR gedrittelt hatte. Die Dividendenkürzung war angesichts dessen sowie aufgrund der schlechten operativen Entwicklung alles andere als überraschend. Mittlerweile befinden sich sowohl die Aktie als auch die Dividende wieder im Aufwärtstrend. Gut möglich, dass die Dividende bald wieder auf das Vorkrisen Niveau angehoben wird.

Zwei unterschiedliche Aktienklassen der Shell Aktie

Die Aktien von Royal Dutch Shell sind in die Klassen A (ISIN: GB00B03MLX29) und B (ISIN: GB00B03MM408) aufgeteilt. Beides sind gleichwertige Aktien, die sich in Art und Umfang der Aktionärsrechte wie Stimmrecht und Dividendenanspruch komplett entsprechen. Der Unterschied besteht lediglich in der steuerlichen Behandlung der ausgeschütteten Dividenden. Die Aktien der Klasse A unterliegen niederländischem Steuerrecht und damit einem Quellensteuerabzug von 15% auf die Dividendenausschüttung. Die Aktien der Klasse B unterliegen hingegen britischem Steuerrecht und haben daher keinen Quellensteuerabzug auf die Dividende zur Folge. Da die niederländische Quellensteuer von 15% voll auf die Kapitalertragsteuer-Schuld eines deutschen Anlegers anrechenbar ist, sind die steuerlichen Folgen bei der Dividendenzahlung bei beiden Aktienklassen gleich. Daher sollten Sie gegebenenfalls in die etwas günstigeren A-Aktien investieren.

Chart Royal Dutch Shell Aktie

Die besten Öl-Aktien: Entwicklung der Royal Dutch Shell Aktie von September 2018 bis September 2021 | Online Broker LYNX

Aktie für Ölpreis-Spekulanten und Dividendensammler

Unter den Ölmultis steht für uns Royal Dutch Shell trotz der Dividendenkürzung weit vorn. Denn der Wert der Aktie ist durch die gesunde Bilanz, auf dem aktuellen Niveau relativ gut gegen allzu starke Kursschwankungen abgesichert. Bei weiteren Ölpreisanstiegen besteht nach oben dennoch ein erhebliches Kurssteigerungspotenzial. Mit einer Dividendenrendite von 4,7 % ist die Aktie aktuell recht fair bewertet und sowohl für Anleger geeignet, die auf einen steigenden Ölpreis setzen, als auch für Dividendensammler.

Fazit: Aussichten für Öl-Aktien im Jahr 2021 deutlich aufgehellt

Der Ölpreis konnte sich vom starken Einbruch in der ersten Jahreshälfte 2020 überraschend schnell erholen. Die Marktteilnehmer erwarten, dass die weltweite Erholung der Wirtschaft weiterhin anhält. Der Konjunktur-Motor sind einmal mehr die USA, wo ein Konjunkturprogramm das nächste jagt. Viele Unternehmen, die Investitionen aufgrund der Corona-Krise zurückgestellt hatten, nehmen wieder verstärkt Geld in die Hand, gleiches gilt auch für die Konsumenten. In den letzten Monaten wurden nicht nur beim Ölpreis, sondern auch bei zahlreichen anderen Rohstoffen Anstiege verzeichnet, so dass auch die Inflationsrate zuletzt deutlich zulegte. Möglicherweise stehen wir nach vielen Jahren mit niedrigen Teuerungsraten am Beginn einer neuen Inflationsdynamik. Die Energiepreise könnten zu den Treibern einer solchen Entwicklung zählen. Kommt es nicht zu herben weltwirtschaftlichen Rückschlägen, so dürften Ölaktien im Jahr 2021 und darüber hinaus eine starke Performance abliefern.

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