Rentenfonds – Funktionsweise & Definition | Werden sie der große Gewinner 2019?

Was sind Rentenfonds?

Rentenfonds sind Investmentfonds, die ausschließlich oder zu einem großen Teil in Anleihen investieren. Sie werden auch als Rentenpapiere bezeichnet, was den Begriff „Rentenfonds“ erklärt. Durch die Zinszahlungen der Anleihen und durch den Handel mit den gehaltenen Wertpapieren legen Rentenfonds an Wert zu. Wenn man allerdings nicht direkt in Rentenfonds investieren möchte, besteht auch die Möglichkeit Anleihe-ETFs zu handeln, auf welche wir in diesem Artikel näher eingehen werden. Zunächst setzten wir uns aber erst einmal mit dem Thema Anleihen auseinander.

Fallende Zinsen sind nicht schlecht für Anleihe-Investoren … sondern gut!

Jahrelang war ein Investment in Anleihen ein Verlustgeschäft, vor allem, wenn man den Realzins betrachtete, d.h. die Rendite der Anleihen (engl. Bonds genannt) abzüglich der Geldentwertung in Form der Inflation. Aber mit der markanten Abschwächung des weltweiten Wachstums hat sich das erheblich geändert – aus zwei Gründen:

Zum einen wanken die Aktienmärkte. Dadurch fließt dort nicht mehr so ungehemmt Kapital hinein wie in den vergangenen Jahren, sprich die Konkurrenz schwächelt.

Zum anderen ist das Thema steigender Zinsen durch den Abwärts-Schwenk des Wachstums erst einmal vom Tisch, die Zinsen sinken seit einigen Monaten massiv. Und so absurd das im ersten Moment klingt: Das ist für Bond-Investoren äußerst positiv! Warum?

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Anleihen: Wenn das Wachstum kippt, freut sich der Bond-Investor!

Das hat gleich mehrere Gründe. Zunächst einmal wird die Inflation in Phasen geringen Wachstums bzw. in einer Rezession zurückgehen, denn wer dann in einem negativen Umfeld noch etwas verkaufen will, sollte besser die Preise senken, statt sie zu erhöhen. Das bedeutet, dass der Realzins durch diese Entwicklung gestützt wird, weil von der Zins-Rendite, die man erhält, durch die sinkende Teuerung mehr übrig bleibt. Dass er durch die massiv sinkenden Zinsen trotzdem fällt, ist schon richtig, aber:

Die reine Zinsrendite ist ja nur eine Seite der Medaille. Viele Anleger, die über ein Anleihe-Investment nachdenken und es wegen der niedrigen, in Deutschland sogar tief negativen Zinsrenditen verwerfen, vergessen den Faktor der Kursgewinne – dazu gleich mehr!

Wir sehen im vorstehenden Chart, dass der Realzins in den USA wieder gegen null tendiert und in Deutschland auf neue Negativ-Rekorde gefallen ist. Das wirkt auf den ersten Blick abschreckend, bedeutet aber, dass Anleihen derzeit Aktien in Sachen Kursgewinne abhängen!

Das gilt auch für deutsche Anleihen. Die wegbrechende Konjunktur in der Eurozone, vor allem aber in Deutschland, und eine EZB, die offenbar unmittelbar vor zinssenkenden Maßnahmen steht, haben dazu geführt, dass Anleihe-Investoren solche Maßnahmen bereits vorweggenommen haben. Die Folge ist, dass die Renditen am hiesigen Anleihemarkt sogar in den langen Laufzeiten negativ sind. Aber das bedeutet eben, dass die Kurse der Anleihen kräftig steigen!

Die vorstehenden Charts zeigen die Entwicklung der deutschen Anleihe-Renditen über fünf Jahre. Von oben links nach unten rechts die Laufzeiten 30, 10, 5 und 2 Jahre. Mittlerweile ist auch die Rendite für eine Laufzeit von 30 Jahren negativ geworden. Das heißt: Wer solche Anleihen kauft, würde, wenn er sie nicht während der Laufzeit wieder verkauft, Jahr für Jahr aktuell 0,183 Prozent Zins zahlen, statt welchen zu bekommen. Da können Anleihen doch kein interessantes Investment sein? Doch, gerade jetzt wird es da interessant, denn:

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Rentenfonds: Den Faktor Kursgewinne nicht unterschätzen!

Bei Investments in Anleihen spielen ebenso zwei Elemente in Bezug auf mögliche Gewinne mit hinein wie bei Aktien. Bei Aktien sind es der Kurs und die Dividende. Bei Anleihen ist es zum einen der Zinskupon, sprich die nominale Verzinsung, aber auch hier spielt der Kurswert der Anleihe eine große Rolle. Und der steigt, wenn die Leitzinsen sinken und damit die Renditen fallen. Wieso?

Weil sich Anleihekurs und Rendite gegenläufig verhalten. Wenn die Rendite der Anleihen sinkt, wirkt sich das auf die bereits bestehenden Anleihen kurssteigernd aus. Das basiert darauf, dass der nominale Zins einer Anleihe ja fest verankert ist. Sehen wir uns dazu den folgenden Beispielchart an:

Wir haben hier oben die Rendite für Bundesanleihen mit fünf Jahren Laufzeit. Darunter sehen Sie den Kursverlauf einer Bundesanleihe, die zwar insgesamt eine Laufzeit von zehn Jahren hatte. Aber sie wurde bereits 2014 ausgegeben und hat JETZT noch fünf Jahre Restlaufzeit, bis die Anleihe zur Rückzahlung fällig wird. Über die ganze Laufzeit hinweg zahlt der Bund als Kreditnehmer dem Anleger jährlich einen Zins von einem Prozent aus. Und das ist der Punkt.

Die bereits bestehenden Anleihen passen sich dem allgemeinen Zinsniveau an. Was nicht „von oben“ angeordnet, sondern ein automatisch ablaufender Prozess ist. Würde unsere Beispiel-Anleihe mit ihren fünf Jahren Restlaufzeit jedes Jahr ein Prozent Zins abwerfen, während das allgemeine Renditelevel für fünf Jahre negativ ist (-0,86 Prozent), würden alle nur diese Anleihe haben wollen, weil sie ja viel mehr Zins einbringt. Also wird die Anleihe an der Börse stark nachgefragt, der Kurs steigt. Und wenn der Kurs der Anleihe steigt, ist die Verzinsung für diejenigen, die da während der Laufzeit der Anleihe einsteigen wollen, niedriger. Dieser Börsenkurs steigt gemeinhin so weit, bis die Rendite, sprich der Kurs der Anleihe geteilt durch den Zinskupon von 1,0 Prozent, das allgemeine Renditeniveau dieser Laufzeiten ergibt. Und das bedeutet:

In einer Phase mit tendenziell fallenden Renditen steigen die Kurse der Anleihen, der Anleihemarkt verspricht Kursgewinne.

Und das wiederum heißt: Wenn die Zinsen allgemein wegen der schwachen Wirtschaftslage fallen, hätte man jetzt noch höhere Renditen bei den Anleihen als in einem halben, in einem, vielleicht sogar in zwei Jahren, vorausgesetzt, diese wirtschaftliche Schwächephase setzt sich fort und die Notenbanken müssen wieder den Geldhahn aufdrehen und/oder die Leitzinsen senken!

Daher bietet sich immer dann, wenn die Renditen am Anleihemarkt fallen, eine interessante Gelegenheit, bei Anleihen einzusteigen. Aber wie? Und wo? Anhand des ersten Charts haben wir ja gesehen: In den USA gibt es deutlich höhere Zinsen. Und innerhalb Europas sind die Unterschiede auch alles andere als klein. Sehen wir uns dazu einen Vergleich der Renditen in den USA, Italien und Deutschland für Anleihen mit zehn Jahren Laufzeit an:

In den USA und in Italien liegen die Renditen für Anleihen mit zehn Jahren Laufzeit deutlich höher, bei 1,6 (USA) und 1,5 (Italien) Prozent. In Deutschland ist die Rendite mit -0,65 Prozent hingegen drastisch negativ. Doch so klar ist damit keineswegs, wo man sein Geld derzeit investieren würde, denn:

Faktor Währungsrisiko und Ausfallrisiko

Außerhalb der Eurozone gibt es das Währungsrisiko. Wenn Sie in US-Anleihen investieren und der Wert des US-Dollars fällt zum Euro, kann es leicht sein, dass der höhere Zins vom Verlust, den Sie durch den fallenden US-Dollar erleiden, aufgezehrt wird, die Sache sogar zum Verlustgeschäft wird.

Und innerhalb der Eurozone ist es genauso wichtig, sich den Schuldner genau anzusehen wie bei Anleihen weltweit. Denn grundsätzlich gilt: Je höher der Zins, desto höher das Ausfallrisiko. Was den eventuellen Ausfall der Zinszahlung bedeuten kann, aber auch, wenn es hart auf hart kommt, den Ausfall des gesamten Kapitals, sprich die Anleihe an sich wird nicht mehr zurückbezahlt und damit wertlos.

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Faktor Laufzeit

Ein weiterer Faktor, den es zu bedenken gilt, ist die Laufzeit. Je länger die Laufzeit der Anleihen, die man sich ins Depot holt, desto höher ist gemeinhin die Rendite. Was nachvollziehbar ist, denn der Zins soll ja vergelten, dass man Geld verleiht. Und je länger man die Leihfrist setzt, sprich je länger die Anleihe läuft, desto mehr muss der Staat, die Kommune oder das Unternehmen dafür auf den Tisch legen. Aber:

Je länger die Laufzeit, desto länger sind Sie an das derzeitige Renditeniveau gebunden, wenn Sie nicht auf Kursgewinne spekulieren, sondern die Bonds bei der Ausgabe erwerben und behalten wollen, bis die Laufzeit endet. In diesem Fall kann es Ihnen egal sein, ob der Börsenkurs dieser Anleihe in der Zwischenzeit steigt oder fällt. Aber will man sein Kapital so langfristig binden? Will man hinnehmen, dass es in der Zeit bis zum Laufzeitende der Anleihen womöglich deutlich günstigere Renditen gibt, die man dann nicht „mitnehmen“ kann? Mit kurzen Laufzeiten sind Sie flexibler. Aber dafür gibt es dann eben auch weniger Rendite. Was bietet sich also an?

Die besten Rentenfonds und Anleihen-ETFs

Die derzeitige Phase ist interessant, weil die Wahrscheinlichkeit gestiegen ist, dass die Zinsen insgesamt wieder noch weiter fallen. Damit ist zwar erst einmal nicht mehr Zinsrendite zu erwarten, zugleich lassen die fallenden Zinsen aber auf Kursgewinne erwarten. Aber man kann nicht absehen, wie sich die Situation in einem, fünf oder zehn Jahren darstellt. Daher bietet es sich an, auch und gerade bei Anleihen zu tun, was bei Aktien eine Selbstverständlichkeit ist:

Mit Anleihe-ETFs ein Portfolio aus einzelnen Portfolios bilden!

Streuen Sie ihre Investments nach Währungsraum, Laufzeiten und Bonität und bleiben Sie trotzdem flexibel. Wie? Indem Sie sich Anleihe-ETFs ins Depot legen. Die Auswahl ist groß – und so haben Sie die Möglichkeit, börsentäglich ein- oder auszusteigen.

Und wenn Sie Ihr Investment so gestalten, dass Sie ETFs zu mehreren Bereichen im Depot haben, die ja in sich wiederum ein Portfolio aus verschiedenen Anleihen darstellen, können Sie so recht einfach eine breite Streuung der Chancen und Risiken erreichen. Die nachfolgende Tabelle zeigt fünf Anleihe-ETFs ganz verschiedener Bereiche, die gut handelbar sind und zum Teil Gewinne bieten, die manch einen, der glaubt, dass man mit Anleihen derzeit nichts anfangen kann, erstaunen dürften:

Unsere Top 5 ETFs auf Anleihen (Bonds)

Name des ETFISINETF-Volumeninvestiert in:Ausschüttung?Performance 1 Jahr
(inkl. Ausschüttungen)
Performance 3 Jahre
(inkl. Ausschüttungen)
jährl. KostenWährung
der Bonds
ComStage Commerzbank 10Y US-Treasury Future ETFLU12752546365 Mio.US-Bonds 7-10 J.ja/jährlich13.44%5.29%0.20%USD
Xtrackers Eurozone Government Bond Yield Plus 1-3 ETFLU0925589839600 Mio.Euro-Bonds 1-3J.thesaurierend*2.40%0.82%0.15%Euro
iShares Euro Government Bond 20yr Target Duration ETFIE00BSKRJX2065 Mio.Euro-Bonds 10+Jja/halbjährlich25.76%16.67%0.15%Euro
UBS ETF (LU) Markit iBoxx EUR Liquid Corporates ETFLU0721553864108 Mio.€-Corporate Bondsja/halbjährlich2.64%8.03%7.87%Euro
iShares J.P. Morgan USD Emerging Markets Bond ETFIE00B2NPKV687.562 MioEmerging Marketsja/monatlich15.53%12.62%0.45%USD
* "thesaurierend" bedeutet, dass Zinszahlungen der im ETF enthaltenen Anleihen wieder investiert und nicht ausgeschüttet werden

Die ETFs aus unserer Tabelle im Detail:

Comstage 10Y US Treasury Future ETF

Der Comstage 10Y US Treasury Future ETF der Commerzbank (ISIN: LU1275254636) investiert in US-Staatsanleihen mit Laufzeiten zwischen sieben und zehn Jahren. Er weist gerade über die vergangenen zwölf Monate eine Performance auf, die manchen Aktien-ETF vor Neid erblassen lassen würde, aber: Hier besteht natürlich ein Währungsrisiko. Der ETF wird in Euro gehandelt, aber die im ETF enthaltenen US-Anleihen lauten auf US-Dollar. Verliert der Dollar deutlich an Boden, drückt das auf die Performance!

Die Trailing Stop-Order: Gewinne sichern, Verluste begrenzen.

Die Trailing-Stop Verkaufsorder ist eine abgewandelte Stop-Order. Hierbei wird der Stop-Preis in einem festgelegten Folgeabstand (Trailing-Wert) an den Kurs gekoppelt. Wenn dieser Wert steigt und somit der Abstand größer als der Trailing-Wert ist, wird der Stop-Preis nach oben angepasst.

Xtrackers Eurozone Government Bond Yield 1-3 Plus ETF

Der Xtrackers Eurozone Government Bond Yield 1-3 Plus ETF (ISIN: LU0925589839) deckt kurzlaufende Staatsanleihen der Eurozone ab, die Laufzeiten der in den ETF einfließenden Bonds liegen zwischen einem und drei Jahren. Hier werden die Zinszahlungen nicht ausgeschüttet, sondern reinvestiert. Dieser Fonds bietet derzeit aufgrund der Negativ-Zinsen bei Anleihen der kurzen Laufzeiten in vielen Eurozone-Ländern nur eine niedrige Rendite. Das könnte sich aber ändern, wenn die EZB wieder beginnt, die Anleihemärkte aktiv zu stützen.

iShares Euro Government Bond 20yr Target ETF

Der iShares Euro Government Bond 20yr Target ETF (ISIN: IE00BSKRJX20) investiert in europäische Staatsanleihen mit Laufzeiten von zehn und mehr Jahren. Die Kurse dieser längeren Laufzeiten reagieren auf Veränderungen im Renditeumfeld deutlich intensiver, wie man an der gewaltigen Performance sieht. Der ETF kann in Deutschland über die Börse Stuttgart gehandelt werden, das Gros der Umsätze findet aber an der Börse in London statt, wo Sie den ETF über LYNX auch handeln können.

Markit iBoxx Liquid Corporates ETF

Der vierte ETF in der Tabelle ist der Markit iBoxx Liquid Corporates ETF der Schweizer Großbank UBS (ISIN: LU0721553864). Dieser ETF investiert in Unternehmensanleihen der Eurozone mit verschiedensten Laufzeiten. Er wird in Deutschland rege u.a. auf Xetra gehandelt.

iShares J.P. Morgan USD Emerging Markets Bond ETF

Die Nummer fünf der Tabelle, der iShares J.P. Morgan USD Emerging Markets Bond ETF (ISIN: IE00B2NPKV68), könnte als spekulative Beimischung in einem Anleihe-ETF-Depot dienen. Hier handelt es sich um einen ETF, der in Anleihen aus den sogenannten Emerging Markets (Schwellenländern) investiert, die auf US-Dollar ausgegeben sind. Hier können auch weniger sichere Anleihen dabei sein (Sub Investment Grade Ratings). Neben dem grundsätzlich höheren Ausfallrisiko muss man bei diesem ETF auch das Währungsrisiko bedenken. Er wird in Deutschland rege gehandelt, die höchsten Umsätze finden sich im Xetra-Handel.

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Ronald Gehrt

Ronald Gehrt

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnnist in zahlreichen Funktionen aktiv, aktuell ist er u.a. Chefanalyst des Börsendienstes Stock Selection Europe bei Finanzen100. Dabei versteht sich Gehrt als Allrounder, der in der fundamentalen, volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie im Bereich der verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse.
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