Die besten China Aktien 2020 | LYNX Online Broker

Sechs hochinteressante Aktien aus dem Reich der Mitte mit Top-Perspektiven

Beim Gedanken an ein Investment in China zuckt manch einer immer noch zusammen, denn China ist vielen Investoren irgendwie nicht recht geheuer. Ein gigantisches Land, eine riesige Volkswirtschaft, die trotz ihrer teilweisen Öffnung in Richtung der freien Marktwirtschaft immer noch unübersichtlich, intransparent und vor allem gesteuert wirkt. Ein Investment in chinesische Aktien wirkt daher wie ein Wagnis, weil es scheint, als könnte man Chancen und Risiken einfach nicht einschätzen. Ist das wahr?

Durchaus nicht. Und die sechs Aktien, die wir Ihnen in diesem Beitrag vorstellen, sind weder unbeschriebene Blätter noch schwer zu handeln. Eines aber muss man dennoch im Hinterkopf haben: Vorsichtig und besonnen sollte man an der Börse ohnehin immer vorgehen, aber was chinesische Aktien angeht, wäre noch ein Tick mehr Besonnenheit angebracht, vor allem, wenn es um spekulative Aktien wie die in diesem Beitrag ebenfalls vorgestellte NIO geht.

Aber werfen wir zunächst einen kurzen Blick auf China an sich.

Chinas Wirtschaft: Höheres Wachstum, höhere Risiken?

Es mag schon richtig sein, dass die chinesischen Behörden einen größeren Einfluss auf die Unternehmen haben als das seitens der staatlichen Instanzen in Europa, Japan oder den USA der Fall wäre. Und die weit verbreitete Meinung, dass die immer so genau im Plan liegenden Konjunkturdaten nicht der Realität entsprechen, weil es unmöglich scheint, dass eine derartig gewaltige Volkswirtschaft auf die Zehntelstelle nach dem Komma genau so intensiv wächst, wie es die Regierung im Vorfeld avisiert hat, hat sicher ihre Berechtigung. Aber wäre das ein Argument, um China als Investmentziel einfach auszuklammern? Sicher nicht.

Dort finden sich immens spannende Unternehmen, in die zu investieren sich alleine deswegen lohnt, weil dieses Land ein faszinierendes Wachstumspotenzial hat. Und ob das Zahlenwerk der Konjunkturdaten etwas „positiv gerechnet“ ist oder nicht, die sukzessive Zunahme der Importe und Exporte, in den folgenden Charts abgebildet über die letzten 20 Jahre, macht sehr deutlich, wie kräftig die chinesische Wirtschaft wächst, was natürlich auch für den Binnenkonsum gilt.

Die Wachstumsraten würden selbst dann höher liegen als in den etablierten Wirtschaftsräumen, wenn sie ganze zwei Prozent niedriger wären als angegeben – und derart deutlich überzieht man auch dort nicht. Das Tempo des Bruttoinlandsprodukt-Wachstums nimmt zwar ab. Aber das bedeutet ja nicht, dass die Wirtschaft schrumpft, sie wächst nur langsamer. Und das ist nach so vielen Jahren starken Wachstums auch gar nicht anders möglich.

Besonders wichtig ist für einen Investor der Aspekt, dass China längst nicht mehr die „Filiale“ europäischer und US-amerikanischer Unternehmen ist, abhängig von deren Maschinen und Knowhow. Auch, wenn vieles aus dem Bereich europäischer und US-amerikanischer Waren kopiert wird, was vor allem die US-Regierung derzeit lautstark beklagt: Mittlerweile ist das Reich der Mitte so weit, dass viele Innovationen aus China kommen und, das ist noch bedeutsamer, die chinesische Wirtschaft ist weniger abhängig von den USA, Europa und Japan, als es diese drei Wirtschaftsräume untereinander sind.

Risikofaktoren Rezession und Handelskrieg?

Das starke Wachstum Chinas störte in den letzten Jahren vor allem den Hauptkonkurrenten um die Dominanz in der Weltwirtschaft, die USA. Doch zum einen ist es den USA nie gelungen, Chinas Exportüberschuss spürbar zu reduzieren. Zum anderen wurde im Januar 2020 mit dem sogenannten „Phase I-Deal“ eine Art Burgfrieden geschlossen, der derzeit vor allem deswegen hält, weil China ebenso wie die USA genug Probleme damit haben, aus der Rezession heraus zu kommen. Streit um Im- und Exportquoten kann man da nicht gebrauchen. Sollte Donald Trump nicht wiedergewählt werden, dürfte dieser politische wie wirtschaftliche Druck auf China ohnehin spürbar nachlassen.

Was die Risiken angeht, die von der durch den Lockdown losgetretenen Rezession ausgehen, könnte China eine Sonderstellung haben. Das Wort „könnte“ ist hier zwingend, weil in einer solchen Situation der oben angesprochene Aspekt, dass die Konjunkturdaten, die aus China kommen, tendenziell etwas aufgerundet werden könnten, eine größere Rolle spielt. Aber wenn Sie sich die nachfolgenden beiden Charts ansehen, wird eines deutlich:

Durch den Umstand, dass China seine Wirtschaft früher als der Rest der Welt heruntergefahren, aber auch wieder hochgefahren hat, entstand ein markanter Vorteil. Der Export konnte schnell wieder aufgenommen werden und bediente Märkte, in denen die eigenen Unternehmen wegen des Lockdowns nicht produzieren und liefern konnten. Das schlug sich beim Bruttoinlandsprodukt des zweiten Quartals 2020 bereits nieder. In China wurde schon wieder ein Wachstum im Vergleich zum zweiten Quartal 2019 erreicht, während das Bruttoinlandsprodukt in den USA um 9,1 Prozent unter dem Level des Vorjahresquartals lag.

Dieser Zeitvorteil zeigt sich auch in der chinesischen Industrieproduktion. Während der heißen Phase des US-Handelskriegs hielt sich die Produktion solide auf Wachstumsniveau. Und nach dem scharfen Einbruch durch den Lockdown lag die Industrieproduktion im August bereits wieder auf einem Niveau, das 5,6 Prozent über dem des Vorjahresmonats lag.

Trotzdem sollte man sich als Anleger darüber im Klaren sein, dass das Risiko für die chinesische Wirtschaft deswegen nicht völlig vom Tisch ist. Der Binnenkonsum, gemessen am chinesischen Einzelhandelsumsatz, bleibt unter dem Level des Vorjahres, das ist auffällig. Die Rückkehr des Wachstums basiert vor allem auf dem rasanten Hochfahren der Produktion und dem Exportboom.

Der basierte im zweiten Quartal auf den Produktionsausfällen im Rest der Welt und darauf, dass viele chinesische Waren in den USA und Europa billiger sind als die heimischen und daher in einer kritischen Phase, in der viele sparen müssen, bevorzugt werden. Das muss aber nicht so bleiben.

Man muss berücksichtigen, dass das Ende des Lockdowns in den USA und Europa ebenso wie die derzeit angelaufene wirtschaftliche Erholung im Rest der Welt die Notwendigkeit, auf billige Waren zurückzugreifen, reduziert. Und so autark sich China auch in den vergangenen Jahrzehnten gemacht hat, der Export bleibt eine entscheidende Größe. Man sollte daher aus Chinas momentan günstiger Position im Welthandel nicht darauf schließen, dass das Wachstum, die Unternehmensgewinne und damit am Ende der Kette der dortige Aktienmarkt keinen Risiken mehr unterliegen würde.

Chancen und Risiken: Der chinesische Aktienmarkt 2020

Der chinesische Aktienmarkt, im folgenden Chart dargestellt durch den wichtigen, als Leitindex anzusehenden Shanghai Composite Index, war 2018 durch die Entwicklung des US-Handelskriegs deutlich unter Druck geraten. Doch als die Investoren feststellten, dass sich die chinesische Wirtschaft ebenso wie die politische Führung nicht unterkriegen ließ, kamen sie 2019 zurück. 2020 kam es nur zu einer kurzen, heftigen Reaktion auf den Lockdown und die Pandemie, bevor der Shanghai Composite schnell auf neue Jahreshochs stieg. Derzeit hat er seinen Anstieg aber an einer Widerstandslinie gestoppt. Es wäre zu überlegen, Positionen im chinesischen Aktienmarkt erst dann aufzubauen bzw. auszuweiten, wenn diese Hürde genommen wurde, denn:

Anfang Juli kam es zu einem starken und weitreichenden Kurssprung, als halbstaatliche chinesische Medien den Markt gezielt „pushten“. Diese Kaufwelle konsolidiert sich derzeit. Und diese Korrektur könnte durchaus noch andauern, sofern es im Oktober keine positiven Überraschungen in Sachen Wachstum geben sollte. Hinzu kommt, dass der Exportvorteil Chinas auch auf einer sukzessiv zu US-Dollar und Euro schwächeren Landeswährung basierte. Je schwächer die eigene Währung ist, desto größer sind die erzielten Renditen beim Verkauf chinesischer Waren im Ausland. Doch derzeit ist es der US-Dollar, der zum chinesischen Yuan schwächer geht, wie der folgende Chart zeigt:

Der US-Dollar verliert derzeit zu allen anderen wichtigen Weltwährungen an Boden. Das ist zweifellos politisch gewollt, die USA versuchen so, die Probleme, die man dort mit der Rückkehr zum Wachstum hat, zu mildern. China hatte seinen Yuan in den Jahren zuvor als Gegenmaßnahme zu den US-Strafzöllen abgewertet, um den Nachteil der Strafzölle durch eine schwache Währung auszugleichen. Jetzt kehrt sich diese Entwicklung um. Das hat zwar den Vorteil, dass die USA sich nicht mehr über eine „unfaire“ Abwertung des Yuan beschweren können, aber die Unternehmensgewinne der chinesischen Exporteure werden dadurch zweifellos gedrückt. Das ist ein Faktor, der sich zwar jederzeit umkehren könnte, d.h. der Yuan könnte wieder fallen, der US-Dollar wieder anziehen. Grundsätzlich ist der Aspekt Export/Währung aber einer, den man bei der Auswahl der Aktien, in die man in China investieren möchte, berücksichtigen sollte.

Risikobereiche meiden

Auch, wenn China den Handelskrieg (der derzeit zwar pausiert, aber wieder aufflackern könnte) gut überstanden hat und die Wirtschaft bereits im Frühjahresquartal wieder zulegen konnte: Wie eingangs schon erwähnt, muss man Investments in China trotzdem besonnen angehen. Vor allem ein Risikofaktor existiert, den man am besten umgehen sollte: die rapide steigende Verschuldung der Unternehmen und der Privathaushalte. Man wächst immens auf Pump und begeht damit einen Fehler, der auch in den USA alle paar Jahre wieder für heftige Turbulenzen in der Wirtschaft sorgt. Was bedeutet:

So gigantisch viele chinesische Banken auch geworden sind, da sollte man als Anleger Vorsicht walten lassen, auch, wenn der regulierende Arm der Regierung sehr weit reicht und man dort versucht, die Risiken eines Kollapses zu verringern, indem man z.B. die Mindesteinlagesätze mehrfach gesenkt hat. Die Finanzbranche in China wirkt fragil. Auch Immobilien-Aktien und Telekommunikation (letzterer Bereich vor allem wegen des Drucks auf Huawei) sind in China zumindest derzeit noch riskanter als anderswo.

Die besten China Aktien 2020

Besser ist es, sich Aktien von Unternehmen anzuschauen, die vom in die Breite gehenden Fortschritt beim Einkommen der Chinesen profitieren, aber auch eine internationale Ausrichtung haben. Und um Ein- und Ausstieg in die Aktien zu erleichtern, sollten sie in jedem Fall entweder in den USA oder in Europa handelbar sein. Dabei muss man sich aber nicht auf Alibaba und Baidu beschränken, die mittlerweile fast allen Anlegern bekannt sind. Unsere Kandidaten sind ebenfalls in den USA und Deutschland handelbar, wobei wir für die nachfolgenden Charts die Dollar-Notierungen gewählt haben, weil in den USA die Umsätze höher sind.

Wir stellen Ihnen nachfolgend eine kleine Auswahl aus sechs chinesischen Aktien vor, die derzeit interessant sind. Die Charts zeigen die Aktien auf Wochenbasis und erfassen einen Zeitraum von fünf Jahren. Das sind aber keineswegs die einzigen interessanten chinesischen Aktien. Und denken Sie bitte zudem daran, dass diese Auswahl eine Momentaufnahme Mitte September 2020 darstellt, die Rahmenbedingungen und charttechnischen Konstellationen unterliegen einem steten Wandel.

Alibaba: Hansdampf in allen Gassen

Alibaba (ISIN: US01609W1027- Symbol: BABA – Währung: USD) wird von vielen „nur“ als Online-Händler gesehen. Aber das Unternehmen ist deutlich mehr als das. Viele verschiedene Sektionen richten sich an die unterschiedlichen Bedarfsgruppen. Es finden sich spezielle Plattformen für den Großhandel, den Einzelhandel und den Endverbraucher, wobei zudem mit „Taobao“ eine Auktionsplattform für gebrauchte Artikel im Stil von eBay existiert. Hinzu kommen u.a. mit „Alipay“ ein eigenes Bezahlsystem und mit „Ant Financial“ ein eigener Finanzdienstleister. Alibaba generiert stetig steigende Umsätze und bewegt sich im Gegensatz zu Amazon schon seit Jahren stabil in der Gewinnzone.

Alibaba kann seit Jahren stetig steigende Umsätze und Gewinne vorweisen und etabliert sich in mehr und mehr Regionen der Welt. Der Aktienkurs folgt der beeindruckenden Gewinnentwicklung, man hegt aber auch die Erwartung, dass das Unternehmen einige seiner Sparten als sogenannte „Spinoffs“ an die Börse bringen wird. Aktuell, im September 2020, rechnet man damit, dass die Finanzsparte „Ant Financial“ noch im laufenden Jahr an die Börse gehen wird.

Tencent: Der Allrounder

Außerhalb Chinas operiert Tencent (ISIN: KYG875721634 – Symbol: TCEHY – Währung: USD) eher wenig, daher ist das Unternehmen in Europa weniger bekannt. Aber in China selbst kennt Tencent so ziemlich jeder, denn es handelt sich hier um einen Internet-Allrounder der besonderen Art. Basis ist zwar die Instant-Message-Plattform QQ, aber letzten Endes betreibt Tencent ein Online-Portal, das Shopping, Online-Payment, verschiedenste Internet- und Kommunikationslösungen und mehr bietet. Aber das ist nur ein großes Standbein, denn:

Tencent hält eine dreistellige Zahl wichtiger Patente und betätigt sich als Investor in Technologieunternehmen weltweit. So breit gestreut wie die eigene Angebotspalette investiert Tencent auch sein Kapital und wirkt dadurch wie ein Internetunternehmen, das sich in eigener Rechnung zugleich als cleverer Investmentfonds betätigt. Und das rechnet sich – die Bilanzdaten von Tencent sind eine beeindruckende Erfolgsgeschichte:

Umsatz und Gewinn steigen seit Jahren kontinuierlich. Auch im Krisenjahr 2020 steigen Umsatz und Gewinn. Und mit umgerechnet ca. 70 Milliarden US-Dollar Umsatz in 2020 (durchschnittliche Analystenschätzung per September 2020) gehört Tencent längst zu den größeren Playern im Bereich des Internet-Geschäfts. Der Chart zeigt der Kurs des Tencent-ADR (ADR = American Depository Receipt) in US-Dollar. Auch hier findet man, ebenso wie bei Alibaba, einen volatilen, aber seit Jahren intakten Aufwärtstrend vor.

Lenovo: Hightech made in China

Die Marke dürfte den meisten bekannt sein: Lenovo (ISIN: US5262501050 – Symbol: LNVGY – Währung: USD) gehört zu den Großen im Bereich der Computer- und Smartphone-Hersteller. Die stattliche Marktpräsenz allein aber ist in dieser konjunktursensiblen und zugleich konsumentenorientierten Branche kein effektiver Schutz gegen eine sehr volatile Gewinnentwicklung. In den letzten Jahren pendelte das Unternehmen zwischen der Gewinn- und Verlustzone hin und her, während die hier als ADR in US-Dollar abgebildete Aktie einen bis Sommer 2018 dauernden, markanten Abschwung vollzog. Seither versucht sich Lenovo an einer Bodenbildung.

Diese gestaltet sich derzeit recht vielversprechend. Die Aktie drehte im Frühjahr 2020 genau auf Höhe des Jahrestiefs 2018 und überwand zuletzt einen mittelfristigen Abwärtstrend. Zugleich hat sich die Entwicklung von Umsatz und Gewinn des Unternehmens in den letzten zwei Jahren deutlich stabilisiert bzw. aufgehellt. Dennoch, der Chart zeigt es deutlich: Lenovo ist eine spannende, aber auch sehr volatile und damit spekulative Aktie!

China Southern Airlines: Airline-Gigant und Turnaround-Chance

Der Name führt ein wenig in die Irre, denn er klingt ein wenig nach einer eher regionalen Airline. Aber es ist nicht nur so, dass China Southern Airlines (ISIN: CNE1000002T6 – Symbol: ZNH – Währung: USD) die China Northern Airlines und China Xinjiang Airlines 2003 geschluckt hatte und dieses „Southern“ eigentlich überflüssig wäre. China Southern Airlines ist auch über China hinaus ein Riese. Denn in Bezug auf die Passagierzahlen ist China Southern Airlines die weltweit drittgrößte Airline und die größte in Asien.

Das Unternehmen fliegt Ziele weltweit an und hat eine schnell wachsende Flugzeugflotte von 620 Maschinen, die im Schnitt weniger als sieben Jahre alt sind. Natürlich wurde auch China Southern Airlines vom weltweiten Lockdown hart getroffen und leidet derzeit an der Rezession in großen Teilen der Welt und dem momentanen, starken Rückgang des Tourismus. Aber die Analysten sind mehrheitlich optimistisch, dass die Airline bereits im kommenden Jahr in die Gewinnzone zurückkehren wird. Und diese Chance auf einen Turnaround sehen auch die Investoren, wie der Chart der Aktie zeigt:

Die Aktie, hier im Chart in US-Dollar, war zwar im Zuge der Corona-Panik Anfang des Jahres durch die mehrere Jahre lang immer wieder angelaufene und verteidigte Unterstützungszone um 25 US-Dollar gefallen, konnte diese aber im August zurück erobern und hat zuletzt sogar die mittelfristige Abwärtstrendlinie überwunden. Eine äußerst spannende Konstellation, die aber, wie immer, wenn es um Turnaround-Situationen geht, zugleich sehr spekulativ ist!

JD.com: Der Super-Shop

Weitgehend nimmt man hierzulande an, dass die Online-Handelsplattform Alibaba in China vergleichbar dominant sei wie amazon.com im Rest der Welt. Aber das ist ein Irrtum. JD.com (ISIN: US47215P1066 – Symbol: JD – Währung: USD) ist im höheren Preissegment des Onlinehandels, z.B. bei Elektrogeräten und Luxusartikeln, in China führend und ist daher, rein vom Umsatzvolumen her betrachtet, deutlich größer als Alibaba. Zwischen den beiden Unternehmen herrscht ein harter Konkurrenzkampf, wobei JD.com mit Tencent, Alphabet oder Baidu in einigen Bereichen kooperiert, um Alibaba in den eigenen Kernhandelsbereichen auf Distanz zu halten.

Jahrelang hinkte die Entwicklung des JD.com-Aktienkurses aber der Alibaba-Aktie hinterher. Das lag daran, dass JD.com ähnlich wie einst amazon.com auf Kosten der Gewinne wuchs, den Ausbau der Marktstellung also über die Profite stellte. Doch 2019 hatte das Unternehmen eine markante Gewinnsteigerung verbucht. Und die aktuelle Tendenz im September deutet an, dass die Gewinne im Jahr 2020 trotz Pandemie und der in weiten Teilen der Welt wütenden Rezession weiter ausgebaut werden. Als sich das im Frühjahr abzeichnete, wurde die JD.com-Aktie zur Kursrakete. Kurzfristig wirkt die Aktie überhitzt, mittelfristig ist JD.com aber ein spannendes Investment, das man sich in die Watchlist legen kann, um in Korrekturen den Einstieg zu erwägen.

NIO: Das große Wagnis

NIO (ISIN: US62914V1061 – Symbol: NIO – Währung: USD) mit Sitz in Shanghai wurde 2014 gegründet und ist, salopp ausgedrückt, angetreten, um Tesla das Fürchten zu lehren. NIO entwickelt Elektrofahrzeuge in den gleichen Kategorien, d.h. im Bereich eleganter und zugleich sportlicher Fahrzeuge in der gehobenen Mittelklasse und hat mit dem EP9 auch einen Supersportwagen gebaut. Im September 2018 ging NIO in den USA an die Börse. Wird NIO eine Konkurrenz für Tesla?

Das stand vor einem Jahr noch völlig in den Sternen, aber mittlerweile geht bei NIO einiges voran. Die Modellpalette wächst, der Umsatz steigt schnell, die Verluste verringern sich. Das ist den Anlegern nicht entgangen: Die Aktie, die bei unserem vorherigen Update des Artikels im Januar noch um 3,50 US-Dollar notierte, ist seit Mai massiv gestiegen. Aber trotzdem gilt: Das Unternehmen steckt noch in der ersten Wachstumsphase und könnte ebenso zu einem Börsenstar werden wie scheitern. NIO ist eine spannende Story, aber immens spekulativ und nichts für Investoren, sondern nur für risikofreudige Spekulanten!

Fazit China Aktien

Abschließend sei noch einmal betont: Ein Investment in chinesische Aktien ist trotz des Wachstums dieses Marktes und der beeindruckenden Chancen eine spekulative Angelegenheit, die man mit der angemessenen Vorsicht und moderatem Kapitaleinsatz angehen sollte.

Lieber per ETF in China investieren? In unserer Rubrik ETF der Woche stellen wir auch immer wieder interessante China ETFs vor.

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Charts vom 16.09.2020, Charts von marketmaker pp4 (1-6) und TWS (7-12)

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Ronald Gehrt, Chart- & Fundamentalanalyst | LYNX Börsenexperten
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