KI ist gekommen, um zu bleiben. Und sie wird vieles verändern. Die entscheidende Frage ist nicht mehr ob, sondern wie viele Jobs auf der Strecke bleiben könnten.
Wenn Wachstum keine Jobs mehr schafft
KI. KI. KI. Wer bereits an dem Punkt angekommen ist, dass er es nicht mehr hören kann, für den habe ich schlechte Nachrichten. Das Thema wird nicht verschwinden und die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen werden so dramatisch sein, dass sie sich wohl niemand vorstellen kann.
Was genau geschehen wird, kann leider auch niemand vorhersagen.
In den nächsten Jahren könnte es in vielen Branchen erhebliche Produktivitätssteigerungen geben. Bei vielen Unternehmen könnten dadurch die Gewinne stark steigen, andere könnten disruptiert werden.
Der Arbeitsmarkt könnte jedoch eine Katastrophe werden. Der CEO von JPMorgan geht beispielsweise davon aus, dass das Geldhaus in fünf Jahren weniger Mitarbeiter haben wird als heute – trotz Wachstum.
Die Zahl der Arbeitsplätze wird nicht nur bei Banken sinken, sondern auch in anderen Bereichen stagnieren oder sinken.
Am härtesten trifft es die Jobs, die unmittelbar durch KI ersetzt werden oder deren Produktivität am stärksten steigt. Kann ein Programmierer dank KI-Unterstützung die Arbeit von drei Programmierern erledigen, könnten zwei ihren Job verlieren.
Viele wollen das nicht wahrhaben und glauben nicht an diese Theorie. Denn bisher lief es immer anders.
KI unterscheidet sich jedoch deutlich von vielen vorherigen technischen Neuerungen.
Was bleibt dann noch für den Menschen?
Die industrielle Revolution hat zwar die Zahl der Arbeiter in der Landwirtschaft drastisch reduziert, aber gleichzeitig auch neue Jobs geschaffen.
Die Automatisierung der Industrie hat unzählige Arbeitsplätze („Blue Collar“) in der Industrie ersetzt, aber glücklicherweise kam das Internet-Zeitalter und hat Jobs im Technologie-Umfeld („White-Collar“) geschaffen.
KI ersetzt aber auch “White-Collar” Jobs. Wenn also ein bedeutender Teil der körperlichen Tätigkeiten (“Blue-Collar”) durch Automatisierung und zukünftig durch Roboter ersetzt werden und gleichzeitig immer mehr geistige Tätigkeiten (“White- Collar”) durch KI, was bleibt dann noch für den Menschen?
Natürlich wird das nicht jede Branche und alle Berufe im selben Umfang betreffen. Aber die Auswirkungen davon sind längst sichtbar. Die Neueinstellungen in den USA kleben seit Monaten am Boden, obwohl die Wirtschaft wächst.
Außerhalb von Rezessionen schafft die US-Wirtschaft in der Regel mehr als 200.000 neue Jobs pro Monat. Das ist seit langer Zeit der Fall und so war es auch in den letzten Jahren.
Aktuell geschieht das aber nicht mehr.
Eine stille Zeitenwende
Die US-Wirtschaft dürfte in diesem Jahr um 2,5 % wachsen. Der Gewinn der S&P500-Unternehmen soll sogar um 14 % steigen.
Von Krise keine Spur – und trotzdem werden keine neuen Stellen geschaffen. Aktuell zeichnet sich also eine neue Entwicklung ab.
Ich würde mich selbst als Daueroptimist bezeichnen. Aber ein mögliches Szenario ist ein struktureller Anstieg der Arbeitslosigkeit bei gleichzeitig steigender Profitabilität der Unternehmen.
Dass das sozialen Sprengstoff mit sich bringt, dürfte klar sein.
Wir werden uns wohl darauf gefasst machen müssen, dass Schlagzeilen, wie die von Block (ehemals Square) keine Einzelfälle bleiben werden.
Realistisch betrachtet ist es jedoch ebenso herausfordernd für den Arbeitsmarkt, wenn Unternehmen nicht mehr einstellen. Es ist leiser, aber faktisch ähnlich wie umfangreiche Entlassungen. Dafür gibt es bereits etliche Beispiele.
Alphabet hat 2024 beispielsweise ein Umsatzwachstum von 14 % erzielt, die Zahl der Mitarbeiter ist jedoch nur von 182.502 auf 183.332 gestiegen – also um 0,4 %.
Im Geschäftsjahr 2025 kletterte der Umsatz um 15 % und die Zahl der Mitarbeiter um 4 %.
Damit die Zahl der Mitarbeiter in beiden Jahren nur halb so stark wie der Umsatz gestiegen wäre, hätte Alphabet knapp 20.000 Mitarbeiter mehr einstellen müssen.
Es gibt etliche andere Unternehmen, bei denen ähnliches beobachtet werden konnte. Trotz Wachstum stagniert die Zahl der Mitarbeiter oder steigt nur leicht.
Massenentlassungen als Strategie
Der US-Zahlungsdienstleister Block hat am Donnerstag angekündigt rund 40 Prozent der Belegschaft zu entlassen.
Das Unternehmen, zu dem unter anderem Square und Cash App gehören, will seine Mitarbeiterzahl von über 10.000 auf knapp unter 6.000 reduzieren.
„Heute haben wir unserem Team eine schwierige Entscheidung mitgeteilt“, schrieb Dorsey in einem Brief an die Aktionäre. „Wir reduzieren Block um nahezu die Hälfte.“
(Jack Dorsey, Block’s co-founder and CEO: „Today we shared a difficult decision with our team. We’re reducing Block by nearly half, from over 10,000 people to just under 6,000, which means that over 4,000 people are being asked to leave.” Quelle)
Als zentralen Grund für den radikalen Schritt nannte Dorsey die rasanten Fortschritte bei Künstlicher Intelligenz.
Während der Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen erklärte Dorsey, ihm sei im Dezember des vergangenen Jahres klar geworden, wie leistungsfähig KI-Modelle inzwischen geworden seien. Sollten derzeit noch Lücken beim KI-Einsatz bestehen, dann handele es sich eher um „Anwendungslücken“ als um technologische Defizite.
Dorsey: Das ist erst der Anfang
Block setzt künftig verstärkt auf kleinere, hochqualifizierte Teams, die mithilfe von KI mehr Aufgaben automatisieren und schneller arbeiten können. Ziel sei es, Effizienzgewinne konsequent zu nutzen und Entscheidungsprozesse zu beschleunigen.
Dorsey geht davon aus, dass viele andere Unternehmen ähnliche strukturelle Anpassungen vornehmen werden. „Innerhalb des nächsten Jahres wird die Mehrheit der Unternehmen zu demselben Schluss kommen und vergleichbare Veränderungen umsetzen“, sagte er.
Die Ankündigung von Block unterstreicht damit einen breiteren Trend in der Technologiebranche: Der Einsatz von KI wird nicht nur als Innovationsmotor, sondern auch als Hebel zur Kostensenkung und Effizienzsteigerung verstanden.
Die Börse jubelt. Noch.
Der Aktienkurs von Block ist nach dieser Ankündigung deutlich gestiegen. Aktuell notiert die Aktie vorbörslich 19 % im Plus bei 64,92 USD. In welchem Umfang das auf die Kündigungen oder die Quartalszahlen und den Ausblick zurückzuführen ist, ist schwer zu sagen.
Mit einem Gewinn von 0,65 USD je Aktie wurden die Erwartungen erfüllt. Der Umsatz lag mit 6,25 Mrd. USD knapp unter den Schätzungen von 6,28 Mrd. USD.
Auf Jahressicht konnte der Umsatz zwar nur um minimal gesteigert werden, das Ergebnis jedoch um 38 %.
Noch überzeugender dürfte der Ausblick gewesen sein. Für 2026 stellt Block einen Anstieg der operativen Marge von 17 auf 26 % und einen Gewinn von 3,66 USD je Aktie in Aussicht, was einem Anstieg um 54 % entsprechen würde.
Bisher war man lediglich von 3,20 USD je Aktie ausgegangen.
Block kommt demnach auf eine forward P/E von 14,9 oder 17,7. Je nachdem, ob man den gestrigen Schlusskurs, oder den aktuellen vorbörslichen Kurs als Basis wählt.

Kann der Kurssprung im regulären Handel bestätigt werden, könnte das den Weg in Richtung 72 USD freimachen. Darüber käme es zu einem Kaufsignal mit möglichen Kurszielen bei 80, 85 und 93 USD.
Fällt die Aktie hingegen unter 60 USD zurück, haben die Bullen ihre Chance vorerst vertan. In diesem Szenario sind weitere Kursverluste in Richtung 50 – 52 USD möglich.
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