Carl Zeiss Meditec Aktie Prognose Carl Zeiss Meditec: Kursziel 67,70 Euro … im Ernst?

News: Aktuelle Analyse der Carl Zeiss Meditec Aktie

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Carl Zeiss Meditec
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Im Zuge des „Corona-Crashs“ brach die Carl Zeiss Meditec-Aktie im März 2020 auf ein Tief von 67,70 Euro ein. Rein charttechnisch betrachtet wäre das jetzt das nächste Kursziel der Aktie. Aber kann der Kurs ernsthaft so weit abrutschen?

Seit das Medizintechnikunternehmen Carl Zeiss Meditec am 4. August seine Neun-Monats-Ergebnisse für das mittlerweile seit dem 30.9. beendete Geschäftsjahr 2022/2023 vorgelegt hatte, wurden von den Analysten zahlreiche neue Kursziele vergeben. Das niedrigste liegt bei 90 Euro, das höchste bei 175 Euro. Was heißt: Die Aktie notiert derzeit sogar deutlich unter dem niedrigsten Kursziel aller Experten. Aber das scheint den Abstieg nicht aufzuhalten. Und wollte man nicht fundamental, sondern rein charttechnisch urteilen, müsste man konstatieren: warum auch?

Carl Zeiss Meditec Aktie: Chart vom 12.10.2023, Kurs 78,88 Euro, Kürzel: AFX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Carl Zeiss Meditec Aktie: Chart vom 12.10.2023, Kurs 78,88 Euro, Kürzel: AFX | Quelle: TWS

Denn wir sehen im Chart, dass sich der Kurs seit dem Frühjahr in einem nie gefährdeten, keilförmigen Abwärtstrend bewegt. Und außer diesem vorgenannten 2020er Corona-Crash-Tief bei 67,70 Euro findet sich unter dem aktuellen Kursniveau keine potenzielle Auffanglinie. Hinzu kommt, dass die untere Begrenzungslinie des Abwärtstrendkanals dieses 2020er-Tief Anfang November erreichen würde. Ein Ziel, das für bärische Trader lukrativ und auf der Zeitachse nahe genug ist, um den Druck aufrechtzuerhalten. Aber gehört die Aktie denn überhaupt auf ein derart tiefes Niveau, nachdem man vor kaum mehr als zwei Jahren zeitweise mehr als 200 Euro für eine Carl Zeiss Meditec-Aktie auf den Tisch legen musste?

Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur Carl Zeiss Meditec Aktie finden Sie hier.

Expertenmeinung: Die Analysten sehen das nicht so. Selbst das niedrigste unter den aktuellen Kurszielen liegt wie gesagt mit 90 Euro höher, der Schnitt der Kursziele findet sich bei 115 Euro.  Ein Level, der rein vom Chartbild her durchaus erreichbar sein könnte, immerhin bewegt sich nur knapp darunter die 200-Tage-Linie, die eine Aktie mittelfristig immer mal wieder ansteuert. Und aus fundamentaler Sicht?

Lange Zeit hatte diese Aktie wie alle aus der Medizintechnikbranche eine Achillesferse: Weil man zu lange davon ausging, dass die eine Zeitlang rasant gestiegenen Unternehmensgewinne auch in den nächsten Jahren wie auf Schienen weiter steigen würden, war die Bewertung über das Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) viel zu hoch, zeitweise kratzte die Aktie an einem dreistelligen KGV. Aber jetzt eben nicht mehr. Selbst der von den Analysten ja bereits einkalkulierte Gewinnrückgang im Geschäftsjahr 2022/2023 führt auf diesem Kursniveau nur noch zu einem KGV von etwa 27. Was aber immer noch hoch wäre, falls die Gewinne im angelaufenen Geschäftsjahr 2023/2024 nicht wieder zulegen sollten. Und wie sieht es dahingehend aus?

Das wird man vermutlich nicht vor dem 12. Dezember erfahren, wenn die Bilanz des Geschäftsjahres 2022/2023 ansteht und Carl Zeiss Meditec mit einem Ausblick auf das dann ja bereits fast ein Quartal alte Geschäftsjahr 2023/2024 aufwarten wird. Aber bis dahin sind es noch ganze zwei Monate. Was heißt: Die Bären würden vorerst eher nicht mit Argumenten konfrontiert, die gegen sie sprechen. Daher:

Es ist zwar aus aktueller, fundamentaler Sicht nicht gerechtfertigt, dass die Carl Zeiss-Meditec Aktie wirklich auf dieses Tief bei 67,70 Euro fällt, aber solange den Short-Sellern, sprich den Bären, nicht die Butter vom Brot genommen wird, indem die Aktie den Abwärtstrendkanal sprengt, ist ein Test dieses charttechnischen Kursziels tatsächlich denkbar. Jetzt einzusteigen, ohne Indizien für eine machtvolle Rückkehr der Käufer, wäre somit äußerst gewagt.

Quellenangaben:
Neun-Monats-Zahlen Geschäftsjahr 2022/2023, 04.08.2023:
https://www.zeiss.de/meditec-ag/presse-und-aktuelles/pressemitteilungen/2023/quartalskommunikation-geschaeftsjahr-3-2022-23.html

Analysten-Kursziele:
https://www.zeiss.de/meditec-ag/investor-relations/carl-zeiss-meditec-aktie.html#research-coverage

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Vorherige Analysen der Carl Zeiss Meditec Aktie

Der Umsatz stieg, die Marge fiel, der Gewinn damit dann auch: So wie die Anfang Mai vorgelegten Halbjahreszahlen von Carl Zeiss Meditec sehen derzeit die Bilanzen vieler Unternehmen aus. Trotzdem hielt die Aktie eine entscheidende Supportzone … bis gestern.

Die letzte Bilanz war keine gute. Und dass da einige auf dem falschen Fuß erwischt wurden, zeigte sich bei deren Vorlage am 9. Mai: Die Carl Zeiss Meditec-Aktie beendete diesen Tag satte 8,4 Prozent tiefer. Da rang man noch mit der Supportlinie bei 111,30 Euro. Die hielt zwar am Ende nicht, aber da war ja noch die immens massiv wirkende Zone 101,75/104,70 Euro, die zwischen Mai und September 2022 dreimal angelaufen wurde … und dreimal hielt. Und in der Tat gelang es, diesen Bereich Ende Mai zu halten. In der Folge kam es zu einer kleinen Gegenbewegung … die indes schnell versandete. Die Aktie fiel erneut an, in und jetzt auch noch unter die Zone 101,75/104,70 Euro. Was ist passiert?

Zunächst einmal blieb die Gewinnwarnung bei Sartorius nicht ohne Wirkung auf die anderen Aktien der Branche. Man erkannte, dass die Überzeugung, die Medizintechnik-Unternehmen würden einer schwachen Konjunktur widerstehen, zu optimistisch war. Aber den „Todesstoß“ für die Unterstützungszone dürfte das neue Kursziel des Bankhauses Metzler gewesen sein. Dort nahm man das Kursziel gestern nämlich gleich „mit der großen Kelle“ zurück, von zuvor 177 auf 100 Euro. Dass man die Aktie nach zuvor „Kaufen“ immerhin noch mit „Halten“ einstufte, half nichts. Was nicht wundert, denn:

Expertenmeinung: Durch dieses neue Kursziel erkannten viele Trader, dass da in der Branche wirklich etwas anbrennen könnte. Vor allem eines könnte einigen aufgefallen sein: Metzler hatte eine Woche zuvor auch das Kursziel für die Sartorius-Aktie gesenkt, aber das zum einen deutlich weniger, zum anderen hielt man bei Sartorius, wo es wie gesagt zu einer Gewinnwarnung gekommen war, an der Einschätzung „Kaufen“ fest. Hier nicht. Ob das bedeutet, dass die Ergebnisse des 3. Quartals fatal ausfallen (Geschäftsjahresende ist hier immer der 30.9., die Zahlen werden am 4.8. erwartet), bleibt zwar offen. Aber solche massiv veränderten Einschätzungen rütteln natürlich auf. Und eines dürfte vielen klar sein:

Auch, wenn die Carl Zeiss-Aktie auf Basis der momentanen Gewinnprognose für das Geschäftsjahr 2022/2023 mit einem Kurs/Gewinn-Verhältnis von 35 weit niedriger bewertet ist, also noch vor knapp zwei Jahren, als hier Kurs/Gewinn-Verhältnisse nahe dem dreistelligen Bereich erreicht wurden:

Wenn die momentan noch verbreitete Erwartung von ab 2024 wieder deutlich steigenden Unternehmensgewinnen platzen sollte, wäre auch diese Bewertung noch viel zu hoch. Kein Wunder also, dass das neue Kursziel für viele den Griff zur Reißleine bedeutete.

Zwar könnte man hoffen, dass der Durchmarsch unter diese Supportzone 101,75/104,70 Euro nur durch ausgelöste Stop Loss-Verkaufsorders so massiv ausfiel und die Aktie jetzt, da diese Orders abgearbeitet sind, erst einmal wieder in und vielleicht auch über diese Zone läuft. Aber selbst wenn, wackelt das Bild, das sich viele Anleger von der Aktie und den Perspektiven gemacht haben. Daher wäre man auf der sichereren Seite, wenn man sich die Frage, ob man womöglich zugreifen sollte, weniger von einer Rückeroberung dieser Zone 101,75/104,70 Euro als von überzeugenden Bilanzdaten am 4. August beantworten ließe.

Carl Zeiss Meditec Aktie: Chart vom 27.06.2023, Kurs: 96,72 Euro, Kürzel: AFX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Carl Zeiss Meditec Aktie: Chart vom 27.06.2023, Kurs: 96,72 Euro, Kürzel: AFX | Quelle: TWS

Quellenangaben: Halbjahresergebnis 2022/2023, 09.05.2023: https://www.zeiss.de/meditec-ag/presse-und-aktuelles/pressemitteilungen/2023/halbjahreskommunikation-geschaeftsjahr-2022-23.html

Carl Zeiss Meditec ist eine bahnbrechende Verbesserung der Lasik-Augen-OP gelungen. Das könnte auf Jahre hinweg zu einem beschleunigten Wachstum führen.

Maßstab der Augenheilkunde

Carl Zeiss Meditec ist weltweit führend in der Behandlung von Augenkrankheiten, am bekanntesten ist man für Augenlaser Lasik.

Carl Zeiss Meditec ist die einzige börsennotierte Tochter der Zeiss Gruppe, die auch in anderen Bereichen der Optik und Optoelektronik weltweit führend ist.
Die einzelnen Unternehmen sollten jedoch nicht verwechselt werden.

Was alle Sparten eint, ist die Tatsache, dass Zeiss bei einer ganzen Reihe von Themen technologisch weltweit führend ist – und das mit Abstand.

Carl Zeiss Meditec ist bis heute der klare Marktführer im Bereich Augenlaser, obwohl das System seit den 90er Jahren nur geringfügig verbessert wurde. Jetzt steht man allerdings vor einem wahren Umbruch.

Der Erfolg von Lasik ist zwar beeindruckend und es wurden Millionen von Eingriffen damit durchgeführt, damit hat man aber bestenfalls an der Oberfläche des globalen Potenzials gekratzt. Weltweit haben weit mehr als eine Milliarde Menschen eine operable Fehlsichtigkeit.

Quantensprung: Das neue SMILE System

Die Hauptgründe für die Lücke sind Geographie und Kosten. Bisher wurde Lasik aufgrund der Kosten fast nur in Europa und Nordamerika verwendet. Ein weiterer Punkt sind die möglichen Nebenwirkungen, die vor allem Patienten mit leichter Fehlsichtigkeit vor einer Operation zurückschrecken lassen.

Mit dem neuen SMILE System dürfte sich das nachhaltig ändern. Dadurch verkleinert sich die Schnittlänge in die Hornhautschicht des Auges von 20mm auf 2-4mm (Link).

Der Eingriff ist also wesentlich kleiner, geht schneller, die Chance einer Infektion sinkt rapide, die Heilungsdauer verkürzt sich von etwa einem Monat auf wenige Tage und trockene Augen treten wesentlich seltener auf. Es handelt sich also wahrlich um einen Quantensprung.

Man ist der Konkurrenz bei Johnson & Johnson sowie Alcon um Jahre voraus, wenn nicht mehr. Im Endeffekt haben die Rivalen in einigen Bereichen schlichtweg aufgegeben und die Ausgaben für Forschung & Entwicklung zusammengestrichen.

Durchbruch in Asien und beschleunigtes Wachstum

Smile wird Lasik in den bisherigen Märkten mit der Zeit ersetzen und die Expansion in andere Regionen steckt noch in den Kinderschuhen. Lasik/Smile finden beispielsweise in Asien gerade erst Einzug.

Carl Zeiss könnte demnach vor mehreren Jahren des beschleunigten Wachstums stehen.

Dabei wäre keine großartige Beschleunigung notwendig, um das Investorenherz höherschlagen zu lassen.

Carl Zeiss konnte den Umsatz in den zurückliegenden zehn Jahren von 906 Mio. auf 1,90 Mrd. Euro mehr als verdoppeln.

Gleichzeitig hat sich die operative Marge von etwa 15 auf 21% deutlich verbessert und dementsprechend konnte der Gewinn von 1,15 auf 3,29 überproportional gesteigert werden.

Dass die Aktie ein langfristiger Outperformer ist, dürfte sich von selbst verstehen. Zuletzt ist Carl Zeiss trotzdem gehörig unter Druck gekommen, von den Höchstständen bei 200 Euro sind wir weit entfernt.

Aktuell läuft es mittelprächtig, aber…

Die Gründe dafür dürften vor allem zweierlei sein. Am Hoch lag das KGV bei über 70 und war damit so hoch wie nie zuvor, was entsprechenden Korrekturbedarf mit sich brachte.

Doch das Geschäft läuft aktuell auch nicht optimal. In den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres konnte der Umsatz zwar um 14% auf 974,5 Mio. Euro gesteigert werden.

Da man aber massenhaft Mitarbeiter eingestellt hat, die Zahl der Mitarbeiter stieg in nur einem Jahr von 3.752 auf 4.624, und der Auftragsbestand langsam sinkt, war die Profitabilität rückläufig. Das Ergebnis ist von 1,44 auf 1,26 Euro je Aktie gesunken.

Für das Gesamtjahr stellt man derzeit einen Anstieg des Umsatzes von 1,90 auf 2,1 Mrd. Euro in Aussicht, die EBIT-Marge soll allerdings von 21% auf 17-20% sinken.

Das bedeutet, dass der Gewinn den aktuellen Konsensschätzungen zufolge um 11% auf 2,98 Euro je Aktie sinken dürfte.
Das erschwert neue Höhenflüge der Aktie erheblich, das gilt umso mehr, da das KGVe derzeit bei 37,4 liegt.

Das ist nicht das erste Mal

Das ist trotz der enormen Qualität des Unternehmens eine fragwürdig hohe Bewertung.
Das ist zumindest eine Sichtweise auf die derzeitige Lage.

Die Bullen könnten hingegen argumentieren, dass das Geschäftsjahr von Carl Zeiss bereits im September endet und im kommenden Jahr bereits ein Rekordgewinn von 3,55 Euro je Aktie erzielt werden soll.
Dadurch würde das KGVe auf 30,1 sinken. Auch das ist nicht wenig, allerdings war Carl Zeiss seit 2017 nie günstiger.

Man sollte den Gewinnrückgang in einem einzelnen Jahr auch nicht überbewerten. Bei Carl Zeiss ist das seit 2014 das vierte Jahr mit einem rückläufigen Ergebnis.
Am langfristigen Erfolg hat es wenig geändert.
Carl Zeiss stellt nicht massenhaft Mitarbeiter ein, weil man eine schlechte Geschäftsentwicklung erwartet.

Wie Sie sehen, haben beide Seiten gute Argumente.
Doch bei Unternehmen mit diesen Zukunftsaussichten stellt sich für langfristige Investoren eigentlich nur die Frage nach dem Timing.

Wer heute einsteigt, dürfte sich trotz der relativ hohen Bewertung in einigen Jahren darüber freuen. Qualität hat eben ihren Preis.
Wenn die Aktie jetzt noch eine Etage absackt, wird das Chance-Risiko-Verhältnis noch deutlich besser.

Carl Zeiss Meditec Aktie: Chart vom 20.06.2023, Kurs: 106,85 - Kürzel: AFX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Carl Zeiss Meditec Aktie: Chart vom 20.06.2023, Kurs: 106,85 – Kürzel: AFX | Quelle: TWS

Aus technischer Sicht könnte das zeitnah passieren, der Verkaufsdruck scheint anhaltend hoch zu sein.
Fällt Carl Zeiss Meditec jetzt nachhaltig unter 105 Euro, könnte das zu weiteren Verlusten in Richtung 97 Euro führen.
Auf diesem Niveau wäre die Aktie günstiger als zu jedem Zeitpunkt seit 2016.

Die Halbjahreszahlen von Carl Zeiss Meditec waren zwar recht schwach, aber durch Vorab-Zahlen seit April bekannt. Trotzdem fiel die Aktie deutlich und rutschte in eine charttechnische Gefahrenzone. Im April konnte sich die Aktie dort fangen. Gelingt das auch diesmal?

Der Umsatz stieg, der Gewinn hingegen fiel in den ersten sechs Monaten des am 30.9. endenden Geschäftsjahres 2022/2023. Ein Bild, das man mittlerweile kennt, insbesondere von der Medizintechnikbranche. Der zuvor immens hohe Auftragsbestand baut sich ab, zugleich kommen die Gewinnmargen zurück. Der Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) fiel in diesem ersten Geschäftsjahreshalbjahr um knapp 19 Prozent, basierend auf einer markant von 20,7 Prozent im Vorjahreszeitraum auf jetzt 14,8 Prozent gefallenen EBIT-Marge.

Aber da Carl Zeiss Meditec die vorläufigen Ergebnisse des Winterquartals bereits im April vorgelegt hatte, konnte man sich diese Zahlen längst ausrechnen. Und als das Unternehmen am 19. April die vorläufigen Daten präsentierte, rutschte die Aktie zwar genauso ab wie gestern. Aber da trafen die Abgaben umgehend auf Käufe. Käufe, die diesmal ausblieben. Warum?

Expertenmeinung: Das ist alleine deshalb eine gute Frage, weil der Ausblick auf die zweite Jahreshälfte bzw. das Gesamt-Geschäftsjahr eigentlich keine Argumente lieferte, die Aktie jetzt durch diese mit dem gestrigen Minus erneut angesteuerte Unterstützungszone zwischen 101,75 und 111,30 Euro zu drücken. Denn Carl Zeiss plant für 2022/2023 insgesamt mit einem Umsatzplus auf 2,1 Milliarden Euro (2021/2022 waren es 1,9 Milliarden) und einer EBIT-Marge zwischen 17 und 20 Prozent.  Basis dieser Zuversicht in Bezug auf die Marge ist vor allem die erwartete Belebung des chinesischen Markts.

Bedenkt man, dass die EBIT-Marge in den beiden vorherigen Geschäftsjahren um 21 Prozent lag, wäre dieser Ausblick kein wirklich schlechter. Der Haken ist: Auf China hoffen viele, auch im Chemiesektor wird immer wieder auf China verwiesen … aber noch ist die erwartete Belebung eben nicht da. Hier trifft also Optimismus auf ein gewisses Misstrauen gegenüber den letztlich eben nicht vorhersehbaren Perspektiven. Zumindest so lange nicht vorhersehbar, bis aus Asien wieder deutlich mehr Dynamik gemeldet wird.

Es mag dieser Hinweis auf die Bedeutung Chinas für das Eintreffen des Ausblicks gewesen sein, der diesmal die Käufer fernhielt. Ob das indes so bleibt, wird so noch weisen. Diese Supportzone 101,75/111,30 Euro ist eine massive. Und dass diejenigen Analysten, die auf diese Halbjahreszahlen hin bereits am Dienstag reagierten, Kursziele zwischen 138 und 175 Euro für die Carl Zeiss Meditec-Aktie ausgaben, könnte durchaus dazu beitragen, dass diese Auffangzone ein weiteres Mal hält. Dem Bruch dieser Zone vorzugreifen, erscheint somit riskant.

Carl Zeiss Meditec Aktie: Chart vom 09.05.2023, Kurs: 110,00 Euro, Kürzel: AFX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Carl Zeiss Meditec Aktie: Chart vom 09.05.2023, Kurs: 110,00 Euro, Kürzel: AFX | Quelle: TWS

Quellenangaben: Halbjahresfinanzbericht 2022/2023, 09.05.2023: https://www.zeiss.de/content/dam/meditec-ag/financial-communication/6m2223/afx_quartalsbericht_6m2223.pdf

Analysten-Kursziele: https://www.finanzen.net/kursziele/carl_zeiss_meditec

Vergangene Woche hat die Carl Zeiss Meditec-Aktie die mittelfristige Abwärtstrendlinie überwunden. Aber noch liegen massive Charthürden über dem Kurs. Hat dieser Ausbruch also die Aufwärtswende eingeleitet oder wird die Aktie an den nächsten Widerständen scheitern?

In den vergangenen Wochen hat sich ein kurzfristiger Aufwärtstrend etabliert, die 200-Tage-Linie wurde überwunden, der Trendfolgeindikator MACD hat ein Kaufsignal generiert. Außerdem sehen wir, dass Carl Zeiss Meditec zusammen mit der Medizintechnikbranche insgesamt seit Jahresbeginn gesucht ist, einige große Adressen scheinen die Branche gezielt überzugewichten. Das sieht gut aus. Aber ist das auch gut genug für die Wende?

Aus charttechnischer Sicht ist bislang nur ein erster Schritt getan, denn hier ließe sich sagen: Nach der Hürde ist vor der Hürde. Die Aktie müsste mindestens über 156 Euro, idealerweise über 161 Euro laufen, um die breite Seitwärtsspanne nach oben zu verlassen, die den Kurs seit vergangenem Frühjahr gefangen hält. Und da stellt sich vielen zweifellos die Frage: Wäre die Aktie dann nicht so hoch bewertet, dass die Luft danach oben so dünn ist, dass es dann nicht mehr lohnt, einzusteigen?

Expertenmeinung: Da beginnt ein kniffliges „einerseits, andererseits“. Denn einerseits ist es schon richtig, dass Carl Zeiss Meditec auf Basis der durchschnittlichen Analysten-Gewinnprognose für das am 30.9. endende Geschäftsjahr 2022/2023 schon jetzt ein Kurs/Gewinn-Verhältnis von gut 40 hat. Und das ist, wenn die derzeitigen Erwartungen, dass der Gewinn im laufenden und im kommenden Jahr zusammen gerade einmal um zehn Prozent zulegen wird, schon sehr teuer. Würde die Aktie über 156/161 Euro laufen, wäre das Kurs/Gewinn-Verhältnis bereits bei 50. Zu teuer. Eigentlich.

Andererseits ist der Medizintechnik-Sektor ein Wachstumsmarkt. Käme es zu einer nennenswerten Rezession, wären Branchen, die sich bei Umsatz und Gewinn behaupten können, so dünn gesät, dass man Aktien wie Carl Zeiss Meditec als eine Art „sicheren Hafen“ einstufen könnte, dann würde man womöglich auch solche hohen Bewertungen hinnehmen. Zumal die Aktie vor ihrem Hoch im Herbst 2021, als man noch dachte, hier würden die Gewinne wie mit dem Lineal gezogen im hohen Tempo immer weiter steigen, noch viel höhere Bewertungen gesehen hatte, da ging es beim Kurs/Gewinn-Verhältnis bis auf 80 nach oben. Also?

In Fällen, in denen man nicht abschätzen kann, in welchem Meinungs-Lager sich mehr Trader versammeln werden, wäre es riskant, sich einfach einem Lager zuzugesellen. Besser wäre, gerade wegen dieses „einerseits, andererseits“ stur den charttechnischen Vorgaben zu folgen. Und die sind klar: Kurzfristig hat die Aktie bullische Signale generiert. Aber um die auf die mittelfristige Ebene zu heben und damit über die Trading-Ebene hinaus, muss Carl Zeiss Meditec erst aus dieser großen Seitwärtsspanne nach oben hinaus!

Carl Zeiss Meditec Aktie: Chart vom 16.01.2023, Kurs 136,70 Euro, Kürzel AFX | Online Broker LYNX

Gewaltige Schwankungen, außergewöhnlich hohe Umsätze und am Ende ein Minus, das zeitweise noch viel größer war: Das war die Reaktion auf die Jahresbilanz nebst Ausblick von Carl Zeiss Meditec. Ist mit dieser Achterbahnfahrt bereits eine Trendentscheidung gefallen?

Nein, aber ein Punkt für die Bären war das allemal, wenn auch noch nicht der Sieg im ewigen Ringen mit den Bullen. Der wäre dann eingefahren, wenn die Tiefs des Jahres fallen, sprich Carl Zeiss Meditec durch die Supportzone 101,75/104,72 Euro fällt. Auf diesen Bereich trudelte die Aktie am Freitag zwar zu, wurde dann aber bei 111,30 Euro erst einmal abgefangen und wieder eingesammelt. Für ein Plus reichte es zwar nicht, am Ende bleiben nach in der Spitze -11,4 Prozent noch -3,18 Prozent übrig. Aber wenn eine Aktie auf eine Bilanz bzw. den da mitgelieferten Ausblick negativ reagiert, ist das immer problematisch.

Was war an diesen Zahlen denn so negativ? Das, was das Medizintechnikunternehmen im am 30.9. beendeten Geschäftsjahr 2021/2022 geschafft hat, war es nicht. Umsatz + 15,3 Prozent, Gewinn je Aktie 3,29 Euro nach 2,64 Euro im vorangegangenen Geschäftsjahr und damit um 24,6 Prozent gesteigert. Auftragseingang mit 2,25 Milliarden um 30 Prozent über Vorjahr und solide über dem Umsatz von 1,9 Milliarden – was will man mehr? Man wollte mehr, was das jetzt angelaufene Geschäftsjahr angeht.

Expertenmeinung: Carl Zeiss Meditec avisierte, dass man 2022/2023 mindestens in der Größenordnung der Branche wachsen wolle, was den Umsatz angeht. Und in Bezug auf die Gewinnmarge vor Steuern und Zinsen (EBIT-Marge) sieht man 19 bis 21 Prozent, was zwar gegenüber früheren Jahren sehr stark wäre, aber 2021/2022 lag sie mit 20,9 Prozent auf einem Level, den man für die kommenden Quartale als oberes Ende ansieht. Mal angenommen, Carl Zeiss wächst mit der Branche mit, der man momentan für 2023 einen Umsatzzuwachs um fünf Prozent zutraut, die EBIT-Marge läge aber bei 19 Prozent und damit knapp zehn Prozent niedriger als 2021/2022 … dann käme am Ende ein niedrigerer Gewinn dabei heraus als der jetzt berichtete. Das Problem:

Die Aktie ist vom Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) zwar nicht mehr so absurd überbewertet wie vor einem Jahr, mit einem KGV von 37 auf Basis des jetzt gemeldeten Gewinns aber immer noch ziemlich teuer. Nicht zu teuer, wenn der Gewinn des Unternehmens dynamisch weiter wachsen würde, ein Gewinnanstieg von um die 20 Prozent in den kommenden Jahren zu erwarten wäre. Aber mit diesem Ausblick ist er das eben nicht. Das war es, was den Bullen am Freitag quer im Magen lag und zu diesen Abgaben führte.

Und auch, wenn es gelang, das Minus deutlich einzugrenzen: Die Grundausrichtung des Chartbilds ist weiterhin bärisch. Es wirkte zwar wie ein Befreiungsschlag, als die Aktie im November mit Schwung über die 200-Tage-Linie lief, an der Carl Zeiss Meditec im August noch scharf nach unten abdrehte. Aber dann kam eben nichts nach, die zu Jahresbeginn etablierte Abwärtstrendlinie wurde nicht einmal ernsthaft attackiert. Jetzt ist der Kurs wieder unter die 200-Tage-Linie zurückgefallen. Damit haben die Bullen diesen gleitenden Durchschnitt und den übergeordneten Abwärtstrend über und auch noch einen hinter den Erwartungen zurückgebliebenen Ausblick auf das neue Geschäftsjahr gegen sich. Das ist keine Situation, in der man Long sein möchte.

Carl Zeiss Meditec-Aktie: Chart vom 09.12.2022, Kurs 121,65 Euro, Kürzel AFX | Online Broker LYNX