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Gerresheimer Aktie Prognose Hiobsbotschaft? Bei Gerresheimer brennt die Hütte

News: Aktuelle Analyse der Gerresheimer Aktie

von | |

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Tobias Krieg ist Chefanalyst bei LYNX Broker und Gründer von LongTerm-Value.
Er ist seit mehr als fünfzehn Jahren an der Börse aktiv, davon mehr als eine Dekade als leidenschaftlicher Vollzeit-Investor. Geprägt durch Vorbilder wie Charlie Munger, Peter Lynch und Bill Miller ist Value Investing der Grundsatz und Growth at a reasonable Price der Wahlspruch.
Denn auch gute Unternehmen können schlechte Investments sein. Ein attraktiver Einstiegskurs zum richtigen Zeitpunkt ist absolut entscheidend.

Vorherige Analysen der Gerresheimer Aktie

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Eine erneute Prognose-Senkung sorgte bei der Aktie des Verpackungsmittel-Spezialisten Gerresheimer gestern für ein Minus von 18,21 Prozent. Wobei es denen, die da ausstiegen, vermutlich weniger um die Meldung an sich ging, sondern um die Frequenz der „Bad News“.

Im Juni hatte Gerresheimer seine 2025er-Prognose gesenkt, die Aktie brach ein. Am 24. September wurde bekannt, dass die BaFin untersucht, ob für 2024 Umsätze berechnet wurden, die da nicht hingehören – der Kurs brach erneut ein. Und gestern wurde dann die Prognose erneut gesenkt. Mit voraussehbarer Reaktion beim Aktienkurs.

Zuletzt hatte man ein Umsatzwachstum von 0 bis 2 Prozent angepeilt, jetzt kalkuliert Gerresheimer mit einem Umsatzrückgang zwischen 2 und 4 Prozent. Die Gewinnmarge vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) soll, um Sondereffekte bereinigt, zwischen 18,5 und 19 Prozent liegen, der bisherige Ausblick lag bei 20 Prozent. Grund für die erneute Korrektur der Ziele nach unten ist laut Gerresheimer die anhaltende Nachfrageschwäche in den Bereichen Kosmetik und Containment-Lösungen für flüssige Medikamente.

Das schlug sich auch in den zugleich vorgelegten, vorläufigen Zahlen zu den ersten drei Quartalen nieder. Wenn man die Verzerrung herausrechnet, die sich durch die Übernahme eines Unternehmens ergab, kam der Umsatz um 1,8 und das EBITDA um 7,5 Prozent gegenüber den ersten drei Quartalen 2024 zurück, die Marge sank von 19,9 auf 18,8 Prozent. Nicht gut. Aber war ein Kursrutsch von gut 18 Prozent nicht trotzdem zu viel des Unguten?

Gerresheimer Aktie: Chart vom 09.10.2025, Kurs 30,54 Euro, Kürzel: GXI | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Gerresheimer Aktie: Chart vom 09.10.2025, Kurs 30,54 Euro, Kürzel: GXI | Quelle: TWS

Expertenmeinung: Wollte man sich da ausschließlich auf „harte Zahlen“ fokussieren, könnte man das bejahen. Denn da die Aktie zuletzt schneller fiel als die Gewinnerwartungen, ist sie von der Bewertung her nicht teuer. Und die Analysten sind, zumindest noch, eher positiv gestimmt. Zwar werten sie nur 6 von 15 Analysten als Kauf, 8 als Halteposition und einer als verkaufenswert. Aber das durchschnittliche Kursziel liegt dennoch atemberaubend höher, konkret bei 61 Euro – 100 Prozent über dem Donnerstags-Schlusskurs.

Dass genug Marktteilnehmer trotzdem konsequent ihren Hut nahmen und die Aktie dadurch derart deutlich in die Knie ging, liegt aber vermutlich auch weniger an den neuen Prognose-Zielen an sich, sondern an der Frequenz, mit der die negativen Nachrichten hier eintrudeln.

Eine Prognose-Senkung im Juni, dann die Beendigung von Gesprächen über eine mögliche Übernahme des Unternehmens im Juli mit der Begründung, man käme im Alleingang besser zurecht, dann Ende September diese Untersuchungen über mögliche falsche Buchungen. Und jetzt im Oktober die erneute Senkung des Ausblicks, die den Eindruck erweckt, dass man womöglich mit neuen Großinvestoren doch besser gefahren wäre. Es ist weniger die Gewinnerwartung, die hier immer mehr wackelt, sondern das Vertrauen. Und in solchen Situationen sind Aktien bis zum Beweis des Gegenteils durch deutlich bessere Zahlen ein fallendes Messer, in das hineinzugreifen immer ein unkalkulierbares Risiko darstellt.

Quellenangaben: Anpassung der 2025er Prognose, 08.10.2025, 22:09 Uhr:
https://www.gerresheimer.com/investoren/investoren-und-analysten/nachrichten/ad-hoc-mitteilungen

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Da war gestern wirklich einiges geboten bei der Gerresheimer-Aktie. Eine Hiobsbotschaft, die eigentlich gar keine war, führte zu einem kapitalen Crash, der sich Richtung Handelsende aber erheblich relativierte. Was war da los … und was heißt das für die kommenden Wochen?

Am Morgen wurde gemeldet, dass die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) Gerresheimers Jahresabschluss 2024 prüfen wird. Es gebe konkrete Hinweise darauf, dass man gegen Vorschriften verstoßen habe, indem Umsätze erfasst wurden, die zum Stichtag des Geschäftsjahresendes (hier der 30.11.) noch nicht realisiert waren.

Das wirkte, als sei die gesamte 2024er-Bilanz Makulatur und die Lage, die sich 2024 ohnehin schon eingetrübt hatte, womöglich viel schlechter als bis dahin vermutet. Dementsprechend zogen einige Akteure sofort die Reißleine … und dürften damit unbeabsichtigt eine Lawine ausgelöst haben. Denn unerwarteter Abgabedruck in einer eher marktengen Aktie in einem Moment, in dem angesichts solcher Nachrichten wohl so ziemlich alle, die ein Kauflimit im Markt hatten, dieses zurückgezogen hatten: Das kann übel ausgehen. Und das tat es dann auch. Was war passiert?

Nachdem der Verpackungsspezialist im Juni mit einer massiven Prognosesenkung einen Kurseinbruch ausgelöst hatte, kam die Aktie zwar nicht wieder auf die Beine, aber neue Tiefs, die sich danach Anfang August und Anfang September ergaben, wurden gekauft, statt erneute Sell-offs auszulösen. Das dürfte so manchen angesichts des vorherigen, erheblichen Kursabstiegs gelockt haben, doch die Hand aufzuhalten. Aber natürlich sicherheitshalber mit engen Stop-Loss-Orders, die man dann jeweils mit einem gewissen „Rangierabstand“ (um das Phänomen gekaufter, neuer Tiefs einzuarbeiten) unter das letzte Zwischentief legte. Und dann kam eben diese Nachricht … und dürfte all diese Stop-Loss ausgelöst haben. Die Folge:

Eine Verkaufswelle. Immense Mengen an Gerresheimer-Aktien trafen auf eine leergefegte Käuferseite im Orderbuch. Die Folge war, dass diese Aktie am Tagestief sage und schreibe 38 Prozent im Minus lag. Aber wieso holte sie dann einen nicht unwesentlichen Teil dieser Abschläge wieder auf?

Expertenmeinung: Weil Gerresheimer zeitnah Stellung zu dieser Meldung über die BaFin-Prüfung bezog und hervorhob, dass es sich bei den infrage gestellten Umsätzen um Summen in Höhe eines niedrigen zweistelligen Millionenbetrags handele. Im Vergleich zu den für 2024 insgesamt gemeldeten gut zwei Milliarden Euro Umsatz also nichts, das die Bilanz 2024 im Fall einer von der BaFin angeordneten Berichtigung nennenswert verändern würde. Zumal diese Umsätze dann ja auf 2025 gebucht und die laufende Bilanz stützen würden.

Zwar ist eine BaFin-Prüfung dieser Art auch immer etwas, das das Vertrauen in die Unternehmensführung wackeln lässt. Aber noch ist ja völlig offen, wie das ausgeht. Daher kann es nicht überraschen, dass auf diese Relativierung des „Schadenspotenzials“ hin einige zugriffen. Und dass, vermutlich vor allem, Trader, die hier mit leer verkauften Aktien auf der Short-Seite unterwegs waren, diese Positionen schlossen, indem sie die ausstehenden Aktien kauften und damit einen grandiosen, unverhofft in den Schoß gefallenen Gewinn einfuhren. Aber zurück zur Eingangsfrage: Was heißt das für die kommenden Wochen?

Gerresheimer Aktie: Chart vom 24.09.2025, Kurs 36,20 Euro, Kürzel: GXI | Online Broker LYNX
Gerresheimer Aktie: Chart vom 24.09.2025, Kurs 36,20 Euro, Kürzel: GXI | Quelle: TWS

Die Gerresheimer-Aktie läuft in einem intakten Abwärtstrend, siehe Chart. Aus dem wird sie wohl – angesichts der, soweit man weiß, unverändert mageren Nachfragesituation – auch nicht so schnell herauskommen. Grundsätzlich ist das also keine gute Basis, so weit über dem gestrigen Tagestief noch zugreifen zu wollen. Zumal der Spielraum nach oben schon beim letzten Zwischentief bei 40,88 Euro auf Widerstand träfe und dieses Anfang September ausgebildete Zwischentief auf Basis der mauen Gesamtsituation zustande kam. Auch wenn sich das BaFin-Problem erledigen sollte: Ab da sind es also die bisherigen Fakten, die drücken. Man kann also nicht damit rechnen, Aufwärtspotenzial bis zur deutlich höher laufenden Abwärtstrendlinie zu bekommen.

Aber diese Gegenbewegung zu nutzen, um einen Short-Trade zu installieren, das wäre nicht minder riskant. Denn es ist ja klar, dass dieser initiale Crash nur wegen dieser „unglücklichen Umstände“ in Form ausgelöster Stop-Loss-Verkäufe so extrem ausfiel. Es gibt keine rationale Basis dafür, dass die Aktie dieses gestrige Tagestief bei 26,52 Euro in absehbarer Zeit (oder überhaupt) wiedersieht. Denkbar wäre das, wenn erneut schwache Bilanzdaten und ein noch niedrigerer Ausblick kämen, aber:

Ob das passiert, weiß man nicht. Daher müsste man, egal, ob man sich hier auf der Long- oder der Short-Seite betätigen würde, in einer marktengen Aktie in einem Umfeld aufgeschreckter Trader aktiv werden. Das birgt ein unkalkulierbares Risiko, daher wäre wohl der beste Rat, sich nicht von dieser immensen Volatilität locken zu lassen und wegzubleiben!

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Mitte Juli hatte Gerresheimer gemeldet, dass man Gespräche mit Übernahmeinteressenten beendet habe, weil dies keine Option sei, die im Interesse von Unternehmen und Aktionären ist. Gestern Abend teilte man mit, was man stattdessen tut – und die Aktie stieg nachbörslich.

Ältere Investoren kennen Gerresheimer noch als ein Unternehmen, das einfach Glasflaschen herstellte. Aber seit den Neunzigerjahren hat sich viel verändert, so dass der alte Unternehmensname „Gerresheimer Glas“ nicht mehr richtig passen wollte. Die Glasprodukte wurden spezialisierter, bewegten sich immer mehr in den Medizin- und Healthcare-Bereich, aber auch in Sektoren wie Lebensmittel und Kosmetik. Zudem werden jetzt auch Produkte aus Kunststoff gefertigt. Im Zuge des über Jahrzehnte laufenden, stetigen Wandels wurden immer wieder Unternehmensteile abgespalten oder verkauft. Und genau das will man jetzt erneut tun.

Gerresheimer will sich von der sogenannten Formglas-Sparte (Moduled Glass) trennen, dem Bereich also, bei dem man bereits seit dem Vorjahr überlegt hatte, ob und wie er weiter zum Gesamt-Unternehmenskonzept passt, das gezielt in Richtung eines System- und Lösungsanbieters insbesondere für die Pharma- und Biotech-Branche gehen soll. Das Ergebnis: Man plant, den Bereich zunächst abzuspalten und dann zu verkaufen. Gute Sache?

Expertenmeinung: Wenn ein Unternehmen sich entschließt, gezielt Hand an die Strukturen anzulegen, ist das grundsätzlich positiv, denn es soll gestrafft, fokussiert und rationalisiert werden. Aber wie effektiv solche Maßnahmen mittel- und langfristig sein werden, weiß man nie. Vor allem wäre in diesem Fall die Frage, wann und zu welchem Preis man diese Formglas-Sparte verkaufen kann.

Dass die Gerresheimer-Aktie im gestrigen, nachbörslichen Handel deutlich zulegte und nahe an 45 Euro herankam, zeigt, dass die Trader diese Meldung gutheißen. Und ja, es dürfte sich lohnen, die Sache jetzt engmaschig zu beobachten. Immerhin ist die Aktie nach der Senkung der Gesamtjahres-Prognose Anfang Juni drastisch eingebrochen und kam seither nicht mehr auf die Beine. Zuletzt wurde der niedrigste Kurs seit 2014 erreicht. Im Vergleich zu den letzten zehn Jahren ist die Bewertung über das Kurs-/Gewinn-Verhältnis mit 18 eher niedrig.

Gerresheimer Aktie: Chart vom 04.08.2025, Kurs 42,42 Euro, Kürzel: GXI | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Gerresheimer Aktie: Chart vom 04.08.2025, Kurs 42,42 Euro, Kürzel: GXI | Quelle: TWS

Falls es gelingt, verschlankt zu neuer Wachstumsdynamik zu finden, wäre auch eine Rückkehr in die Region über 100 Euro möglich, wo der aktuelle, seit knapp einem Jahr laufende, mittelfristige Abwärtstrend seinen Ursprung hatte. Aber noch ist da nur eine Tür einen Spalt breit aufgegangen. Was dahinter wartet, ob Abspaltung und Verkauf schnell vonstattengehen, ein guter Preis erzielt wird und das dann verbleibende Kerngeschäft Fahrt aufnimmt, ist durch die Bank offen. Wenn die Aktie jetzt anzieht, wird sie von Hoffnung getrieben. Was alleine aber dünnes Eis ist, da sollten zumindest saubere, bullische Signale in der Charttechnik unterstützen. Die wo entstehen würden?

Für ein kurzfristig bullisches Signal müsste der Kurs die Widerstandszone 49,50/50,50 Euro klar und auf Schlusskursbasis überwinden. Dann wäre aus charttechnischer Sicht Spielraum bis an den Bereich 62,40 bis 66,50 Euro, wo zahlreiche mittelfristig relevante Widerstände warten. Ersteres, ein kurzfristig bullisches Signal, wäre zumindest denkbar. Aber um über den Bereich 62,40/66,50 Euro hinauszukommen, würde es aus aktueller Sicht mehr bedürfen als neu erwachte Hoffnungen.

Quellenangaben: adhoc-Meldung zur beabsichtigten Abspaltung von „Moduled Glass“, 04.08.2025: https://www.gerresheimer.com/unternehmen/investor-relations/corporate-news/ad-hoc-mitteilungen

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

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Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

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Ende vergangener Woche meldete der Verpackungsspezialist Gerresheimer, dass Gespräche mit potenziellen Investoren bezüglich eines Verkaufs des Unternehmens beendet wurden. Die Aktie fiel, aber nicht dramatisch. Wird es damit Zeit für die Bären, ihre Koffer zu packen?

Es sei nicht im besten Interesse des Unternehmens und seiner Anteilseigner, die Gespräche mit Private Equity Investoren über eine potenzielle Übernahme fortzuführen, erklärte das MDAX-Unternehmen am Mittwochabend nach Handelsende. Die Aktie gab daraufhin am Donnerstag um 6,7 Prozent nach und verharrte am Freitag auf diesem niedrigeren Niveau.

Zwar sind 6,7 Prozent nicht „Nichts“. Aber wenn man sich überlegt, dass eine Übernahme mit einem Angebot für die in Anlegerhand befindlichen Aktien verbunden ist, das meist deutlich, manchmal sogar sehr deutlich über dem aktuellen Kurs liegt und man dann sogar hoffen könnte, dass andere Bieter auftauchen und den Preis noch höher treiben, hält sich diese Enttäuschung im Rahmen. Eigentlich. Denn wenn man sich das Chartbild so ansieht, fehlt ein Faktor:

Die Kaufwelle, ausgelöst durch Spekulanten, die auf einen hohen Preis des Übernahme-Interessenten wetten. Anfang Februar, als diese Gespräche ruchbar wurden, war die Aktie zwar in der Tat deutlich angesprungen. Aber diese Käufe dauerten nur wenige Tage, mündeten in eine Seitwärtsbewegung und danach, ab Mitte März, in einen Abwärtstrend, in dem die Gerresheimer-Aktie auch jetzt noch festsitzt. Was also für einen großen Abverkauf fehlte, war eine vorangegangene Spekulationswelle.

Die Gründe für den Abwärtstrend waren dieselben wie bei fast allen Unternehmen, die derzeit am deutschen Aktienmarkt in Abwärts- oder Seitwärtstrends laufen: Magere Nachfrage, Konkurrenzdruck, unsichere Perspektive. Und das schlug sich bei Gerresheimer, auch da ist man nicht alleine, Anfang Juni in einer Prognose-Senkung nieder, die den Kurs unter die bis dahin das Jahrestief einschließende Unterstützungszone 49,56 zu 50,90 Euro drückte. Eine Zone, die zurückzuerobern man sich gerade erst vergangene Woche aufgemacht hatte. Dann kam diese Meldung über das Ende der Gespräche … und die Bullen gaben die Sache erst einmal auf. Bedeutet das, dass der Weg nach unten damit frei ist?

Expertenmeinung: Das ist zumindest fraglich. Denn mittlerweile hat der Verpackungs-spezialist bereits seine Ergebnisse zum zweiten Quartal vorgelegt (am 10. Juli), früher als andere Unternehmen, weil Gerresheimers Geschäftsjahr um einen Monat nach vorne verschoben ist (Geschäftsjahresende ist hier immer der 30.11.). Die Zahlen waren wie erwartet mager, zugleich senkte das Unternehmen seine Umsatzprognose erneut. Die Aktie reagierte zuerst auch negativ, drehte dann aber ins Plus. Bemerkenswert … und nicht gerade ein gutes Omen für die Bären.

Immerhin gibt es hier eine Chance, dass neue, negative Nachrichten in den kommenden zwei bis drei Monaten ausbleiben könnten. Die Übernahme ist vom Tisch, die Prognose schon zweimal gesenkt. Die Bären könnten also in Bezug auf neue Argumente, um den Kurs zu drücken, ausgehungert werden. Und dass die schwachen Zahlen des zweiten Quartals die Akteure nicht und die Beendigung der Übernahmegespräche nur mäßig schrecken konnten, verstärkt den Eindruck: Hier könnte es für die Bären in der Tat Zeit sein, ihre Koffer zu packen. Aber wie ist es mit der Long-Seite?

Von „so schlecht wie erwartet“ bis „es geht etwas voran“ kann es trotzdem noch ein weiter Weg sein. Gut möglich daher, dass die Aktie noch eine längere Bodenbildungsphase vor sich hat. Sollte der Kurs mit Schlusskursen über 52 Euro aber doch noch über die zunächst gerissene Hürde 49,56 zu 50,90 Euro hinauskommen, wäre das zumindest für spekulative Naturen eine interessante Trading-Chance mit nächstem Kursziel in die Region 63 zu 67 Euro.

Gerresheimer Aktie: Chart vom 18.07.2025, Kurs 47,14 Euro, Kürzel: GXI | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Gerresheimer Aktie: Chart vom 18.07.2025, Kurs 47,14 Euro, Kürzel: GXI | Quelle: TWS
Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

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Eine ebenso deutliche wie unerwartete Gewinnwarnung am Montagmittag führte zu einem drastischen Selloff in der Gerresheimer-Aktie. Was fängt man jetzt mit dieser Aktie an? Kaufen, noch aussteigen, halten, vielleicht sogar auf der Short-Seite traden?

Knapp 23 Prozent brach die Aktie des Verpackungsmittel-Spezialisten am Montag ein, nachdem das Unternehmen kurz nach 12 Uhr eine sogenannte „Prognoseanpassung“ meldete. Wobei die da getroffenen Aussagen im ersten Moment eigentlich gar nicht so wirkten, als würden sie ein derartig großes Minus rechtfertigen. Was genau wurde da mitgeteilt?

Gerresheimer Aktie: Chart vom 03.06.2025, Kurs 47,86 Euro, Kürzel: GXI | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Gerresheimer Aktie: Chart vom 03.06.2025, Kurs 47,86 Euro, Kürzel: GXI | Quelle: TWS

Gerresheimer senkte die Prognose für das Umsatzwachstum im laufenden Geschäftsjahr (das hier bis zum 30.11. läuft) von zuvor drei bis fünf auf ein bis zwei Prozent. Der Ausblick auf die um Sonderfaktoren bereinigte EBITDA-Marge (EBITDA = Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) wurde von bislang 22 auf jetzt 20 Prozent nach unten korrigiert. Letzteres hieße, dass aus einem Euro jetzt knapp zehn Prozent weniger an operativem Gewinn herausgeholt werden als gedacht … und das bei einem nur noch marginal zulegenden Umsatz.

Gerresheimer begründete die Senkung des Ausblicks mit einer unverändert gedämpften Nachfrage im Bereich Kosmetik und einem aus Sicht des Unternehmens nur temporär sinkenden Nachfrage nach „Contaiment-Lösungen für oral einzunehmende, flüssige Medikamente“ … ich als Banause würde dazu „Ampullen“ sagen. Da man zudem betonte, dass die mittelfristige Wachstumsperspektive nicht beeinträchtigt sei, wirkt das, als sei das alles nicht wirklich dramatisch, aber:

Expertenmeinung: Manch einer dürfte sich gefragt haben, warum das dann dazu führt, dass man die in der Bilanz 2024/2025 noch mit 1,25 Euro vorgeschlagene Dividende pro Aktie auf nur noch 0,04 Euro kürzen will. Und wieso es offenbar noch am 11. April keinerlei Hinweise auf diese negative Entwicklung gegeben hat, zumindest wurde die jetzt gesenkte Prognose an diesem Tag im Rahmen der Ergebnis-Vorlage des ersten Geschäftsjahresquartals noch bestätigt. Hinzu kommt, dass es bereits Ende September vergangenen Jahres zu einer Abwärts-Korrektur der Wachstumsprognose gekommen war. Daher könnte man das Gefühl bekommen, dass auch diese Gewinnwarnung nicht die letzte ist.

Diese drei Aspekte zusammen genommen machen es schon eher verständlich, dass die Reaktion am Markt derart herb ausfiel. Dies und die Reaktionen der Analysten, denn die kamen nicht nur umgehend, sondern auch zahlreich und oft drastisch:

13 Analysten reagierten umgehend am Dienstag. Alle senkten ihre Kursziele, wobei die Range der bis dahin geltenden Kursziele zwischen 80 und 122,50 Euro lag. Die Spanne der neuen Kursziele beträgt 47,50 bis 108 Euro, wobei diese 108 Euro das einzige Ziel oberhalb von 100 war, das nächsthöhere der neuen Ziele liegt bei 97 Euro.

Dass niemand zum Verkauf riet, ist dabei kein Argument zu Gunsten eines Einstiegs, denn die Prognosesenkung kam für die Analysten ja ebenfalls überraschend, so dass man nur noch reagieren konnte, nachdem das Kind bereits im Brunnen lag. Und da der Kurs bereits deutlich gesunken ist, ist auch die Bewertung, bei der man im Licht des neuen Ausblicks auf ein Kurs-/Gewinn-Verhältnis in der Region um zwölf käme, im historischen Vergleich nicht teuer. Was aber nicht heißt, dass die Aktie nicht trotzdem weiter nachgeben könnte.

Denn jetzt trauen viele der Sache eben nicht mehr so recht. Die Reaktion der Analysten und das Chartbild kommen da noch Belastung obendrauf. Sie sehen, dass die Aktie gerade erst in der Vorwoche ganz knapp über die wichtige Charthürde im Bereich 62,90/63,90 Euro gelaufen war und durch diese Meldung humorlos auf ein neues Jahrestief geschickt wurde. Und am Dienstag, dem Tag 1 nach der Abwärts-Korrektur, war von den Käufern nichts zu sehen.

Also, was tun? Die Bewertung wäre jetzt sogar dann noch hinnehmbar, wenn die Prognose erneut gesenkt würde, solange eine solche, zukünftige Senkung dann nicht allzu groß ausfallen würde. Daher: Jetzt noch auszusteigen, weil man keinen Stop Loss eingezogen hatte, der den Kurs gesichert hätte, ist womöglich zu spät. Womit sich auch die Frage erledigen würde, ob man hier vielleicht einen Short-Kandidaten vor sich hätte. Jetzt, nachdem die Reaktion bereits da ist und heftig war, ist Gerresheimer dafür eher kein guter Kandidat.

Aber trotzdem ist Gerresheimer eine Aktie in einem mittelfristig intakten Abwärtstrend, die in den vergangenen Quartalen immer wieder deutlich negative Reaktionen auf Bilanzzahlen zeigte. Das ist kein Titel, in den man unbesorgt einsteigen könnte, weil er jetzt „billig“ ist. Nur, wenn genug andere auch so denken würden, hätte man da eine Chance. Und dass gestern so gut wie niemand so dachte, macht deutlich, dass man sich durchaus trotzdem die Finger verbrennen könnte oder zumindest lange warten müsste, bis sich ein Einstieg so nahe nach diesen „bad news“ auszahlen würde.

Quellenangaben: Anpassung der 2025er-Jahresprognose, 02.06.2025: https://www.gerresheimer.com/unternehmen/news/detail/gerresheimer-passt-prognose-fuer-das-geschaeftsjahr-2025-an

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Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.