EUR.USD Prognose Euro/US-Dollar: Wo bleibt die Dollar-Stärke?

Aktuelle Entwicklung des EUR.USD

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Eigentlich spricht derzeit alles für einen stärkeren US-Dollar im Verhältnis zum Euro. Doch die Sache gestaltet sich zäh. Wo liegen die neuralgischen Punkte, die den Start einer größeren US-Dollar-Rallye einläuten könnten?

Zwei Faktoren sind besonders wichtig, wenn es um die Frage geht, welche Währung eines Währungspaares die stärkere ist. Zum einen wäre das die Zinsdifferenz: Wo bekommt ein internationaler Investor die höheren Renditen bei einem Anleihe-Investment? Zum anderen ist es das Zutrauen in die wirtschaftliche Stärke des Währungsraumes: Wo investiere ich am effektivsten in Unternehmen bzw. wo kann ich mit den besseren Bedingungen für das eigene Unternehmen rechnen? Sprechen beide Aspekte für einen der beiden Währungsräume, fliegt internationales Kapital bevorzugt dorthin. Die Währung ist daher gesuchter und steigt gegenüber der anderen. Eigentlich.

Denn obwohl man bei US-Staatsanleihen deutlich mehr Rendite bekommt als bei den meisten Staatsanleihen der Eurozone und obwohl die US-Wirtschaft deutlich stabiler daherkommt als die des „Eurolands“, kommt der US-Dollar nicht so recht auf Touren. Und das, obwohl man fest damit rechnet, dass die EZB den Leitzins, der ohnehin einen Prozentpunkt unter dem der US-Notenbank liegt, in zwei Wochen senken wird, die US-Notenbank mit ihrem ersten Schritt nach unten aber noch eine Zeitlang warten wird. Dass der „Greenback“, sprich der US-Dollar, da nicht durchstartet, ist ein wenig überraschend.

Den aktuellen Kurs und Chart des Währungspaars EUR.USD und historische Wechselkurse finden Sie hier.

Expertenmeinung: Wobei ein erfahrener Investor weiß: Mit Logik kommt man an der Börse bisweilen zwar weit, aber nicht immer. Denn im täglichen Geschäft dominiert oft ganz kurzfristiges, von der Nachrichtenlage abgekoppeltes, charttechnisches Trading. Und das gilt für den Devisenmarkt ganz besonders. Daher täte man gut daran, dem Greenback zwar Aufwärtspotenzial zuzutrauen. Was in unseren Charts hieße, dass der Kurs fällt, weil man hier sieht, wie viel US-Dollar man für einen Euro bezahlen muss, d.h. wird der US-Dollar stärker, sinkt der Preis für einen Euro aus US-Dollar-Sicht.

Euro/US-Dollar: Tages-Chart vom 22.05.2024, Kurs 1,0840 US-Dollar, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Euro/US-Dollar: Tageschart vom 22.05.2024, Kurs 1,0840 US-Dollar, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS

Aber man sollte einer solchen Stärke nicht vorgreifen und blind Dollar-Long gehen, alleine, weil sich diese Stärke längst hätte etablieren können. Denn da sie das aber bis heute nicht getan hat, könnte es auch noch dauern. Besser wäre es abzuwarten, bis sich die Dollar-Bullen in Marsch gesetzt haben und mit dem Bruch entscheidender Supportlinien beim Euro belegen, dass man jetzt die Karte des starken Greenback spielen und durchboxen will. Worauf sollte man da achten?

Zunächst einmal wären im kurzfristigen Zeitraster die 200-Tage-Linie bei 1,0790 und die kurzfristige Aufwärtstrendlinie bei 1,0735 US-Dollar pro Euro wichtig. Sollte der Euro/US-Dollar-Kurs da durchrutschen, ginge es umgehend um das bisherige Jahres-Verlaufstief bei 1,0601 US-Dollar. Aber erst dort beginnt es, richtig spannend zu werden, denn dann geht es um die mittelfristig entscheidende Supportzone, die, wenn sie fallen sollte, den Weg zurück an und unter die Parität 1:1 freigeben würde.

Euro/US-Dollar: Monats-Chart vom 22.05.2024, Kurs 1,0840 US-Dollar, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Euro/US-Dollar: Monatschart vom 22.05.2024, Kurs 1,0840 US-Dollar, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS | Online Broker LYNX

Diese Zone sehen wir im Chart auf Monatsbasis. Sie beginnt bei 1,0636 und reicht bis 1,0340 US-Dollar. Wenn diese Zone angegangen und unterboten wird, wäre der Weg für eine massive Stärkung des US-Dollars geebnet. Die Rahmenbedingungen würden das, wie gesagt, hergeben. Aber bevor der Kurs selbst das nicht widerspiegelt, sollte man sich nicht zu sehr darauf versteifen, zumal: Diese Rahmenbedingungen können sich auch ändern, daher sollte man ein Startsignal seitens der Charttechnik auf jeden Fall abwarten.

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Vorherige Analysen von EUR.USD

Während man bei der EZB zuletzt zumindest recht auffällig andeutete, dass in der nächsten Sitzung im Juni eine erste Leitzinssenkung erfolgen könnte, erwartet man das bei der US-Notenbank nicht mehr. Das müsste eigentlich den Euro drücken – aber noch passiert da wenig.

Wenn Sie sich den längerfristigen Euro/US-Dollar-Chart auf Wochenbasis ansehen, finden Sie dort den massiven Abriss des Euro zum US-Dollar im Herbst 2022. Die Charts zeigen, wie viel US-Dollar man für einen Euro bezahlen muss, d.h. ein fallender Kurs bedeutet: Euro schwach, US-Dollar stark.

Euro/US-Dollar: Wochen-Chart vom 23.04.2024, Kurs 1,0702 US-Dollar, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Euro/USD: Wochenchart vom 23.04.2024, Kurs 1,0702 US-Dollar, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS

Dass es im Herbst 2022 deutlich unter die Parität 1:1 ging, basierte auf der vermeintlich sicheren Entstehung einer erheblichen Leitzins-Differenz zwischen den USA und der Eurozone. Diese Differenz würde, so waren sich viele sicher, deswegen entstehen, weil die EZB es nicht wagen könne, den Leitzins so schnell und stark anzuheben, wie die „Fed“, weil die europäische Wirtschaft dafür zu schwach sei. Und man auf jeden Fall eine Rezession vermeiden will. Heute wissen wir angesichts eines US-Leitzinses bei 5,25-5,50 und einem EZB-Leitzins bei 4,50 Prozent:

Da lag man falsch. Als das deutlich wurde, wurde diese überzogene Euro-Schwäche am Devisenmarkt zum Teil zurückgenommen. Das Währungspaar etablierte sich in einer zwischen 1,0450 und 1,1275 US-Dollar pro Euro liegenden Seitwärtsspanne, weil man jetzt wiederum sicher war: EZB und „Fed“ werden in etwa Hand in Hand anheben und senken. Aber so, wie sich das derzeit darstellt, lag die Glaskugel damit schon wieder falsch.

Expertenmeinung: Denn die Inflationsrate in den USA liegt mit zuletzt 3,5 Prozent für Zinssenkungen noch zu hoch, zog in den vergangenen drei Monaten stärker an als erwartet. Zudem ist der Arbeitsmarkt stark, sodass das Risiko besteht, dass man so erst einmal nicht an die Zielzone einer Jahres-Teuerungsrate von zwei Prozent herankommt. In der Eurozone ist man mit zuletzt 2,4 Prozent Inflationsrate deutlich näher am Ziel und sieht sich einer stagnierenden bis nur marginal wachsenden Konjunktur gegenüber, die ein Aufflackern der Inflation nicht gerade befördern würde. Was hieße: Die EZB könnte im Juni senken und ggf. noch ein paar Zinsschritte folgen lassen, die „Fed“ muss noch warten. Und das heißt:

Der Zinsvorsprung der USA, bei den Leitzinsen ebenso wie am Anleihemarkt, wird tendenziell steigen, die starke Wirtschaft dort wird eher internationales Kapital anziehen, der US-Dollar müsste gegenüber dem Euro also eigentlich stärker werden, was in die Charts übersetzt hieße:

Euro/US-Dollar: Tages-Chart vom 23.04.2024, Kurs 1,0702 US-Dollar, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Euro/US-Dollar: Tageschart vom 23.04.2024, Kurs 1,0702 US-Dollar, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS

Der Euro/US-Dollar-Kurs müsste sinken. Was er aber in den letzten Wochen nur geringfügig tat, das Währungspaar bewegt sich immer noch innerhalb dieser Handelsspanne zwischen 1,0450 und 1,1275 US-Dollar. Zwar tendenziell an deren unterem Ende, zumal sich im Chart auf Tagesbasis eine Toppbildung erkennen ließe, aber wirkliche Ambitionen für einen Ausbruch sieht man bislang nicht. Der Euro könnte also eigentlich tiefer notieren. Aber solange dies nicht der Fall ist, wäre es riskant, einen Ausbruch nach unten vorwegzunehmen. Denn wenn die Trader bislang nicht massiver auf einen schwachen Euro spekulieren, gibt es keinen Grund einfach davon auszugehen, dass sie es in Kürze doch noch tun.

Die Chance, dass sich der Euro zum US-Dollar nicht nur von unten in die seit 2015 geltende Handelsspanne rettet, sondern eine echte Aufwärtswende hinlegt, bröckelt zusehends. Und in der Tat spricht immer mehr für einen wieder stärkeren US-Dollar.

Es sind vor allem zwei Faktoren, die wegweisend dafür sind, ob eine Währung de facto und seitens der Spekulation gesucht ist oder nicht: Die Stärke der Wirtschaft im entsprechenden Währungsraum bzw. deren subjektive Wahrnehmung durch die Trader und die Höhe der über Anleihen erzielbaren Renditen.

Dass der Euro zwischen Anfang 2021 und Ende 2022 immer schwächer wurde, sprich gegen den US-Dollar an Boden verlor, lag genau daran. Denn zum einen sah man die Wirtschaftskraft der Eurozone und deren Perspektive als deutlich schwächer an als die der USA. Zum anderen stiegen die Leitzinsen und Anleihe-Renditen durch das entschlossener wirkende Handeln der US-Notenbank stark an und hielten die Eurozone-Renditen damit auf Abstand.

Euro/US-Dollar: Monats-Chart vom 05.02.2024, Kurs 1,0742 US-Dollar, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Euro/US-Dollar: Monatschart vom 05.02.2024, Kurs 1,0742 US-Dollar, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS

Dass der Euro dann bis Anfang 2023 von einem 20-Jahres-Tief zurück über die zuvor mehrere Jahre lang tragfähige und dann doch gebrochene Chartzone zwischen 1,0340 und 1,0636 US-Dollar pro Euro lief, war vor allem eine Gegenbewegung nach diesem massiven Abstieg, aber noch kein Ausdruck neuen Vertrauens in das Potenzial des Euro. Und so, wie sich die Entwicklung seither darstellt, wird da womöglich auch nicht mehr viel daraus, eher könnte die nächste Stärke-Phase des US-Dollars eingeläutet werden.

Expertenmeinung: Denn dass der Euro zwischen Ende Oktober und Ende Dezember überhaupt kräftig zulegen konnte, lag an der Erwartung, dass die US-Notenbank die Zinsen früher zu senken beginnt und der Abstieg der Leitzinsen dabei schneller und weitreichender sein wird als bei der EZB, so dass der derzeitige, recht deutliche Zinsvorteil der US-Anleihen schwinden wird. Aber die zweite Säule, die wirtschaftliche Stärke, stand da nie zur Debatte.

Das US-Wachstum ist seit längerem immens viel stärker als das der Eurozone, die US-Politik wirkt entschlossener. Und nicht wenige dürften bereits jetzt vermuten, dass Donald Trump nicht nur Kandidat der Republikaner für die im November anstehende Präsidentschaftswahl wird, sondern die dann auch gewinnt und die Stärke der US-Wirtschaft mit der Brechstange noch intensivieren wird. Was heißt:

Die Chance des Euro, sich nicht nur über die Zone 1,0340 zu 1,0636 US-Dollar zu retten, sondern das obere Ende der langjährigen Handelsspanne bei 1,2556 US-Dollar anzusteuern, stand ohnehin immer nur auf einem Bein. Jetzt, mit dem Eindruck, dass auch die US-Notenbank mit Zinssenkungen nicht so leicht bei der Hand sein könnte, wie der Markt das im Vorfeld eingepreist hatte, kippt diese Stabilität des Euro. Umso mehr, nachdem die starken US-Arbeitsmarktdaten für Januar den Eindruck verstärken, dass die US-Notenbank das Thema Zinssenkungen mit viel Bedacht angehen wird.

Euro/US-Dollar: Tages-Chart vom 05.02.2024, Kurs 1,0742 US-Dollar, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Euro/US-Dollar: Tageschart vom 05.02.2024, Kurs 1,0742 US-Dollar, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS

Der Tageschart zeigt, dass der Euro/US-Dollar-Kurs am Freitag durch die 200-Tage-Linie gerutscht war und am Montag auf das Dezember-Verlaufstief bei 1,0723 US-Dollar aufgesetzt hat. In dieser Gesamtsituation würde es nicht überraschen, wenn das die Euro-Bären nicht aufhält und das Währungspaar relativ zügig die Supportzone 1,0483/1,0516 und damit letztlich auch die langfristig entscheidende Unterstützungszone 1,0340 zu 1,0636 US-Dollar testen wird … die dann zwar halten könnte, aber keineswegs muss!

Viele Trader am Devisenmarkt dürften die Entscheidungen der US-Notenbank und der EZB genau so, wie sie dann kamen, eher nicht erwartet haben. Dadurch könnte das Pendel bei der Euro/US-Dollar-Relation jetzt zu Gunsten des Euro ausschlagen. Was wäre jetzt möglich?

Zwei Faktoren sind auf fundamentaler Ebene entscheidend dafür, welche Währung eines Währungspaares die stärkere ist: das Zinsniveau bzw. dessen Perspektive und die Frage, welchen Währungsraum die Trader als den stärkeren ansehen. Und da hat sich jetzt etwas verändert.

Die wahrscheinlichste Variante für ein Resümee der Entscheidungen der US-Notenbank und der EZB war, dass beide sich vorsichtig in Richtung anstehender Leitzinssenkungen orientieren, ohne dabei allzu konkret und entschlossen aufzutreten. Doch es kam anders:

Die US-Notenbank brachte mit ihrer Leitzinsprojektion von 4,4 bis 4,9 Prozent für Ende 2024 sogar bis zu vier kleine Zinssenkungen ins Spiel. Zwar hatte der Markt die bereits eingepreist, aber nicht damit gerechnet, dass man bereits im Dezember so konkret werden würde.

Die EZB hingegen hatte das Thema Zinssenkungen gar nicht erst auf den Tisch gebracht. Im Gegenteil verwies EZB-Chefin Lagarde darauf, dass die Inflationsrate im laufenden Monat vermutlich erst einmal wieder ansteigen werde, die Risiken eines aufflammenden Teuerung nicht zu unterschätzen seien und man über Zinssenkungen gar nicht erst diskutiert habe. Vielmehr bleib es bei dem Hinweis, dass man die Inflation wohl in den Griff bekommen würde, sollte das aktuelle Leitzinsniveau lange genug aufrechterhalten werden. Das Ergebnis:

Expertenmeinung: Es besteht die Chance, dass der US-Leitzins auf den Level des EZB-Leitzinses sinkt, eventuell sogar darunter geht. Da die US-Anleihen Zinssenkungen ohnehin schon vorweggenommen hatten und die Renditen nach dieser US-Notenbankentscheidung noch weiter fielen, ist der Zinsvorteil der US-Anleihen jetzt erheblich geringer geworden. Das sorgt grundsätzlich für Druck auf den US-Dollar und stützt den Euro.

Dem entgegen steht zwar, dass die internationalen Investoren die USA weiterhin grundsätzlich als den stabileren und stärkeren Wirtschaftsraum ansehen. Aber das Fundament ist nicht mehr so solide wie früher. Der Haushaltsstreit, das anstehende Wahljahr, die massive Verschuldung, all das sägt am Thron der USA als ideale Destination für internationales Kapital.

Damit hätte der Euro jetzt seine Chance, zum US-Dollar Boden gutzumachen. Nachdem das Währungspaar bereits im Oktober am unteren Ende der seit Jahresanfang geltenden, nur einmal kurz nach oben durchbrochenen Handelspanne nach oben gedreht hatte, gelang als Reaktion auf die Notenbank-Entscheidungen am Mittwoch und Donnerstag ein dynamischer Anstieg zurück über die 200-Tage-Linie. Jetzt stünde die obere Begrenzungszone der Trading-Range bei 1,1033 zu 1,1096 US-Dollar an, darüber dann das Jahres-Verlaufshoch bei 1,1276 US-Dollar.

Euro/US-Dollar: Tageschart vom 14.12.2023, Kurs 1,0990 US-Dollar, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS | Online Broker LYNX

Wie man das langfristig einordnen könnte, zeigt der Chart auf Monatsbasis. Hier sehen wir, dass die Aufwärtsbewegung seit dem Tief bei 0,9536 US-Dollar pro Euro als eine V-Formation mit der typischen, rechten „Plateau-Zone“ gesehen werden kann. Diese Plateau-Zone ist die derzeitige 2023er-Handelsspanne einschließlich des Jahres-Verlaufshochs. Gelänge es, diese nach oben zu verlassen, wäre die V-Trendwendeformation dadurch vollendet, das nächste Kursziel läge dann bei 1,1496 US-Dollar pro Euro. Diese beiden so unterschiedlichen Notenbank-Statements haben den Weg dafür freigegeben, jetzt müssten die Euro-Bullen nur noch umsetzen, was diese neue Konstellation ihnen offeriert.

Euro/US-Dollar: Wochenchart vom 14.12.2023, Kurs 1,0990 US-Dollar, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS | Online Broker LYNX

Grundsätzlich stehen US-Notenbank und EZB zwar vor vergleichbaren Herausforderungen. Aber momentan kommen von „Fed“ und EZB nicht dieselben Signale. Das kann den Euro weiter drücken … und da wäre sogar ein Kurs unter 1,00 US-Dollar pro Euro nicht unmöglich.

Zwei Faktoren sind für die Trends am Forex-Markt die wichtigsten. Zum einen, welche der beiden Währungsräume von den Investoren als der stärkere angesehen wird, der dadurch mehr Investitionskapital anzieht. Zum anderen, wie sich die Kapitalmarktzinsen und deren Perspektiven darstellen. Wo die höheren Zinsen zu bekommen sind, fließt grundsätzlich mehr internationales Kapital hin. Und da man in beiden Fällen, bei der Geldanlage ebenso wie bei der Investition, die entsprechende Währung haben muss, profitiert diese entsprechend.

Euro/US-Dollar: Monatschart vom 03.10.2023, Kurs 1,0475 US-Dollar, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Euro/US-Dollar: Monatschart vom 03.10.2023, Kurs 1,0475 US-Dollar, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS

Momentan sieht man den US-Dollar da klar vorne, das zeigt der Abstieg des Euro zum US-Dollar sehr deutlich. Aber wieso? Waren nicht in der Eurozone ebenso wie in den USA erste Erfolge bei der Inflationsbekämpfung zu sehen, hatten nicht beide Notenbanken den Leitzins bereits erheblich angehoben, so dass man unterstellen könnte, dass die Phase steigender Leitzinsen langsam ein Ende hat? Das schon, aber:

Expertenmeinung: Während man bei der EZB nach der letzten Sitzung andeutete, dass der jetzt erreichte Level von 4,5 Prozent zwar eine Zeitlang beibehalten werden müsse, aber womöglich ausreichen könnte, um die Inflation zurück in die Zielzone um zwei Prozent zu drücken, klang das bei der US-Notenbank anders. Dort hält man sich die Tür für mindestens eine weitere Zinserhöhung offen und hatte in den neuen Projektionen für Wachstum, Inflation und Leitzins für 2024 einen höheren Leizinslevel avisiert als im Zuge der vorherigen Prognose vom Juni. Hinzu kommt:

Die US-Konjunkturdaten deuten weiterhin zwei markante Probleme für die „Fed“ an. Zum einen scheint der US-Arbeitsmarkt weiter sehr eng zu sein, was am Dienstag durch den JOLTS-Report, der die Zahl der Stellenangebote abbildet und eine unerwartet hohe Zahl auswies, unterfüttert wurde. Zum anderen haben sich der US-Konsum und der US-Immobilienmarkt selbst durch die mittlerweile immens höheren Refinanzierungszinsen nicht beeindrucken lassen. Beides bietet einen Nährboden für weiter steigende Preise.

Euro/US-Dollar: Wochenchart vom 03.10.2023, Kurs 1,0475 US-Dollar, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Euro/US-Dollar: Wochenchart vom 03.10.2023, Kurs 1,0475 US-Dollar, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS

Damit entsteht ein Bild, das eindeutig für den Greenback spricht: In den USA liegen die Zinsen höher, könnten noch höher laufen … und zugleich ist die Wirtschaft stärker, was Investitionskapital anzieht. So gesehen ist es tatsächlich denkbar, dass die wichtige Unterstützungszone zwischen 1,0340 und 1,0522 US-Dollar pro Euro, die bereits erreicht ist, fällt und Euro/US-Dollar wieder an und unter diese Paritätsmarke von 1,00 US-Dollar pro Euro rutscht. Der Kurs müsste nicht nur aus dieser Zone nach oben herauslaufen, sondern auch noch das im Chart auf Wochenbasis zu sehende 2020er-Tief bei 1,0636 US-Dollar überwinden, um aus diesem Sog herauszukommen. Aber die Rahmenbedingungen sprechen derzeit eben nicht für, sondern gegen den Euro.

Trendbetrachtung auf Basis 6 Monate: Der Euro hat diese Woche wohl ein richtungsweisendes Kaufsignal erhalten. Bereits in meinen letzten Marktberichten hatte ich eine mögliche Unterstützung im Bereich von 1,0750 bis 1,0800 analysiert. Hier haben die Bullen die Korrektur der letzten Wochen beendet und gleichzeitig auch eine nicht unwichtige Widerstandslinie nach oben durchbrochen. Der US-Dollar geriet jüngst durch Konsum-, Inflations- und Beschäftigungsdaten etwas unter Druck. Auch die Zinsen am langen Ende sind mittlerweile deutlich gefallen. Dies hilft natürlich im Gegenzug der europäischen Gemeinschaftswährung im direkten Vergleich.  



Expertenmeinung: Auch gegenüber dem Yen befindet sich der Euro im Höhenflug und kletterte jüngst auf ein 15-Jahres-Hoch. Gegenüber dem US-Dollar ist nun vor allem darauf zu achten, dass die Notierungen möglichst nicht mehr unter das letzte Korrekturtief bei 1,07655 fallen. Alles oberhalb dieser Ebene erscheint recht vielversprechend. Diese Woche stehen in den USA noch wichtige Daten wie der persönliche Konsum und auch der Kern PCE (Kernpreisindex der persönlichen Konsumausgaben) an – dies sind bevorzugte Inflationsindikatoren für die US-Notenbank. Aktuell sieht es recht bullisch aus für den Euro. Weitere Anstiege halte ich aus aktueller Sicht für sehr wahrscheinlich.

Aussicht: BULLISCH

EUR.USD Forex: Chart vom 31.08.2023, Kurs: 1.09173, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
EUR.USD Forex: Chart vom 31.08.2023, Kurs: 1.09173, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS