EUR.USD Prognose Euro/US-Dollar: Um die Wende geht es … genau jetzt!

Aktuelle Entwicklung des EUR.USD

von |
In diesem Artikel

EUR.USD
ISIN: EU0009652759
|
Ticker: EUR.USD --- %

---
--
---% (1D)
1 W ---
1 M ---
1 J ---
Zur EUR.USD

Der Rutsch des Euro unter die Parität zum US-Dollar wirkte nicht nur eindeutig, sondern auch endgültig. Doch auf einmal ist der Euro wieder stark. Die Frage ist: Ist das nur ein letztes Aufbäumen oder wird das wirklich die Wende? Ein Blick auf den Chart und die Hintergründe.

Das Wiedererstarken des Euro basiert auf einer grundsätzlich logischen Argumentation: Ursprünglich war der US-Dollar zum Euro so lange und massiv gestiegen, weil man davon ausging, dass die Inflation in den USA stärker ausfallen wird, die US-Notenbank entsprechend schneller und stärker reagiert und sich dadurch die Schere zwischen US-Zinsen und denen der Eurozone ausweiten wird. Das macht US-Anleihen attraktiver, zumal man unterstellt, dass wirtschaftlich wie geopolitisch der Dollar-Raum der für internationales Geld sicherere Hafen wäre. All das macht den US-Dollar attraktiver – also wurde er von den Spekulanten massiv gekauft.

Jetzt aber glauben viele, dass die US-Inflation auf dem Rückzug ist. Ob das wirklich so ist, spielt dabei nicht zwingend eine Rolle, wichtig ist, ob genug Trader das glauben wollen. Damit sieht man die US-Zinsen nur noch wenig steigen und erwartet, dass sich die bislang den US-Dollar begünstigende Schere wieder schließt. Denn in der Eurozone ist die Inflation höher, die Bugwelle durch die extrem viel mehr als in den USA gestiegenen Erzeugerpreise größer und die EZB daher nicht in der Lage, den Fuß vom Leitzins-Gaspedal zu nehmen. Ergo kauft man den Euro zurück. So weit, so logisch, aber:

Den aktuellen Kurs und Chart des Währungspaars EUR.USD und historische Wechselkurse finden Sie hier.

Expertenmeinung: Ob man mit der Unterstellung, dass die US-Notenbank quasi schon wieder an Zinssenkungen denkt, richtig liegt, werden die kommenden Monate erst zeigen müssen. Die neuen Euro-Bullen können sich zwar sagen, dass man bis dahin ja freie Bahn habe, den Euro zum US-Dollar höher zu ziehen. Aber da würde man die Rechnung ohne diejenigen machen, die dieses Denkmodell in Zweifel ziehen und mutmaßen, dass die US-Notenbank die Zinsschraube noch deutlich länger anzieht, als viele derzeit glauben. Nicht zuletzt, weil eine Inflation mit einer Jahresrate von zuletzt 7,7 Prozent eben immer noch sehr weit vom Ziel von 2,0 Prozent entfernt ist und es fraglich ist, ob das derzeitige Leitzinsniveau ausreicht, um ein Stopp der Teuerung zu erreichen.

Daher sollte man diese Rallye des Euro noch nicht zu hoch hängen. Das könnte/sollte man dann tun, wenn die entscheidende charttechnische Zone, die der Euro jetzt zwar erreicht, nicht aber bereits überwunden hat, bezwungen wird. Denn das würde zeigen, dass die vorgenannten Skeptiker nicht zahlreich und/oder entschlossen genug sind, um ein mittelfristig relevantes, bullisches Signal des Euro zu verhindern. Die Charts zeigen, worum es da aktuell geht:

Euro/US-Dollar: Monats-Chart vom 16.11.2022, Kurs 1,0370 US-Dollar, Kürzel EUR.USD | Online Broker LYNX

Der Euro ist zum US-Dollar jetzt in die bereits seit 2015 wichtige Zone 1,0340/1,0520 US-Dollar pro Euro hineingelaufen. Diese Zone wird momentan, das sehen wir im Chart auf Tagesbasis, noch durch die 200-Tage-Linie verstärkt, an welcher der Euro am Dienstag und Mittwoch erst einmal abgewiesen wurde. Wenn Euro/US-Dollar diese Zone 1,0340/1,0520 US-Dollar auf Schlusskursbasis um mindestens einen halben Cent überboten hat, dann hätten wir hier ein massives Long-Signal für den Euro. Vorher aber nicht!

Euro/US-Dollar: Tages-Chart vom 16.11.2022, Kurs 1,0370 US-Dollar, Kürzel EUR.USD | Online Broker LYNX
Firmendepot für Kapitalgesellschaften

Sie möchten ein Depot für Ihre GmbH, AG oder UG eröffnen und Betriebsvermögen in Wertpapieren anlegen? Informieren Sie sich jetzt über unser Wertpapierdepot für Geschäftskunden: Mehr zum Firmendepot über LYNX

--- ---

--- (---%)
Mkt Cap
Vol
T-Hoch
T-Tief
---
---
---
---

Displaying the --- chart

Heutigen Chart anzeigen

Alle Börsenblick-Artikel

Nachricht schicken an Ronald Gehrt
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.

Vorherige Analysen von EUR.USD

Der Euro schien zum US-Dollar haltlos immer weiter zu fallen. Doch im Verlauf des Mittwochs kamen Käufe auf. Und die begannen an einem charttechnisch idealen Punkt, um in den kommenden Tagen weiterzugehen. Aber wird daraus mehr als eine kurze Gegenbewegung?

Das Jahr 2021 beendete die Euro/US-Dollar-Relation bei 1,1377 US-Dollar. Am gestrigen Mittwoch notierte der Euro im Tief bei 0,9536 US-Dollar. Das bedeutet einen Abstieg von über 16 Prozent binnen neun Monaten. Ein kräftiger und in dieser Dimension unerwarteter Wertverfall, der der Eurozone weit mehr Schaden als Nutzen brachte. Jetzt kam es am Mittwochabend zu Käufen. Ist Land in Sicht?

Ob aus einem kleinen Kurssprung eine Gegenbewegung, aus dieser eine größere Korrektur und aus der wiederum am Ende eine Trendwende wird, kann man nie sicher vorhersagen. Denn das kommt auf die Veränderung der Rahmenbedingungen in den kommenden Tagen, Wochen und Monaten an. Und wie sich die entwickeln, kann man derzeit noch weniger vorhersagen als sonst. Aber tendenziell müsste man vermuten: Für eine ordentliche Gegenreaktion nach oben kann es reichen, für mehr wohl eher nicht, denn die Gründe, die den Euro in den vergangenen Monaten unter Druck setzten, bestehen fort. Aber für eine Gegenbewegung, die man als ganz kurzfristig orientierter Trader nutzen könnte, mag es schon reichen, denn die Vorlage ist tadellos:

Expertenmeinung: Der Euro war in den vergangenen Tagen an die untere Begrenzung des zu Jahresbeginn etablierten und immer wieder auf beiden Seiten bestätigten Abwärtstrendkanals gefallen. Dort hat sich jetzt ein „Morning Star“ herausgebildet: eine rote Kerze, gefolgt von einem Doji, dem am dritten Tag der Formation eine grüne Kerze folgte. Dies nahe an der unteren Linie des Trendkanals bei zugleich überverkauften markttechnischen Indikatoren (hier im Chart der RSI) ist eine ideale Basis für eine kleine Rallye.

Aber solange weiterhin mehr gegen als für den Euro als Investmentziel internationaler Anleger spricht, wäre ein daraus resultierender Ausbruch aus dem Abwärtstrendkanal eine Überraschung. Wenn sich die derzeitige Gemengelage nicht nennenswert ändern sollte, wäre es daher bereits am oberen Ende des Trendkanals, derzeit bei 1,0080 US-Dollar, zu erwarten, dass der Euro seinen Abstieg wieder aufnimmt. Zu viel wagen sollte man hier daher nicht, auch, wenn die Ausgangsbasis für einen kurzfristig wieder festeren Euro aus rein charttechnischer Sicht eine sehr gute ist.

Euro/US-Dollar: Chart vom 28.09.2022, Kurs 0,9747 US-Dollar, Kürzel EUR.USD | Online Broker LYNX

Die klaren Aussagen der US-Notenbank in Bezug auf weitere Leitzinserhöhungen und die Dauer der Inflation führten dazu, dass der US-Dollar seit Mittwoch erneut an Wert zulegte, die Relation Euro/US-Dollar neue Jahrestiefs erreichte. Und das könnte so weitergehen.

Zwar waren am Donnerstag auch aus Richtung der EZB Aussagen zu lesen, dass man die Zinsen weiter anheben müsse und werde. Aber dass die US-Notenbank mit ihrer Zins-Guidance deutlich machte, dass der Leitzins bis Ende des kommenden Jahres nicht nur noch mindestens zwei Prozentpunkte angehoben werden, sondern auch auf diesem hohen Niveau bleiben dürfte, stach den Euro erst einmal in der Nachfrage aus. Die Trader bleiben Dollar-Long bzw. bauen ihre Positionen aus. Dass die Rendite der US-Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit am Donnerstag bis zu 3,7 Prozent stieg, führte dazu, dass der Zinsvorteil zu Gunsten von US-Anleihen erhalten blieb. Und nicht nur das.

Der Euro ist nun einmal nicht die Krisenwährung Nummer 1, die Währung also, in die internationale Investoren bevorzugt investieren, wenn es zu einer weltweiten Krisensituation kommt, wie wir sie jetzt sehen. Das Vertrauen in den US-Dollar als die Währung, die im Zweifelsfall am stabilsten bleibt, ist da bislang ungebrochen.

Expertenmeinung: Dementsprechend kann man in der Tat vermuten, dass der Euro zum US-Dollar vorerst keine Chance hat, allzu viel Boden gutzumachen. Gegenbewegungen kann und wird es immer geben. Aber dass es gelänge, den mittelfristigen Abwärtstrend, dessen obere Begrenzung momentan bei 1,0125 US-Dollar verläuft, zu überwinden, im Idealfall die langfristig wichtige Zone 1,0340/1,0523 US-Dollar zurückzuerobern, ist in der aktuellen Gesamtsituation wenig wahrscheinlich.

Was die Reaktion auf die Aussagen der US-Notenbank am Mittwoch auch unterstreicht. Sie sehen im Chart, dass der Euro als Folge der konsequent „hawkishen“ Aussagen der „Fed“ das bisherige Jahres-Verlaufstief von 0,9864 US-Dollar unterboten hatte. Die untere Begrenzungslinie des Trendkanals diente bislang als Bremse für die Euro-Bären, diese Funktion könnte sie auch vorerst behalten. Aber diese Linie liegt per heute bei 0,9540 US-Dollar, da wäre also noch einiges an Spielraum nach unten für die Euro-Bären vorhanden … und es wäre nicht überraschend, wenn dieser Spielraum auch zeitnah ausgelotet würde.

Euro/US-Dollar: Chart vom 22.09.2022, Kurs 0,9837 US-Dollar, Kürzel EUR.USD | Online Broker LYNX

Im Vorfeld der EZB-Entscheidung vom vergangenen Donnerstag hatte der Euro zum US-Dollar ein neues Jahrestief markiert. Seither kommt wieder Leben in die Währung, die Parität ist zurückerobert. Das ist logisch durchaus nachvollziehbar – aber die Wende ist es noch nicht.

Die Parität, also den Level 1:1 zum US-Dollar, die hatte der Euro schon im Juli getestet, aber nie darunter geschlossen. Ende August passierte aber genau das: Erstmals seit 2002 war der US-Dollar mehr wert als einen Euro. Grundlage der Euro-Schwäche waren vor allem drei Aspekte:

Erstens geht man am Devisenmarkt davon aus, dass sich die Schere zwischen den Leit- und Anleihezinsen der USA und der Eurozone weiter zu Gunsten der USA entwickeln wird, was den US-Dollar als Investmentwährung attraktiver macht. Zweitens erwartet man, dass die Wirtschaft der Eurozone gegenüber der der USA weiterhin schwächer laufen wird, was das internationale Kapital ebenso wie die höheren Zinsen in Richtung Dollar-Raum leitet. Und drittens wird unterstellt, dass EU-Regierungen und EZB keine Mittel finden werden, dem durch die Energieproblematik forcierten, zugleich inflationstreibenden Druck auf das Wachstum zu begegnen.

Dass der Euro sich jetzt wieder zumindest leicht über die Parität 1,00 hat retten können, basiert darauf, dass man diese Faktoren im Licht der EZB-Entscheidung und der mitgelieferten Statements neu bewertet. Aber reicht das für eine echte Aufwärtswende?

Expertenmeinung: Zunächst einmal reicht es, ein weiteres Abrutschen des Euro zu verhindern, das ist ja schon mal etwas. Basis der vorsichtigen Rückkäufe im Euro war nicht nur, dass die EZB mit 0,75 Prozent einen für sie untypisch großen Zinsschritt vornahm, sondern auch, wie man das im Zuge der Pressekonferenz kommentierte. Denn da ließ man durchblicken: Es wird kein zögerliches Reagieren auf die Inflation in winzigen Schritten geben, wie man das vor wenigen Monaten noch vermutete. Die EZB wird die Leitzinsen noch mehrfach und wohl auch zügig anheben. Das ging aus Aussagen der EZB-Chefin Lagarde ebenso hervor wie aus der aktualisierten Inflationsprognose für 2023. Denn jetzt sieht man für 2023 eine durchschnittliche Teuerungsrate von 5,5 Prozent, weit genug über dem Ziel von um die zwei Prozent, um klar zu machen, dass der Leitzins deutlich weiter steigen wird.

Schlussfolgerung: Die Inflationsbekämpfung wird entschlossener laufen als gedacht … und die Zinsschere USA/Eurozone kleiner ausfallen als lange vermutet. Beides Aspekte, die für Forex-Trader dafür sprechen, den Euro nicht weiter unter Druck zu setzen. Aber es ist zumindest offen, ob es auch zu mehr reicht, sprich ob wir damit die Geburtsstunde einer Aufwärtswende sehen und nicht nur die einer volatilen, monatelangen Seitwärtsbewegung. Zwei charttechnische Ankerpunkte müssten bezwungen werden, damit eine Aufwärtswende an Kontur gewinnt:

Euro/US-Dollar: Tages-Chart vom 12.09.2022, Kurs 1,0123 Euro, Kürzel EUR.USD | Online Broker LYNX

Zunächst einmal müsste es der Euro aus dem im Februar etablierten Abwärtstrendkanal hinaus schaffen. Dessen obere Begrenzung verlief gestern bei 1,02 US-Dollar pro Euro … und genau dort wurde der Euro-Anstieg zunächst gebremst, was deutlich macht: Da sind durchaus noch Euro-bärische Trader aktiv.

Wichtiger noch ist die Widerstandszone 1,0340/1,0523 US-Dollar. Das war die Zone, in der der Euro in den Jahren 2015 bis 2017 seine Tiefs sah. Vor allem die Marke von 1,0340 US-Dollar ist auch heute noch von immenser Bedeutung, im Mai und Juni funktionierte sie als Support, im August wurde sie zum Widerstand, an dem eine Euro-Erholung scheiterte. Zumindest die 1,0340 US-Dollar-Hürde müsste der Euro nehmen, bevor eine Aufwärtswende realistisch würde. Was wir bislang sehen, ist nur ein Stoppen der Verkäufe … das ist noch zu wenig, um hier mit überschaubarem Risiko auf die Long-Seite wechseln zu wollen.

Euro/US-Dollar: Monats-Chart vom 12.09.2022, Kurs 1,0123 Euro, Kürzel EUR.USD | Online Broker LYNX

Gestern erreichte der Euro zum US-Dollar ein neues Jahres-Verlaufstief und damit den tiefsten Stand seit fast 20 Jahren. Es spricht einiges dafür, dass es damit nicht getan ist, dass der Euro noch weiter abrutschen könnte. Wo liegt das Problem – und wo das nächste Kursziel?

Inflationssorgen und eine immer stärker wackelnde Konjunktur, diese Probleme haben die USA und Europa beide. Doch internationale Investoren sehen die Eurozone dennoch als den deutlich fragileren Wirtschaftsraum an. Und das nicht zu Unrecht. Denn was die Energieversorgung angeht, stehen die USA in Richtung Herbst und Winter weit weniger gefährdet da als Europa. Hier wären Produktionsstopps und ein massiver Einbruch beim Konsum denkbare Szenarien. Und das hat Auswirkungen auf die Währung.

Zum einen, weil ein solches Szenario kein Umfeld ist, in dem es die EZB wagen könnte, die Leitzinsen auch nur ansatzweise in der Größenordnung anzuheben, wie dies in den USA geschieht. Damit läge der Renditevorteil bei Anleihen weiter klar auf Seiten der USA. Und eine hohe Nachfrage nach US-Anleihen bedeutet auch eine hohe Nachfrage nach dem US-Dollar, schließlich werden sie in US-Dollars bezahlt.

Zum anderen, weil eine darnieder liegende Wirtschaft kein Investitionskapital mehr anzieht, sondern dieses eher von dort abfließt. Auch das spricht gegen den Euro und für die Stärke des US-Dollars, der darüber hinaus in weltwirtschaftlich und/oder geopolitisch kritischen Phasen immer noch als „sicherer Hafen“ angesehen wird. Somit könnte der Abstieg des Euro auch jetzt noch weitergehen. Aber wie weit kann das noch führen?

Expertenmeinung: Rein aus charttechnischer Sicht hätte der Euro erst einmal Abwärtspotenzial bis an die untere Begrenzung des Anfang des Jahres etablierten Abwärtstrendkanals bei momentan 0,9770 US-Dollar für einen Euro. Aber davon abgesehen, dass sich diese Linie sukzessiv abwärts bewegt, ist das nur ein Anhalt, aber keine verlässliche Orientierung. Aus zwei Gründen:

Euro/US-Dollar: Monats-Chart vom 23.08.2022, Kurs 0,9966 US-Dollar, Kürzel EUR.USD | Online Broker LYNX

Erstens macht ultra-kurzfristiges Trading am Devisenmarkt über 90 Prozent des Umsatzes aus. Und diese Trades basieren auf einer entsprechend kurzfristigen chart- und markttechnischen Gemengelage, die dadurch nicht nur sehr dynamisch ist, sondern sich auch nicht an fundamentalen Argumenten orientieren muss. Derzeit dürfte angesichts des vorherigen Abdrehens des Euro am Kreuzwiderstand in Form der oberen Begrenzung des Abwärtstrendkanals und der bis 2017 zurückreichenden Chartmarke von 1,0340 US-Dollar klar sein, dass die grundsätzliche Richtung dieser Trader vorerst die Short-Seite bleiben dürfte.

Zweitens entwickeln sich ja auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dynamisch und selten nach Plan, hinzu kommt deren subjektive Beurteilung durch die Investoren. Daher wäre ein schneller Abstieg in Form eines Ausbruchs aus dem Abwärtstrendkanal nach unten zwar aktuell nicht unbedingt wahrscheinlich, im Gegenzug aber nicht unmöglich. Ein konkretes Kursziel ins Auge zu fassen, ist daher wenig sinnvoll, klar bleibt indes: Nach unten hätte der Euro wohl noch einiges an Luft, nach oben hingegen würden den Tradern schnell die Argumente ausgehen.

Euro/US-Dollar: Tages-Chart vom 23.08.2022, Kurs 0,9966 US-Dollar, Kürzel EUR.USD | Online Broker LYNX

Die Leitzinsen sind in aller Munde, der Euro-Abstieg bereitet der Wirtschaft Probleme, die Inflation ist kritisch: Eigentlich müsste es bei der Euro/US-Dollar-Relation rund gehen. Aber was macht das Währungspaar? Gar nichts. Sind die Forex-Trader in der Sommerpause?

Die Trader wohl eher nicht, aber die Notenbanken. Die EZB hatte am 21. Juli den Leitzins angehoben, die nächste Sitzung steht erst wieder am 8. September an. Und die US-Notenbank, deren letzte Sitzung am 27. Juli stattfand, kommt sogar erst wieder am 21. September zusammen. Das heißt: Bis zu den nächsten Zinsmaßnahmen und einer aktualisierten Lageeinschätzung und Perspektive dauert es noch mehrere Wochen. Und nicht nur das:

Zwar kommen morgen die US-Inflationsdaten für den Juli. Aber andere wichtige Daten wie die Verbraucherpreisentwicklung des Julis in der Eurozone kennt man bereits, ebenso die ersten Berechnungen zum Bruttoinlandsprodukt des zweiten Quartals für die USA und die Eurozone. Es liegt also fast alles auf dem Tisch und daraus abzuleitende, die Währungen bewegende Entscheidungen kommen erst im September. Das wäre grundsätzlich kein zwingendes Argument für die Euro/US-Dollar-Relation, teilnahmslos seitwärts zu schleichen. Aber dass es momentan trotzdem so ist, liegt an der besonderen Situation des Chartbilds.

Expertenmeinung: Denn da ist das Währungspaar in einer relativ engen Spanne zwischen zwei immens wichtigen Marken eingekeilt. Auf der einen Seite ist es zwar gelungen, die Parität 1:1 einigermaßen zu halten. Im Tief war der Euro zum Greenback auf 0,9952 US-Dollar pro Euro gefallen, aber nur kurz. Aber auf der anderen Seite wartet schon bei 1,0340 US-Dollar eine massive, ehemalige Unterstützung aus dem Jahr 2017, eigentlich sogar eine bis 1,0636 US-Dollar hinauf reichende Zone, die jetzt als Widerstand fungiert.  

Im kurzfristigen Chartbild sehen wir, dass der Test der Parität zugleich dazu führte, dass die untere Begrenzung des im Februar etablierten Abwärtstrendkanals hielt. Dessen obere Begrenzung wurde daraufhin zwar angesteuert, aber da kommt erneut die Hürde von 1,0340 US-Dollar ins Spiel, denn genau dort wartet momentan die obere Begrenzung dieses Kanals.

Euro/US-Dollar: Tages-Chart vom 08.08.2022, Kurs 1,0190 US-Dollar, Kürzel EUR.USD | Online Broker LYNX

Um aus diesem „Käfig“ herauszukommen, braucht es neue Daten, neue Perspektiven und, idealerweise, aktualisierte Fahrpläne der beiden betroffenen Notenbanken „Fed“ und EZB. So gesehen: Es ist zwar grundsätzlich jederzeit möglich, dass Euro/US-Dollar aus dieser Range ausbricht und damit dann frische, charttechnische Signale generiert, denen man in Ausbruchsrichtung folgen könnte. Aber wahrscheinlicher wäre es im Augenblick tatsächlich, dass das Währungspaar seine stabile Seitenlage im Sommermonat August noch beibehält.

Euro/US-Dollar: Monats-Chart vom 08.08.2022, Kurs 1,0190 US-Dollar, Kürzel EUR.USD | Online Broker LYNX