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Während Dow Jones und S&P 500 in diesem Jahr bereits neue Rekorde markierten, gelang das dem Nasdaq 100 nicht. Damit bleibt eine mittelfristig wichtige Supportzone gefährlich nahe. Am Freitag gelang es zwar, den Abstand zu vergrößern – aber ausgerechnet am Freitag?
Allzu groß war das Plus, mit dem der technologielastige Nasdaq 100 am Freitag ins Wochenende ging, zwar nicht. Aber so mancher dürfte sich gewundert haben, dass es überhaupt gelang, diesen Index ebenso wie die anderen großen US-Indizes an einem Tag wie diesem höher zu tragen. Denn es war ein Tag, der mit problematischen Nachrichten nicht gerade geizte.
Die erste Berechnung zum US-Bruttoinlandsprodukt des vierten Quartals 2025 war auf den Tisch gekommen und barg eine unerfreuliche Überraschung: Statt der zuletzt im Schnitt prognostizierten 3,0 Prozent betrug das annualisierte Wachstum nur 1,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Wobei „annualisiert“ bedeutet, dass man das tatsächliche Wachstum einfach mit vier multipliziert, so dass diese 1,4 Prozent nur dann real wären, wenn die US-Wirtschaft vier Quartale am Stück und nicht nur ein Quartal im jetzt gemessenen Tempo wächst. Auf europäische Berechnungen, die das „Ist“ eines Quartals korrekt mit dem Vorquartal vergleichen, läge man also eigentlich nur bei +0,35 Prozent. Besser als nichts, aber eben viel weniger als gedacht.

Und dann war da eben die Sache, die die US-Wachstumsdaten umgehend in den Hintergrund drängte: die Entscheidung des US Supreme Court zu Donald Trumps Einfuhrzöllen. Mit 6 zu 3 Stimmen entschied das oberste US-Bundesgericht, dass der US-Präsident mit diesen Entscheidungen seine Befugnisse überschritten habe. Und nur kurze Zeit später kam, womit zu rechnen war: die Antwort von Donald Trump.
Dieser erklärte, alle Zölle würden bestehen bleiben, man werde vor Gericht gehen und andere Wege finden, die bestehenden Zölle zu begründen. Eine Genehmigung der US-Kongresskammern benötige er nicht, weil seine Zölle bereits genehmigt seien, und zudem werde er umgehend, er sprach von drei Tagen, zusätzliche Zölle in Höhe von zehn Prozent auf alle Einfuhren in die USA anordnen. Wie kann der Nasdaq 100 in einem solchen Umfeld zulegen?
Expertenmeinung: Zum einen glauben durchaus nicht wenige US-Anleger, dass die Zölle für die US-Wirtschaft ein Segen seien. Dass das Wachstum, auf das Gesamtjahr 2025 gerechnet, das niedrigste seit 2020 war, schiebt man einfach auf den langen Shutdown. Darüber hinaus wäre es denkbar, dass manche sich auf „TACO“ (Trump always chickens out) verlassen, sprich glauben, dass Mr. Trump, wenn er sich erst einmal beruhigt hat, die neuen Zölle … die ja letztlich nicht auf einem Fehlverhalten anderer Länder basieren, sondern eher wie eine Trotzreaktion, ein „jetzt erst recht“ wirken … schon nicht umsetzen wird.
Aber vor allem fielen diese Nachrichten auf einen Tag, an dem der Aktienmarkt höchst sensibel auf Irritationen reagieren kann, nämlich auf die Abrechnung der Aktien- und Indexoptionen an der Terminbörse. Ein Termin, der in den USA, wo Optionen neben den Futures die dominierenden Derivate sind, deutlich bedeutsamer ist als in Europa. Es ist gut möglich, dass große Adressen, die die Chance sahen, den Nasdaq 100 nahe am runden Basispreis von 25.000 abzurechnen und dadurch einen Vorteil hatten, das mit gezielten Käufen und/oder Stützungskäufen durchgesetzt haben.
„Möglich“ bedeutet nicht „sicher“, aber der Start in diese neue Woche wird vermutlich umgehend zeigen, wie solide diese verblüffend bullische Reaktion auf klar bärische Entwicklungen sein wird. Sollte man nur mit aller Macht so getan haben, als wäre nichts, um die Terminbörsen-Abrechnung nicht in ein Chaos zu verwandeln, wird sich das womöglich schon heute herausstellen.
Aber falls dieser so verdächtige Optimismus nicht hält, der ja zugleich auch noch das Risiko einer militärischen Aktion gegen den Iran ignorierte, kann es angesichts des Chartbildes des Index schnell äußerst brenzlig werden:

Wir sehen im Chart auf Tagesbasis, dass der Nasdaq 100 im Bereich 24.000 zu 24.200 Punkte eine wichtige Supportzone hat. Würde sie fallen, wäre zugleich die 200-Tage-Linie gebrochen und eine mehrmonatige Toppbildung vollendet. Auch mit dem Plus des Freitags beträgt der Sicherheitsabstand bis zum unteren Ende dieser Zone nur vier Prozent. Wenig genug, um hier jetzt sehr auf der Hut zu sein!
Aussicht: neutral
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