Noch vor wenigen Wochen schien die Rallye von Expedia unaufhaltsam. Dann folgte ein abrupter Kursrutsch. Reißleine ziehen?
Was ist hier los?
Im letzten Artikel zu Expedia hatte ich die Frage erörtert, ob man Gewinne mitnehmen sollte (Expedia: Kursfeuerwerk. Jetzt Gewinne mitnehmen?). Das Timing wäre nicht ganz verkehrt gewesen, denn seitdem ist der Kurs von 268 auf 213 USD gefallen.
Inzwischen stellt sich die gegenteilige Frage. Ist langsam der Zeitpunkt gekommen, um zuzuschlagen?
Schaut man sich die operativen Kennzahlen an, fragt man sich, warum die Aktie überhaupt gefallen ist. Über die Bewertung einer Aktie lässt sich immer streiten, aber greifbare Gründe für den Abverkauf sucht man vergeblich.
Seit der letzten Analyse gab es kaum Neuigkeiten zu Expedia. Damals hatte das Unternehmen gerade Quartalszahlen vorgelegt, die überzeugen konnten. Anschließend kam es zu etlichen Upgrades durch Banken und Researchhäuser.
Da der Kurs in den letzten Wochen gesunken ist, folgten die üblichen Kursziel-Senkungen. All das folgt aus meiner Sicht immer demselben Muster. Nachdem die Kurse gestiegen sind, werden Kursziele erhöht – und nachdem sie gefallen sind, werden sie gesenkt.
Doch darum soll es heute nicht gehen. Abseits von Ratings gab es schlichtweg keine nennenswerten Neuigkeiten. Zumindest bis vergangene Woche, als Expedia die Zahlen zum Schlussquartal präsentiert hat.
Rekordjahr und Quartal
Der Gewinn lag mit 3,78 USD je Aktie über den Erwartungen von 3,46 USD. Mit einem Umsatz von 3,55 Mrd. USD wurden die Analystenschätzungen von 3,38 Mrd. USD ebenfalls übertroffen.
Auf Jahressicht entspricht das einem Umsatzplus von 11 % und einem Gewinnanstieg um 58 %. Das operative Ergebnis hat sich von 216 auf 420 Mio. USD nahezu verdoppelt.
Die Zahl der gebuchten Nächte konnte im Geschäftsjahr 2025 um 8 % gesteigert werden. Ebenso wie der Umsatz, der um 8 % auf 14,73 Mrd. USD kletterte.
Das operative Ergebnis verbesserte sich um 42 % auf 1,87 Mrd. USD und das Ergebnis um 31 % auf 15,86 USD je Aktie.
Der freie Cashflow konnte um 34 % auf 3,11 Mrd. USD gesteigert werden.
Das dürfte sich in ähnlicher Weise fortsetzen. Für das erste Quartal stellt Expedia ein Umsatzplus von 11 – 13 % und eine zunehmende Profitabilität in Aussicht. Die bereinigte EBITDA-Marge soll um 3 – 4 % steigen. Im letzten Geschäftsjahr lag sie bei etwa 24 %.
Eine Steigerung um 3 – 4 % wäre demnach substanziell.
Ausblick
Für das gesamte Geschäftsjahr zeigt sich Expedia etwas zurückhaltender. Der Umsatz soll um 6 – 9 % steigen, bei einer gleichzeitigen Steigerung der bereinigten EBITDA-Marge um 1,00 – 1,25 %.
Hinzu kommen die laufenden Aktienrückkäufe. In den letzten 12 Monaten hat Expedia für 1,7 Mrd. USD eigene Aktien eingezogen, wodurch die Zahl der ausstehenden Papiere von 137,9 auf 131,9 Millionen Stück gesunken ist.
Die Barmittelbestände sind in dieser Zeit dennoch von 5,57 auf 6,97 Mrd. USD gestiegen. Gleichzeitig wurden die langfristigen Schulden von 5,22 auf 4,47 Mrd. USD reduziert.
Den Konsensschätzungen zufolge wird der Gewinn im laufenden Geschäftsjahr (2026) um 22 % auf 19,38 USD je Aktie steigen. Expedia kommt demnach auf eine forward P/E von 11.

Expedia ist zum Ausgangspunkt der letzten Rallyebewegung zurückgekommen und hat die zwischenzeitlich angefallenen Kursgewinne wieder negiert.
Gelingt jetzt eine Stabilisierung nahe der Unterstützung bei 204 USD, könnte das eine Erholung in Richtung 225 – 228 oder 247 – 250 USD einleiten.
Fällt Expedia jedoch unter 204 USD, muss mit einer Ausdehnung der Korrektur bis 190 oder 178 USD gerechnet werden. Theoretisch könnte auch der Aufwärtstrend nahe der Unterstützung bei 156 USD angesteuert werden.
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