Tesla Aktie Prognose Tesla: Sehen wir gerade die Rückkehr der Bullen?

News: Aktuelle Analyse der Tesla Aktie

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Tesla
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Tesla war am Mittwoch Tagessieger im Nasdaq 100 (am Donnerstag wurde in den USA nicht gehandelt). Dadurch ist im Chartbild der Aktie ein potenziell bullischer „Morning Star“ entstanden. Sehen wir gerade die Rückkehr der Bullen, ist das die Basis der Aufwärtswende?

Noch stuft eine leichte Mehrheit der Analysten die Tesla-Aktie als Kauf ein. Noch liegt das Kursziel mit im Schnitt 290 US-Dollar weit über dem aktuellen Kurs. Aber dass immer mehr Analysten die Aktie nur mit „Halten“ einstufen, wäre vor zwei, drei Jahren noch undenkbar gewesen. Ja, es gab immer einige Analysehäuser, die Tesla äußerst negativ sahen und mit „Verkaufen“ einstuften. Und auch jetzt liegt das niedrigste aller Kursziele bei 85 US-Dollar. Aber die Zahl der Skeptiker nimmt eben jetzt zu. Nicht zu Unrecht, denn:

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Tesla und sein Chef Elon Musk werden immer als untrennbare Einheit gesehen. Und Elon Musk hat zuletzt öfter Negativschlagzeilen gemacht. Das vor einigen Jahren avisierte und dann doch abgeblasene Delisting der Aktie, verbunden mit allerhand falschen Aussagen, haben die Anleger noch hingenommen, weil man sicher war, dass Tesla auch mit einem Musk-Schlingerkurs zur Goldgrube werde. Aber die Twitter-Übernahme und zunehmend politische Statements lassen auch Analysten zweifeln, ob es bei Tesla auf Dauer rund laufen wird. Vom für Autos in der preislichen Mittel- und Oberklasse derzeit kritischen Umfeld mal abgesehen. Aber steigen Teslas Gewinne nicht trotzdem? Ist die Aktie nach der Kurshalbierung denn nicht von der Bewertung her langsam „billig“ und damit für eine große Aufwärtswende reif?

Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur Tesla Aktie finden Sie hier.

Expertenmeinung: Nein, Tesla ist immer noch nicht günstig bewertet. Wenn Tesla sich als einer der Großen in der Automobilindustrie etablieren will bzw. irgendwann etabliert hat, gelten für dieses Unternehmen grundsätzlich die gleichen Bewertungsgrundlagen wie für Mercedes, VW, GM oder Stellantis. Und für Autobauer-Aktien sind Kurs/Gewinn-Verhältnisse (KGV) zwischen 7 und 10 normal. Auf Basis der aktuellen 2022er-Gewinnschätzung für Tesla läge dessen KGV auch nach diesem Kursabstieg immer noch bei 45. Und würden die Gewinnprognosen für 2024 eintreffen, die die Analysten freilich derzeit nur in der Glaskugel ablesen, läge das KGV dann immer noch bei 25. Das ist teuer. Damit nicht genug:

Eigentlich ist dieser Kursabstieg, so dramatisch er im kurzfristigen Chartbild auch wirkt, immer noch eher einer Rückkehr zur Normalität, wenn man sich den hier ebenfalls abgebildeten, längerfristigen Chart auf Wochenbasis ansieht.

Tesla-Aktie: Wochen-Chart vom 23.11.2022, Kurs 183,20 US-Dollar, Kürzel TSLA | Online Broker LYNX

Die mehrfachen Aktiensplits haben die Wahrnehmung dahingehend verzerrt, aber im Langfrist-Chart sieht man, wie extrem sich der Kurs dieser Aktie aufgebläht hatte. Das heißt zwar nicht, dass der Weg nach oben definitiv zugestellt wäre, aber man sollte besser nicht einfach unterstellen, dass Tesla jetzt nach nur einem starken Handelstag in Kürze wieder zur Kursrakete wird.

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Was es hier braucht, ist die Rückkehr des Vertrauens in den Unternehmenslenker Musk, ein aufgehelltes Umfeld für die Automobilindustrie insgesamt und klare, bullische Signale im Chartbild. Und dafür reicht es nicht, dass Tesla in den drei letzten Handelstagen einen kleinen „Morning Star“ produziert hat, dazu müsste diese Aktie über die Chart-Hürde hinaus, die zweifellos vom Bären-Lager verteidigt würde: über die Zone 198/209 US-Dollar. Dann wäre erst einmal wieder Luft nach oben. Allem, was sich darunter abspielt, sollte man in Sachen Aufwärtswende besser misstrauen.

Tesla-Aktie: Tages-Chart vom 23.11.2022, Kurs 183,20 US-Dollar, Kürzel TSLA | Online Broker LYNX

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Vorherige Analysen der Tesla Aktie

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Trendbetrachtung auf Basis 6 Monate: Die Übernahme von Twitter hat Elon Musk nicht wirklich viel Ruhm eingebracht und Anleger des Elektrofahrzeugherstellers zeigten sich besorgt darüber, wo das Geld für die Übernahme, wenn nicht durch den Verkauf von Tesla-Aktien kommen sollte.

Damit lagen sie gar nicht mal so falsch. Jüngst wurde bekannt, dass Musk Papiere im Wert von 3.95 Milliarden USD verkauft hatte. Dieses Geld dürfte wohl für die Übernahme von Twitter verwendet werden, welche mit 44 Milliarden USD fixiert wurde. Doch woher kommt das restliche Teil? Nach wie vor ist die Sorge groß, dass weitere schwere Verkäufe den Kurs von Tesla belasten könnten. Die Rallye der US-Indizes in den vergangenen Tagen ist hier beinahe spurlos vorübergegangen. Es gelang lediglich der Test der vor kurzem gebrochenen Unterstützung bei 200 USD. Die Bären scheinen hier nach wie vor das Zepter fest in der Hand zu haben.  

Expertenmeinung: Sollten die Kurse kurz vor der psychologisch wichtigen Marke bei 200 USD wieder nach unten drehen, wäre dies aus technischer Sicht ein klassisches Verkaufssignal. Daraufhin könnte sich der nach wie vor intakte Abwärtstrend weiter fortsetzen und sogar das bisherige Tief von November nach unten durchbrechen. Anders wiederum würde sich die Lage präsentieren, wenn die Rückeroberung des Bereichs zwischen 200 bis 210 USD gelingen würde. Dies wäre ein Umkehrsignal und würde den Titel wieder in ein besseres Licht rücken. Aktuell sehe ich hier eher die Gefahr weiter fallender Kurse.     

Aussicht: BÄRISCH


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In den letzten Wochen konnten sich die Tesla-Bullen immer wieder retten, doch jetzt wird die Luft immer dünner. Wie geht es mit Tesla weiter?

Schattierungen

Auf die vielschichtigen und komplexen fundamentalen Erwägungen in Bezug auf Tesla sind wir bereits in der letzten Analyse eingegangen:
Tesla stellt 50% Wachstum in Aussicht, auf Jahre hinweg

Es gibt kaum ein anderes Unternehmen, bei dem die Gemengelage so kompliziert ist. Es sei denn natürlich, man konzentriert sich nur auf eine Seite der Medaille.
Vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum sich bei Tesla die Geister scheiden. Von wahren Feinden des Unternehmens und/oder Elon Musk, bis hin zu absolut überzeugten Anlegern und Fans des Südafrikaners, lässt sich alles finden.

Die Macht von einer ausreichenden Menge von überzeugten Anlegern sollte man übrigens nicht unterschätzen.
Es ist einer der wichtigsten Faktoren, die zum Erfolg von Tesla beigetragen hat. Es erinnert stark an eine selbsterfüllende Prophezeiung (Self-fulfilling prophecy).

Der Glaube versetzt Berge

Viele Anleger glauben an Tesla und den Erfolg des Unternehmens. Daher finanzieren sie jegliche Kapitalerhöhungen und akzeptieren, dass ständig neue Aktien ausgegeben werden.

Dadurch kann sich Tesla geradezu jede beliebige Menge an Kapital beschaffen. Welches Ausmaß die Verwässerung der Aktienbasis hat, dürfte viele Anleger überraschen.
Die wenigsten werden sich darüber bewusst sein.

Um sich zu vergegenwärtigen, über welche Summen wir hier sprechen: Tesla hat seit Anfang 2020 etwas mehr als 400 Millionen neue Aktien ausgegeben. Beim aktuellen Kurs entspricht das fast 80 Mrd. USD.

In der letzten Analyse bin ich darauf eingegangen, welchen enormen Vorteil Tesla dadurch hatte, dass man sich geradezu unbegrenzt Kapital besorgen konnte.

Die Sache hat allerdings auch seine Schattenseiten. Denn was bedeutet es denn, wenn man für rund 80 Mrd. USD neue Aktien ausgibt und dem Zeitraum, in dem man sie ausgegeben hat, nicht annähernd so viel verdient hat?

Das bedeutet schlichtweg, dass die Anleger die Zeche gezahlt haben und für die Aktionäre kein echter Mehrwert geschaffen wurde.
Und es bedeutet natürlich auch, dass die zukünftigen Unternehmensgewinne durch eine größere Zahl an Aktien geteilt werden muss.

Aber wie gesagt, das ist nur eines von vielen Themen, die für Tesla-Aktionäre relevant sind.
Es wäre aber gut möglich, dass die ständige Verwässerung der Aktienbasis inzwischen doch einige Anleger zum Zweifeln bringt.

Chart vom 08.11.2022 – Kurs: 197,57 Kürzel: TSLA - Wochenkerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 08.11.2022 – Kurs: 197,57 Kürzel: TSLA – Wochenkerzen

Aus technischer Sicht ist Tesla klar angeschlagen, die Aufwärtstrends sind längst dahin.
In den letzten Wochen konnte sich die Aktie mehrfach über den Support bei 205 USD retten. Fällt Tesla jetzt nachhaltig unter dieses Niveau, käme es zu einem Verkaufssignal mit einem möglichen Kursziel bei 185 USD.

Sollte diese Unterstützung ebenfalls unterschritten werden, würde sich das Chartbild erheblich eintrüben.
Die Top-Bildung, die sich bereits seit Anfang vergangenen Jahres hinzieht, wäre damit abgeschlossen.
In diesem Szenario müsste ein Rücksetzer in Richtung 150 USD eingeplant werden.

Tesla ist einmalig

In der Vergangenheit konnte man Tesla eigentlich nur anhand des KUV bewerten, da positive Cashflows sowie ein Unternehmensgewinn eher neuere Phänomene sind.

Aktuell liegt das KUV bei 7,9 und damit knapp unter dem Durchschnittswert der letzten fünf Jahre in Höhe von 8,4.
An sich selbst gemessen, wäre Tesla demnach nicht überbewertet.

In den fünf Jahren vor dem allgemeinen Aktienhype von 2020/2021 lag das KUV jedoch durchschnittlich bei 4,8.
Da sich die Profitabilitätskennzahlen in diesem Zeitraum deutlich verbessert haben, rechtfertigt das aber auch ein tendenziell höheres KUV.

Der P/FCF liegt aktuell bei 72. Selbst wenn die Prognosen richtig sind und der FCF in den kommenden beiden Jahren außerordentlich stark steigen wird, läge der P/FCF selbst 2024 noch bei 36.

Beim Gewinn und allen anderen Kennzahlen kommt man auf ein ähnliches Ergebnis. Man kann es drehen und wenden, wie man will. Tesla geht keinesfalls als Schnäppchen durch.
Günstig ist die Aktie bestenfalls im Vergleich zu den letzten Jahren.

Um das allerdings ausreicht, um die Kurse zu stabilisieren, ist fraglich.

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Statt der früher üblichen Käufe kam nach den jüngsten Tesla-Quartalszahlen Verkaufsdruck auf. Es gelang zwar, die Tiefs vom Mai und Juni einigermaßen zu halten. Aber bislang kann sich die Tesla-Aktie nicht nach oben absetzen. Ist der Glanz früherer Jahre dahin?

An Tesla schieden sich schon immer die Geister. Was ebenso am Chef Elon Musk lag wie an der weiterhin kontrovers diskutierten Frage, ob sich Elektrofahrzeuge wirklich durchsetzen und wenn ja, welche Rolle Tesla am Ende im Kreis der riesigen, etablierten Automobilkonzerne spielen wird. Daher zeichnete sich die Kursziel-Spanne der Analysten dadurch aus, dass sie bei Tesla so breit war wie nirgends anders. Diese Spanne hat sich zwar mittlerweile verkleinert. Aber die Extremwerte liegen mit 85 und 530 US-Dollar weiterhin so weit auseinander, dass klar wird: Wo Tesla im Vergleich zu großen Herstellern wie VW oder GM in fünf Jahren stehen könnte, ist derzeit weiterhin Ansichtssache.

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Auffällig ist, dass man bei den Kurszielen, die seit der jüngsten Quartalsbilanz angepasst wurden, eher verhaltene Kurse findet. Diese neuen Ziele liegen zwischen 150 und 355 US-Dollar. Das untere Ende also deutlich unter dem aktuellen Kurs, das obere Ende immerhin klar unter dem Jahreshoch von 403 US-Dollar. Kein Wunder, denn Teslas am 19.10. vorgelegten Ergebnisse waren zwar keine bittere Enttäuschung, zum Kauf motivierten sie aber auch nicht.

Der Gewinn lag mit 1,05 US-Dollar nur knapp über der durchschnittlichen Prognose von 1,03 US-Dollar. Und der Umsatz landete mit 21,45 Milliarden US-Dollar unter der Konsens-Prognose von 22,5 Milliarden. Das lag zwar laut Tesla daran, dass die Logistik überfordert war und relativ viele fertig gestellte Fahrzeuge per 30.9. noch nicht bei den Kunden waren und daher nicht als ausgeliefert angesehen wurden. Aber man war von Tesla in früheren Jahren eben anderes gewohnt: positive Überraschungen.

Expertenmeinung: Jetzt beginnt man sich eine Frage zu stellen, die in früheren Jahren einfach als noch nicht relevant vom Tisch gewischt wurde: Wo könnten die Gewinne pro Aktie liegen, wenn Tesla sein Wachstum großenteils ausgereizt hat und die anderen großen Hersteller ihre Elektrofahrzeuge am Markt etabliert haben? Diese Frage ist deswegen entscheidend, weil Tesla auf Basis der momentan im Schnitt prognostizierten 2022er-Gewinne ein Kurs/Gewinn-Verhältnis von 62 hat, während die anderen großen Autobauer Kurs/Gewinn-Verhältnisse unter 10 aufweisen, was im langfristigen Zeitraster für diese Branche auch normal ist. Tesla müsste in ein paar Jahren das Sechsfache verdienen, um eine normale Bewertung zu haben. Wovon aber derzeit auf Sicht der kommenden fünf Jahre kein Analyst ausgeht.

Also ist Tesla zu teuer? Wenn der Gewinn im vierten Quartal nicht überzeugen sollte und man 2023 mit Druck auf die Autobranche rechnen müsste: ja. Das ist zwar nicht sicher, aber der Zweifel ist jetzt eben da, den viele jahrelang nicht hatten … und das Bewusstsein um die hohe Bewertung. Daher ist dieser Boden, diese Tiefs der Monate Mai, Juni und Oktober zwischen 198 und 209 US-Dollar, erst einmal instabil. Zumal sich der Kurs auffällig schlecht davon lösen kann. Tesla müsste die Nackenlinie des Doppeltopps, das die Aktie wieder an diesen Boden vom Mai/Juni zurück gedrückt hatte, zurückerobern. Die liegt bei 266 US-Dollar. Das wäre das rettende Ufer, an das das bullische Lager gelangen muss. Solange das nicht der Fall ist, sollte man diesen bisherigen Bodenbildungsversuch besser als „noch in Arbeit“ betrachten.

Tesla-Aktie: Chart vom 01.11.2022, Kurs 227,54 US-Dollar, Kürzel TSLA | Online Broker LYNX
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Tesla steht unmittelbar vor einer Richtungsentscheidung. Oder Rettung in letzter Sekunde oder ein gigantisches Top.

An Tesla scheiden sich die Geister

Tesla ist seit jeher ein Politikum und wer eine vorgefertigte Meinung zum Unternehmen, der Aktie oder meinetwegen auch Elon Musk hat, den wird man nicht überzeugen.
Daher versuche ich es auch nicht.

Für die Jünger von Elon ist kein Preis zu hoch und für die Gegner des Unternehmens ist Tesla ein Kartenhaus. Aber selbstverständlich liegt die Realität irgendwo zwischen diesen Extrempunkten.
Es ist jedenfalls ratsam, die Welt nicht in Schwarz und Weiß zu teilen. Das gilt für alle Themen, für die Börse umso mehr.

Und ganz nüchtern betrachtet, muss wohl jeder eingestehen, dass es durchaus beachtlich ist, was Tesla bereits erreicht hat.
Immerhin ist der Umsatz des Autobauers in den letzten zehn Jahren von 413 Mio. auf 53,8 Mrd. USD gestiegen. Das einfach abzutun, wäre sicherlich nicht richtig.

Die Bären haben allerdings recht damit, dass es bei der Profitabilität über weite Strecken eher mittelprächtig aussah.
Bis 2019 hat man massiv Geld verbrannt und um den enormen Kapitalbedarf zu decken, hat man ständig neue Aktien ausgegeben.

Was würden Sie mit unbegrenzt viel Geld tun?

In Summe kletterte die Zahl der ausstehenden Aktien binnen eines Jahrzehnts von 1,61 auf 3,06 Milliarden Stück. Das Ausmaß der Verwässerung ist also erheblich, im Vergleich zum Umsatzwachstum aber vertretbar.

Und eine Sache übersehen die Bären vielleicht auch. Ich hatte es in früheren Analysen zu Tesla immer wieder thematisiert:
Das Unternehmen hat eine große und überzeugte Anhängerschaft, die jegliche Kapitalerhöhung ohne Murren schluckt und finanziert.

In diesem Zusammenhang war die notorisch hohe Bewertung sogar ein Vorteil. Denn dadurch musste man weniger Aktien ausgeben, als bei niedrigeren Kursen notwendig gewesen wäre.

Das Wichtigste daran ist allerdings die Tatsache, dass sich Tesla dank der treuen Anleger geradezu eine unbegrenzte Menge an Kapital beschaffen kann, zinsfrei.
Und wenn man geradezu grenzenlos Geld zur Verfügung hat, dann kann man natürlich auch sehr viel erreichen.

Um sich zu vergegenwärtigen, über welche Summen wir hier sprechen: Tesla hat seit Anfang 2020 etwas mehr als 400 Millionen neue Aktien ausgegeben.
Beim aktuellen Kurs entspricht das atemberaubenden 82,8 Mrd. USD.

Man könnte also durchaus darüber streiten, was realwirtschaftlich verdient wurde, wenn man zum Beispiel in den letzten zwölf Monaten einen Gewinn von rund 5,5 Mrd. USD meldet, gleichzeitig aber 100 Millionen neue Aktien mit einem aktuellen Wert von über 20 Mrd. USD ausgegeben hat.

Jeder Markt ist endlich

Bisher ist es Tesla gelungen, in atemberaubenden Tempo zu wachsen und so soll es nach dem Willen des Unternehmens auch weitergehen.
Derzeit stellt man auf Jahre hinweg ein Umsatzwachstum von 50% per annum in Aussicht.

Das könnte gelingen, doch an einem gewissen Punkt stellt sich die Frage, wie realistisch das ist. Denn der Automobilmarkt ist zwar gigantisch, aber endlich.

Im laufenden Geschäftsjahr soll ein Umsatz von etwa 83 Mrd. USD erreicht werden. Dreht man die Uhr fünf oder gar zehn Jahre weiter und zieht Wachstumsraten von 50% heran, dann müsste der Umsatz bis dahin auf 630 respektive 4.784 Mrd. USD steigen.

Das Problem dabei ist, dass der weltweite Umsatz im Automobilmarkt in diesem Jahr „nur“ etwa 2.950 Mrd. USD betragen wird.
Also entweder steigt der Markanteil von Tesla binnen fünf Jahren von derzeit 2,8% auf 21% oder das Wachstum wird nicht zu erreichen sein.

Um das einzuordnen: Aktuell sind Toyota und VW mit einem Marktanteil von jeweils knapp über 10% die weltweit größten Autobauer.

Geniestreich

Auch wenn man von Tesla überzeugt ist, muss man zugeben, dass es nicht gerade einfach wird, diese hochgesteckten Wachstumsziele zu erreichen.
Im Endeffekt wird das nur möglich sein, wenn Tesla sich neue und gigantische Geschäftszweige erschließt.
Das dürfte auch einer der Hauptgründe sein, warum man Produkte wie den Cybertruck kreiert und die Expansion in einer ganzen Reihe von Richtungen vorantreibt.

Zuletzt machte man beispielsweise mit dem Roboter „Tesla Optimus“ von sich Reden.
Damit hat Tesla einen Geniestreich abgeliefert.

Sobald das Wachstum im Autogeschäft unweigerlich nachlassen wird, hat man das nächste Produkt in der Pipeline, welches die Phantasie der Anleger beflügelt.

Und wie wichtig das ist, haben wir bereits gesehen. Für Tesla ist es geradezu zwingend notwendig, die Phantasie der Anleger zu beflügeln, denn sollte der Kapitalzufluss vom Aktienmarkt jemals stoppen, steht Tesla vor einem echten Problem.

Solange der Kapitalfluss allerdings anhält, wird Tesla vermutlich weiterhin Erfolge feiern.
Wenn man unbegrenzt Kapital hat, ist vieles möglich.

Wie Sie sehen, ist die Sache sehr viel komplizierter als „Schwarz oder Weiß“. Und selbstverständlich haben wir nicht mal im Ansatz alle Themen besprochen, die relevant wären.

Quartalszahlen und Ausblick

Behält man all diese Dinge im Hinterkopf, wird einem vielleicht klar, wie bedeutungslos die jüngsten Quartalszahlen im großen Kontext sind.

Der Gewinn lag mit 1,05 je Aktie über den Erwartungen von 0,95 USD. Der Umsatz verfehlte mit 21,5 Mrd. die Analystenschätzungen von 22,2 Mrd. USD jedoch.

Wie immer kann man sich darüber streiten, ob das jetzt gut oder schlecht war. In diesem konkreten Fall würde ich zu der pessimistischeren Variante tendieren, denn der gemeldete Gewinn ist bei einem Wachstumswert mit einer P/E von 50+ nicht wirklich die relevante Kennzahl, sondern das Wachstum. Und das war eben niedriger als erwartet und gewünscht.
Aber wie gesagt, von großer Bedeutung ist ein einzelnes Quartal ohnehin nicht.

Aktuell kommt Tesla auf eine forward P/E von 50,6. Ein sinnvoller Vergleich mit der Vergangenheit ist nicht möglich.
Es ist nicht ungewöhnlich, dass Unternehmen, bei denen in den kommenden beiden Jahren Gewinnsteigerungen von 40% respektive 20% erwartet werden, auf eine derartige Bewertung kommen. Als klassisches Schnäppchen geht Tesla aber sicherlich nicht durch, vor allem wenn man Vergleiche im Automobilsektor zieht.

Zieht man den operativen Cashflow oder den Umsatz heran, ist Tesla an sich selbst gemessen auch nicht gerade günstig.
Aktuell kommt Tesla auf einen P/OCF von 41. Am Hoch wurde zwar auch schon ein Multiplikator von über 100 gezahlt, es ist allerdings auch nicht lange her, da lag der P/OCF bei 15. Das zeigt einerseits, welche enorme Spannbreite an Bewertungen bei Tesla auftritt, zeigt aber auch, wohin es auf der Unterseite im Extremfall gehen kann.

Kommen wir zum KUV, welches derzeit bei rund 8,4 liegt. Das entspricht ziemlich genau dem Durchschnittswert der letzten fünf Jahre, allerdings lag das KUV in dieser Zeit auch schon bei 1,4.
In den fünf Jahren vor dem allgemeinen Aktienhype von 2020/2021 lag das KUV durchschnittlich bei 4,8.

Tesla ist also nicht gerade günstig, weder absolut noch relativ oder an sich selbst gemessen. Das bedeutet nicht, dass die Aktie weiter einbrechen muss, es bedeutet aber, dass eine ernstzunehmende Gefahr besteht, dass es dazu kommen könnte.

Chart vom 21.10.2022 – Kurs: 207,28 Kürzel: TSLA - Wochenkerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 21.10.2022 – Kurs: 207,28 Kürzel: TSLA – Wochenkerzen

Für diejenigen, die von Tesla nichts halten, spielt das keine Rolle. Und diejenigen, die von Tesla vollends überzeugt sind, sollten sich darüber freuen, denn wenn es eine Etage tiefer geht, können sie schließlich günstiger einsteigen.

Aus technischer Sicht steht die Aktie vor einer Richtungsentscheidung. Fällt Tesla nachhaltig unter 208 USD, ist es wahrscheinlich, dass die Unterstützungszone bei 180 – 190 USD angesteuert wird.
Rutscht der Kurs unter 180 USD, trübt sich das Chartbild zunehmend ein.

Solange Tesla jedoch nicht nachhaltig unter 208 USD fällt, haben die Bullen noch alle Chancen auf einen Turnaround.

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Am kommenden Mittwoch steht bei Tesla die Bilanz des dritten Quartals an. Dann wird sich spätestens zeigen, was die gestrige Verteidigung einer Schlüssel-Unterstützung wert war. Denn dieser kleine Sieg der Bullen ist ab jetzt zugleich ihre Achillesferse.

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An diesem 19. Oktober sollte besser alles sitzen. Dass das vormalige Zugpferd des Nasdaq 100 jetzt nur noch volatil um die Abwärtsbewegung des Index herum pendelt, aber absolut gar nichts mehr zu ziehen vermag, deutet an, dass dem ehemals randvollen Boot der Optimisten so langsam die Ruderer ausgehen. Die Aktie verlor in den vergangenen vier Wochen in der Spitze knapp 35 Prozent. Vor allem, weil man sich nicht vorstellen kann, dass Tesla sich von den Problemen wie steigenden Kosten, Materialengpässen und nervösen Verbrauchern einfach so abkoppeln kann.

Und es scheint, dass man da wirklich überzeugende Argumente sehen will. Denn die Auslieferungen im dritten Quartal, die Anfang Oktober gemeldet wurden, waren nur deswegen etwas unter den Erwartungen ausgefallen, weil viele Fahrzeuge zwar produziert, aber noch im Prozess der Auslieferung waren. Trotzdem kassierte die Aktie dafür Verkäufe. Also muss das, was man da in der kommenden Woche erwartet, besser übertroffen werden und die Prognose glaubwürdig positiv sein. Was erwarten die Analysten?

Expertenmeinung: Der Gewinn pro Aktie soll bei 1,02 US-Dollar liegen, nach 0,62 US-Dollar im dritten Quartal 2021. Beim Umsatz sieht man im Schnitt 22,18 Milliarden US-Dollar nach 13,75 Milliarden im Vorjahresquartal. Käme es so, wären die vier US-Dollar Gewinn pro Aktie, die man derzeit für das Gesamtjahr 2022 prognostiziert, erreichbar. Sofern die Margen nicht im vierten Quartal kippen. Man wird sehen, was Tesla zu berichten hat.

Die Käufer konnten gestern zwar die Grundlage für eine Rallye legen, deren Kursziel der Widerstand in Form der Nackenlinie des im August und September entstandenen Doppel-Topps bei 365 US-Dollar sein kann. Aber dazu müsste jetzt eben alles passen, inklusive der jetzt nahe gerückten Bilanz. Denn die Supportzone 207/209 US-Dollar, die gestern verteidigt wurde, bleibt ja in Schlagdistanz. Zwar bildete die gestrige, lange grüne Kerze mit dem Doji des Vortags ein „Bullish Engulfing Pattern“, das ist zusammen mit der überverkauften Markttechnik eine gute Grundlage für eine Rallye. Aber die Achillesferse ist damit klar:

Eben diese gestern gehaltene Zone. Die Bären wissen: Wenn die jetzt doch noch fallen sollte, kommen die Stop Loss-Verkäufe derer, die gestern gekauft haben, noch obendrauf, wenn die Aktie unter diesen Bereich fällt. Das bärische Lager dürfte also weiter auf der Lauer liegen und auf seine Chance warten. Die Bilanz muss gut genug sein, um ihnen diese Chance zu verwehren … das wird kommende Woche also spannend!

Tesla Aktie: Chart vom 13.10.2022, Kurs 221,72 US-Dollar, Kürzel ‚TSLA | Online Broker LYNX