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Die am Freitagmorgen präsentierten Vorabzahlen zum Geschäftsjahr 2025 zeigen: Beim Workforce-Spezialisten ATOSS Software läuft es gut, in allen Bereichen wurde Wachstum generiert. Doch die Aktie spiegelt das nicht wider … wo liegt das Problem?
Gegenüber dem Vorjahr setzte das im TecDAX notierte Software-Unternehmen 2025 mit 189,3 Millionen Euro elf Prozent mehr um. Mit einer operativen Gewinnmarge, die zwar mit 36 Prozent einen Prozentpunkt niedriger lag als im Vorjahr. Zugleich aber höher als die von ATOSS zuletzt avisierten 34 Prozent war, wurde ein Anstieg des operativen Gewinns erreicht, wenngleich der, ebenso wie der Nettogewinn, in der Meldung nicht konkret beziffert wurde.
Für das laufende Geschäftsjahr 2026 sieht der Vorstand einen Umsatzanstieg um knapp 14 Prozent auf etwa 215 Millionen Euro und eine operative Marge auf EBIT-Basis von 32 Prozent. Wobei Letztere grundsätzlich eher konservativ prognostiziert wird. Auch 2025 hatte man die Marge im zweiten Halbjahr im Licht einer dann konkreteren Datenlage angehoben. Was dieses Jahr nicht auch passieren muss, aber eben könnte.
Zusammengefasst lieferte ATOSS Software erfreuliche Ergebnisse ab und hält damit das kontinuierliche Wachstum der letzten Jahre aufrecht. Eigentlich hätte man erwarten dürfen, dass das angesichts des immensen Kursabstiegs seit Beginn der zweiten Hälfte 2025 für stattliche Käufe sorgt. Zumindest hätten da doch einige Leerverkäufer, sprich Bären, ihre Position eindecken und damit den Short-Gewinn mitnehmen können. Zum Handelsende lag ATOSS dann zwar auch im Plus, aber das war alles, nur nicht beeindruckend. Und es war ein auffallend zögerlicher Anstieg. Lange Zeit hatte der Kurs im Minus notiert. Wo klemmt es da?
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Expertenmeinung: Ein Aspekt könnte die Bewertung sein. Lange war die ATOSS-Aktie eher überbewertet. Mit einem Gewinnwachstum, das man für dieses und das nächste Jahr seitens der Analysten im Schnitt bei 15 Prozent sieht, wäre ein Kurs-/Gewinn-Verhältnis (KGV) um die 30 opportun. Am Rekordhoch, erreicht im Juli 2025 bei 147,60 Euro, kam man aber auf Werte um die 50. Doch jetzt wäre auf Basis der durchschnittlichen 2026er-Gewinnschätzung der Analysten ein solches KGV von 30 ja erreicht. Und trotzdem präsentierte sich die so massiv gedrückte Aktie nach den Zahlen wankelmütig, statt entschlossen durchzustarten. Warum?
Ein möglicher Grund: Die Aktie wäre mit dieser Bewertung mittlerweile zwar fair bewertet, aber noch nicht „billig“. Um wieder deutlich höhere Kurse zu rechtfertigen, müssten die jetzt für 2026 avisierten Zahlen des Unternehmens nach oben genommen werden. Und damit ist, da die Umsatz- und Margenprognose gerade druckfrisch auf den Tisch kam, vorerst nicht zu rechnen. Stiege der Kurs trotzdem, wäre er schnell erneut „teuer“. Diese Überlegung könnte die Käufer zögern lassen. Zwar stören sich nur wenige an solchen Aspekten, wenn eine Aktie in einem soliden Aufwärtstrend unterwegs ist. Aber geht es, so wie hier, seit Monaten abwärts, können solche ansonsten gerne ignorierten Aspekte eine Aufwärtswende ausbremsen.
Ein anderer, aktuell vermutlich mit entscheidender Grund: Die derzeit am Markt umgehende Befürchtung, dass die fortschreitende Entwicklung und Nutzung der Künstlichen Intelligenz viele bislang von „klassischer“ Software erledigte Aufgaben dorthin verlagern könnte und in der Konsequenz die Zeit des Wachstums in der Software-Branche vorbei ist. Ob es so kommt, ist zwar offen. Aber derzeit „spielt“ der Markt dieses Szenario.
Fazit: Nachdem die ATOSS-Aktie in den vergangenen Monaten dreimal an der 200-Tage-Linie gescheitert ist, die Chance auf eine Aufwärtswende durch den Bruch eines ansteigenden Dreiecks im Chartbild vertan hat und zuletzt auch noch das 2025er-Verlaufstief bei 97,70 Euro unterbot, ist die Gemengelage klar bärisch und bislang noch keine Änderung in Sicht. Die Aktie wird zwar nicht ins Bodenlose fallen. Aber dieses KI-Gespenst ist ein Problem, das einen davon abhalten sollte, gegen die kurz- und mittelfristige Abwärtstendenz zu agieren.

Quellenangaben: Vorläufiges Ergebnis des Geschäftsjahres 2025, 30.01.2026:
https://www.atoss.com/de/unternehmen/investor-relations/nachrichten/geschaeftsjahr-2025
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