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Heidelberg Materials vertreibt Baustoffe diversester Art, von Sand bis Zement. Angesichts des gestrigen Ausbruchs auf ein neues Rekordhoch stellt sich die Frage, ob der bereits zementiert oder womöglich nur auf Sand gebaut ist. Denn die Argumente dafür waren eher dünn.
Rein aus charttechnischer Sicht war der Ausbruch der Aktie aus ihrer kurzfristigen Seitwärtsspanne eine tadellose Sache. Gestartet wurde auf Höhe der 20-Tage-Linie, einem für kurzfristige Trader wichtigen Leitstrahl, der in den Tagen zuvor mehrfach gehalten werden konnte. Damit löst sich der Kurs aus der durch das Auf und Ab der Tage zuvor umkämpften Zone der alten Rekordhochs vom Sommer. Und die markttechnischen Indikatoren liegen, bedingt durch die Seitwärtsbewegung zuvor, noch ein gutes Stück von der überkauften Zone entfernt. Da passt soweit also alles. Aber eben nur da.
Denn schaut man sich um, was diesen Ausbruch ausgelöst haben könnte, sucht man bei unternehmensinternen News vergebens. Die Quartalsbilanz kam schon Anfang des Monats und einen Kapitalmarkttag hatte es zuletzt auch nicht gegeben. Und auch bei den Analysten gab es nichts Neues, die jüngste Kursziel-Anpassung stammt vom 17.11. Das war zwar ein Kursziel von sportlichen 261 Euro, vergeben von Barclays, und das höchste der aktuellen Analysten-Ziele. Aber man darf ausschließen, dass das von gleich einer ganzen Vielzahl kaufwilliger Anleger erst gestern bemerkt wurde.
Nein, das Einzige, was hier für Käufe gesorgt haben könnte, ist ein derzeit zwar fleißig herumgereichtes, meines Erachtens aber auf Sand gebautes Argument:
Expertenmeinung: Im Fall eines Friedens in der Ukraine würden die deutschen Baukonzerne beim Wiederaufbau ganz vorne mit dabei sein und internationale Finanzierungen so reichlich sprudeln, dass dann starke Gewinnmargen erzielt werden, wird gerade propagiert. Grundsätzlich mag das stimmen. Aber warum muss man dann ausgerechnet jetzt kaufen, nachdem dieser Krieg schon bald vier Jahre andauert?
Weil die USA einen Friedensplan zusammengeschrieben haben und offizielle Stimmen in Washington von großen Fortschritten reden? Letzteres hören wir schon seit Februar – und nichts ist gelungen. Und dieser Plan, ob jetzt x-mal modifiziert oder nicht, kann entweder von der Ukraine nicht akzeptiert werden oder wird in Moskau abgelehnt. So dringend wünschenswert das Schweigen der Waffen auch wäre: Dass das in Kürze erreicht würde, wäre eine gewaltige Überraschung. Trotzdem tradet man jetzt diese „Karte“. Man sieht es auch daran, dass die Rüstungsaktien zugleich verkauft werden. Was nicht minder kurzsichtig ist.
Löst man sich vom Nonstop-Rauschen der Nachrichtenticker und sieht sich die Aktie rein von den Fundamentals her an, sieht man: Ja, Umsatz und Gewinn legen zu, der Kurs ist aber schneller gestiegen als der Gewinn pro Aktie, wodurch Heidelberg Materials im Vergleich zu früheren Jahren mit einem Kurs-/Gewinn-Verhältnis von 17 eher teuer ist. Und das sehen die Analysten nicht wirklich anders, denn ja, das höchste Kursziel bei 261 Euro wäre noch ein Stück entfernt. Aber der Schnitt der Kursziele liegt bei 214 Euro und ist bereits überboten.
Auch der Umstand, dass nur 11 von 18 Analysten die Aktie momentan als „Kauf“ einstufen, ist etwas, das man in die Waagschale der Argumente werfen müsste. Die sich aus meiner Sicht dadurch in Richtung „Wegbleiben“ neigt. Ein Ausbruch, der auf derart dünnem „Marktgeflüster“ basiert, kann nachhaltig werden, wenn harte Fakten zügig nachgereicht werden. Aber wenn nicht, ist das Risiko des Scheiterns groß, daher sehe ich hier als Fundament dieses Impulses eher Sand als Beton.
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