TecDAX Prognose TecDAX: Nach der Hürde ist vor der Hürde

News: Aktuelle Analyse des TecDAX Index

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Aus rein charttechnischer Sicht wäre die Ausgangslage für einen Ausbruch des TecDAX über das bisherige, im März erreichte Jahres-Verlaufshoch tadellos. Doch wer sich das mittelfristige Chartbild ansieht, wird vorsichtig, denn hier gilt: Nach der Hürde ist vor der Hürde.

TecDAX Index: Tageschart vom 16.05.2024, Kurs 3.444,03 Euro, Kürzel: TDX | Online Broker LYNX
TecDAX Index: Tageschart vom 16.05.2024, Kurs 3.444,03 Euro, Kürzel: TDX | Quelle: TWS

Die Charttechnik passt wie gesagt: Nachdem die Korrektur im Anschluss an das März-Hoch Mitte April im Bereich der 200-Tage-Linie aufgefangen wurde, entstand Anfang Mai ein etwas höher gelegenes Zwischentief. Und seither geht es mit solider, aber nicht überzogener Dynamik Richtung dieses bei 3.490 Punkten gelegen, bisherigen Jahreshochs. Ausbruch vorprogrammiert?

Es ist zumindest möglich, sicher ist so etwas natürlich nie. Allerdings dürfte die heute stattfindende Abrechnung an der Terminbörse wie ein Zugpferd gewirkt haben, nachdem sich in den vergangenen Tagen abzeichnete, dass die großen Akteure am Terminmarkt ganz offenkundig eine Abrechnung der Optionen auf die großen deutschen ebenso wie auf die wichtigsten US-Indizes am höchstmöglichen Punkt anstreben.

Da dieses kurstreibende Element ab kommender Woche keine Rolle mehr spielt, muss sich da erst einmal weisen, ob dann nicht Gewinnmitnahmen einsetzen, die die Nachfrage übersteigen und die Rallye dadurch kippen. Zumal der TecDAX den Anstieg gestern nicht fortsetzte, sondern mit einem kleinen Abwärts-Turnaround im Minus landete, was andeutet, dass die Sogwirkung des Terminmarkts diesmal nicht stark genug sein könnte, um zur Abrechnung das bisherige Jahreshoch zu erreichen. Dass man eher vorsichtig sein sollte, basiert aber auch auf zwei weiteren Aspekten:

Den aktuellen Kurs und Chart des TecDAX sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Expertenmeinung: Die Quartalsbilanzen liegen auf dem Tisch … und nicht gerade wenige Ergebnisse und Ausblicke waren enttäuschend und lösten Abgaben in den Aktien der jeweiligen Unternehmen aus. Zwar hellt sich das Stimmungsbild hierzulande in mehr und mehr Branchen auf, das kann stützen. Aber in den USA läuft es gerade umgekehrt. Und ohne „Geleitschutz“ des Nasdaq-Index als dem großen Bruder des TecDAX wäre ein nachhaltiger Ausbruch nach oben wenig wahrscheinlich.

Der andere Aspekt ist, dass diese Charthürde bei 3.490 Punkten nur auf kurzfristiger Ebene entscheidend ist.

TecDAX Index: Wochenchart vom 16.05.2024, Kurs 3.444,03 Euro, Kürzel: TDX | Online Broker LYNX
TecDAX Index: Wochenchart vom 16.05.2024, Kurs 3.444,03 Euro, Kürzel: TDX | Quelle:

Wenn wir uns den TecDAX im Zeitraster auf Wochenbasis ansehen, erkennen wir, dass zwischen 3.525 und 3.606 Zählern eine deutlich markantere Widerstandszone wartet, die unter anderem die Nackenlinie des großen Doppeltopps beinhaltet, das zwischen Juli 2021 und Januar 2022 entstanden war. Fazit:

Auch, wenn der Index das bisherige Jahreshoch als Widerstand herausnehmen sollte: Ob der er es durch diese Zone 3.525 zu 3.606 Punkte schafft, ist fraglich genug, um bei einem Teil bestehender Long-Positionen eher an Gewinnmitnahmen und beim Rest an enger gezogene Stop Loss zu denken als an Zukäufe oder den Neueinstieg im Fall eines Anstiegs über das März-Hoch.

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Vorherige Analysen des TecDAX Index

An der Nasdaq wird es stürmischer, aber bislang zeigt sich der TecDAX von der zunehmenden Volatilität des großen US-Tech-Bruders noch eher unbeeindruckt. Was nachvollziehbar ist, denn der KI-Hype fand im TecDAX bislang weniger „Nahrung“. Aufpassen sollte man dennoch.

Die Aktien derjenigen Unternehmen, von denen man in den USA in Sachen KI Großes erwartet, machten über Monate die Pace im Nasdaq 100. Deren dadurch sukzessiv steigende Gewichtung im Index führt dazu, dass ein Gutteil der Hausse des US-Technologieindex auf dieser Spekulation basiert. Normalerweise würde der TecDAX als deutscher „Hightech-Index“ einer Vorlage aus Übersee zwar großenteils folgen. Aber der TecDAX hat eben in Sachen KI weniger zu bieten.

Da sind einige Softwareunternehmen wie SAP, ATOSS oder Nemetschek, bei denen man KI, bei SAP mehr, bei den anderen eher weniger, als potenziell umsatzfördernde Entwicklung sehen könnte. Da sind Aixtron und Siltronic als Zulieferer der Chipindustrie, die mit etwas Fantasie im Kielwasser des Hypes mitlaufen könnten. Aber damit hat es sich dann eben auch. Der TecDAX umfasst auch Erneuerbare Energien, Biotech, Medizintechnik und Telekommunikation, das zieht eben derzeit mehrheitlich nicht.

Expertenmeinung: Was einerseits dazu führt, dass der Index seit Beginn dieses Hypes im Mai 2023 weit weniger gelaufen ist als der Nasdaq. Was andererseits aber bedeutet, dass hier auch keine Blase existiert, die platzen könnte. Was nicht so hoch fliegt, kann eben auch nicht so tief fallen.

TecDAX: Tages-Chart vom 11.03.2024, Kurs 3.431,81 Punkte, Kürzel: TDX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
TecDAX: Tageschart vom 11.03.2024, Kurs 3.431,81 Punkte, Kürzel: TDX | Quelle: TWS

Was indes nicht vor einem bärischen Signal schützen muss, denn das, was bislang an Ergebnissen und Ausblicken seitens der im TecDAX gelisteten Unternehmen auf den Tisch kam, war mehrheitlich eher mäßig erfreulich. Dass der TecDAX also zwingend dorthin gehört, wo er jetzt notiert, nämlich nahe des am Donnerstag erreichten, höchsten Levels seit gut zwei Jahren, könnte man also eher nicht unterschreiben. Rückschlagpotenzial gäbe also durchaus, nur wäre dieser Index als potenzieller Short-Kandidat mangels einer echten Übertreibung im Vorfeld eher zweite Wahl. Was muss halten, um hier weiterhin auf der Long-Seite richtig zu sein?

Kurzfristig sollte man auf die Chartzone achten, die der TecDAX Anfang Februar überboten hatte und die seither als Support dient: die vier Hochs des Jahres 2023 zwischen 3.342 und 3.354 Punkten. Mittelfristig würde die Lage aber erst bärisch, wenn der TecDAX den Bereich 3.200 zu 3.400 Punkte wieder unterbieten würde, der die 200- ebenso wie die 1.000-Tage-Linie mit einschließt und der auf Monats-Schlusskursbasis bislang noch nicht überboten ist.

Bislang sehen wir mit den letzten beiden etwas schwächeren Handelstagen also nicht mehr als einen Pullback an die Ausbruchszone 3.342/3.354 Punkten. Solange die hält, bliebe die Tür nach oben geöffnet. Hält sie aber nicht, wäre Vorsicht angezeigt.

TecDAX: Monats-Chart vom 11.03.2024, Kurs 3.431,81 Punkte, Kürzel: TDX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
TecDAX: Monatschart vom 11.03.2024, Kurs 3.431,81 Punkte, Kürzel: TDX | Quelle: TWS

Der TecDAX hat die oberen Wendepunkte des Jahres 2023 mittlerweile überwunden und schiebt sich Stück für Stück höher. Aber kein Trend ist eine Einbahnstraße. Wo liegen beim TecDAX besondere Aspekte, die man bedenken muss, wo die nächsten Widerstandslinien?

Aus rein charttechnischer Sicht kommt der TecDAX absolut bullisch daher. Nachdem es gleich zu Jahresbeginn misslang, sich über die Hochs des Vorjahres hinaus abzusetzen, wurde die dadurch ausgelöste, kurze, aber kräftige Korrektur noch gut über der Zone aufgefangen, wo das spätestens gelingen musste, um sich die Tür nach oben offenzuhalten: In der durch die 200-Tage-Linie verstärkten Supportzone 3.145/3.160 Punkte.

TecDAX: Chart vom 12.02.2024, Kurs 3.429,29 Punkte, Kürzel: TDX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
TecDAX: Chart vom 12.02.2024, Kurs 3.429,29 Punkte, Kürzel: TDX | Quelle: TWS

Der darauf folgende Rallye-Schub brachte dann im zweiten Versuch den Durchbruch. Und da der Index momentan weder auf Tages- noch auf Wochenebene allzu überkauft wirkt, wäre es grundsätzlich drin, dass er sich noch bis zur im Chart auf Wochenbasis zu sehenden, nächsten Widerstandszone zwischen 3.536 und 3.606 Punkten vorarbeitet, bevor man mit einer Konsolidierung oder mehr rechnen müsste, aber:

Beim TecDAX ist die Charttechnik etwas weniger entscheidend, als dies beim DAX oder den US-Indizes der Fall wäre. Hier ist ein anderer Faktor ungewöhnlich wichtig, der Bullen wie Bären immer mal wieder die Suppe versalzen kann: starke Impulse bei den Einzelwerten. Wieso ist das hier bedeutsamer?

Expertenmeinung: Zum einen, weil der TecDAX mit seinen nur 30 Aktien stärker auf größere Bewegungen von Einzelwerten reagiert als der DAX mit seinen 40 oder der MDAX mit seinen 50 Aktien, erst recht stärker als der „große Bruder“ Nasdaq 100 mit 100 Werten. Hinzu kommt, dass wir hier eine Reihe Markt-engerer Aktien mit entsprechend höherer Volatilität vorfinden.

Zum anderen, weil der Arm der Terminbörse den TecDAX bestenfalls mit den Fingerspitzen streift. Das Gros der Umsätze im Index-Bereich liegt bei den Blue Chip-Indizes. Und der Terminmarkt agiert weitaus mehr charttechnisch und auf den Index an sich fixiert, als das die hier dadurch relevanteren, privaten Akteure beim TecDAX tun.

Daher kann es hier immer wieder Überraschungen geben, die den TecDAX abseits charttechnischer Vorgaben massiv bewegen. Gerade erst zeigte beispielsweise MorphoSys eine markante Rallye, die viel dazu beitrug, dass der TecDAX über die 2023er-Hochs hinauskam. Und heute könnte Siltronic, wenn die nachbörslichen Abgaben von gestern sich in den regulären Handel fortsetzen, deutlich Druck auf den Gesamtindex ausüben.

Wie geht man damit um? Letztlich sollte man trotzdem konsequent dem Trend folgen und sich da nicht am Bauchgefühl, sondern an charttechnischen Fakten orientieren. Denn auch, wenn abrupte Kurssprünge bei Einzelwerten hier mehr auslösen als in anderen Indizes, werden die Akteure doch auf charttechnische Kauf- oder Verkaufssignale reagieren. Wichtig wäre nur, hier einen etwas größeren Puffer in Sachen Stoppkurse oder Einstiegspunkte anzusetzen, was z.B. aktuell hieße, dass man einen Stop Loss Long nicht gar zu eng an die rein charttechnisch betrachtet jetzt entscheidende Unterstützungszone 3.342/3.354 Punkte legen sollte.

Der TecDAX beendete das Jahr 2023 zwar im Bereich des Jahreshochs. Aber das war zugleich ein Widerstandsbereich, der schon mehrfach attackiert wurde – und gleich zu Jahresbeginn drehte der Index erneut dort ab. Allerdings nur bis in eine massive Supportzone.

Der langfristige Chart auf Monatsbasis zeigt klar, dass es jetzt einer Entscheidung bedarf, die zumindest mittelfristigen Charakter hätte. Der TecDAX war zum Jahresende in eine bis ins Jahr 2020 zurückreichende Widerstandszone gelaufen, die er über das gesamte Jahr 2023 zwar mehrfach angegangen, aber nie bezwungen hatte. Das ist eine „Sekt oder Selters“-Situation, die die Trader beider Lager mobilisiert.

TecDAX: Monatschart vom 15.01.2024, Kurs 3.254,45 Punkte, Kürzel: TDX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
TecDAX: Monatschart vom 15.01.2024, Kurs 3.254,45 Punkte, Kürzel: TDX | Quelle: TWS

Diejenigen, die sicher waren, dass die Dynamik des vierten Quartals imstande wäre, den nötigen Schwung für den Befreiungsschlag nach oben zu bringen, sahen sich zunächst enttäuscht. Statt Neujahresrallye kamen Gewinnmitnahmen, die zeitweise wirkten, als würden sie durch aktive Short-Trades intensiviert, zumal der Index gleich zu Jahresbeginn intraday nach oben hinauslief und dann umso heftiger abdrehte. Aber das bringt das bärische Lager nicht in die Favoritenrolle. Zumindest noch nicht.

Denn diejenigen Auffanglinien, die halten müssen, um die Bullen im Spiel zu belassen, hielten bislang. Zum einen die 1.000-Tage-Linie, die Sie im Chart auf Monatsbasis sehen, zum anderen die durch die 200-Tage-Linie verstärkte Zone zwischen 3.145 und 3.162 Punkten. Es könnte also jederzeit zu einem zweiten und dann erfolgreichen Anlauf an die 2023er-Hochs vom Februar, April und Juli kommen. Was auffällt:

Expertenmeinung: Nach diesem volatilen und hektischen Start ins neue Jahr ist die Luft jetzt rein vom Kursgeschehen her auf einmal raus. Der TecDAX tickert in engen Bahnen in etwa in der Mitte der Spanne zwischen der Supportzone und den 2023er-Hochs seitwärts. Aber der Eindruck, dass sich beide Seiten jetzt erst einmal damit zufriedengeben, dürfte täuschen. Es kann zwar sein, dass der am Freitag anstehende Abrechnungstermin an der Terminbörse den Index bis dahin in dieser Range zwischen 3.145 und 3.354 Punkten gefangen hält. Aber auf Dauer wird der TecDAX ausbrechen, denn gerade das langfristige Chartbild macht klar:

Hier geht es um eine Entscheidung, die in Sachen Trendrichtung für Wochen, womöglich sogar Monate wirken kann. Einfluss nehmen könnten dahingehend Vorab-Ergebnisse einzelner Unternehmen und die Quartalsergebnisse der Tech-Unternehmen der Nasdaq, die in zwei Wochen dann dicht gedrängt eintrudeln werden. Entscheidend wird auch sein, ob diese die Herbst-Rallye befeuernde „Kombi-Erwartung“ einer besiegten Inflation, sinkender Zinsen und umgehend durchstartendem Wachstum gegen die Warnungen der Notenbanken und die unerfreulichen Statements deutscher Wirtschaftsverbände durchgehalten wird. Kommt es so?

Wir reden hier von kaum vorhersagbaren Unternehmensdaten und äußerst subjektiven Sichtweisen der Trader, so gesehen kann man nur antworten: Man wird es abwarten müssen. Der Vorteil indes ist: Die Ankerpunkte, um die es geht, sind klar definierbar. Je nachdem, ob der TecDAX signifikant über 3.354 Punkte hinaus läuft oder unter 3.145 Punkte fällt, werden nicht nur charttechnisch Weichen gestellt. Das wird auch das Stimmungs- und Meinungsbild beeinflussen und so die Chance bieten, dass sich ein solcher Ausbruch verstetigen kann, wenn sich der Index mehr als zwei, drei Tage klar außerhalb dieser Handelsspanne halten sollte.

TecDAX: Tageschart vom 15.01.2024, Kurs 3.254,45 Punkte, Kürzel: TDX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
TecDAX: Tageschart vom 15.01.2024, Kurs 3.254,45 Punkte, Kürzel: TDX | Quelle: TWS

Vom Jahrestief an das Jahreshoch innerhalb von zwei Monaten, besser hätte es für das bullische Lager beim TecDAX 2023 eigentlich nicht laufen können. Doch wird dieser bullische Fahrplan weiter eingehalten? Dazu könnte die Frage nach dem „Warum“ der Rallye der Schlüssel sein.

Die Inflation kommt erheblich zurück und liegt nur noch so geringfügig über der Zielzone der EZB, dass man damit rechnen darf, dass die EZB die Leitzinsen 2024 senken wird, womöglich sogar schnell und weit. Das wiederum wird Investitionen und Konsum befeuern und die Unternehmensgewinne als Basis einer Aktienhausse steigern.

Das ist der fundamentale Fahrplan der Bullen für 2024, auf diese kommenden Stationen hin hat man seit Ende Oktober schon einmal vorgekauft. Hier, beim TecDAX, aber auch bei DAX, Euro Stoxx 50, den US-Indizes. Kommt es so wie gedacht, hätte man zwar den Klotz am Bein, dass sehr viele bereits investiert sind und der derzeitige Kurslevel womöglich schon deutlich höhere Unternehmensgewinne eingepreist hat, so dass man für weiter steigende Kurse neue bullische Argumente bräuchte.

Aber erfahrungsgemäß kümmert das „Morgen“ die Trader im Hier und Jetzt ebenso wenig wie die Frage, ob diese Erwartungen überhaupt so eintreffen werden. Wer indes jetzt überlegt, ob es an der Zeit wäre, Long-Gewinne mitzunehmen, ggf. sogar auf die Short-Seite zu wechseln oder aber im Gegenteil jetzt neu Long zu gehen oder zuzukaufen, den sollte die Antwort auf die Frage, ob und warum die Akteure in ihrer Gesamtheit jetzt weiter kaufen könnten, auf jeden Fall interessieren. Die wie ausfällt?

Expertenmeinung: Aktuell wirkt die Performance des TecDAX wie „modelliert“ und ist es teilweise auch, denn dass der Index ausgerechnet zum Jahresende am Hoch notiert, ist natürlich ein werbewirksames Argument für die institutionellen Investoren, deren Interesse es sein muss, dass die Anleger auch 2024 frisches Geld investieren. Wie tragfähig dieser zwei Monate währende Run quer durch die Handelsspanne des Jahres ist, wird sich daher in den kommenden Wochen erst noch beweisen müssen. Wird wirklich mehr frisches Geld zugeführt als dann an Gewinnmitnahmen ansteht? Möglich ist es.

Wir hätten zwar das Problem, dass der Fahrplan der Bullen auf Annahmen fußt, die eintreffen können, aber keineswegs müssen. Dass die Inflation kurzfristig noch einmal deutlich zulegt, ist zwar über statistische Effekte hinaus wenig wahrscheinlich. Aber wenn die EZB dann die Leitzinsen wirklich so weit und schnell senken würde, dass das Investitionen und Konsum noch im kommenden Jahr spürbar befeuert, dann, weil sie es muss, weil die Konjunktur noch schwächer wird, als sie es derzeit ohnehin ist. Was zu Beginn einer Zinssenkungsphase auch normal wäre, von den Bullen aber einfach als normaler Schritt hin zu einer konjunkturellen Aufwärtswende ignoriert wird. Damit stehen wir auf dünnem Eis … im Prinzip. Aber:

Da sich der Anteil an Sparern, die wirtschaftliche Zusammenhänge durchdringen, in Grenzen hält, kann die Rallye seit Ende Oktober schwerer als Argument wiegen als volkswirtschaftliche Unwägbarkeiten. Möglich wäre es also, dass Anfang Januar viel frisches Geld in den Markt kommt, diejenigen, die über den Ausstieg oder Short-Trades nachdachten, zurückziehen und der TecDAX dadurch die im langfristigen Chart zu sehende Widerstandszone im Bereich von grob 3.200 bis 3.400 Punkte mit Ziel 4.000 durchbricht.

TecDAX Index: Monatschart vom 28.12.2023, Kurs 3.336,19 Euro, Kürzel: TDX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
TecDAX Index: Monatschart vom 28.12.2023, Kurs 3.336,19 Euro, Kürzel: TDX | Quelle: TWS

Aber das mit dem frischen Geld und den ausbleibenden Verkäufen ist eben erst einmal, Stand Jahresende 2023, offen. Daher sollte man hier gerade wegen dieser Rallye auf einem Fundament aus Annahmen und Hoffnungen besonders vorsichtig agieren, Käufe oder Zukäufe Long erst bei einem Überwinden der gesamten Widerstandszone erwägen, die eben noch ein Stück über das 2023er-Hoch von 3.354 Punkte reicht und sich danach mit konsequenten Stoppkursen gegen böse Überraschungen absichern.

TecDAX Index: Tageschart vom 28.12.2023, Kurs 3.336,19 Euro, Kürzel: TDX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
TecDAX Index: Tageschart vom 28.12.2023, Kurs 3.336,19 Euro, Kürzel: TDX | Quelle: TWS

Es ist auffällig, dass zwar der DAX haussiert, der MDAX aber einfach nicht mitlaufen will. Ganz anders der TecDAX: Der hat seit Ende Oktober sogar noch mehr zugelegt als der DAX. Doch wenn man ein wenig genauer hinsieht, stellt man fest: Das ist eine „geliehene“ Stärke.

Ein Grund, sich die Rallye des TecDAX ein wenig genauer anzusehen, entsteht schon aus dieser seltsamen Diskrepanz zwischen den Rallyes von DAX und TecDAX und dem weiterhin stur fußlahmen MDAX. Es kann eigentlich nicht sein, dass die deutschen Aktien der zweiten Reihe, die man beide im MDAX ebenso wie im TecDAX findet, nur zufällig beim MDAX alle nicht, beim TecDAX aber alle dramatisch gut laufen. Wer sich das mal ansieht, erkennt schnell:

Das tun sie auch nicht. Denn der TecDAX läuft nur deswegen so stark, weil der DAX stark läuft, Stichwort doppelte Notierung. Während wir im MDAX keine Aktien finden, die zugleich im DAX gelistet sind, sieht das beim TecDAX anders aus:

6 der 30 TecDAX-Aktien sind auch im DAX notiert: die Deutsche Telekom, Qiagen, SAP, Sartorius Vorzüge, Infineon und Siemens Healthineers. Alle sechs im Index gelisteten DAX-Titel sind auch die am höchsten gewichteten. Zusammen beträgt ihre Index-Gewichtung etwa 58 Prozent, die anderen 24 Werte im Index müssen sich die Brosamen teilen. Das macht klar:

Expertenmeinung: Wenn der DAX davonzieht und diese sechs Aktien mit von der Partie sind, steigt der TecDAX mit, egal, was die anderen 24 TecDAX-Aktien machen. Und das ist eben auch aktuell der Fall. Seit dem Tief Ende Oktober sind es vor allem Infineon und Sartorius, die den Index massiv antreiben. Diese beiden Aktien haben im DAX nur eine Gewichtung von zusammen fünf Prozent, im TecDAX aber von 18 Prozent. Und diese beiden Titel sind seit Ende Oktober um 36 (Infineon) und 46 Prozent (Sartorius) gestiegen.

TecDAX: Tageschart vom 12.12.2023, Kurs 3.288,57 Punkte, Kürzel: TDX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
TecDAX: Tageschart vom 12.12.2023, Kurs 3.288,57 Punkte, Kürzel: TDX | Quelle: TWS

Da wundert es nicht, dass der TecDAX derart davonzieht. Doch das Problem ist: Diese beiden Gipfelstürmer werden nicht von TecDAX-Tradern oder institutionellen Investoren massiv gekauft, die den TecDAX abbilden, denn dazu ist dieser Index einfach zu klein bzw., um es despektierlich zu formulieren, zu unwichtig.

Von den anderen 24 im Index notierten Titeln sind gerade einmal fünf seit Ende Oktober besser gelaufen als der TecDAX, viele aber dramatisch schlechter. Was hieße: Kippt der DAX, kippt der TecDAX nicht nur mit, der Abstieg könnte ebenso stärker ausfallen, wie es der Anstieg seit Ende Oktober bislang tat … vorausgesetzt, zu den Aktien, die den DAX dann nach unten ziehen würden, würden einige der sechs „doppelt-notierten“ Aktien gehören.

Das ist also keine allzu stabile Angelegenheit, da wäre es auf jeden Fall ratsam, sich hier auf der Long-Seite konsequent abzusichern. Die Schlüsselzone, die zuletzt überwunden wurde und jetzt tunlichst nicht mehr fallen sollte, liegt zwischen 3.145 und 3.175 Punkten und schließt die 20-Tage-Linie ebenso wie die 200-Tage-Linie mit ein. Darunter einen Stoppkurs als „Fallschirm“ einzuziehen, wäre unbedingt zu überlegen … zumal der Index, wie es der langfristige Chart auf Monatsbasis zeigt, dadurch zwar in, aber noch nicht über die langfristig wichtige Widerstandszone 3.198/3.393 Punkte gelaufen ist.

TecDAX: Monatschart vom 12.12.2023, Kurs 3.288,57 Punkte, Kürzel: TDX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
TecDAX: Monatschart vom 12.12.2023, Kurs 3.288,57 Punkte, Kürzel: TDX | Quelle: TWS