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Aktienanalyse:
Euro/US-Dollar: Können EZB-Gerüchte den Euro-Abwärtstrend wiederbeleben?

Am Donnerstagmittag kam seitens der Nachrichtenagentur Bloomberg die Meldung, die EZB würde gerade prüfen, ob man die Berechnungsweise des Inflationsziels nicht modifizieren sollte. Wie alle großen Notenbanken versteht die EZB ja unter der von ihr sicherzustellenden Geldwertstabilität eine Inflationsrate von knapp unter bis zu zwei Prozent.

Eine Neuorientierung hinsichtlich dieser Zielzone würde eher nach oben führen, ggf. eine Zielzone von zwei bis knapp über zwei Prozent bedeuten. Das klingt wie Haarspalterei, hätte aber markante Bedeutung, was die Möglichkeiten angeht, die die Europäische Zentralbank hinsichtlich noch tieferer Zinslevels hätte.

Denn das Beibehalten der Nullzinspolitik wurde ja damit begründet, dass die Inflation zu niedrig sei. Das Wachstum ist es auch, aber die Notenbank will nicht in die Rolle einer Institution schlüpfen, die Regierung und Unternehmen auf Kosten der Sparer stützt, daher bleibt man stur bei der Argumentation der Inflationsrate. Würde das Ziel nur einen Viertelpunkt nach oben verlagert, hätte man noch deutlich mehr Argumente, die Leitzinsen über Jahre niedrig zu belassen oder sogar noch radikaler zu senken. Zumal man annehmen darf, dass solche Maßnahmen, die schon in den vergangenen Jahren nicht funktionierten, auch bei noch weiter ins Negative abgleitenden Zinslevels nicht verfangen.

Denn die Sparer werden selbstredend nicht gewillt sein, ihre Ersparnisse auszugeben, um die Konjunktur zu stützen und dafür ihre Altersvorsorge zu gefährden. Und springt der Konsum nicht an, wird auch die Inflation nie ihre Zielzone erreichen. Was der EZB indes klar sein dürfte. Daher wäre ein höheres Inflationsziel ein Freibrief auf bis jetzt noch nicht einmal vorstellbare, radikale Maßnahmen.

Und allein die Meldung, dass die EZB scheinbar Argumente für eine solche Verschärfung der Negativzins-Politik sucht, kann auf die Währung drücken. Aus zwei Gründen: Erstens, weil die dann noch tiefer in negatives Terrain abrutschenden Anleihezinsen den Kapitalstrom aus dem Ausland noch dünner werden lassen, weil internationale Investoren sich vermehrt andere Zonen für Anleihe-Investments suchen.

Chart auf Tagesbasis vom 18.07.2019, Kurs 1,1240 US-Dollar, Kürzel EUR.USD | LYNX Aktienempfehlungen

Schon jetzt hat die Bundesregierung erste Probleme, ihre negativ verzinsten, länger laufenden Anleihen loszuschlagen. Zweitens, weil solche Maßnahmen hinreichend durchsichtig auf Argumente gerichtet sind, eine aus der Not geboren überzogene Geldpolitik noch mehr zu überreizen. Eine wankende Wirtschaft, die solche Maßnahmen nötig machen würde, ist keine, die internationale Anleger anlocken würde. Also dürfte die Nachfrage ebenso wie das Renommee des Euro weiter nachgeben.

Bislang ist die Reaktion auf diese Meldung gering. Der Euro rutschte zum US-Dollar kurz nach Bekanntwerden des Gerüchts kurz ab, notierte am Abend aber kaum verändert zum Vortag. Auf kurzfristiger Ebene geht das Wassertreten in dieser „Königsdisziplin“ des Devisenmarkts also weiter. Aber wenn man den Blick von der ziellos wirkenden Tagesbasis auf ein längerfristiges Bild richtet, wird deutlich:

Auch, wenn die US-Notenbank deutlich mehr Zinssenkungsspielraum hat und die US-Regierung immer offener einen schwachen US-Dollar fordert, so ist es auf der langfristigen Ebene doch der Euro, der sich zum Greenback im Abwärtstrend befindet. Die langfristige, bereits über zehn Jahre geltende Abwärtstrendlinie verläuft derzeit bei 1,2220 US-Dollar. Dort und gerne auch darüber würde man den Euro in Washington gerne sehen. Dass aber all das Trommeln der USA bislang nichts nützt, deutet an: Wenn aus diesem EZB-Gerücht Realität werden sollte, dürfte es eher der Euro sein, der vor allem wegen der darin erkennbaren Not der EZB noch einiges an Luft nach unten hätte!

Chart auf Monatsbasis vom 18.07.2019, Kurs 1,1240 US-Dollar, Kürzel EUR.USD | LYNX Aktienempfehlungen

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