Adobe Aktie Prognose Adobe stürzt nach Milliardenübernahme ab

News: Aktuelle Analyse der Adobe Aktie

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Adobe
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Adobe übernimmt für 20 Mrd. USD Figma und verliert als Reaktion 30 Mrd. USD an Börsenwert. Jetzt ist guter Rat teuer.

Absolute Katastrophe?

Langjährige Leser werden es wissen, ich bin kein großer Freund von gigantischen Übernahmen. In der Regel wird damit kein Mehrwert für Anleger geschaffen.
Ganz im Gegenteil, dadurch entstehen erhebliche Risiken.

Man würde sich wünschen, dass die Manager dieser Welt zukünftig von solchen Ambitionen absehen würden.

Es gibt genug mahnende Beispiele in der Geschichte, vor allem in unseren Gefilden. Die größten Risiken entstehen, wenn eine Übernahme auf Augenhöhe stattfindet, also ein Unternehmen gekauft wird, welches fast so viel Wert ist wie man selbst.

Das ist im Fall von Adobe und Figma nicht so. Selbst nach dem gestrigen Absturz lag der Börsenwert von Adobe noch bei 144 Mrd. USD, der Kaufpreis von Figma liegt bei 20 Mrd. USD.

Vielfältige Risiken

Eine andere unterschätzte Gefahr ist die Kultur eines Unternehmens. Nehmen wir beispielsweise Adobe mit seinen rund 26.000 Mitarbeitern.
Der Trackrecord ist blendend und die Aktie ein massiver langfristiger Outperformer, irgendetwas macht man also richtig.
Man hat dominante Produkte, die „best in class“ sind.

Würde man ein anderes Unternehmen von ähnlicher Größe übernehmen, bestünde die Gefahr, die eigene Unternehmenskultur zu zerstören.
Im schlimmsten Fall kauft ein Outperformer einen großen Underperformer und schwächt sich damit nachhaltig.
All das haben wir schon erlebt.

Glücklicherweise ist auch das nicht der Fall. Figma wächst atemberaubend schnell und hat nur 850 Mitarbeiter.

Das führt zu weit

Absolute Katastrophen sind durch den Deal also nicht zu erwarten, das bedeutet aber nicht, dass der Deal eine gute Idee war.

Der Kurs von Adobe ist am Donnerstag um 16,79% auf 309,13 USD eingebrochen und hat somit fast 30 Mrd. USD an Wert eingebüßt.
Die Börse gesteht dem Zukauf von Figma für 20 Mrd. USD somit einen Wert von unter null zu.

Hinzu kommt vermutlich die Enttäuschung der Anleger über solch einen Deal und ein gewisser Vertrauensverlust.
Wenn man kühl rechnet, lohnt sich ein Verkauf von Adobe jetzt aber nicht mehr. Wer vor dem Deal bullisch war, sollte es auch bleiben.
Bewertungstechnisch ist der Deal schließlich bereits verarbeitet.

Sollte sich Figma als absoluter Flop herausstellen, und das scheint geradezu unmöglich, wäre dieser Flop jetzt bereits eingepreist.

Das bleibt

Was bleiben würde, wäre das Kerngeschäft von Adobe. Kurstechnisch bewegen wir uns inzwischen auf dem Niveau von 2019.
Daher drängt sich die Vermutung auf, dass es sich inzwischen um eine Übertreibung zur Unterseite handelt.

Immerhin hat sich der Gewinn je Aktie in diesem Zeitraum nahezu verdoppelt. Inzwischen kommt Adobe nur noch auf eine forward P/E von 22,7.
In den letzten fünf Jahren lag die P/E durchschnittlich bei 41,4.

In den fünf Jahren vor dem Börsenhype von 2020/2021 lag die P/E durchschnittlich bei 40,6.

Da war doch was

Wir haben also erste „dezente“ Hinweise darauf, dass es sich um eine Überreaktion handeln könnte.
Im Zuge der Übernahme von Figma, ist auch vollkommen untergegangen, dass Adobe Quartalszahlen vorgelegt hat.

Der Gewinn lag mit 3,40 je Aktie weit über den Schätzungen von 3,32 USD. Der Umsatz lag mit 4,43 Mrd. USD im Rahmen der Erwartungen.

Für das vierte Quartal stellt man ein Ergebnis von 3,50 USD je Aktie in Aussicht, bisher wurden 3,44 USD erwartet.

Der Gedanke hinter Figma

Doch kommen wir nochmal zurück zu Figma. Man darf annehmen, dass dem Vorstand durchaus bewusst war, dass die Übernahme eine negative Kursreaktion auslösen wird.
Das passiert bei größeren Übernahmen meistens und aktuell stehen unprofitable Wachstumswerte auch nicht gerade hoch im Kurs.

Man kann es auch drehen und wenden, wie man will, ein Kaufpreis von 20 Mrd. USD für ein Unternehmen mit 400 Mio. USD an ARR (jährlich wiederkehrenden Umsätzen) ist definitiv üppig.
Man darf und kann sich als Anleger durchaus die Frage stellen, wie sich das jemals auszahlen soll.

Adobe selbst gibt an, dass der adressierbare Markt von Figma im Jahr 2025 bei nur 16,5 Mrd. USD liegen dürfte.
Der Kaufpreis von 20 Mrd. USD ist daher schwer zu rechtfertigen. Es sei denn, Figma wäre auf dem besten Weg, in diesem Segment eine regelrechte Alleinherrschaft zu erreichen. Und auf der Design-Ebene scheint das tatsächlich der Fall zu sein.

Unser Lead-Designer von LYNX drückte es auf Nachfrage wie folgt aus: „In a year the world adopted it. […] it’s a cult.“

Der größte Mehrwert entsteht aber erst dadurch, dass Figma in das Ökosystem von Adobe integriert wird.
Adobe sichert sich mit dem Zukauf die Vorherrschaft im Bereich UI & UX Design. Daher ergibt die Übernahme strategisch durchaus Sinn, wenngleich der Preis auch gerne niedriger hätte sein können.

Hatte Adobe keine andere Wahl?

Auf der anderen Seite schwören alle User Experience (UX) und User Interface (UI) – Designer mit denen man spricht auf Figma.
Wie wären Wachstumsraten von 100%+ und eine Net Retention Rate von 150%+ sonst denkbar.

Eine weitere Sache könnte der Markt ebenfalls übersehen. Figma war auf dem besten Weg, Adobe Photoshop im Bereich UX/UI-Design das Wasser abzugraben.

Wenn sich an der Börse die Erkenntnis durchgesetzt hätte, dass es einen aufstrebenden Konkurrenten gibt, der Adobe das Wasser abgräbt, hätte man wohl mehr als 16,79% an Börsenwert verlieren können.
Es wäre gut möglich, dass sich Adobe daher gezwungen sah, die Konkurrenz auszuschalten und zu übernehmen, bevor es dazu kommt.

Ein weiterer Pluspunkt ist die Struktur des Deals. Der Kaufpreis wird jeweils zur Hälfte in Cash und Aktien gezahlt.
Die Barmittel wird Adobe weitgehend aus dem Cashflow aufbringen, man verschuldet sich also nicht bis über beide Ohren.

Gleichzeitig wird der Verwässerung der Aktienbasis durch Buybacks entgegenwirkt. Um die Verhältnismäßigkeiten aufzuzeigen:
Beim heutigen Kurs müsste Adobe, um den Kaufpreis aufzubringen, die Zahl der ausstehenden Aktien um etwa 7% erhöhen, also um etwa 33 Millionen Stück.
Im letzten Quartal hat Adobe 5,1 Millionen eigene Aktien eingezogen, im Jahresverlauf waren es 10,8 Millionen.
Man kann sich also ungefähr ausrechnen, wie lange es dauern wird, bis die Zahl der Aktien wieder auf das Niveau sinken wird, wie vor dem Deal.

Chart vom 16.09.2022 – Kurs: 304,15 Kürzel: ADBE - Wochenkerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 16.09.2022 – Kurs: 304,15 Kürzel: ADBE – Wochenkerzen

Adobe befindet sich an einer technischen Schlüsselstelle. Fällt die Aktie nachhaltig unter den Aufwärtstrend und die Unterstützungszone bei 300-307 USD, muss mit einer Ausdehnung der Korrektur gerechnet werden.

Wo der Abverkauf dann genau stoppen wird, ist schwer vorauszusagen, aber unterhalb von 300 USD reihen sich die Unterstützungen regelrecht auf. Der erste Support läge bei 290 USD, weitere folgen bei 272 sowie 250-256 USD.

Es wäre aber auch gut möglich, dass der Spuk mit dem Abverkauf vom Donnerstag bereits vorüber ist und auf dem derzeitigen Niveau eine Bodenbildung stattfindet. Klar positive Signal ergeben sich allerdings erst über 350 USD.

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Vorherige Analysen der Adobe Aktie

Lassen Sie sich den Artikel vorlesen:

Adobe mit enttäuschendem Ausblick. Das ist ein echter Dämpfer. Ist die Wachstumsstory jetzt vorbei und geht der Crash unvermindert weiter?

Schlagzeilen

Es erstaunt mich immer wieder, wenn ich so manche Überschriften sehe. Leider kann ich das jobbedingt nicht vermeiden. Während der Arbeit stoße ich unweigerlich auf unzählige Artikel.

In den meisten Fällen handelt es sich um Übertreibungen und Zuspitzungen der wirklichen Lage.
Das Ziel ist klar: Klicks.

Leser klicken Überschriften, keine Artikel. Das muss man wissen.

Der deutschsprachige und englische Raum nehmen sich übrigens wenig. Die Wortwahl ist quasi dieselbe.
Nach den Quartalszahlen von Adobe wurde allenthalben von „Gewinnwarnung“, „Dämpfer“, einem „gesenkten“ oder „enttäuschenden Ausblick“ gesprochen.

Quartalszahlen

Doch kommen wir zurück zum „enttäuschenden“ Ausblick und den „schwachen“ Quartalszahlen.

Es gibt einen guten Grund, warum all die negativen Schlagzeilen nur zu einer kurzzeitigen Kursschwäche geführt haben. Jeder, der den Quartalsbericht zu Gemüte geführt hat, statt nur die Überschriften und Schlagzeilen zu lesen, kommt zu einem komplett anderen Ergebnis.

Der Gewinn lag in Q2 mit 3,35 je Aktie über den Erwartungen von 3,30 USD. Der Umsatz übertraf mit 4,39 Mrd. die Analystenschätzungen von 4,35 Mrd. USD ebenfalls.

Für das dritte Quartal stellt man ein Ergebnis von 3,33 USD je Aktie in Aussicht, die Konsensschätzungen lagen bisher bei 3,35 USD je Aktie.

Realität

Was bedeutet bisher im Klartext? Adobe hat die Erwartungen übertroffen und hat in diesem Quartal 5 Cent mehr an Gewinn erzielt als angenommen, wird dafür aber wahrscheinlich im kommenden Quartal 2 Cent weniger erzielen als angenommen.

Mein Fazit: Komplett bedeutungslos, alles im Rahmen.

Dasselbe gilt übrigens für die gekürzte Prognose für das Gesamtjahr. Adobe stellt nun 13,50 statt 13,70 USD je Aktie in Aussicht und beim Umsatz 17,7 statt 17,9 Mrd. USD.

Die Gründe dafür nennt Adobe im selben Atemzug. Das Unternehmen hat das Geschäft in Russland und Belarus weitgehend eingestellt, darüber hinaus wirkt sich die Aufwertung des Dollar natürlich negativ aus.

Mein Fazit: Selbst, wenn die Anpassung nicht durch externe Faktoren verursacht worden wäre, komplett bedeutungslos.

Es ist immer dasselbe

Trotzdem sind Banken und Reasearchhäuser wie gewohnt wieder aktiv. Ich möchte das Thema nicht ausufern lassen, wir haben es auch schon oft genug thematisiert.

Das Schema ist immer dasselbe. Solange die Kurse steigen, werden die Kursziele erhöht. Sobald die Kurse gefallen sind, werden nachträglich die Kursziele wieder gesenkt.

Im Endeffekt laufen die Ratings den Kursen hinterher und nicht umgekehrt.

Das ist auch derzeit der Fall. Mehr als ein halbes Dutzend von Banken und Researchhäuser haben die Quartalszahlen als Anlass genutzt, um ihre Kursziele zusammenzustreichen.

Warum Adobe nach diesen Zahlen plötzlich 50 oder 100 USD weniger wert sein soll, ist mir schleierhaft.
Aber darum geht es eben auch nicht, das ist ja die Krux.

Mit den Ratings wird keinerlei Aussage über den Wert von Unternehmen getroffen.

Ausblick und Bewertung

Adobe dürfte den Gewinn in diesem Jahr also um 8% auf 13,50 USD je Aktie steigern. Andernorts würde man sich darüber freuen, für Adobe ist das das schlechteste Geschäftsjahr seit 2014.
Der Vergleich hinkt allerdings, da der Konzern von damals mit dem von heute kaum noch etwas zu tun hat.

Es soll nur zeigen, welche Gewinnsteigerungen hier die Regel sind. Daher werden für 2023/24 auch jeweils wieder Wachstumsraten von 16-17% erwartet.
Selbst das ist für Adobe noch wenig. Wir werden sehen, ob die Schätzungen im Zuge des allgemeinen Pessimismus nicht auch zu niedrig sind.

Doch nehmen wir an, dass die Prognosen richtig sind. Das würde bedeuten, dass der Gewinn von 2021 bis 2024 um nahezu 50% steigen wird.
Es gibt wahrlich schlimmeres und daher drängen sich einige Fragen auf.

Führt der derzeitige Abverkauf zu weit? Wo könnte die Aktie dann (2024) stehen?

Beide Fragen sind nicht trivial, aber stellen wir doch einige Vergleiche an. Am Tief des 2020-Crash lag die P/E von Adobe bei 32,4 und heute bei 28,9.

The End is near!

Also entweder sind die Geschäftsaussichten von Adobe heute noch schlechter und die Zukunft noch unsicherer als damals, oder wir haben es mit einer Unterbewertung zu tun.

In den letzten fünf Jahren lag die P/E durchschnittlich bei 41,4. Man sollte nicht suggerieren, dass die Bewertung zukünftig wieder auf ein derartig hohes Niveau steigen muss, aber nehmen wir an, es wir wieder eine P/E von 35 erreicht.

Unterstellt man, dass die Prognosen richtig sind, müsste die Aktie im Jahr 2024 bei 642,95 USD notieren.
Der Kurs müsste sich also verdoppeln.

Wenn man bedenkt, dass die Aktie vor wenigen Monaten noch auf diesem Niveau notiert hat, erscheint die Sache nicht unrealistisch.

Chart vom 20.06.2022 - Kurs: 360,55 Kürzel: ADBE - Wochenkerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 20.06.2022 – Kurs: 360,55 Kürzel: ADBE – Wochenkerzen

Mit Unterschreiten der Unterstützung bei 382 USD und dem primären Aufwärtstrend ist es zu einem Verkaufssignal gekommen, welches seine Wirkung erzielt hat.

Bei 335-340 USD verlaufen allerdings zwei untergeordnete Aufwärtstrends, die stützend wirken.
Aus technischer Sicht sind das die Entscheidungsmarken.

Gelingt eine Rückkehr über 382 und in den Aufwärtstrend, hellt sich das Chartbild schlagartig auf.

Fällt Adobe hingegen unter 335 USD, muss mit einer Ausdehnung der Korrektur in Richtung 315 oder möglicherweise sogar 275 USD gerechnet werden.

Adobe ist nach den jüngsten Quartalszahlen um 9% eingebrochen. Ein Verkaufssignal wurde allerdings nicht ausgelöst. Ist das jetzt der Boden? Oder kommt da noch was?

Abos sind der Schlüssel

Adobe ist eine absolute Erfolgsgeschichte. Seitdem man auf ein Abo-Modell umgestellt hat, hat sich das Unternehmen in eine regelrechte Cash-Maschine verwandelt.
Zuvor waren die Eintrittsbarrieren mit Softwarepreisen im vierstelligen Bereich einfach zu hoch. Adobe Photoshop gehörte zu den am meisten raubkopierten Programmen überhaupt.

Doch das ist alles lange vergangen. Die Früchte dieser entscheidenden Richtungsänderung haben sich seit 2014 massiv in den Zahlen niedergeschlagen.

Seitdem ist der Umsatz von 4,15 auf 15,79 Mrd. USD gestiegen. Die operative Marge legte von 10,4 auf 36,8% zu.
Der Gewinn hat sich von 1,29 auf 12,48 USD je Aktie nahezu verzehnfacht.

Absturz

Dass die Aktie ein Outperformer ist, dürfte dementsprechend feststehen. Adobe hat mit seinen Produkten eine enorme Marktmacht, Anwendungen wie Photoshop oder PDFs sind zum Standard geworden.
Adobe ist aber noch viel mehr als das. Inzwischen spielen Daten und Marketing eine immer größere Rolle.

Das bewahrt die Aktie allerdings nicht vor Volatilität und hat auch den Absturz der letzten Monate nicht verhindert.
Mit dem Kurs ging es von 700 auf 431 USD abwärts.

Gründe dafür findet man im Nachhinein immer. Am einfachsten lässt sich das Argument heranziehen, dass der Gewinn nach GAAP im Geschäftsjahr 2021 gesunken ist.
Allerdings wird auf dieser Basis dafür 2022 ein Gewinnsprung um 35% erwartet.

Schaut man sich andere Kennzahlen an, ergibt sich ganz anderes Bild. Das operative Ergebnis ist 2021 beispielsweise stark gestiegen, dafür dürfte 2022 deutlich weniger gehen als bei den GAAP-Kennzahlen.

Man kann sich die Sache also so hindrehen, wie man möchte.

Ausblick und Bewertung

Aus meiner Sicht ist der Hauptgrund für die Kursabgaben, dass die P/E zuvor auf ein Rekordniveau gestiegen war.
Wer in solchen Situationen einsteigt, hat diesen Faktor entweder übersehen, ignoriert oder er ist sehr risikofreudig.

Das jüngste Quartal und der vergleichsweise schwache Ausblick auf das nächste Quartal spielt aus meiner Sicht keine große Rolle.
Mich als Investor interessieren einzelne Quartale nicht.

Wichtig ist, wo das Unternehmen in einigen Jahren stehen wird. Was das angeht bin ich optimistisch, die Prognosen geben es wahrlich her.

Im Endeffekt dürfte der Unternehmensgewinn von Adobe bis 2024 auf rund 7 Mrd. USD steigen.
Ausgehend vom heutigen Niveau wäre das ein Plus von nahezu 50%. Vielleicht fehlt mir die Fantasie, aber bei einer derartigen Entwicklung fällt es mir schwer, katastrophale Szenarien zu zeichnen.

Eine Etage tiefer

Ein ähnliches Bild ergibt sich mit Blick auf den freien Cashflow. Unternehmen mit Abo-Modellen werden an der Börse in der Regel mit einem P/FCF von 25 und mehr gehandelt.
Selbst Unternehmen mit einer weitaus geringeren Qualität wie Adobe kommen auf solche Bewertungen.

Daher wurde Adobe in der Vergangenheit auch ein Multiplikator von 36 zugestanden. Aktuell sind wir bei 30.
Im historischen Vergleich ist die Aktie aktuell also eher günstig.

Selbst wenn man davon ausgeht, dass die Bewertung auf diesem vergleichsweise niedrigen Niveau bleibt, ergeben sich daraus erhebliche Kursziele. Denn der FCF dürfte bis 2024 auf über 20 USD je Aktie klettern.

In diesem Szenario müsste der Kurs von Adobe in etwas mehr als zwei Jahren bei 627 USD stehen.

Daher hoffe ich, dass die negative Stimmung noch eine Weile anhält. Je tiefer es geht, umso besser ist das aus Investoren-Sicht.

Chart vom 28.03.2022 Kurs: 432 Kürzel: ADBE - Wochenkerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 28.03.2022 Kurs: 432 Kürzel: ADBE – Wochenkerzen

Durch den Kurssturz hat sich das Chartbild nicht eingetrübt. Die Aktie wurde vielmehr auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt und ist zum mehrjährigen Aufwärtstrend zurückgekommen, welcher derzeit bei 380-390 USD notiert.
Eine Ausdehnung der Korrektur bis auf dieses Niveau sollte eingeplant werden.

Solange die Aktie allerdings nicht nachhaltig unter 425 USD rutscht, besteht weiter die Möglichkeit, dass sich der Boden bereits auf diesem Niveau ausbilden wird.

Positive Signale ergeben sich hingegen über 450 USD. Dann wäre der Weg in Richtung 500 – 525 USD frei.

Die Aktie des Softwareunternehmens Adobe gehörte jahrelang zu den Aktien der Kategorie „kann man immer kaufen“. Seit 2011 gab es nur im Herbst 2018 und im Corona-Crash größere Korrekturen. Doch jetzt hat Adobe 36 Prozent in drei Monaten verloren. Was ist da los?

Adobe hat im Geschäftsjahr 2020/2021 (die Geschäftsjahre enden hier immer am 30.11.) zwar etwas weniger verdient als 2019/2020. Und ein Rückgang des Gewinns ist den Anlegern hier jahrelang nicht untergekommen. Aber der Umsatz stieg weiter wie auf Schienen. Und die Analysten lassen ihre Daumen oben:

Drei Viertel der Experten sehen Adobe als klaren Kauf, keiner beurteilt mit „Untergewichten“ oder gar „Verkaufen“. Für das noch junge Geschäftsjahr 2021/2022 sehen die Analysten wieder steigende Gewinne. Die Bewertung war zwar im November am Hoch von fast 700 US-Dollar etwas zu hochgelaufen, aber jetzt ist das Kurs/Gewinn-Verhältnis natürlich deutlich niedriger und alles andere als zu teuer. Und das durchschnittliche Analysten-Kursziel liegt mit 660 US-Dollar derzeit fast 50 Prozent über dem Kurs des Freitags (am Montag fand in den USA kein Handel statt). Trotzdem fällt diese Aktie scheinbar haltlos weiter. Wissen die Verkäufer möglicherweise etwas, das die Mehrheit der Investoren noch nicht weiß?

Expertenmeinung: Nein. Das Problem ist eines, das mit Adobe nur sehr mittelbar zu tun hat. Letztlich ist die Adobe-Aktie das Opfer ihres eigenen Erfolges. Denn immer mehr Anleger, ob in den USA oder weltweit, investieren in ETFs. Und da der Technologiesektor über Jahre der stärkste und damit spannendste war, floss sehr viel Kapital in diesen Bereich. Adobe lag da in einem Korb mit anderen Hightech Mega-Caps wie Apple, Facebook, Netflix, Nvidia, Alphabet und vielen mehr. Und da gilt jetzt: mitgegangen, mitgehangen.

Denn zum einen haben einige dieser Tech-Mega-Caps die Anleger mit ihren jüngsten Ergebnissen enttäuscht und fielen wie ein Stein, so z.B. Facebook und Netflix. Das hat viele dazu gebracht, Geld aus solchen Hightech-ETFs abzuziehen. Zum anderen ist das Umfeld kritisch: Bald steigende Leitzinsen und geopolitische Spannungen, das ist vielen zu viel auf einmal. Und Abgaben in solchen ETFs, aber auch bei klassischen Hightech-Fonds oder im Nasdaq 100 als Index, treffen Adobe als gewichtige Aktie im Nasdaq 100 automatisch mit.

Woraus sich ableiten ließe: Adobe hätte, da man eine ziemlich stabile Einnahme- und Wachstumsbasis hat, gute Chancen, den Kopf aus dem Sumpf zu strecken, in dem manch andere Hightech-Aktie versinken könnte, sobald der Druck auf den Gesamtmarkt nachlässt und die ersten Trader gezielt die besten Aktien zurückkaufen.

Was man aber nicht tun sollte, ist im Vertrauen darauf einfach mal die Hand aufzuhalten. Denn dieses derzeitige Umfeld ist so unruhig, dass man da nach unten nichts ausschließen sollte. Und Adobe hätte vom Chartbild her allemal noch Luft bis zur Supportzone 416/421 US-Dollar. Und auch die kann halten, muss aber nicht, wenn der Gesamtmarkt in eine Panik abgleitet. Adobe ist ein Top-Kandidat für die Einkaufsliste, aber erst sollte der Kurs einen Boden gebildet und nach oben gedreht haben. Derzeit wäre sie erst über 555 US-Dollar wieder bullisch. Fällt sie weiter, kann sich der Level, der ein bullisches Signal auslösen würde, auch noch deutlich nach unten verschieben, aber solange das nicht der Fall ist, hieße es hier: abwarten!

Adobe-Aktie: Chart vom 18.02.2022, Kurs 442,56 US-Dollar, Kürzel ADBE | Online Broker LYNX

Kaum kommt der Markt ein wenig unter Druck, werde ich um eine Neuauflage meiner Kaufliste für den Crash gebeten.
Zuletzt hatte ich eine entsprechende Liste im März 2020 veröffentlicht. (Einkaufsliste für den Crash 2020)

Aber Crashs kommen statistisch gesehen vielleicht alle zwei Jahre vor. Zu Kursstürzen in der Größenordnung wie 2020 kommt es nur alle zehn Jahre.

Das ist doch nur ein laues Lüftchen

Aktuell würde ich noch nicht mal von einem Crash sprechen. Die Märkte haben nur eine ganz gewöhnliche Korrektur vollzogen, wenngleich die Panik und die Volatilität auch in kürzester Zeit auf ein erstaunlich hohes Niveau gestiegen sind.

Im Endeffekt bestätigt mich das in den Thesen, die ich in den letzten Wochen mehrfach schon mehrfach zum Ausdruck gebracht habe:

Der Markt ist fragil und steht auf tönernen Füßen.
Es tummeln sich viele Neulinge an der Börse, viele zittrige Hände. Ferner sind die Börsenkredite auf ein nie dagewesenes Maß gestiegen.
Alles Faktoren, die belastend wirken würden, wenn es wirklich eine Etage tiefer geht.

Man hat gesehen, welche Panik den Markt in den letzten Tagen erfasst hat. Dabei ist rational betrachtet gar nicht viel passiert. Unter dem Strich wurde nur ein Bruchteil der Rallye korrigiert.
Kurstechnisch wurde die Uhr im S&P500 lediglich zum drei Monate zurückgestellt.

Man kann sich ungefähr ausmalen, was passieren wird, wenn der Markt wirklich unter Druck kommt und sich der Abstand zum Allzeithoch vergrößert.
Viele schwache Hände werden gleichzeitig den Ausgang suchen.

Hoffen wir darauf, dass es dazu kommt. Dann kann man endlich wieder größere Käufe tätigen und es wird auch wieder eine Kaufliste geben.

Es gibt aber auch jetzt schon eine ganze Reihe von attraktiven Gelegenheiten, denn im Gegensatz zu den Indizes sind viele Aktien schon weit von ihren Hochs entfernt.

Das sieht immer besser aus

Adobe ist von 700 auf 500 USD zurückgekommen, konnte sich zuletzt aber dem Abwärtssog des Marktes entziehen und zeigt relative Stärke.

Darüber hinaus hat man am Montag ein beachtliches Reversal hingelegt. Kurzzeitig war die Aktie unter 500 USD gerutscht, wodurch sicherlich eine Vielzahl von Stopps ausgelöst wurden.
Anschließend ging es gemeinsam mit den Indizes wieder aufwärts, nur sehr viel stärker.
Während sich der Nasdaq Composite mit 0,63% ins Plus rettete, legte Adobe um 3,95% zu.

Chart vom 25.01.2022 Kurs: 513,50 Kürzel: ADBE - Tageskerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 25.01.2022 Kurs: 513,50 Kürzel: ADBE – Tageskerzen

Über 525 und 535 USD, kommt es jeweils zu prozyklischen Kaufsignalen.
Mögliche Kursziele liegen bei 550 und 580 USD.

Fällt die Aktie hingegen unter 500 USD, haben die Bullen ihre Chance vorerst vertan.

Investment-Case

Für Investoren mit einem entsprechenden Zeithorizont spielt es allerdings kaum ein Rolle ob Adobe noch den Umweg über 450 USD oder weniger geht.
Es wäre vielmehr eine Gelegenheit, die Position weiter auszubauen.

Der Aktie hat die Korrektur gutgetan. Am Hoch lag die P/E bei 56, was selbst für ein herausragendes Unternehmen wie Adobe gefährlich hoch ist.

Inzwischen sind wir einer P/E von 41,6 angekommen. Für geneigte Schnäppchenjäger ist das sicherlich eine große Hürde, für Adobe ist es aber eine normale Bewertung.

In den letzten fünf Jahren lag die P/E durchschnittlich bei 41,5 und dennoch war die Aktie eine äußerst lukrative Anlage.
Geht man davon aus, dass die Bewertung auf diesem Niveau bleiben wird, entspricht die realistische Rendite der Wachstumsgeschwindigkeit.

Für Adobe bedeutet das, dass in den kommenden Jahren annualisierte Renditen von 10-18% p.a. zu erwarten sind.
Bekommt man die Aktie für 450 oder 425 USD, wäre es entsprechend mehr.

Ich würde behaupten, dass das keine schlechte Perspektive ist. Darüber hinaus halte ich die Konsensschätzungen für das laufende Geschäftsjahr für zu niedrig.

Worst-Case?

Über die Qualität des Unternehmens muss man nicht großartig sprechen. Adobe hat ein unschlagbares Produktportfolio mit entsprechender Preissetzungsmacht. Daher kann sich die Aktie auch in vielen Fällen einem schwachen Umfeld entziehen.

Selbst mitten im Crash von 2020 und während anderer Kurseinbrüche sank die P/E nur auf circa 30. Daher kann man einen Rückfall auf ein ähnliches Bewertungsniveau fast schon als Worst-Case-Szenario bezeichnen.

Kommt es dazu, wäre die Rendite in den kommenden beiden Jahren mager, langfristig aber kaum geringer.