Daimler Aktie aktuell Daimler: Eine sehr gewagte Wette

News: Aktuelle Analyse der Daimler Aktie

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Daimler
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Ticker: DAI
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Zur Daimler Aktie

Ob in den USA oder in Europa, die Hinweise darauf, dass die in den Aktienmarkt seit Monaten eingepreiste rasante Rückkehr zur „Prä-Corona“-Wirtschaftsleistung ganz sicher nicht rasant sein wird, mehren sich. Und was macht die Daimler-Aktie? Sie steigt, als befände man sich in der besten aller Welten. Die höchst ernüchternden Bilanzen des ersten und zweiten Quartals scheinen niemanden zu irritieren. Dass Daimler gerade erst am Freitag einen Fahrzeugabsatz für August meldete, der 7,4 Prozent unter dem des Vorjahres lag, auch nicht. Die Aktie steigt, als hätten die Analysten keinen Gewinneinbruch von im Schnitt um 85 Prozent im laufenden Jahr avisiert. Und die durchschnittliche Prognose für 2021 sieht den Gewinn immerhin 15 Prozent unter dem des Jahres 2019. Wobei man nicht übersehen sollte, dass der 2019er-Gewinn unter dem des Jahres 2018 lag. Und der wiederum unter dem des Jahres 2017.

Das können die Anleger doch nicht übersehen? Die Aktie hat am Dienstag auf einem Level geschlossen, das Daimler zuletzt am 22. Januar gesehen hatte, als von der Corona-Krise noch niemand sprach. Und selbst, wenn die Schätzungen der Experten für 2021 eintreffen würden (obwohl man da eine umfangreiche Erholung des Wachstums voraussetzt, das man auf Basis aktueller Daten lieber nicht voraussetzen sollte), läge das Kurs/Gewinn-Verhältnis für Gewinne, von denen noch kein Cent eingefahren wurde, auf dem aktuellen Kursniveau schon im Bereich der für Autobauer normalen Bewertung um zehn. Eine normale Bewertung hätte die Daimler-Aktie also dann, wenn das konjunkturelle Best-Case-Szenario eintritt UND der Kurs bis Ende 2021 nicht weiter zulegt. Wer kauft denn da jetzt noch?

Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur Daimler Aktie finden Sie hier.

Expertenmeinung: Was die Aktie ebenso wie die anderen Autobauer nebst Zulieferern wie Continental momentan treibt, ist eine Wette. Eine Wette darauf, dass die Bundesregierung bei ihrem Konjunkturprogramm nachlegen wird, indem sie z.B. auch eine Kaufprämie für Verbrennungsmotoren beschließt. Die Erwartung, dass das bereits von Anfang an der Fall sein würde, wurde im Juni enttäuscht, weil diese Prämie sich nur auf Elektrofahrzeuge beschränkte. Jetzt stehen Automobilindustrie und die CSU gemeinsam vor der Tür des Kanzleramts und fordern „Nachschlag“. Doch erst gestern betonte Kanzlerin Merkel, dass sie nicht davon ausgehe, dass es zu einer schnellen Entscheidung über weitere Hilfen für die Branche kommen wird, zumal sie gerade erst vergangenen Donnerstag die vorgenannte „Verbrenner-Kaufprämie“ abgelehnt hatte.

Das ist also eine gewagte Wette, die die Käufer da eingehen. Denn würden keine umfassenden zusätzlichen Hilfen für die Branche kommen, wäre eine Daimler-Aktie, die mittlerweile zwei Euro über dem durchschnittlichen Kursziel der Analysten notiert (obwohl da immer einige Analysten mit den steigenden Kursen „nachlegen“) und in einem derart problematischen Umfeld viel zu hoch angesiedelt. Ein Test der Unterstützungszone aus 200-Tage-Linie und mittelfristiger Aufwärtstrendlinie im Bereich 38/39 Euro wäre dann alles, nur nicht überraschend. Aber sollte man diese Gelegenheit nutzen, um auf diesem so hohen Niveau einen Short-Trade zu wagen? Damit würde man nur die Gegenseite der Wette eingehen, d.h. darauf setzen, dass es den jetzt eingepreisten „Nachschlag“ nicht oder nur in geringer als erwarteter Form geben würde. Und somit wäre man ebenso mittendrin in der Zockerei. Angesichts der nicht absehbaren Entwicklung dieser politischen Frage würde ich persönlich mich kurzfristig eher bedeckt halten.

Daimler Aktie: Chart vom 08.09.2020, Kurs 45,58 Euro, Kürzel DAI | Online Broker LYNX

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Ronald Gehrt, Chart- & Fundamentalanalyst | LYNX Börsenexperten
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Vorherige Analysen der Daimler Aktie

Wo bei einem Trend der Endpunkt erreicht, sprich „oben“ oder „unten“ ist, weiß man leider immer erst im Nachhinein genau. Selbst noch so klar erscheinende Kauf- und Verkaufssignale können in eine Falle münden, überraschende Nachrichten alles auf den Kopf stellen. Daher bleibt dem Anleger immer nur eine Indiziensuche, das Forschen nach Hinweisen, dass es mit einem Trend langsam vorbei sein könnte oder im Gegenteil noch ordentlich Kurspotenzial vorhanden wäre. Dafür ist ein Querblick auf die Analysten immer hilfreich. Und der ist bei Daimler gerade sehr interessant.

Denn das durchschnittliche Kursziel, das die Experten derzeit um 42 Euro sehen, ist mittlerweile erreicht. Die Einstufungen liegen im Schnitt nur knapp über „Halten“. Und selbst, wenn man als bullischer Anleger 2020 abhaken und auf 2021 blicken würde, erwarten die Analysten da dann einen Gewinn, der etwa 20 Prozent unter dem des Jahres 2019 liegen würde. Im Schnitt lag der Kurs der Daimler-Aktie 2019 um 50 Euro. Würde man für 2021 nicht nur beim Gewinn, sondern auch beim Kurs diesen 20-Prozent-Abschlag ansetzen, käme man auf 40 Euro. Die Aktie notiert bereits darüber … und läuft seitwärts, wo sie eigentlich nicht seitwärts laufen sollte.

Expertenmeinung: Denn Daimler hatte in der ersten August-Hälfte gleich zwei immens wichtige Charthürden bezwungen. Zunächst die im Chart dick schwarz hervorgehobene 200-Tage-Linie, an welcher die Aktie zuvor zweimal hängengeblieben war, danach die aus den Tiefs vom August 2019 und Februar 2020 zusammengesetzte Widerstandszone 40,30/41,40 Euro. Doch kaum war Daimler am 11. August über diesen Widerstandsbereich gelaufen, war es das, zumindest bislang. Die Anschlusskäufe bleiben aus oder wurden von den Gewinnmitnahmen kompensiert, die indes eher unter, aber nicht über einer solchen wichtigen Hürde zu erwarten gewesen wären.

Dass die Umsätze sofort nach dem Ausbruch deutlich sanken, deutet zwar nicht darauf hin, dass allzu viele Akteure versuchen, in charttechnisch durch diesen Anstieg induzierte Käufe hinein größere Positionen abzubauen. Aber so schwindet das Momentum des Ausbruchs trotzdem sukzessiv dahin, das dürfte die Kaufbereitschaft, nicht zuletzt mit einem Blick auf die überkaufte Markttechnik, deutlich dämpfen. Daraus lässt sich, wie eingangs erwähnt, nicht zwingend ableiten, dass die Daimler Aktie jetzt bereits „oben“ sein muss. Aber in einer solchen Konstellation, in der sich der Kurs seit dem März-Tief verdoppelt hat, obgleich sich die Lage bislang noch nicht überzeugend aufhellt, mit konsequenten Stoppkursen zu agieren und ggf. an ein paar Gewinnmitnahmen zu denken, dürfte keineswegs ein Fehler sein.

Chart vom 20.08.2020, Kurs 41,97 Euro, Kürzel DAI | Online Broker LYNX

Trendbetrachtung auf Basis 6 Monate: Während es die letzten Tage über mit den Aktien von BMW und Volkwagen eher wieder Richtung Süden ging, scheint sich Daimler in der Rolle der Führungsposition immer wohler zu fühlen. Zwar gab es auch hier jüngst einen erneuten Test des 50-Tage-Durchschnitts, doch ähnlich wie zuletzt bereits im Juni konnte der Boden sehr überzeugend gehalten werden. Die Bullen griffen bereitwillig bei Schwäche zu und katapultieren die Kurse geradewegs wieder in Richtung Widerstand. Dieser befindet sich knapp unter der Marke von 42 EUR und wartet darauf, gebrochen zu werden. Nachdem dieses Niveau das dritte Mal in Folge berührt wurde, steigt die Wahrscheinlichkeit auf einen möglichen Breakout.

Expertenmeinung: Der Chart sieht äußerst bullisch aus und wir gehen davon aus, dass sich die Aktie wohl nicht allzu lange Zeit lassen wird, um den Durchbruch zu starten. Danach könnte es mit Daimler schnell in Richtung der nächsten Zielmarke gehen, welche sich im Bereich von 44 bis 46 EUR befindet. Nach unten hin ist vor allem darauf zu achten, dass das zuletzt gebildete Pivot-Tief bei 37.44 EUR möglichst nicht mehr durchbrochen wird. Solange sich die Aktie darüber halten kann, bleibt der Chart im grünen Bereich. Wir bleiben vorerst bullisch auf Daimler.

Aussicht: BULLISCH

Chart vom 07.08.2020 Kurs: 47.90 Kürzel: DAI | Online Broker LYNX

Nach der Veröffentlichung von unvollständigen Vorab-Zahlen in der vergangenen Woche, bei denen der Fokus seitens Daimler vor allem darauf lag zu betonen, dass der Verlust im zweiten Quartal geringer ausgefallen sei als von den Analysten erwartet, wurde gestern die eigentliche Bilanz nachgereicht. Der Umsatz fiel um 29 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Der Nettoverlust lag bei 1,91 Milliarden, im (auch schwachen) zweiten Quartal 2019 lag er bei 1,24 Milliarden. Aber dass das Quartal schwach sein musste, war selbst vor den Vorab-Daten klar. Wichtiger wäre eine klare Perspektive gewesen: Wie lief das dritte Quartal an? Wird man diese verlorenen Umsätze zügig wieder aufholen? Da indes blieb man bei Daimler sehr vage.

Man sehe erste Anzeichen einer Absatzerholung, hieß es. Das kann alles und nichts bedeuten, „erste Anzeichen“ lassen sich nicht quantifizieren. Das Sparprogramm soll ausgedehnt werden, jetzt über 2022 hinaus bis 2025 andauern. Genaue Angaben dazu gab es aber nicht, es habe derzeit keinen Sinn, neue Zahlen zu den Sparmaßnahmen auszugeben, hieß es. Und: Wenn es nicht zu einer zweiten Infektionswelle kommen sollte, würde man mit einem für das Gesamtjahr positiven Betriebsergebnis rechnen.

Expertenmeinung: Entsprechend überschaubar war auch diesmal, ebenso wie nach den Vorab-Zahlen, die Reaktion der Analysten. Es kam zu drei Kursziel-Anhebungen. Seitens J.P. Morgan von 45 auf 47 US-Dollar mit der Empfehlung „Übergewichten“. Bei der NordLB wurde das Ziel von 36 auf 38 Euro angehoben, Empfehlung „Halten“. Und die Commerzbank nahm ihr Ziel von 38 auf 40 Euro nach oben, ebenso mit der Empfehlung „Halten“. Es fällt auf, dass nur eines dieser neuen Kursziele über dem Schlusskurs des Donnerstags lag.

Und wirklich „durch“ ist die Aktie trotz des Tagesgewinns von 4,26 Prozent auch aus charttechnischer Sicht noch nicht. Denn Daimler startete zwar als Reaktion auf die Bilanz gleich auf Höhe der 200-Tage-Linie und in der Widerstandszone 40,31/41,41 Euro, in der sie Anfang Juni noch nach unten abgewiesen wurde. Aber es gelang nicht, diese Zone auf Schlusskursbasis zu überwinden.

Würde das umgehend nachgeholt, würde Daimler über dem gestrigen Tages-Verlaufshoch von 41,78 Euro schließen, wäre in der Tat ein bullisches, charttechnisches Signal generiert. Aber bei einer schwachen US-Vorlage, überkauften markttechnischen Indikatoren und der eher unscharfen Perspektive seitens des Unternehmens wird das kein Selbstläufer. Sollte es anders laufen, Gewinnmitnahmen einsetzen, wäre der Bruch der Unterstützungslinie bei 38,00 Euro und der 20-Tage-Linie bei aktuell 37,52 Euro ein erstes Warnsignal. Und sollte sogar die März-Aufwärtstrendlinie bei derzeit 33,10 Euro fallen, wäre definitiv klar, dass diese Perspektive nicht reichte, um die Aktie zurück in die Handelsspanne vor der Corona-Krise zu tragen.

Daimler Aktie Chart vom 23.07.2020, Kurs 40,83 Euro, Kürzel DAI | Online Broker LYNX

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Daimler hatte am späten Donnerstagabend vorläufige Ergebnisse für das zweite Quartal vorgelegt. Die komplette Quartalsbilanz wird ohnehin schon am 23. Juli veröffentlicht. Aber man hatte es offenbar eilig, die Anleger zu überzeugen, dass die Lage im Griff sei. Dass es vor allem um die Investoren ging, zeigte sich daran, dass Daimler nicht die Veränderungen zum Vorjahresquartal in den Vordergrund stellte, sondern die Analystenschätzungen.

So meldete der Konzern ein Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT) von -1,682 Milliarden und ein um Sonderfaktoren bereinigtes EBIT von -284 Millionen Euro und stellte dies der durchschnittlichen Analystenerwartung von -2,069 Milliarden im EBIT und -1,05 Milliarden im bereinigten EBIT gegenüber. Es war einigermaßen verblüffend, dass das zweite Quartal 2019 oder das Vorquartal in dieser ad hoc-Meldung des Konzerns nicht nur in den Hintergrund traten, sondern gar nicht erst auftauchten.

Warum muss man so etwas nur eine Woche vor der eigentlichen Bilanz veröffentlichen? Ein Schuft, der Böses denkt, wenn er zugleich liest, dass das Handelsblatt aus Konzernkreisen erfahren haben will, dass Daimler die Einsparungen für Personal von ursprünglich geplanten 1,4 auf jetzt 2,0 Milliarden Euro anheben will. Eine gute Nachricht wurde so zeitgleich mit dieser eher negativen Nachricht vorgelegt, denn wenn Daimler derart auf die Kostenbremse treten sollte, dürfte das seine Gründe haben. Darüber hinaus dürften sich viele gefragt haben, was sie jetzt mit diesen Vorab-Zahlen anfangen sollen, denn es kam keinerlei Hinweis zum Umsatz und der Marge, obwohl man durchaus unterstellen darf, dass Daimler den vorläufig berechneten Umsatz ebenso hätte nennen können wie das EBIT. Und nur alle drei Elemente, zusammen mit einem Kommentar zum angelaufenen dritten Quartal, würden ein Bild ergeben, anhand dessen man beurteilen könnte, wie sich die Lage wirklich darstellt.

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Expertenmeinung: Dementsprechend gab es auch nur eine zwei Reaktionen seitens der Analysten. Die DZ Bank hob ihr Kursziel von zuvor 28 auf jetzt 36 Euro an, auf einen Level also, der unter dem Freitags-Schlusskurs lag. Die LBBW nahm das Kursziel von 31 auf 41 Euro nach oben, das liegt nur marginal über dem Freitagsschlusskurs, die Einschätzung lautete dementsprechend auch nur „Halten“. Und was machten die Anleger daraus?

Die Aktie stieg. Aber am Freitag wurden die Optionen auf Aktien abgerechnet und schon ein kleines Plus reichte, um den Kurs über den kurzfristigen Widerstand von 38 Euro zu heben. Das musste am Tag der Abrechnung von Daimler-Optionen zu Reaktionen der Bären führen, die den Anstieg intensivierten. Der indes, Sie sehen es im Chart, nicht allzu grandios ausfiel und, wichtiger noch, an, aber nicht über markante Widerstandslinien führte.

Die Aktie stieg zwar zum Vortag um 4,42 Prozent, bildete dabei aber einen Doji aus, weil der Eröffnungs- und der Schlusskurs nahezu auf demselben Niveau lagen. Und dieser Doji wiederum lag unterhalb der wichtigen, derzeit auch noch durch die 200-Tage-Linie verstärkten Widerstandszone 40,31/41,41 Euro. Erst, wenn Daimler diese Zone überwindet, wäre der Kurs wieder in der „Prä Corona“-Handelsspanne angekommen. Sollten die vollständigen Zahlen zum zweiten Quartal am Donnerstag überzeugen, könnte dieser Ausbruch nachgeholt werden. Sich im Vorfeld aber einfach darauf zu verlassen, erscheint aus aktueller Sicht gewagt!

Daimler Aktie Chart vom 17.07.2020, Kurs 39,34 Euro, Kürzel DAI | Online Broker LYNX

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Daimler AG zählt zu den bedeutendsten Herstellern von Premium-Fahrzeugen und ist einer der weltweit größten Nutzfahrzeug-Hersteller.

Das Unternehmen bietet auch Services im Bereich Finanzierung, Leasing, Flottenmanagement, Versicherungen und innovative Mobilitätsdienstleistungen an.

Ein kleiner Staat

Knapp 300.000 Angestellte und ein Jahresumsatz von 172,7 Mrd. Euro. Daimler ist ein kleiner Staat. Leider erwirtschaftet man in der Manier eines Landes auch keinen Überschuss und hat enorme Schulden.

So manch ein Anleger dürfte gerade vom Stuhl gefallen sein. Daimler nicht profitabel? Der Konzern hat im Hoch schließlich einen Gewinn von 10,52 Mrd. Euro gemeldet.
Das einzige Problem ist nur, dass der freie Cashflow gleichzeitig negativ.

Hier stimmt also etwas ganz gewaltig nicht. Zu einem gewissen Teil ist diese Diskrepanz durch das Leasinggeschäft zu erklären, aber bei weitem nicht komplett.

In Wirklichkeit verdient das Unternehmen kaum Geld und alles was man erwirtschaftet, muss postwendend reinvestiert werden.
In den letzten fünf Jahren hat der Konzern Investitionen gestemmt, die den derzeitigen Börsenwert übersteigen. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.

Den Rest verwendet man für die Dividende, das ist aber auch alles an Mehrwert, was der Konzern für Anleger zu bieten hat.
Daher notiert die Aktie heute auch auf dem Niveau von 2010 oder 1995. Man kann es sich aussuchen.

Ein Sanierungsfall?

In den letzten Jahren ist die Situation nicht gerade besser geworden. Die Bruttomarge ist rückläufig, der Gewinn ist eingebrochen.

Daimler hat den Einstieg in die Elektromobilität verschlafen, ebenso den Wandel bei den gefragten PkW-Typen. Einige Modelle, wie die B-Klasse, stehen vor dem Aus.

Die Schulden sind in den letzten Jahren regelrecht explodiert und nehmen inzwischen ein besorgniserregendes Ausmaß an.
Seit Ende 2015 sind die langfristigen Verpflichtungen von 59,61 auf 95,64 Mrd. Euro gestiegen.

Auch hier wieder: Ein bedeutender Teil davon ist auf das Leasinggeschäft zurückzuführen, es sind quasi keine eigenen Schulden. Zumindest theoretisch.

Pandemie

Die über die Daimler-Dank durchgereichten Kredite sind nur solange kein Problem, wie die Raten gezahlt werden. So mancher Kunde wird sich die dank Kurzarbeit oder Kündigung aber nicht mehr leisten können. Die Kredite fallen Daimler auf die Füße.

Gleichzeitig ist die weltweite Nachfrage nach langlebigen Wirtschaftsgütern massiv eingebrochen, das schließt auch Premiumfahrzeuge ein.

Das gilt ebenso für Nutzfahrzeuge. Ich hatte kürzlich ein Gespräch mit einem Logistiker. Der Frachtverkehr, selbst im Lebensmittel-Segment ist massiv eingebrochen.
Ein bedeutender Teil der LkW-Flotte steht und der Markt wird regelrecht mit Zugmaschinen und Auflegern überschwemmt.
Ein LkW, der vor einem Jahr noch 40.000 Euro Wert war, wird heute für 25.000 Euro gehandelt.

Teilweise ergeben sich erhebliche Lücken zwischen dem derzeitigen Marktpreis und dem Leasing-Rücknahmepreis.

Nach den Worten von Daimler sind die Verkäufe in Q2 jedenfalls signifikant gesunken.
Im ersten Halbjahr lag das Minus von Mercedes Benz bei 19%, bei LkWs waren es -38%.

Die Hütte brennt schon länger

All das wäre schon problematisch genug, wäre man zuvor kerngesund gewesen. Doch wie wir bereits gesehen haben, kennen die Schulden seit Jahren nur eine Richtung und auch an anderen Stellen liegt Einiges im Argen.

Daher warne ich seit Jahren vor der Aktie, beispielsweise im September vergangenen Jahres: Daimler -CEO: Auf uns kommen harte Zeiten zu

Der Chef sollte Recht behalten. Nach der Analyse halbierte sich die Aktie.

Man hatte also ohnehin massive Probleme und war angeschlagen. Umso schwieriger wird es werden, jetzt auch noch eine Pandemie inklusive weltweiter Rezession zu überstehen.

Heute ist die Hauptversammlung der Daimler AG. Eigentlich sollte man die ohnehin schon von 3,25 auf 0,90 Euro gesenkte Dividende ganz gestrichen werden.

Chart

Daimler ist übergeordnet bärisch und steht vor enormen charttechnischen Hürden. Die Erholung der letzten Wochen hat die Aktie an den alten Abwärtstrend zurückgeführt. Es ist wahrscheinlich, dass die Bullen hier scheitern werden.

Mögliche Kursziele auf der Unterseite lägen dann bei 35 sowie 30 und 25 Euro.

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Chart vom 08.07.2020 Kurs: 37,60 Kürzel: DAI - Wochenkerzen | LYNX Online Broker