Mit +13,2 Prozent wurde Aixtron an Tag 1 des Börsenjahres 2026 größter Gewinner in allen deutschen Indizes. Die Rallye passt sich aus charttechnischer Sicht in ein wieder bullisches Bild ein. Die Sache hat aber einen Haken: Der Auslöser bezog sich auf eine andere Aktie!
Suchte man bei Aixtron nach neuen Analysten-Kurszielen, tat man dies am Freitag vergebens: Da kam nichts. Und vom Unternehmen selbst kam die letzte Mitteilung von Belang im November.
Aber man wurde fündig, wenn man über den Tellerrand hinausschaute. Denn bei einem Branchenkollegen gab es eine markante Veränderung bei der Einschätzung eines Analysten: bei der ASML Holding.
Ein Analyst stufte die ASML-Aktie von „Verkaufen“ direkt auf „Kaufen“ hoch und verdoppelte das Kursziel von 750 auf 1.500 Euro, was die Aktie um gut neun Prozent auf knapp 1.000 Euro nach oben katapultierte. Und da ASML genauso wie Aixtron Anlagen für die Halbleiterindustrie herstellt und dieser Analyst die so drastisch bessere Einschätzung für ASML mit der Erwartung einer deutlich steigenden Nachfrage im Chipsektor begründete, dachten sich vermutlich einige: Das gilt dann ja auch automatisch für Aixtron. Einen solchen „Automatismus“ gibt es aber nicht, daher sollte man sich zweimal überlegen, wie hoch man diese Kielwasser-Rallye, bei der die Aktie mit Federn von ASML geschmückt wurde, hängen will.
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Expertenmeinung: Zwar besteht grundsätzlich die Chance, dass die Auftragslage auch bei Aixtron im Jahresverlauf besser würde. Aber da würde man auf stabileren Füßen stehen, wenn entsprechende Einschätzungen nicht von einem externen Beobachter, sondern vom Unternehmen selbst kämen. Zumal wir bei der ASML-Heraufstufung von einem weniger im Fokus stehenden Analysehaus (Aletheia Capital aus Hongkong) sprechen.
Wenn man sich dann noch ansieht, dass Aixtron im Kielwasser der ASML-Aktie deutlich stärker stieg als die hochgelobte, im Kursziel verdoppelte Aktie, um die es ging … dass der Aixtron-Kurs dadurch klar am durchschnittlichen Kursziel der Analysten vorbeigezogen ist (17,50 Euro) … und dass nur 6 der 14 die Aktie regelmäßig einstufenden Experten überhaupt zum Kauf raten … wirken die Beine, auf denen dieser Kurssprung steht, eher dünn.

Nur aus Sicht der Charttechnik passt das Bild perfekt – was ein entscheidender Grund dafür gewesen sein könnte, dass Aixtron zwar im Kielwasser von ASML stieg, aber mehr zulegen konnte. Wir sehen, dass der Kurs Anfang November eine sehr breit angelegte untere Umkehrformation vollendete, dann aber in die Nackenlinien-Zone dieser Bodenbildung zurückfiel und sich wochenlang nicht nach oben lösen konnte. Erst jetzt, mit diesem markanten Satz nach oben, besteht die Chance, diesen Rücksetzer an die jetzt als Support fungierende Zone von 15,95 zu 16,71 Euro als einen Pullback an den Ausbruchslevel zu sehen, also als trendbestätigenden Rücksetzer. Aber noch ist diese Messe nicht gelesen, denn:
Aixtron müsste das vorherige, im November entstandene Zwischenhoch bei 20,14 Euro klar und auf Schlusskursbasis überbieten, erst dann wäre der Pullback tatsächlich vollendet und das Risiko geringer, dass der Kurs nicht unversehens erneut in dieser Zone 15,95 zu 16,71 Euro landet. Und mit Blick auf das durchschnittliche Kursziel, das Fehlen aktueller Daten und Einschätzungen von Aixtron selbst und auf den Umstand, dass ASML gemeint war und Aixtron nur mit reagierte, sollte man einem solchen Ausbruch nach oben lieber nicht vorgreifen!


