Amazon Aktie Prognose Amazon -13%: Notenbanken, Inflation und Konsumlaune

News: Aktuelle Analyse der Amazon Aktie

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Es ist nicht lange her, da feierten Anleger die größte Börsenparty aller Zeiten. Inzwischen herrscht Katerstimmung und niemand bleibt verschont. Auch Amazon nicht.

Die Probleme fangen erst an

Wir schrieben die Jahre 2020 und 2021 und die Welt schien in Ordnung, zumindest aus kurstechnischer Sicht.

Dass das alles ein Trugbild war, erleben wir heute. Je härter gefeiert wird, desto schmerzhafter der Kater.
Vor allem in der zweiten Jahreshälfte 2021 wurde der Markt zunehmend fragiler und am Ende wurde die Rallye nur noch von wenigen hochkapitalisierten Unternehmen getragen.

Als erstes kollabierten die Kurse der Krisengewinner und Wachstumsaktien, dann gewann der Abverkauf immer mehr an Breite.
Schlussendlich bröckelnden auch bei Big Tech die Kurse, seit einigen Tagen geht es auch hier crashartig abwärts.

Microsoft verlor über Nacht mehr als 6% an Wert, Google ist von 105 auf 93 eingebrochen, Amazon hat nach den Quartalszahlen über 13% verloren und Meta ist als Reaktion auf die Quartalszahlen kurzerhand um 24% abgestürzt.

Die Notenbanken scheinen ihr Ziel zu erreichen. Die Stimmung in den Führungsetagen der meisten Unternehmen ist miserabel, Investitionen und Marketing-Budgets werden zurückgehalten und es werden weniger neue Stellen geschaffen.

Die Verbraucherstimmung ist am Boden und viele überlegen es sich derzeit wohl zweimal, ob sie sich etwas anschaffen oder das Geld nicht besser auf die Seite legen.

Ist die Inflation damit besiegt?

Die Notenbanken scheinen ihr Ziel in Rekordtempo zu erreichen: Die Wirtschaft kühlt sich ab und die wirtschaftliche Gesamtnachfrage lässt nach.
Das ist schmerzhaft, aber die Notenbanken ziehen es einer anhaltenden oder komplett ausufernder Inflation vor.

Der Rohöl Preis der Sorte Brent ist heute knapp unter dem Niveau vom Februar, Gas ist sogar günstiger als vor dem Krieg.
Der Preis für Industriemetalle ist auf Jahressicht um 5,1% gesunken, der für seltene Erden um 9,1%.

Im Endeffekt geht es mit allen Preisen abwärts, Eisen, Stahl, Weizen, Palmöl, Halbleiter, Holz und so weiter.

Mit Kupfer, welches als guter Indikator für den Zustand der Wirtschaft gilt, ging es um satte 7,5% abwärts.
Und all das, obwohl gleichzeitig der Euro extrem abgewertet hat. Die Weltmarktpreise in USD sind noch viel stärker gefallen. Kupfer hat in USD beispielsweise 21% verloren.

Vorerst dürfte der Inflationsdruck also spürbar nachlassen. Ob man Teuerung damit endgültig in den Griff bekommen wird, ist aber fraglich.
In vergangenen Inflationsperioden kam es nach einer ersten Abkühlung zu weiteren Inflationsschüben.

Amazon Quartalszahlen

Diese Krise ist also vermutlich längst noch nicht vorbei. Wir werden in den kommenden Monaten zwar die Inflation halbwegs in den Griff, dafür aber immer mehr wirtschaftliche Probleme bekommen.
Die Gesellschaft zahlt in ihrem Kampf gegen die Inflation einen hohen Preis. In Summe werden wir am Ende dieser Phase ärmer sein. Das ist leider die Realität.

Und da jeder einzelne in seinem Portemonnaie ganz genau spürt, was wirklich vor sich geht, drückt das selbstverständlich auf die Konsumlaune.
Mit vollen Händen scheinen derzeit nur noch die US-Amerikaner ihr Geld auszugeben.

Das spürt man natürlich auch bei Amazon. Der Umsatz konnte zwar um 15% auf 127,1 Mrd. USD gesteigert werden, das operative Ergebnis brach jedoch von 4,9 auf 2,5 Mrd. USD ein.

Das hätte aber sicherlich nicht ausgereicht, um einen Kurssturz von 13% auszulösen. Dafür dürfte vielmehr der schwache Ausblick verantwortlich sein.

Denn Amazon stellt für das Schlussquartal eine regelrechte Katastrophe in Aussicht.
Demnach soll der Umsatz lediglich bei 140 – 148 Mrd. USD liegen und die bisherigen Konsensschätzungen von 155 Mrd. USD deutlich verfehlen.
Auf Jahressicht entspräche das nur noch einem Wachstum von 2-8%.

Gleichzeitig drücken die steigenden Kosten auf die Profitabilität, daher erwartet man in Q4 nur noch ein operatives Ergebnis von 0 bis 4 Mrd. USD, nach 3,5 Mrd. USD im Vorjahr.

Ausblick und Bewertung

Amazon existiert eben nicht in einer Blase, abgeschnitten von der Realität und allen anderen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen.

Die Rahmenbedingungen sind eben schwierig. Am Ende kommt es darauf an, wo Amazon in einigen Jahren steht und ob die Kursverluste verhältnismäßig sind.
Was die Zukunft des Online-Riesen angeht, mache ich mir wenig Sorgen.

Kommen wir zur Frage der Verhältnismäßigkeit. Man kann lange darüber diskutieren, ob es überhaupt sinnvoll ist, dass Aktien in dem Maße nachgeben, wie es den aktuellen Quartalszahlen entspricht. Denn natürlich hängt der Wert eines Unternehmens nicht von den aktuellen Zahlen ab, sondern von dem, was in all den kommenden Jahren noch verdient wird.

Aber sei’s drum. Selbst wenn man sich nur auf die kurzfristige Entwicklung konzentriert und die Zukunft ausblendet, ist Amazon vergleichsweise niedrig bewertet.

Die Aktie pendelt seit mehr als einem Jahrzehnt um einen P/OCF von 25-26 und keine andere Kennzahl hat so eine große Korrelation zur Kursentwicklung.
In den letzten zwölf Monaten lag der operative Cashflow bei 39,7 Mrd. USD und dementsprechend wäre Amazon ziemlich genau 10% unterbewertet.

Die realistische Renditeerwartung in den kommenden Jahren liegt also mindestens auf dem Niveau, in dem Steigerungen des operativen Cashflows erzielt werden.
Wir werden sehen, in welchem Umfang das möglich sein wird, aber in der Vergangenheit lagen die Wachstumsraten bei über 20% per annum und dasselbe wird auch für 2023 und 2024 erwartet.

Man könnte auch eine andere Sichtweise wählen:
Heute bekommt man Amazon für den Preis von 2018, obwohl sich der operative Cashflow in dieser Zeit nahezu verdoppelt hat.
Entweder lag die Börse bei der Bewertung von Amazon in all den Jahren falsch, oder aktuell.

Chart vom 28.10.2022 – Kurs: 95,73 Kürzel: AMZN - Wochenkerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 28.10.2022 – Kurs: 95,73 Kürzel: AMZN – Wochenkerzen

Amazon notiert vorbörslich 13,73% im Minus bei 95,73 USD. Wird dieser Kurs im regulären Handel bestätigt, wird ein neues Jahrestief erreicht, was zahlreiche Stopps auslösen dürfte.
Ein mögliches Kursziel auf der Unterseite liegt bei 86 USD.

Gelingt hingegen eine Rückkehr über 100 USD, würde sich die Lage vorerst entspannen.

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Vorherige Analysen der Amazon Aktie

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Trendbetrachtung auf Basis 6 Monate: Amazon ist nicht nur der führende E-Commerce-Händler, sondern auch die Nummer Eins, wenn es um den Cloud-Bereich geht. Im April geriet die Amazon-Aktie massiv unter Druck, nachdem die Bullen versucht hatten, die 200-Tagelinie zu überwinden.

Als die Kurse unter den EMA-50 fielen, gab es nach einem erfolglosen Rückeroberungsversuch dieses gleitenden Durchschnittes kein Halten mehr. Die Kurse rauschten bis fast an die 100 USD-Marke nach Süden. Danach fand die Aktie allmählich ihren Boden.

Der Widerstand bei rund 125 USD konnte aber einige Zeit nicht überwunden werden. Erst Ende Juli sorgten die Quartalszahlen für einen Freudensprung und ließen die Kurse abermals bis an die 200-Tagelinie ansteigen.

Diese starke Bewegung wurde im August korrigiert und der Unterstützungsbereich bei rund 125 USD wurde nochmals getestet.

Expertenmeinung: Letzten Freitag sah es so aus, als könnte sich der Aktienmarkt nach dem Abverkauf wieder erholen. Dann kamen aber negative Nachrichten zur Gasversorgung aus Russland über den Ticker, welche den Anlegern die Stimmung vermieste.

Obwohl Amazon in einigen Megatrends bestens positioniert ist, konnte sich auch das Papier des E-Commerce-Händlers dem Abverkauf nicht entziehen. Wenn die Bullen nun wieder das Zepter übernehmen würden, wäre dies die Möglichkeit, den Rücksetzer für einen Bounce zu nutzen.

Sollten allerdings die Bären die Oberhand behalten, müssen wir mit deutlich tieferen Kursen rechnen. Es wäre dann gut möglich, dass die Marke bei rund 100 USD nochmals angelaufen werden könnte.

Amazon Aktie: Chart vom 02.09.2022 Kurs: 127.80 Kürzel: AMZN | Online Broker LYNX

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Trendbetrachtung auf Basis 6 Monate: Der führende Online-Versandhändler hat zuletzt wenig beeindruckende Quartalsergebnisse vorgelegt. Zwar lag der Umsatz leicht über den Erwartungen der Analysten, doch der Gewinn war deutlich darunter. Zumindest die Aussichten für das dritte Quartal konnte die Anleger zufriedenstellen und die Amazon-Aktie reagierte in Folge überaus positiv. Die letzten Widerstände wurden gebrochen und die Kurse konnten sogar das Gap von Ende April schließen. Angekommen an der 200-Tage-Linie, welche sich aktuell bei 145.32 USD befindet, scheinen die Bullen jedoch deutlich an Kraft zu verlieren. Seit mehreren Tagen wird jegliche Kursstärke verkauft, was an der Reihe von roten Kerzen erkennbar ist. Die Rallye scheint hier erstmals ein paar Dellen zu bekommen.

Expertenmeinung: Es scheint so als würden einige Anleger hier verstärkt beginnen, ihre Gewinne mitzunehmen. Dies wundert kaum, denn Amazon konnte die letzten Wochen über fast 40% an Wert zulegen. Da darf auch mal die ein oder andere Korrektur her. Interessant wird hier vor allem, wie die Kurse auf die 20-Tage-Linie reagieren werden. Ich halte aktuell trotz bullischer Einstufung eine Korrektur bis hin zu diesem Indikator für sehr wahrscheinlich. Danach wird sich zeigen, wie stark und robust diese Rallye wirklich ist. Möglicherweise bekommen Anleger hier noch eine zweite Chance und könnten das Papier auf günstigeren Niveaus noch mit ins Portfolio holen.


Aussicht: BULLISCH

Chart vom 11.08.2022 Kurs: 140.64 Kürzel: AMZN | Online Broker LYNX
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Andernorts schwächelt der Handel, doch Amazon scheint der Konkurrenz wieder davonzulaufen. Sollte man jetzt noch zuschlagen?

140 Milliarden Dollar über Nacht

Die letzte Analyse zu Amazon ist vor wenigen Tagen erschienen, eine grundlegende Einschätzung zum Unternehmen, welche Qualitäten es mitbringt und warum ich die Aktie als außerordentlich aussichtsreich erachte, finden Sie dort:
Amazon: Rezession, Preise steigen massiv, nur die Spitze des Eisbergs

Heute soll es um die jüngsten Quartalszahlen gehen. Man sollte zwar nicht zu viel auf einzelne Quartale geben, aber eine Kursreaktion von 11% sollte nicht unkommentiert bleiben.

Wie bei allem, was mit Amazon zu tun hat, haben wir es mit gigantischen Ausmaßen zu tun. Der Börsenwert des Online-Händlers ist über Nacht mal eben um 140 Mrd. USD gestiegen.

Das entspricht nahezu dem Börsenwert des größten Dax-Unternehmens (Linde kommt derzeit auf eine Marktkapitalisierung von 147 Mrd. Euro) oder aber mehr als dem Wert der zehn kleinsten Dax-Konzerne.

Fragen über Fragen

Die jüngsten Quartalszahlen haben ein Kursfeuerwerk ausgelöst, es stellt sich nur die Frage, ob das auch gerechtfertigt ist.
Dass ich langfristig optimistisch bin, was Amazon angeht, dürfte für regelmäßige Leser keine Neuigkeit sein.
Bei mir lösen die jüngsten Quartalszahlen allerdings keine Begeisterung aus.

Vielleicht suche ich aber auch nur das Haar in der Suppe, da ich grundsätzlich dazu tendiere eine konträre Haltung einzunehmen. Nach all den Jahren an der Börse ist diese Haltung eines antizyklischen Investors quasi in meine DNA übergegangen.

Einerseits freut man sich als langjähriger Aktionär von Amazon über einen Kurssprung, andererseits gibt es an den jüngsten Geschäftszahlen durchaus einiges zu bemängeln.

Lassen wir die Zahlen sprechen

Das Ergebnis lag mit -0,20 je Aktie unter den Erwartungen von +0,15 USD. Der Umsatz übertraf mit 121,2 Mrd. die Analystenschätzungen von 119,5 Mrd. USD leicht.

Dazu muss man allerdings sagen, dass der gemeldete Gewinn bei Amazon keine große Aussagekraft hat, außerdem hat man im abgeschlossenen Quartal eine Abschreibung von 3,9 Mrd. USD auf Rivian Automotive vornehmen.
Operativ hat man einen Gewinn von 3,3 Mrd. USD eingefahren.

Den Kurssprung dürften allerdings auf andere Faktoren zurückzuführen sein. Amazon hat für das dritte Quartal einen Umsatz von 125 – 130 Mrd. USD in Aussicht gestellt, bisher lagen die Konsensschätzungen nur bei 126 Mrd. USD.

Darüber hinaus dürfte die Erleichterung groß sein, dass es im Gegensatz zu den meisten anderen Handelskonzernen wie zum Beispiel Wal-Mart anhaltend gut läuft.

Nach den Aussagen von Amazon ist die Nachfrage und die Konsumlaune der Kunden nach wie vor gut, man habe einen „sehr starken“ Juni erlebt.

Darüber hinaus verbessere sich die Kostenbasis zunehmend. Die Zahl der Mitarbeiter sei in den letzten Monaten rückläufig gewesen, da man teilweise Stellen nicht neu besetzt hat.

Siegeszug

Ferner hat sich die Zahl der Prime-Abos besser entwickelt als angenommen, nachdem man die Preise in den USA im Februar erhöht hatte.
Das dürfte auch ein Vorbote für Europa sein. Diesen Punkt hatten wir der letzten Analyse bereits ausführlich besprochen.

Ein weiteres und sehr wichtiges Thema war und ist natürlich AWS. Der Siegeszug der Cloud-Sparte hat sich wie erwartet fortgesetzt.

Auf Jahressicht kletterte der Umsatz in Q2 um 33% auf 19,7 Mrd. USD. Das operative Ergebnis kletterte sogar um 36% auf 5,72 Mrd. USD.

Mit AWS hat Amazon wahrlich eine Gelddruckmaschine geschaffen.

So weit, so gut. Bisher gibt es wenig zu bemängeln. Schaut man sich den Cashflow an, sieht es allerdings anders aus.

Dass Amazon stets gigantische Investitionen durchführt, ist keine Neuigkeit, dass der Cashflow allerdings stark negativ ist, ist ungewöhnlich.

Was ist denn jetzt los?

Amazon hat in den letzten zwanzig Jahren fast durchgängig einen steigenden operativen Cashflow erzielt, aktuell ist das nicht der Fall.
Tatsächlich ist der operative Cashflow in den letzten 12 Monaten um 40% auf 35,6 Mrd. USD gesunken.
Der freie Cashflow war mit -23,5 Mrd. USD sogar negativ.

Das ändert an der grundlegend positiven Einschätzung von Amazon nichts, man sollte diesen Punkt allerdings im Auge behalten.
Es wäre gut möglich, dass es Amazon mit den Investitionen derzeit ein wenig übertreibt, wenngleich sie strategisch auch Sinn ergeben mögen.

Amazon hat bereits in den letzten Quartalen kommuniziert, dass man die Investitionen massiv erhöhen wird, für AWS eine „aggressive Wachstumsstrategie“ verfolgt und die Dominanz des Amazon-Marktplatzes „zementieren“ möchte.

Für eine gewisse Zeit kann man sich das auch leisten. Amazon hat derzeit 60,7 Mrd. USD an Barmitteln und keine Nettoschulden.

Die Investment-These ist also weiterhin intakt, die Strategieänderung von Amazon macht die Bewertung allerdings nicht gerade leichter.
Seit zwanzig Jahren konnte man problemlos den operativen Cashflow heranziehen, das funktioniert jetzt leider nicht mehr.

Vorerst muss man sich wohl auf das KUV besinnen. Das dürfte nach dem heutigen Kurssprung um 11% bei 2,69 liegen. In den letzten fünf Jahren wurde Amazon durchschnittlich mit einem KUV von 3,36 bewertet,
Die Aktie wäre demnach noch immer leicht unterbewertet und größere Rücksetzer eine Gelegenheit.

Chart vom 29.07.2022 - Kurs: 136 Kürzel: AMZN - Wochenkerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 29.07.2022 – Kurs: 136 Kürzel: AMZN – Wochenkerzen

Mit dem Anstieg über 124 USD wurde ein Kaufsignal ausgelöst. Vorbörslich ist die Aktie bereits nahe an das in der letzten Analyse genannte Kursziel bei 140 USD herangerückt.
Ein Trade lässt sich auf dem aktuellen Niveau daher schwer abbilden.

Investoren sind entweder schon eingestiegen, müssen auf Rücksetzer hoffen oder jetzt in den sauren Apfel beißen und den steigenden Kursen hinterherlaufen.

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Amazon erhöht die Preise für Prime um bis zu 43%. Droht eine Kündigungswelle? Wie steht es um eine mögliche Rezession und was geht unter der Oberfläche wirklich vor sich?

Zerbrechlich

Wir hatten bereits mehrfach thematisiert, wie fragil der Markt derzeit ist. Anleger sind nervös und ganz überwiegend bärisch. Eigentlich rechnet jeder mit einer Rezession und weiter fallenden Kursen.

Eine Rezession in den USA scheint so gut wie sicher zu sein. Am vergangenen Freitag rutschte der Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor auf 47 und somit unter die Expansionsschwelle von 50.

Da die US-Wirtschaft bereits im ersten Quartal um 1,6% geschrumpft ist und die Atlanta Fed im zweiten Quartal per GDPNow ebenfalls ein Minus von 1,6% erwartet, deutete bereits zuvor viel darauf hin.

Bisher sprechen wir aber über eine milde Rezession. Der US-Arbeitsmarkt ist nach wie vor sehr robust, die Zahl der offenen Stellen ist heute rund 50% höher als sie vor Corona jemals war.

Für die meisten Menschen dürfte die Inflation an sich ein größeres Problem darstellen als eine milde Rezession.
Die Fed hatte zwar ein anderes „Soft Landing“ im Sinn, aber wegen eines Rückgangs der Wirtschaftsleistung um 1,6% geht die Welt wahrlich nicht unter.

Eine Rezession auf diesem Niveau ist eingepreist. Die Lage muss sich also weiter verschlechtern, um einen erneuten Rückfall der Kurse bis zum Jahrestief oder darunter zu rechtfertigen.

Mögliche Auslöser dafür gibt es genug. Die Chancen stehen „gut“, dass irgendetwas zu weiterem Ungemach führen wird.
Die Uhr tickt.

Amazon Prime wird erheblich teuer

Warum erzähle ich Ihnen das? Zunächst möchte ich Ihnen natürlich eine Einschätzung der Großwetterlage liefern, aber im Kern geht es um Amazon, die Preiserhöhung von Prime und die Kursreaktion darauf.

Amazon wird die Preise für Prime je nach Land um 20-43% erhöhen. In Deutschland steigt der Preis bei monatlicher Zahlung beispielsweise von 7,99 auf 8,99 Euro und bei jährlicher Mitgliedschaft von 69,00 auf 89,90 Euro.

Das dürfte einige Kunden verärgern, denn Preiserhöhungen mag niemand. Aber realistisch betrachtet bekommt man noch immer sehr viel für sein Geld.
Unter dem Strich sind „wir“ auch noch gut dran. In den USA kostet Prime inzwischen 139 USD pro Jahr.

Amazon hat bei Prime seit jeher draufgelegt und das dürfte selbst nach dieser Preiserhöhung noch der Fall sein.
Das Unternehmen nimmt diese Kosten in Kauf, um ein möglichst hohes Maß an Kundenbindung zu erreichen. Das war schon immer die Maxime.

Es stellt sich aber dennoch die Frage, ob es zu einer größeren Zahl an Abo-Kündigungen kommen wird.
Es ist eine reine Vermutung, aber ich erwarte das nicht.

Eine kleine Stichprobe bei Freunden und Klienten hat ergeben, dass deshalb niemand kündigen wird.
Das ist natürlich nicht repräsentativ, gibt uns aber eine gewisse Vorstellung, wie sich die Mehrheit verhalten könnte.

Eher Plus als Minus

Im Zweifelsfall dürfte der Umsatz von Amazon also eher steigen, als dass er durch die Maßnahme sinken würde.
In den Geschäftszahlen von Amazon wird sich die Preiserhöhung trotzdem kaum niederschlagen.

Amazon hat in Europa rund 40 Millionen Prime-Kunden. Eine Erhöhung um rund 20 Euro pro Kunde entspricht 800.000 Mio. Euro pro Jahr.

Amazon wird in diesem Jahr allerdings mehr als 500 Mrd. USD an Umsatz erzielen, es fällt also kaum ins Gewicht.

Umso erstaunlicher ist die Kursreaktion auf die Preiserhöhung. Amazon notiert nachbörslich 3,25% im Minus bei 117,20 USD.

Ausblick und Bewertung

Der Kurs der Amazon-Aktie entwickelt sich seit Jahren Hand in Hand mit dem operativen Cashflow und pendelt um einen Multiplikator von etwa 25.
Das galt vor 5 ebenso wie vor 15 Jahren und daher liegt die Vermutung nahe, dass das auch zukünftig so bleibt.
Der Zusammenhang ergibt auch rational Sinn.

Darf man den Prognosen Glauben schenken, dürfte Amazon im laufenden Geschäftsjahr einen operativen Cashflow (OCF) von 6,65 USD je Aktie erzielen.
Daraus ergibt sich ein „fairer Wert“ von 166,25 USD.

Dabei unterstellen wir natürlich, dass diese Prognose erfüllt wird und die Bewertung wieder auf das durchschnittliche Niveau der Vergangenheit steigen wird.

Da die Prognostiker ihre Erwartungen in den letzten Monaten aber bereits massiv reduziert haben, ist die Wahrscheinlichkeit aber gestiegen, dass sie erreicht werden können.

Nicht vergessen

Ferner sollte man nie vergessen, was sich unter dem Konzerndach von Amazon alles verbirgt.
Man könnte problemlos eine Rechnung aufmachen, wonach AWS für sich genommen bereits den gesamten Börsenwert rechtfertigt.

Dazu folgende Gedanken aus einer früheren Analyse (Link):

Im gerade abgeschlossenen Quartal konnte der Umsatz um 36% auf 18,44 Mrd. USD gesteigert werden.
Operativ hat AWS einen Gewinn von 6,52 Mrd. USD erwirtschaftet, 56% mehr als im Vorjahr.

Nun darf und kann jeder die Rechnung aufmachen, was AWS eigenständig Wert wäre.

Hält das derzeitige Tempo an, könnte AWS im laufenden Geschäftsjahr einen Umsatz von 100 Mrd. und einen Gewinn von 29 Mrd. USD erzielen.

Das Wachstum ist enorm, die Profitabilität ist es ebenso. Welche Bewertung würde die Börse dem Marktführer im Cloud-Segment also zugestehen? Welchen Multiplikator?

Unterstellt man ein KUV von 15 und das fünfzigfache des operativen Gewinns, wäre AWS mehr wert als derzeit der ganze Konzern.
Selbstverständlich ist das eine ambitionierte Bewertung, aber ist sie in Anbetracht von Gewinnsprüngen von mehr als 50% wirklich so unrealistisch?

Am Ende muss man AWS auch keine derartig hohe Bewertung zugestehen, denn Abseits von AWS hat Amazon ja auch noch ein Geschäft, welches immerhin einen Jahresumsatz von mehr als 400 Mrd. USD erzielt.

Dazu sollte man vielleicht nochmal verdeutlichen, wie einzigartig AWS ist.
Die Cloud-Sparte von Amazon ist nicht nur der klare Marktführer, sondern auch mit Abstand am profitabelsten.

Unterschätzt

Und auch das „Retail“- Geschäft mit wird vermutlich unterschätzt. Gemeinhin vertreten Anleger die Meinung, dass dieses Geschäft mit seinen 400 Mrd. USD Jahresumsatz kaum einen Gewinn abwirft.

Ein Blick in den Cashflow malt ein anderes Bild, doch darum soll es jetzt nicht gehen.

Die Fehleinschätzung liegt andernorts. Was Amazon in den Quartalsberichten unter „Retail“ meldet, ist viel mehr als das Handelsgeschäft.

Zu diesem Segment gehören zum Beispiel auch die Hardware-Sparte (Fire, Kindle, Echo usw.), die eigene Roboter-Plattform, Alexa, Twitch, Whole Foods, Technologieplatformen wie Just-Walk-Out und Amazon Ines, das Entertainment-Geschäft Prime Video, ein B2B-Marktplatz, Amazon Logistics und auch Advertising.

Jedes dieser Geschäftszweige würde, wenn sie eigenständig wären, eine eigene Analyse rechtfertigen.

Bereits 2020 wurde der Wert des Entertainment-Geschäfts auf 500 Mrd. USD beziffert (Link).
Man kann dieser Einschätzung folgen oder nicht, es zeigt aber, welche Werte der Konzern geschaffen hat.

Die Summe der Teile

Um ein weiteres Beispiel herauszupicken: Mit Advertising hat Amazon zuletzt einen Jahresumsatz von 31,6 Mrd. USD erzielt.
Damit ist man im Werbegeschäft weltweit die Nummer drei, direkt nach Alphabet und Meta.

Gesteht man dem Ad-Business eine Bewertung wie diesen Konkurrenten zu, ist der Geschäftszweig zwischen 128,9 und 176,0 Mrd. USD wert.
Und auch das ist eher ein Understatement, denn sowohl Alphabet und Meta waren in der Vergangenheit wesentlich höher bewertet.

Aber belassen wir es dabei. Vielleicht haben Sie ja mitgerechnet, was die besprochenen Teile von Amazon wert sein könnten und viele weitere Teile haben wir noch nicht mal angesprochen.

In Summe könnte es wesentlich mehr sein als der aktuelle Börsenwert von 1.214 Mrd. USD.

Am 28. Juli werden wir nach Börsenschluss erfahren, wie das zweite Quartal verlaufen ist.

Chart vom 26.07.2022 - Kurs: 117,20 Kürzel: AMZN - Wochenkerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 26.07.2022 – Kurs: 117,20 Kürzel: AMZN – Wochenkerzen

Gelingt jetzt ein Anstieg über 124 USD, wäre der Weg in Richtung 135 und 140 USD frei.

Solange der Ausbruch noch nicht geglückt ist, kann es aber auch jederzeit zu einem erneuten Rücksetzer in Richtung 116 und möglicherweise auch in die Supportzone 101 – 109 USD kommen.

Fällt Amazon unter 100 USD, haben die Bullen ihre Chance vorerst vertan.

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Trendbetrachtung auf Basis 6 Monate: Der Ausbruch an der Nasdaq über wichtige Widerstandsmarken fand bereits am Dienstag statt. Im gestrigen Handel war es umso wichtiger, dass die Bullen diesen Ausbruch bestätigen und dieses wichtige Signal ist nun am Tisch. Gleichzeitig sahen wir auch Rückenwind seitens führendender Aktien wie Apple oder Meta Platforms.

Auch die Amazon-Aktie drehte ordentlich auf und konnte den Widerstandsbereich bei 118 USD endlich hinter sich lassen. Somit haben wir hier ein klares Kaufsignal am Tisch und die nächsten möglichen Kursziele stehen auch schon fest. Dazu später mehr. Wichtig war vor allem auch die Rückeroberung der gleitenden Durchschnitte der Perioden 20 und 50. Die Bullen übernehmen stetig das Zepter und die Gesamtlage sieht nun wieder deutlich besser aus.  

Expertenmeinung: Nun zum nächsten möglichen Kursziel. Hierbei sticht wieder einmal das Gap-Window, welches Ende April aufgerissen wurde im Fokus. Die Kurse könnten sich aufmachen, diesen Bereich zu testen, doch gleichzeitig steht auch ein wichtiger Termin vor der Tür. Am kommenden Dienstag nach Börsenschluss wird sich zeigen, wie gut oder schlecht das letzte Quartal bei Amazon gelaufen ist. Dies wird für die kommenden Wochen richtungsweisend sein und neue Signale liefern. Vorerst passe ich meine Erwartungen von neutral auf bullisch an.  

Aussicht: BULLISCH

Chart vom 20.07.2022 Kurs: 122.77 Kürzel: AMZN | Online Broker LYNX